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Full text of "Jahrbuch der Kais. Kön. Geologischen Reichs-Anstalt"

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KATSERLICH-KÖNIGLTCHEN 





XLV. BAND. 1895. 



Mit 18 Tafeln. 



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WIEN, 1896. 

Verlag der k. k. Geologischen Reichsanstalt. 

In Commission bei R. Lechner (Wilh. Müller), k. u. k. Hofbuchhandlung, 

I., Graben 31. 



Die Autoren allein sind für den Inhalt ihrer Mittheilungen verantwortlich. 



Inhalt. 



Seite 

Personalstand der k. k. geologischen Reichsanstalt (März 1896) V 

Correspondenten der k. k. geologischen Reichsanstalt VIII 

Heft 1. 

Arbeiten aus dem chemischen Laboratorium der k. k. geologischen Reichs- 
anstalt, ausgeführt in den Jahren 1892 — 1894. Von C. v. John und 
C. F. Eichleiter 1 

Miueralführuug der Erzgänge von Stfebsko bei Pfibram. Von A.Hof mann. 

Mit einer Zinkotypie im Text 29 

Kreidepflanzen von Lesiua. Von Dr. Fritz v. Kern er. Mit vier Lichtdruck- 

uud einer lithographirten Tafel. (Nr. I— V) 37 

Geologische Studien in den tertiären und jüngeren Bildungen des Wiener 
Beckens. Von Felix Karr er. Mit zwei geologischen Profiltafeln 
(Nr. VI und VII) nach den Original- Aufnahmen des Herrn Stadt- 
Ingenieur G. B. Würmer und einer Zinkotypie im Text 59 

Die Erderschütterung in der Gegend von Neulengbach am 28. Jänner 1895. 

Von Dr. Franz E. Suess. Mit einer Zinkotypie im Text 77 

Die stratigraphische Bedeutung der Bischitzer Uebergangsschichten. Von 

C. Zahälka. Mit einer Zinkotypie im Text 85 

Die Erzvorkommen im Plattach und auf der Assam-Alm bei Greifenburg in 
Kärnten und die sie begleitenden Porphyrgesteiue. Von Dr. Richard 
Canaval. Mit einer Zinkotypie im Text 103 

Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Kreideformation. Von Jaroslav 
J. Jahn. Mit einer lithographirten Tafel (Nr. VIII) und drei Zinko- 
typien im Text 125 

Heft 2 und 3. 

Ein Ptychoduszahn (Ptychodus granulosus n. sp.) im Wiener Sandstein von 

Hütteldorf. Von K. A. Redlich. Mit einer Zinkotypie im Text . . 219 

Bowmanites Römerl, eine neue Sphenophylleen - Fructificatiou. Von H. 
Grafen zu Solms-Laubach. Mit zwei phototyphischeu Doppel- 
tafeln (Nr. IX und X) 225 

Neue Brachiopoden und eine neue Halohia der Trias von Balia in Klein- 
asien. Von A. Bittner. Mit einer lithogr. Tafel (Nr. XI) 249 

Ueber ein Ganggestein aus dem Biliner Braunkohlenreviere und die durch 
dasselbe hervorgerufenen Contacterscheinungen. Von A. Pelikan. 
Mit einer lithogr. Tafel (Nr. XII) _ _ . 255 

Ueber die krystallinischen Schiefer- und Massengesteine, sowie über die 
sedimentären Ablagerungen nördlich von Brunn. (Geologische Beschrei- 
bung des Kartenblattes Boskowitz und Blansko. Zone 8, Col. XV.) 
Von Dr. L. v. Tausch , • • • ■ 265 

Die Fauna des Carabrium von Tejfovic und Skrej in Böhmen. Von J. F. 
Porapeckj. Mit 5 lithogr. Tafeln (Nr. XIII— XVII) und einer Zinko- 
typie im Text 495 



IV 

Heft 4. 

Seite 
Der Grauatspitz-Kern. Von F. Löwl. Mit einer geologischen Karte in 

Farbendruck (Taf. XVIII) und 10 Profilen im Text 615 

Ueber die geologischen Verhältnisse des Cambrium von Tejfovic und Ökrej 

in Böhmen. Von Jaroslav J. Jahn. Mit 10 Zinkotypien im Text . . 641 



Verzeichniss der Tafeln. 

Tafel Seite 

I — V zu: F. V. Kern er. Kreidepflanzen von Lesina 37 

VI — VII zu: F Karrer. Geologische Studien in den tertiären und 

jüngeren Bildungen des Wiener Beckens 59 

VIII zu: Jaroslav J. Jahn. Einige Beiträge zur Kenntniss der 

böhmischen Kreideformation 125 

IX — X zu: H. Graf zu So 1ms -La u b ach. Bowinanites Rönieri, 

eine neue Spheuophylleen-Fructification 225 

XI zu: A. Bittner. Neue Brachiopoden und eine neue Halohin 

der Trias von Balia in Kleiuasien 249 

XII zu: A. Pelikan. Ueber ein Ganggestein aus dem Biliner 

Brauukohlenreviere etc 255 

XIII — XVII zu: J. F. Pompeckj. Die Fauna des Cambrium von Tej- 
fovic und Skrej in Böhmen 495 

XVIII zu: F. Löwl. Der Granatspitz-Kern 615 



Personalstand 

der 

k. k. geologischen Reich sanstalt. 



Director : 

Stäche Guido, Ritter des österr. kaiserl. Ordens der eisernen Krone 
III. GL, Gommandeur d. tunes. Msdan-Iftkliar-Ordens, Phil. Dr., 
k. k Oberbergrath, Ehrenmitglied der ungar. geolog. Gesellschaft 
in Budapest und der naturforsch. Gesellsch. „Isis" in Dresden etc., 
III., Oetzeltgasse Nr. 10. 

Vice-Director : 

M j s i s V i c s Edler von M o j s v ä r Ed mund, Ritter des österr. 
kaiserl. Ordens der eisernen Krone III. Gl., Gommandeur des 
montenegrinischen Danilo-Ordens, Officier des k. italienischen 
St. Mauritius- und Lazarus-Ordens, sowie des Ordens der Krone 
von Italien, Ehrenbürger von Hallstatt, Jur. U. Dr., k k. Ober- 
bergrath, wirkl. Mitglied der kaiserl. Akad. der Wissenschaften 
in Wien, Foreign Member der geologischen Gesellschaft in 
London, Ehrenmitglied der Societe des Natural de S. Peters- 
bourg, der Soc. Beige de Geologie, de Paleontologie et d'IIydro- 
logie in Brüssel, des Alpine Glub in London und der Soc. degli 
Alpinist! Tridentini, corresp. Mitglied der kaiserl. Akad. der 
Wissenschaften zu S. Petersburg, der R. Acadeniia Valdarnese 
del Poggio in Monte varcchi, des R. Istituto Lomb. di scienze, 
lettere ed arti in Mailand, der Acad. of Natur. Science in 
Philadelphia, der geolog. Gesellschaft in Lüttich, der British 
Association for the Advancement of science in London, etc., 
III., Strohgasse Nr. 26. 

Chefgeologe extra statum in der VI. Rangsclasse. 

Foullon Heinrich, Freiherr v, III. Rasumoffskygasse Nr. 1. 

Chefgeologen : 

Paul Garl Maria, Ritter des kaiserl, österr. Franz Josefs-Ordens, 
k. k. Oberbergrath, Mitglied der Leop. Gar. Akad. der Naturf. 
in Halle, III., Seidelgasse Nr. 34. 

Ti e tze Emil, Ritter des k. portugiesischen Set. Jacobs-Ordens, Besitzer 
des Klein-Kreuzes des montenegrinischen Danilo-Ordens, Phil Dr., 
k. k. Oberbergrath, Mitglied der Leop. Gar. Acad. der Naturf. 
in Halle, Ehrencorrespondent der geogr. Geselschaft in Edin- 
burgh, corresp. Mitglied der geogr. Gesellschaft in Berlin und 
Leipzig, der schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur 
in Breslau etc., III., Ungargasse Nr. 27. 

Vacek Michael, III., Erdbergerlande Nr. 4. 



VI 



Vorstand des chemischen Laboratoriums: 

John von Johnesberg Conrad, III., Erdbergerlände Nr. 2. 

Geologen: 

Bittrier Alexander, Phil. Dr., III., Thongasse Nr. 11. 
Teller Friedrich, III., Kollergasse Nr. 6, 

Adjuncten ; 

Geyer Georg. III., Solienbriickengasse Nr. 9. 

Tausch Leopold v., Phil. Dr , III., Boerhavegasse Nr. 31, 

Bibliothekar: 

Matosch Anton, Phil. Dr., III., Hauptstrasse Nr. 33. 

Assistenten : 

Bukowski Gejza v., III, Marxergasse Nr. 27. 
Rosiwal August, Privatdocent an der k k technischen Hochschule, 
II., Untere Augartenstrasse Nr. 37. 

Praktikanten : 

Dreger Julius, Phil Dr., XIX., Gemeiudegasse Nr. 7. 

Eichleiter Friedrich, XVIII., Schulgasse Nr. 52. 

Kern er von Marilaun Fritz, Med. U. Dr., IIP, Rennweg 14. 

Jahn Jaroslav, Phil, Dr., IIP, Pragerstrasse Nr. 13. 

Suess Franz Eduard, Phil. Dr., IL, Afrikanergasse Nr. 9. 

Volontäre : 

Arthaber G. v, Phil. Dr., I., Löwistrasse Nr. 18. 
Kossmat Franz, Phil. Dr., V, Wildemanngasse Nr. 4. 

Für die Kartensammlung: 

Jahn Eduard, Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes | 

mit der Krone, IIP, Messenhausergasse Nr. 7. j- Zeichner. 

Skala Guido, XVI., Hippgasse Nr. 41. j 

Für die Kanzlei: 

Girardi Ernst, k. k Rechnungsrevident, IIP, Geologengasse Nr. 1. 

Diurnist : 

Kotscher Wilhelm, IIP, Hauptstrasse Nr. 102. 



VII 



Diener: 

Erster Amtsdiener: Schreiner Rudolf 
Laborant: Kalunder Franz 
Zweiter Amtsdiener: Palme Franz 
Dritter Amts dien er: Ulbing Johann 
A m t s d i e n e r g e h i 1 f e für das Laboratorium : 

Ruzek Stanislaus 
Am ts diene rgehilfe für das Museum: 

Spatny Franz 
Heizer: Kohl Johann 

Portier: Kropitsch Johann, Invaliden-Hof burgwächter, 
validenstrasse Nr. 1. 



III., Rasumoffsky- 
gasse Nr. 23 u. 25. 



III., In- 



VIII 



Correspondenten 

der 

k. k. geologischen Reichsanstall 

1895. 

Wilhelm Kuthan, Schulleiter in Tejrovic in Böhmen. 

Giuseppe De Lorenz o, Phil, Dr., in Neapel. 

Emanuel Bärta, k. k. Professor an dem Staats-Obergymnasium 
in Leitomischl. 

Nicolaus Manzavinos, Bergwerks - Director in Balia - Maaden, 

Kleinasien. 
Hans Commenda, k. k. Professor und Bezirks-Schulinspector in 

Linz. 

Dr. A. Pelikan, Assistent an dem mineralogischen Institut der 
Universität Wien. 

Eduard Geipel, Inhaber der Herrschaft Gairach in Südsteiermark. 
Dr. Carl Diener, Docent für Geologie an der Universität in Wien. 






AiiSffOüTobeii am 30. Juni 1805. 



JAHRBUCH 



DKl: 



KATSERLICH-KÖNTGLICHEN 




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JAHRGANG 1895. XLV. BAND. 

1. Heft. 
Mit Tafel I-VIII. 






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Wien, 1895. 

» 

Verlag" der k. k. Geologischen Reichsanstalt. 



In C'omiaissi Uli l.ci R. Lechner/(Wilh. Müller), k. u. k. Uoriiii'-lilKuidlmiii-, 

I., GrAbeii 3i. 



California Academy of Sciences 



Presented byJCt K> GeolOgiSCne 

Heichsaiistalt, Wien. 
•PecBmce r 7 , 190_2_. 



Arbeiten aus dem chemischen Laboratorium 
der k. k. geologischen Reichsanstalt, ausge- 
führt in den Jahren 1892—1894. 

Von C. V. John und C. F. Eichleiter. 

Die letzte Zusammenstellung der in unserem Laboratorium 
durcligefürten Analysen und Proben für technische Zwecke er- 
schien im Jahrbuch der Anstalt im Jahre 1892, 42. Band, 1. Heft. 

Die hier angeführten Analysen wurden also in den Jahren 1892, 
189o und 1894 in unserem Laboratorium durchgeführt. Selbstver- 
ständlich enthält die hier vorliegende Zusammenstellung nicht alle 
bei uns gemachten technischen Untersuchungen, da uns bei sehr 
vielen Proben die Herkunft des Materials nicht bekannt war. 

Es wurden hier nur solche Untersuchungen aufgenommen, die 
an Proben ausgeführt wurden, deren Fund- oder Formationsort be- 
kannt war, oder die an und für sich Interesse in Anspruch nehmen 
konnten. 

Dass nicht immer vollständige Analysen vorliegen, erklärt sich 
daraus, dass diese Untersuchungen für Parteien durchgeführt wurden 
und die Analysen nur in dem von diesen gewünschten Umfange zur 
Ausführung gelangten. 

Die einzelnen Analysen und Untersuchungen wurden, wie bei 
früheren Zusammenstellungen, in einzelne Gruppen getheilt und wenn 
möglich in Tabellen übersichtlich gruppirt. 

Die einzelnen Gruppen sind die folgenden: 

L Elementaranalysen von Kohlen. 
IL Kohlenuntersuchungen nach Berthier. 

Die angeführten Kohlen sind in der Gruppe I nach den geolo- 
gischen Formationen, in der Gruppe II nach Ländern und geolo- 
gischen Formationen geordnet. 

So wie bei früheren Publicationen dieser Art, sei auch hier 
wieder unser Standpunkt bezüglich der ßerthier'schen Probe fest- 
gestellt. Selbstverständlich sind wir über den Werth der Berthi er- 
sehen Probe vollständig im Klaren; wir wissen, dass dieselbe mit 
principiellen Fehlern behaftet ist und dass die gefundenen Brenn- 
werthe im Allgemeinen, besonders bei wasserstoffreichen Kohlen, zu 
gering sind. 

.laliih. d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1890, 45. Band, 1. Heft. (v. .Tolin ii. Richleit.or.j 1 



2 C. V. John und C. F. Eichleiter. [2] 

Trotzdem bringen wir die von uns nach der Berthi er'schen 
Probe gefundenen Wertlie doch wieder, weil dieselben immer noch 
in der Praxis vielfach benutzt werden und weil sie von Praktikern, 
denen es nicht auf eine genaue wissenschaftliche Feststellung des 
Brennwerthes ankommt, noch sehr häufig verlangt werden. Bei Kohlen, 
von welchen noch keine Elementar-Analysen vorliegen, ist die Kennt- 
niss des Brennwerthes nach Berthi er, sammt Wasser- und Aschen- 
bestimmung, immerhin genügend, um sich ein beiläufiges Bild ihres 
Werthes zu bilden, besonders wenn man das geologische Alter der 
Kohle in Betracht zieht und eine entsprechende Correctur zu Gunsten 
des Brennwerthes vornimmt. 

üebrigens wirken wir so viel als möglich dahin, dass vollständige 
Elementaranalysen durchgeführt werden und bringen otten neben den 
Piesultaten der P^lementaranalyse auch die der Berthi er'schen 
Probe, um so den P>mpfänger der vVnalyse auf das Missverhältniss 
der beiden Besultate hinzuweisen. 

AVird jedoch von der Partei ausdrücklich l)los die P> er thi er- 
sehe Probe, deren Durchfülirung für dieselbe selbstverständlicli be- 
deutend geringere Kosten verursacht, verlangt, so können wir die 
Ausführung derselben nicht zurückweisen. 

Es hat sich in dieser Beziehung auch eine bedeutende Besserung 
gezeigt, indem die Anzahl der Elementaranalysen von Kohlen im 
Verhältniss zu den B erthi er'schen Proben in unserem Laboratorium 
fortwährend im Wachsen begriffen ist, so dass wohl jetzt so ziemlich 
alle wichtigeren Kohlen Oesterreichs bei uns elementaranalytisch 
untersucht wurden. 

III. Graphite. 

IV. Erze. 

J. Silber- und goldhaltige Erze. 

B. Kupfererze. 

C. Zinkerze. 

1). Antimon- und Arsenerzc. 

E. Nickel- und Kobalterze. 

F. Eisenerze. 

G. Chromerze. 
H. Schwefelerze. 

V. Kalke, Dolomite, Magnesite und Mergel. 
VI. Thone und Quarzite. 
VII. Wässer. 

VIII. Metalle und Legierungen. 
IX. Gesteine. 

X. Salze. 
XL Diverse. 



31 



Arbeiten aus dem chemischen Laboratorium der k. k. geol. H.-A. 




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[6] 




[7] 



Arbeiten aus dem chemischen Lahoiatorium der k. k. geol. R.-A. 









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[9] 



Arbeiten aus dem chemischen Laboratoriuin der k k. geol. R -A. 



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Anthracit von Tirgii - Jiu in Rumänien, eingesendet von 
H. Slade in London, enthält: 

Procenti 

Kohlenstort" 8(5-03 Calorien berechnet . . . 7290 

Wasserstoff l'OO „ nach Berthier . 0(570 

Sauerstoff + Stickstoff . . 0-52 Proc. 

^ , , , -, ^o 1 Verbrennl. Scliwefel 

Schwefel 1'43 

2-90 



'* ^ Schwefel in der Asche 



1-41 
0-02 



Wasser 
Asche 



8-12 



100-00 

Die Asche des Anthracits besteht aus : 

Procent 

Kieselsäure 46*34 

Eisenoxyd 29-22 

Thonerde 17-26 

Kalk 2-75 

Magnesia 4-05 

Schwefel 0-25 

Phosphor 0-38 



F. i c h 1 e i t e r. 



100-25 



John. 



III. Graphite. 



Einsender 



Fundort 



Kohlen- 
stoff % 



Asche 

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Wasser 



H. Müller in Pozega • • Umgebung von Pozega . 

H. Müller in Pozega . . i Umgebung von Pozega . 

Gustav Beer I Trieben, Steiermark . . 

Jacob Friedl i Ivallwang 

(rraphitwerk in Feistritz . 
J. Harber in St. Lorenzen 



Heiligenblut bei Feistritz 

St. Lorenzen, Lieicbniann- 

öTulx^ 



St. Lorenzener (Irapliit- 
werke 



Reichmannc-rube 



14-25 
13-09 
80-42 
22-41 
34-62 



78-24 
80-20 
11-02 
76-06 
58-95 ' 



7-51 
6-71 
8-50 
1-34 
6-43 



42-72 j 54-30 2-98 
70-04 26-50 3-46 



IV. Erze. 

A. Silber- und Goldhaltige. 
Kupferkies, in Quarz eingesprengt aus der Umgebung von 
Pozega. Eingesendet von H. Müller in Pozega, enthält 0-0026 Pro- 
cent Silber und 0-0004 Procent Gold (ferner 9-47 Procent Kupfer). 

John. 



*) Die Asche hat folgende procentische Zusammensetzung: 


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SiO., . . . 51-40 Al^O., . . . 20-51 - 


MgO . . 


. 1-70 


Fe.,Os . . 16-29 Ca . . . 5-00 


R,0 . . 


3-09 


Na^O 2-10. 






Auf den Graphit berechnet: 






Si (\ . . . 30-27 Al^ 0, . . . 12-08 


MgO . . 


. 100 


Fe^ Os . . . 9-59 Ca . . . 2-95 


K^O . . 


1-82 


Na^O 1-24. 







Jahrb. d. k. k. geol. Reiehsanstalt, 189.5, 45. Band, l. Heft. (v. Jolm ii. Eichleiter.) 



10 0. V. John und C. F. Kiclileitor. [!()] 

Bleigiaiiz;, in Quarz eingesprengt aus der Umgebung von 
Pozega. Eingesendet von II. Müller in Po^ega. enthält ()-()942 Pro- 
cent Silber und kein Gold. John, 

Magnetkies aus der Umgebung von Trieben, eingesendet von 
Gustav Beer, enthält ()-002 Procent Silber. John. 

Quarz von Pörtschach. eingesendet von Dr. Th. Neustadtl 
in Wien, enthält ()-(H)084 Procent güldisch Silber mit etwa ()-0002 
Procent Gold. John. 

Schwefelkies von Pörtschach, eingesendet von Dr. Th. N e u- 
stadtl in Wien, enthält nach vorhergegangener Sonderung im 
Quarzigen Theil . 0-0()l Proc. güldisch Silber mit (>()()02 Proc. Gold. 
Kiesigen Theil . . 0-()011 „ ,, „ „ U-()()02 „ 

John. 

Blei glänz aus Macedonien, eingesendet von C. Ditscheiner 
in Wien. 



Procent 

Blei 81-88 

Silber 0-28 

Gold 0-0008 

Kupfer 0-77 

Antimon 0-30 

Eisen 0-G7 

Schwefel 10-44 

Kieselsäure 4-94 

Kohlensaurer Kalk . . . 0-82 

Summe . . . 100-0508 Eichleiter. 

S c h w e f e 1 k i e s von Nagy-Almas, eingesendet von S t a n t i e n 
S:. Becker, enthält nach vorhergegangener Iiöstung : 

Silber 0-022 Procent 

Gold 0-001 „ E i c h 1 e i t e r. 

Schwefelkies mit Bleiglanz und Zinkblende von Nagy-Almas 
und Verespatak. 

Naturerz Hanuser Erz Toszka Erz 
P r c e n t e 

Silber ()-0170 0-0047 0-0022 

Gold 0-0010 0-0003 0-0003 

Blei ....... 6-05 

Kupfer 51 

Zinn 0-07 

Zink 5-65 

Eisen 27-93 

Thonerde 3-90 

Schwefel ;}2-85 

Kieselsäure .... 19-8() 
Wasser, Kohlensäure, 

Kalk, Magnesia und 

Alkalien (Diff.) . . 3-162 

100-00 John. 



[111 Arbeiten ans dein ciiemisclicn Laboratoriiini der k. k. geol. R.-A. 1 1 

Erze aus dem Silber- und Kupferbergbau Kathaniiaberg bei 
Dux, eingesendet von C. Scliarsacli in Dux. 

I. IL 

Kuplerkie.s mit etwas Spatheiseiisteiii 

Bleiglanz, Ziiiustein mit 

und Ziukbleude Kupferkies 
Proceute 

Silber 0002 0-019 

Gold Spur Spur 

Kupfer 23-31 11-42 

Zinn 1-53 Spur 

Blei 0-97 1-09 

Zink 3-65 — 

Eisen 22-69 13*03 

Mangan .... — 0-81 

Kieselsäure . . 21-35 32-64 

Tbonerde . . . 1-10 1-10 

Kalk 0-30 11-42 

Schwefel .... 23-23 2-19 

John. 

Quarz mit etwas Schwefel- und Arsenkies aus der Umgebung 
von Greifenburg, eingesendet von Karoline T r e b e s i n e r . enthält : 

Gold 0-0005 Procent 

Silber 0-0005 

Arsen 2-26 „ John. 

Antimon glänz von Fejerkö im Sohler Comitat, eingesendet 
von J. K. Demuth in Sohl. 

Gold 0-0006 Pro Cent 

Silber 0-0024 „ John. 



B. Kupfererze. 

Kupferkiese von Totos, eingesendet von der ersten unga- 
rischen Actiengesellschaft für chemische Industrie in Nagy-Bocsko. 

Proeente Kupfer 

Nr. 1 . 4-31 

Nr. 2 handgeschieden . . . 7*00 
Nr. 3 maschinengeschieden . 3-94 
Nr. 4 . 5-99 John. 

Erze aus dem Silber- und Kupferbergbau Katharinaberg bei 
Dux, eingesendet von C. Schars ach in Dux. 

I. Kupferkies mit etwas Bleiglanz, Zinkblende und Zinnstein ent- 
hält 23-31 Procent Kupfer. 
11. Spatheisenstein mit Kupferkies enthält 11-42 Procent Kupfer. 

(Die vollständige Analyse dieser Erze siehe unter silber- und 
goldhaltige Erze.) John. 



12 C. V. John und C. F. Eichleiter. [12] 

Kupferkies in Quarz eingesprengt aus der Umgebung von 
Pozega, eingesendet von H. aMüller in Pozega. enthält i»-47 Procent 
Kupfer. (Ferner 0-002() Procent Silber und (r()()()4 l>rocent Gold.) 

Falilerze von Maskara, eingesendet von der Gewerkschaft 
„Bosnia" in Wien. 

Procente Kupfer 

Schürfung Nr. 1 17 -24 

Nr. 2 17-72 

Nr. 3 119 

Nr. 4 6-23 

Nr. 5 1-92 

Nr. 6 14-29 

Nr. 7 0-40 

Nr. 8 1-92 

E i c h 1 e i t e r. 

C. Zinkerze. 

Waschgalniei von Trzebinia in Galizien, eingesendet von 
der grcäÜich Henkel von Donnersmark'sclien Hüttenverwaltung. 

i'rocente Ziuk 

Nr. 1 10-85 

Nr. 2 8-87 John. 

Zinkblende mit Bleiglanz, eingesendet von der Kalniker 
Kohlengewerkschaft. 

Blei Zink 

P r c e 11 1 e 
Nr. 1 Patschach in Steiermark .... 20-56 14-40 

Nr. 2 Kalniker Gebirge 13-58 8-17 

p]i chleiter. 

Geröstete Zinkblenden, eingesendet von Ec hinger & 
Fe mau in Wien. 

I. ir. 

Ohcrsclüesisc'he Röstbleiulu Htuirinche KösthJeiidt' 
P r c e 11 ti e 

Eilten 17-(W (2'1-lü l'\ (>a) 17-06 (24-88 I'^O^) 2-77 (:-3-'JG Ff.O.J 

Klei - . . . 1-15 1-93 2-08 

C'.'idmiuin ()-10 0-01 «ijur 

(Tesiimmt-Sc'.hwx'tel . 4-81 4*62 4-77 

Öchwefel in tSiilfiden 0-22 ()-68 0-60 

Schwefel in Sulfiiteii 4-59 (11-47 S 0.^) 3-94 (9-84 S 0^) 4-17 (l()-4ü NO.,) 

John. 

Galmeie von Gory J^uszowskie, erzherzogliches Pergamt 
in Teschen, enthalten : 

Procente Zink 

Nr. I 29-4() 

Nr. II 27-21 

Nr. III 28-4(5 

Nr. IV 2400 

Nr. V 27-05 

Nr. VI . . 20-31 John. 



[lo] Arbeiten ans dem chemischen Laboratorinm der k. k geol. ll.-A. ]}] 

Galmeie von Tr/ebiiiia in Galizieii. eingesendet von Il;iwak 
cV- Grünfeld in Beutlien. 

Procente Zink 

Nr. I 23-42 

Nr. II .... . . . . . 19-14 

Nr. III . 16-81 John. 



J). Antimon- und Arsenerze. 

Antimonit von Grobse, eingesendet von A. Kraigher in 
Adelsberg. 

Procente 

Antimon . 70-27 

Blei 1-10 

Eisen 0-52 

Schwefel 28-11 

100-00 John. 

Arsenkies aus der Umgebung von Hermagor, eingesendet 
von Arnold Szeb, enthcält 38-77 Procent Arsen und 16-48 Procent 
Schwefel. John. 

E. Nickelerze. 

Nickelkies aus der Umgebung von Sangerberg in Böhmen, 
eingesendet von J. Tanzer in Sangerberg. Enthält 3-77 Procent 
Nickel. John. 

F. Eisenerze. 

Thoneisen stein von Dubrest, eingesendet von E. v. Luschin 
in Wien, enthält 32-06 Procent Eisenoxyd entsprechend 22-45 Procent 
P>isen, ferner 0'024 Procent Schwefel und Spuren von Kupfer und 
Phosphor. Foul Ion. 

Brauneisenstein manganhältig von Paliban in Ungarn, ein- 
gesendet von Richard Kraus in Wien. 

Procent 

Kieselsäure 26-42 

Thonerde 10-58 

Eisenoxyd 41-36 

Manganhyperoxyd 9-64 

Kalk . . . . ^ 0-92 

Magnesia 0*10 

Schwefel 0-002 

Phosphor 0-23 

Glühverlust 10-14 



99-392 

John. 



14 C. V. John und C. F. Eichleiter. [U] 

Ki seil steine von Lunkascprie, eingesendet von Richard Kraus 

in Wien. 

I. II. III. IV. V. 

r r () c e n t e 

Eisenoxvd ... . 2(>;31 24-29 29-l() 25-84 29-41 

entsprechend Eisen . 14-22 17-00 20-41 18-09 20-59 

E i c li 1 e i t e r. 

Eisenerz von Ober-Jeleni bei Hohenmaiitli in Böhmen, ein- 
gesendet vom Grafen Bub na in Wien, enthält 4r)-24 Procent Eisen- 
oxyd entsprechend 32-37 Procent p]isen. John. 

p]isenerze von Petrosz in Ungarn, eingesendet von Philipp 
Salz in ann in Wien. 

Eiseuoxyd Eisen 

Procente 

I. Magneteisenstein .... 89-64 ()2-7f) 

11. Brauneisenstein 95*14 (WyiW 

J ll 11. 

Eisenerz von Kudobanja. eingesandt vom Grafen C z a k y- 
Pallavicini. enthält o7-()0 Procent Eisenoxyd entsprechend 2(5-33 
Procent Eisen, ferner 18-31 Procent Mangan. John. 

P^isenerz von ^'askoh in Ungarn, eingesendet von P]iili})p 
Salzniann in Wien, enthält 7()()4 Procent Eisenoxyd eiitsi)rechend 
53-21 Procent Eisen. John. 

Kiseiierz von Klein-Zell, eingesendet von Paul Schwank, 
k, k. Postmeister in Klein-Zell. enthält 83-36 Procent Eisenoxyd 
entsprechend 5<s-78 Procent Eisen. Eichleiter. 

Eisenerze von Karpinyasza in Ungarn, eingesendet von 
Philii)}» Salz m a n n in Wien. 

Eiseuoxyd Eisen 

Procente 

I. Keiner Magneteisenstein 98*76 69-13 

II. Magneteisenstein theilw. in Brauneisenst. verw. 95*80 ()7-06 

III. Unreiner ^Magneteisenstein 89*50 62*66 

IV. Begleitgestein der Erze (Carbouate) . . . 28*50 19-95 

J h n. 

Ei seil glänze mit (,)uarz und Calcit von Trawnik, eingesendet 
von Xeustadl & Comp, in Wien, enthalten: 

Procente Procente 

Nr. I . . 28-80 P^isenoxyd entsprechend 20*16 met. Prisen 
Kr. II 51-50 „ ■ „ 36-06 „ 

J h 11. 



P'isenenerze von Sziichy vrch. Mutterka und (Jenir, einge- 

!t ^ 

in Wien. 



sendet von der P]isen- und Blechfabriks-Actiengesellscliaft „Union" 



()-r)(; 


IC) -52 


78-80 


OG-72 


2-05 


;3'1() 


o-k; 


5-30 


O-HO 


3-92 


012 


2-40 


o-o(;7 


0-007 


0-00 


0-04 


12-80 


4-18 



[1;-)] Ail)eiton aus dfiii rliemisclicn Laboratorium dpv k. k. sool. R.-A. h") 

.Szucliy vr(tli Mutterka (Jeiiir 

1' r <) c, e 11 t 

Kieselsäure 3-20 

Eiseiioxyd 72*34 

Maiiganoxydul 3-27 

Thonerde"! 0-2() 

Kalk r)-()0 

Magnesia 0-81 

Kupfer 0-0 -35 

Schwefel 0-04 

Glühveiiust in-LS 

Das Eisen ist theilweise als Eisenoxydul verbanden. 

John. 

fr. Chrom erze. 

Chromeisenstein aus der Umgebung von Orsova, einge- 
sendet von Siegfried Schreiber in Wien. 

Ohromoxyd 

Nr. 1 30-20 Procente 

Nr. 2 27-20 

E i c h 1 e i t e r. 

H. Schwefelerze. 

Schwefelkiesführender Schiefer aus der Umge])ung 
von Gaming. eingesendet von J. Heiser in Kienberg. 

Procente 

IJnlösl. Rückstand .... 2(3-65 

Schwefel 26-42} 49-54 Proc. 

Kisen. 23-12] Schwefelkies 

Elisenoxyd 4* 78 

Kalk 7-56 

Magnesia 3-99 

Kohlensäure (diff.) .... 7-48 

Silber ......... 0-0006 

Gold 0-0004 

Kupfer und Nickel . . . Spuren 

Summe . . .100-00 John. 

Schwefelkiese von Sytani und Kebest. eingesendet von 
Richard Kraus in Wien. 

Sytani Kebest 

Schwefel Procente . 50-21 46-90 

J h n . 



](') C. V. John und C. F Eichleiter. 

V. Kalke, Dolomite, Magnesite und Mergel. 



[If3] 



Einsender 


Fundort 




JKohlen- 

! saurer 

Kalk 


Kohlen- 
saure 
Ma- 
gnesia 


E i sen- 
il. \yd u. 
riion- 
erde 


Unlösl. 
Hück- 

stand j 


1 . 

1 ■■ ■■ 




P r c 


e n t e 




(Tiistav Scliulhof in Wien 


Stramberg 


1 


99-48 


0-29 


0-21 


0-22 


Emil Ticiiy in Wien 


Kaltenlentgoben 




09-07 


3-17 


3 '30 


23-04 


Otto Hiippacii in Wien 


Sainiza, Ijigarn 




(i2-3ü 


212 


4-70 


29-50 : 


1 




r 


94-00 


1-72 





2-12 1 


.T. (Tiiinerith 15rninKi.(l.\\'i](l 


Hrunna.d.Wild(N.r).)^! 


90-90 


1-55 




0-68 






1; 


89-50 


1-87 


— 


5-20 


Joh. Moritz, .St. Veit a. d. i 
Triesting . \ 


St. Veit a. d. Trie? 


4ing ' 








1 


(Dolomit) 




nn-no 


44-41 


0-03 


0-01 


<intsver\valtuno-s(lireetion ( 
Vegliles ' \ 


Vegliles ITngarn 


Do- 










lomit) 




50-30 


40-03 


1-72 


6-72 


Alex. Kohl), Horazdovitz . 


Horazdovitz 




S4-79 


0-42 


0-01 


13-61 


Miho Mauee in \''rbovsk() . 


Vrbovsko (Dolomit) 


57-OS 


41-93 


0-48 


0-10 1 


J. Wohhneyer in St. P(')lten< 


Stangenthal bei Li 
feld 


ien- 


95-50 


1-28 


0-32 


2-80 


l)r. ( ). Winternitz, Karlsbad 


Satteies bei Karlsbad ; 


95-20 


- 


1-98 


202 




Koneprns 


. . 1 


99-39 


0-07 


0-09 


0-05 1 


Adam Tomasek in Beraun<{ 


Karlstein 

Korno 


. 1 


94-G4 

94-58 


5-36 

2-84 


0-14 
0-49 


0-48 1 
1 44 




Karlstein 


1 


79-00 


14-53 


0-90 


4-27 


Hermann Krämer, A\'i(;n 


Travnik .... 


j 


99-50 


— 


0-32 


0-22 


U. Hiiber, Wi(!n 


Ijnde wiese . . 


j 


96-37 


-- 


— 


2-74 



John. 

Merfi-el aus der Umgebung von Temesvär. oingesondet von 
AI. Torscli's Söhne in Wien. 

Pro c eilte 

Kieselsäure öl- 1(5 

Eisenoxyd -K-öS 

Thonerde ll-4() 

Kalk 1008 

Magnesia 2-71 

Kali .• - • • l'-^*" 

Natron ......'.... 1-43 

Glühverlust _. 12-80 

W^-m Foulion. 

Aetzkalk aus dem Kalkstein von llyr-ic. eingesendet von den 
Marniorbrüchen Hejna 



Kalk 

Magnesia 

Eisenoxyd und Thonerde 
Unlöslicher lUickstand . 

Glüh Verlust 1-49 

yt»ö9 



P r o c e n t e 
. 91-40 
. 5-62 
. 0-60 

. 0-48 



E i c h 1 e i t e r. 



[171 Arbeiten aas dem chemisclien Laboratorium der k. k. geol. R.-A. 17 

Kalkmerf2;el aus der J>ukowina übergeben von Herrn l>aron 
Popper und der Bukowinaer Creditanstalt. 

. , Qi • 1 ■• 1 Steinbruch der 

Ans den Steinbrüchen t> i • /< i-^ 

1 „ 1, Btikowmaer (Jredit- 

des liaron i'oi)per +14.- d i 

^ ^ anstalt 111 Koul 

StraXa J'utna l'iitna Boul 

P r o c e n t e 

In Salzsäure unlöslifhe Tlieile 14 GO 17-r)8 2M'.» 17-17 

Kohlensaurer Kalk 7<)-90 7()-82 72-79 75-9G 

Kohlensaure Magnesia . . . l'oG 1.18 1*30 l*ö3 

Kohlensaures Eisenoxydul . . 3-()2 1-82 1-74 3-71 

Thonerde '. . . . 051 2 06 1-66 1-14 

99-99 99-46 98-68 99-51 

Die in Salzsäure unlöslichen Rückstände enthalten :, 

Procente 

Kieselsäure 13-05 15-11 17-85 14-54 

Thonerde 0-76 1-66 2-21 2-11 

Eisenoxyd 0-68 0-60 70 0-61 

Kalk, Magnesia und Alkalien 

aus der Differenz . . . 011 0-21 04 3 — •— 

14-60 17-58 21-19 17-26 

John. 

VI. Thone und Quarzite. 

Quarz, in der Nähe des Bahnhofes Brück a. d. M. vorkommend, 
eingesendet von Dr. Guido Fink in Brück a. d. M. 

Nr. 1 Nr 2 

Procente 

Kieselsäure . 93-77 90-02 

Eisenoxyd Ml 3-02 

John. 

Thon aus der Umgebung von Steinbrück, eingesendet von der 

Steinbrücker Cemeutfabrik. 

Procente 

Kieselsäure . ... 42-01 

Thonerde . .... 14-99 

Eisenoxyd 7-06 

Tr 1 1 xr 11 Ol o- / 11-90 Proeeut Kalk 

Kohlensaurer Kalk . . 21-3;); 9.39 Kohlensäure 

iz 1,1 Tir • r, rt^ f 3-60 „ Magnesia 

Kohlensaure Magnesia . 7-56 { 3.9^ Kohlensäure 

Wasser 6-25 

99-22 John. 

.Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1895, 45. Band, 1. Heft. (v. John u. Eichleiter.) 3 



LS C. V. John lind C. F. Eichloitpr. [IS] 

VII. Wässer. 

Salzsooleii aus dem alten Soolenschaclit von Lisowice bei 
ilülecliow in Galizicn. 

In 10.000 Theilen res}). 10 Litern sind enthalten Gramme: 

45 m tief 49 vi tief 52 m tief 

Natrium 296 000 r.öD-oBO G65-T40 

Kalium 0-6414 0-7(W6 MOO 

Kalk 18-720 17-020 24-n80 

Magnesia ....... ;V45()8 4-4;U 6-412 

Schwefelsäure 17-(;82 22-761 ^2-340 

Chlor 463-6r)0 5();5-270 I0r)9-200 

Kieselsäure O-Ut; 0-100 0-080 

Eisenoxyd u. Thonerde Spur Spur Spur 
In der Soole susi)endirte 

Theile 7-004 iV^))V2 18-;')32 

Daraus berechnen sich folgende Salze • 

Schwefelsaurer Kalk . . .'iO-Oofi ;}8-694 r)4-:U0 

Chlorcalcium 2-()62 2-154 3-452 

Chlormagnesium .... 8-210 10-525 15-228 

Chlorkalium 1-225 1-470 2-101 

(;hlornatrium 751-585 913-000 1690-500 

Kieselsäure ...... 0-116 0-10 0-080 

Summe . . . 793-857 965-943 1765-701 

Gruben Wasser aus der Set. Rudolfszeche in Laut erb ach, 

eingesendet von der k k, Bezirkshauptmannschaft in Falkenau. 

In 10.000 Theilen Wasser sind enthalten Theile: 

In einem Klär- 
Grubenwasser teich sibgestandenes 

In Wasser suspendirte Theile ürnbenwasser 
(thonig-quarzige Theile und 

organische Substanzen) . . 2-4740 1-2050 

Die filtrirten Wässer enthalten: 

Eisenoxyd 0-12(J0 0-0200 

Thonerde Spur Spur 

Kalk 0-3240 0-3120 

Magnesia 0-1023 0-1010 

Kali 0-1538 0-1460 

Natron 0-2078 1884 

Ammoniak 0-0539 0-0455 

Kieselsäure Spur Spur 

Schwefelsäure 0-5693 0-5450 

Chlor 0-1648 0-1630 

Salpetersäure 0-0041 0041 

Organische Substanz (Ausge- 
drückt durch die zur Oxydation 
derselben nothwendige Sauer- 
stoffmenge) . ...... 0-0320 0-0340 

Trockenrückstand 1-8480 1-6300 



1 19] Arbeiten aus dem clioinischeii Laboratorium der Ic. k, geol. R.-A. 1',) 

Zu kSalzen j^riippirt enthalten die Wässer in 1 (».()()() Tiieilen: 

lu einem Kiiir- 
Grubeuwasser teich abgestandenes 
Grubenwasser 

Schwefelsauren Kalk ... 0-78()9 0-7574 

Schwefelsaures Kali ()2847 0-2724 

Schwefelsaures Natron .... 0-14()4 0-1054 

Chlornatrium 0-271 G 0-2686 

Kohlensaure Magnesia ... 0-214S 0-2121 

Kohlensaures Eiseuoxvdul . . 0-1740 0-021)0 

Ammoniak .,.,.'.... 0-0531» 0-0455 

Salpetersäure ()()041 0-0041 

Organische Substanz (Ausge- 
drückt durch die zur Oxydation 
derselben nothwendiue Sauer- 

stoffmeniie) . . . .\ . . . 0-0320 0340 



Summe der fixen r.estandtheile . . . 1-9684 1-7285 

J h n. 

Wasser aus der Umgebung von Murau, eingesendet vom 
Bürgermeisteramt dieser Stadt. Dasselbe ist als ausserordentlich rein 
zu bezeichnen, es enthält neben den gewöhnlichen Bestandtheilen 
guter Trinkwässer kaum nachweisbare Spuren von organischen Sub- 
stanzen. Salpetersäure uiul Ammoniak. Die Summe der fixen Be- 
standtheile beträgt 97 Milligramm im Liter. John. 

Wasser aus der Unhgebung von Krems, bestimmt als Trink- 
wasser zu dienen, eingesendet vom Bürgermeisteramte in Krems. 
Die Summe der fixen Bestandtheile beträgt 3()G Milligramm im Liter. 
Das Wasser enthält die gewöhnlichen Bestandtheile der Trinkwässer, 
nur verhältnissmässig viel Magnesia. Organische Substanzen, salpetrige 
Säure und Ammoniak sind nur in Spuren vorhanden : dagegen ist die 
Menge an Salpetersäure, etwa 30 Milligramm im Liter, eine verhält- 
hohe. J h n. 

W ä s s e r von T r ante n a u, eingesendet von dem Bürgermeister- 
anite der Stadt Trautenau. 

In 10.000 Theilen resp. in 10 Litern sind enthalten Gramme: 

a) Bohrquelle h) Stadt<iuelle c) Rinnelquelle 

Kieselsäure . 0-0810 0-0600 . 0-0680 

Thonerde 0-0150 0-0060 0-0060 

Eiseuoxyd 00067 0-0035 0028 

Kalk 0-8530 0-8280 0-8300 

Magnesia 02046 0-1243 0-1585 

Kali 0-0730 0-0502 0-0626 

Natron 0-1902 0-0780 0-0801 

Ammoniumoxyd 0-0057 0-0066 0-0071 

3* 



20 



€ V. Jului und C F. Eichleiter. 



[20] 



(i) Bohrqiielle 
Chlor 0915 



ausge- 
Meiige 



Schwefelsäure . . 

Salpetersäure . . 

Kohlensäure .... 

Organische Substanz 
drückt durch die 
des^bei der Bestimmung 
verbrauchten übermangan- 
sauren Kalis 

Organische Substanzen, durch 
die Menge des verbrauchten 
Sauerstoffes ausgedrückt 

Aufgeschlämmte Trübung . 

Trockenrückstand .... 



281)3 
0163S 

1 7045 



•0371) 



0-001)() 
0232 
2(')040 



b) StadtqiielU; 

0-0473 
0-1081 
0-1530 
1-501)0 



0-0206 



0-0052 



2-0080 



Ol 



linnelquelle 

0-0445 
01253 
0-2082 
l •55(3() 



()-()310 

0080 
2-3140 



Berechnet man aus diesen Daten die vorhandenen Salze, und 
zwar die Carbonate als einfach kohlensaure Verbindungen gerechnet, 
findet man in 10 Litern Gramme: 



a) 


Bohi-quelle 


h) Stadtquelle 


<■) Rinuelquelle 


Schwefelsauren Kalk . . . 


0-4918 


01838 


0-2130 


Chlorkalium 


0-1274 


0796 


0-0936 


Chlornatrium 


0-0351 


0-0152 


— 


Salpetersaures Natron . . 


0-2578 


0-1926 


0-2197 


Salpetersaures Kali .... 


— 


— 


0-0075 


Salpetersaurer Kalk . . . 


— 


00465 


0-0891 


Kohlensaures Natron . . . 


0-1405 


— 


— 


Kohlensaurer Kalk ... 


1-1010 


1-3150 


1-2657 


Kohlensaure Magnesia 


0-4297 


2610 


0-3329 


Kohlensaures Eisenoxydul . 


00097 


00052 


00040 


Kohlensaures Ammon . . . 


0-0105 


0-0122 


0-0131 


Thonerde . . 


0-0150 


0-0060 


0060 


Kieselsäure 


0-0810 


0-0600 


0-0680 


Summe der fixen Bestandtheile 


2-7001 


2-1771 


2-3216 



Die Carbonate als doi)pelt kohlensaure Verbindungen gerechnet : 



(I.) Bohrquelle 

Schwefelsaurer Kalk . . . 0-4918 

Chlorkalium 0-1274 

Chlornatrium 0-0351 

Salpetersaures Natron . . 0-2578 
Salpetersaures Kali .... — 
Salpetersaurer Kalk ... — 

Doppelt kohlensaures Natron 0-1988 

Doppelt kohlensaurer Kalk 1-6727 

Doppelt kohlens. Magnesia 0-6548 

Doppelt kohlens. Eisenoxydul 0-0134 



f>) 



Stadtquelle 


c) Kiuuelquelle 


0-1838 


0-2130 


0-0796 


0-0936 


0-0152 


— 


0-1926 


0-2197 


— 


0-0075 


00465 


0891 


1-8936 


l-828() 


0-3976 


0-5073 


00072 


0-0055 



[211 Arbeiten ans dem clieinisclieli T.ahorat'iiiiini der k. k, geol R.-A. 21 

<i) Bohrquellc h) Stiidt(]uelle c) iviiiiiidquellc 

Doppelt kühlens. Animoii . ()-()153 (H)17H ()-()1<)l 

Tlioiierde 0-()150 OOOOO OOOdO 

Kieselsäure . 00810 O-IHiOO 0()(;80 

Halb gebundene Kohlensilure 0-80;30 0-7221> 0-7388 
Freie Kohlensäure (Aus der 

Differenz bestimmt) . ()-0V>8r) 0-0(i32 0-071X) 

Aus diesen Analysen ist ersichtlich, dass diese Wässer, welche 
als Trinkwässer für die Stadt Trautenau dienen sollen, die Zusammen- 
setzung gewöhnlicher guter Quellen haben. 

Autfallend hoch ist blos der Gehalt an Salpetersäure, der aber, 
besonders bei dem geringen Gehalt an Chloriden und organischer 
Substanz und dem Fehlen von salpetriger Säure, doch diese Wässer 
immerhin noch als gute Trinkwässer erscheinen lässt, so dass die- 
selben der Stadtgemeinde Trautenau empfohlen werden konnten. 

J h n. 

Ylll. Metalle und Legierungen. 

Legierung, eingesendet von der Locomotivfabrik in Wiener- 
Neustadt. 

F r c e u 1 6 

Kupfer 82-63 

Zinn 10-25 

Blei 5-19 

Zink 1-31 

Eisen 35 

Antimon Spuren 

Summe . . . 99-73 John. 

Legierung, eingesendet von Franz Hager in Wien. 

Procente 

Blei 08-77 

Antimon 19-4:5 

Zinn 10-02 

Kupfer 017 

Eisen Spuren 

Summe . . . 98-43 

J h n. 

Roheisen, eingesendet von der Eisen- und Blechfabrik-Gesell- 
schaft „Union" in Wien, enthält: 

Procente 

Kieselsäure 0'50 

Schwefel 0-084 

Phosphor 0-210 

Mangan Spuren 

Nikel Spuren 

J h n. 



'n 



C. V. John und C. F. Eichleiter, 



[22] 



S t ah 1 m u s t e r. eingesendet von der österreichischen Watten- 
fabriks-Gesellschaft in ISteyer. 



Bezeichnung 



c. 

K. 

X. 



Kobleuf^tuti' Öiliciura Mangan 
1' r () c e n t e 

. 052 ü-81 1-89 

. 0-36 0-04 0-25 

. ()-4() OOl 0-55 

. U-47 0-22 0-77 

. 0-45 04 H 0-73 

E i c h l e i t e r. 



Legierung, eingesendet von J\I. Herzka in Wien. 

Proceuto 

Blei 7()-01 

Antimon 12-o7 

Zinn 12-15 

Kupfer 0-24 

Eisen ()-08 



Summe . 



100-85 



John. 



Wien. 



Mtin zlegi erun g . eingesendet von Cornides i\: Comp, in 





Nr. 1 


Xr. 2 


Xr. 3 


Nr. 4 


Nr. 5 






P 


r c e n t 


e 




Kui>fer 


. . 94- 7() 


94-77 


94-72 


94 59 


94-80 


Zinn . 


. . a-9(i 


:5-98 


4-oa 


a-94 


4-05 


Zink . 


. . l-()8 


1-07 


1-01 


1-10 


0-64 


Blei. 


. . Spuren 


Spuren 


014 


0-50 


0-53 


Nickel 


. . ()-U9 


Spuren 


Sjjuren 


Spuren 


Spuren 


Eisen 


. . Spuren 


Si)uren 


Spuren 


Spuren 


0-02 


Schwei< 


3l. . — 


— 


— . 


— 


0-U 


Summe 


. . 99-84 


99-82 


99-90 


100-13 


100-15 



John. Eichleiter. 



Kupfer, eingesendet von ('ornides i^- Comp, in Wien. 

P r c e n t e 

Blei 0-215 

Zinn 0-023 

Eisen 0014 

Nickel 042 

Phosphor 0024 

Spuren von Schwefel. Antimon und Arsen. John. 



r2.-')l Arhoiton aus (Iptti chomisrhon rjaboratnriiini dor k. k. geol R.-A. 



23 



Kujjfer, eingesendet von der Maschinenfabrik der k. k 
Staatseisenbahn-(iesellschaft in Wien. 



Blei . . 
Zinn . . 
Antimon . 
Arsen . . 
Eisen . . 
Nickel . 
Schwefel 
Phosphor 



Nr. 1 Nr. 2 Nr. 3 

P r c e u t t' 

()-l2ö 0-014 O-O^f) 

0032 0-011 — 

Spuren 0005 0-011 

Spuren — 0-024 

0-021 0-017 Spuren 

0-006 0-022 0425 

0-018 012 021 

Spuren 008 — John. 



Legierung, eingesendet von Coruides l^: Comp, in Wien, 
enthält : 

P r c e n t e 

Kui»fer 61-93 

Zink 38-07 

Blei 0-21 

Eisen 0-04 

Nickel 0-06 



Summe 



. 100-31 



J h n. 



Legierung, eingesendet von Cornides & Comp, in Wien, 
enthält : 

Procent 

Kupfer 95-80 

Aluminium 3-04 

Zinn ; . . . 0-46 

Silicium 0-18 

Nickel und Zink Spuren 



Summe 



99-48 



E i c h 1 e i t e r. 



Packfongdraht, eingesendet von Cornides c\L' Comp, in 
Wien. Neben Spuren von Schwefel. Phosphor. Zink und Blei sind 
vorhanden : 

Proceut 

Kupfer 79-42 

Nickel 13-95 

Zinn 6-92 

Eisen . . 0-25 



Summe . 



100-34 



John. 



8-72 


0-2Ö 


UBIT) 


U-97] 


0-090 



24 C. V. John iiiid.C. F. Eichleiter. [24] 

1 ) r ii li t , eingeseudet von C o r n i cl e s cV' C o m p. in Wien. 

Versilbert Vergoldet 

P r o c e n t e 

Kupfer ... 80-59 89-19 

Nickel ... 10-77 

Eisen ()-2;-i 

Gold 0-015 

Silber ..... 1-601 
Schwefel . . . 0-096 

99-:-502 99-840 

ferner Si)uren von Blei. Zinn und Zink. John. 

Legierung, eingesendet vom Messingwerk Achenrahi in Tirol. 

I. II. 

■ P r c e n t e 

Kupfer. . . . 62-08 68-08 

Nickel . . 18-01 ll-:}8 

Zink 19-43 20-77 

Blei ..... 0-11 0-20 

Eisen .... 0-31 0-26 

99-99 100-69 John. 

Draht, eingesendet von William Pryni in Wien, enthält neben 
Spuren von Eisen, Antimon und Zinn : 

Proceut 

Kupfer 64-52 

Zink 35-10 

Blei 0-37 

99-99 J h n. 

IX. Gesteine. 

Granit von Holzwiesen in Oberösterreich, eingesendet von 
Leopold Frei in Wien. 

Procent 

Kieselsaure 67*70 

Eisenoxyd 16-80 

Thonerde 3-20 

Kalk 3-40 

Magnesia 0-63 

Alkalien etc. (Dill.) . . . 8-27 

100-00 

E i c h 1 e i t e r. 



[251 Arhoiton ans dorn chftmischen Laboratorium dor k. k. geol. R.-A. 25 

(t es teil! aus dem Serpentin von Grodnu in Preussisch-Schlesien, 
eingesendet von Herrn k. k. lier^rath Beugen Ritter von Wurzian, 
enthält : 



Kieselsäure .... 

Thonerde 

Eisenoxvd 

Kalk .'..... 
Magnesia . ... 
Wasser bei MK)" C. 
Wasser über 100« C. 



Procent 

44-90 

17-()4 

10 11 

212 

225 

14-()6 

8-62 



1 00-30 

Das vorliegende Gestein dürfte ein secundäres Product vor- 
stellen, das bei der Serpentinbildung entstanden ist. John. 



X. Salze. 

Bohrproben aus dem Bohrloche Turzawieka mit 47 Meter 
Tiefe, eingesendet von der k. k. Salinen Verwaltung Kalusz. 

Mit Be/eichiuing Mit Bezeichnung 

„Kalisalze" „Bittersalz" 

P r c e 11 t e 

In Wasser unlöslicher | ^Kieselsäure l ! N"i- «P^r-^n 1 

Rückstand 29-76V§.;,?;0s5;:Sj;,^;3f 3-42 I Schwefelsäure! 

Schwefelsäure .... 22-67 31 63 

Chlor 4-20 0.35 

Natron 8-50 2074 

Kali 4-55 1-40 

Kalk 4-32 186 

Magnesia 2-22 0-86 

Wasser 25 50 40-18 

Zu Salzen gruppirt: 

Schwefelsaures Kali . . 8-41 ' 2-61 

Schwefelsaures Natron . 13-23 46-79 

Chlornatrium 6-93 0-58 

Schwefelsaurer Kalk . . 1049 452 

Schwefelsaure Magnesia 6-66 2-58 

Wasser 2550 40-18 

In Wasser unlöslicher 

Rückstand 29-76 3-42 

100-98 100-68 

John. 

Jahrl). d. K k. geol. Reichsanstalt, 1895, 45. Band, l. Heft. (v. John u. Eichleitor.) 4 



20 f'- V. Jolm 1111(1 C. F. EirhlpitPi-. [2(')] 

Kohr proben aus obigem IJobiioch von der k. k, Salinenver- 
^valtung in Kalusz eingesendet. 

24(; Metro- 255 Meter 2G5 Meter 2^i) Meter 

tief tief tief tief 

P r e e 11 t e 

Schwefelsäure 2^5-42 ;U-ns irl^y 3-77 

Chlor 2.S-42 28-19 50-94 1-99 

Natron 18-2;') 20-98 4(;-ll 1-80 

Kali 10-()2 11 -2S 1-19 2-28 

Kalk 1-70 Spur 1-84 1-40 

Magnesia 10-a7 8-92 0.41 Si)ur 

Thonige Bestandtheile . . ry42 ()•;}(; ()••]<; 79-44 

Wasser bis 100" C. . . . 3-()2 0-12 0-28 398 

Wasser über 100" C. . . . 4-03 — — 0-22 

Zu Salzen gruppirt : 

Schwefelsaures Kali . . . 19-03 20-85 2-20 4-21 

Schwefelsaures Natron . . 21-20 37-49 2-29 — 

Chlornatriuni 10-91 21-20 83-94 3-41 

Schwefelsaurer Kalk ... 4-13 Spur 4-47 :)-40 

Schwefelsaure Magnesia , . — — 1-23 — 

Chlormagnesium 24-70 20-47 — — 

Thon 5-42 0-3(; 0-3() 7944 

Wasser 8-25 0-12 0-28 10-20 • 

100-30 100-55 100-77 100-00 

J ohn. 



Gyps von Neu-Weveczaid\n in der lUikowina. eingesendet von 
Julius Ivoth in Barwinek. 

l'rocente 

Kalk 32-20 

Schwefelsäure 45-98 

Eisenoxyd und Thonerde 0-40 

Unlöslicher Rückstand . . 0-58 

Glühverlust (Was.ser) . . 21*50 

Daraus berechnet sich die Zusammensetzung wie folgt : 

Proceute 

Schwefelsaurer Kalk . . 78-30 

Glühverlust (Wasser) . . 21-50 

Eisenoxyd und Thonerde 0-40 

Unlöslicher Rückstand . . 0-58 



100-84 



Jo1ni. 



"271 Arbüitcii ;uis dem ciu-niischen liiiboratoritnii ilur k. k. geol. K.-A 27 



XI. Diverse. 

Farbe r de 11 aus deii Geiiieiiulen Dejsiiia und Ky.sic, Bezirk 
Pilsen, eingesendet von dem k. k. Revierbergamt in Pilsen. 

Procente Eiseiioxyd 

Ä 8-70 

B 2200 

C 43-12 

D ^t-12 

E 407 

F 11-11 

G 7-15 

H 9-02 

J 5707 

K 4-62 

L 7-48 

M 38-50 

N 8-58 John. 



Au sbliiliungen an Steingutgeschirren während dem Trocknen 
entstanden, eingesendet von der Willielmsburger Steingutfabrik. 

Procente 
In Salzsäure unlöslicher 
Rückstand .... 44-08 

In Salzsäure löslich : 

Thonerde 0-24 

Kalk 16-72 

Schwefelsäure . . . 23-76 

Wasser 10-63 

Der Gehalt an Kalk. Schwefelsäure und Wasser entspricht fast 
genau der theoretischen Zusammensetzung für 51 -08 Procent (lyps. 

F u 1 1 n. 

i) f e n h r u c h und Stau b aus den Zinköfen der gräflich 
P tocki'schen Hüttenwerke in Sierza. 

Zink Proceute 

Ofenbruch 60-26 

Staub Nr. 1 . . . . 21)-64 

Staub Nr. 2 . . . . 17-28 John. 

F a r b e r d e von Unter-Metzeuseifen, eingesendet von J. Kos c h 
in ^letzenseifen, enthält: 

13-30 Procent Eisenoxyd und 1-30 Procent Mangan. 

J h n. 



28 C. V. Jolin und C. F. Eichleiter. [28] 

Färb erden vuii Audrychau in Galizien , eingesendet von 
Grätin Feiice B o r o w s k a, enthalten : 

Kieselsäure Ei.seuoxyd 
Proccute 
Nr. I . . . 58-10 17-70 

Nr. 11 . . . 55-90 12-10 K i ch 1 e i t e r. 

S t e i n k h 1 e n t h e e r p e c h, sogenanntes Hartpech, eingesendet 
von J. Riitgers in Angern N.-Oe., hinterlässt 48-15 Procent Coaks. 



MineralfUhrung der Erzgänge von Strebsko bei 

Pribram. 

Von A. Hofnianii. 

j\:Iit einer Zinkotypie im Text. 

Urkundlich waren schon im Jahre 15(59 auf der sogenannten 
„Gabe Gottes-Fundgrube" in der Nähe des Dorfes Strebsko, südlich 
von Pribram. Schürfungen nach Blei- und Silbererzen vorgenommen 
worden, aus welcher Zeit — als Zeichen ehemaliger, fruchtloser berg- 
männischer Thätigkeit — verfallene Stollen und heute nahe schon 
bis zur Unkenntlichkeit eingeebnete Schachtpingen stammen : und 
keineswegs ergaben die im Jahre 188(5 neuerlich aufgenommenen 
Schürfarbeiten hoffnungsvollere P]rgebnisse, indem die gänzliche Auf- 
lassung der Schurfbaue bereits im Frühjahre 1894 erfolgte. 

Nachdem der Schürf bauleiter, k. k. Oberbergverwalter Herr 
H. Grögler, sich den Bericht über den geologisch-bergmännischen 
Theil vorbehalten hat, so beschränke ich mich nur auf die Aufzählung 
der auf den Stfebskoer Erzgängen einbrechenden Mineralien und be- 
rühre das Geologische nur in soweit, als es eben zur allgemeinen 
Orientirung nöthig erscheinen dürfte. 

Das vorherrschende Gestein in diesem Schurfterrain ist ein sehr 
feinkörniger, fast dichter, sehr fester, homogener, schwarzer Thon- 
schiefer, der durch die falsche Schieferung leicht in parallelei)ii)edische 
Spaltungsstücke zerfällt. 

Steter Begleiter dieses Thonschiefers ist Arsenkies, welcher 
in demselben entweder fein eingesprengt vorkommt, oder aber an 
den Ablösungsflächen und Schichtungsflächen einen Ueberzug bildet, 
wie er endlich auch als Ausfüllung feiner Spalten auftritt. 

Dieser Thonschiefer streicht von SW gegen NG. verflächt ziem- 
lich steil, mit 40— 50". nach NW. und wird vielfach von Grünsteinen 
in nordsüdlicher Richtung durchbrochen. Ausser diesen Gesteinsgängen 
treten auch wahre Erzgänge auf. die eben Gegenstand der Beschürfung 
Maren. 

Es wurde ein Schurfschacht auf (>(> in abgeteuft und wurden 
mittelst zweier gegen und W getriebener Querschläge (siehe die um- 
stehende Skizze) die Erzgänge verkreuzt und diese durch horizontale 
Ausrichtung auf ihre Mineralführung geprüft; ausserdem wurden zu 

Jahrbuch d. k. k. geol. Relchsaiistalt, 1895, 45. Band, l. Heft. (A. Hof'iiiaim.) 



30 



A. Hofmann. 



m 



demselben Zwecke auch Abteufen und Ueberliöhen im A'ertliu'hen der 
verquerten Gänge getrieben, so lange sich dieselben als erzig erwiesen. 
Im Ganzen wurden die Gänge I — VIII (siehe die Skizze) überbrochen. 
welche im Allgemeinen ein nordsüdliches Streichen, bei einem steilen 
südwestlichen Yertiächen haben. 

Sämmtliche Gangspalten sind l)ruchsi)alten. Die l''üllung der- 
selben ist mit dem Nebengesteine fest verwachsen und zeigt entweder 
massige Textur, oder auch symmetrisch lagenförmige Anordnung der 
Gangmineralien, seltener Bruchstücke des Nebengesteines, die durch 
Calcit cementirt erscheinen Drusen sind selten. 




Als Hauptausfüllungsmasse wurde kr\stallinischer Kalkspath und 
nur selten Quarz beobachtet: als Erz: Silberhaltiger Bleiglanz, abge- 
sehen von anderen nur untergeordnet vorkommenden Silbererzen. 

Uebrigens ist die Ausfüllung der Spalten keineswegs eine gleich- 
massige, vielmehr ändert sie selbst bei ein und demselben Gange 
ihre Mineralführung, sow^ohl im Streichen wie im Fallen : insbesondere 
gilt dies in Betreff des Adels der Erzführung, und war eben diese 
Absätzigkeit im Erzvorkommen Veranlassung, dass die Gänge als nicht 
abbauwürdig l)efunden wurden. Ihre ^Mächtigkeit schwankt zwischen 
bis 0-8 ni. 

Die grösste Gleiclimässigkeit und Verbreitung gebührt dem gut- 
artigen Begleiter, dem Kalk-i)ath. der in keinem (iange fehlt und 
zumeist auch die Spalten ganz erfüllt. 

Von diesen 8 Miueralgängen wurden die Gänge Nr. II, IV. VI 
und Nr. VII als Erzgänge constatirt. ausgerichtet und hiebei folgende 
Gangmineralien beobachtet : 



[,'11 Minoriilfiilirnng dov Erz,ü,äiif;o voti Stiolisko li(n Piiliram. ;]] 

Fast jede Gangbilduiig beginnt mit 

Quarz, 

er wäre niitliin als das älteste Gaiigniiiieral zu hetracliten : derselbe 
l)ildet wenige Millimeter mächtige Krusten oder Trümmer und ist 
bei sämmtlichen Gängen sehr untergeordnet, niemals füllt er selbst- 
ständig die ganze Spalte aus. Kr ist weiss bis grau, durchscheinend 
und zumeist nur krystallinisch ; äusserst selten sind kleine, weisse 
durchsichtige und noch seltener rauchgraue Krystalle aufgefunden 
worden. 

Kalkspath 

bildet, wie schon erwähnt, das häufigste Ga,ngmineral, er füllt Gang- 
trümmer zum Tlieil oder ganz ans und ist immer grosskrystallinisch. 
deutlich spaltbar und von licht rosenrother oder weisser Farbe. 

Krystalle sind selten, nur in einem Falle konnte ich — V2 ^' ■ *-^ ^* 
beobachten. 

Dieser Calcit gehört zu jenen Gangmineralien, die auf sämmt- 
lichen Gängen sich an der Füllung betheiligen. 

Eisenspath 

fehlt — ausser im Gang Nr. VI — in keiner Gangfüllung; ent- 
weder sitzt er direct am Nebengestein auf, oder er bildet mit den 
gleichalterigen Gangmineralien Quarz, Kalkspath. Bleiglanz und Zink- 
l)lende ein buntes Gemenge. 

Nur einmal wurde ein Drusenrauni mit ziemlich grossen Siderit- 
krystallen ausgekleidet befunden, die jedoch stark corrodirt waren. 
Ausser den Flächen des Grundrhomboeders konnten noch andere con- 
statirt werden, insbesondere jene, welche dem — V2 ^^ entsprechen; 
diese letzteren sind jedoch nicht eben, sondern gerieft, welche Er- 
scheinung durch oscillatorische Combination der eben angeführten 
Formen hervorgerufen wird. Die Krystalle aus der angeführten Druse 
sind zumeist hohl und sind in den negativen Hohlräumen nur noch 
wenige Leisten von Siderit abüelagert, oder man findet an deren 
Stelle Pyrit. 

Ein anderes Handstück, wahrscheinlich vom Gang Nr. VII, zeigt 
auf der Quarzkruste Sideritkrystalle, die im krystallinischen Calcit 
stellenweise eingewachsen sind. Sie wurden auspräparirt und zeigen 
die Flächen des Rhomboeders — 2 /»', deren Polkanten durch parallele 
glatte Flächen abgestumpft sind, welche dem Grundrhomboeder /? 
angehören. Diese Abstumpfungsflächen sind 1 bis mehrere Millimeter 
breit und fallen durch ihre Spiegelung aiif. 

Bleiglanz. 

Die seltenen Krystalle gehören der einfachen Combination 
X X . an, welche nur an Fragmenten beobachtet wurde. 

Zumeist kam der Bleiglanz eingesprengt, seltener in derben, 
grob- bis feinkrystallinischen Aggregaten oder als alleinige Füllung 



?,2 A. ITofmann. [4] 

des Gnn<:^es iiiul in einem solchen Falle, nur auf minimale Dimensionen 
heschriinkt. vor ; die grösste Mächtigkeit dürfte er auf Gang Nr. IV 
erreicht haben, wo derber grobkrystallinischer (Jalenit 4—8 cm 
mächtig vorkam. 

Der Silberhalt ist ein geringer; so ergab der Bleiglanz vom 
(iang Nr. VII laut dem rrobonscheine des k. k. Probiraintes in 
rfibram 7S-0% Blei und O-OTo/o Silber. 

Splialerit 

kommt meist nur als Einsprengung in den übrigen älteren Gang- 
mineralien vor; grössere, derbe Partieen wurden auf keinem der 
genannten Pa'zgängc beobachtet. 

Die übrigens seltenen auf- und eingewachsenen Rhombendode- 
kaeder zeigen eine dunkelbraune bis hyacintrothe Farbe, die kleinen 
Krystalle ferner eine glatte, spiegelnde, die grösseren eine drusige 
Oberfläche. 

Antimon und Arsen 

sind auf Gang Nr. II und Gang Nr. VI ziemlich häufig und nuch in 
grösseren Mengen vorgekommen, und zwar in Begleitung der älteren 
Mineralien, so dass sie auch derselben Bildungsperiode angehören 
dürften. 

Bald überlagern diese gediegenen Metalle den Siderit, bald 
schliessen sie den Siderit und Sphalerit ein oder kommen derbe 
Partieen im krystallinischen Calcit vor. umsäumt von Bleiglanz ; ver- 
eint mit Siderit machen sie wohl auch die ganze Gangfüllung aus. 

Krystallisirt fand sich nur Arsen vor, dessen Kryställchen — 
Rhond)oeder — nur mit einer scharfen Lupe zu erkennen waren. 

Die dichten Aggregate sind gewöhnlich von nierenförmiger. 
kugeliger und stalaktitischer Gestalt und schalenförmiger Structur. 

Im frischen Bruche scheinen die Schalen aus einem homogenen 
^lineral zu bestehen, an der Luft laufen dieselben, wie auch die 
Bruchflächen, dunkelgrau bis schwarz an und ist an derlei Stücken 
deutlich zu ersehen, dass dickere, fast schwarze Schalen mit dünnen 
lichtgrauen wechseln, ein Unterschied, der eben in der Ungleich- 
artigkeit der Zusammensetzung seine Erklärung findet: die dicken, 
schwarzangelaufenen Schalen gehören dem Arsen, die dünnen, licht- 
grauen dem Antimon an. 

Ein junges Umbildungsi)roduct, der Antimonit, ist fast auf je- 
dem Handstücke anzutretfen. entweder in kleinen, büschelförmigen 
Kryställchen oder als bleigrauer Anflug auf den Klüften. 

Arsenkies. 

Ausser im Nebengesteine, wie p]ingangs erwähnt wurde, tritt 
der Arsenkies unter den Gangmineralien nur im Gapg Nr. VII auf, 
wo er Nester und Schnüre im Quarze bildet. 



[5] Mineral fülirung der Erzgänge von Strobsko bei Pfibram. 33 

Kryställchen ^ sind nicht selten und zeigen die gewöhnliche 
Form CO F V4 . P oc. 

Falilerz. 

Derb, unbedeutende Partieen im Gang Nr. IV. 

Kupferkies. 

Eingesprengt, als Begleiter des Fahlerzes. 



Pyrit 

gehört zu den sporadisch vorkommenden Mineralien auf den Strebs- 
koer Gängen ; entweder ist er eingesprengt in den älteren Gang- 
mineralien (I) oder bildet halbkugelförmige Gestalten von radial- 
stengeliger Structur (II). 

Der jüngere Pyrit ist sowohl in Krystallen 

CO U CO ; — ^ — 



und auch als Ueberzug anderer Mineralien beobachtet worden ; er 
fehlt fast nie auf dem krystallisirten jüngeren Kalkspath, in mikro- 
skopisch kleinen Kryställchen. 



Smaltin. 

Der Smaltin ist nur einmal, in wenigen Stücken auf Gang 
Nr. YII, krystallinisch im grobkörnigen Kalkspathe vorgekommen. 



Nickelin 

bildet derbe Partieen oder nur sporadische Eiusprenglinge im Gang 
Nr. VI. 

Uranpeclierz 

kam im Gange Nr. VI in Schnüren und kleinen Nestern von pech- 
schwarzer Farbe , ausgezeichnetem Fettglanz und muschligem 
Bruche vor. 

Auch dieses Uranpecherz wird von einem rothbraunen, krystal- 
linischen Kalkspathe begleitet, dessen Farbe und Korn ähnlieh dem 
Vorkommen des Nasturans von Pribram (Johann-Gg , Anna-Schacht ; 
Gang Nr. 6, Lill-Schacht) und von Joachimsthal ist 



Argentit 

Jahrbuch d. k. k. geoi- Reichsanstalt, 1896, 45. Band, l. Heft. (A. Hofuiann.) 



soll vorgekommen sein 



34 A. Hofmann. [G] 

Dolomit. 

Milchweisse Rhomboeder auf Arsen aufsitzend im Gang Nr. II. 

P^rargyrit. 

Derbe, über 2 mtn dicke Schnürchen und kleine Nester nur 
im Gange Nr. II. 

Antimonit 

als junges Umbildungsproduct, insbesondere des Antimons, findet sich 
in Hohlräumen in büschelförmigen Krystallaggregaten oder als Anflug 
in den Haarklüften der Gänge als auch des Nebengesteines. 

Erytlii'in. 

Als Beschlag auf den übrigen Gangmineralien. 

Arsenit 

kommt als weisser, mehliger Ueberzug auf Antimon-Arsen-Stücken 
vor; solche Exemplare in's Wasser gelegt, gaben eine Lösung, welche, 
mit Schwefelwasserstoff behandelt, einen gelben Niederschlag ergibt, 
welcher als Arsen bestimmt wurde. 



Die geringe Tiefe (00 m). bei welcher die Gänge ausgerichtet 
wurden, sollte voraussetzen lassen, dass sich auch Zersetzungsproducte 
gewisser Gangmineralien vorfinden sollten, was jedoch nicht der Fall 
ist; der Grund dieser Ersclieinung mag wohl in der Armuth der 
Drusenbildung und in dem Vorwalten solcher Gangmineralien liegen, 
die von den Atmosphaerilien nur langsam angegriffen werden. 

Als das älteste Gangmineral , mit welchem fast jede Gang- 
bildung beginnt, ist, wie schon gesagt, der Quarz anzusehen, oder 
der Quarz im Vereine mit dem krystallinischen Kalkspath ; in diesen 
beiden Mineralien sind dann die Erze eingesprengt oder bilden mit 
demselben, aber nur untergeordnet, jedoch deutliche Krusten. 

Um auch die Altersfolge der Mineralien zu illustriren, mögen 
folgende Beispiele, guten Gangstücken entnommen, Aufnahme finden. 

Gang Nr. II. 

1. Quarz — Siderit— Sphalerit — Bleiglanz— Pyrit I. 

2. Quarz — Siderit— Sphalerit— Bleiglanz — krjstallin. Calcit — -Arsen. 

3 — Bleiglanz — Siderit -Sphalerit— Bleiglänz — Arsen— Pyrar- 

gyrit. 
4. Quarz — Sphalerit— -Siderit— Bleiglanz — Arsen— Dolomit. 



[7J MineralfUhrung der Erzgänge von Stfebsko bei PHbram. 35 



Gang Nr. IV. 

1. Quarz— Siderit—Sphalerit—krystallin. Calcit— Pyrit I— Bleiglanz. 

2. Quarz — Siderit — Splialerit — krystallin. Calcit. 

3. Quarz— Sphalerit — Siderit— Calcit - Bleiglanz— Splialerit — Kupfer- 

kies — Fahlerz — Pyrit I— Calcit. 

4. Quarz — Siderit-Bleiglanz — krystallin. Calcit. 

(irang Nr. V. 

1, Quarz — Siderit-Bleiglanz. 

2, Quarz — Bleiglanz — Splialerit — Siderit— Calcit— Siderit— Pyrit I— 

Calcit II— Pyrit II. 

3, Quarz— Bleiglanz — Siderit - Sphalerit — Calcit I— Bleiglanz — 

Siderit— Quarz. 

Gang Nr. VI. 

1. Quarz— Sphalerit— Calcit 1 — Bleiglanz — Nickelin. 

2. Quarz— Calcit I - Bleiglanz — Nickelin — braunr. Calcit -Nasturan. 

3. Quarz — braunrotli. Calcit— Pyrit I — Nasturan — Bleiglanz— Sphalerit. 

4. Siderit— (Antimon —Arsen) — Siderit— Antimonit. 

5. Quarz — Siderit— Bleiglanz — (Antimon— Arsen) — Pyrit II— Antimonit. 

Gang Nr. VII. 

Quarz— Sphalerit — Siderit— Bleiglanz— Calcit I — Smaltin. 



Aus den angeführten Beispielen und dem übrigen aufgesammelten 
Materiale, welches in der Lagerstätten-Sammlung des hiesigen Institutes 
aufbewahrt wird , ergibt sich für die Strebskoer Gänge folgende 
Mineralparagenese, von den ältesten angefangen: 

1. Quarz. 

2. Siderit. 

3. Krystallinischer Calcit (I). 

4. Bleiglanz. 

5. Sphalerit. 

In den angeführten Mineralien 1—5 eingesprengt oder auf- 
gelagert : 

6. Antimon— Arsen. 

7. Arsenkies. 

8. Fahlerz. 

9. Kupferkies. 

10. Pyrit I. 

11. Smaltin. 

12. Nickelin. 

13. Uranpecherz. 



36 



A. Hofmann. [8] 

Jüiioer als diese, zum Theil Umbildungsproducte derselben: 



14. Dolomit. 

15. Pyrai'gyrit. 

16. ?Argeiitit. 

17. Caldt n. 

18. Pyrit IL 

Jüngste Bildungen: 
Antimouit, Erythrin, Arsenit. 



Kreidepflanzen von Lesina. 

Von Dr. Fritz v. Kerner; 

Mit vier Lichtdruck- und einer lithographirten Tafel. (Nr. I — V.) 

Von dem um die Ei'forschiing Lesina's hochverdienten Herrn 
Bucic wurde vor hlngerer Zeit eine aus den Kreideschirhten dieser 
Insel stammende Suite von Ptianzenfossilien an die geologische Ileiclis- 
anstalt eingesandt. Das einschliessende Gestein ist ein dickplattiger 
Mergelschiefer von schmutzig-gelblich-weisser Farbe. Die überwiegende 
Mehrzahl der Reste stammt von der für die Kreideireriode charak- 
teristischen Conifere Cumiim/ltamia her; daneben findet sich noch 
eine Anzahl von Zweigen und Blättern, welche ungefähr einem Dutzend 
verschiedener Pflanzenarten angehören. Die folgenden Zeilen enthalten 
das Ergebniss der von mir vorgenommenen Untersuchung dieser Reste. 

PteridopJiyta. 
Filicaceae, 

Sphenopteris Lesinensis nov. sp. 

Taf. I, Fig. 1—5. Tai". V, Fig. 9. 

SjjJi. fronde f/raciU triplnnata; rJuicJü oalido. ; pinnis altern/s, 
approximatis, patentlbns, lanceolatis ; pinnulis cdternis od oppositis, conferüs, 
oblongis, pinnatifidis oel pinnatipartitis, segmentis terüarUs simpUclbus. 

Es liegen zwei grössere Wedelbruchstücke und mehrere kleinere 
Wedelfragmente sammt Gegenabdruck und ein ganz kleiner junger 
Wedel vor. Der Blattgrund ist bei der Mehrzahl dieser Fossilreste 
vorhanden, die Spitze dagegen bei keinem derselben erhalten. Eine 
ungefähre Ergänzung ergibt für die ausgewachsenen Wedel einen 
deltoiden Umriss bei circa 12 — 15 cm Länge und 8 — 10 cm grösster 
Breite. Die Rhachis ist in ihrem Vaginal theile blattartig verbreitert 
und verjüngt sich dann allmälig bis dahin, wo die Wedelfragmente 
enden, von 2 auf 1 cm Dicke. Sie ist bei den zwei grösseren in 
ziemlich normaler Lage eingebetteten Wedeln geradegestreckt, bei 
dem Fig. 3 abgebildeten verzerrten Wedel etwas gekrümmt. Die 
Spindeln der Primärsectionen gehen regelmässig alternirend in Ab- 
ständen, welche im unteren Wedeltheile 72 '•'"* betragen und nach 
oben bis zur Hälfte dieser Distanz sich vermindern, von der Rhachis 

Jahrbuch d. k. k. geol. Rcichsanstalt, 1895, 45. Band, 1. lieft. (F. v. Kcnier.) 



38 F. V. Kerner. [2] 

ab. Die Abgaiigswinkel betragen im unteren Wedeltheile circa 70° 
und werden gegen oben zu etwas spitzer. Bei dem Fig. 5 abgebildeten 
Fossil und bei dem kleinen jungen Wedel entspringen die Prinuir- 
spindeln unter ungefähr rechten Winkeln von der Rhachis. Die Fiedern 
erster Ordnung sind von lancettlichem Umrisse; ihre Länge nimmt 
vom Wedelgrunde aufwärts zuerst ziemlich rasch zu, dann gegen die 
Spitze hin wieder allmälig ab. Die längsten Fiedern im unteren Wedel- 
theile messen ö'/g cm, die kleinsten, schon in der Nähe der Spitze 
befindlichen sind gegen 2 cm, die kleinsten am Wedelgrunde etwa 
1 cm lang. Bei den zwei grösseren Fossilstücken sind die Primär- 
fiedern geradegestreckt und liegen, je nachdem sich die Abgangs- 
winkel verhalten, theils parallel, theils etwas divergirend oder con- 
vergirend nebeneinander. Bei dem verzerrten Wedel mit der ge- 
krümmten Rhachis erscheinen auch die Primärspindeln mehr oder 
weniger gebogen. Bei den zwei ersteren Wedeln sind nur auf der 
einen Seite der Rhachis die mittleren Fiedern vollständig, da auf 
der anderen Seite in geringem Abstände von derselben der Bruch- 
rand des Gesteinsstückes verläuft; bei dem dritten Exemplar sieht 
man dagegen die Fiedern beider Seiten zum Theile bis zur Spitze 
erhalten. Die Fiederu zweiter Ordnung sind einander sehr genähert, 
meist alternirend, stellenweise aber beinahe gegenständig und bei 
elliptischem Umrisse 2 — 4 nun lang. Sie erscheinen in mehrere gegen 
das Ende hin etwas verbreiterte und an diesem meist zugespitzte, 
seltener abgerundete Tertiärsegmente getheilt. Bei dem kleinen jungen 
Wedel Fig. 4 und dem von einem gleichfalls noch jugendlichen In- 
dividuum herrührenden Abdruck Fig. 5 sind die Secundärabschnitte 
schmal lancettlich, ungetheilt oder gegabelt. Das Farnkraut niuss zu- 
folge der weitgehenden Zertheilung seines Laubes sehr zierlich aus- 
gesehen haben ; die erhaltenen Reste machen dagegen einen relativ 
plumpen Eindruck. 

Es rührt dies davon her, dass an vielen Stellen wahrscheinlich 
aus dem Grunde, dass die zarten Fiederchen nach der Einbettung 
zerdrückt wurden und ihre organischen Säfte das umgebende Gestein 
infiltrirten, die kohligen Reste der benachbarten Fiederchen inein- 
ander vertliessen. An dem Fig. 2 abgebildeten Wedel ist das Detail 
der Fiederung so sehr verwischt, dass derselbe fast wie ein einfach 
gefiederter Wedel mit lancettlichen, gezähnten Fiedern erscheint. 
Am besten ist die feinere Segmentirung an den unteren Primärfiedern 
des Fig. 'r> abgebildeten Wedels zu sehen. Von Nervatur ist an den 
Fiederchen nichts zu bemerken. Fructificationsorgane fehlen. 

Das hier beschriebene Farnkraut gehört in die Gruppe der 
fossilen Filicineen mit sehr fein zertheiltem Laube, welche theils in 
die grosse Sammelgattung ir^ybcnoptcris, theils in die Gattungen 8cle- 
ropteris {^i\\)OYta) und Htacln/pteris (Pomel) eingereiht wurden. Aus 
der Reihe der jungmesozoischen Scleropteriden könnte die von Sap orta 
beschriebene Scleropteria tefiuisecta aus dem Corallien von Auxey als 
eine im Habitus ähnliche Art erwähnt werden; doch sind bei dieser 
die Tertiärsegmente sehr viel breiter als bei dem in Lesina gefun- 
denen Farn. Von den als Htachifjjteris beschriebenen Farnresten ist 
das im Saporta's Juraflora Tom. I, PI. LI, Fig. 1 abgebildete Fossil 



[3] Kreidopflanzen von Tjosina. 39 

aus dem Kimmeridgien von Orbagnoux in Bezug auf die Grösse und 
Segmentirung der Fiederclien dem dalmatinisclien Farne sehr ähnlich 
und weicht nur durcli die viel schmälere Rhachis von demselben ab. 
Fiine geringere Aehnlichkeit besteht mit den iii Tom. IV des- 
selben Werkes als Sfaflii/pferl^ mhiuta abgebildeten, von Auxey 
(Corallien) und Chatelneuf (Sequanien) stammenden Farnresten, welche 
nach Saporta's Ansicht mit dem vorhin genannten Fossile zu ver- 
einigen sind. Da bei keinem der in Lesina gefundenen Wedel etwas 
von den für StacJiypteris charakteristischen ährenförmigen Frucht- 
organen zu sehen ist, erscheint jedoch eine nähere Verwandtschaft 
dieser Wedel mit der genannten Stach j/pteris -Art, welche nach S a p o r ta 
in Portugal auch noch in der unteren Kreide vorkommt, von vorn- 
herein ausgeschlossen. Da die Wedel auch kein Merkmal darbieten, 
welches zu ihrer Einreihung in die Gattung Scleropteris nöthigen 
würde, dürfte es sich empfehlen, dieselben zur Gattung Splietwpferis 
zu steilen Erwähnung verdient die fast vollkommene Uebereinstim- 
mung in Bezug auf Grösse und Art der Segmentirung zwischen den 
Fiederchen des dalmatinischen Farnes und jenen der von Stur aus 
dem Ostrauer Culm beschriebenen Sphenopfer/^ (Dlplofliniema) MIadcl-i, 
bei welcher die Fiederchen jedoch viel weniger gedrängt stehen. Auch 
die von Brongniart aufgestellte Sphenoptcri^ (Iclicatuli. aus dem 
Carbon von Saarbrücken hat Fiederchen von iUmlicher Gestalt wie 
die hier beschriebene Filicinee. Aus jüngeren Ablagerungen und ins- 
besondere aus Kreideschichten ist bisher keine mit dem in Lesina 
aufgefundenen Farnkraute übereinstimmende Sphenopteris- Art zur Be- 
schreibung gelangt. 

Cißhadeaceae. 

13er interessanteste Bestandtheil der kretazischen Flora von 
Lesina ist eine Anzahl von Pflanzenresten, welche mit den als PacJu/p- 
teris und Tliinnfdäia beschriebenen, zu den Farnen oder Cykadeen 
oder Coniferen gezogenen fossilen Formen die meiste Aehnlichkeit 
zeigen. Der Grund, warum bezüglich der systematischen Stellung dieser 
eigenthündichen Fossilreste so verschiedene Anschauungen platzgreifen 
konnten, liegt bekanntlich darin, dass diese Reste mit keiner der 
jetztlebenden Pflanzengattungen eine zur Einreihung in dieselbe aus- 
reichende habituelle Uebereinstimmung darbieten und Merkmale, 
welche unabhängig vom äusseren Habitus auf eine bestimmte Pflanzen- 
gruppe hinweisen würden, bislang noch nicht mit Sicherheit nach- 
zuweisen waren. Die in Lesina aufgefundenen Fossilien zeigen zwar 
auch keine Fructificationsorgane und würden, selbst wenn sie solche 
besässen, auch keine allgemeine Entscheidung der Frage betrefl's der 
systematischen Stellung der Pachypteriden ermöglichen, da unter 
diesen Gattungsbegriff' Verschiedenartiges zusammengefasst wurde, wohl 
abey liefern sie neuen interessanten Stoff" zur Discussion jener Frage. 

Unter den in ziemlicher Anzahl vorhandenen Thinnfeldienähn- 
lichen Resten sind der auf Taf. II dargestellte und der auf Taf. III, 
Fig. 2 abgebildete die bemerkenswerthesten und grössten. 

Der erstere ist der Abdruck eines Zweiges, von welchem jeder- 
selts mehrere, mit kleinen Blättchen besetzte Seitenzweige entspringen. 



40 F. V. Keiner. [4] 

Der vertiefte Abdruck der Hauptaxe ist an der Basis etwas ver- 
breitert und verschiiiiUert sich dann sehr allmälig gegen das obere 
Ende hin. Er zeigt eine deutliclie Längsstreifung, welche von Gefäss- 
bündelsträngen herzurühren scheint. Ausser den Lcängsriefen sind 
noch einige in ungleichen Abständen sich folgende Querrunzeln zu 
bemerken. Die Seitenzweige sind gegenständig und entspringen in 
ziemlich spitzen Winkeln von dem Zweig. Auf der linken Seite sind 
infolge einer in der Richtung des Hauptzweiges stattgehabten Kraft- 
einwirkung alle Seitenzweige nahe ihrer Ursprungsstelle durchtrennt 
und gegen denselben um ein Weniges verschoben. Die schmalen 
seichten Rinnen, welche die Abdrücke der Seitenzweige darstellen, 
erscheinen im Gegensatze zum Abdrucke der Hauptaxe meist nur 
von einem in der Mitte verlaufenden dünnen Strang durchzogen. An 
den Ursprungsstellen der oberen Zweigi)aare kann man den Ueber- 
gang eines Stranges des Hauptzweiges in den Seitenzweig direct 
verfolgen. Die Blättchen sitzen alternirend mit breiter Basis den 
Zweigchen auf und spitzen sich nach vorne allmälig zu. Sie lassen 
sich als Rhomben bezeichnen, von deren Seiten zwei spitzwinklig 
zusammenstossende etwas ausgebuchtet sind und eine der zwei anderen 
dem Zweige anliegt. Die terminalen Blättchen der Seitenzweige sind 
durch grössere Breite und durch Lappung von den seitlichen Blättchen 
verschieden. An der Mehrzahl der Seitenzweige lassen sich jederseits 
circa sechs Blättchen zählen. An einigen derselben kann man be- 
merken, wie ein aus dem Seitenzweig entspringender Nerv in die 
Lamina eindringt und nach kurzem Verlaufe sich verliert. Am besten 
erhalten und am meisten in natürlicher Lage befindlich sind die Ab- 
drücke der zwei unteren linksseitigen Zweigchen, die unteren 
Zweigchen der rechten Seite sehen etwas verdrückt aus; die oberen 
Zweigchen beider Seiten müssen, nach dem Verhalten ihrer Abdrücke 
zu schliessen, bei der Einbettung übereinander gelegen sein. 

p]inen ganz anderen Anblick bietet das auf Taf. HI, Fig. 2 dar- 
gestellte Fossil. Dasselbe ist der Abdruck eines sehr verschieden- 
artig gestaltete Fiedern besitzenden Wedels. In dem eine circa 2 mm 
breite, sehr schwach hin- und hergebogene Rinne bildenden Abdrucke 
der Spindel bemerkt man einen in der Mittellinie durchziehenden 
dünnen Strang. Von demselben gehen unregelmässig alternirend dünne 
Seitenstränge ab, welche in die blattartigen Anhänge eintreten. Von 
diesen Anhängen fallen die zwei untersten, von einem Cunninghamia- 
;^weige gekreuzten, durch ihre grosse Formverschiedenheit auf. Der 
eine macht den Eindruck eines lancettlichen, im vorderen Drittel 
gezähnten Blattes, der andere sieht wie ein in zugespitzte Läppchen 
getheiltes Blatt aus. Eine zwischen diesen Formen gewissermassen 
vermittelnde Stellung nimmt das folgende Blattgebilde ein, welches 
dem untersten gleicht, aber an seiner Basis ein isolirtcs Läppchen zeigt. 

Das unterste Blatt, bei welchem die Abgangsstelle vom Zweige 
leider nicht erhalten ist, ist G cm lang, im mittleren Theile l cm breit 
und nach beiden Enden hin gleiclunässig v.erschmälert. An seinem 
vorderen Theile sind jederseits drei Zähne vorhanden, deren Abstände 
gegen die Blattspitze hin sich vermindern. Bezüglich der Basis ist 
zu bemerken, dass die Lamina auf der einen Seite weiter an der 



[5] Kreidepflanzea von Losina. 41 

Blattrippe hinabläuft als auf der anderen. Das nächste Blatt, das 
leider von einer Gesteinsbruchlinie schräg durchsetzt wird, zeigt jeder- 
seits drei Läppchen, welche in Form und Grösse denen des vorhin 
besprochenen Fossils gleichen. Auch hier zieht sich die Lamina des 
untersten Läppchens auf der einen Seite beinahe bis zur Abgangs- 
stelle der Blattrippe vom Zweige hinab, M^ährend sie auf der andern 
Seite schon weiter oben endet. Das darüber folgende Blatt stimmt 
in Bezug auf die Grösse mit dem untersten überein, lässt jedoch 
wegen der ungünstigen Erhaltung des Randes nur undeutlich seine 
Zahnung erkennen. Die Lamina endet ein kurzes Stück vor der Ab- 
gangsstelle ihres Nervenstranges vom Zweige, so dass eine Art Blatt- 
stiel vorhanden ist. Das vorerwähnte isolirte Läppchen an der Basis 
dieses Blattes entspringt von diesem Stiele und zieht sich eine Strecke 
weit am Zweige hinab. Von den Blättern der anderen Seite erscheint 
das unterste nur in seinem Basalttheile erhalten, das nächste, von dem 
leider ein Stückchen herausgebrochen ist, misst 5 cm Länge und lässt 
in seinem vorderen Theile eine schwache Lappung erkennen. Die 
Basis ist bei diesem Blatte sehr asymmetrisch gestaltet, indem auf 
der einen Seite die Lamina schon vor der Abgangsstelle der Blatt- 
rippe vom Zweige endet, auf der andei-n dagegen die Blattspreite 
sich eine Strecke weit an dem Zweige hinabzieht. Von den zwei 
obersten Blattfiedern, welche (gleich der sehr mangelhaft erhaltenen 
vorletzten Blattfieder der rechten Seite) kürzer und schmäler sind, 
als die bisher besprochenen Blattgebilde, besitzt die eine im vor- 
dersten Theile zwei Läppchen, die andere einige kleine Zähne; beide 
zeigen an der Basis dasselbe Verhalten wie das eben besprochene 
Blatt; die Blattspreiten gehen in ihrer ganzen Breite unmittelbar 
vom Zweige ab. Von dem terminalen Blatte ist nur die ziemlich sym- 
metrisch gestaltete allmälig sich verschmälernde Basis vorhanden. 

Die Fiedern sind mit Ausnahme der zwei obersten von einem 
deutlich sichtbaren Mittelnerven durchzogen. Ueberdies bemerkt man 
noch einzelne mit diesem Nerv massig spitze Winkel einschliessende 
feine Streifen, von denen es jedoch sehr zweifelhaft ist, ob und in- 
wieweit sie als Seitennerven zu deuten sind. Sie sind ungleichmässig 
angeordnet und zum Theile unnatürlich gebogen und geknickt. Bei 
einem erkennt man, dass er den Mittelnerv kreuzt und desshalb von 
einem über der Blattfläche gelegenen fadenförmigen Gebilde stammen 
muss, ein anderer, welcher unmerklich sich verbreiternd bis zum Blatt- 
rande reicht, erweist sich als feiner Riss in der Blattsubstanz. Hie- 
durch wird es wahrscheinlich, dass auch einige andere Streifen, 
welche den Eindruck feiner Seitennerven machen, doch auch nur als 
Falten oder Risse im Gewebe zu betrachten sind. Nur bei jenen 
zarten Streifen, welche im vorderen Theile der untersten Blattfieder 
vom Mittelnerv abzweigen und gegen die Blattzähne hinziehen, kann 
man sich des Gedankens kaum entschlagen, wirkliche Nervenstränge 
vor sich zu haben. Es wurden dieselben, da sie wegen ihrer Zartheit 
auf dem photographischen Bilde nicht sichtbar sind, auf Taf. V, 
Fig. 8 dargestellt. 

Von den übrigen in Lesina gefundenen Pachypteris-artigen Fos- 
silien sehen die meisten dem ersteren der vorhin genau beschriebenen 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1895, 45. Band, 1. Heft. (F. v. Kerner.) ß 



42 F- V. Kerner. [6] 

Zweige in Bezug auf den Habitus ähnlich; doch zeigt sich hinsicht- 
lich der Form und Grösse der theils alternirenden, theils fast gegen- 
ständigen Blattläppchen manche Verschiedenheit. Die Form der Läpp- 
chen durchläuft alle Zwischenstufen von der fast rhombischen mit 
unverschmälerter Basis bis zur ovalen mit etwas eingeschnürtem 
Grund. Das Taf. III, Fig. 3 abgebildete sammt Gegenabdruck er- 
haltene Fossil weicht von allen anderen durch die Beschaffenheit 
des Ri.ndes seiner Läppchen ab. Einige derselben zeigen nahe ihrer 
Spitze jederseits einen einspringenden Winkel, wodurch sie das Aus- 
sehen von Läppchen mit zwei seitlichen Zähnen erhalten. Bei einigen 
anderen Läppchen ist dieses Paar seitlicher Zähne oder einer der- 
selben verkümmert und seine Stelle nur durch eine Knickung des 
Blattrandes markirt. An einem Läppchen ist überdies eine Andeutung 
eines dritten Zähnchens zu bemerken. Die Grösse der Blattläppchen 
ist sehr verschieden und zwar schwankt die Länge zwischen 5 und 
17 mm, die Breite zwischen 2-5 und G 5 ww. Durch besondere Grösse 
der Läppchen fällt das Taf. V, Fig. 10 abgebildete Fossil auf, an 
welchem links vier von einer Gesteinsbruchlinie durchquerte Fiedern 
und rechts die Anfangsstücke von zwei Fiedern zu sehen sind. Von 
Nervatur bemerkt man an den Läppchen von Taf. IT, Fig. 1 und 4 
nur stellenweise Spuren eines Mittelnerven. 

Die Erhaltungsweise der im Vorigen bezüglich ihrer Formver- 
hältnisse beschriebenen Blattgebilde ist eine verschiedene. Die Läpp- 
chen des auf Taf. II dargestellten Zweiges sind nur als Negativab- 
drücke vorhanden und stellen sich als graue sehr seichte Vertiefungen 
im gelben Gesteine dar. Nur an wenigen Stellen bemerkt man auf 
ihnen schwarze Pünktchen als letzte Reste der kohligen Substanz. 
Das Taf. V, Fig. 10 abgebildete Fossil ist gleichfalls nur als Abdruck 
vorhanden und hebt sich mit schmutzig- gelber Farbe vom hellen 
Mergel nur schwach ab, wesshalb dasselbe für die photographische 
Reproduction nicht geeignet war. Bei den kleinen Fragmenten Taf. III, 
Fig. 1, 3 und 4 ist dagegen die kohlige Substanz zum grossen Theile 
noch erhalten und da, wo sie herausgebrochen ist, erkennt man, dass 
sie eine bedeutende Dicke besitzt. Die Blattgebilde des auf derselben 
Tafel Fig. 2 dargestellten Fossils zeigen gleichfalls zum grossen 
Theile eine dicke, von sehr zahlreichen, feinen parallelen Rissen 
durchsetzte Kohlenschicht. Nur bei dem untersten Blatt ist dieselbe 
fast ganz entfernt und die braun gefärbte Epidermis der Rückseite 
blossgelegt. 

Was nun die Beziehungen der im Vorigen beschriebenen Pflanzen- 
reste zu den bisher bekannten Pachypteriden betrifft, so besitzen die 
Taf. II und Taf. III, Fig. 1 und 4 abgebildeten Exemplare eine ziem- 
lich grosse Aehnlichkeit mit der von Brongniart aufgestellten, aus 
dem Oolith von Whitby stammenden Pachypferis ovata. (Taf. V, Fig. G.) 
Es beruht diese Aehnlichkeit auf der Breite der Rhachis, auf den ziem- 
lich grossen Abständen der Seitenspindeln sowie auf der Grösse und 
Form der Fiederläppchen. Ein Unterschied besteht darin, dass bei 
der Br ongn iar t'schen Species nur die oberen Läppchen der Seiten- 
spindeln an der Basis unverschmälert sind, bei den dalmatinischen 
Fossilien aber auch die unteren Läppchen, die bei der Pachypteris 



[7] Kreidepflanzen von Lesina. 43 

ovata stark eingeschnürt erscheinen, keine oder nur eine sehr ge- 
ringe Verschniillerung zeigen. Die andere von Brongniart aufge- 
stellte Fachiiptci-is-kvi, P. lanceolata steht in Bezug auf die Art der 
Zuspitzung der Läppchen dem Taf. II abgebildeten Fossil von Lesina 
näner, als die P. ovata, kommt jedoch im Uebrigen viel weniger zum 
Vergleiche in Betracht. Eine weitere Uebereinstimmung zwischen Pachyp- 
teris ovata Brongniart und den vorhin bezeichneten der in Lesina ge- 
fundenen Fossilien besteht in Bezug auf die Consistenz der Blatt- 
läppchen, welche bei beiden lederartig ist und in Betreff der 
Nervatur, welche sich auch bei der Brongni art'schen Species auf 
einen Mittelnerven beschränkt. 

Weniger leicht ist es, für den Taf. III, Fig. 2 abgebildeten 
Zweig mit den polymorphen Blattorganen ein Analogon unter den 
bisher beschriebenen Pflanzenfossilien zu finden. Am ehesten ist noch 
die von Saporta aus dem Infralias von Hettanges beschriebene Thinn- 
feldia incisa (Taf. V, Hg. 7) zum Vergleiche herbeizuziehen, welche 
gleichfalls theils nur gelappte, theils tief eingeschnittene und gefiederte 
Blättchen besitzt und an der Basis derselben gelegentlich isolirte Blatt- 
läppchen aufweist. Insbesondere kommt das in der Flore Jurassique 
Tom. IV, PI. LV, Fig 1 abgebildete P'ossil als Vergleichsobject in 
Betracht, bei welchem der Grad der Segmentirung nicht wie bei dem 
Tom. I, PI. XLII desselben Werkes dargestellten Exemplare mit der 
Entfernung von der Blattspitze gleichmässig zunimmt, sondern einzelne 
tiefer eingeschnittene Fiederchen zwischen wenig segmentirten vor- 
kommen, ein Befund, den eben in besonders ausgeprägtem Maasse 
das Fossil von Lesina zur Schau trägt. Dieses Fossil unterscheidet 
sich jedoch von der genannten Thinnfeldia durch die ungefähr dop- 
pelte Grösse seiner Blattorgane und dadurch, dass dieselben in der 
Mitte am breitesten sind, während bei den Fiederchen der Thinnfeldia 
incisa die grösste Breite meist nahe der Basis gemessen wird, sowie 
ferner darin, dass es eine Zähnung aufweist, wogegen die Tliinnfeldia 
inc'sa gelappt ist. 

P^ndlich fehlt bei dem Fossil von Lesina die für Thinnfeldia 
charakteristische Nervation. 

Aus diesen Erörterungen ergibt sich, dass die in Lesina auf- 
gefundenen Fossilien von Thinnfeldia-ähnlichem Habitus mit keiner 
der bisher beschriebenen Arten dieses Geschlechtes und der ihm 
zunächst stehenden Geschlechter vereinigt werden können ; Avährend 
jedoch für das letzthin besprochene Fossil überhaupt nur eine im 
Habitus einigermassen vergleichbare Form unter den bisher be- 
schriebenen vorweltlichen Arten namhaft gemacht werden kann, bieten 
die an früherer Stelle abgehandelten Fossilreste (Taf. II, Taf. III, 
P'ig. 1 u. 4) mit der erwähnten Pachijpteris ovata Brongt. so viel 
Uebereinstimmung dar, dass, wenn auch keine specifische, so doch 
eine generische Zusammengehörigkeit beider angenommen werden 
kann. Die Zutheilung jener Fossilien zu dem Genus Pachgpteris Brongt. 
bedingt zunächst das Resultat, dass dieses Genus bis in die Kreide- 
zeit fortgedauert hat und ist weiterhin dazu geeignet, die Frage 
betreffs der Stellung dieses mehrfach angezweifelten Genus Pachgpteris 
zu Gunsten einer der diesbezüglich geltend gemachten Anschauungen 

6* 



44 F. V. Kerner. [g] 

zu beeinflussen. Die Fossilreste, auf welche Brongniart die schon 
zu wiederholten p]rörterungen Anlass gewesene Diagnose: „Foliae 
pintiafae vel bipinnafae, pinmills integris coriaccis enerviis, vcl nnlnerms, 
hast consfridis nee rachi adnatis" basirte, stammten aus dem unteren 
Oolith von Whitby in England 

Brongniart (Prodr. p. 50, Hist. des veg. foss. I, p. 166, 1828) 
stellte diese Reste, mit welchen er die von Phillips (lllustr. of the 
geol. of Yorkshire p. 125, 1822) als Spltenopteris lanceola^a und 
Neuropteris Uieciijata von derselben Lokalität beschriebenen Fossilien 
vereinigte, zu den P'arnen, hebt aber hervor, dass sie in Bezug auf 
Habitus, Consistenz und Nervatur von allen lebenden Farnen so sehr 
abweichen, dass ihre Stellung in dieser Pflanzengruppe als eine zweifel- 
hafte zu betrachten sei. Zum Vergleiche wird von ihm Äspidium 
coriacenw aus Neuholland herbeigezogen. In der zweiten Auflage von 
Phillips' Geologie von Yorkshire (1835) erscheinen die von 
Brongniart zu PacJiifpter/s gezogenen Fossilien unter ihren früheren 
Namen als Filicineen. Goeppert (Systema filicum fossilium pag. 179, 
1836) und Sternberg (Verst. Hft. 5 und 6, p. 55, 1838) vermögen 
keine Aehnlichkeit zwischen Fachijpteris und Äspidium coriaceum zu 
bemerken und ersterer stellt die Farnkrautnatur des Genus Pachypferis 
als sehr zweifelhaft hin und spricht sich dahin aus, dass dasselbe 
mehr mit den Cykadeen zu vergleichen sei. Er vermuthet, dass die 
Brongniart vorgelegenen Exemplare nur schlechter Erhaltung wegen 
keine Seitennerven gezeigt haben mögen und findet, dass die in der 
zweiten Auflage von Phillips' Werk Taf. X, Fig. 6 u. 9 abgebildeten 
Exemplare von Sphenopferis htnceolafa und Neuropteris lueviejata parallel 
aufsteigende Seitennerven, wie solche bei Cykadeen vorkommen, be- 
sitzen. Bei Unger erscheinen die Fach ypteris- Arten unter den Ctjkadeae 
diibiae angeführt, und zwar in der Synopsis (p. 165, 1845) ausser den 
beiden Arten Brongniart's noch FacJiijpteris latineroia Knt. aus 
dem Ural (Beitr. p. 33, T. 7, S. 4), in den Genera et species plant, 
foss. (p. 307, 1850), überdies fünf inzwischen von F. Braun 
(Flor. 1847) aus den Liaskeuper-Schichten von Veitlahm bei Kulm- 
bach in Baiern aufgestellte Fach t/pferis- Avten. E 1 1 i n g s h a u s e n (Be- 
gründung einiger neuer Arten der Lias und Oolithflora 1852) nimmt 
die Cykadeennatur der in Rede stehenden Fossilien als sichergestellt 
an, indem er von dem Cykadeengeschlechte Faclujpteris spricht. Indem 
er sich übrigens veranlasst sieht, sein neu aufzustellendes, mit Fhijl- 
locJadm verglichenes Coniferen - Genus Tliinnfeldia von Fachijpteris 
zu unterscheiden, deutet er zugleich an, dass das letztere Genus auch 
mit Fhijllocladus einige Aehnlichkeit besitzt. Der Hauptunterschied 
liegt in der Nervation, welche sich seiner Ansicht nach bei FacJnjpteris 
auf einen stark vortretenden Mediannerven ohne alle Seitennerven 
beschrcänkt. F. Braun (Beitr. zur Urgesch, der Pflanzen Nr. VII, 1854) 
spricht sich anlässlich der Aufstellung des neuen Farngenus Kirchneria 
dahin aus, dass es gewagt sei, Fachypteris den Cykadeen zuzurechnen 
und dass dieselbe mit Cijkadopteris Zigrio in eine zwischen Farne 
und Cykadeen einzureihende Familie , die der Pachypterideen zu 
stellen sei. Ein Jahr darauf wird die Gattung Fachijpteris von A n d r a e 
(Die foss. Flora Siebenbürgens und des Banates 1855) zu den Coniferen 



[9] Kreidepflanzen von Lesina. 45 

gestellt, indem er die durch den Habitus und die holzige Beschaffenheit 
der Axengebilde bedingte Aehnlichkeit mit Phi/Uocladus neuerdings 
betonend, die Ansicht vertritt, dass der Mangel von Seitennerven bei 
Pachi/pteris, welcher, wie erwähnt, für Ettingshau s en ein Haupt- 
argument war, das Genus zu den Cykadeen und nicht zu den Taxineen 
zu stellen, nur ein scheinbarer sei; er erörtert, dass das Vorhanden- 
sein oder Fehlen der Nerven bei den Pachypteriden nur davon ab- 
hänge, ob die untere oder obere Seite der blattartigen Organe sich 
der Beobachtung darbietet und sucht hiedurch den Widerspruch auf- 
zuheben, dessen sich seiner Ansicht nach Brongniart dadurch 
schuldig machte, dass er die von Phillips aufgestellten Arten mit 
seinen PacJnjpteris- Arien vereinigte, obwohl erstere zahlreiche Nerven, 
letztere aber nur einen Mittelnerven zeigen. Zehn Jahre später ist 
Zigno (Monogr. del Gen. Dlvliopteris 1805) der Ansicht, dass der 
Mangel von Seitennerven ein wesentliches (und nicht durch das Vor- 
liegen der Blattoberseite zufällig bedingtes) Merkmal der Gattung 
Paehypteris sei und dazu nöthige, die beiden von Phillips auf- 
gestellten Arten von Paclujpteris zu trennen. Sie werden von ihm 
seiner neuen mit Fructificationsorganen bekannt gemachten Gattung 
Dichoptet'is zugetheilt. Schenk (Die foss. Flora der Grenzschichten 
des Keupers und Lias Frankens p. 113, 1867) vermag sich kein 
sicheres Urtheil darüber zu bilden, ob Zigno's Vorgang völlig be- 
gründet sei, sowie darüber, ob die von Anclrae vertheidigte Zusam- 
menziehung von Thinnfeldia und Pachijpferis eine hinlängliche Recht- 
fertigung besitze. S Chi m per (Traite de Paleontologie ^^egetale I, 
p. 492, 1869) hält Pachijpterü Brgnt. für identisch mit Dielt opteris Zigno 
und sieht, da letzteres Geschlecht Fructiticationsorgane von Filicineen- 
typus trägt, die Pachypteris-Frage im Sinne Brongniart's gelöst, 
welcher sich dahin ausgesprochen hatte, dass die Farnnatur der 
Pachypterideen so lange zweifelhaft sei, als keine Fructiticationsorgane 
gefunden werden. Saporta (Flore jiirassique I, p. 367, 1873) ist 
wieder im Gegensatz zu Zigno und in Uebereinstimmung mit An drae 
der Ansicht, dass Splienopferis laevigafa PItiUijjs und Paclujpteris ovata 
Brngt. Vorder- und Rückseite derselben Pflanze seien und stellt 
dieselben nebst Loxopteris Pomel und Dicliopteris Zigno zu seiner 
neuen Gattung Scleropteris, welche er mit Stadigpteris zusammen zu 
der Filicineengruppe der PacJn/pterideae vereinigt. Den ersten Vergleich 
mit recenten Formen (wenn man von der Erwähnung des Äspidium 
coriaceum bei Brongniart absieht) stellt Oswald Heer an 
(Beitr. zur Juraflora Ostsibiriens und des Amurlandes 1877 u. 1878), 
indem er sich für das Vorhandensein einer Verwandtschaft der 
Pachypterideen mit der Farngattung Dicl'sonia Houk. ausspricht. Nach- 
dem also die Vermuthung, dass das Genus Pachgpteris zu den Farnen 
gehöre, der Ansicht, dass es den Cykadeen und der Annahme, dass 
es den Coniferen zuzurechnen sei, gewichen war, ist in neuerer Zeit 
wieder die Auffassung, dass ein Filicineengenus vorliege, herrschend 
geworden. Auch Solms-Laubach findet (Einleit. in d. Paläophy- 
tologie, p. 89, 1887), dass Pachgpteris, sowie Dichopteris und Cgkadopteris 
besser bei den Farnen als bei den Cykadeen abzuhandeln seien. 



46 F. V. Kerner. [10] 

Was nun das Taf. II abgebildete Fossil anbelangt, so wird man 
schwerlich versucht sein, dasselbe für den Abdruck eines Farnwedels 
7Ai halten. Zunächst ist schon der Gesanimthabitus einer solchen Deutung 
durchaus nicht günstig. Was ferner den rinnenförmigen Abdruck der 
Hauptaxe betrifft, so gewinnt man bei Besichtigung des Originals noch 
viel mehr als bei Betrachtung des Bildes die Ueberzeugung, dass der- 
selbe durch ein Axengebilde von sehr fester, ans-cheinend holziger 
Consisteiiz hervorgebracht wurde. Auch die sehr Hache Vertiefungen 
darstellenden Abdrücke der Läppchen lassen auf eine Festigkeit des 
Gewebes schliessen, wie sie höchstens den Fiederchen eines sehr 
derben Farnkrautes zugemuthet werden könnte. 

Ebenso sprechen die in Substanz erhaltenen Läppchen der auf 
Taf. III abgebildeten P'ragmente wegen der Dicke ihrer Kohlenschicht 
für eine sehr derbe Textur. In Betreif der Nervatur ist es sehr 
wahrscheinlich, dass sich dieselbe bei den lesinischen Fossilien in der 
That auf einen Mittelnerv beschränkt. Der Umstand, dass die Fieder- 
läppchen an einigen Fossilexemplaren theils in dicker kohliger Substanz, 
theils nur als Abdrücke vorhanden sind, bringt es mit sich, dass man 
über die Beschaffenheit beider Blattseiten einen Aufschluss erhält, 
und der Umstand, ob die Fossilien ihre Oberseite oder Unterseite 
dem Beschauer darbieten, gar nicht in Betracht kommt. Wenn Nerven 
vorhanden wären, welche nur an der Blattunterseite hervortreten 
würden, so müssten sie, falls z. B. das Taf. III, Fig. 1 dargestellte 
Fossil seine Oberseite dem Beschauer zukehrt, an jenen Stellen sicht- 
bar sein, an welchen die kohlige Substanz der Läppchen fehlt und 
der Abdruck, den die Unterseite hervorrief, blossgelegt ist; wäre um- 
gekehrt der Mangel der Nervatur an diesen Abdrücken dadurch be- 
dingt, dass dieselben von der Oberseite, an welcher die Nerven nicht 
hervortreten, gebildet sind, und würde also das Fossil seine Rück- 
seite der Beobachtung darbieten, so müssten die Nerven an der Ober- 
fläche der in kohliger Substanz erhaltenen Läppchen wahrnehmbar 
sein. Dieses Fehlen jedweder Andeutung von Seitennerven spricht 
gleichfalls gegen die Farnnatur der vorliegenden Reste. 

Es ist dieser Mangel der Nervatur aber auch ein Argument 
gegen die Annahme, dass das Taf. II dargestellte Fossil als der Rest 
einer mit J-'hyUochuhis verwandten Pflanze zu betrachten sei. Dieser 
Annahme würde zunächst die feste, anscheinend holzige Textur der 
Spindel und die derbe Consistenz der blattartigen Anhänge als Stütze 
dienen können. Auch eine habituelle Aehnlichkeit zwischen dem Fossil 
von Lesina und der genannten Taxodinee ist nicht zu verkennen, inso- 
ferne man das Fossil mit den oberen Zweigen von Phißlodadus ver- 
gleicht. Da nämlich bei dieser Conifere die Langtriebe scheinwirtlig 
und nur die Kurztriebe zweizeilig angeordnet sind, könnte man die 
opponirt gestellten Fiedern des Zweiges von Lesina nur mit Kurz- 
trieben vergleichen ; diese zeigen aber nur an den oberen Zweigen 
eine längliche Form und eine Auflösung in alternirende Läppchen. 
Nur an der Abgangsstelle des zweituntersten Paares von Seitenzweigen 
zeigen sich an der Hauptspindel flache Vertiefungen, welche allenfalls 
als Ansatzpunkte abgebrochener Seitenzvveige angesehen werden 
könnten und die Auffassung bedingen würden, dass diese Seiten- 



[11] Kreidepflanzen von Losina. 47 

Spindeln wirtelig gestellte Langtriebe und die einzelnen Fiederläpi)- 
chen blattartige Kurztriebe wären, in welchem Falle eine Analogie 
mit den unteren Zweigen von FIn/llorkidus bestünde. 

Es ist aber sehr unwahrscheinlich, dass an dem genannten Fossil 
das Vorhandensein einer zweizeiligen Stellung der Seitenaxen nur 
dadurch vorgetäuscht sein sollte, dass von allen Scheinwirteln nur je 
zwei Zweigspindeln erhalten blieben. 

Da, wie sich aus dem Vorigen ergibt, das Pachypteris-ähnliche 
Fossil von Lesina weder mit den Farnen, noch mit den Taxodineen 
in nahen Zusammenhang gebracht werden kann, sieht man sich wieder 
zu der ^'ermnthung hingedrängt, dass dasselbe von einer mit den 
Cykadeen verwandten Ptlanzenform stamme, indem bei dieser Pflanzen- 
gruppe Formen mit einnervigen Fiedern zur Beobachtung kommen. 

Eine nahe Beziehung zu einer der jetzt lebenden Cykadeenge- 
schlechter zeigt das lesinische Fossil allerdings nicht. Die Gattung 
Ci/kaft, mit welcher das Fossil den Mangel von Seitennerven gemein hat, 
besitzt einfach gefiederte Blätter; bei der Gattung Boirenia hingegen, 
welche doppelfiedrige Blätter aufweist, deren Secundärsegmente den 
Fiederchen von Pachifpreris in der Form nicht unähnlich sehen, sind 
diese Segmente von mehreren Längsnerven durchzogen. 

Der Umstand, dass aus Lesina ein Pflanzenfossil von Pachypteris- 
artigem Habitus vorliegt, welches allem Anscheine nach einnervige 
Fiederchen besitzt, lässt wieder an die Möglichkeit denken, dass auch 
die Brongniart vorgelegene Fach i/pf er/s ovata thatsächlich nur 
einnervige Läppchen gehabt hat. Es würde das den Ansichten Ettings- 
hausen's und Zigno's entsprechen und den Auffassungen von 
Andrae und Saporta zuwiderlaufen und wieder zu Gunsten der 
Cykadeennatur des Genus Paclii/pfen's Brongniart sprechen. 

Dass die auf Taf. III, Fig. 1 und 4 abgebildeten Pflanzenreste 
mit dem auf Taf. II dargestellten Wedel specifisch zusammengehören, 
wird kaum zu bezweifeln sein. 

Aber auch das Taf. V, Fig. 10 abgebildete Fossil kann man, 
da es nur in den Grössen- aber nicht in den Formverhältnissen von 
den genannten drei Exemplaren abweicht, mit denselben vereinigen, 
soferne man in Betreff' der Variationsfähigkeit der specifischon Pflanzen- 
formen nicht allzu engherzigen Ansichten huldigt. Die auf diese 
Fossilien zu gründende Pflanzenart möge als Pachypferis dahnatic.a 
bezeichnet werden und folgende Diagnose erhalten : 

P. fronde coriacea, hipinnatifida ; rliachi crassa, sfri(da ; 2)'>i^iis oppo- 
sitis, suhpatenfibus, Jafo-Iinearibus; pinmdis alfernis vel suhopposifis, 
ov(dd)m, acumlnafis, hau aeqiiilah's, unineroiis vel enerrü^. 

Das Taf. III, P'ig 3 abgebildete Fossil wird wohl besser als 
eine Variefas dentata der soeben aufgestellten Species, denn als eine 
besondere Art zu bezeichnen sein. 

Das Taf. III, Fig. 2 abgebildete merkwürdige Fossil besitzt, wie 
erwähnt, einige Formähnlichkeit mit der von Saporta beschriebenen 
TldnnfeJdia incisa ; gleichwohl kann es dem Geschlechte Thihnfeldia 
aus dem Grunde nicht zugetheilt werden, weil die für dasselbe charak- 
teristische Nervation, deren ursprünglich von Ettingshau sen ge- 
gebene Beschreibung durch Schenk genau präeisirt wurde, nicht var- 



48 F. V Kerner. [12] 

handen ist. der Mittelnerv verläuft bei dem genannten Fossile unge- 
theilt und verhältnissmässig stark bis dicht an die Spitze der Fiedern. 
wahrend er bei den Thinnfeldien sich bald in Aeste zertheilt. Ein 
Vergleich mit recenten Formen führt auch bei diesem P'ossile zu dem 
Ergebnisse, dass eher eine Beziehung zu den Cykadeen als eine zu 
den Farnen oder Phyllodientragenden Taxineen vorhanden ist. In erster 
Linie wäre hier die Cykadeengattung Stangeria Moore zum Vergleiche 
herbeizuziehen, welche von Schenk auch mit den Thinnfeldien in 
Beziehung gebracht worden ist. Diese Gattung besitzt einfach ge- 
fiederte Wedel mit terminalen Blättchen und zwei bis sechs Paaren 
von lancettlichen gezähnten Blattfiedern, welche gelegentlich an der 
Rhachis ein Stück weit herunterlaufen und einen sehr stark her- 
vortretenden Mittelnerv haben. Eine nähere Verwandtschaft des 
fossilen Wedels von Lesina mit dem Genus Starigeria ist jedoch 
wegen des Mangels der für dieses Genus charakteristischen Nervation 
nicht anzunehme-n. Diese Nervation besteht aus sehr gedrängt stehenden, 
dichotomen Seitennerven und unterscheidet sich von jener der Thinn- 
feldien dadurch, dass die Abgangswinkel dieser Nerven weniger spitz 
sind, dass der Mittelnerv erst nahe der Spitze sich zertheilt und 
dadurch, dass ein Randnerv vorhanden ist. Von den Fiedern des 
lesinischen Wedels weisen die meisten überhaupt keine sicheren Spuren 
von Secundärnerven auf. Nur die unterste Fieder zeigt mehrere vom 
Mittelnerv abgehende zarte Stränge, welche man für Seitennerven 
halten möchte. Es Hesse sich dieser isolirte Nervationsbefund mit 
Rücksicht darauf, dass gerade bei dieser Fieder die dicke kohlige 
Substanz fehlt, damit erklären, dass die fragliche Pflanze Seitennerven 
besass, die nur auf der Blattunterseite hervortraten. Diese Nervation, 
welche die unterste Fieder scheinbar darbietet, würde jedoch von 
jener von Sfangeria durch die Spärlichkeit der Seitennerven, durch 
den Mangel cler dichotomen Theilung derselben und durch die 
spitzigeren Emissionswinkel abweichen und überhaupt einen Typus 
zur Schau tragen, welchen man bei Gymnospermen nicht zu sehen, 
gewohnt ist. 

Da nun doch nur das Vorhandensein von Mittelnerven bei den 
Blattfiedern des Taf. IIL Fig. 2 dargestellten Wedels mit voller 
Sicherheit feststeht, dürfte derselbe vorläufig auch der durch pinmdae 
enerviae vel uninerviae charakterisirten Gattung raclu/pteris Brongniart 
zuzurechnen sein. 

Die Aehnlichkeit. welche die zweitunterste tief gelappte Fieder 
dieses Wedels mit den Fiedern des auf Taf. 11 abgebildeten W^edels 
besitzt, könnte sogar auf den Gedanken bringen, dass diese beiden 
P'ossilien in naher Beziehung zu einander stehen und diese Ver- 
muthung würde durch das Taf. III, Fig. 3 dargestellte Fossil noch bestärkt, 
insofern dasselbe in Bezug auf den Habitus sich dem letzteren Wedel 
anschliesst, durch seine Zahnung aber auch mit dem ersteren in Ver- 
gleich kommen kann. 

Eine Formverschiedenheit, wie sie zwischen den genannten zwei 
Wedeln besteht, wäre zwischen den von verschiedenen Theilen einer 
Pflanze stammenden oder zwischen den zweien verschiedenen Entwick- 
lungsstufen angehörigen Vegetationsorganen einer Art nicht ungewöhnlich. 



[13] Kreidepflaiizen von Lesina. 49 

Gleichwohl wäre es nicht passend, das Fossil mit den grossen Fiedern 
mit den anderen Pachyijterisresten specifisch zu identificiren ; denn in 
erster Linie muss die Aufgabe der descriptiven Phytopalaeontologie 
darin bestehen, zwei verschieden aussehende Formen, solange ihre Zu- 
sammengehörigkeit nicht evident ist, zu unterscheiden, und erst in 
zweiter Linie sind Erörterungen über eventuelle Zusammenziehbarkeit 
differenter Formen am Platze. 

Es möge das Fossil mit den grossen Fiederblättern als Paclti/p- 
feris dhnorpha bezeichnet werden und folgende Diagnose erhalten: 

P. fronde coriacea, pinnata ; rhaclii subflexuosa^ unmervia ; pinnis 
alternis, lanceolatis, suhpetiolatis vel rhachi decurrenfibus, dentafls vel inciso- 
lohatis, lobulis etiam e rhachi primaria ortis; nervo primario pinnarum 
valido. 

Dioo7iites cfr. saxonicus Reich sp. 

Taf. IV, Fig. 6. 
Pterophi/llum saxonicum Reich: Gaea saxonica p. 134. Taf. 4, Fig. 14. 
Goeppert: Nachtr. zur Flora des Quadersandstein p. 362. Taf. 38, 

Fig. 13. 
Ettings hausen: Kreideflora von Niederschoena p. 11. Taf. 1, 

Fig. 11, 12. 

Ein sehr schlecht erhaltenes, sammt Gegenabdruck vorgefundenes 
Bruchstück eines Cykadeenwedels. Das Fragment der Pthachis ist 
etwas über 4 cm lang, 4 mm breit und von Längsstreifen durchzogen. 
Von den beiderseits unter weit geöffnetem Winkel abgehenden gegen- 
ständigen Fiedern sind nur die Anfangsstücke und auch diese zum 
Theile unvollständig und in zerfetztem Zustande vorhanden. Sie sind 
einander sehr genähert, circa 4 wni breit und an der Abgangsstelle von 
der Rhachis unbedeutend verschmälert. Auf ihrer Fläche bemerkt man 
einige Streifen und Erhabenheiten, aber keine deutliche Nervatur. 

Das Fossil sieht dem sehr mangelhaft erhaltenen Exemplare von 
Pterophißum saxonicmn, welches E ttingshaus en in seiner Flora 
von Niederschoena Taf. I, Fig. 12 abbildet, habituell ziemlich ähnlich 
und weicht nur durch etwas geringere Breite der Rhachis von dem- 
selben ein wenig ab. Ob die für die sächsische Cykadee charakte- 
ristischen zwischen den Nerven der Fiedern in Reihen angeordneten 
Wärzchen bei dem in Lesina gefundenen Reste vorhanden sind, lässt 
sich wegen der schlechten Erhaltung desselben nicht mit Sicherheit 
constatiren. 

Coniferae, 
Walchieae. 

Fachyphyllum {Pagiophyllum) rigidum Sap. 

Taf. IV, Fig. 3. 

Saporta: Pal. Franq. 2. Ser. Veget. Plant. Jurass. Tom. III, p. 391, 

PI. 177, 178, Fig. 1-3, 179. 
Schimper: Traite de Pal. veg. II, p. 251, PI. 75, Fig. 17. 

Es fanden sich ein IG cm langer einfacher Zweig, ein wenig 
kürzerer gegabelter Zweig sammt Gegenabdruck, dann mehrere kurze 

Jalirbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt. 1895^ 45 Band. l. lieft. (F. v. IvLnier.) ^ 



50 F. V. Kerner. [14-| 

Zweigbruchstücke und eine Anzahl von theils beisammenliegenden, 
theils isolirten Blattschuppen vor. Die an den Zweigen mehr oder 
weniger abstehenden Blattschuppen sind am Rücken gekielt und 
schwach sichelförmig gekrümmt. Sie besitzen eine deltoide Form und 
sind nach hinten rasch, nach vorn allmälig verschmälert. Die best- 
erhaltenen Schuppen zeigen eine Längsstreifung, in welcher ein mittlerer 
und drei paarige seitliche Streifen deutlicher hervortreten. Die Enden 
der Zweige fehlen; auf der Mergelplatte mit dem gegabelten Zweig- 
fragment liegt jedoch zwischen den beiden Gabelästchen eine zu dem 
einen derselben gehörige Zweigspitze, an welcher die Blattschuppen 
blumenknospenähnlich zusammengekrümmt sind. Ein genauer Vergleich 
der Reste mit den bisher beschriebenen Pachyphyllum-Arten ergibt, 
dass sie dem von Saporta aus dem Corallien superieur von Verduu, 
St. Mihiel, Creue und Gibomeix beschriebenen FachyphijUMn rig/ihmi 
am nächsten stehen. Das PaclniphyJhim peregrinum Heer aus dem Lias 
von Dorsetshire und dem Infralias von Hettanges bei Metz hat mehr 
zugespitzte, dichter stehende und weniger abstehende Blätter, das 
Pacht/phi/Uum Brardiamim Brongf. sp. aus den Ligniten der unteren 
Kreide von Pialpinson (Dordogne) besitzt gleichfalls mehr anliegende 
und zum Theile auch anders geformte Blattschuppen. 

Pachyphiflhnn {Pngiophyllum) araucarimim Sap. 

Taf. IV, Fig. 1. 

Saporta: Pal. Fran«;. 2. Ser. Veget. Plant. Jurass. Tom. III, p. 399, 

PI. 178, Fig. 4, PI. 180, Fig. 1-2. 
Schimper: Traite de Pal. veg. II, p. 251. 

Neben einer Anzahl von Pachyphyllum-Zweigen mit mehr oder 
minder breiten Schuppen fanden sich auch zwei Zweigfragmente sammt 
ihren Gegenabdrücken mit schmalen, sichelförmig gekrümmten, ziemlich 
stark zugespitzten und unter weitem Winkel abstehenden Blattschuppen. 
Bei dem einen der beiden Exemplare ist eine vom Zweige abgetrennte 
und neben ihm liegende Zweigspitze vorhanden, an deren Ende man 
kleine zusammengekrümmte Blattschuppen sieht. Diese Zweige zeigen 
mit dem von Saporta aus denselben Schichten wie die vorher- 
gehende Pflanze beschriebeneu Pacligphi/Uum aramarinnm die meiste 
Aehnlichkeit. Die für diese Art charakteristischen, auf den Blättern 
in zahlreichen Reihen angeordneten punktförmigen Stomata sind auf 
den von Lesina stammenden zwei Fragmenten allerdings nicht mit 
Deutlichkeit wahrzunehmen, doch scheint daran nur der ungünstige 
Erhaltungszustand Schuld zu sein. 

Arancarieae. 

Cunninghamia elegans Corda. 

Taf. IV, Fig. 4. 

Corda in Reuss: Verst. d. böhm. Kreidef. S. 93. Taf. 49. Fig. 29—31. 
Synonym: Ctmninghamites elegans, Endlicher: Syn. conif. foss. S. 305. 
Göppert: Monogr. der foss Conif. S. 204. 



[15] Kreidepflanzen von Lesina. 51 

Ausführliche Synonymik in: Engelhardt: Ueber Kreidepflanzen von 
Niederschöna S. 11. Abhandl. der Ges. Isis in Dresden 
Weitaus die häufigste aller Pflanzenarten der Kreide niergel von 
Lesina. Es finden sich sehr zahlreiche, zum Theile mehrfach getheilte 
blatttragende Zweige, dann solche Zweige, an denen die Blätter ab- 
gefallen, die rhombischen Blattpolster aber noch zu sehen sind. Die 
meisten Zweige sind beiderseits abgebrochen, bei einigen ist jedoch 
auch die Zweigspitze vorhanden. An manchen Exemplaren sind auf 
den linear lancettlichen Blättern der Mittelnerv und die seitlichen 
Nerven ziemlich gut sichtbar; andere Stücke befinden sich in minder 
günstigem Erhaltungszustande. Ausser sehr zahlreichen Zweigen liegen 
auch einige bis zu 2 cm breite Abdrücke von Aststücken vor, an 
denen stellenweise noch dicke Schichten von kohliger Substanz er- 
halten sind. An den Enden einiger beblätterter Zweige befinden sich 
flachgequetschte Basaltheile von Zapfen (Taf. IV, Fig. 4), an denen 
die einzelnen flachen längsgerunzelten Schuppen mehr oder minder 
deutlich erkennbar sind. 

Taxodineae. 

Sphenolepidium Kurrianum (Schnk.) Heer. 

Taf. IV, Fig. 2. 

Heer: Contrib. ä la flore foss. du Portugal p. 19. PI. XII, Fig. 1, 
XIII, Fig. 1, 8, XVIII, Fig. 1—8. 

Synonym : Sphenolepis Kurriana, Schenk: Die Flora der nordwest- 
deutschen Wealdenformation p. 243, Taf. XXXVII, Fig. 5-8, 
Taf. XXXVIII, Fig. 1, 2. 

Ausführliche Synonymik in Schenk: Wealdenflora p. 243. 

Auf einigen Mergelplatten bemerkt man Bruchstücke von kleinen, 
theils einfachen, theils getheilten, mit schmalen Blättchen besetzten 
Zweigen. Die Blättchen sind spiralig angeordnet, mehr oder weniger 
abstehend und mit der Spitze schwach nach einwärts gekrümmt. Sie 
erscheinen, je nachdem sie flach ausgebreitet oder seitlich zusammen- 
gedrückt sind, bald mehr verkehrt oval, bald mehr lancettlich. An 
den untersten Blättchen eines Zweiges lassen sich Spuren einer Längs- 
streifung wahrnehmen, an allen übrigen aber keine Details erkennen. 
Zweige mit kleinen schmalen Blattschuppen finden sich bekanntlich 
bei einer Reihe von Gattungen der Coniferen. Die habituell nahe- 
stehenden Formen aus der Gruppe der Cupressineen kommen wegen der 
bei ihnen vorhandenen decussirten Blattstellung als Vergleichsobjecte 
nicht in Betracht. Welcher von den mit spiralig angeordneten Blatt- 
schuppen versehenen, im Habitus ähnlichen Gattungen der Taxodineen 
die vorliegenden Fossilreste angehören, lässt sich bei dem Mangel 
von P'ru(üitorganen schwer mit Sicherheit feststellen. Der Umstand, 
ob die Blättchen angedrückt oder abstehend sind, ist insoferne zur 
Difl'erentialdiagnose nicht verwerthbar, als das Verhalten der Blättchen 
in dieser Beziehung auch vom Alter der Zweige abhängt. In erster 
Linie kommen Sphenolepldium und Clieirolepis in Betracht, u. zw. spricht 
die nicht sehr dichte Stellung der Blättchen mehr für das erstere 



52 F. V. Kerner. [16] 

dieser zwei Genera. Die meiste UebereinstimmuDg zeigen die vor- 
liegenden Zweigchen mit denen des Splienolepidiuin Kurrianum aus 
dem norddeutschen Wealden und aus der unteren Kreide von Portugal. 

Ramus incertae sedis. 

Taf. IV, Fig. 5. 

In einem einzigen, auf Taf. IV, Fig. 5 abgebildeten Exemplare 
fand sich ein eigenthümliches, seiner Natur nach zweifelhaftes Pflanzen- 
fossil vor. Es ist ein schmales, nur 1 mm breites Zweigchen, welches 
sich durch wiederholte Gabelung in eine Anzahl dünner Fiiden zer- 
theilt. Die Winkel, unter denen die Theilungen stattfinden, sind ziem- 
lich spitz. Anscheinend sind die Stellen, wo die Ramificationen er- 
folgen, etwas verbreitert. Eine Nervatur ist auf den dünnen Zweigchen 
nicht zu entdecken. Keines derselben ist bis zu seinem Ende er- 
halten, so dass man über die Beschaffenheit des letzteren keinen 
Aufschluss erhcält. 

Bei dem Versuche, das Fossil zu deuten, ist man zunächst ge- 
neigt, dasselbe für den Rest einer Alge aus der Gruppe der Chon- 
driteen zu halten. Da jedoch das Vorkommen einer Wasserpflanze in 
Gesellschaft der anderen an derselben Localität gefundenen Pflanzen- 
arten nicht wahrscheinlich ist, muss auch die Möglichkeit in Betracht 
gezogen werden, dass es sich hier um das Fragment eines Blattes 
einer jener Coniferen handelt, welche dichotom zertheilte, faden- 
förmige Blätter besitzen. Es wäre da in erster Linie an Trichopltijs 
Sap. zu denken. 

Dicotjjledones, 

Neben einer überwiegenden Menge von Farn- und Coniferen- 
resten findet sich in dem auf Lesina gesammelten Fossilmateriale 
auch eine Anzahl von Dicotyledonenblättern Der Erhaltungszustand 
derselben lässt vieles zu wünschen übrig ; nur wenige sind vollständig, 
nur bei sehr wenigen sind Seitennerven und Spuren eines Blattnetzes 
erkennbar. 

T h ij in e l i it a e. 
Thytnelaeaceae. 

Daplinites Goepperti Ett. 

Taf. V, Fig. 3. 

Ettingshausen: Kreideflora von Niederschöna. Sitzber. der Akad. 
der Wiss. in Wien. LV. Bd., I. Abth. 1867, p. 253. Taf. II, Fig. 8. 

In einiger Anzahl finden sich auf den in Lesina gesammelten 
Kalkmergelstücken kleine lancettliche, ganzrandige Blättchen. Das 
besterhaltene und zugleich einzige, welches einen deutlichen Mittel- 
nerv erkennen lässt, ist etwas vor der Mitte am breitesten, vorn zu- 
gespitzt und gegen die Basis hin sehr allmählig verschmälert. Vier 
schlecht erhaltene Blättchen ohne Basis und Spitze, welche gleichfalls 



[171 Kreidepflanzen von Lesina. 53 

vor der Mitte ihre grösste Breite besitzen, stimmen mit dem vor- 
genannten auch hinsiclitlic'li der Grösse überein, zwei andere sind den 
Vorigenebenfalls älinlich geformt, jedoch merklich kleiner. Zwei weitere 
noch kleinere Bliittchen weichen in Bezug auf die Gestalt dadurch 
ab. dass die breiteste Stelle der Lamina nahe der Spitze liegt. Bei den 
lediglich auf die Analogie des Blattumrisses zu basirenden unsicheren 
Deutungsversuchen dieser Fossilien wird man auf die Familie der 
Proteaceen und Myrsineen und in erster Linie auf jene der Thyme- 
laeaceen geführt. Die grösseren Reste sehen den Blättern von Daphne- 
arten, die kleineren den Bliittchen von Pimeleaarten ähnlich. Da 
jedoch gerade bei den Daphnoideen ein ziemlich grosser Blattpoly- 
morphismus herrscht, ist es leicht möglich, ja beinahe wahrscheinlicher, 
dass alle diese Blättchen einer Art angehören. Von den aus Kreide- 
schichten beschriebenen Daphnoideen steht Daphnites Goepperti Ett. 
den grösseren der vorliegenden Blättcheu in der Form sehr nahe. 



Froteaceae. 

Proteoides c/r. daphnogenoides Heer. 

Taf. V, Fig 1. 

Heer: Sur les plantes fossiles du Nebraska. Neue Denkschr. der 
allgem. Schweiz. Ges. für die ges. Naturwiss. Bd. XXII, p. 17, 
Taf. IV, Fig. 9 und 10. 

Lesquer eux: The Cretaceous Flora. Report of the U. S Geol. 
Surv. Vol. VI, p. 85. PI. XV, Fig. 1, 2. 

Eines der grössten uud besser erhaltenen von den vorliegenden 
Blattresten. Die Spitze und der vordere Theil der Lamina fehlen ; 
das vorhandene Fragment Ui ganzrandig, misst im mittleren Theile 
2 cm Breite uud verschmälert sich sehr allmählig gegen die Basis 
zu. Der 12 mm lange Blattstiel setzt sich in einen massig starken 
Mittelnerv fort. Von demselben entspringen unter Winkeln von ca. 40*^ 
beiderseits mehrere sehr feine Seitennerven, von denen die oberen 
gerade, die unteren in sehr schwachen Bögen nach aussen ziehen. 
Ueberdies bemerkt man im Basaltheile des Blattes jederseits einen 
längs dem Blattrande verlaufenden, allerdings nicht in seiner ganzen 
Erstreckung verfolgbaren dünnen Nerven. Von den Ptlanzengruppen, 
deren Blätter längs dem Blattrande hinziehende, nahe der Blattbasis 
entspringende Seiteunerven aufweisen, kommen hier zunächst die 
Laurineen als zu vergleichende Formen in Betracht. Es zeigt jedoch 
das vorliegende Fossil mit keiner der cretacischen Lauras-, Ciuna- 
momum- und Oreodaphnearten eine vollkommene Uebereinstimmung; 
dagegen steht es der von Heer beschriebenen Proteoides daphno- 
genoides sehr nahe. Zwei Blattfetzen, welche anscheinend Mittelstücke 
lancettlicher Blätter sind und dieselbe Breite wie der vorige Blatt- 
rest besitzen und ausser dem Mittelnerv nichts von Nervation er- 
kennen lassen, dürften gleichfalls hieher gehören. 



54 F. V. Kerner. [lg] 



Proteoides cfr. grevilleaeformis. Heer. 

Taf. V, Fig. 2. 

Heer: Phyll. Cret. du Nebraska p. 17, PL IV, Fig. 11. 
Lesquereux: Cret. Flora, p. 86, PI. XXVIII, Fig. 12. 

Eines der wenigen Blätter von Lesina, bei denen Spitze und 
Basis erhalten sind. Es ist ganzrandig, bandförmig, 6 mm breit und 
nach beiden Enden hin allmälig verschmälert. Etwas unterhalb der 
Mitte zeigt das Blatt eine winkelige Knickung. Die Consistenz scheint 
lederartig gewesen zu sein. Der Mittelnerv ist im Basaltheile des 
Blattes gut entwickelt, verdünnt sich dann aber sehr, so dass man 
ihn in der Nähe der Blattspitze kaum mehr wahrnehmen kann. Von 
bogenförmig aufsteigenden Seitennerven sind nur unsichere Spuren 
vorhanden. Lineare ganzrandige Blattfossile, an denen nur der Mittel- 
nerv sichtbar ist, können bekanntlich verschiedenen Familien zuge- 
theilt werden. Für ein Podocarpus-Blatt ist das vorliegende Fossil zu 
wenig steif, auch vermisst man die für diese Blätter charakteristische 
scharfe Zuspitzung und schwach sichelförmige Krümmung. Eine Be- 
stimmung des Restes als Salicineenblatt erscheint mit Rücksicht auf 
das vollständige Fehlen der für Salix bezeichnenden Nervatur nicht 
statthaft. Die linearen Blattformen in den Familien der Apocynaceen 
und Asclepiadaceen, insbesondere Acerates und Echitonium zeigen 
gleichfalls eine schärfere Zuspitzung als das vorliegende Fossil. Eine 
Einreihung bei Acerates wäre zudem nur bei Constatirung von Saum- 
nerven gerechtfertigt. Der Mangel solcher Nerven spricht auch gegen 
Callistemoph ijV um und die anderen linearen Blatttypen in der Reihe 
der Myrtifloren. Erwähnung verdient die Aehnlichkeit des Fossils mit 
den Theilblättchen mehrerer cretacischer DeKalquea-Arten ; es ist 
jedoch gar kein Anzeichen dafür vorhanden, dass man es im vor- 
liegenden Falle mit einem Theilblättchen eines zusammengesetzten 
Blattes zu thun hat. Am wenigsten dürfte sich gegen die Zutheilung 
des Restes zu der Gattung Proteoides (Heer) oder Palaeodendron 
(Saporfa) einwenden lassen, welche die den linearen ganzrandigen 
Blättern verschiedener Persoonia-, Grevillea-, und Hakea-Arten 
gleichenden Blattfossilien umfasst. 

Lef/u ni l II o s a e. 
Papllionaceae. 

Phaseolites formus Lesqu. 

Taf. V, Fig. 4. 

Lesquereux: The Plora of the Dakota Group. Monogr. of the U. 
S. Geol. Surv. Vol. XVIL p. 147, PI. LV, Fig. 5, 6, 12. 
Ein durch seine hochgradige Asymmetrie merkwürdiges Blatt. 
Es beträgt nämlich die grösste Entfernung des Randes vom Mittel- 
nerv auf der einen Seite 25, auf der anderen dagegen nur (i mm. Die 
schön geschwungene Bogenlinie des Randes der schmalen Blatthälfte 
spricht gegen die Annahme, dass der äussere Theil dieser Hälfte ab- 



["19] Kreidepflanzen von Lesina. 55 

gerissen oder durch erhärteten Kalkschlamm überdeckt sei. Würde 
dagegen der Randtheil des Blattes umgebogen sein und auf oder unter 
der Laniina liegen, so niüsste der Rand dieses umgebogenen Theiles 
mit Rücksicht auf die zarte Consistenz des Blattes als eine wallartige 
Linie in der Lamina sichtbar sein. Von einer solchen Linie ist aber 
keine Spur zu bemerken. Das Blattende fehlt, doch ist es sehr wahr- 
scheinlich, dass dasselbe in eine scharfe Spitze ausgezogen war. Der 
circa 1 cm lange Blattstiel geht unter scharfer Biegung, aber ohne 
Knickung in den Mittelnerv über, welcher sich allmälig sehr ver- 
dünnt. Auf der breiten Blatthälfte sind drei zarte Secundärnerven 
sichtbar, von denen der unterste an der Basis des Blattes entspringt. 
Sie verlaufen sehr schwach gekrümmt nach aussen, werden in der 
Nähe des Blattrandes beinahe unsichtbar und scheinen sich in flachen 
etwa 4 mm vom Rande entfernten Bögen mit einander zu verbinden. 
Auf der schmalen Blatthälfte ist nur ein sehr zarter Nerv sichtbar, 
welcher anscheinend ganz nahe beim Blattrande sich verliert und 
nicht ganz bis zu diesem hinläuft, was gleichfalls dafür spricht, dass 
dieser Rand ein natürlicher und nicht durch Umbiegung oder Ueber- 
deckung der Lamina entstandener ist. Asymmetrie und rasche Ver- 
jüngung des anfangs starken Mittelnerys sind Merkmale der paarigen 
Theilblättchen von Leguminosen. Die Zuspitzung der Lamina, die 
geringe Zahl der Secundärnerven und die zarte Consistenz bedingen 
innerhalb dieser formenreichen Gruppe eine Aehnlichkeit mit den 
als DoJichifes (Unc/.) und Phaseolites (Vng.) bezeichneten Blattfossilien, 
Von den in Kreideablagerungen gefundenen und hieher gestellten 
Blattfossilien kann Phaseolites formus Lesqu., insbesondere Fig. 12, 
PI. LV der Dakotafiora zum Vergleiche herangezogen werden. 

Folium incertae sedis. 
Taf. V, Fig. 5. 

Ein kleines verkehrt eiförmiges, ganzrandiges, vorn leicht ausge- 
buchtetes und etwas ungleichseitiges Blättchen, an dem nur undeut- 
liche Spuren eines Mittelnerven zu sehen sind. 

Blätter von ganz übereinstimmender Form und Grösse finden 
sich in der Reihe der Bicornes bei Vaccinium und bei einer Anzahl 
von Gattungen in der Reihe der Leguminosen, insbesondere bei DaJ- 
bergia, Colufea und CaesaJpinia. Welcher von diesen beiden am meisten 
in Betracht kommenden Pflanzenreihen das vorliegende Blättchen 
zugehört, lässt sich wegen Unsichtbarkeit der Nervation nicht ent- 
scheiden. Zu Ungunsten einer Deutung des Restes als Papilionaceen- 
oder als Caesalpineenblättchen Hesse sich höchstens geltend machen, 
dass der Fall, dass von einer auch sehr selten gewesenen Pflanzen- 
art in einem Fossilmateriale von bestimmter Grösse sich ein einziges 
Theilblättchen eines zusammengesetzten Blattes erhalten hat, ein noch 
ungewöhnlicherer wäre, als dass ein einziges Exemplar eines unge- 
theilten Blattes erhalten blieb. 



56 F. V. Kerner. [20] 

Die in Lesina aufgefundene fossile Flora besteht dem Vorigen 
zufolge aus vierzehn verschiedenen Arten, von denen eine ihrer Natur 
nach sehr zweifelhaft ist. Unter den dreizehn mit Bestimmtheit zu 
deutenden ist eine Art eine Filicacee, die übrigen zwölf sind Phanero- 
gamen, und zwar sieben davon Gymnospermen, die restlichen fünf 
Dicotylen. Von den Grupi)en der Gymnospermen erscheint jene der 
Cykadeen durch drei, jene der Coniferen durch vier Arten repräsentirt, 
von welch' letzteren je eine den Araucarieen und Taxodineen und 
zwei den AValchieen angehören. Von den Reihen der Dicotylen ist 
jene der Thymelinen durch drei Arten, von welchen eine den 
Thymeleaceen, zwei den Proteaceen zugerechnet wurden, jene der 
Leguminosen durch eine Art vertreten ; bei einer dicotylen Species 
bleibt die systematische Stellung ungewiss. 

In Bezug auf die Menge der vorliegenden Fossilexemplare über- 
trifft die Cunnim/liamia eJegans alle übrigen Arten sehr beträchtlich; 
von den neubeschriebenen Species, sowie vom Pagiophyllum rigidum, 
dem Splienolepidiwn Kurrianum und dem JJapltnite!^ Goepperti sind 
Reste in einiger Anzahl, von den übrigen Arten aber nur vereinzelte 
Exemplare vorhanden. Da kaum anzunehmen ist, dass die verschiedenen 
vorgefundenen Coniferenarten sich in Bezug auf ihre Widerstands- 
fähigkeit gegen zerstörende Einflüsse sehr abweichend verhalten haben, 
und auch die zu Tage geförderten Dicotyledonenreste zum grösseren 
Theile den Eindruck lederartiger Blätter machen, dürfte die relative 
Häufigkeit der Arten wenigstens bis zu einem gewissen Grade bei 
der Construction des vorweltlichen Vegetationsbildes der Fossilfund- 
stätte zu berücksichtigen sein. Es liegt die Vermuthung nahe, dass 
die im Fossilmateriale so sehr dominirende Coniferenart in der That 
die weitaus häufigste Species jenes Pflanzenbestandes, dessen Reste 
uns vorliegen, gewesen ist, dass man sich diesen Bestand als einen 
Cunninghamia-Wald vorzustellen hat, in welchem nur vereinzelte Exem- 
plare anderer Coniferen eingestreut waren, gleichwie heutzutage in 
den Nadelwäldern häufig eine Art vorherrscht und einige andere 
Arten daneben sporadisch zu trett'en sind. Das Vorkommen von Farnen 
und Daphnoideen im Grunde jenes vorweltlichen Nadelwaldes gibt 
einen weiteren erwähnenswerthen Vergleichspunkt mit den Vegetations- 
verhältnissen der Gegenwart ab. 

Die in Lesina gefundene fossile Flora enthält vorwiegend Pflanzen- 
formen, deren gegenwärtige Verwandte der subtropischen Zone ange- 
hören. Der Florencharakter kann, soweit es die Coniferenformen be- 
trift't, welche hier in erster Linie massgebend sind, als ein ostasiatisch- 
australischer bezeichnet werden. Die Coniferengattung Cunninghamia 
ist in China heimisch, woselbst auch die mit TrichopUijs in Beziehung 
stehende Gattung Gingko lebt. Die Gattung Araucaria, mit welcher 
das fossile Genus PagiophgUum Analogien besitzt, ist vorwiegend im 
malayischen Archipel und im östlichen Australien verbreitet. Die 
Gattung Arfhrotaxis, welche als ein den fossilen Sphenolepidien ver- 
wandtes Pflanzengeschlecht zu betrachten ist, gehört der Insel 
Tasmanien an. 

Dagegen wäre es nicht gerechtfertigt, wenn man die mit den 
zweifelhaften von Heer aus den Phylliten von Nebraska beschriebenen 



[21] Kreidepflanzen von Lesina. 57 

Proteaceenarten vergiichenen Bhittreste als Beweismittel für den 
australischen Charakter der in Rede stehenden Flora in's Feld führen 
wollte. Die hinsichtlich des Florencharakters aus den Coniferenformen 
abzuleitenden Schlüsse könnten vielmehr erst dazu dienen, die frag- 
liche Proteaceennatur jener Blätter etwas wahrscheinlicher zu machen 
und könnten überdies einen Versuch, den Daphnites Goepperti mit 
einer recenten Gattung zu vereinigen, im Sinne einer Deutung 
desselben als Pimdca (statt als Daphne) beeinflussen. 

Von den vierzehn in Lesina gefundenen Pflanzenarten wurden 
sechs mit bereits bekannten Arten vereinigt, drei mit solchen ver- 
glichen, drei neu beschrieben und zwei hinsichtlich ihrer systematischen 
Stellung fraglich gelassen. Von den vier in der Flora von Lesina nach- 
gewiesenen Coniferenarten ist die Cunninghamia elegans vorwiegend eine 
Charakterpflanze der mittleren und oberen Kreide, erscheint jedoch 
nach Schenk bereits im Urgon ( Wernsdorfer-Schichten). Das Spheno- 
lepidium Kurrlanam tritt an verschiedenen Orten zuerst im Wealden 
auf und erhält sich nach Saporta in Portugal (Alcantara) bis in 
das Cenoman. Das PagiopJiijllum rlgidum und PagiopIiyUuni araucarlnum 
wurden von Saporta aus Schichten des oberen Jura bekannt ge- 
macht. Von den zwei Gymnospermen, mit welchen zwei zweifelhafte 
Fossilien von Lesina in Vergleich kamen, erscheint Dioonites saxonicus 
nach Hosius im Neocom (Teutoburgerwald) und reicht bis in das 
Cenoman (Niederschöna), wogegen das Pflanzengeschlecht Trichopitgs 
bisher nicht in jünge(ren als oberjurassischen Schichten getrofl'en 
wurde. Die zwei dicotylen Reste von Lesina, deren Bestimmung ge- 
sichert erscheint, wurden aus cenomanen Schichten beschrieben. 
Daphnites Goepperti von Niederschöna in Sachsen, Phaseolites fonnus 
aus den tieferen Stufen der Dakotagruppe, welcher auch die beiden 
Proteoidesarten angehören. 

Die Flora von Lesina setzt sich demzufolge aus Arten zusammen, 
welche nach dem bisherigen Stande der Kenntnisse theils der mittleren 
Kreide angehören, theils aus der unteren Kreide in die mittlere 
hinaufreichen, theils auf ältere als mittelcretacische Schichten be- 
schränkt sind. Die Flora ist demnach als eine untercretacische zu 
bezeichnen, und zwar kann man aus dem Umstände, dass die erst 
im Cenoman zu weiterer Verbreitung gelangende Cunninghamia als 
eine waldbildende Pflanze erscheint und aus der Thatsache, dass 
zwei Fünftel der Arten Dicotyledoneu sind, den Schluss ziehen, dass 
die pflanzenführenden Mergel von Lesina ein oberes Niveau der unteren 
Kreide repräsentiren. Für die beiden im weissen Jura auftauchenden 
Pagiophyllumarten ergibt sich dann allerdings ein sehr langer Fortbe- 
stand. Nach dem Vorgange, zwei übereinstimmende Arten lediglich 
nur wegen grösserer Altersdiflerenz von einander zu trennen (wie dies 
z. B. von Velenovsky nach dessen eigenem Geständnisse bei seiner 
Dryandm cretacica geschah), müsste man die in Lesina gefundenen 
Pagiophylleen wohl von den oberjurassischen trennen. Es unterliegt 
jedoch keinem Zweifel, dass durch das genannte Vorgehen die Phyto- 
palaeontologie nicht gefördert und eine unbefangene Discussion der 
Frage betrefi"s der Lebensdauer der Pflanzenarten geradezu unmög- 
lich gemacht wird. Der Fortbestand einer Art während des grösseren 

Jahrbuch d. k k. geol. Reichsanstalt, 1895, 45. Band, 1. Heft. (F. v. Kerner.) Q 



58 F. V. Kerner. [22] 

Theiles einer Formation oder die Fortdauer einer Art von den oberen 
Stufen einer Formation bis in die nächstfolgende ist übrigens schon 
in mehreren Fällen zur Beobachtung gelangt. Aus der Gruppe der 
Coniferen seien hier nur ISequoia Bciclienbachi Heer und Sequoia Lamjs- 
dorfil Heer genannt, von denen die erstere vom Tirgon bis in das Senon, 
die andere von der oberen Kreide bis in das Pliocän reicht. 



Geologische Studien in den tertiären und 
jüngeren Bildungen des Wiener Beckens). 

Von Felix Karrer. 

Mit zwei geologischen Profiltafelu (Nr. VI und VII) nach den Original- Aufnahmen 
des Herrn Stadt-Ingenieur G. B, Wärmer und einer Zinkotypie im Text. 

7. Die Krottenbach-Eiii Wölbung im XIX. Bezirke (Döbling). 

Eine ganze Reihe grösserer und kleinerer Wildbäche, die alle 
im Wiener Sandsteingebiete des Wienerwaldes ihren Ursprung haben, 
ergiesst sich unmittelbar oder mittelbar nach verhältnissmässig kurzem 
Laufe in die Donau. 

Der bedeutendste derselben ist der den Süden der Stadt durch- 
querende Wienfluss. Ihm folgen der Ottakringerbach, der 
Aisbach und der Währingerbach, welch' Letztere die meisten 
Bewohner der Hauptstadt heute nur mehr den Namen nach kennen, 
da sie schon nahezu ganz überwölbt sind. 

Ein gleiches Schicksal erfuhren in jüngster Zeit auch die ent- 
fernteren, jetzt aber zu dem erweiterten Gebiete von Wien gehörigen 
Wasserläufe: der Krottenbach und der in ihn einmündende 
Erbsen- oder A r b e s b a c h. Der N e s s e 1 b a c h, aus der Vereinigung 
des R e i s s e n b e r g e r- und S t e i n b e r g e r b a c h e s entstanden, ist 
von Grinzing ab schon vor längerer Zeit vollständig überdeckt worden. 

Nach ihnen kommt der S c h r e i b e r b a c h, im unteren Theile 
Nussbach genannt, ferner der Seehablerbach, dann der mit 
dem R 1 h g r a b e n b a c h vereinigte W e i d 1 i n g e r b a c h und endlich 
der den Haselbach aufnehmende Kierlingbach bei Kloster- 
n e u b u r g. 

Mit Ausnahme des W i e n f 1 u s s e s, der südwestlich von Press- 
baum als dürre Wien aus zwei Quellen entspringt und vom Ur- 
sprünge bis zur Mündung eine Länge von ungefähr 3Ö Kilometer hat, 
haben die anderen nur kurzen Lauf und rangiren sie alle in die 
Classe ,der Wildbäche, welche bei der Schneeschmelze und heftigen 
Regengüssen ausserordentlich schnell anschwellen und durch die plötz- 
lich hereinbrechenden Wassermassen zerstörend wirken. 



') Fortsetzung aus dem Jahrb. der k. k. geol. Reichsanst. 1893. 43. Bd. 2. Heft. 
Jahrbuch d. k. k. geol. rteichsanstalt, 1895, 45. Band, 1. lieft. (K. Kaner.) g* 



60 F. Karrer. [2] 

Ihre Eindämmung, beziehungsweise Einwölbung erfordert daher 
eine grosse Vorsicht und muss mit Rücksicht auf den vorgedachten 
Umstand das Profil des Bachkanals, sein Gefälle u. s. w. besonders 
eingerichtet werden. 

Die geologischen Aufschlüsse, welche bei diesen Arbeiten ge- 
wonnen werden, bieten in vieler Beziehung wichtige Beiträge für die 
Kenntniss der Constitution des Untergrundes unserer Stadt und ihrer 
Umgebung und es ist nur zu bedauern, dass manche gute Gelegenheit 
für Beobachtungen in früherer Zeit diesfalls unbenutzt geblieben ist. 

Der Regulirun g des Wienflusses, deren Beginn in nächster Zeit 
in Aussicht steht, wird daher jedenfalls von Seite der Geologen ein 
grösseres Augenmerk geschenkt werden müssen, umsomehr, als bald 
unterhalb Baumgarten die Wien die Tertiärablagerungen unseres 
Beckens durchbricht und daher nicht uninteressante Aufdeckungen 
zu erwarten sind. 

Der K rotte nbach, welcher oberhalb Salmanns dorf im 
Gemeindegebiete des Ortes entspringt, den Sulzbach aufnimmt, und 
einen Lauf von ungefähr 7 Kilometer hat, ist erst im verflossenen 
Jahre von der Stelle Ober - D öbli nger Nothspital bis zum 
Donaucanal, in welchen er zwischen der Guno Id- und Rampen- 
gasse mündet, in einer Erstreckung von 2898-00 Meter vollständig 
überwölbt worden. In späterer Zeit soll auch der obere, gegenwärtig noch 
als ofl'enes Gerinne fortbestehende Theil des Baches zugedeckt werden. 

Der Durchbruch des Krottenbache s, der in einer engen 
und tiefen Furche von West nach Ost das Tertiärplateau unterhalb 
Neustift am Walde durchzieht, dürfte wohl für die Ortsbenennung 
Döbling massgebend gewesen sein, denn Dobel, Döbel oder 
T b e 1 und T ö b e 1 bezeichnet heute noch in der Schweiz und 
Schwäbisch -Bayern eine Waldschlucht, ein Waldthal, eine durch 
Regengüsse entstandene Vertiefung, einen engen und tiefen W^asser- 
graben, oder einen durch Wasser entstandenen Erdriss; Döbling 
bedeutete also einen Ort an einem Tobel. Unter-Döb ling ist wohl 
als das urkundliche alte Chrottendorf (Chrottenbach) zu 
nehmen, dessen Name erst im 14. Jahrhundert wechselte und im 
17. Jahrhundert schon mit seiner späteren Bezeichnung geläufig war ^). 
Beide Benennungen Ober- Döbling und Unt er-Döbling sind 
heute in die eine, „Döbling", vereinigt. 

Der Krottenbach war ehemals an drei Stellen überbrückt 
und vom Rudolfsspital bis zum Parke des Besitzes Wertheimstein 
(ehemals Arthaber) überwölbt. Diese Ueberdeckung ist gegenwärtig 
auch ganz aufgelassen, da die jetzige Einwölbung einen anderen 
Verlauf nimmt. 

Dieselbe zerfällt baulich in drei Theile. Der erste Theil 
umfasst die Strecke vom sogenannten Ob er- D öblinger Noth- 
spital bis zum Irren haus garten in der Krottenbach- 
strasse^) und hat eine Länge von 1160-55 Meter. (Mit Gemeinde- 
rathsbeschluss vom 14. October 1892 genehmigt.) 



') M. A. Becker in: Topographie von Niederösterreich, pag. 308 et seq. 
'') Ehemals Neustiftgasse. 



[3] Geolog. Studien i. d. tertiären u. jüngeren Bildungen d. Wiener Beckens. Gl 

Die zweite Partie iimfasst die Tlieilstrecke b e r - D (> b- 
1 i n g' e r I r r e n h a u s g a r t e n in der K r o 1 1 e n b a cli s t r a s s e 
bis zur Nussdorf er Strasse mit einer Länge von I4i)2 Meter. 
(Mit Gemeinderathsbeschluss vom 18. Juli 1893 genehmigt.) 

Die dritte Strecke umfasst den Lauf des Canals von der 
Nussdorf er Strasse bis zum Donaucanal mit einer Länge von 
30G Meter. (Genehmigt durch Stadtratlibeschluss vom IV). Jänner 1894.) 

Der neue Bachcanal, der oberhalb des Ober-D öblinger 
Nothspitals beginnt (es befindet sich dort zum Schutze gegen 
etwa bei Hochwasser zugetragene grössere Baum- und Holzstücke 
sowie grössere Steinblöcke eine Wehr d. i. ein eigener, durch ein 
Gitter geschützter Schotterfang), ist eine vollständig neu ausge- 
hobene Cunette, welche dem Lauf des alten Baches allerdings folgt, 
an manchen Stellen, wie namentlich in der Krotte n bach Strasse 
in einer ziemlichen Entfernung verläuft, . Ebenso weicht sie in der 
zweiten Theilstrecke an manchen Stellen nicht unwesentlich vom 
alten Bachlaufe ab, welcher mehrere Curven macht, die der neue Lauf 
natürlich vermeidet. Die dritte Theilstrecke verläuft so ziemlich 
parallel und nahe dem alten Bette. 

Der Erbsen- auch Arbesbach genannt, der von drei ver- 
schiedenen Zuläufen von den Abhängen des Hermannskogel und 
des Himmel gespeist wird, durch Sie ve ring lliesst, wo er theil- 
weise schon überdeckt ist, und bei Unter- Döbling sich mit dem 
Krottenbach vereinigt, wird ebenfalls überwölbt, welche Arbeit in 
kürzester Zeit vollendet sein wird. Ein Bericht darüber soll folgen. 

Das Niederschlagsgebiet dieser Gewässer ist kein ganz geringes, 
so umfasst das des Kr o ttenbaches bis zur Einmündung des 
Erbsenbaches 402 Ha.'), jenes des Erbsenbaches 561 Ha. 
und das des Kro ttenbaches nach dieser Vereinigung 77 Ha., 
so dass das Gesammt-Niederschlagsgebiet beider Bäche 1040 Ha. 
beträgt. 

Li geologischer Hinsicht bietet der Einschnitt des Bodens, in 
welchen das Canalbett des Krottenbaches gelegt wurde, vielfaches 
Interesse, sowohl was das Verhältniss der Diluvialablagerungen zu 
den tertiären, als vornehmlich was die Gliederung der letzteren, die 
durchwegs aus sarmatischen Schichten bestehen, anlangt. 

Das Literesse sowie die Wichtigkeit der Festhaltung dieser Auf- 
schlüsse, welche in den beigegebenen Tafeln im möglichsten Detail 
wiedergegeben sind, wird wesentlich noch dadurch erhöht, dass ein 
nicht unansehnliches Stück des Canales ganz nahe dem Einschnitte 
der neuen Wiener Stadtbahnlinie verläuft und die dort gewonnenen 
Beobachtungen durch Erstere gleichsam ergänzt werden. 

Diese werthvolle Bereicherung der Detailkenntnisse unseres 
Bodens wäre aber nicht möglich gewesen, wenn nicht der leitende 
Stadt-Ligenieur dieser Einwölbung, Herr G. B. Wärmer, sich der 
Mühe der Aufnahme der geologischen Profile in so vorzüglicher Weise 
unterzogen hätte. 



*) Hectare = 10.000 Quadratmeter. 



62 F. Karrer. [4] 

Die Natur solcher Arbeiten in lockerem und mitunter sehr 
brtichigem, dann wieder sandigem Terrain bringt es eben mit sich, 
dass jeder Aufschluss nach Aushub des Materiales sofort versichert, 
d. h. mit starken Brettern verschalt werden muss und die gewonnene 
Entblössung nur kurze Zeit für Beobachtungen frei bleibt. Eine geo- 
logische Aufnahme erfordert also die bestcändige Gegenwart eines. 
Fachkundigen und gebührt dem Herrn Ingenieur Wärmer gewiss 
die vollste Anerkennung für die Durchführung dieser Aufgabe. 

Das Profil ist im Massstabe von 1 : 1000 d. i. von 1 Centi- 
meter gleich 10 Meter für die Länge, und von 1 : 200 d. i. von 
1 Centimeter gleich 2 Meter für die Höhen, also in fünffacher Ueber- 
höhung ausgeführt worden, womit auch die stark übertriebenen Curven 
des Bodenniveaus und der Schichtflächen sich erklären. 

Die ziffermässigen Details sind in dem geologischen Profile genau 
verzeichnet worden und beziehen sich die dortigen Zahlenangaben 
auf diese Verhältnisse. 

Ebenso w^urden zu Anfang und zu Ende der einzelnen Profile 
die Höhencoten des Terrains und der Canalsohle über dem Meeres- 
spiegel angegeben und an jenen Stellen, wo die Arbeit nicht in Ein- 
schnitten, sondern in Stollen ausgeführt worden ist, erscheint dies 
besonders notirt. 

In der ersten T h e i 1 s t r e c k e Nothspital — Irrenhausgarten ist 
demungeachtet die geologische Ansicht des ganzen anschliessenden 
Terrains in dem Profile eingezeichnet worden, um den Totaleindruck 
des Gesammtbildes nicht durch eine Unterbrechung zu beeinträchtigen, 
was umso leichter geschehen konnte, als zahlreiche Versuchs- und 
Förderschächte den Zusammenhang der einzelnen Theile zur Genüge 
nachgewiesen haben. In den beiden folgenden Strecken erwies sich 
dieser Vorgang nicht mehr als nothwendig, da das nicht ausgehobene 
Terrain zumeist angeschütteten Boden betraf; es wurde daher mit beson- 
derer Schraffirung aus der geologischen Bezeichnung ausgeschieden. 

Zum Vergleich.e und etwaiger Bezugnahme der angegebenen 
Höhen auf den Nullpunkt des Donaupegels an der Ferdinandsbrücke 
wollen wir hier noch besonders bemerken, dass entsprechend den 
neueren Ermittlungen des k. k. militärgeographischen Institutes diese 
Cote mit löOTU Meter festgesetzt erscheint. 

Zu der geologischen Aufnahme wurden von mir mit Unterstützung 
des Herrn Ingenieurs Wärmer von passend scheinenden Punkten 
eine Anzahl von Proben des ausgehobenen Materiales gesammelt, die 
weichen oder losen Sedimente selbst geschlämmt und auf die darin 
vorkommenden thierischen Reste untersucht. 

Die Stellen, von welchen Untersuchungsmateriale genommen 
wurde, sind im Profile mit Sternchen und Nummern bezeichnet w^orden, 
welch' Letztere auf die im Folgenden gegebenen Detailuntersuchungen 
sich beziehen. 

Im Allgemeinen verläuft die erste Strecke des Canales 
(Döblinger Nothspital — Irrenhausgarten), welche im letzten Drittel 
in Stollen ausgeführt worden ist, durchwegs in mitunter nicht unan- 
sehnlichen Lössschichten (bis über 2 Meter), dann aber fort und fort 
in wechselnden Lagen von sarmatischem Tegel und sarmatischen 



["5] Geolog. Studien i. d. tertiären u. jüngeren Bildungen d. Wiener Beckens. 63 

Sancleii von untereinander etwas differirendem Charakter an Farbe, 
Beimengung eines oder des anderen Materiales (beziehungsweise Sand 
oder Thon), Wasserdurcldässigkeit u. dgl. (Sielie Profil ) 

Benierkenswertli ist in dieser Strecke das cliarakteristische Auf- 
treten durch kalkiges Cenient verbundenen Sandes, von Sandstein- 
platten in dem sonst meist sehr reinen sarmatischen, gelblich gefärbten 
Sande, ebenso von sporadisch auftretenden Sphärosideriten in dem- 
selben. Im Tegel dagegen liegen gar nicht selten grössere und kleinere 
Partien lichtbrauner Lignite, auf welches Vorkommen wir später noch 
zurückkommen wollen. 

Im Vorbeigehen wollen wir an dieser Stelle des Belvedere- 
sch Otters gedenken, welcher zwar in dem von uns behandelten 
Gebiete keine Rolle spielt, aber durch sein in nächster Nähe beob- 
achtetes Vorkommen eine besondere Bemerkung verdient. 

Fuchs erwähnt in seinen kurzen Erläuterungen zur geologischen 
Karte der Umgebung Wiens ') die zuweilen eigenthüniliche Art und 
Weise des Auftretens der Belvederebildungeu. Dieselben bilden 
nämlich keineswegs gleichmässig continuirliche Decken, sondern treten 
vielmehr in einzelnen Gruben und Mulden oder durch das Zusammen- 
fliessen derartiger Einsenkungen längs gewisser Linien, gleichsam als 
Ausfüllung langer, flacher Rinnen auf, die bisweilen den Charakter 
alter Flussrinnen tragen. 

Es kommt aber auch vor, dass wir vereinzelt kleine Partien 
von Belvedereschotter antreten, welche gewiss nur als Residua 
grösserer Anhäufungen, als der Rest von Materialien zu betrachten 
sind, welche, oft ganz nahe, aber auf secundärer Lagerstätte wieder 
abgelagert erscheinen. Letztere sind jene Diluvialbildungen, die wir 
als umgeschwemmten Belvedereschotter zu bezeichnen gewohnt sind. 
Derselbe hat seine tiefgelbe Farbe verloren, zeigt nicht mehr die 
Schichtung durch Wasser geschobener Massen, sondern die Quarz- 
geschiebe liegen wirr untereinander und man unterscheidet auf den 
ersten Blick, welche Veränderungen mit ihm vorgegangen sind. 

Gerade am Ende der ersten Canalstrecke Nothspital — Irrenhaus- 
garten finden wir nun auf dem schmalen Wege von der K r o 1 1 e n b a c h- 
strasse zum Ende der Mariengasse einen solchen Rest von 
Belvedereschotter u. zw. links von dem Wege an der kleinen Böschung, 
welche von den zwischen beiden Gassen liegenden Gärten zur Strasse 
abfällt. Die dunkle rostgelbe Farbe kennzeichnet dieses Materiale 
sofort als echten Belvedereschotter, und liegen häufig einzelne Quarz- 
geschiebe davon zur Ausfüllung der Furchen in der Strasse. Auf der 
ganzen Strecke des Canales war aber nirgends auch nur eine Spur 
davon zu treli'en. 

Ein weiteres solches Residuum von Belvedereschotter findet sich 
im Einschnitte der Hirschen- jetzt Billrothstrasse, welche beim Haupt- 
eingange des Irrenhauses und des Gasthauses „zum braunen Hirschen" 
hinab zur Fortsetzung der Billrothstrasse, ehemals Grinzingerstrasse 
genannt, führt. 



•) Wien 1873. In Commission bei A. Holder. 



64 F. Karrer. [6] 

Die von mir bei Gelegenheit der Besprechung dieses Ein- 
schnittes ') ausgesprochene Ansicht, dass dieser Schotter nur als eine 
künstliche Ausfüllung einer Mulde im Terrain zu betrachten sei, 
möchte ich aber heute nicht mehr aufrecht erhalten und zwar gerade, 
weil wir unweit davon wirklich anstehende Belvedereschichten (Neu- 
stiftgasse) beobachten können. 

Unweit von der Kreuzung der obgenannten Strassen verläuft, 
zum Theile noch in der ehemaligen Grinzinger Strasse selbst, die 
zweite Theilstrecke unseres Canales. Auf dem Höhenrücken hinter 
der Hohen Warte u. zw. noch bevor sich derselbe gegen Heilige n- 
Stadt absenkt, liegen auf den höchsten Punkten mehrere isolirte 
Flecken von Belvedereschotter. Der tiefe Einschnitt für den neuen 
Unrathscanal längs der Hohen Warte hat ebenfalls Belvedereschotter 
angefahren und zwar jenes dritte Glied der Belvederebildungen, 
welches P'uchs (1. c.) besonders erwähnt. Es sind gewisse harte, 
trockene, dunkelbraune, stark sandige Thone, welche bisweilen über 
dem Belvedereschotter angetroffen werden und oft sehr schwer von 
ähnlichen Diluvialbildungen zu unterscheiden sind. 

Wir behalten uns vor, in einem späteren Artikel, der den eben 
erwähnten Localaufschluss im Detail behandeln soll, noch einmal darauf 
zurückzukommen. 

Um die Serie der diesfälligen Beobachtungen zu vervollständigen, 
will ich schliesslich nochmals an das Vorkommen des Belvedere- 
schotters in der Kreindl'schen Ziegelei an der Nussdorferstrasse 
erinnern, auf v/elches ich anlässlich eines Aufschlusses dortselbst in 
der Geologie der Kaiser Franz Josef- Hochquellenwasserleitung (pag. 
343 und 344) zu sprechen kam. 

Es ist — ich möchte es hier nochmals betonen — nothwendig, 
so bald und so schnell als möglich die geologischen Denksteine in 
dem Gebiete unseres erweiterten Stadtgebietes zu sammeln und das 
Beobachtete fleissig zusammenzufassen, denn die Umgestaltung im 
Terrain, Anschüttungen, der Ausbau der neuen Stadttheile u. s. w. 
werden gar bald Manches für immer verwischen, was zur Detail- 
kenntniss des Untergrundes unserer Kaiserstadt von Wichtigkeit wäre. 

Die zweite Theilstrecke des Krottenbachcanales : Irren- 
hausgarten — Nussdorferstrasse , bietet in vielfacher Beziehung nur 
eine mit den früher besprochenen geologischen Aufschlüssen in in- 
nigstem Zusammenhange stehende Fortsetzung derselben. Sie folgt 
zum allergrössten Theile dem bisherigen Bachbette, hat keine sehr 
tiefen Einschnitte und ist auch stellenweise in Stollen, welche etwa 
3 Meter hoch sind, ausgeführt worden. Sarmatischer Tegel und Sand 
spielen die Hauptrolle, später die alten Alluvionen der Donau und 
des Baches selbst. 

Des Zusammenhanges wegen möchte ich hier erwähnen, dass in 
der parallel mit dem Bette des Krottenbaches verlaufenden Hofzeile 
ehemals Herrengasse (der neue Canal geht eben durch die ziemlich 
steil gegen den Bach abfallenden Gärten dieser und den Gärten der 
parallelen Nusswaldgasse) allenthalben sarmatische Sande die Haupt- 



') Verh, der k. k. geol. Keichsanstalt, 1871. 



[7] Geolog. Studien i. d. tertiären u. jüngeren Bildungen d. Wiener Beckens. ßf) 

rolle spielen, welche überall unter dem Löss zum Vorschein kommen. 
Es war dies bei der Adaptirung des Hauses und Gartens der Taub- 
stummen-Landesanstalt in der Hofzeile sehr schön zu beobachten. 

Die dortigen Aufgrabungen zeigten unter dem Löss sarmatische 
Sande, in denen nussgrosse bis kinderkopfgrosse Concretionen in an- 
sehnlicher Menge aufgefunden wurden. 

Es entspricht dieser Punkt der Hofzeile der mit der Meter- 
anzahl 2500 im Canalprofile bezeichneten Stelle. 

Die dritte T heilstrecke Nussdorferstrasse — DonaucanaP) 
hat keine besonders tiefen Einschnitte mehr aufzuweisen ; es ist alles 
schottriges, sandiges, mitunter auch ihonhältiges Alluvialmateriale (Silt), 
welches hier aufgeschlossen wurde, und bietet dasselbe für unsere 
Zwecke kein weiteres Literesse. 

Ln Folgenden verzeichnen wir nunmehr die Resultate der Unter- 
suchung der aufgesammelten Proben. 



I. Theilstrecke (Nothspital — Irrenhausgarten). 

Probe 1. Gelblichgrüner Tegel zuweilen mit etwas stärkerer 
sandiger Beimengung, ungefähr 340 Meter vom Schotterfang abwärts 
gegenüber dem Döblinger Nothspital, aus 4 Meter Tiefe unter der 
Lössschichte. 

Enthält in Menge kleine Splitter sarmatischer Bivalven, zuweilen 
auch besser erhaltene oder ganze, gut bestimmbare Schalen, wie 
Modiola marci'mafa Eichiv. und zahllose mikroskopische Thierreste, 
am meisten Schalen glatter Ostracoden und ziemlich häufig gut er- 
haltene Foraminiferen — Typen sarmatischer Vergesellschaftung — 
und zwar: 

Nonionina granosa d'Orb. s. ^) 

Pohjstomella aculeata d'Orb. s. 

Polysfomella regina d'Orb. h. 

Poh/sfomella crispa d'Orb. ns. 

Poh/stomeUa mbiimhilicafa Cziz. ns. 

Ich muss hier nebenbei wieder bemerken, dass ich mich nicht 
entschliessen kann, der Ansicht von Reuss zuzustimmen, welcher 
die armirten Polystomellen d'Orbigny's, die P. regina, die P. Josephina 
und die P. aculeata, zu einer Species : acideafa vereinigt, indem er 
Uebergänge constatirte. Ich fand immer die P. reghia so ausge- 
sprochen mit den vier (nur zuweilen mit einer fünften Nebenspitze) 
einander senkrecht gegenüberstehenden Spitzen in den sarmatischen 
Ablagerungen vertreten und gegenüber der mit zahlreicheren kürzeren 
Spitzen bewaffneten P. aculeata (vielleicht mit P. Josephina zu ver- 
einigen) vorkommen, dass ich dieselbe als selbstständige Species 
aufrechthalten möchte. 



') Diese Strecke ist bloss als Nothauslass für die Waaserabfuhr bei Hoch- 
wässern bestimmt, sonst ergiesst sich der eingewölbte Krottenbach in den neuen 
Sammelcanal der Nussdorferstrasse. 

") s selten, ss sehr selten, ns nicht selten, h häufig, hh sehr häufig. ■ 
Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1895, 46. Band. i. Heft. (F. Karrer.) 9 



66 F. Karrer. [8] 

Probe 2. Gelber (rescher, cl. h. wenig thonhältiger) Sand, 
340 Meter vom Schotterfang abwcärts gegenüber dem Döblinger Noth- 
spital, aus 8 Meter Tiefe unter dem gelblichen Tegel, ober dem 
bläulichen Tegel. 

Enthält fast durchgehends nur weisse oder weisslichgelbe Quarz- 
körner, hie und da ein Bröckchen abgerollten Materiales aus dem 
Wiener Sandstein und Spuren von Trümmern sarmatischer Bivalven. 
Auch mikroskopische Thierreste sind äusserst selten, wie dies im 
Allgemeinen von allen Sandablagerungen gilt. Ich fand nur einzelne 
Individuen von : 

Nonionina granosa cVOrh. ss. 
Pohjsfoinella crispa (V Orh. ss. 
PohfsfonielJa suhumhUicaia Cziz. ss. 
Die Ablagerung ist aber entschieden sarmatisch. 

Probe 3. Oberer gelblichgrüner, ziemlich sandiger Tegel, unter 
der Lössdecke ober dem sarmatischen Sand (Lage wie Probe 1), 
540 Meter vom Schotterfang abwärts, aus 5 Meter Tiefe. Geschlämmt, 
zeigt das Materiale krümmliche, harte Mergelbröckchen und Quarz- 
sand, Trümmer sarmatischer Conchilien, darunter erkennbare Reste 
von Cardium ohsohfmn Eidur., von Modiola sp., Trocliii^ sp. und unter 
den mikroskopischen Thierresten sehr selten glatte Ostracoden, aber 
viele Foraminiferen, u. zw. : 

Nonionina granom d'Orh. ns. 
PolystomeUa crispa d^Orb. s. 
Polystomella suhumbilicata Cziz. hh. 

Probe 4. Unterer bläulicher Muscheltegel, zwischen 800 und 
900 Meter vom Schotterfang abwärts entfernt, aus ungefähr 8 Meter 
Tiefe unter dem sarmatischen Sand. Enthält viele sarmatische, mit- 
unter gut erhaltene Bivalven, wie : 

Mactra pjodolica Eichte. 

Ervilia podolica Eicluv. 

Carditim ohsolefum Eichn: 

Modiola marginata Eicliir. 

In diesem unteren blauen Tegel kommen auf der ganzen Strecke 
(Probe 5) vereinzelt grössere und kleinere Stücke dunkelbraun ge- 
färbten Lignites, mit vollkommen deutlicher Holzstructur vor. Es ist 
dasselbe Vorkommen, wie es in den sarmatischen Ziegeleien an der 
Nussdorferstrasse beobachtet wurde, und stammen diese Lignite ent- 
schieden von Coniferen, wie die nicht selten in den Ziegeleien 
gefundenen Zapfen von Nadelholzbäumen nachweisen *). 

Dieser Muscheltegel wird von Fuchs 2) als oberer sarmatischer 
Tegel bezeichnet; unter ihm kommen erst die eigentlichen, für Wien 



*) Siehe Stur: Beiträge zur Kenntniss der Flora der Süsswasserquarze der 
Congerien- und Cerithieuschichten etc. Jahrbuch der k. k. geolog. Reichsanstalt, 
XVII. B., 18G7, pag. 123 u. 148. 

^) Fuchs, Erläuterungen zur geologischen Karte der Umgebung Wiens. 
Herausgegeben von der k. k. geol. Reichsanstalt, Wien 1873. In Commission bei 
Holder. 



[9] Geolog. Studien i. d. tertiären u. jüngeren Bildungen d. Wiener Peckens. (57 

als die reichste wasserführende Schichte bekannten sarmatischen Sande, 
die auf den Höhen zwischen Döbling und Heiligenstadt, auf der Türken- 
schanze u s. w. so milchtig entwickelt erscheinen. Die in unserem 
Einschnitte aufgeschlossenen Sandlagen wären hiernach mehr als eine 
höhere, den Muscheltegel begleitende Sandfacies zu betrachten. 

Probe 6. Blaugrauer sarmatischer Tegel aus etwa 9 Meter 
Tiefe unter sarmatischem Sand, 1040 Meter etwa vom Schotterfang 
abwärts genommen. Derselbe ist etwas eigenthümlicher als die früheren 
Materialien. Er enthalt nämlich in Menge Lignitbestandtheile, so dass 
der Schlämmrückstand schwärzlich davon gefärbt erscheint; ausser- 
dem führt der Rückstand noch Quarzkörnchen und ist voll von Glimmer- 
blättchen. Neben den Scherben sarmatischer Bivalven kommen auch 
nicht selten Foraminiferen vor, aber nur: 

FolijstomeUa suhumh'dicafa Cziz. h. 
Polystomella crispa d'Orb. ss. 

Probe 7. Blaugrauer sarmatischer Tegel aus der Tiefe von 
12 Meter, 1040 Meter vom Schotterfang abwärts — unter der vorigen 
Probe — genommen (also ganz nahe beim Irrenhausgarten). Enthält 
im Rückstand viel Quarzkörnchen, viel Scherben sarmatischer Bivalven, 
aber nur wenig Foraminiferen, so: 

Polystomella subumbilicata Cziz. ss. 
Nonionina granosa d'Orb. ss. 
Rotdlia Beccar'd d'Orb. sp. ss. 

Probe 8. Von 1080 Meter vom Schotterfang weg, aus 6 Meter 
Tiefe, Gerolle von Wiener Sandstein im sarmatischen Sande. 

Probe 9, Dunkelgelber, rescher, sarmatischer Sand, über dem 
in den vorher angeführten Proben untersuchten sarmatischen Tegel, 
1120 Meter vom Schotterfang ab. Besteht aus sehr schönen weiss- 
lichen Quarzkörnern, enthält aber auch grössere Rollstücke von Wiener 
Sandstein. Von Versteinerungen fanden sich vereinzelt Foramini- 
feren, wie : 

Pohjstomella crispa d'Orb. ss. 
Poli/stotnella subumbilicata Cziz. ss. 

Probe 10. Aus dem blauen bis zu 1'5 Meter Tiefe erschlos- 
senen, sarmatischen Tegel, ganz nahe am Irrenhausgarten, 1120 Meter 
vom Schotterfang ab. Enthält in Menge Scherben sarmatischer Con- 
chilieu, darunter bestimmbar: Stjndosmia s/)., Cardium obsoletum Eichiv., 
Ervilia podolica Eichw. Foraminiferen sind nicht häufig: 

Nonionina granosa d'Orb. ss. 
Pohjstomella crispa d'Orb. ss. 
Polystomella subumbilicata Cziz. ss. 



68 ' F. Karrer [10] 

Wir haben bereits vorlier bemerkt, dass die Sandschichten auf 
der ganzen Erstreckung des Aufschlusses sehr quarzreiche harte 
Sandsteinbänke in grösseren Platten oder auch einzelne kleinere 
Schollen enthalten. Diese Platten nun sind an manchen Stellen ziemlich 
reich mit festhaftenden Steinkernen bedeckt, welche von sarmatischen 
Bivalven stammen, deren Scliale aufgelöst wurde. Es sind vornehmlich 
sarmatische Cardien, Tapes (jregaria Partsch, Ervilia podoUca Eichte., 
Madra poäoJka Elchic, ModioJa sp. 

Damit schliesst die erste der drei im Vorhergehenden erwähnten 
baulichen Theilstrecken ab. 



II. Theilstrecke (Irrenhausgarten-Nussdorferstrasse). 

Probe 11. Blaugrauer Tegel. Schlämmriickstand besteht aus 
weissen Quarzkörnchen, Glimmerschüppchen, Kohlenstückchen und 
Trümmern sarmatischer Concliilien. darunter Trochus patuJus. Glatte 
Ostracoden sind nicht selten, Foraminiferen häutig, u. zw.: 

Botedia Beccarii d'Orb sp. ns. 
Xonionina granosa d'Orb. us. 
Pohjstomeüa suhumhilicata Cziz. h. 

Probe 12. Graugrüner Tegel. Enthält weisse Quarzkörnchen. 
Glimmerschüppchen, Trümmer sarmatischer Bivalven, Foraminiferen 
nur sehr selten, u. zw. : 

FohjstomeUa suhumhilicata Czii. 

Probe 13. Grauer Tegel (von der Silbergasse). Mit weissen 
Quarzkörnchen, Glimmerschüppchen, zahlreichen Scherben sarmatischer 
Conchilien. darunter Modiola marginata, runzliche Ostracoden, Fora- 
miniferen sehr wenig. Vereinzelt fand sich 

QuinquelocuJina Ahneriana d'Orb. 
Botalia Beccarii d'Orb. sp. 
PohjstömeUa aciileata d'Orb. 

Probe 14. Oberste Schichte (oberhalb der Silbergasse). Saudig- 
schottriges Materiale mit kleinen Quarzgeröllen, krümlichen Mergel- 
stücken im Schlämmrückstande, Spuren von Polystomellen, 

Probe 15. Unterste Schichte (oberhalb der Silbergasse). Bläu- 
licher Tegel voll kleiner Schwefelkiesknollen, Scherben sarmatischer 
Bivalven, glatte und punktirte Ostracoden nicht selten, Foraminiferen 
wenige, u. zw. : 

Rotcdia Beccarii d'Orb. sp. ns. 

Xonionina granosa d'Orb. s. 

Probe 16. Sarmatisches, schottriges Materiale. Quarzkörner, 
Gerolle von Wiener Sandstein, keine Petrefacte. 



[11] Geolog. Studien i. d. tertiären u. jüngeren Bi^ldungen d. Wiener Beckens. 69 

Probe 17. Sarniatischer, dunkelgelber Sand (beiläufig 150 Meter 
unterhalb der Silbergasse). Enthält Gerolle von Wiener Sandstein, 
Quarzkörner, Foraminiferen nur wenige, u, zw. : 

Eotalia Beccarii (POrb. sp. s. 
FoJijstomeUa sulmmhiUca^a Cziz. s. 

Probe 18. Aus der Tiefe unter dem Sand gelblichgrauer sar- 
niatischer Tegel mit Trümmern sarmatischer Bivalven. Im Schlämm- 
rückstande runzlige und punktirte Ostracoden und eine individuen- 
reiche Foraminiferenfauna, darunter sogar einzelne Buliminen, Poly- 
morphinen, Textilarien, ferner: 

Rotalia Beccarii d'Orb. sp. ns. 
Nonionina granosa cVOrh. hh. 
Nonionina punctata d'Orh. hh. 
Pohjstomella aculeata d'Orh, s. 

Probe 19. Bläulicher sarmatischer Tegel voll von Scherben 
sarmatischer Conchilien, darunter Paliidina (Hijdrobia) sp. ? Cardium 
obsoletnm Ekhir. etc. Im Schlämmrückstande noch in Menge gerunzelte 
Ostracoden, aber wenig Foraminiferen, hauptsächlich Nonionina punctata 
d'Orb. und einzelne Orbulinen. 

Probe 20. Gelblicher, sandiger Tegel mit sarmatischen Petre- 
facten, über blauem Tegel. Enthält viel Conchilienscherben, darunter 
Sijndosmia sp. Der Schlämmrückstand zeigt das krümliche, braune, 
mergelige Materiale, wie es in den höheren Lagen des Tegels häutiger 
zu finden ist, Schwefelkiesstückchen und viel Glimmer, dagegen sehr 
wenig Quarzkörner. Foraminiferen sind sehr selten. 

Nonionina punctata d'Orb. ss. 
Pohjstomella crispa d'Orb. ss. 

Probe 21. Blauer sarmatischer Tegel voll Quarzkörner und 
Glimmerschüppchen, Scherben von Wiener Sandstein, viel Schwefel- 
kiesstückchen, zahlreiche Scherben sarmatischer Conchilien, bestimm- 
bar Mactra podolica Eichw. Foraminiferen sind sehr selten, hie und 
da einige Exemplare von 

Nonionina yranosa d'Orb. 

Probe 22. Septarien im sarmatischen Tegel mit Steinkernen 
sarmatischer Conchilien, wie : besonders grosse Exemplare von Cardium 
obsoletum Eiclnv., Mactra podolica Eichiv. 

Probe 23. Gelbgrauer sarmatischer Tegel mit Cardium plicatum 
Eichiv. Schlämmrückstand voll sarmatischer Conchilientrümmer und 
sehr zahlreichen Foraminiferen. Darunter einzelne Uvigerinen, Buli- 
minen, Polymorphinen, hauptsächlich aber: 



70 F. Karrer. [12] 

Nonionina granosa d'Orb. hh. und 
Noniomna punctata d'OrJ>. hh. 

Prohe 24. Septarien mit Steinkernen sarmatisclier IMvalven 
im Tegel. Daraus bestimmbar Lardiiim pUcatum Eichic. 

Probe 25. Septarien aus der untersten Tegelschichte mit sar- 
matischen Bivalven, darunter Canlium plkatum Eichir. 

Probe 26. Graulichgrüner Tegel, von oben voll sarmatischer 
Bivalven-Scherben, bestimmbar Cardin in plicatum d'Orb. Foraminiferen 
äusserst zahlreich : 

Nonionina granosa d'Orb. hh. 
Nonionina punctata d'Orb. hh. 

Probe 27. Unterer blauer Tegel mit Ervilia podolica Eichw. 
ModioJa marginata Eichir. Der Schlämmrückstand voll sarmatischer 
Bivalventriimmer, Kohlenstückchen, Glinimerschiippchen und Quarz- 
körnern. Glatte Ostracoden einzeln, Foraminiferen nicht selten: 

Nonionina granosa d'Orb. ns. 
PolystomeUa acnleata d'Orb ss. 
Polijstomdla subumbilicata Cziz. ns. 

Probe 28. In der Nähe der Hohen Warte-Brücke, unterhalb der 
Villa Wertheimstein. Blauer Tegel voll sarmatischer Conchilientrümnier. 
Erkennbar Paludina Partschii Erfld. und Cardium plicatum Eichw. 
Ostracoden sind selten, Foraminiferen aber häufig: 

Nonionina. granosa d'Orb. h. 
Nonionina punctata d'Orb. h. 
Poliistomella crispa d'Orb. ss. 



III. Theilstrecke (Nussdorferstrasse— Donaucanal). 

Probe 21». Gelblicher Schotter aus Quarz-, Kalk- und Sandstein- 
geschieben bestehend. (Alluvion.) 

Probe 30. Erste Schichte von oben. Enthält feine Quarz- 
körner, Quarz-, Kalk- und Sandsteinschotter und Glimmerschüppchen. 
(Alluvion.) 

Probe 31. Zweite Schichte darunter. Enthält feine Quarz- 
körnchen, Quarz-, Kalk- und Sandsteinschotter. (Alluvion.) 

Probe 32. Dritte Schichte. Sehr glimmerreicher, feiner Sand 
aus Quarzkörnchen und gröberen Partieen von Quarz bestehend. (Silt.) 

Probe 33. Unterste Schichte. Sehr glimmerreicher, feiner 
Quarzsand. (Silt.) 

Probe 34. Ganz feiner weisser Quarzsand mit wenig Glimmer. 
(Silt.) , . 



[131 Geolog. Studien i. d tertiiiren ii. jüngeren Bildungen d. Wiener Beckens. 71 

Damit sohliessen wir die Resultate der Detailuntersuchung der 
aufgesammelten Materialien und zugleich den ersten Theil unserer 
Aufnahmen über die in den nordwärts gelegenen Stadtbezirken durch 
die grossen öffentlichen Arbeiten gewonnenen geologischen Aufschlüsse. 



8. Die eloktrisclie Balm Baden— Vöslau. 

Diese .neue Bahnverbindung ist eine Zweiglinie der elektrischen 
Bahn B a d e n - H e 1 e n e n t h a l welch e der Gesellschaft Fische r- 
Arnoldi in Baden gehört. Die Haupttrace wurde nach dem im 
Jahre 1894 von der Firma Schukert durchgeführten' Umbau der 
früheren Pferdebahn im Juli des verflossenen Jahres dem Betrieb 
übergeben, und soll auch die Zweiglinie im Laufe dieses Jahres er- 
öffnet werden. 

Dieselbe geht von der Hauptlinie ab durch die Feld- und 
Wiesengründe unterhalb des fahrbaren Feldweges zwischen Baden, 
Soos und Vöslau. Sie liegt bergwärts hinter den an der Baden- 
Vöslauer Landstrasse befindlichen Ziegeleien von Baden, Soos 
und Vöslau und verläuft knapp unterhalb des Ortes Soos, wäh- 
rend oberhalb, in bedeutend grösserer Höhe und Entfernung als die 
erwähnte Landstrasse, der Einschnitt der Wiener Hochquellenwasser- 
leitung sich befindet. 

In dieser Lage besteht das Beachtenswerthe und ist Ursache, dass 
diese kleine Bahnstrecke hier etwas näher besprochen werden soll. 

Die Trace, welche sich der Hauptsache nach auf niederer An- 
schüttung oder in unbedeutenden, V2 bis IV2 Meter tiefen Einschnitten 
bewegt, durchquert ein geologisch sehr interessantes Terrain (zweite 
Mediterranstufe), bietet aber nur an zwei Punkten Gelegenheit, eigent- 
liche Aufschlüsse zu beobachten. 

Der erste derselben schneidet durch die kleine Bodenanschwellung, 
welche sich am rechten Ufer der Schwechat von Dörfl bis zu 
den B a d n e r und S s e r Ziegeleien hinzieht und mit der Erhebung 
des Hartberges über der linken Seite der Südbahntrace in Ver- 
bindung steht. Zwischen dieser Anschwellung und einer zweiten bei 
Soos befindet sich jene kleine beckenartige Einsenkung, die sich 
durch ihren sumpfigen Charakter (wegen des wasserundurchlässigen 
Tegelbodens) auszeichnet und für die Benennung des Ortes mass- 
gebend gewesen sein mag. 

Dieser obbemerkte Einschnitt, über welchen eine hölzerne 
Fahrbrücke für die Landfuhrwerke geht, befindet sich unweit der 
S p u 1 1 e r'schen Gehöfte, oberhalb der D b 1 h f fs c h e n Ziege- 
leien und hat eine Tiefe bis zu 5 Meter bei einer Erstreckung von 
etwa 80 — 100 Meter ; er verläuft durchgehends in gelbgrünen Tegel 
der zweiten Mediterranstufe, der im oberen Theile auf etwa V2 ^^^ 
1 Meter Dicke mit Schotter verunreinigt ist. 

Dieser Theil wäre wohl am richtigsten als ein Rest diluvialen 
Terrains zu betrachten, wie es auf dem Abhänge zur Sooser 
Ziegelei und in dieser selbst in ziemlicher Mächtigkeit, auch gut 
aufgeschlossen, zu beobachten ist. 



72 F. Karrer. [14] 

Aus einer Probe des Tegels von dem tiefsten Punkte des Ein- 
schnittes erhielt ich aus dem Schlämmrückstande folgendes Resultat : 
Enthielt Schwefelkies in kleinen Stückchen, Muscheltrümmer, Cidariten- 
stachel, Bryozoen, Otolithen, verzierte Ostracoden und zahlreiche 
Foraminiferen. 

Die Letzteren repräsentiren die echte Foraminiferenfauna des 
Badnertegels, wie sie aus den dortigen Ziegeleien bekannt ge- 
worden ist. 

Das nachfolgende kleine Verzeichniss gibt eine Auswahl der 
dort vorkommenden typischesten Arten. 

Plecanium abbreviatum d'Orb. sp. 
Bigenerina ngghitinans d'Orb. 
Quinqueloculina Äknerana d'Orb. 
QuinquelocuUna (Jugendform Ädelosina). 
Spiroloculina canalicnJafa d'Orb. 
Nodosaria stipitata Beuss. 

„ baccillum d'Orb. 

„ rudis d'Orb. 

„ elegans d'Orb. .<?;>. hh. 

„ hispida d'Orb. sp. 

„ ac-ufa d'Orb. sp. 

„ Adolphina d'Orb. sp. 

Vaginulina (Lingulina) badenensis d'Orb. 
IJngidina rofundafa d'Orb. 
CristelJnria liirsuta d'Orb. sp. 

„ cuV.rata d'Orb. sp. hh. 

„ calcar d'Orb. sp. 

„ inornata d'Orb. sp. hh. 

„ vortex d'Orb. sp. 

Bulimina pupoides d'Orb. 

„ Buchann d'Orb. 
Uvigerina pygmaea d^Orb. 

„ asperula Cz'iz. 

Polgmorphina gibba d'Orb. sp. 
Textilaria carinata d'Orb. hh. 
Virgulina Schreibersana Cziz. 
Orhulina um versa d'Orb. hh. 
Globigerina bulloides d'Orb. hh. 

„ triloba d'Orb hh. 

Pulvinulina Parfschii d'Orb. sp. 
Truncatulina Dufemplei d'Orb. sp. hh. 

Nach diesem Einschnitte und auch ausserhalb S o o s verläuft 
die Strecke nur in kleinen, höchstens bis zu IV2 Meter tiefen Ein- 
schnitten aus schottrig-tegeligem Diluvialmateriale bestehend, und dann 
wieder im Niveau des Bodens oder auf kleinen Anschüttungen. Erst 
gegen V ö s 1 a u, u. zw. oberhalb der dortigen Ziegelei, in 
einer Entfernung von etwa einem Drittel von dieser zur Trace der 
Hochquellenleitung, stösst man abermals auf einen 2 bis 3 Meter 



[15] Geolog Stndion i. d. tcrtiäron n. jüngeren Bildungen d. Wiener Bookens. 73 

tiefen Einschnitt, welclicr oben im thonigen Diluvialschotter und 
thonigen Sand, darunter aber in wellig auftauchendem Tegel verlauft. 

Die nachfolgende Skizze gibt ein Bild dieser Verhältnisse. 

Die Proben, welche von dieser Stelle gesammelt wurden, zeigen 
im Schlämm-Rückstande Folgendes : 

Thoniger Sand unter dem diluvialen Schotter. Euthcält ab- 
gerollte Quarzkörner, hie und da Cidariten-Stachel, ganz vereinzelt 
eine FohjstorneUa crhpa, sonst keinerlei Versteinerungen. Ich möchte 
diesen Sand nicht mit jenem der Vöslauer Ziegelei identificiren oder 
irgendwie damit in Verbindung bringen, da der letztere sich schon 
entschieden in dem Ziegelei- Aufschlüsse gegen dan Berg zu auskeilt; 
vielmehr bin ich eher geneigt, das ganze Materiale auch noch für 
Diluvium zu halten und zu Letzterem zu zählen. 











a = Hnmus. 
h = Thoniger Schotter. 
c = Thoniger Sand. 
(1 == Badner Tegel. 

Ganz anders verhält es sich mit dem darunter liegenden, etwas^ 
sandigen Tegel, welcher ohne Zweifel als echter Badnertegel 
zu betrachten ist. Der Schlämm-Puickstand zeigt krümliche Mergel- 
schnüre, verunreinigt mit Bröckchen älteren Kalksteins, enthält aber 
sehr zahlreiche Foraminiferen, wenige Arten, aber typische B ad n er- 
Formen ; ich nenne nur : 



Clavulina communis d'Orh. 
Nodosaria Verneuln d'Orh. sp. 

„ elecjam d'Orh. sp. 

Truncatulina DufempJei d'Orh. sp. 
Rofalia Beccarii d'Orh. sp. 
Globigerina triloha Reuss hh. 

„ hulloides d'Orh. sp. hh. 

Na(*h diesem Einschnitte kömmt alsbald den Terrain- Verhältnissen 
entsprechend eine etwas bedeutendere Aufdämmung, hiernach aber 
verläuft die Bahntrage bis Vöslau nahezu im Niveau des Terrains. 

Jahrbuch der k. k. geol. Reichsanstalt, 1895, 45. Band, 1. Heft. (F. Karier.) K) 



74 V. Karrer. [16] 

y. Vorkommen eines Erdharzes im muiinen Tegel 
von Vöslau. 

In meiner Geologie der K. F. J.- Hochquellen -Wasserleitung 
habe ich bei Gelegenheit der Besprechung des Stollen -Aufschlusses 
Gainfahrn -Vöslau über die Kohle von Vöslau einen eingehen- 
deren Bericht gegeben ^). Ich bin damals nach einer näheren 
Besprechung des Vöslau zunächst gelegenen Kohlenbeckens der 
Jauling-Wiese bei Set. Veit a. d Triesting zu dem Schlüsse 
gelangt, dass die Vöslauer Kohle ihre Bildung dem Treibholze ver- 
danke, welches wahrscheinlich zu einer Zeit, wo die Absätze in der 
Jauling noch fort ihren Süsswasser-Charakter bewahrt hatten, aus 
dem gegenwärtigen M e r k e n s t e i n e r t h a 1 e zugeführt worden war. 

Zepharovich hat aus der Kohle von Jauling ein neues fos- 
siles Harz beschrieben, welches er Jaulingit benannte 2), aber schon 
früher wurde von H a i d i n g e r sowie später von Sehr öfter aus 
der mit Jauling gleichaltrigen Kohle von Hart bei Gloggnitz 
über drei sehr charakteristische Erdharze berichtet, die in den 
Längs- und Querrissen des bituminösen Holzes vorkommen und 
welche von den Entdeckern Hartit^), Ixolit*) und Hartin^) 
benannt wurden. 

In neuester Zeit hat sich nun wieder ein Anlass gefunden, 
auf diesen Gegenstand zurückzukommen. 

Im Frühjahr des verflossenen Jahres wurde nämlich von unserem 
geehrten Freunde Herrn Dr. G. A. v. Arthaber, Assistenten für 
Palaeontologie an der hiesigen Universität, dem k. k. Naturhistorischen 
Hofmuseum ein ziemlich grosses Stück eines Erdharzes übergeben, 
welches im Tegel der Ziegelei des Herrn Zimmermeisters und 
Ziegeleibesitzers Alois Breyer in Vöslau aufgefunden worden ist. 

Ich habe mich selbst später an Ort und Stelle begeben und habe 
constatirt, dass dieses Stück von dem Platzmeister des dortigen Ziegel- 
werkes in einer Tiefe von 4 bis f) Meter im Tegel der Ziegelei auf 
jener Seite, wo sich die wiederholt beschriebene Sandlinse ") befindet, 
gefunden worden sei. Der Platz ist gegenwärtig vollständig Verstössen. 

Dr. Helm vom kgl. westpreussischen Provinz-Museum in Danzig, 
welchem das Stück zur Ansicht und Bestimmung ursprünglich zu- 
gesendet worden war, äusserte sich darüber dahin: 

Cf. Walchoimt aus der Gruppe der Retinite, 

Spec. Gewicht P004, Härte 1-5, Alkohol löst 24-57o. 

Quillt vor dem Schmelzen etwas auf und wird etwas elastisch. 
Beim Schmelzen wird es zu einer klaren Flüssigkeit, stösst wohl- 
riechende Dämpfe aus, welche Schlund und Nase nicht reizen. 

*) Karr er: Geologie der Kaiser Franz Josefs -Hochquelleuleitung. Abhdlg. 
d. k. k. Geol. Reichsaustalt. IX. Bd. Wien 1877, pag. 141. 

■-) Sitz.-Ber. d. k. Akad. d. Wiss. XVI. Bd. 1855, pag. 3GG. 

^) Poggendorf: Ann. Band LN (130. des Ganzen) 1841, pag. 261—265. 

■•) Ibid. Bd. LIX (135. des Ganzen) 1843, pag. 43 et seq. 

') Ibid. Bd. LVI (132. des Ganzen) 1842, pag. 345—348 n. Karr er, Geologie 
der K. F. J.-Hoeb(]ne]Ien-Wasserleitnng, pag. 58 u. 59. 

®) Karrer: Geologie der K. F. J.-Hochquellenleitung, pag. I;i3 u. 134. 



[17] Geolog. Studien i. d. tertiären u. jüngeren Bildungen d. Wiener Beckens. 75 

Bei trockener Destillation wird keine Bernsteinsäure entwickelt. 

Herr Prof. Dr. F. Ber vverth hatte die Güte, zu Vorstehendem 
folgende Bemerkungen zur Charakteristik des Stückes noch mit- 
zutheilen. 

Form: Sphilroidischer Knollen; grösster Durchmesser 10 Cm., 
kleinster Durchmesser 6 Cm übertiäche abgerollt, die ehemaligen 
Kanten und Ecken in abgerundeten Höckern erhalten. Deutlich ge- 
schichtet. 

Farbe: Wachsgelb, abwechselnd in hellen und dunklen Streifen. 
In kleinen Partieen in's Honiggelbe übergehend. Die Streifung fallt 
mit der Schichtung zusammen. 

Bruch: Kleinmuschlig. Glanz: Auf den Bruchflächen fett- 
glcänzeiid. — Spröde, leicht zersprengbar, in Splittern durchscheinend. 
Zwischen den Fingern etwas zerreiblich ; zu feinem Pulver zerrieben 
isabellgelb. 

Abbe Extner spricht nun in seinem Werke: Versuch einer 
Mineralogie für Anfanger und Liebhaber, Wien 1799, HI. Bd., I. Abth, 
von strohgel-ben und gelblich-grünen Harzen, welche in knolligen und 
stumpfeckigen Stücken von verschiedener Grösse zu Walkow in 
Mähren in der Schieferkohle vorkommen; und Prof. A. Schrötter 
in Graz behandelt in einem längeren Aufsatze in Poggendorf's An- 
nalen ') das Vorkommen von Retiniten in den Kohlengruben von 
Walchow in Mähren, welche in abgerundeten kugelförmigen Stücken 
von der Grösse einer Erbse bis zur Grösse eines Kopfes und meist 
krummschaliger Structur gefunden werden. Er gibt nähere Be- 
schreibung und drei Analysen von diesem Harze. 

Haidinger, der in seiner Uebersicht der Resultate mineralo- 
gischer Forschungen im Jahre 1843 (Erlangen 1843) ebenfalls den 
Retini t von Walchow behandelt, bezeichnet dieses Harz hier 
zuerst mit dem Namen Walchowit. 

Die von diesen Autoren gegebenen Beschreibungen, sowie der 
Vergleich mit den im k. k. naturhistorischen Hofmuseum befindlichen 
Original-Stücken des Walchowit von Walchow lassen keinen 
Zweifel, dass wir es in dem in Rede stehenden Stücke von Vöslau 
auch mit einem Walchowit oder wenigstens mit einem diesem 
Erdharze ganz nahestehenden Mineral zu thuu haben. 

Dasselbe ist, wie es der Fundstelle entspricht, allenthalben mit 
einer fest anhaftenden Tegelschichte überzogen, welche auch in 
die feinen Risse und Sprünge des Stückes eindringt. 

Ich habe, so weit als thunlich, einiges Materiale von diesem 
Tegel abgeschabt, geschlämmt und zeigt die mikroskopische Unter- 
suchung, dass wir hier wirklich echten mediterranen Thon, Badner- 
tegel, vor uns haben, indem schon in dem ganz geringen Schlemm- 
rückstande mehrere Nodosarien, Orbulinen, Globigerinen, Discorbinen 
und Nonioninen zu finden waren. 



') LIX. Band (135. der ganzen Folge) 1843: Ueber mehrere in den Brauu- 
kohlen- und Torflagern vorkommende harzige Substanzen und deren Verhältniss 
zu einigen Harzen noch lebender Pflanzen von Prof. A. Schrötter, pag. 61—64. 

10* 



76 F. Karrer. [18] 

Nach der im Eingänge erwähnten Bildungs-Ursache der Kohle 
von Vöslau erklärt sich das Vorkommen eines fossilen Erdharzes im 
Tegel der dortigen marinen Ablagerungen in natürlicher Weise durch 
einen zur Miocänzeit vor sich gegangenen Transport von Treibholz 
mit daran haftendem Baumharz aus unweit gelegenen Waldbeständen, 
w'orauf auch die entschieden vorhandene, deutlich erkennbare Ab- 
rollung des Stückes hindeutet. 

10. Diluvialer Knochenfuiid im Wasseralpeiibach-Graben 
oberhall) Nasswald. 

Aus Anlass eines Besuches der Wasseralm-Quelle oberhalb Nass- 
wald, welche seit einem Jahre zur Vermehrung des Wasserquantums 
für die Wiener Hochquellen- Wasserleitung neu eingeleitet worden ist, 
sind über mein Ersuchen durch den Leiter der Bauarbeiten, Herrn 
Stadt-Ingenieur J. Schneider, mehrere Proben der in Verwendung 
gekommenen dortigen Bausteine für die Sammlung des k. k. natur- 
historischen Hofmuseums hieher gelangt. Mit dieser Sammlung sendete 
Herr Ingenieur Schneider auch ein Kistchen mit zwei fossilen 
Knochen ein, welche nach späteren mündlichen Mittheilungen in einer 
Tiefe von 2 Meter im Wasseralpenbach-Graben, etwa 30 Bieter unter- 
halb der Wirthschaft „Fluch", von einem Arbeiter in der Aushebung 
für den Wasserrohr-Canal gefunden worden sind. 

Ihrem ganzen Aussehen nach hat man es hier entschieden mit 
fossilen Resten zu thun, w^elche diluvialen Alters sind. Der kleinere 
derselben ist ein IS Centimeter langer, 1^4 Centimeter breiter und 
1 Centimeter dicker, innen ganz cavernöser Knochen, dessen Bestim- 
mung so zweifelhaft ist, dass darüber keine nähere Angabe gemacht 
werden soll. 

Der zweite grössere Knochen ist dagegen so gut erhalten, dass 
dessen Bestimmung ganz gut möglich war. Es ist derselbe nämlich 
ein rechter oberer Schenkelkopf von liliinoceros ttcliorhinus, dem zwei- 
hörnigen Nashorn mit der knöchernen Nasenscheidewand, von welchem 
vielfach Funde aus dem Löss des Wiener Beckens vorliegen. Das 
Stück ist vom Scheitel bis zur Bruchstelle 18 Centimeter lang und 
oben quer 15 Centimeter breit, wobei zu bemerken ist, dass eine 
der Kugeln abgebrochen war. Der Umfang des vorhandenen Theiles 
des Schenkelkopfes beträgt 39 Centimeter. 

Das Materiale, in welchem derselbe gelegen war und von welchem 
noch Proben von dem Knochenstück abgelöst werden konnten, erwies 
sich als echter Gebirgslehm (Löss), in welchem kleine Bröckchen und 
Splitter von Dolomit und Gutensteiner Kalk vertheilt waren. Es behebt 
dies jeden Zweifel darüber, dass die Stücke wirklich aus der bezeich- 
neten Gegend stammen. 

F]s dürfte wohl das erste Mal sein, dass aus unserer Umgebung 
von einem so hoch gelegenen, mitten im (iebiete der Kalkalpeü befind- 
lichen Punkte (ungefähr 780 Meter ü. ^\.) der unzweifelhafte Rest 
eines Dickhäuters der Diluvialzeit vorgefunden wurde und hielt ich 
es daher für gerechtfertigt, eine nähere Mittheilung darüber zu machen. 



Die Erderschütterung in der Gegend 
von Neulengbach am 28. Jänner 1895. 

Von Dr. Franz E. Suess. 

Mit einer Zinkotypie im Text. 

Am 28. Jänner 1895, wenige Minuten vor 10 Uhr Abends wurde 
im Alpenvorlande zwischen St. Polten und Rekawinkel, in den diesem 
Streifen vorliegenden, breiten Alluvien zu beiden Seiten der Donau 
und auch am Rande des jenseitigen Hügellandes ein leichtes Erzittern 
des Erdbodens, verbunden mit einem dumpfen, rollenden Geräusch 
wahrgenommen. Die meisten Daten über dieses Phänomen, welche 
ich im Folgenden zusammengestellt habe, verdanke ich Herrn Hof-> 
rath J. H a n n, welcher mir die ihm zugekommenen Berichte freund- 
lichst übermittelt hat. Für die grosse Mehrzahl derselben sind wir 
Herrn Franz Glassner, Advocat in Atzenbrugg, zu Danke ver- 
pflichtet, welcher eine grosse Anzahl von Berichten in der Umgebung 
angeregt und eingesammelt hatte ; er hat sich dadurch das grösste 
Verdienst um das Bekanntwerden der Erscheinung erworben. Eine 
weitere Zahl von Meldungen war direct an die Centralanstalt für 
Meteorologie und an die geologische Reichsanstalt eingesendet worden. 
Allen Herren, welche durch Mittheilungen unsere Kenntniss von dem 
Phänomen gefördert haben und deren Namen im Nachfolgenden ge- 
legentlich genannt werden, spreche ich hiemit für ihre Mithilfe den 
besten Dank aus. 

Die Erschütterung war keine sehr starke und ging nicht über 
den sechsten Grad der Heftigkeit nach der Forel'schen Intensitäts- 
Scala ') (d. i. das Umfallen von beweglichen Gegenständen) hinaus. 
Nur von E n g e 1 m a n n s b r u n n bei Kirchberg am Wagram, am Rande 
der nördlichen Donaualluvien, wird der Einsturz einer Mauer als 
Folge dieses Erdbebens angegeben. (Oberlehrer A. Berg er.) Da 
Erschütterungen unter dem vierten Heftigkeitsgrade von dem unvor- 
bereiteten Beobachter wohl meistens ganz übersehen werden und 
sich gleiche Erschütterungen innerhalb des 4.-6. Grades, je nach 
verschiedener Bauart der Häuser, Lage und Zustand der Gegenstände 
in denselben und nach zahlreichen verschiedenen subjectiven 



') Hoernes. Erdbebenkunde S. 181. 
Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1895, 45. Band, 1. Heft. (Dr. IVanz K. Saess.) 



78 F. E Suess. [2] 

Momenten des Beschauers offenbar sehr verschieden äussern können, 
ist es Wühl kaum möglich in einem Gebiete, dessen Erschütterung 
nirgends einen grösseren Grad der Heftigkeit erreicht hat, als es 
eben nothwendig ist, um die Aufmerksamkeit des Beobachters im 
Geräusch des täglichen Lebens zu erregen, verschiedene Grade der 
Heftigkeit an einzelnen Punkten zu unterscheiden und etwa nach 
diesem Gesichtspunkte allein den Ausgangspunkt der Erschütterung 
mit ISicherheit zu ermitteln. 

Unterstützt durch die Erfahrungen bei früheren Erdbeben, 
dürfen wir vielleicht am richtigsten die stärkste pA'Schütterung bei- 
läufig in der Mitte des Schüttergebietes in der Gegend von Graben- 
see (NNW von Neulengbach) annehmen Um 9' 59' wurde daselbst 
ein 3 Secunden dauernder Stoss beobachtet, welcher Wände, Fenster 
und Möbel erzittern machte. Im Hause Nr. 5 wurde ein Wandkasten 
umgeworfen, im Hause Nr. 17 ein Stallfenster aus der Umkleidung 
gerissen. (Schulleiter Hüll.) In den südlichen Orten Neuleng- 
bach, Anzbach, Christofen, Altlengbach und Eich- 
graben war nach verschiedenen Angaben der Stoss ebenfalls sehr 
deutlich fühlbar und von einem donnerähnlichen Rollen und Gepolter 
begleitet. Von Neulengbach wird gemeldet, dass der Stoss auf der 
ganzen Bahnstrecke von St. Polten bis Rekawinkel verspürt wurde. 
„Vögel und Hunde scheuchten auf und waren sehr unruhig." (Ober- 
lehrer Koller) In Altlengbach wird der Stoss mit einer Dauer 
von 2 Secunden (Heinrich Thym), im Annahof in Eichgraben 
5 Secunden (V. Leisching) angegeben. Im Annahof erzitterten die 
Wände der Villa, die Fenster klirrten und eine grosse Hängelampe 
gerieth in schwingende Bewegung. In Rekawinkel soll der Stoss 
schwächer verspürt worden sein. Noch weiter westlich in Pressbaum 
wurde der Stoss nicht mehr wahrgenommen. (Stationsvorstand A. 
S m m a r u g a.) In den südlicheren Ortschaften Klause n-L e o p o 1 d s- 
dorf (Oberlehrer Getschien), St. Corona und Alten markt 
wurde keine Erschütterung mehr wahrgenommen. (Schulleiter R. Piber 
und Fi eblin ge r.) 

Am nördlichen Rande des Wienerwaldes wurden die Ortschaften 
bis in die Gegend von Königstetten im Osten in Mitleidenschaft 
gezogen. Das Innere des Hügellandes scheint aber nicht erschüttert 
worden zu sein. Von Aspernhofen unweit Grabensee (Oberlehrer 
A. Fr eunthal 1 er) , Abstetten (J. Wimmer), Siegharts- 
kirchen (Oberlehrer Frank), Königstetten und Tulbing 
(Oberlehrer H o h 1 a) liegen ziemlich übereinstimmende Meldungen 
vor. Von allen diesen Punkten wird eine Erschütterung von einer 
Dauer von wenigen Secunden, verbunden mit Gepolter von Oben, 
oder einem Getöse, welches mit dem Einfahren eines Lastzuges oder 
dem Echo eines Schusses verglichen wird, Rütteln der Thüren und 
Fenster, Klirren von Gläsern etc. angegeben. In Sieghartskirchen 
sollen zwei donnerähnliche p]rschütterungen verspürt worden sein. 

Im Westen erzitterte das ganze Gebiet des Perschling-Baches 
und der Traisen aufwärts bis Spratzern. Saladorf und Hanken- 
feld im Perschlingthale und das südliche Würmla, ebenso Mur- 
stetten (Oberlelirer A. J. Farnik) dürften nach den Meldungen 



[3] Die Erdersohütternng i. d. Gegond von Neiilongbacb am 28. Jänner l'-Oö. 79 

in annähernd gleichem Grade erschüttert worden sein. In Böheim- 
kirchen scheint die Erschütterung bereits schwacher gewesen zu 
sein. (Oberlehrer J. Dressler in Michelbach.) 

Eine Reihe von Berichten betreifen das Traisenthal. In 
Spratzern, dem südlichsten Punkte der Erschütterung im Traisen- 
thal, schlug, wie der Herr Seminarprofessor E. F. 11 immer an die 
Centralanstalt für Meteorologie berichtete, die Signalglocke an dem 
Wächterhause der Eisenbahn mehrmals an. Nach demselben Gewährs- 
manne waren die Stösse genau 9'' 45' Ortszeit in den höheren Stock- 
werken von St. Polten deutlich bemerkbar. Kästen mit Geschirr 
gaben bei dem Verrücken (!)• klirrenden Lärm; Personen wurden 
in den Betten gerüttelt. 

Uebereinstimmende INIeldungen liegen von den Herren Leopold 
Sangit und F. Krauk aus St. Polten vor. Als Richtung des Stosses 
wird NS angegeben. In Herzogenburg, St. Andrä und Obern- 
dorf an der Traisen sollen in Folge des Stosses vielfach die 
Thüren geöffnet worden sein. (Prof. Rimmer.) Herr Speiser 
meldet aus Herzogenburg, dass daselbst zwei Stösse in der Richtung 
NO — SW fühlbar gewesen sein sollen. 

Aus Inzersdorf a. d. Traisen (H. Czerny) und die ganze 
nähere Umgebung von Traismauer betreffend, und aus Traismauer 
(A. Wiktorin) liegen übereinstimmende Meldungen vor. 

Noch weiter im Osten, in Rossatz bei Krems, wurde ein 
secundenlang dauerndes Rollen beobachtet, wie wenn ein schwerer 
Wagen schnell vorüberfährt; eine Nachtlampe wurde merkbar ge- 
rüttelt (Herr H. Herzog). 

Auf der Bahn von St. Polten ostwärts (Loosdorf) und im Süd- 
osten bei Michelbach (Oberlehrer J. Dressler) wurde von dem 
Erdbeben bereits nichts mehr verspürt. 

Eine weitere Reihe von Berichten betrifft das Alluvialgebiet zu 
beiden Seiten der Donau. Im Süden der Donau scheint der Stoss in 
der Gegend von G e m e i n 1 e b a r n am stärksten gewesen zu sein. 
Schlafende erwachten, Gegenstände fielen um, einzelne Gläser 
zerbrachen, Fenster klirrten, donnerähnliches Rollen etc. In Hilpers- 
dorf war die Erscheinung dieselbe (Zünde 1). Aus St. Georgen 
und StoUhofen, ferner ausPonsee und Bierbaum (K.Fuchs), 
Z w e n t e n d r f (Gf. Rob. A 1 1 h a n n und J. W u r m b a u r), aus M i c h e 1- 
hausen (F. Lintner) Mitterndorf und Atzenbrugg (Dr. F. Glass- 
ner), sowie aus Judenau (Dunkler) wird allgemein nur schwä- 
chere Erschütterung, verbunden mit unterirdischem Rollen, gemeldet. 
Aehnliche p]rscheinungen schilderte Herr Dr. A.Bloch aus Tulln; 
auch in Langen leb arn und Staasdorf wurde das Erdbeben auf 
gleiche Weise verspürt. Vom anderen Donauufer haben wir Nachricht 
aus Neuaigen gegenüber Tulln. Herr Pfarrer J. W^egand schil- 
dert in einem Berichte an die geol. Reichsanstalt die Erscheinung 
als einen vertikalen Erdstoss, welcher im ersten Stockwerke wie 
eine schwere, auf das Dach des massiven Hauses fallende Last, eben- 
erdig wie ein gewaltiges momentanes Heben empfunden wurde. 

In den Ortschaften am Wagram und westlich bis Krems wurde 
den Berichten gemäss die Erschütterung allenthalben verspürt. Aus 



80 F. E. Suess. [4] 

Stetteldorf wurde in Begleitung des Stosses ungefähr 12 bis 
15 Secunden dauerndes und nach und nach verhallendes, starkes 
Rollen gemeldet (Oberlehrer Kölner). In Kirchberg a. Wagram 
sollen zwei Stösse verspürt worden sein, von denen der erste circa 
() Secunden, der zweite, heftigere, 8 Secunden gedauert haben soll 
(Oberlehrer A. Berger). In dem nahen Engelmannsbrunn stiirzte, 
wie bereits oben erwähnt wurde, eine Mauer ein. In Feuersbrunn 
ertönten in manchen Häusern die Hausglocken (Oberl. K. Schreiber). 
In Haindorf bei Langenlois nmss dem Berichte gemäss die Er- 
schütterung schwächer gewesen sein: einige Secunden danerndes 
Rollen wurde wahrgenommen (E. G 1 a s s n e r). Auch am Localbahnhofe 
in G b e 1 s b n r g wurde die Erschütterung bemerkt (G. S c h a c h e r 1). 
Aehnlich, wie an den meisten Punkten, schildert Herr Pokorny, 
Professor an der Realschule in Krems, die Erscheinung; er gibt als 
Zeitpunkt an zwischen 9^' 48-5 und 9'' 49' in mitteleurop. Zeit. In 
Kremsthal soll die Erschütterung stärker gewesen sein, so dass 
daselbst Küchengeschirr von den Stellen herabfiel und selbst Pendel- 
uhren zum Stehen gebracht wurden. 

Aus den nördlicheren Ortschaften im Kampthale liegen nur un- 
sichere Nachrichten vor. In Schönberg am Kamp wurde die 
Erscheinung nicht bemerkt (Oberl. Hanbeck); dagegen wollen in 
Gars einige Leute ein Erdbeben beobachtet haben, können aber 
keine näheren Angaben machen (Oberl. C. F. Fiala). Auch in Hörn 
wurde von dem Erdbeben nichts mehr verspürt (Forst er). 

Dagegen ist es sehr auffallend, dass in den weiter westlich, 
am Rande des böhmischen Massivs, gelegenen Ortschaften Meissau 
und Pulkau ganz übereinstimmende Nachrichten über eine statt- 
gehabte Erschütterung vorliegen. In Meissau und Umgebung beob- 
achteten die Bewohner um 10'^ Abends unterirdisches Rollen, Fenster- 
klirren, Rütteln an den Thüren etc. (Oberlehrer Graf). Aus Pulkau 
gelangte eine Meldung von Herrn A. Sommer direct an die Central- 
anstalt für Meteorologie, welche über ein mehrere Secunden dauerndes 
Poltern, wie von einem rasch vorüberfahrenden, schwer beladenen 
Wagen, um lO'^ Abends berichtet. 

Aus den vorstehenden Angaben ist unmittelbar ersichtlich, dass 
die Region der Haupterschütterung mit den Epicentren der früheren 
Erdbeben an der Kamplinie zusammenfällt. In Bezug auf die 
Umgrenzungen der weiteren Schüttergebiete sind jedoch , wie die 
Kartenskizze auf Seite 83 erläutert, nicht unbeträchtliche Abweichungen 
bemerkbar. — Das Kärtchen zeigt die Umgrenzung des Schütter- 
gebietes vom 12. Juli 1875, bis auf ein kleines Stück des westlichen 
Randes^) (Kreuze); ferner das Gebiet der stärksten Erschütterung 
des Erdbebens vom 3. Jänner 1873, bis auf das äusserste nördliche 
und südliche Ende -) ; die äusserste Grenze des Gebietes, bis zu 



') Nach den Angaben von E. Suess Stzber. d. Akad. d. Wiss. LXXII. Bd. 
1875. 1. Abth. S. 1. 

^) E. Suess. Die Erdbeben Niederösterreichs. Denkschr. d. Math.-uaturw. 
Ol. d. Akad. d. Wiss. Bd. XXXIII. 1873. 



I 51 I^ie Erclerscliüttcriing i. d. Gegend von Neuleiigbach am 28. Jiinner 1895. gl 

welcher damals das riuieiiomen übeiliaiii)t bemerkt wurde, lie^t bereits 
fast vollständig jenseits der Umrahmung des Kärtchens (durchbrochene 
Linie). Die Orte, in welchen das jüngste Erdbeben vom 28. Jänner 
verspürt wurde, sind durch schwar/c Punkte markirt und durch eine 
grobpunktirte Linie umrandet. Man sieht sofort die abweichende 
GevS.talt gegenüber dem Schüttergebiete vom Jahre 1875 Letzteres 
weist vor Allem eine bedeutend grössere Verbreitung gegen West 
auf. Die Ortschaften Maria-Brunn, Dornbach und Kierling in der 
Nähe von Wien, welche damals noch merkbar erschüttert worden 
waren, sind diesmal ganz verschont geblieben. Die nordwestliche 
Ausbreitung bleibt jedoch hinter der Erschütterung zurück, indem 
dieselbe diesesmal bis in die Gegend von Krems und Ilossatz reichte. 
Autfallend nahe fallen die Grenzlinien in der Gegend zwischen 
St. Polten und Michelbach zusammen. Die das Kampthal betretfenden 
Angaben waren auch im Jahre 1875 unsicher, damals bestätigte sich 
aber die Fortsetzung der Erschütterung in dieser Richtung durch 
Stösse in Rapp a. d. Thaya und in Gossau. 

Das Erdbeben vom 3, Jänner 1873 hatte, wie bereits erwähnt, 
eine viel ausgedehntere Wirksamkeit, als die beiden späteren Er- 
schütterungen. Als Maximum des Stosses wurde damals der Hummel- 
hof bei Altlengbach angenommen ; 1895 scheint das Maximum um 
ein weniges beiläufig in der Richtung der Kamplinie gegen Nord 
gerückt zu sein. Die Umgrenzung der Zone heftiger Erschütterung 
erweist deutlich auch für diesen Fall die Tendenz der Bewegung, 
sich nach den verschiedenen Himmelsrichtungen in ähnlicher Weise 
auszubreiten, wie die beiden späteren Erschütterungen ; noch deutlicher 
wird die Aehnlichkeit, wenn man mit in Betracht zieht, dass im 
Süden auch die (irenze der schwächeren Erschütterung am aller- 
nächsten an die in dieser Richtung verkürzte Zone heftigster 
Erschütterung heranrückt, ja nahezu mit dieser zusammenfällt. Am 
auffallendsten ist auch hier das Uebereinstimmen der Lage der 
kürzeren Querachse des Schüttergebietes und das nahe Zusammen- 
fallen der Linien zwischen St. Polten und Michelbach und zwischen 
Pressbaum und Königstetten. 

Was das zerstörende Erdbeben vom 15. und 16, September 
15*J0 betrifft, hat uns die kurz nach demselben erstandene Literatur 
hinreichende Daten bezüglich dessen Verbreitung geliefert. Ich will 
hier noch zweier kleinerer Schriften aus der Bibliothek meines 
Vaters gedenken, welche bei der Besprechung dieses Erdbebens 
im Jahre 1873 noch ausser Acht gelassen worden sind. Die- 
selben sind : 



o^ 



1. Ein Christliche Buszpredigt, Auch Gründtliche vnd auszführ- 
liche Erklärung, der erschröcklichen, grausamen vnd schädlichen 
Erdbeben, so sich im verlaufenen 90. Jahr den 15. Septemb. vnd 
nachmals vielfältig in Oesterreich, und andern vmbligenden gräntzen- 
den Ländern vnd Königreich, erzeigt haben: Gehalten zu Schöngrabern 
in Nider Oesterreich, Anno 1590, den 14. Sontag nach Trinit Durch 
M. David Schweitzern S tutgar di anum; damals Predigern 
daselbsten. Gedruckt zuFranckfurtamMayn, durch Johann Spiesz 1593, 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reicli.'^anstalt, 1895, 45. Band, l. lieft. (Dr. Franz E. Suess.) IX 



82 F. E. Siiess. [6] 

2. Speciiluin terrae luotus, Das ist Erd 15 i de ms Spiegel. 
Darauss iiieiniigklicli zu sehen : Was danioii zu halten sey, Nemlich, 
sie i)edeuten Gottes zorn vnd straffungen, auch sonst vilfeltiges 
Creutz, Anglück, Noth vnd Elend. Gestellt vnd ordentlich zusammen- 
getragen, durch B althas am Masco, Pfarrherrn dess Marcks Losz- 
(lorff in üesterreich vnter der Ensz, Gedruckt zu Nürnberg, djirch 
Leonhard Heuszier. Anno 1591. 

Erstere Schrift hält nicht, was sie dem Titel nach in unserem 
Sinne verspricht, indem der Autor sich durchaus nicht näher auf das 
Erdbeben vom 15. September 1H90 einlässt, sondern sich nur in sehr 
breiten erbaulichen Predigten und Betrachtungen ergeht. Der Pfarr- 
herr von Lossdorf gibt eine Liste der Ortschaften, welche durch das 
Erdbeben argen Schaden gelitten haben ; diese Liste deckt sich aber 
fast vollständig mit derjenigen, welche uns bereits aus den 
„katholischen Predigten" des Bischofs Johann Caspar (Neubeck) 
bekannt ist; neu angeführt werden nur einige wenige Ortschaften 
aus dem Gebiete der damaligen stärksten Erschütterung, wie Baum- 
gart (bei Gemeinlebarn) und Leubersdorf, Atzersdorf und 
in der Gegend von Abstetten und Judenau). Unsere Vorstellung von 
dem damaligen Hauptschüttergebiete mit dem Epicentrum in der 
Ortschaft Thurn (östl. von Christoffen) wird denmach durch die 
beiden genannten Schriften nicht im geringsten beeinflusst und es 
lässt sich auch hier in mancher Hinsicht, wie bereits angedeutet, 
eine auffallende Aehnlichkeit der Schüttergrenze von damals mit den 
später beobachteten nachweisen. 

Nach einer Pause von nahezu zehn Jahren wurde das Schütter- 
gebiet der „Kamplinie" am 28. Januar 18U5 wieder, wenn auch nur 
sehr schwach, seismisch erregt Die stärkste Erschütterung lag aber- 
mals am äusseren Rande der Flyschzone der Alpen (F des Kärtchens), 
die Bewegung breitete sich auch diesmal über das vorliegende 
Miocaengebiet (M), die Alluvien der Donau und einen Theil des 
Böhmischen Massivs (B) aus. Gegen die Kalkzone der Alpen (K) hin 
pflanzte sich, wie auch sonst, die Erschütterung in bedeutend gerin- 
gerem Masse fort ; die Erscheinung wurde in keinem Orte innerhalb 
der Kalkzone wahrgenommen und der Punkt der stärksten Erschüt- 
terung scheint weiter gegen Norden und noch mehr an den Piand der 
Flyschzone gerückt zu sein. Eigenthümlich ist diesem Erdbeben die 
starke Fühlbarkeit in westlichen, bereits innerhalb des böhmischen 
Massivs liegenden Orten (Krems) und eine von den früheren ver- 
sciiiedene Verbreitung gegen Nord. Das Kampthal selbst ist jeden- 
falls nur sehr schwach erschüttert worden, dagegen hat sich in 
Meissau und Pulkau der Stoss noch deutlich fühlbar gemacht: 
es scheint, dass der Stoss, dessen Ausgangspunkt unzweifelhaft in 
unmittelbarer Nähe der früheren Hauptstösse gelegen war, sich 
diesmal in etwas anderer Weise gegen Norden fortgepflanzt hat; 
die beiden Orte liegen unmittelbar am Bande des böhmischen Massivs 
gegen das Miocaen ; vielleicht hat gerade dieser tektonische Gegen- 
satz. Veranlassung gegeben zu einer stärkeren localen Aeusserung 



[71 I>io Krdprscliiittoriins i. d. Go.srend von Noiilongbach am 28. Jünner 1895. 81) 




84 F. E. Suess. [8] 

des Phänomens, indem die Forti)fianzung der P]rdbebenwelle durch 
die vorliegende anders geartete Masse beeintiusst wurde Ein weiterer 
Zusammenhang der Erdbebenphänomene mit dem Gebirgsbau dieser 
Gegend dürfte sich nocli allenfalls darin finden lassen, dass die kürzere 
Querachse der verscliiedenen Schüttergebiete beiläufig mit dem 
Streichen des Gebirges zusammenfällt 



Die stratigraphische Bedeutung der 
Bischitzer Uebergangsschichten. 



Von C. Zahalka. 

Mit eiuer Ziukotypie im Text. 



1. Vorwort. 



Dr. Ant. Fric') unterscheidet in der böhmischen Kreidefor 



mation folgende Stufen von oben nach unten 

Chlomeker Schichten. 
Priesener Schichten. 
Teplitzer Schichten. 



Iser Schichten. 



Malnitzer Schichten. 



Weissenberger 
Schichten. 

Korytzaner Schichten. 
Perutzer Schichten. 



Bryozoenscliichten. 

Trigoniaschichten. 

Zweiter Kokorlner Quader. 

ZwischenpUlner. 

Erster Kokorfner Quader. 

Bischitzer Uebergangsschichten. 

Avellanenschichten. 

Launer Knollen. 

Malnitzer Griinsand . 

Wehlowitzer Planer. 
Dfi'nower Knollen. 
Semitzer Mergel. 



Die Iserschichten sind demnach den Malnitzer Schichten auf- 
gelagert und werden von den Teplitzer Schichten überlagert. Die Iser- 
schichten wurden zuerst von Krejcf') als eine selbständige Stufe der 



>) Studien im Gebiete der böhm. Kreide formatiou. TU. Die Tserscliichten. 

S. 4—7. ^ , . .... 

•) Zweiter Jahresbericht der DurchCorschung von Böhmen. 18b7. Archiv lur 

Laudesdurchf. I. 48. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt. 1895. 45. Band. 1. Heft. (C. Zahalka.) 



86 C. Zahälka. [2] 

böhmischen Kreideformation angeführt. Es geschah besonders wegen 
ihrer orographisclien Bedeutung. Die stratigraphische und pahaeon- 
tologische Begründung der Selbständigkeit der Iserschichten \Yurde 
von Fric versucht'). 

Schon im Jahre 1868 wird in den Verhandlungen der k. k. geo- 
logischen Reichsanstalt in Wien von Schlönbach") nachstehende 

Ansicht über die Iserschichten geäussert: so würde sich aus 

Obigem in Betreff der Frage nach dem Alter der Isersandsteine als 
sehr wahrscheinlich das Resultat ergeben, dass dieselben älter sind 
als die Hundorfer Scaphiten Schichten (Teplitzer Schichten) und wahr- 
scheinlich der oberen Abtheilung des Pläner-Bausandsteines, dem 
Exogyren-Sandstein und Grünsandstein der Gegend im Norden der 
Eger, d. h. also der Zone des Tnocerannis Brongniarti^) entsprechen." 
Zur F]hre des verdienstvollen Forschers der k k. geologischen Reichs- 
anstalt — Schlönbach — sei gesagt, dass er die stratigraphische 
Bedeutung der damaligen Iserschichten richtig aufgefasst hat. 

Es ist interessant, dass zur selben Zeit auch Gümbel die 
Iserschichten nicht für ein selbständiges Glied der böhmischen 
Kreideformation hielt: er schreibt'^): „Wir denken uns also hier den 
sogenannten Isersandstein zerlegt in eine untere Sandsteinbildung als 
Facies der Libocher Schichten und in eine obere kalkig-sandige als 
Facies der vereinigten Malnitz-. Hundorf- und Callianassen-Schichten." 
Die Deductionen und der Schluss Gümbel's sind zwar nicht ganz 
richtig,' doch ist er aber im Allgemeinen zu derselben Ansicht wie 
Schlönbach gekommen: die Iserschichten sind kein selbständiges 
Glied der böhmischen Kreideformation. 

Es ist auch wichtig zu erwägen, dass, sobald wir die Selb- 
ständigkeit der Iserschichten in der böhmischen Kreideformation 
aufgeben, die Gliederung der böhmischen Kreideformation s) mit 
jener der angrenzenden Länder: Bayern^] und Sachsen^), überein- 
stimmt. 

Obwohl die Ansichten Schlönbach's und Gümbel's nicht 
widerlegt wurden, hielten doch Krejci und Fric auch weiter die 
Iserschichten für eine selbständige Stufe der böhmischen Kreide- 
formation '^). Im Jahre 1883 veröffentlichte Fric in der Reihe seiner 
Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation seine Arbeit 
über die Iserschichten •'). Hier finden wir zuerst die ausführliche 
Beschreibung der einzelnen Horizonte der Iserschichten. Alle charak- 



') Iserschichteu. iS. 2. 

^) Die Kreideformation im Iser-Gebiete iti Böhmen. 1808. S. 255 und 25(5. 

•■') Malnitzer Schichten bei Frir. 

') Beiträge zur Kenntni.ss der Procän- oder Kreideformation im nordwe.^^tlichen 
Böhmen etc. AbliandJ. d. m. ph. Cl. d. kön. baver. Akad. d. Wissen.sch. X. Bd. 
II. Abth. 18G8. S. 538. 

°) »Schlönbach: Die Brachiopoden der b()hm. Kreid(iform. Jb. d. k. k. 
geol. K.-A. Wien. 18G8. S. 139. 

*•) Gümbel: Beiträge zur Kenntniss etc. S. 505 und 506. 

') Geinitz: Das Elbethalgebirge in HacliHen. I. 1871. -- 5. S. l7. 

^) Archiv f. d. Lande.sdurchC. f. Biihmen. 1870. I. Bd. U. Sect. Die Weisseu- 
berger und Malnitzer Schichten. 1878. S. 151. 

°) Archiv der naturw. Landesdurchf. f. Böhmen. V. Bd. Nr. 2. 



[3] Stratigr. Bedeutung der Biscliitzer Uebergangsschichten. 87 

teristisi'hen Horizonte dieser Stufe fallen in die weitere Umgebung 
vom Georgsberg (Rip) bei Raudnitz, welche mir seit dem Jahre 1881 
Anlass zu eingehenden geologischen Studien gegeben hat. Es sei mir 
darum gestattet, die einzelnen Horizonte der Iserschicliten Fric's 
einer näheren Prüfung zu unterziehen. 

In der Umgebung vom Georgsberg, besonders auf den steilen 
Ufern der Elbe und an den Thalgehängen des naheliegenden Eger- 
flussgebietes, sind alle Schichten der hiesigen Kreideformation zu- 
gänglich, und man ist im Stande, die Schichten Schritt für Schritt 
auch in die Nebenthäler bis zu den charakteristischen Fundorten — 
nach denen Fric seine Stufen und Horizonte der böhmischen Kreide- 
formation benannte — zu verfolgen. Auf diese Weise kann man die 
Horizonte der Iserschichten bei Kokofin mit jenen bei Raudnitz und 
Laun parallelisiren. Ich habe alle Schichten der Kreidegebilde bei 
Raudnitz Bank für Bank in der vertikalen Reihe von unten nach 
oben petrologisch und palaeontologisch durchstudirt, ihre Mächtigkeit 
und Meereshöhe bestimmt und in zahlreiche Trofile und geologische 
Karten (im Maasstabe 1 : 25.000) eingetragen. Das Resultat dieser 
Beobachtungen war, dass ich die Kreideformation in der Umgebung 
vom Georgsberg in zehn Zonen eingetheilt habe, die ich von oben 
nach unten der Kürze wegen mit römischen Ziöern bezeichne : 

Zone X. 
Zone IX. 
etc., bis 
Zone I. 



C. Zahälka. 



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[5] 



Stratigr. Bedeutung der Biscliitzer Uebergangsschichten. 



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Jahrbuch d. k k. geol. Reichsanstalt, 1895, 45. Band, l. Heft. (C. Zahälka.) 



12 



90 ^- Zahälka. [6J 

Die aufeinander folgenden Zonen unterscheiden sich palaeon- 
tologiscli, petrographiscli und physilvalisch von einander. Bei der Aus- 
scheidung der einzelnen Zonen habe ich aber auch auf die von Krejcl, 
besonders vonFric ausgeschiedenen Horizonte Rücksicht genommen. 

Ich bin bald darauf gekommen, dass manche Mergelschichten 
des Kreidesystems von Raudnitz gegen die Sudeten zu mehr und 
mehr sandig werden und in derselben Richtung auch immer mäch- 
tiger werden, was besonders von den höheren Zonen VIII und IX 
gilt. Mit der Veränderung des petrographischen Charakters der 
Zonen ändern sich aber auch die palaeontologischen Verhältnisse. 
Diese Faciesveränderung kann beim oberflächlichen Studium leicht 
übersehen werden. Das wäre die Ursache, warum die Iserschichten 
als eine selbständige Stufe der böhmischen Kreideformation aus- 
geschieden wurden. Die Horizonte der Iserschichten im 
I sergebiete — mit Ausnahme der Bischitzer Schichten 
bei Bischitz — sind nur Facies der Malnitzer Schichten 
bei Laun. 

Ausführliche Beschreibungen i) der genannten zehn Zonen in 
der Gegend zwischen dem Egerflusse (Libochovitz) bis in die Mitte 



') Orograficko-geologick^ pfehled okoli fopu. (Orographisch - geologische 
Uebersicht der Umgebung v. Georgsberg.) Raudnitz, 1894. 

Petrografickä studia v kfidov^ni ütvaru okoli fiipu. (Petrographiache Studien 
in der Kreideformation der Umgeb. d. Georgb.) Sitzungsberichte d..kön. böhm. 
Gesellsch. d. Wissensch. Prag, 1893. 

Geotektonika kfidov^^ho ütvaru v okoli Ripu. Se 4. obr. (Geotektonik der 
Kreideform, in d. Umgeb. v. Georgb. Mit 4 Fig.) Sitzungsber. d. kön. böhm. 
(TGsellsch. d. Wissensch. Prag, 1893. 

O tfech nejstarsich päsmech kfid. ütv. v okoli Kipu. (Ueber die drei 
ältesten Zonen der Kreideform, in d. Umgeb. v. Georgb.) Sitzungsber. d. kön. 
böhm. Gesellsch. d. Wissensch. Prag, 1893. 

Stratigrafie ütv. kfid. v okoli fopu. Päsmo IV a. V. S. 3(5 profily. (Strati- 
graphie der Kreideform, in d. Umgob. v. Georgb. Zone IV u. V. Mit 36 Profilen.) 
Raudnitz, 1893. 

Päsmo VI ütv. kfid. v okoli l^ipu. (Die Zone VI der Kreideform, in d. 
Umgeb. V. Georgb.) Sitzungsber. d. kön. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. Prag, 1893. 

Päsmo VII ütv. kfid. v okoli fiipu. (Die Zoue VII der Kreideform, in d. 
Umgeb. V. Georgb.) Sitzungsber. d. kön. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. Prag, 1893. 

Päsmo VIII ütv. kfid. v okoli fiipu. S 1 profilem. (Die Zoue VIII der 
Kreideform, in d. Umgeb. v. Georgb. Mit 1 Profil.) Sitzungsber. d. kön. bcihm. 
Gesellsch. d. Wissensch. Prag, 1893. 

Päsmo IX ütv. kfid. v okoli Äipu. (Die Zone IX der Kreideform, in d. 
Umgeb. v. Georgb.) Raudnitz, 1894. 

Päsmo IX ütv. kfid. v okoli ßipu. fiepinske podoli. Se G profily. (Die 
Zone IX der Kreidelbrm. in d. Umgeb. v. Georgb. Das iftepiner Thal. Mit G Profilen.) 
Sitzungsber. d. kön. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. Prag, 1895. 

Päsmo IX ütv. kfid. v okoli fopu. Jeuichovske podoli. S 1 prof. (Die 
Zone IX der Kreideform, in d. Umgeb. v. Georgb. Das Jenichower Thal. Mit 
1 Prof) Sitzungsber. d. kön. böhm. (lesellsch. d. Wissensch. Prag, 1895. 

Päsmo IX ütv. kfid. v okoli fi,ipu. Nebnzelskc podoli. S 1 prof. (Die 
Zone IX der Kreideform, in d. Umgeb. v. Georgb. Das Nebuzeler Thal. Mit 1 I^'rof ) 
Sitzungsber. d. kön. böhm. (üesellsch. d. Wissensch. Prag, 1895. 

Päsmo X ütv. kfid, v okoli fti})U. S 2 tab. (Die Zone X der Kreideform. 
in d. Umgeb. v. Georgb. Mit 2 Taf.) Sitzungsber. d. kön. b()hm. Ciesellsch. d. 
Wissensch. Prag, 1894. 

Geologickä mapa a geologick^ profily okoli fopu. (Geologische Karte und 
geoiegisohe Profile der Umgeb. v, Georgb.) Rauduitz, 1894. 



[7] 



Stratigr. Bedeutung der Bischitzer Uebergangsschichten. 



91 



des Dcaubaer Gebirges verört'entlichte.icli in den -laliren 1H93 — 1895 
mit vielen detaillirten l*rofilen (Das Verhältniss der Höhe gewölmlich 
1:500 bis 1:250) und mit einer geologischen Karte (im Maassstabe 
1 : 25.000). Ich benutze die Resultate meiner Beobachtungen als Grund- 
lage für die folgenden Auseinandersetzungen und werde dabei auf 
meine diesbezüglichen Arbeiten hinweisen. 

Die genannten zehn Zonen bei Raudnitz entsprechen als Aequi- 
valente nachstehenden Fric'schen Horizonten der Kreidegebilde bei 
Kralup, Melnik und Kokoffn: 



Fric's Horizonte bei Kralup, Melnik und Kokorin 



Prieaener Schichten ? ') 
Teplitzer Schichten. 



Iser- 
schichteu. 



Bryozoenschichten '). 
Trigoniaschichten. 
Zweiter Kokofiner Quader. 
Zwischenpläner. 



Erster Kokofiner Quader. 



Malnitzer Grünsand in Wehlowitz, 



Wehlowitzer Pläner. 



Weissen- 

b erger 

Schichten. 



Dfinower Knollen '). 



Semitzer Mergel. 



Ziiliälka's 

Zonen 

bei Raudnitz 



X. 



IX. 



VIII. 



VIT. 



VI. 



IV. 



III. 



Korytzaner Schichten. 



11. 



Perutzer Schichten. 



') FriÖ rechnet einmal den Inoceramen-Pläner (X d.) zu den Teplitzer 
Schichten (Kohatetzer Auh()he), weil ich aus denselben Terebratula semiglobosa an- 
führe, ein anderesmal zu den Priesener Schichten (z. B. am Sowitzberg), obwohl 
sich dort auch TerebrafiUa semiglobosa vorfindet. 

^) Bei Kaudnitz, wo die Zone IX nur 10 m mächtig ist und die Schichten 
nur wenig von einander abweichen, kann man die Zone IX in ihre Horizontt.: 
Zwischenpläner etc. bis Bryozoenschichten nicht eintheilen, sondern erst weiter von 
Raudnitz gegen das Daubaer-Gebirge und das Isergebiet zu, wo diese Zone sehr 
an Mächtigkeit und Mannigfaltigkeit der Schichten zunimmt. 

^) I)ie unteren Schichten der Zone VIII zählte Friß: in Wehlowitz zu den 
Launer Knollen und Avellanenschichten, in der Umgebung von Melnik sammt der 
Zone VII zu den Bischitzer Schichten (Hledfeebi, Zimof), in Bechlin bei Raudnitz 
zum Wehlowitzer Pläner; die ganze Zone VIII bei Lipkovitz (unweit Raudnitz) zum 
Wehlowitzer Pläner, am Sowitzberge bei Raudnitz zu den Bischitzer Schichten etc. 

*) Die Zone V wurde von Fric entweder übersehen, oder nur ein geringer Theil 
derselben an verschiedenen Orten zu verschiedenen von seinen Horizonten gezählt. 

') Die Bischitzer Uebergangsschichten bei Bischitz sind der höchste Theil 
der Zone IV. 

12* 



92 ö- Zahalka. [8] 

In derselben Weise, wie von dem Egerfliisse bis in das Iser- 
gebiet, will ich unsere zehn Zonen auch nach dem Egergebiete bis 
in die Umgebung von Laun (Malnitz) verfolgen, um das Verhcältniss 
der Iserschichten zu den Malnitzer Schichten klar zu machen. Zur 
Veröffentlichung dieser detaillirten Arbeiten werde ich aber noch 
eine grössere Zeit brauchen, da ich als Mittelschul-Lehrer nur meine 
Ferien geologischen Arbeiten widmen kann. 

Indessen will ich bemerken, auf was ich schon in meinen Ar- 
beiten über die zehn Zonen aufmerksam gemacht habe. Wenn man 
annimmt, dass Fric seine Weissenberger Schichten in Malnitz sicher 
bestimmt hat, das heisst, wenn die höchsten Schichten der Weissen- 
berger Schichten r (siehe Fric's: Weissenberger und Main. Schichten. 
Prof. Nr. 15) zu dem Wehlowitzer Pläner gehören, so wäre unsere 

Zone VI = den höchsten Weissenberger Schichten bei Malnitz ; 

weil aber nach Fric auf den Weissenberger Schichten r bei Malnitz 
der Malnitzer Grünsand liegt, wie in Wehlowitz auf der Zone VI die 
Zone VII (die Fric in Wehlowitz als Aequivalent des Malnitzer Grün- 
sandes hält), so wäre unsere 

Zone VII = dem Malnitzer Grünsande bei Malnitz. 

Nun ruht auf der Zone VII bei Raudnitz die Zone VIII mit der- 
selben palaeontologischen und petrographischen Beschaffenheit wie bei 
Malnitz die Fric'schen Launer Knollen, welche Reuss Exogyren- 
Sandstein von Malnitz nannte ; so wäre unsere 

Zone VIII = den Launer Knollen. 

Ueber der Zone VIII bei Raudnitz und über den Launer Knollen 
an dem Egerufer in Laun liegen palaeontologisch und petrographisch 
sehr ähnliche Zonen : Zone IX bei Raudnitz. Avellanenschichten in 
Laun (Fric: Weissenb. u Main. Seh. Prof. 16a — F). Schliesslich 
wäre also unsere 

Zone IX -^ den Avellanenschichten, 

auf denen wie bei Raudnitz so in Laun als Hangendes die Teplitzer 
Schichten (Zone X) liegen. 

Wenn wir das soeben Gesagte mit der vorhergehenden Tabelle 
vergleichen, so würde sich provisorisch folgendes Verhältniss bei den 
Iserschichten ergeben : 



[9] 



Stratigr. Bedeutung der Bischitzer Uebergangsschichten. 



93 



Frif 


's Hori/oiite bei Meliiik 
und Kokofiii 


Kaliälka's 
j bei Kaudnitz 


Fric's Horizonte bei Lji 
und Maliiitz 


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Priesener Schichten? 
Teplitzer Schichten. 


X. 

1 


Priesener Schichten ? 
Teplitzer Schichten. 


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Bryozoeuschichten. 

Trigoniaschichten. 

II. Kokofiner Quader. 

Zwischeupläiier. 

I. Kokofiner Quader 
(Untere Abtheilung der 
Zone VIII). 


1 

IX. 

j 


1 

' Avellanenschichten. 


Malnitzer Schichten. 


vin. 


Launer Knollen. 


Main. Grünsand in Wehlowitz. 


VII. 


Malnitzer Grünsand. 


Weissenberger 
Schichten. 


(-Wehlowitzer Pläner. 


VI. 


Weissenberger Schichten. 


(Unsere Zone V.) 


V. 


Dfinower Knollen. 


IV. 


Semitzer Mörgel. 

1 


III. 


Korytzaner Schichten. 


II. 


Korytzaner Schichten. 


Pen 


itzer Schichten. 


I. 


Perutzer Schichten. 


1 



Ich behalte mir vor, das Verhältniss zwischen unseren Zonen 
bei liaudliitz und den Malnitzer Schichten bei Laun und Malnitz nach 
Beendigung meiner Studien im Egergebiete entweder zu bestätigen 



oder zu berichtigen. 



2. Bischitzer (Bysicer) Uebergangsschichten. 

Frißi) gibt folgende Definition dieser Schichten: „Als Bysicer 
Uebergangsschichten fasse ich die sämmtlichen sandigen knollen- 
ftihrenden, stellenweise quaderartigen oder plänerigen Ablagerungen 
zusammen, welche zwischen den Malnitzer Schichten und dem ersten 
Kokofiner Quader liegen." Als typische Localitäten der Bischitzer 
Schichten werden unter anderen Bischitz (Bysic) und Cecelitz^) be- 
zeichnet. 

Die Zone IV ^j besteht von Kaudnitz bis in die Umgebung von 
Melnik, also auch bei Bischitz, aus sandigen Mergeln, die mit festen 
Bänken sandiger Kalksteine abwechseln. Die höchsten Schichten 
dieser Zone sind in der ganzen Gegend von Raudnitz bis nach Bischitz 



') Iserschichten S. 8. 

*) Iserschichten S. 8, 26, 27. Fig. 14. Seh. 5. 



^) Siehe Zone IV^ besonders S. 25 — 29 und dazu gehörige Profile. 



'94 ö. Zahälka. [10] 

(lurdi grosse Mengen von groben Glaukonitkörnern sehr gut charak- 
terisirt. Die Mächtigkeit der Zone ist bei Raudnitz 45 ///, gegen 
Mehiik zu ist sie geringer — oO ni. Das I^iegeude bilden feuchte 
Mergel der Zone III (Friö's Semitzer Mergel), das Hangende die 
Zone V. Die Zone V wurde von Fric stellenweise übersehen, stellen- 
weise wieder zu verschiedenen von seinen Horizonten der Kreide- 
formation gezählt^). Sie ist bei Raudnitz 20 y/»», gegen Melnik zu wird 
sie immer mächtiger — bis 30 ni. Bei Raudnitz enthält sie einen 
weichen feuchten Mergel mit einer (^uadersandsteinbank von einer 
.Mächtigkeit von O'li m. Diese Zone V wird aber von Raudnitz gegen 
Melnik zu immer sandiger, so dass sie bei Melnik in eine sandige 
Facies übergeht. Ihre Quadersandsteinbank, reich au Rhynchonellen, 
wird in derselben Richtung immer mächtiger auf Unkosten anderer 
Schichten dieser Zone, so dass sie z. R. l)ei Liboch (Wehlowitz) schon 
11 m beträgt. Einen Theil dieser Quadersandsteinbank (3' mächtig) 
von Liboch erwähnt schon GttmbeP); die tieferen Schichten, unserer 
Zone IV angehörend, in Liboch, hat er als sogenannte Libocher 
Schichten^) ausgeschieden. Da der untere Isersandstein (I. Kokofiner 
Quader) im Wrutitzer (Kokofiner) Thale bei Melnik^), wie ich bewies''), 
zu unserer Zone A'HI gehört, also bedeutend jünger ist als die Zone 
IV (Gümbel's Libocher Schichten), so kann der untere Isersand- 
stein (I. Kokofiner Quader) im Wrutitzer (Kokofiner) Thale nicht 
als Facies der Libocher Schichten betrachtet werden, wie G um bei 
glaubte 4) ! 

Meine Zone IV ist identisch mit Fric's Dfinower Knollen. 
Fric hat diese Schichten am Vrchlabec^) bei Raudnitz sammt den 
obersten glaukonitischen Bänken^) ganz richtig erklärt. Auch con- 
statirte er an demselben Orte als Hangendes der Dnnower Knollen 
die Ostreen - Schichte^), über welche er sagt 9): „Die Abgrenzung 
dieser Schichten (Drlnower Knollen) nach oben hin geschieht an 



') ZoDe V, S. 31, 32, 51, Gl, G3, 64. Zone IV, S. 17, 56 und dazu ge- 
hörige Profile. 

-) Beitrüge zur Kenntnis« d. Procän etc. ö. 535. 

^) Ebendiis. S. 535. 

*) (iümbel: Beiträge zur Keuntuiss d. Procän etc. ^5. 536, 537. 

^) Siehe Zone VIII. 

®) Die Weissenberger und Malnitzer Schichten. S. 78. 

') Dieselben höchsten glankonitischeu Bänke der Dfinower Knollen am 
rechten Elbeuler unter und ober dem Fusssteige, der sich von Brozanek längs des 
Ufers nach Kischkowitz hinzieht (Weissenb. u. Mahiitz. Seh. S. 84, Zeile 6 — 17), hat 
Fric als „höchste Schichten des Wehl o witzer PI an er s und als die 
K epräsentan ten der Mal nitzer Schi cht en" bezeichnet. Ich habe nach- 
gewiesen (Zone IV, S. 19; Zone V, S. 5; Zone VII, S. 5; Profil 9, Zone IV, V, 
VI, VII, Profil 39"), dass dex Wehlowitzer Pläner (Zone VI) am beschriebenen 
Orte um 22-8 m und die Malnitzer Schichten (Zone VII) um 27'2 in höher liegen 
als Friß's vermuthliche Wehlowitzer und Mahiitzer Schichten. 

") Frid glaubt, dass diese Ostreen - Schichte auch häufig JiHorjjhospongia 
riKjoisa enthält. Dies ist ein Irrthum. Die Amorjßwsp. riu/oaa befindet sich hier 
nicht in dieser Schichte, sondern häufig in der Schichte 5 und 7 der Zone IV 
(Dfinowel- Knollen), nahe unter der Ostreen -Schichte. (Siehe Zone IV, S. 14, 
Profil 7. Seh 5, 7.) 

®) Weissenb. u. Main. Seh. S. 13. 



[11] Stratigr. Bedeutung der Bischitzer Uobergangsschichten. 95 

gut aufgeschlossenen Localitäten (Bezdekow bei llaudnitzi) durcli 
eine Schichte mit Ostrea i^emi plana, und verschiedenen Spongien 
(Id^alprofil Ih'Y. Diese Ostreen- Schichte am Vrchhabec ist die 
unterste Schichte meiner unteren Zone V^). Da nun der Rhynclio- 
nellen-Qufidersandstein bei Kaudnitz und Mehiil\, also aucli in Liboch 
und Wehlowitz jünger*) ist als die genannte Ostreen-Schichte, So 
können wir den Rhynchonellen-Quadersandstein nicht wie es Fric 
gethan liat^) zu den Drinower Knollen rechnen. Nach Fric sollte 
man also, da die Ostreen-Schichte die Dfinower Knollen nach o])en 
hin abgrenzt, den über dieser Ostreen-Schichte folgenden Quader- 
sandstein zu Fric's Wehlowitzer Planer^) (meine Zone VI) ein- 
reihen; aber Fric's Wehlowitzer Flauer ist vom Rhynchonellen- 
Quadersandstein noch durch einen mächtigen Schichtencomplex abge- 
theilt (meine höheren Schichten der unteren Zone V, die über den 
Quadersandstein liegen, und meine obere Zone V — siehe dieselben 
Profile wie unter 4) ; daraus erfolgt, dass wir den Quadersandstein 
auch zu dem Wehlowitzer Pläner (Zone VI) nicht rechnen können. 
Es ist also gerechtfertigt — neben anderen Gründen"^) — dass icli 
zwischen den Dfinower Knollen (Zone IV) und dem Wehlowitzer Pläner 
(Zone VI) eine selbstständige Zone V ausgeschieden habe. Dabei 
muss ich noch bemerken, dass Fric^) den Rhynchonellenquader in 
Bechlin bei Raudnitz richtig über die Ostreen-Schichte stellt, aber in 
seinem Idealprofile '-^j der Weissenberger und Malnitzer Schichten, 
übereinstimmend mit seiner Charakteristik derselben Schichten ' "^^ 
stellt er denselben Quader unter seine Ostreen-Schichte. Das ge- 
nannte Idealprofil stimmt also nicht mit der Natur überein. 

Da ich die Zone IV (Dfinower Knollen) zwischen der Zone III 
(Semitzer Mergel) und V von Raudnitz über Melnik nach Pfi'wor, 
Wschetat, Cecelitz und Bischitz, auch von Melnik über Wrutitz und 
Hostina na^h Bischitz (siehe Prof. 39 a, 6 und 41) nach der schon 
früher angegebenen Weise, einige Jahre Schritt für Schritt verfolgt 
habe, so war es für mich ein Leichtes, alle diese drei Zonen (saninit 
den höheren) auch in der Umgebung von Bischitz mit Sicherheit zu 
constatiren 1^). Die Zone IV war bei Bischitz, wie bei Melnik 30 m 
mächtig, sie hat als Hangendes die Zone V, als Liegendes die Zone 



') Am Vrchliibee. 

-) Ebendaa. fS. 8. 

•'') Zone V, S. 39, Profil 7. Seh. V. 

") Zone V, S. 39—41. Prof. 15. Z. V, d. 2. — S. 41. Prof. 16. V. d. 2. — 
S. 43. Prof 24. V. d. ä u. 3. S. 45. Prof. 9 V. d. 2. - S. 46. Prof. 1. V. d. 2. 
— S. 48, 49. Prof. 10. V. d. 2-9. — S. 53. Prof 19. V. d. 2. S. 55. Prof 20. 
V. d. 3—5. — S 56. Prof. 30. S. 57. Prof 32 V. d. 10, 11. — S. 58. Prof 33. 
V. d. 9, S. 59. Prof. 11. V. d. 6. 

•') Weissenb. u. Malnitz. Seh. S. 84, 85. Flg. 31. r. Isersehichten. S. 21. F. 9, 2. 

'') Weisseub. u. Malnitz. Seh. S. 8, 15-16. 

') Zone V, S. 32. 

«) Weisaenb. u. Malnitz. Seh. S. 78, 79. Fia-. 26 r. 

■') Ebenda«. S. 8. 
">) Ebenda«. S. 13. 
") Zone IV, Ö. 25—29. Prof, 12, 13, 14, 41. 



96 Ö. Zahälka. [12] 

in gehabt ; sie war von derselben physikalischen und petrographischen 
Beschaffenheit wie überall bei Raudnitz und Melnik, besonders waren 
die höheren charakteristischen Schichten wie bei Raudnitz und Melnik 
sehr glaukonitisch. Wie wurde nun diese Zone IV, dass heisst Fric's 
I)f fnower Knollen bei Bischitz von F r i c ') erklärt ? Folgenderinassen 
(siehe beiliegende Tabelle): 

a) Die unteren Schichten (bei Fric Schichte 2; bei mir Schichte 
1 bis 24) bestimmte Fric ganz riclitig als Dh'nower Knollen. 

h) Die mittleren Schichten (bei Fric Schichte 3; bei mir 
Schichte 25 bis 33 in dem unteren Steinbruche), bestimmte Fric 
als Wehlowitzer Pläner. Hätte Fric die Kreidegebilde vom parallelen 
Profile'O unterhalb der Bischitzer Kirche, vom Steinbruche hinauf gegen 
Hostfn zu verfolgt (Siehe nebenstehende Fig. 1) — selir schön sind 
die Zonen am westlichen Abhänge dieser Anhöhe zwischen Wrutitz 
und Hostina entblösst^) — so würde er seinen Wehlowitzer Pläner 
(Zone VI) viel höher nach der Mächtigkeit — fast um 36 ml — 
über seinem vermuthlichen Wehlowitzer Pläner gefunden haben. (Ein 
ähnlicher Irrthum geschah bei Fric, wie ich schon angegeben habe, 
am Fusssteige zwischen Brozanek und Kischkowitz.) 

c) Die darauf folgenden Schichten (bei Fric Schichte 4; bei mir 
Schichte 34 bis 39 im oberen Steinbruche) bestimmte Fric als seine 
Malnitzer Schichten. Hätte Fric die Kreideformation in ähnlicher 
Weise wie ad h verfolgt, so hätte er das Aequivalent seines Malnitzer 
Grünsandes in Wehlowitz '•) (Zone VII, siehe Fig. 1. Zone VII) ober- 
halb des W^ehlowitzer Pläners (Zone VI), reich an charakteristischen 
Versteinerungen dieser Zone, gefunden, weil er denselben Horizont 
im Wehlowitzer Steinbruche ■') oberhalb seinem typischen Wehlowitzer 
Pläner erklärte ß). Die Lage der Malnitzer Schichten ist demzufolge 
in der Umgebung von Bischitz fast um 35 ml höher als es Fric 
angibt. (Einen ähnlichen Irrthum beging Fric am Fusssteige zwischen 
Brozanek und Kischkowitz.) 

d) Die höchsten Schichten der Zone IV (Dfinower Knollen) 
(bei Fric Schichte 5; bei mir Schichte 40 bis 46) bestimmte Eric 
als einen selbstständigen, typischen, untersten Horizont 
der I s e r s c h i c h t e n und nannte sie Bischitzer TJ e b e r- 
gangss chich ten. Sie sind nach Eric reich an Fischschuppen. 

Wir wollen noch das Hangende dieser Bischitzer Schichten bei 
Bischitz erwähnen, weil es für diese Frage sehr wichtig ist. Bei Fric 
bilden das Hangende die beiden Kokoflner Quader und die tiefsten 



') Iserschichten. S. 26, 27. Fig. 14. Seh.' 2 — 5. 

^) Tserschichten. S. 27, Zeile 17 bis G von unten. Vergleiche mit meinem 
Profil 13. 

^) 8iehe mein Profil 34. Dann Zone V, S. 60. Zone VI, S. 17. 

') Zone VII, S. 11 u. 12. Prof. 34. Seh. 1 -8 der Z. VII. 

■') Wehlowitzer u. Maluitz. Öch. S. 86. 

^) Dazu muss ich aber noch bemerken, dass ich auch zu diesem Horizonte 
(Zone VII) im Wehlowitzer Steinbruche die erste Reihe von den grauen Kalkknolleu 
rechne. Dieselbe ist reich au Versteinerungen und Friß glaubt, dass sie zu den 
Lauuer Knollen gehört. 



Zahälka's Profil 



Bischitz. 

(Jipfel d. öteiubruches unter d. Kirche. 



rr. .~ 



3-0 





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7. Grauer Sandmergel uuten grobkörnig .... 

G. Grobkörniger grauer Sandniergek Fest ■ Bank 

1 — 5. Grobkörniger grauer tSandniergel mit Khvn- 

chonellen. Unten eine Keihe Kugeln von 

bläulichem 8and. Kalkstein 2'G 

209-1 



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Sandmergel, grau 

Sandmergel, grau | 

Saudiger Kalkstein, bläulich; eine Bank 

Sandmergel, grau J 

Sandmergel, grau 

Saudmergel, grau 

Saudmergel, grau .1 

Keihe v. Kugeln d. Sand. Kalksteines \ eine Bank 

Sandmergel, grau J 

Saudmergel, grau 

Saudmergel, grau 1 

Keihe v. Kugeln d. Sand. Kalksteines J eine Hank 

Saudmergel, grau ) 

Derselbe Sandmergel wie 5. au der Strasse . . 
Reihe v. Kugeln eines bläul. Sand. Kalkstein 

SandmergeJ, grau 

Nr. 143 in Bischitz. 
Keihe v. Kugeln eines bläul. Sand. Kalkstein 
Sandmersel, grau 



0-9 
0-1 
0-3 
0-G 
1-0 
02 
0-1 
0-3 
0-6 
1-0 
0-4 
0-3 
0-3 
1-7 
0-2 
1-0 

0-2 
10 



Graue Sandraergel 

wechseln 

mit 

festen Bänken bläulichen sandigen Kalksteines. 

Zugänglich 

in 

den 

Bischitzer Brunuen. 

Auf 

ihnen 

steht 

das Dorf Bischitz. 



215 m ü. d. M. i Xa nee 



> ^ . 



a 
o 
S3 









Zone III. KoSäteker Thalboden. 179 m ü. d. M. j Zone 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1895, 45. Band, 1. Heft. (C. Zahälka.) 



Cecelitz. 



7a\ Seite 96 [12]. 

Fric's 
Profil Nr. 14. 



224 ;// ü. d. M. 



uer Siiiidmergel mit hiocer. Bron 

bkörnige g-nmc. Sandmergel, in der Mitte 

stere B;uik. Unten liliynchouellen . . . . 4^8 . ^ 

i. Kalkstein mit Kbynchonelleii. Bläu- ( ö 

h • •• • ' 0-2 

218 



\ 



idmergel grau mit vielen Fucoiden 
id. Kalkstein, bläul. Feste Bank . 

dmergel, grau 

id. Kalkstein, bliinl. Feste Bank . 

idmergel, grau 

id. Kalkstein, bläul. Feste Bank. 

aukouitisch 

fdmergel, grau. Sehr glaukonitisch 
d. Kalkstein, bläul. Feste Bank. 

aukonitisch 

dmergel, grau. Sehr glaukonitisch 
d. Kalkstein, bläul. Feste Bank 
dmergel, grau, (ifenug glaukonitisch 
d. Kalkstein, bläulich. Feste Bank 
dmergel, grau. Sehr glaukonitisch 
d. Kalkstein, bläul. Feste Bank . 
dmergel, grau. Sehr glaukonitisch 
d. Kalkstein, bläul. Feste Bank 
imergel, grau. Wenig glaukonitisch 
I. Kalkstein, bläul. Feste Bank . 

imergel, grau 

i. Kalkstein, bläul. Feste Bank 

imergel, grau 

1. Kalkstein, bläul. Feste Bank . 

Imergel, grau 

". Kalkstein, bläul. Feste Bank . 
Imergel, grau. Etwas glaukonitisch 

Kalkstein, bläul, Ft ste Bank . 
mergel, grau 

Kalkstein, bläul. Feste Bank 
mergel, grau (Hinter Nr. 123 in Öeöel 



Sehr 



Sehr 



Kalkstein, bläul. Feste Bank. (Bei 

123 in Ceöelitz) ... * 
mergel, grau 

Kalkstein, bläul. Feste Bank .... 
mergel, grau 

Kalkstein, bläul. Feste Bank .... 
mergel, grau. Etwas glaukonitisch , . . 

Kalkstein, bläul. Feste Bank .... 
mergel, grau 

Kalkstein, bläul. Feste Bank .... 
mergel, grau 

Kalkstein, bläul. Feste Bank .... 

mergel, grau 

. Kalkstein, bläul. Feste Bank. (Bei Nr. 76) 
mergel, grau 

Kalkstein, bläul. Feste Bank .... 
mergel, grau 

Kalkstein, bläul. Feste Bank .... 



0-8 
0-2 
1-5 
0-2 
3-0 

0-1 

0-3 

. 0-2 

. 1-5 

. 0-3 

. 0-8 

. 0-2 

. 1-ü 

. 0-2 

. 2-3 

. 0-2 

. 1-3 

. 0-2 

. 10 

. 0-2 

. 1-8 

. 0-2 

. 0-3 

. 0-2 

. 1-5 

. 0-2 

. 0-5 

. 0-3 

tz 1-5 



Tiefsten Lagen 
der Trigonia- 
schichten. 

Ae(]uivalente der 
beiden Koko- 

finer Quader. 



5. B i s c h i t z e r 

U e b e r gang s- 

schichten. 



4. Maluitzer 
Schichten. 



3. Wehlowitzer 
Planer. 



2. Dfinower 
Knollen. 



I. Semitzer 
Mero-el. 



S^r. 11. 



188 m ü. d. M. 



[13] 



Stratigr. Bedeutung der Bischitzer Uebergangsscliichton. 



97 



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Jaliibuch d. k. k. geol. Reichsaustalt, 1896, 45. Band, 1. Heft. (0. Zahälka.) 13 



98 Ö. Zahälka. [14] 

Lagen der Chorouseker Trigoniaschichteu ^). Es sind dies die Schichten 
6 und 7. (Bei mir Schichte 1, 2 und 3 der untersten Zone V^). 
Ein ganz analoges Profil befindet sich im Steinbruche unter der 
Bischitzer Kirche^) (siehe Fig. 1). Ich bewies schon in meiner Arbeit 
über die Zone V*), dass diese hangenden Schichten zu den untersten 
Schichten der Zone V gehören. Diese Zone hat ihre Fortsetzung 
vom Steinbruche in Bischitz weiter hinauf gegen Hosttn zu und hat 
eine Mächtigkeit von circa 2(5 »i '■). Die obere Abtheilung dieser Zone 
ist unter der Zone VI am westlichen Abhänge der Anhöhe Hostina 
in einer Mächtigkeit von 17 m entblösst^). Die untersten Schichten 
sind erst in Melnik und unter Chlomek zugänglich •"'). Ueber dieser 
Zone V liegt, wie wir schon angegeben haben, die Zone VI und VII 
und dann kommt die circa 21 m mächtige Zone VIII (siehe Fig. 1), 
welche in ihrer oberen Abtheilung dem wahren ersten Kokovi'ner 
Quader^) Fric's entspricht. Ueber der Zone VIII liegt die Zone 
IX ^) (ihre Mächtigkeit beträgt auf der Südseite der Anhöhe Hostina 
19 m, auf der Nordseite 21 m — siehe Fig. li mit ihren Niveaus 
a, &, c, f/, von denen a dem Fric's Zwischenpläner. h dem zweiten 
Kokoflner Quader **), c den Trigoniaschichten und <l den Bryozoen- 
schichten aequivalent sind. 

Die tiefste Schichte des wahren ersten Kokoi-iner Quaders liegt 
um circa 44 w höher, die tiefste Schichte des Zwischenpläners um 
circa 53 m höher, die tiefste Schichte des zweiten Kokofi'ner Quaders 
um circa 00 m höher, als die vermuthlichen beiden Kokoriner Quadern 
von Fric's bei Bischitz. Endlich liegen die wahren Trigoniaschichten 
um circa 66 m höher als die vermuthlichen Fric's Trigoniaschichten 
bei Bischitz. Die totale Mächtigkeit von Fric's angeblichen beiden 
Kokoiiner Quadern und den tieferen Trigoniaschichten (Schichte 
6 und 7), die^ das Hangende von Fric's Bischitzer Schichten in 
Bischitz und Cecelitz bilden, beträgt 6 m ; die totale Mächtigkeit 
derselben, aber richtig aufgefassten Horizonten beträgt bei Bischitz 
circa 26 ni. 

Da Fric wusste, dass die Kokoiiner Quadern und der Zwischen- 
pläner unweit von da. bei Hledseb und Kokoiin, eine grosse Mächtigkeit 
haben (hier aber nur 6 m), so glaubte er, dass sich diese Schichten 
gegen Bischitz zu so auskeilen '"'). 

Entsprechen also die typischen Bischitzer üebergangsschichten 
in Bischitz und Öecelitz ihrer Definition wie sie Fric aufgestellt hat? 
Durchaus nicht. Denn 



') Iserschichten. S. 27. Fig. 14. Seh. 6, 7. 

') Zone IV, S. 27. Zone V, S. 61-64. Prof. 12. Seh. 1, 2, 3. 
"j Zone IV, S. 28. Zone V, S. 61-64. Prof. 18. Seh. 1-7. 
*) Seite 61 - 64. 

^) Siehe auch Zone V, S. 55, 57, 58, 59. Prof. 11, 20, 29, 30, 32, 33, 37, 39 a, b. 
«) Zone V, S. 60. Prof. 34. V. Seh. 1-8. Prof. 41. 
') Zone IV, S. 28. Zone V, S. 61—64. Prof. 13. Seh. 1—7. 
") Zone IX im fi,epiuthale. Mit 5 Tabellen.^ 

^) Ist zuerst beim Dorfe Hoeh- Lieben, Keplu und Jeuiehov in Quadern 
entwickelt. 

'") Iserschichten. S. lo, Zeile 5 — 14. 



ri51 Stratigr. Bedeutung der Bischitzer Uebergangsschichten. 99 

A) sie liegen nicht zwischen d e n Malnitzer Schichten 
u n (l dem erste n K o k o r i n e r Q u a d e r, 

/)) sondern sie gehören zu d e n h ochsten S c h i c h t e n 
der I) Tino wer Knollen, 

C) s i e haben als 11 a n g e n d e s die Zone V, welche 
Zone j ü n g e r ist als die I) r f n o w e r Knollen und alter 
als der Wehlo witzer Planer in Wehlowitz. 



Wir wollen jetzt bei Raudnitz und Melnik diejenigen Schichten 
näher betrachten, welche Fric als Aequivalent der Bischitzer Ueber- 
gangsschichten in Bischitz erklärte. 



Fric') schreibt: „Am linken Ufer der Elbe habe ich blos bei 
Podlusk, westlich von Raudnitz, ähnliche Knollen (Bischitzer Ueber- 
gangsschichten) bemerkt, doch wird es dem eifrigen Geologen Prof. 
Zahälka in Raudnitz, den ich auf diese P'rage aufmerksam gemacht 
habe, bald gelingen, diesen Horizont an mehreren Stellen der neu 
angelegten Wege und Strassen nachzuweisen". — Die höchsten Schichten 
bei Podlusk gehören zu den unteren Schichten der Zone IV (Dfl- 
nower Knollen). Sie haben als Liegendes die Zone III (Semitzer 
Mergel) und erst östlich von Raudnitz bei der Schiessstätte, wo auch 
höhere Schichten der Zone IV enthalten sind, finden wir die nächst 
jüngere Zone, Zone V^). Es existiren also auch bei Podlusk keine 
Bischitzer Uebergangsschichten. 

B. 

Fric'*) erwähnt ferner „sandige Knollenpläner der Bischitzer 
Uebergangsschichten" am Sowitz-Berge bei Brozanek nordöstlich von 
Raudnitz. Aus meiner Abhandlung über diesen Horizont'^) geht aber 
hervor, dass Fric's Bischitzer Uebergangsschichten am Sowitz-Berge 
in Wirklichkeit meine Zone VIII bilden. Die obere Abtheilung dieser 
Zone VIII ist aequivalent dem ersten Kokori'ner Quader von Fric bei 
Kokorin, die ganze Zone VIII eventuell den Launer Knollen von Fric 
bei Laun (Exogyrensandstein von Malnitz bei Reuss) [Siehe das Vor- 
wort]. Als das Liegende seiner Bischitzer Uebergangsschichten gibt Fric 
am Sowitz-Berge die Launer Knollen ^) (Schichte 4, 5) an. Ich habe 
aber als das Liegende der genannten Schichten meine Zone VII ^) 
constatirt; welche Zone Fric^) im Wehlowitzer Steinbruche als Aequi- 



') Iser.schichten. 8. 77. 

2) Zone IV, S. 8, 10, 11. Prof. 40«. (Öiluice z Koudnice do Podlusk d. h. 
die Strasse von Raudnitz nach Podlusk.) 

3) Prof. 22 und 40«. Ötfelnice (Öchiessstiitte). 

*) Teplitzer Schichten. S. 44, 4 b. Fig. 15. iSch, 6. 
') Zone VIII, S. 16—18. Prof. 1. VIII. a, h, c. Prof. 38 u. 39«. 
^) Teplitzer Schichten. S. 45, Zeile 6 u. 7. 
') Zone VII, S. 5. Prof. 1. VII. 

") Wehlowitzer u. Malnitzer Seh. S. 86. Siehe auch meine Zone VII, S. 9. 
Profil 3U. 

13* 



100 <5. Zahälka. [16] 

valent seines Malnitzer Griinsaiicles, theilweise seiner Launer Knollen 
erkannte. Weil die übrigen unteren Schichten im Fric'schen Profile 
nur oberfläclilich gezeichnet und besclirieben wurden, so können wir 
dieselben nur annähernd mit meinem Profile vergleichen. Ich fand 
unter der Zone VII die Zone VI, welche dem Wehlowitzer Pläner 
entspricht. Das wird vielleicht die Schichte 4 bei Fric sein, die 
er hier zu Launer Knollen (!) zählt. Fric's Schichten 2 und 3'), 
die er als Wehlowitzer Pläner (!) und Malnitzer Grünsand (!) bestimmte, 
gehören zu meiner Zone V^), die unten den bekannten Quadersand- 
stein (Rynchonellen - Quader von Wehlowitz) verbirgt. Die unterste 
Schichte 1 ^), die Fric auch zu seinem Wehlowitzer Pläner (!) zählt, 
gehört zu meiner Zone YV^) (Drinower Knollen), die jetzt mit Schutt 
bedeckt und besser in einem Hohlwege „v Lopatech" °) entblösst 
ist. Es wurden hier also die Horizonte, die unter den Bischitzer 
Uebergangsschichten liegen, von Fric nicht richtig erklärt. Von 
denselben Schichten''), Zone V bis VIII, die von diesem Orte 500 w 
südöstlich liegen, schreibt Fric ') : „Längs eines Hohlweges, der sich 
an der westlichen Seite des Sowitz-Berges hinzieht, stehen noch petre- 
factenleere Pläner an, deren genaue Deut.ung gegenwärtig 
noch unzulässig ist". 

Da nach Fric's Definition der erste Kokoriner Quader das 
Hangende der Bischitzer Uebergangsschichten bildet, sagt Fric*^): 
„Die Kokormer Quader, die nun dem Alter nach folgen sollten, stehen 
hier zwar nicht als massige Felsen an, sondern verrathen ihre Gegen- 
wart in zerfallenem Zustande in den sandigen Feldern (Schichte 7), 
welche die Anhöhe des eigentlichen Sowitz-Berges umgeben und den 
Boden des armseligen Föhrenwäldchens bilden, welcher am Wege 
von Wettel nach Raudnitz den Wanderer ermüdet". — Zu diesem 
Satze muss ich leider constatiren, dass Fric das Hangende seiner 
vermuthlichen Bischitzer Schichten am Sowitz-Berge nicht gesehen hat. 
Denn das Hangende bilden hier keine Sandsteine, sondern feuchte 
Mergel meiner Zone IX '■*) (dann folgen höher die Kalkmergel der 
Zone X), die dem Zwischenpläner, zweiten Kokoriner Quader, Tri- 
goniaschichten und Bryozoenschichten aequivalent ist. Darum sind 
im Umfange der Zone IX (Fric's Schichte 7) keine sandigen, sondern 
feuchte, mergelige Felder, und die sandigen Felder, von denen Fric 
oben spricht, besonders zwischen Wettel und Raudnitz, gehören dem 
hiesigen, weitverbreiteten Diluvialsande und Diluvialschotter ^^) an ! 
Es ist zu bedauern, dass Fric diesem wichtigen Profile der Kreide- 
förmation Böhmens so wenig Aufmerksamkeit schenkte. 

Teplitzer «ehichteu. S. 44 u. 45. Fig. 15. 
•-) Zoue V, )S. 4G, 47. Prof. 1. V. d—h. 
^) Teplitzer Schichten. S. 44. Fig. 15. 
") Prof. 1. IV. 

') Zoue IV, 8. 19, 20. Prof. 27. IV. Seh. 1^-8. Vergleiche auch mit Prof. 9, 
IV. Seh. 1 — 6. Prof. 10. IV. Seh. 1 — 15. 

") Zone V, S. 45. Zoue VI, S. 5. Zone VIT, S. 5. Zone VIII, S. 16. Prof. 26. 

') Weisseub. ii. Maluitz. Seh. S. 84. Z. 18—20. 

**) Tephtzer Schichten. S. 45. Fig. 15. Seh. 7. 

') Zone IX, S. 8. Prof. 1, 38, 39«. 

") Geologische Karte d. Umgeb. v. Georgsb. 



[17] Stratigr. Bedeutung der Bischitzer.Uebergangsschichten. 101 



Fr i c ' ) führt die Bischitzcr Uebergangsschichten ferner auch bei 
flledseb an : „Im Dorfe Hled'seb trifft man an der Basis der An- 
höhe Vystrkov einen kleinen Steinbruch, in welchem die Bischitzer 
Uebergangsschichten mit mehreren Reihen von grossen grauen Knollen 
entblösst sind. (Fig. 10, Seh. 1 ) Darüber folgt etwas mürber Sand (2) 
und dann eine Bank des Rynchonellenquaders (3), welche als Decke 
eine harte dunkelgefärbte Fucoidenbank trägt (4). Es folgt sodann 
"der erste Kokoriner Quader (5)". Nach meinen Studien'^) gehören 
die F r i c's angeblichen Bischitzer Schichten in Hled'seb theilweise zur 
Zone VII, theilweise zu den tiefsten Schichten der Zone VIII. Diese 
Zone VII erklärte Fric (wie wir schon früher angegeben haben) in 
Wehlowitz als Malnitzer Grünsand, die untersten Schichten der Zone 
VIII auf demselben Orte als Launer Knollen und Avellanenschichten. 

In ähnlicher Weise erklärt Fric^) die Bischitzer Uebergangs- 
schichten in der Gegend von Zimor. 

D. 

Fric*j erwähnt „die Bischitzer Uebergangsschichten mit Ryncho- 
nellenquader, meist von S c h u 1 1 s a n d verdeckt" bei Kokori'n. 
Dazu muss ich bemerken, dass im Kokoriner Tliale bei Kokofin und 
Kanina gleich von der Thalsohle der erste Kokoriner Quader beginnt, 
und dass hier also keine Bischitzer Uebergangsschichten mit Ryncho- 
nellenquader existiren können. Die Fric's vermuthlicheu Bischitzer 
Uebergangsschichten in Hled'seb, von welchen wir schon im vorher- 
gehenden Absätze C gehandelt haben, fallen schon bei Lhotka (un- 
weit Hled'geb, 8 km südlich von Kokofin) unter die Thalsohle. 

E. 

Auf dem Gipfel des langen „Cecemin" oberhalb Wschetat und 
Dfis gehören die höchsten Schichten zu den untersten Schichten der 
Zone V^) wie bei Cecelitz (Bischitz). Darum können hier natürlich 
jüngere Schichten als der Zone V nicht vorhanden sein. Fric") 
schreibt aber: „Die ersten Andeutungen der Iserschichten treffen 
wir auf dem Gipfel des langen Hügels etc." ... die Wehlowitzer 
Pläner, die Malnitzer und Bischitzer Schichten müssen hier alle 
eine sehr geringe Mächtigkeit haben. Die Berglehne, welche 
aus plänerigen und knolligen Lagen besteht, ist wenig aufgeschlossen 
und von den Quadersanden der Iserschichten ist hier keine Spur. 
Am Gipfel des Hügels trifft man kleine Gruben und an den Feld- 



') Iserschichten. S. 28, 20. Fig. 16. Seh. 1-4. 

'-) Zone VII, S. 12, 13. Prof. 35. Zone VIII, Ö. 29. «iehe auch Zone IX 
im ilepin Thale. 

3) Iserschichten. S, 9. Fig. 5. Seh. 1, 2. 
*) Iserschichten. S. 24. Fig. 11. Seh. 1. 
^) Zone V, S. 64. Prof. 14 u. 41. 
*) Iserschichten. S. 26, Zeile ,7— 19. 



102 ö. Zahälka. [18] 

raiiien Platten von sandigem Kalke mit Inoceramus Bronf/tilarti, ich 
halte also dieselben nach Analogie mit anderen Localitäten für die 
tiefsten Lagen der Trigoniaschichten". 

Aus dem Gesagten gelit also hervor, dass nicht nur die 
P'ric'schen typischen Bischitzer U eb ergangsschi c h ten 
bei B i s c h i t z , sondern auch andere von F r i c h i e h e r- 
gestellte Schichten, die aber mit den Bischitzer 
U e b e r g a n g s s c h i c h t e n in B i s c h i t z nicht a e q u i v a 1 e n t 
sind, sondern zu verschiedenen Horizonten gehören, 
keinen selbständigen Horizont der b ö h m i s c h e n K r e i d e- 
f r m a t i n V r s t e 11 e n. 



Die Erzvorkommen im Plattach und auf der 

Assam-Alm bei Greifenburg in Kärnten und die 

sie begleitenden Porphyrgesteine. 

Von Dr. Richard Canaval. 

Mit eiuer Ziukotypie im Text. 

Zwisclien den Tliälern der Drau und Moll erhebt sich ein an 
landschaftlichen Schönheiten reiches, jedoch schwer zugängliches Ge- 
birge, dessen grösste pAiiebung der Polinik (21S() vi) bildet, die 
Gebirgsgruppe des Kreutzecks. 

Dionys Stur') hat die geologischen Verhältnisse desselben kurz 
geschildert. In einem Durchschnitte, von Irschen im Drau-, nach Latzen- 
dorf im Möllthale, bilden die Schichten des „Glimmerschiefers" einen 
Fächer, „dessen senkrechte Schichten beinahe im Centruin des Ge- 
birges am Wildhornkopf zu stehen kommen". Im Möllthale fallen sie 
nach Süden, im Drauthale aber nach Norden und überlngern hier 
scheinbar die nördlich von der Drau vorkommenden kleinen Partieen 
des „Alpenkalkes", welche bei Ober-Drauburg, Rittersdorf und Dellach 
auftreten. Stur bemerkt, dass Einlagerungen von Gneiss, körnigem 
Kalk und Hornblendegesteinen selten seien und sich haui)tsächlich 
nur zwei Gesteinsvarietäten : DerThonglimmerschiefer und der Schwefel- 
kieslager umschliessende „Fe.ste Glimmerschiefer" unterscheiden lassen. 

Im 16. Jahrhunderte bewegten sich in der Gebirgsgruppe des 
Kreutzecks zahlreiche Edelmetallbergbaue , wns eine administrative 
Theilung des Gebietes in drei Berggerichtsbezirke bedingte. Nach dem 
Bergwerksvertrag Erzherzog Ferdinand's mit Gabriel Grafen von 
Ortenburg vom 31. December 1520 2) gehörte der siidliche Theil 
unter das Berggericht Steinfeld, der nördliche dagegen zum Theile 
unter das Berggericht Vellach (Obervellach), zum Theile unter jenes 
von Grosskirchheim ^). 



') Jahrb. der k. k. geolog. R.-A. 1856, 7. Bd. p. 413. 

^) Nr. 371 des Paterniouer Berggerichtsarchives im kämt. Ge^cliichtsvereiue. 

•') Der Berggerichtsbezirk .Steinfeld umfasste die jetzigen Bezirke (rreifenbiirg, 
Hermagor und Kötsschaeh, sowie die 8tenergemcinden Blasnig, Lind, Obergottesfeld 
und Sachsenburg. In dem Bezirke des Berggericlits Vellach lagen die Bezirke 
Millstatt und Obervellach, die von der Drau beziehungsweise dem (^ssiacher See 
und dem Seebach nach Süden begrenzten Theile der Bezirke Paternion, Spital 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1895, 45. Band, l. lieft. (Dr. R. Cauaval.) 



104 R. Canaval. [2] 

Hoefer') hat in seiner verdienstvollen Arbeit über die Edel- 
metallproduction Kärntens auf Grund der Angaben v. Scheucben- 
stuel's den Bestand eines besonderen Berggerichts in Obervellach 
bezweifelt und angenommen, dass sich der Grosskirchheimer Berg- 
gerichtsbezirk auch über den mittleren und unteren Lauf der MöU 
erstreckt habe. Zu Anfang des IG. Jahrhuiiderts war dies entschieden 
nicht der Fall und die administrative Theilung, welche auch aus den 
Artikeln 88 und 189 der Ferdinandeischen Bergordnung ^) erhellt, muss 
noch in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts bestanden haben, 
da ein mir vorliegendes Fristungsbuch des Berggerichts Grosskirchheim 
von 1655 bemerkt, dass die Gruben im Lobetschthal in der Staller- 
uud Tresdorfer-\yölla in's Berggericht Vellach gehören, das daher 
erst später eingegangen sein kann-^). 

Ueber die geologischen Verhältnisse der Erzvorkommen des 
Kreutzecks ist bisher nur wenig bekannt geworden. 

Die Arbeiten Wöllner's*), v. Scheuchenstuel's'O und 
Rochata's") enthalten hauptsächlich nur alte Betriebs- und Pro- 
ductionsdaten, und die von mir selbst i)ublicirten Notizen ') basiren 
gleichfalls mehr auf älteren Berichten als auf Localstudien. Erst 
gelegentlich zweier Excursionen, die ich mit dem um die Wieder- 
belebung des oberkärntischen Metallbergbaues unermüdlich thätigen 
Gewerken Herrn Alexis Freiherrn May de Madiis unternahm, lernte 
ich einen Theil der Kreutzeck-Gruppe genauer kennen. 

Im Herbste 1893 wurde die Umgebung des Graakofels begangen; 
war auch das Wetter damals für eine solche Orientirungstour höchst 
ungünstig, so konnten doch manche interessante Beobachtungen gemacht 
werden, welche ich im nächsten Jahre zu ergänzen hoffe. In Verbindung 
mit zahlreichen, in der Zwischenzeit aufgefundenen Karten und Be- 
triebsdaten dürften dieselben eine ziemlich vollständige Schilderung 
der Gesteine und Erzvorkommen dieses Berges ermöglichen. Im 
August 1894 wurden die Kieslager des Lamnitz- und Wölla-Thales, 
dann einige Erzvorkommen des Gnoppnitz-Thales besucht. 

Das Bild, "welches bei diesen Wanderungen über den Aufbau des 
Gebirges gewonnen worden ist, war ein etwas anderes als zu erwarten 
stand. Scheinen auch echte Gneisse im Allgemeinen eine mehr unter- 
geordnete Rolle zu spielen, so treten doch Hornblendegesteine viel 
häufiger auf, als nach den Mittheilungen Stur's anzunehmen war, und 
in Verbindung mit denselben findet sich speciell am Graakofel Tonalit, 
welcher jenem der Rieserferner-Gruppe nahe zu stehen scheint. Endlich 



und Villach, die Steuergeineiuden Anilacli, Baldramsdorf, (rschies, (lössnitz, Stall 
und der südlich von der M()ll gelefrene Theil der Steuevgemoiude Tresdorf. Zu dem 
l^erggerichtsbezirk (Ti-osskirchheim gehörte der Bezirk Winklern mit Ausnahme 
der Hteuergemeinden (^össnitz, Stall und des südlich der Moll gelegenen Theiles 
<ler tSteuergemeinde Tresdorf. 

') P()§epny, Archiv für praktische (leologie ]. Jkl. p. 492. 

^) trritzuer Commentar der Ferdinandeischen Eergordnung Wien 1842. 

") vergl. W()llner, Kämt. Ztschft. 11. Bd. Klagenfurt" 1820, p. 94. 

") 1. c. p. 88. 

') Carinthia, 19. Jahrg. 1829 p. G9. 

*>) Jahrb. der k. k. geol. R.— A. 1878 28. Bd. p. 213. 

') Carinthia 80. Jahrg. 1890, p. 209. 



[3] r)as Erzvorkonimon im Plattach etc. ii. d. ])oglfiit. Porphyrgostoinc. 1()5 

kommen an melireren Orten Porphyrite vor, die zum Tlieile f^'rosse 
Aehnlit'hkeit mit jenen des östlichen Kärnten besitzen. Aber auch die 
tectonischen Verliältnisse dürften in Wirkliclikeit verwickelter sein, 
als sie das Profil S t u r's erwarten lässt. 

Die Schieferj2;esteine sind namentlich im centralen Theile des 
Gebirges stark gefaltet und zeigen in Folge dessen bedeutende 
Abweichungen von der normalen Streichungsriclitung. Dabei macht 
sich allenthalben eine transversale Schieferung bemerklich, welche 
zum Theile so kräftig entwickelt ist, dass hiedurch die Ermittlung 
der ursprünglichen Schichtung wesentlich erschwert wird. Von der 
Alpenhütte nächst dem Giper-See hat man einen prächtigen Ein- 
blick in die pittoresken Felswände, welche sich zwischen dem Lam- 
nitz- und Wölla- Thale erheben. Die südlichste Kuppe derselben 
bildet die hohe Nase, die nördlichste der kleine Griedl. Hier scheinen 
gegen Nord fallende, dort steil südlich einschiessende Klüfte vor- 
zuherrschen, so dass man im Ganzen eine fächerförmige Anordnung 
der Schichtungsfugen vermuthen könnte. In Wirklichkeit verhält 
sich's anders. Gerade westlich von der hohen Nase am linken Ge- 
hänge des Lamnitzthales liegt der alte Kiesbergbau Politzberg, dessen 
gneissige Hornblendeschiefer bei nordsüdlichem Streichen unter 55" 
nach W. verflachen. Die im Grossen fächerförmige Klüftung cor- 
respondirt daher nicht mit der Schichtung, eine Erscheinung, die 
auch an zahlreichen anderen Punkten, besonders schön z. B. am 
Plattachkogel, zu Tage tritt. 

A. Piothpletz'j hat kürzlich daraufhingewiesen, dass „in den 
Südalpen die Glimmerschiefer, Phyllite und palaeozoischen Schiefer 
mit einer Druckschieferung versehen" sind, die „wenigstens in den 
nördlichen Theilen, wo sie genugsam der Beobachtung zugänglich ist, 
deutlich die Form eines halben umgekelirten Fächers angenommen 
hat". Bei tangentiellem Druck entsteht verticale Schieferung, „in den 
höheren Gebirgstheilen aber, die durch Hebung seitlich überquellen, 
muss sich diese Schieferung zu beiden Seiten gerade so, wie die 
Falten selbst, nach Aussen umlegen und eine Fächerstellung annehmen, 
genau so wie es Daubree experimentell nachgeahmt hat". 

Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass der eigenthümliche von 
Stur hervorgehobene fächerförmige Bau des Kreutzecks auf derartige 
Vorgänge zurückzuführen sei. 

üeber alle diese Details können jedoch erst eingehendere 
Studien Aufklärung geben ; dass bei der ersten geognostischen Be- 
gehung unseres Gebietes durch Dionys Stur hierauf nicht Rücksicht 
genommen werden konnte, ist begreiflich. Abgesehen von den Schwierig- 
keiten, welche die Terrainverhältnisse bieten, war damals noch ein 
grosser Theil des Gebirges von Wald bedeckt, der die Feststellung 
der Beschaffenheit seines Untergrundes wesentlich erschwerte. Heute 
ist der Wald zum Theile vollständig verschwunden und seine Ver- 
nichtung rächte sich durch riesige Rutschungen an den Thal- 
gehängen, denen man jetzt durch umfangreiche Verbauungen zu 
begegnen sucht. 

') Ein geologischer Querschnitt durch die Ostalpen. Stuttgart 1894, p. 209. 
Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1895, 45. Band, l. Heft. (Dr. R. Canaval.) 14 



lO(') R- Canaval. [4] 

In der Gnoppnitz standen, wie der bereits erwähnte Bergwerks- 
vertrag Erzherzog Ferdinand's ausfülirt, zu Anfang des K). Jahrluinderts 
an sechs Orten, auf: Altzecli. Neuzech und Mitterzecli, im PLattach, 
am Hämmerstill und am rucherhab Bergwerke im Betriebe. Ein Versuch, 
die Localitäten festzustellen, wo diese Baue umgingen, blieb insoferne 
ohne Erfolg, als sich nur die Gegend „im Plattach" eruiren liess, 
welche heute noch jenen Namen führt, den sie vor drei und einem 
halben Jahrliundert besass. Alle übrigen Bergwerksnamen sind im 
Laufe der Zeit verloren gegangen. Es konnte jedoch in Erfahrung 
gebracht werden, dass sich auf der „Bratleitcn", östlich vom Glanz- 
See, ungefähr in der Mitte zwischen der Dechant- und Seebach-Höhe 
in einer Seehöhe von circa 2 2U0 m, dann in der sogenannten Wind- 
ecken am rechten Gehänge des Gnoppnitzthales. circa r)()0 m oberhalb 
der Einmündung des vomGnoi)imitz-Thörl herabkommenden Giessbaches 
in den (inoppnitzbach alte Grul)en befinden. 

Die Baue auf der Bratleiten, welche von uns aus Mangel an 
Zeit nicht besucht wurden, gingen nach Haldenstücken, die wir von 
dem empfehlenswerthen Bergführer Mathias Kam er vulgo Unterhuber 
in Inner-Gnoppnitz erhielten, wahrscheinlich auf gleichen Lagerstätten 
wie jene im Plattach um. Li der Windecken, wo sich der Bau be- 
funden haben mag, den nach Wöllner') in der ersten Hälfte des 
17. Jahrhunderts Graf Beroardi betrieb, arbeitete man auf einem 
Kieslager oder, richtiger gesagt, auf einer als „Fahlband" zu bezeich- 
nenden Erzzone. Es sind derartige Vorkommen in dem westlichen Theile 
der Kreutzeckgruppe sehr verbreitet und die alten Gruben im Dobl- 
Graben bei Simmerlach, in der Drassnitz, im Lamnitz-Thale (Politz- 
berg). in der Tresdorfer und Staller WöUa bewegten sich auf solchen 
Erzniederlagen. Dieselben führten ausser Kiesen noch Bleierze von 
zum Theile recht ansehnlichem Silbergehalt. Die Kiese sind vorwie- 
gend kupferhältige Schwefelkiese, mit welchen fast regelmässig ein 
Gold- und Silbergehalt verbunden ist-). Es sollen diese durch ihre 
mineralogische Constitution und ihre Association mit Hornblende- 
Gesteinen gut charakterisirten, zum Theile sehr mächtigen Vorkommen 
an einem anderen Orte besprochen werden ; hier mag eine kurze 
Schilderung der durch ihre Verbindung mit porphyrischen Gesteinen 
beachtenswerthen Erzlagerstätten im Plattach und auf der Assam-Alm 
Platz finden. 

Südlich vom Glanz-See am westlichen Ende des Gnoppnitz-Thales 
liegt der Plattachkogel (2441) in), von dem sich ein alter Gletscherboden, 
das Plattach genannt, mit ziemlich gieichmässiger Neigung nach Nord- 
Osten absenkt. Zwei in der gleiclien Bichtung verlaufende Felsrippen, 
von denen die eine am Plattachkogel beginnt und allmählig ver- 
flacht, die andere weiter südlicher gelegene und deutlicher hervor- 
tretende dagegen mit dem SchAvarzsteinkogel endet, umschliessen ein 
kleines Kaar, das zum Theile von dem Getrümmer des hier auf- 
tretenden Granat-Glimmerschiefers, zum Theile von geringen Wiesen- 

') 1.^ c. p. 1G2. 

■'') Kioserzc von der Halde einer alten (Jrube in der Staller Wöila (nngefilhr 
HÜO VI von der Stauer Alpenhütte nach SW.) ergaben z. B. 55";;, Schlich nud in 
der Tonne (1000 h/) Schlich. 20 (/r An., 3(J0 </r Ag und 21933 hj Cii. 



[5] I^as Erzvorkomnicn im Plattach etc. ii. d. boglcit. Porpliyrgcstoiiie. 107 

flecken bedeckt wird. Der Glimmerscliiefer ist stark gefaltet. Knapp 
unter dem Plattachkogel liegt eine kleine Scharte, die in's Drassnitz- 
thal liinübertulirt ; nach 20'' streichende steilstehende Klüfte der trans- 
versalen Schieferung durchsetzen da das (lestein und gewähren an den 
nach ihnen stattgefundenen Abbruchen einen recht guten Einblick in 
den verworrenen Verlauf der Schichtung des Glimmerschiefers. 

In dem Kaar selbst, nilchst dem Aufstieg zur Scharte befindet 
sich der oberste Bau des Revieres. Ich habe mit Benützung der 
Specialkarte (Zone 18, Col. VIII), eigenen Notizen und barometrischen 
Messungen die umstehende Skizze angefertiget, welche selbstverständ- 
lich keinen Anspruch auf markscheiderische Genauigkeit machen kann, 
zur leichteren Orientirung jedoch dienlich sein wird. 

Der höchstgelegene Stollen 1 scheint ein Versuchsbau gewesen 
zu sein, er verfolgte eine nach !()'' lO*^ streichende steilstehende 
Kluft, deren Füllung nach Gangstücken, welche auf der kleinen, 
ca. 20 tii^ fassenden Halde aufgelesen wurden, aus Quarz und zer- 
riebenem Nebengestein mit fein eingesprengten Kiesen besteht. 
Einem grösseren Baue gehören die weiter südlich gelegenen Stollen 
2 bis 7 an. Der Stollen 2 steht mit Tagverhauen in Verbindung, 
unter welchen er ca. 25 in Teufe einbringt. Neben seinem nun ver- 
brochenen Mundloch befindet sich eine zur Hälfte aus tauben Wasch- 
bergen (weissem Quarz) bestehende Halde von ca. 2b0 inß Inhalt 
und daneben die Beste eines in Trockenmauerung hergestellten 
Berghauses. Der 5 m (im Lichten) lange und 4-5 m breite Vorraum 
desselben mag als Küche, das daran anschliessende Gemach von 
6-5 m Länge und 35 m Breite als Schlafraum für die Mannschaft 
benützt worden sein. Die Tagverhaue bewegten sich in einem rostigen 
Glimmerschiefer und besitzen eine Verhaubreite von ca. 0'5 in im 
Mittel. An den Ulmen derselben lassen sich steilstehende, nach 14'' 
bis 17*^ streichende Blätter erkennen. Ruinen eines kleinen ca. 4-5 ;>* 
im Quadrat messenden und durch eine Querwand in zwei Abtheilungen 
getrennten Gebäudes, das sich an einen riesigen P^elsblock anschliesst, 
stehen hier nächst einem Stollen 3, der ca. 8 m Teufe unter der 
Kuppe des flachen Hügels einbringt, auf welcher die Tagverhaue 
ausmünden. Etwa 8 ni tiefer als 3 liegt der Stollen 4 mit einer 
ca. 200 m-^ fassenden Halde und den Besten eines 4 m im Geviert 
messenden Gebäudes, wahrscheinlich einer Bergschmiede. Aus den 
Mauertrümmern desselben stammt ein sehr hübsches Gangstück. 
Glimmerschieferbrocken werden von concentrischen Quarzkrusten um- 
geben, deren radial gestellte Stengel zum Theile krystallographische 
Begrenzungen wahrnehmen lassen. Eine prächtige Spiegelfläche bildet 
die eine Breitseite des Gangstückes. Fast in gleicher Höhe wie 2, 
wurden die Stollen 4 und 5 angesteckt, unter welchen der Stollen 
7 : 26 in Teufe einbrachte. Neben 7 stehen Beste eines (i : 3 m 
messenden Gebäudes. Die ungefähr 300 ni^ fassende Halde von 5 
besteht zum Theile noch aus Gangcjuarz, die ziemlich gleich grosse 
Halde von 7 dagegen fast nur mehr aus rostigem Glimmerschiefer. 
6 scheint ein kleiner Versuchsbau gewesen zu sein. 

Die Baue im Plattach hatten, wie aus diesen Daten erhellt, 
eine recht beschränkte Ausdehnung und erreichten keine erhebliche 

14* 



108 



R. Canaval. 



[6] 




[71 Das Erzvorkommen im Plattach etc. u. d. begleit. Porphyrgesteine 109 

Teufe. Bei den Berghäiiserii der Erzbergbaiie des kärntischen 
Hochgebirges luit man sich noch in jüngster Zeit mit einem sehr 
bescheidenen Lufträume begnügt. Wird aber auch angenommen, 
dass in unserem Falle pro Kopf hievon nur 4 ;/i^ entfielen, und wird 
ferner die Höhe der Wohnräume, wie man sie bei alten Berghäusern 
jetzt noch recht häufig antrifft, mit 2w angesetzt, so dürften, nach 
den vorhandenen Gel)äuderesten zu schliessen, kaum mehr als 20 
Personen bei dem hiesigen Betriebe beschäftigt gewesen sein. 

Bedeutend umfangreicher waren die Baue in der Assam-Alm. 
Wie im l'lattach sind auch hier zwei Quarzgänge verfolgt worden, 
von welchen der südlicher gelegene der wichtigere war. Kach der 
beigeschlossenen Skizze Hesse sich vermuthen, dass die Lagerstätten 
hier und dort nicht ident seien. Abgesehen davon, dass diese Skizze, 
wie schon erwähnt, kein markscheiderisch richtiges Bild gibt, könnte 
auch eine Querverschiebung bedingen, dass die Plattacher Baue 
nicht in die Streichungsfortsetzung jener der Assam-Alm zu liegen 
kommen. Ich möchte daher trotz dieser scheinbaren Incongruenz 
beide Vorkommen identificiren und es auch nicht für ausgeschlossen 
halten, dass die alten Baue nördlich von der „Rötschacher-Kammer" 
im Kirschenbachthal einem vom Drassnitzthal nach Osten gegen den 
Plattachkogel abzweigenden Graben auf der westlichen Fortsetzung 
dieser Gänge umgingen. 

In der Assam-Alm bauten die Gruben 8 bis 14 auf dem süd- 
lichen, jene 15 bis 19 auf dem nördlichen Gange. 

Oestlich von der kleinen, auf dem ersteren gelegeneu Schacht- 
pinge 9 beginnen Tagverhaue, die sich nach dem Gehänge bis zu 
dem Stollen 13 herabziehen, eine durchschnittliche Breite von \m 
besitzen, ostwestlich streichen und mit ca. 80*^ nach N einfallen. 

Die hübschen Blätter, welche sich stellenweise an den Ulmen 
der Verhaue beobachten lassen, die zum Theile gut entwickelte 
Krustenstructur des Gangquarzes und die steile Stellung der Tag- 
verhaue gegenüber dem hier minder gefalteten und unter 50° nach N 
verflächenden Schiefer sprechen entschieden für die Gangnatur der 
Lagerstätte. 

Von den Alten dürfte der Gang auf ca. 90 m saigere Höhe 
und ungefähr oOO m streichende Länge verhaut worden sein. Ent- 
sprechend dieser Leistung sind auch die Volumina der Halden- 
stürze nicht unerheblich ; sie steigen von ca. 300 m^ bei dem Stollen 
10 bis auf ca. 2000 tit^, welchen Inhalt die Halde des Stollens 
14 vor ihrer theilweisen Wegführung durch das Wasser des vorbei- 
fliessenden Baches gehabt haben mag. 

Für den umfangreicheren Betrieb sprechen auch die Reste der 
Berghäuser, welche sich nächst den Mundlöchern der Stollen 10 bis 
13 befinden. Dieselben waren ziemlich gleich gross und besassen 
nach den am besten erhaltenen Resten bei dem Stollen 13, woselbst 
sich auch noch die Stelle der 3 : 3 m messenden Bergschmiede unter- 
scheiden lässt, bei ca. 12 m Länge ungefähr (> m Breite. Die nicht 
beträchtlichen Höhenunterschiede der einzelnen Stollen von einander 
(zwischen 10 und 11: 24 w, 11 und 12, dann 12 und 13: 14 w, 
endlich zwischen 13 und 14: 12/«) machen es wahrscheinlich, dass 



nO ^ Canaval. [S] 

alle Berghäuser gleichzeitig in Verwendung standen. Diente auch 
hier nur die eine Hälfte als Wohnraum, die andere als Küche, und 
war der pro Kopf entfallende Luftraum gleich gross wie im Plattach, 
so konnten immerhin ca. 70 Personen darin Unterkunft gefunden 
haben. 

Der Stollen 14 ist auch der tiefste, welcher noch in dem Thale 
angeschlagen werden kann, und würde zu seiner Unterfahrung einen 
ganz unverhältnissmässig langen Zubau erfordern. Ein solcher ist nicht 
zur Ausführung gekommen, es üiesst daher auch das Ocker absetzende 
Grubenwasser bei 14 ab, während alle höheren Stollen trocken stehen. 

Wie im Plattach wurden auch hier die Erze an Ort und Stelle 
aufbereitet. Bei dem Stollen 14 liegen taube, ockerige Waschberge 
und die Reste einer in die Halde desselben eingetieften Iv.adstube, sowie 
eines dazu führenden Oberwassergrabens lassen darauf schliessen, 
dass ein Pochwerk im Umtriebe war. 

Der Sage nach kam der Bergbau im Plattach und in der 
Assam-Alm' zur Zeit der Gegenreformation in Folge Abzuges der 
„lutherischen" Knappen zum Stillstande. Zweifellos ist, dass diese 
Gruben vor Einführung der Sprengarbeit betrieben und so weit als 
es ohne grosse, auf einen langen Zeitraum absehende Veranstaltungen 
anging, auch so tief als möglich verhaut wurden. 

p]in umfassender Aufschluss dem Streichen nach hat dabei, 
wie dies wohl bei allen alpinen Erzbergbauen der älteren Zeit der 
Fall war, nicht stattgefunden ; man begnügte sich damit, die zu Tage 
beissenden, wahrscheinlich säulenförmigen Erzmittel in die Teufe zu 
verfolgen und abzubauen. 

Aus der Gnoppnitz werden nur Edelmetallbergbaue erwähnt, 
ein Umstand, der darauf hinweist, dass auch unsere Erzvorkommen 
solche beherbergen. — Die Ergebnisse zweier Haldeuproben aus dem 
Plattach stehen mit dieser Annahme in Uebereiustimmung. Von den- 
selben ergab die eine 4 Ho/q Schlich mit 20 (/>• Gold und 150 t/r 
Silber pro Tonne (1000 Kg.), die zweite 1*7% Schlich mit 15 (jr 
Gold und 1U5 c/r Silber pro Tonne. In beiden Fällen hielt der 
Schlich noch 0*1 O^o Kupfer. In der Assam-Alm hatten die Alten 
so rein gearbeitet, dass zu einer Edelmetallprobe nicht genügendes 
Material beschafft werden konnte. 

Das Vorkommen von Gold und Silber in diesen Quarzgängen 
erhält ein besonderes Interesse dadurch, dass sich in den zwei 
untersten Halden 13 und 14 der Assam-Alm Stücke eines den 
heimischen Geognosten wohlbekannten Gesteins finden, das gewissen 
von v. Foullon') beschriebenen „Quarzglimmerdioriten" aus dem 
östlichen Kärnten, denen zuerst Keferstein ') gedenkt, nahe stehen. 
Franz v. Rosthorn und J. L CanavaP), welche alle diese Ge- 
steine unter dem Sammelnamen „graue Pori)hyre" zusammenfassten, 
haben schon ihre Aehnlichkeit mit gewissen „trachytischen Porphyren" 
betont, und v, Ros thorn*), der später ein Verzeichniss der zahlreichen 

') Verh. d. k. k. geolog. R.-A. 1889, p. 90. Vergl. Teller ibid. 189.3, p. 178. 
'•*) TeutschJand geognostisch-geologisch dargestellt. VI. Bd. Weimar 1828, p. 210. 
") Uebersicht der Minerjiliou und Felsarten Kiirtens etc. Klagenlurt 1854, p. 18. 
••) Jahrb. des naturloistor. Landesinuseums von Kärnten. IV. Heft, 1859, p. 130. 



j 91 T)as Erzvoikomiiien im Plattacli etc. u. d. liegleit. Porphyrgesteine. 111 

Fuiidpinikte dieser Gesteine in der Umgebung von Prilvali lieferte, 
wiUilte für dieselben den Namen „Grünstein-Porphyr". 

Peters'), f^ei" den Namen „Dioritporpliyr" acceptirte, wies auf 
die weite Verbreitung dieser (iesteine in Kärnten hin, und neuerdings 
hat autli Milch'-) solche aus dem Gailthale beschrieben. Aus der 
Gebirgsgruppe des Kreutzecks liegt mir nur eine ältere Notiz 
F. V Rosthorn's vor, der gemeinschaftlich mit J. L. Canaval 
einen „Grünstein-Porphyr" in der Teuchl auffand. Es ist daher von 
besonderem Interesse, diese „grauen Porphyre" hier u. z. in Verbindung 
mit einer Edelmetalllagerstätte wieder zu finden. 

Die tiefste Halde ist besonders reich daran und der Umstand, 
dass speciell die zuletzt gestürzten Partieen viel davon enthalten, 
weist darauf hin, dass die letzten Arbeiten der Alten in denselben 
umgegangen sind. 

Bevor wir diese Gesteine, welche uns einige nicht uninteressante 
genetische Schlüsse gestatten, besprechen, ist es nöthig, das Neben- 
gestein der Quarzgänge und die Füllung derselben näher kennen zu 
lernen. 

Der Granatglimmerschiefer, in dem die Gänge aufsetzen, scheint 
makroskopisch fast nur aus Glimmer und Granat zu bestehen. Die 
braunen bis silberweissen Glimmerblättchen bilden dünne, vielfach 
gefältelte Lagen, welche dunkelrothe l)is 10 ni7n messende Granat- 
körner einschliessen. Unter dem Mikroskope lassen sich als wesent- 
liche Componentcn : Glimmer, der an Menge überwiegt, dann Feldspath 
und Quarz erkennen, neben welchen accessorisch noch Granat. Tur- 
malin, Zirkon und Erze auftreten. 

Der Glimmer ist Biotit, der zum Theile noch ziemlich irisch, 
zum Theile jedoch schon vollkommen gebleicht ist. Mit der zunehmenden 
Entfärbung scheiden sich winzige Körnchen und Nädelchen von Rutil 
und opake Erzklümpchen aus, die letzteren aggregiren sich stellenweise 
zu grösseren Kölnern, welche nach ihrem Verhalten im reflektirten 
Lichte als Pyrrhotin angesprochen werden können. 

Der auffallend frische Feldspath ist von Quarz fast nur durch 
sein Lichtbrechungsvermögen zu unterscheiden. Seine unregelmässig 
contourirten Körner, die häutig entfärbte Biotit-Lamellen umschliessen, 
zeigen ziemlich selten eine feine parallele Streifung. Eine Untersuchung 
nach der Becke'schen Methode ■'^) verweist auf Albit. 

Die Granatkörner besitzen einen irregulär ausgelappten Hand, 
dessen Lappen oft Andeutungen krystallographischer Begrenzung wahr- 
nehmen lassen. Zwei Systeme zu einander fast senkrechter, ziemlich 
roher Klüfte durchziehen dieselben. Längliche und verhältniss- 
mässig schmale Oefitnungen, nach dem einen dieser Kluftsysteme ent- 
standen, sind mit Albit und Quarz erfüllt. 



1) Jahrb. der k. k. geolog. R.-A. 1855, ß. Bd. p. 5.31. 

'^) Petrographische L'^ntersiichuiig oinig-er ostalpiner (Tpsteine. Ha'lle a. S. 
1892, p. 17. 

■■') Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wisseusch. in Wien, mathem.- 
iiaturw. Classe, Bd. CII, Abth. I, JuH 1893, p. 358, u. B e cke-Tsche rmak Min. 
u. petr. Mitth. XIII. Bd. 1893, p. 358. 



112 K. Canaval. [10] 

Die TurnialiiKSäiilcheii, welche meist in der Nälie von Riotit- 
A<;gi-egationen auftreten, sind 7A\m Theile nur central, zum Theile 
fast vollkommen ojjak. Albit und Quarz gehören zweifellos auch hier 
der jüngsten Bildungsperiode an. 

■" Ein Stück braunen, schon stark zersetzten und von ockerigen 

Flecken bedeckten Glimmerschiefers, das der Halde 14 in der Assam- 
Alm entnommen wurde und zweifellos aus der Grube gefördert worden 
ist, stinunt mit der vorbeschriebenen Gesteinsprobe überein. Einzelne 
Albitkörner zeigen eine gut ausgesprochene feine parallele Streifung, 
deren säbelförmig gekrümmter Verlauf eine stattgehabte Pressung 
andeutet. Der Biotit ist fast vollständig entfärbt und zum Theile von 
schmutzigbraunen Zersetzungsproducten umhüllt. 

Sehr tiefgreifende Umänderungen haben das Nebengestein der 
Gänge sowie die Nebengesteinsbruchstücke erfahren, welche vom 
Gangquarz umschlossen werden. Besonders instructiv ist in dieser 
Hinsicht ein kleines Gangstück, das auf der Halde des Stollens 1 
im Plattach aufgelesen wurde. Dasselbe besteht aus einem stahlgrauen 
Glimmerschiefer, der von weissen, zum Theile drusig entwickelten 
Quarzklüften durchzogen wird. In dem zertrümmerten und später 
wieder verkitteten Gestein treten kleine Pyrit- und Arsenkiesfleckchen 
auf, wogegen die Füllung der Quarzklüfte selbst keine Erze zu ent- 
halten scheint. 

Das Mikroskop zeigt, dass in einzelnen Partieen die eigenthümliche 
Structur des Granat-Glimmerschiefers noch gut erhalten, der Biotit 
jedoch vollkommen gebleicht ist. An diese Gesteinsfragmente schliesst 
sich eine Masse an, welche als ein Reibungsproduct aufgefasst werden 
muss: ein Haufwerk kleiner farbloser Glimmerblättchen und Feld- 
spatbkörner, dessen quarziges Bindemittel in die Füllung der Quarz- 
klüfte übergeht. Die letztere wird von ziemlich grossen Quarzindi- 
viduen gebildet, welche zum Theile krystallographisch umgrenzt sind 
und sich durch ihren Pveichthum an Fluidaleinschlüssen auszeichnen 
In einzelnen Durchschnitten bilden diese Einschlüsse parallele Streifen, 
welche die Seiten eines Sechsecks formiren und die wohl als Anwachs- 
streifen zu deuten sind. 

In dem als ein verkittetes Reibungsproduct bezeichneten Haufwerk 
liegen einzeln oder zu Gruppen aggregirt kleine verzerrte Pentagon- 
dodekaeder von Eisenkies und silberweiss glänzende Arsenkies- 

kryställchen, welche die Combination cc P . ^'/2 P cc^ . P co erkennen 
lassen. Kleine Kiespartieen haben sich auch innerhalb grösserer, ge- 
stauchter und verquetschter Glimmerblättchen angesiedelt, wogegen 
in dem Quarzcement winzige P^rzfünkchen vertheilt sind. Nach ihrem 
Verhalten im reflektirten Lichte bestehen die letzteren der Haupt- 
sache nach gleichfalls aus Arsenkies, neben dem jedoch noch ein 
etwas dunkler gefärbtes Erz, vielleicht Tetraedrit. aufzutreten scheint. 
Manche grössere Arsenkiesaggregationen umschliessen unregel- 
mässig" contourirte Pyritpartien. Der Eisenkies besitzt in solchen 
eine für das harte Mineral auffallend rauhe Schlifffläche und eine in's 
gelbgrüne stechende Farbe. Beide Umstände verweisen auf eine 
Verwachsung mit Kupferkies, für dessen Anwesenheit auch die malachi- 



[11] Das Erzvorkommen im Plattach etc. u. d. bogleit. Por])hyrgesteine. 113 

tischen Beschläge auf einzehien Haldenstücken sowie der oben er- 
wähnte Kupfergchalt des Sddiches spreciien. 

In einer Studie über das Kiesvorkomnien von Kallwang in 
Obersteier') habe icli ähnliche Verwachsungen von Eisenkies mit 
Kui)fer-, Arsen- und Magnetkies beschrieben und dieselben als verschieden 
vorgeschrittene Stadien der Auflösung des zuerst sedinientirten Pyrits 
bezeichnet. Etwas Analoges scheint auch hier vorzuliegen; jedenfalls 
weist die Uniwachsung des Eisen- und Kupferkieses durch den Arsen- 
kies darauf hin, dass der letztere am spätesten zur Ablagerung kam. 

Ein Vorkommen von Fahlerz auf unseren Gängen wäre übrigens 
in der hiesigen Gegend keineswegs vereinzelt. 

Nördlich von Ober-Kolbnitz im Möllthale am südlichen Einhänge 
des Kamplecks in den Rinkenbachgraben befinden sich alte Baue, 
deren auch v, S c h e u c h e n s t u e P) gedenkt. Dieselben gingen nach 
Haldenstücken, welche ich von dort erhielt, auf Quarzgängen um, 
deren Nebengestein mit jenen des Plattach übereinstimmt und welche 
ausser Bleiglanz noch dunkles Kupferfahlerz füliren. P^ine Probe von 
solchen sehr schlicharmen Gangstücken ergab nach gütiger Mittheilung 
des Herrn Director L. St. Rainer GOl gr Silber und 1-2 gr Gold 
pro Tonne (1000 /.y/) Gangmasse. 

Wöllner vermuthet, dass jene Erzvarietät der oberkärntischen 
Edelmetallbergbaue, welche die Alten als „Glaserz" bezeichneten, 
ein Fahlerz gewesen sei, und stützt sich Inebei auf einen Bericht des 
Bergrichters Hans Mathäus Fächer aus dem Jahre 165S, demzufolge 
das „Glaserz" Kupfer und Silber halte. Ich möchte jedoch glauben, 
dass man unter „Glaserz" sehr verschiedenes und Avahrscheinlich 
überhaupt kein bestimmtes Mineral begriflen habe. Am Rathhausberge 
wird nach Miller^) ein Gemenge von Gold, Glaserz und Bleiglanz 
mit diesem Namen belegt, und etwas Aehnliches mag auch das „(jrold- 
glaserz" sowie das „Glaserz" gewesen sein, welches in den kärntischen 
Goldbergbauen gewonnen wurde und das nach einem Schichtenbuch 
der Vellacher Frohnhütte von 1576-*) einen Halt von 2 bis 3 Loth 
(626 bis 940 (ßr pro Tonne) besass. 

Wenden wir uns nach dieser Abschweifung den Porphyrgesteinen 
der Assam-Alm zu. Auf den Halden 13 und 14 sind vier Varietäten 
davon aufgesammelt worden, die wir mit I bis IV bezeichnen wollen. 

Die Varietät I besitzt einen mehr dioritischen als porphyrischen 
Habitus. In einer aschgrauen, feinkörnigen Grundmasse liegen fett- 
glänzende Quarzdurchschnitte, rein bis schmutzigweisse Feldsi)ath- 
körner mit zum Theile perlmuttergiänzenden Spaltflächen, blutrothe, 
vorwiegend rundliche Granatkörner und kleine grünliche, metallisch 
schimmernde hexagonale Glimmerblättchen. F^in kleiner Kalkgehalt 
verriith sich durch die lebhafte Kohlensäureentwicklung, welche 
stellenweise nach Betropfen mit Salzsäure wahrzunehmen ist. 

Im Dünnschlifle erweist sich das Gestein trotz seiner schein- 
baren Frische als schon stark zersetzt. Die feinkörnige mikrograni- 



'•) Mittheilungen des naturwiss. Vereines für Steiermark, Jahrg. 1894, p. 52. 

•-) Carinthia. 19. Jahrg., 1829, p. 71. 

') B. und H. Jahrbuch VI. Bd. 1857, p. 200. 

*) Nr. 552 des Archivs der k. k. Berghauptmauuschalt Klageufurt. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt. 1895, 45. Band. 1. Heft. (R. Canaval.) 15 



114 R. Canaval. [12] 

tische Griindmasse umschliesst Einsprenglinge von Quarz, Plagioldns, 
Glimmer und Granat. 

Der (^)uarz bildet die für Porphyrquarze tvpisclion Doppel- 
pyramiden; rundliche Einschlüsse und Einstülpungen der Grundmasse, 
Schwärme von Fluidaleinschlüssen. Apatitnadeln und Zirkonsäulchen 
sind in ihm sehr verbreitet, Glaseinschlüsse fehlen. 

Der riagioklas tritt in gut entwickelten Krystallen auf, an welchen 
die Flachen M, P, x, T und / beobachtet wurden und die Zwillinge 
nach dem Albit-Karlsbader- und Periklin-Gesetz erkennen lassen. 
Der grössere Theil des Feldspaths ist zersetzt und durch schmutzig- 
braune, local wolkig verdickte Zersetzungsi)ro(lucte bis zur völligen 
Undurchsichtigkeit getrübt. Die frischeren Durchschnitte zeigen eine 
prächtige Zonen -Structur und zum Theile recht reichliche Ein- 
schlüsse vorwiegend nadeiförmiger Apatitmikrolithe. YAw sehr guter 
derartiger Durchschnitt nach J/ besitzt einen breiten, centralen Kern, 
welcher von einer schmalen Zone umgeben wird. Der einheitlich 
auslöschende Kern ergab eine Auslöschungsschiefe von — 9", wogegen 
die ihn und^ränzende Zone eine wandernde Auslöschung zeigt, welche 
von Innen nach Aussen von 0" bis + 7^ steigt. F;rsterer kann daher 
als basischer Andesin, letztere als eine Substanz angesi)rochen werden, 
welche sich von Ah^ Ari^ bis Ah^ An^ erhebt. Die Feldspathkerue 
sind, soweit die secundären Veränderungen, welche dieselben erlitten, 
eine Entscheidung gestatten, fast ausnahmslos inhomogen. Sie be- 
herbergen reichlich Fluidaleinschlüsse und Apatitmikrolithe, welche 
hier im Allgemeinen häutiger als in den randlichen Partieen aufzutreten 
scheinen und auch ein geringeres Bestreben zeigen, sich einer Zone 
parallel anzuordnen. Die Zersetzung derPlagioklase, mit welcher die Aus- 
scheidung eines Carbonats parallel läuft, beginnt regelmässig im Kerne 
und schreitet nach Aussen vor. In Folge dessen werden oft stark getrübte 
Kerne von einem relativ sehr frischen Rand umgeben. Bisweilen sind 
in einer breiten frischen Randzone schmale Zonen eingeschaltet, welche 
dieselbe Trübung wie der Kern zeigen, eine Erscheinung, die darauf 
hinweist, dass während des Wachsens der Plagioklas-Eins})renglinge 
zu verschiedenen Zeiten anorthil reichere Mischungen abgelagert 
worden sind. 

Die Glimmereinsprenglinge erwiesen sich als Biotit, der zum 
Theile vollständig entfärbt ist. Zwischen den Spaltblättchen haben 
sich als Neubildung wulstförmigc, gelblich gefärbte Massen angesiedelt, 
die unter gekreuzten Nicols als Aggregationen kleiner Körner erscheinen, 
welche ihrem Verhalten nach als Eitidot anzusi)rechen sind. In einzelnen 
Fällen ist es zu einer Individualisirung dieser Körner und zur Aus- 
bildung kleiner Säulchen gekommen, deren Längsachse auf den Spalt- 
blättchen senkrecht stehen. 

Die lichtröthlichen, von uuregelmässigen Sprüngen durchzogenen 
Granatkörner sind vorwiegend rundlich unis(hriel)en und zeigen nur 
sporadisch Andeutungen krystallographischer Umgrenzung. Sie um- 
schliessen kleine Erzkörner sowie Nadeln und Säulchen von Apatit. 

Recht auffallend sind grüne, spitzrhombische Älineraldurchschnitte 
mit schmaler Abstumpfung des spitzen Winkels. An einem der besten 
dieser Durchschnitte wurde der stumpfe Winkel mit 124<^ gemessen, 



[131 Das Erzvorkommen im Plattach etc. u. d. begleit. Porphyrgesteine. 115 

was auf Ami)hil)ül verweist. Sowie der lüotit, hat nun aucii die llürn- 
blende tielV;reifende Uinwandlun<^eii erlitten. Die Durchschnitte zer- 
fallen zum Theile ganz in lichtgriine, divergeutstrahlige Aggregationen 
schiltiger Nadeln, welche strahlsteinähnlich aussehen und sich 
nicht auf die Contouren des Durchschnitts allein beschränken, sondern 
dieselben stellenweise übergreifen. In einzelnen Fällen sind diese 
radialen Aggregate in solcher Vollkonnnenheit zur Ausbildung ge- 
kommen, dass sie unter gekreuzten Nicols ein scharf gezeichnetes 
dunkles Kreuz erkennen lassen. Die Auslöschungsschiefe der Nadeln 
gegen die Längsachse beträgt nach mehreren von einander allerdings 
ziemlich stark differirenden Messungen 11-3" im Mittel, was der 
zuverlässigsten Ablesung von 12" nahekommt. Die Doitpelbrechung 
ist, wie die Untersuchung mit einem Gypsblättcheu ergab, negativ. 
Einige dieser veränderten Amphibol-Durchschnitte bestehen aus einer 
trüben, schmutziggelbgrünen Masse, in welcher neben sehr fein- 
faserigen Gebilden noch kleine Körner wahrgenommen werden können, 
die durch ihre Polarisationsfarben an Epidot erinnern. Ein solcher 
Durchschnitt zeigt deutliche Andeutungen zonarer Structur. Grünlich- 
braun gefärbte Reste der ursprünglichen Hornblende-Substanz sind 
nur in wenigen Fällen vorhanden, wogegen trübe, zonenlose Feldspath- 
körner und kleine, zum Theile von einem schwarzen nacli Aussen 
verwaschenen Hof umgebene Zirkonsäulchen ziemlich häufig auftreten. 

Das Studium der mikrogranitischen Grundmasse wird durch 
Zersetzungsproducte und Neubildungen erschwert Ihre rein körnige 
Structur tritt namentlich bei stark eingeengtem Beleuchtungskegel 
und Anwendung stärker vergrössernder Objective deutlich zu Tage. 
Neben kleinen Muscovitschuppen, welche sich durch Spaltbarkeit und 
kräftige Lichtbrechung charakterisiren, sieht man farblose Körner, 
von denen die Mehrzahl bei rectangulärer oder quadratischer Form 
zwar das gleiche Lichtbrechungsvermögen wie die randlichen Partieen 
der por[)hyrischen IMagioklas-Einsprenglinge, jedoch nur selten An- 
deutungen von S|»altbarkeit oder von Zwillingsstreifung erkennen lässt. 
Neben den Plagioklas- und Quarzkörnen steckt in der Grundmasse 
noch ein drittes farbloses, klares Mineral, das sich durch erheblich 
geringeres Lichtbrechungsvermögen auszeichnet und die Rolle einer 
Zwischenklemmungsmasse spielt. Wiederholte Vergleichungen desselben 
mit simultan auslöschenden Quarzkörnern nach B ecke's Methode 
verweisen auf Albit. Local Hess sich sogar eine grössere derartige 
Albitpartie beobachten, welche deutliche Zwillingsstreifung besass, 
sich jedoch von den porphyrischen Plagioklaseinsprenglingen durch 
unregelmässige Begrenzung und daher auch durch das Fehlen der 
bei jenen so allgemein verbreiteten Zonenstructur unterschied. 

Adern, welche einzelne porphyrische Feldspäthe durcliziehen, 
scheinen gleichfalls aus Albit zu bestehen. 

Secundäre Bildungen, wie die Albitpartien, sind auch die kleinen, 
ganz irregulär umschriebenen und oft von rhomboedrischen Spaltrissen 
durchzogenen Flecke eines bräunlichen Carbonats, welche sich in der 
Grundmasse ansiedelten. Dieselben umschliessen oft kleine Quarz- 
körner und hängen meist durch Ausläufer , mit stark zersetzten 
Plagioklasdurchschnitten, zusammen. 

15* 



11(3 R. Canaval. [14] 

Als accessorische Gemengtheile sind noch Apatit, von dem in 
einem Falle die gut ausgebildete Combination oo P. F . o F . beobachtet 
worden ist, Zirkon und ein sehr sparsam auftretendes, im retlektirten 
Lichte schwarzbraunes, schwach pechglänzendes Eisenerz zu erwähnen. 

Ein grösseres, scharf ausgebikletes Zirkonkryställchen, welches 
die P'orni x- F ^ . F erkennen liess, wurde auch in dem Pulver des 
Gesteins wahrgenommen und konnte hier mit Sicherheit diagnosticirt 
werden. 

Unser Gestein I steht, wie aus der vorstehenden Beschreibung 
erhellt, dem von Becke') beschriebenen Tonalitporphyrit des Gel- 
thalferners nahe, ditferirt jedoch von demselben unter Anderem auch 
durch das Fehlen von Orthit. Als Grundmassebestandtheil wurde dort 
Orthoklas nachgewiesen, der sich zwar hier nicht auffinden liess ; es 
scheint mir jedoch sehr wahrscheinlich zu sein, dass ein Theil des 
für Albit angesprochenen Minerals nicht Albit, sondern Orthoklas ist. 
Eine sichere Entscheidung hierüber ist in Folge der weitgediehenen 
Veränderung des Gesteins kaum mehr möglich. 

Die Varietät II gleicht mehr einem Pori)hyr als I, gibt sich 
aber schon makroskopisch als ein stärker umgewandeltes Gestein zu 
erkennen. In einer fleischfarbenen, dichten Grundmasse liegen Quarz- 
körner, mattglänzende Feldspathdurchschnitte. schwach seidenartig 
schimmernde hexagonale Gliramerblättchen und kleine „pseudote- 
tragonale" Pyritkryställchen, die sich local zu kleinen Nestern aggre- 
giren und mit deren Auftreten die rostbraune Verwitterungsrinde des 
Gesteines in causalem Zusammenhange stehen mag. Grössere schmutzig- 
grau gefärbte Körner, in welchen derartige Pyritanhäufungen wahr- 
zunehmen sind, scheinen ihrer Form nach umgewandelte Granaten 
zu sein. 

Unter dem Mikroskope ist eine sehr feinkörnige Grundmasse 
zu erkennen, in welcher ziemlich grosse Einsprengunge liegen. Von 
den letzteren haben mit Ausnahme des Quarzes alle übrigen sehr 
energische Umänderungen erlitten. Die Plagioklasdurchschnitte sind 
an ihren Contouren gut kenntlich, auch ihre Zwillingsstreifung und 
ihr zonaler Aufbau ist stellenweise noch vorhanden, die Feldspath- 
substanz selbst wurde jedoch fast vollständig durch eine Masse verdrängt, 
welche vorwiegend aus farblosen Glimmerschüppchen besteht. Mit 
denselben ist eine quarzähnliche Substanz verbunden, die local winzige 
glimmerfreie Partieen bildet und nach ihrem Lichtbrechungsvermögeu 
Albit zu sein scheint. Kleine irisireude Carbonattleckchen und Zoisit- 
stengel sind in dieser Masse wahrzunehmen. 

Die schon makroskopisch erkennbaren Glimmereinsprenglinge 
sind ihrer Form nach als Biotit zu deuten. Von der ursprünglichen 
Substanz hat sich jedoch wenig mehr erhalten. Schnitte senkrecht 
zur Basis zeigen hauptsächlich nur in den Randpartien farblose, durch 
die Lebhaftigkeit ihrer Interferenzfarben an Muscovit erinnernde und 
durch den gewundenen Verlauf ihrer Spaltrisse gut charakterisirte 
Glimmerlamellen, wogegen der centrale Theil von Neubildungen erfüllt 
wird. Die letzteren bjestehen aus: Quarz und Carbonattleckchen, 



') Becke-Tschermjik. Mneralog. u. petrogr. Mitth. XIII. Bd. 1893., p. 435. 



[15] Das Erzvorkommen im Plattach etc. u. d. begleit. Porphyrgesteine. 117 

Anliaut'ungen von Gliiimiersclii'i])i)clu!ii, die /iini Theile mit Quarz, zum 
Theile mit Albit verwaclisen zu sein scheinen, dann <aus Zoisitstengeln 
von liionibiscliem. vielkantifjjem bis rundlichem Quersclmitt. Schmale, 
anscheinend opake Erzpartieen interponiren sich zwischen den Glimmer- 
bhUtchen, erfüllen aber auch durch Verdickungen oder schräg ange- 
setzte Seiteniiste untereinander zusammenhängend den grösseren 
Theil mancher Durchschnitte. 

Bei Anwendung starker Vergrösserungen lösen sich diese scheinbar 
opaken Erzpartieen auf. Man erkennt schwach gelblich gefärbte, zu 
sagenitartigen Verwachsungen verfilzte Rutilnädelchen. 

Eine ganz analoge Umänderung erlitt der in seinen spitzrhond)ischen 
Querschnitten durch den Prismenwinkel charakterisirte Amphibol. 
Am Rande häufen sich Rutilnädelchen an, deren Gewebe den Schnitt 
durchzieht und dadurch bei Anwendung schwacher Vergrösserungen 
den Eindruck hervorruft, als ob derselbe von einem opaken Erz 
irregulär durchwachsen würde. Den restlichen Theil erfüllen Carbonate 
und Albit sowie dicke, farblose Säulchen eines dem Epidot nahe- 
stehenden Minerals. Der Albit setzt local grössere Flecken zusammen, 
die, wenngleich nur sehr vereinzelt, deutliche Zwillingslamellirung 
wahrnehmen lassen. Reicht der letztere Umstand für sich allein zwar 
nicht hin, um das Mineral sicher zu diagnosticiren, so spricht er 
doch dafür, dass hier nicht Quarz oder Orthoklas, sondern ein Plagio- 
klas vorliegt. 

Der Granat lasse sich nur mehr an der Form seiner Durch- 
schnitte erkennen Dieselben werden gleichfalls von einem Rutilgewebe 
durchzogen und sind daher stellenweise ganz opak. An den Rändern 
der Granatkörner haben sich Büschel dünner, säbelförmig gekrümmter 
farbloser Nadeln angesiedelt, die nach ihrem optischen Verhalten 
als Tremolit gedeutet werden können. Im Innern sieht man ungemein 
feinfaserige Partieen, welche aus der gleichen Substanz zu bestehen 
scheinen, und gewahrt daneben Stengel sowie Querschnitte von Zoisit. 

Umwandlungen von Granat in Hornblende wurden von Groth, 
Dathe und Cathrein^) beobachtet und eine Umsetzung von Granat 
in Tremolit habe ich selbst aus dem Magneteisenerzvorkommen von 
Raggabach 2) beschrieben. Neu dürfte das Mitauftreten des Zoisits 
sein, dessen Eintritt in die Reihe der Umwandlungsproducte von 
Granat indess mit Rücksicht auf die bekannten Umwandlungspseudo- 
morphosen von Epidot nach Granat^) kaum auffällig erscheinen kann. 
Bemerkenswerth sind die Anhäufungen von Rutil in den Biotit-, 
Amphibol- und Granatdurchschnitten, aber auch diese stehen nicht 
vereinzelt da. Die goldführenden Quarzgänge von Beresowsk durch- 
setzen ein granitisches Ganggestein, welches G. Rose als Beresit 
beschrieb. Der zersetzte Beresit zeigt nun nach Arzruni^) eine 
auffallende Zunahme des Rutils, „der in Nadelhaufen, in klumpigen 
Aggregaten oder auch vereinzelt auftritt, aber stets mitten im Glimmer 



') Groth, Zeitschrift für Krystallographie etc. X, 1885, p. 441. 
■-) Carinthia, 83. Jahrg. 1893, p. 160. 

^) Vergl. Cathreiu 1. c. p. 435, Koth, allgemeine und chemische Geologie 
I. Ed. Berlin 1879, p. 362. 

^) Zeitschrift, d. deutsch, geolog. Ges. XXXVII. Bd. 1885, p. 872. 



118 R. Canaval. [16] 

oder wenigstens in der Nähe desselben, als ob er sich aus dem 
Glimmer abgeschieden hätte." 

In der, wie erwähnt, selir t'einlvörnigen Grund niasse unseres Ge- 
steines lassen sich winzige d()pi)elbrechende Körnchen, kleine farblose 
Glimmerschüppchen. die sich oft zu büschelartigen Verwachsungen 
Mggregiren, sowie unregelmässig contourirte irisirende Carbonattieckchen 
unterscheiden. Ausser sparsamen Zirkonkryställchen begegnet man 
auch hier wieder vereinzelten Zoisitstengeln. Klüfte, welche das Gestein 
durciiziehen und in denen Quarz die äussere ältere, Calcit die centrale 
jüngere Kruste bildet, sind zweifellos durch Verschiebungen bedingt 
worden, welche nach der Metamorphose stattfanden. An einer Stelle 
wird ein umänderter Feldspathkrvstall, an einer anderen ein Biotit- 
einsprengling von einer solchen Kluft durchsetzt und verworfen. 

Der Pyrit bildet theils ringsum ausgebildete, scheinbar tetragonale 
Säulchen, theils nur einseitig gut krystallographisch umschriebene 
hexaedrische Durchschnitte. Dieselben zeigen im Gegensatze zu den 
frischen pjsenkiesen mancher Kieslager im retlectirten Lichte eine 
auffallend rauhe Oberfläche und umschliessen nicht selten kleine 
Gesteinspartien oder Mineraldurchschnitte (darunter auch Zoisit). 
Kleine Titanitkorner begleiten öfters die Kiese, eine Association, 
welche speciell bei Kieslagerstätten ziemlich constant aufzutreten 
scheint. 

Die Pyrite haben sich mit Vorliebe in den zersetzten Amphibol- 
und Biotitdurchschnitten angesiedelt, in welchen sie ziemlich regelmässig 
die JMitte einnehmen. Ausserdem liegen sie auch ganz zerstreut in 
stark zersetzten Plagioklaskrystallen oder in einzelnen Lacunen der 
Grundmasse, die zum Theile eine rundliche, hie und da noch deutlich 
an Feldsi)athdurchschnitte erinnernde Umgrenzung, zum Theile aber 
eine langgezogene linsenähnliche, minder scharf contourirte Form be- 
sitzen. Im ersteren Falle besteht die Älasse dieser Lacunen der Haupt- 
sache nach aus farblosen , lebhaft polarisirenden Glimmerblättchen, 
die sich büschelförmig anzuordnen streben, im anderen aus farblosen 
Glimmerschüppchen, Carbonattieckchen und Quarz, neben dem noch 
Albit auftritt, der stellenweise in recht beträchtlicher jMenge vorhanden 
zu sein scheint. Zoisitsäulchen und Anhäufungen sagenitai'tig ver- 
wachsener Rutilnädelchen sind in dieser Masse wahrzunehmen, ab 
und zu auch stärkere, knieförmig verzwillingte Rutilsäulchen. In den 
rundlichen Lacunen sind die Pyritkörner regellos verstreut, während 
in den linsenförmigen meist ein grösseres Individuum den centralen 
Theil einninmit. 

Als ein Verbindungsglied zwischen I und II könnte das Gestein 
III betrachtet werden, welches gewissen gi-anatführenden Porphyriten 
Unterkärntens noch mehr gleicht als I. P]s besitzt eine graue felsitische 
Grundmasse und führt anscheinend gar keine Kiese, wohl aber einzelne 
kleine Granatkörner. 

^Yie das Mikroskop zeigt, sind die porphyrischen Feldsi)äthe 
zum Theile mit Erhaltung ihrer zonaren Structur in eine schwach 
pellucide Masse umgesetzt, deren wolkige Trübung sich zu kleinen 
opaken Fleckchen verdickt, welche aneinander gereiht den Rand 
der Durchschnitte oder die Grenze einer Zone markiren. Zoisitstengel 



ri71 Das Erzvorkommon im Plattach etc. u. d. begleit. Porphyrgesteino. 119 

lassen sich in der trüben Masse erkennen. In einzelnen Fällen ist 
es auch zur Ausbildung zackigumschriebener Calcit-Partieen gekommen, 
die sich mit wasserhellen irregulär begrenzten Feldern einer Albit' 
ähnlichen Substanz verzahnen. 

Der Biotit ist in eine licht gelblich grüne, faserige, chloritische 
iMasse umgewandelt, welche einen schwachen Pleochroismus wahr- 
nehmen lässt und unter gekreuzten Nicols in den Zwischenstellungen 
ein charakteristisches Yiolettblau (ungefähr 20 bis 21 f Rad de') an- 
nimmt. Eutilanhäufungen bilden schmale lanzetähnliche Streifen, die 
sich zwischen den Fasern interponiren. p]ine ähnliche Umsetzung 
erlitt der Amphibol, dessen Durchschnitte von einem vielfach ver- 
zweigten Iiutilgewebe durchwachsen werden. Neben der chlori tischen 
Substanz sind zum Theile recht ansehnliche Zoisit-Individuen, sowie 
verworren faserige, durch ihre grellen Polarisationsfarben charakteri- 
sirte Tremolit-Aggregationen vorhanden. Der Granat, mit dem zum 
Theile gleichfalls Zoisit verwachsen ist, ist im Allgemeinen noch recht 
frisch. Ein grösseres, von unregelmässigen Sprüngen durchzogenes 
Korn lässt erkennen, dass sich Tremolit zwischen den einzelnen Bruch- 
stücken einschiebt; ein allmähliger Uebergang der Granatsubstanz in 
Tremolit ist stellenweise ziemlich deutlich wahrnehmbar 

Die kleinkörnige Griindmasse besteht aus farblosen Körnchen 
und ebenfalls farblosen , oft büschelförmig aggregirten Glimmer- 
schüppchen; Calcitileckchen und Zoisitstengelchen sind in ihr sehr 
verbreitet. 

Prächtige Zirkon- und Apatit-Mikrolithe treten als Einschlüsse 
in den Quarz-Dihexaedern auf. Die Verfestigung der letzteren scheint 
erst zu einer Zeit stattgefunden zu haben, als die Zersetzung der 
übrigen Coni[)onenten bereits weit vorgeschritten war; es spricht 
dafür der Umstand, dass auch zersetzter rutilfülirender Biotit als 
Eiuschluss im Quarz nachgewiesen werden konnte. 

Auifallend arm ist das Gestein an Erzen. In den Schliffen Hess 
sich nur ganz vereinzelt ein Pyritwürfelchen beobachten. 

Eine vierte Porphyrvarietät (IV), welche dem Gestein II ver- 
wandt ist, zeichnet sich makroskopisch dadurch aus, dass dieselbe 
neben Eisenkies noch viel Arsenkies führt. 

Unter dem Mikroskope sieht man eine trübe Grundmasse, die 
an den Rändern des Schliffes ein Aggregat winziger, doppelbrechender 
Körnchen und Schüppchen erkennen lä^st. Da von Fcldspathdurch- 
schnitten nur mehr Andeutungen vorhanden sind und auch die oben 
beschriebenen Glimmerlacunen sehr zurücktreten, bildet das Gestein 
eine fast homogene Masse, aus welcher grosse Quarzdihexaeder und 
zersetzte Biotitblättchen hervorstechen. 

Die Quarzeinsprenglinge beherbergen ausser Einschlüssen der 
Grundmasse Apatit und Zirkonmikrolithen prächtige, die Form ihres 
Wirthes nachahmende Fluidaleinschlüsse. Der Biotit ist im Allge- 
meinen besser erhalten als in II und wird von Nädelchen und 
Körnchen von Rutil begleitet. Zoisit tritt sehr zurück, dagegen 
kommen neben prächtigen Zirkon - Kryställchen kleine, schwach röth- 



') Radde's lutefnationale Farbenscala. 



120 ß- Canaval. [18] 

lieh gelb gefärbte Rutilsäulchen in der Griindmasse vor, welche zum 
Theile den eigenthiimlichen. das jMineral charakterisirenden metalli- 
schen Schimmer wahrnehmen lassen. 

Reich ist das Gestein an Kiesen, die theils ganz unvermittelt 
in der Gesteinsmasse erscheinen, theils zwischen den Spaltbliittchen 
des Biotits sich ansiedelten, zum Theile aber auch mit Trümmern 
und Nestern vom Gangquarz im Zusammenhange stehen. 

Neben dem an Häufigkeit überwiegenden Arsenkies tritt Pyrit auf 

Der Arsenkies zeigt die gleiche Ausbildungsweise wie in den 
Quarzgängen des Plattach. Der Pyrit formirt theils verzerrte, flächen- 
reiche Pentagondodekaeder, theils kurze pseudotetragonale Säulchen. 
Die ersteren sind im reflectirten Lichte schwach grünlich gelb (unge- 
fähr dem Tone 8 g R a d d e's entsprechend), die letzteren gelbgrau 
(circa 35 m Rad de). Von Arsenkies umwachsen und daher ent- 
schieden jünger als dieser ist die grünlich-gelbe Varietät, wogegen 
die gelbgraue nur isolirt angetroffen wurde. 

Wie man schon makroskopisch erkennen kann, wird das Gestein 
von Gangquarz durchsetzt, der unter dem Mikroskope jenen charakte- 
ristischen Habitus besitzt, welcher die Quarzgänge des Plattach aus- 
zeichnet. Er verzweigt sich unregelmässig in die Gesteinsmasse und 
erscheint mit derselben durch allmählige Uebergänge verbunden, so 
dass eine scharfe Grenze zwischen beiden nicht gezogen werden 
kann. Für den eigenthümlichen, gewundenen Verlauf der schmalen, 
durch häufige und grössere Kiesanhäufungen ausgezeichneten Quarz- 
trümmer waren schon vorhandene Disscontinuitäten bedingend. Man 
sieht öfters in zwei Theile zerspaltene Biotitindividuen, zwischen 
deren Spaltungsfugen sich ein Quai'ztrum hindurchzieht. 

Das ganze Auftreten dieser Quarztrümmer besitzt sehr wenig 
Aehnlichkeit mit echten, von Quarz erfüllten Querspalten, wie solche 
z. B. den Porphyrit von Liesclia durchsetzen, sondern gleicht mehr 
Primärtrümmern, welche während der Verfestigung des Gesteines 
gebildet wurden '). 

Was uns bei dem Erzvorkommen auf der Assam-Alm besonders 
interessirt, ist dessen genetische Beziehung zu dem Porphyrit. Es 
fehlte mir leider die Zeit, um mich über die Art des Vorkommens 
desselben näher zu unterrichten, ich konnte jedoch auf dem Wege 
von der Assam-Alm herab zum Gop})nitzbach constatiren, dass sich 
im Erraticum zahlreiche P()ri)iiynt-Findlinge befinden, welche auf 
grössere Porphyritausbisse schliessen lassen. 

Beim Aufstieg vom Glanzsee zum Plattach wurden solche 
P'indlinge nicht beobachtet und im Plattach selbst konnten weder 
in den Halden, noch unter dem Felsgetrüinmer porphyrische Gesteine 
wahrgenommen werden. In dem nördlich von unseren 'Quarzgängen 
gelegenen Gebiete steht daher das Eruptivgestein nicht an. Nun ist 
dasselbe al)er beim Grubenbetriebe auf der Assam-Alm zweifellos 
angefahren worden und war ferner die verhaute Gangmächtigkeit 
hier entschieden grösser als im Plattach. Berücksichtigt man ausser- 
dem die eigenthümlichen Umänderungen, welche der Porphryit wahr- 



') Vergl. R. Canaval. Jahrb. der k. k. geolog. R.-A., 1890. 40. Bd. p. 554. 



[19] r)as Erzvorkommen im Plattach etc. ii. d. begleit. Porphyrgesteine. 121 

nelimeii lässt, und das Auftreten von Sulfureten in dem umänderten 
Gestein, so scheint die Vermuthung zulässig zu sein, dass der Por- 
pliyrit wie der Erzgang einer und derselben Spalte angehören. Bilden 
sich in der festen Erdkruste mehrere Spalten von verschiedener 
Mächtigkeit, so wird das Eruptivmagma dort am leichtesten aufsteigen 
können, wo in Folge der grössten Spaltenweite die Wandreibung am 
kleinsten ist. Communicirt ferner mit der Ausbruchsspalte eine Neben- 
spalte, deren Weite von unten nach oben abnimmt, so mag die nach 
oben allmählig zunehmende Wandreibung das Aufsteigen des Magmas 
in dieser nur bis zu einer gewissen Grenze gestatten. Während daher 
von der Ausbruchspalte aus eine Effusivmasse gebildet wird, kann 
sich eine solche Nebenspalte durch einen Magmapfropf verschliessen 
und die Thermalwässer, welche bei keiner Eruption fehlen, werden 
dann auf das Eruptivgestein verändernd einwirken und den restlichen 
Theil der Spalte mit ihren Absätzen allmählig erfüllen. 

Es wäre möglich, dass im vorliegenden Falle derartige Processe 
stattfanden und die Entstehung von Erzgängen bedingten, die sich 
in der Tiefe in Porphyritgänge umw%andeln. Auf Verschiebungen, die 
während der Verfestigung des Eruptivgesteines erfolgten, wären dann 
die eigenthümlichen Quarztrümmer zurückzuführen, welche von der 
Gesteinsvarietät IV beschrieben wurden. 

V. R i c h th f e n muthmasst, dass die Gänge im Propylit Ungarns 
und Nordamerikas durch Solfatarenthätigkeit gefüllt wurden und 
Rosenbusch*) vertritt die Ansicht, dass der Propylit als eine „nur 
pathologische Varietät der quarzführenden, beziehungsweise quarz- 
freien Amphibol- und Augitandesite anzusehen sei", eine Auffassung, 
die durch Becker, Hague, Iddings u. a. bestätigt wurde. 

Wird daher für die Porphyrite des Kreutzecks das gleiche 
geologische Alter angenommen, welches T eil er 3) den Quarzglimmer- 
porphyriten des Bacher und P) ecke *) den porphyritischen Begleitern 
des Riesertonalits zuweist, so könnte unser Erzvorkommen und die 
eigenthümlichen Umänderungen des dasselbe begleitenden Eruptiv- 
gesteines 5) als ein Analogen zu solchen in der kaenozoischen Aera 
stattgehabten Vorgängen betrachtet werden. 

Auf dynamometamorphe Processe möchte ich diese Gestein- 
umwandlungen nicht beziehen, sondern mit Becke") vermuthen, 
dass dieselben von alkalischen Lösungen bedingt wurden. Speciell 
die porphyrischen Quarzeinsi)renglinge zeigen nichts von jenen eigen- 
thümlichen Streckungserscheinungen, wie sie u. a. Futtere r^) von 
den Quarzporphyren von Thal im Thüringer Walde beschrieb und 



Jahrb. rl. k. k. geol. R. - A. 1860, XL Bd. p. 276, vergl. Möricke 
Zeitschrift für praktische Geologie 1893. p. 143. 

-) Mikroskopische Physiographie der massigen Gesteine. Stuttgart 1887. 
p. 691. 

*) Verband!, d. k. k. geol. R.-A. 1893. p. 182. 

■*) Backe— T sc her mak. Miueralog. und petrograph. Mitth. XIII. Bd. 
1893. p. 462. 

') Vergl. Zi rkel. Lehrbuch der Petrographie. IL Bd. Leipzig 1894. p. 585. 

«) 1. c. p. 421. 

') Die Ganggranite von Grosssachsen und die Quarzporphyre von Thal im 
Thüringer Wald. Heidelberg 1890. p. 27. 

Jahrbuch d. k. k. geolog. Reichsanstalt, 1895, 45. Band, 1. Heft. (R. Caiiaval.) Jß 



122 R- Canaval [20] 

unterschieden sich durch ihre optische Homogenität in sehr auf- 
fallender Weise von den undulös auslöschenden Körnern des Gang- 
quarzes. 

Wöllner und mit ihm Roch ata sind der Meinung, dass bei 
den zahlreichen, Edelmetalle führenden Erzlagerstätten des Kreutz- 
ecks der Adel mit zunehmender Teufe abnehme. Bei Goldvorkommen 
wird ein Zurücktreten des Freigoldes in der Tiefe kaum negirt 
werden können, aber auch eine factische Abnahme des totalen Gold- 
gehaltes scheint erklärlich zu sein. Die Bildung des eisernen Hutes 
der Sulfuretlagerstätten ist öfters in sehr eingehender Weise auch 
von Posepny") besprochen worden. Sie steht mit der Circulation 
wässeriger Lösungen in der „vadosen (Grundwasser-) Region"'^) im 
Zusammenhange. Das steilstehende wahrscheinlich in der unteren 
Zone des alpinen Muschelkalkes gelegene Erzmittel des alten Blei- 
bergbaues Bleiriese auf dem Golserneck bei Stockenboy in Kärnten 
führt in den obersten Partieen Brauneisensteine, welche seinerzeit als 
Eisenerze verschmolzen wurden und in denen mit zunehmender Teufe 
Galmei schliesslich Blende auftreten ^). Ganz analoge Verhältnisse 
zeigen Raibl und andere p]rzvorkommen der ostalpinen Trias. Die 
Suifurete wurden allmählig zersetzt und zum Theile weggeführt, so 
dass in den obersten Horizonten nur mehr unlösliche Eisenoxydate 
restirten. 

Bischof 4) hat nachgewiesen, dass bei der Zersetzung silber- 
haltiger Erze das Silber an den Oxydationsprocessen Antlieil nimmt 
und in löslichen Verbindungen fortgeführt wird, „Sind solche Erze 
goldhaltig, so bleibt das Gold ungelöst zurück". Anknüpfend an 
Bischof besprach später Posepny '") die grössere Feinheit des 
Waschgoldes gegenüber dem Berggold und führte dieselben darauf 
zurück, dass ein gewisser Chlornatriumgehalt den atmosphärischen 
Niederschlägen selten fehle. In den obersten Erzregionen, welchen 
das Waschgold entstammt, ist daher ein Theil des in gediegenen 
Goldbullion enthaltenen Silbers durch Oxydation oder Chlorisation 
entfernt worden. Die Entstehung der Haloiderze am Ausgehenden 
der Lagerstätten wurde in jüngster Zeit vonKosmann^) aufgeklärt. 
Während in den tropischen wasserarmen Klimaten der neuen Welt 
die natürlichen Bedingungen dafür gegeben sind, dass sich auf den 
dortigen Erzablagerungen Haloidverbindungen und sulfatische Metall- 
verbindungen vorfinden, haben diese Salze „auf den Erzgängen von 
höherem Alter der alten Continente längst ihre Zerstörung erlebt". 

Aus dem Auftreten des Goldes im eisernen Hute folgert ferner 
Suess^), dass hier zugleich mit der Zersetzung des Schwefel- 



») Archiv für praktische Geologie I. Bd. Wien 1879. p. 246, vergl. Suess 
die Zukunft des Silbers. Wien und Leipzig 1892. p. 11, Stelzner Zeitschrift 
für praktische Geologie 1894. p. 431. 

^) Vergl. Posepny, Bericht über den allgemeinen Bergmannstag zu Klagen- 
furt 1893. Wien 1893. p. 79. 

8) Vergl. K. Canaval Carinthia. 81. Jahrg. 1891. p. 17. 

*) Lehrb. der ehem. und phvsikal. Geologie. III. Bd. Bonn 1866. p. 843. 

•') 1. c. p. 226. 

^) lieber die Bildung haloidischer Erze. Leopoldina XXX, 1894. 

') Die Zukunft des Silbers. Wien und Leipzig 1892. p. 16. 



[211 üas Erzvorkommen im Plattach etc. u. d. begleit. Porphyrgesteine. 123 

eisens eine Tjösuiig und Umlagerung des Edelmetalles stattgefunden 
haben muss. 

Das Gold ist, wenn auch nur in geringer Menge, in Flüssig- 
keiten löslich, die in den oberen Teufen der Erzniederlagen thätig sein 
können. Abgesehen von der Lösliclikeit des Goldes in Natriunisulfid ') 
in Chlor, das nach R. Pearce^) bei Gegenwart von Manganoxyden 
und Chlorverbindungen durch die bei Zersetzung von Kiesen ent- 
stehende Schwefelsäure frei werden kann, ferner nach Eg leston 3) 
in Chlornatrium und Salpetersäure, schwefelsaurem Anion und Salmiak, 
Chlorkalium u. dgl., zeigte gleichfalls Bischof*) „dass kieselsaures 
Goldoxyd unter gewissen Umständen in deutlich erkennbarer Menge" 
von Wasser gelöst werde. Bischof nimmt daher an, „dass Gold in 
seiner feinsten Zertheilung in Gesteinen durch Gegenwart von Kiesel- 
säure zur Verbindung mit Sauerstott" disponirt und hierauf mit dieser 
verbunden werden könne". 

Nach Do elter, welcher vermuthet, dass bei den mit Quarz 
verbundenen Goldvorkommen kohlensaure Alkalien als Lösungsmittel 
fungirt haben ö), ist ferner Gold in kohlensaurem Natron löslich und 
wirkt kieselsaures Natron bei 250'' auf dasselbe lösend ein**) und 
nach Egleston''') wird das Metall auch von Magnesiasulfat ange- 
griffen. Nach Le Conte^) und Anderen löst sich ferner Gold in 
Eisenoxydsulfat und wird von Eisenoxydulsulfat ausgefüllt. Sehr ver- 
dünnte Goldlösungen können daher auch in der vadosen Region ent- 
stehen und D. A. Rickard^) hebt hervor, dass man Gold in ver- 
schiedenen Goldbergwerken Australiens in den Grubenwässern, sowie 
in Hölzern, welche damit durchtränkt waren, nachzuweisen vermochte. 

Auf die geologische Wichtigkeit der leichten Reducirbarkeit 
der Goldverbindungen hat ferner gleichfalls Bischof^*^) aufmerksam 
gemacht und nach den Versuchen von A. Liversidge'^) wird Natrium- 
goldchlorid durch zahlreiche theils organische , theils unorganische 
Substanzen, von welch' letzteren Bleiglanz und Redruthit am kräftigsten 
wirken, zersetzt. 

Während daher in der vadosen Region die Verbindungen des 
Bleies, Zinks u. dgl. ausgelaugt und weggeführt werden, dürften die 
hier entstandenen Goldlösungen sozusagen in loco wieder zerfallen 
und dadurch zur Ansammlung des Edelmetalls im eiserneu Hut Ver- 
anlassung geben ^-). 



') Vergl. Schrauf. Zeitschr. für praktische Geologie. 1894. p. 13, Stapf 
ibid. p. 58. 

^) ibid. p. 203. 

*) Vergl. Do elter, Becke— Ts chermak Miner. u. petr. Mitth. XI. Bd. 
1890, p. 329. 

*) ]. c. p. 845. 

') Becke— Ts chermak. Miner. u. petr. Mitth. XI. Bd. 1890. p. 329. 

") Doelter. Allgemeine u. chemische Älineralogie. Leipzig 1890. p. 191, 192. 

') ibid. p. 191. 

") Zeitschrift für praktische Geologie 1894. p. 203. 

») ibid. p. 203. 
'') 1. c. p. 838. 

'*) Zeitschrift für praktische Geologie 1894. p. 401. 
^^) Vergl. K Canaval. Carinthia. 84. Jahrg. 1894. p. 70. 

16* 



124 R- Canaval. [22] 

Bei goldfülireiiden Lagerstätten haben wir daher zu unter- 
scheiden: einen primilren Gohlgelialt d. i. jenen der Teufe unter- 
halb der vadosen Kegion und eine secundäre Anreicherung desselben 
innerhalb dieser Kegion. 

„Die primäre Füllung der Goldgänge pflegt ihren Charakter 
auch in der Tiefe beizubehalten" ^) ; es ist nach dem Gesagten aber 
wohl anzunehmen, dass viele dieser Gänge dort urbauwürdig werden, 
wo eine Anreicherung durch secundäre Processe aufhört'^). 

Sehen wir in unserem Falle von derartigen Vorgängen ab, so 
ist klar, dass der Einfluss der Teufe bei den fahlbandartigen Kies- 
lagern des Kreutzecks ein anderer sein wird, als bei jenen gang- 
artigen Vorkommen, welche mit dem der Assam-Alm übereinstimmen. 
Die ersteren mögen sich auf verhältnismässig grosse Teufe gleich 
bleiben, bei den letzteren, und ich möchte zu denselben insbesonders 
auch die seinerzeit so wichtig gewesenen Erzniederlagen des Graa- 
kofels rechnen, kann die Erzführung nach unten hin durch das Auf- 
treten von Porphyrit factisch begrenzt sein. 



') Stelzner, Zeitschrift für praktische CTeologie 1894. p. 431. 
') Vergl. Futter er. Afrika iu seiuer Bedeutung für die Goldproduction etc. 
Berlin 1895. p. XII. 



Einige Beiträge zur Kenntniss der 
böhmischen Kreideformation. 

Von Jaroslav J. Jahn. 

Mit einer lithographirten Tafel (Nr. VIII) uod vier Zinkotypien im Text. 

Das Coniite für die naturwissenschaftliche Landesdurchforschung 
von Böhmen hat sich u. A. die Aufgabe gestellt, die Ablagerungen 
der böhmischen Kreideformation sowohl geologisch als auch palaeon- 
tologisch eingehend durchzuforschen. 

Die palaeontologische Untersuchung der einzelnen Schichten 
(so werden die diesbezüglichen Arbeiten betitelt) hat Prof. Ant. Frici) 
(= F ritsch) übernommen und seine betreffenden Arbeiten sind bereits 
so weit fortgeschritten, dass zu der allgemeinen Uebersicht der 
stratigraphischen und faunistischen Verhältnisse der oberen Kreide 
in Böhmen nur noch die Bearbeitung der Chlomeker (oder Grossskaler) 
Schichten, des höchsten Gliedes der böhmischen Kreide, erübrigt. 

Es muss jedoch bemerkt werden, dass diese „Studien im Gebiete 
der böhmischen Kreideformation" von Fritsch so Manches zu 
wünschen übrig lassen. Das böhmische Cenoman würde überhaupt 
eine neue Bearbeitung verdienen, denn die bisherige bleibt weit 
unter dem Niveau der folgenden Bände der erwähnten „Studien". 
Was die übrigen, höher folgenden Stufen, das böhmische Turon, an- 
belangt, so ist bereits von mehreren Seiten auf die Mängel der dies- 
bezüglichen Arbeiten Fr itsch's hingewiesen worden und ich brauche 
diese bekannten Thatsachen nicht von Neuem anzuführen. 

Vor zwei Jahren ist der fünfte, die Priesener Schichten be- 
handelnde Theil der „Studien im Gebiete der böhmischen Kreide- 



') Der Alltor schreibt seineu Namen auf einigen seiner Arbeiten (z. B, 
Fauna der üaskohle, Cephalopoden, Crustaceen, Keptilien und Fische der böh- 
mischen Kreideformation) „Fritsch"', auf anderen (auf seinen zoologischen 
Arbeiten, sowie auch auf den Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation) 
„Fric", was zu mannigfachen Verwechslungen und Irrungen führt und beim 
Citireu seiner Arbeiten hinderlich ist. Da ich in meiner Arbeit sowohl die „Cepha- 
lopoden d. böhm. Kreideform.", als auch die „Studien im Gebiete d. böhm. Kreide- 
form." citire und diese doppelte Schreibweise des Autors öfters in derselben 
Zeile vorgekommen wäre, habe ich mich entschlossen, einfach überall „Fritsch" 
zu schreiben. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reiehsaiistalt, 1895, 45. Band, 1. Heft. (J. J. Jahn.) 



126 J- J- Jahn. [2] 

formation" verötfentlirht worden. In einem Referate über diese Schrift 
(unsere Verhandl. 181K3, Nr. 17 u. IS, pag. 417 ft".) habe ich auf einige 
Mängel desselben hingewiesen und zugleich das Versprechen gemacht, 
Nachträge und Berichtigungen zu dieser Arbeit später zu veröffent- 
lichen (1. c. pag. 419). 

Dies letztere ist der Hauptzweck der vorliegenden Arbeit; ich 
benütze diese Gelegenheit noch dazu, unter einem auch zur Kenntniss 
der Iser- und Teplitzer Schichten einige Beiträge zu liefern. 



I. Ueber die Cephalopoden der Priesener Schichten. 

In meinem erwähnten Referate über die „Priesener Schichten" 
von Fritsch habe ich zu den Fri tsch'schen Bestimmungen der 
Priesener Cei)halopoden einige kritische Bemerkungen geäussert. 
Und da eben die Ceplialopodenfauna der Priesener Schichten für die 
Frage der Parallelisirung dieser Stufe mit dem französischen Senon 
insbesonders wichtig ist, so will ich heute meine damaligen Bemer- 
kungen näher begründen und gebe unter Einem auch einige Beiträge 
zur Kenntniss der Cephalopodenfauna der Priesener Schichten. 

Hiebei muss ich die Bemerkung voraussenden, dass seit der 
Zeit, wo ich mein in Rede stehendes Referat veröffentlichte, ein 
Werk erschienen ist, in dem die Fri ts ch'schen Bestimmungen der 
Priesener (u. a. böhmischen Kreide-) Cephalopoden ebenfalls einer 
Kritik unterzogen werden und auf welches ich im Weiteren wieder- 
holt hinweisen werde. Ich meine nämlich die für die in Rede stehende 
Frage wichtige Arbeit A. de Grosso uvre's „Recherches sur la 
craie superieure, IP'"** partie : Les Ammonites de la craie superieure". 
(Mem. pour servir ä l'explic. de la carte geol. det. de la France. 
Paris 1893.) 

Ich erfülle eine angenehme Pflicht, indem ich an dieser Stelle 
meinem Freunde, Herrn Dr. Fr. Kossmat, meinen verbindlichsten 
Dank für die vielfache coUegiale Unterstützung ausspreche, die mir 
seinerseits bei der Verfassung dieses Theiles meiner Arbeit geworden ist. 

In den folgenden Betrachtungen führe ich die Cephalopoden- 
formen der Priesener Stufe in derselben Reihenfolge an, in der sie 
in der Fri tsch'schen Arbeit über die Priesener Schichten, eveut. 
in dem oben citirten Werke Grossouvre's aufgezählt werden. 

1. Ueber die Animoniteu der Priesener Schichten. 

Seh lönhachia (G a n flii er iceras Gros so u vre) hajuvarica 
Redtenb. sp. Dieser Ammonit, der auf den nebenstehenden zwei 
Textfiguren dargestellt ist, ist bisher aus der böhmischen Kreide nicht 
bekannt gewesen. Das abgebildete Stück stammt aus dem Pläner- 
mergel der Priesener Schichten von Priesen bei Laun und ist in den 
Sammlungen des k. k. naturhistorischen Hofmnseums in Wien deponirt. 

Die Windungen sind wenig involut, wachsen verhältnissmässig 
langsam an Grösse an, weshalb das Gehäuse sehr weit genabelt 
erscheint, besitzen hohe, abgeflachte Flanken und einen scharfen 
Mediankiel. Das Verhältniss zwischen Windungshöhe und Breite lässt 



[31 Einige Beitrage zur Kenntniss der böhmischen Kreideformation, 127 

sich wegen der Verdrückiiiig des Exemplares nicht melir ermittehi. 
Die beiden Seitenkiele sind in der Nähe des Endes als schwache 




Fig. 1. 

Schloenhachin (Gaufhterlceras Grossouvre) hajuimrica Redteub. sp. 

Aus den Priesener Schichten von Priesen (Böhmen). 

(Naturgrösse.) 




Fig. 2. 



Erhebungen seitlich vom Mediankiel angedeutet. Die Sculptur der 
Schale weist zahlreiche, leicht geschwungene Rippen auf, welche an 
der Nabelkante mit einem ziemlich schwachen Knoten beginnen und 



128 J- J- Jahn. [4] 

sich noch auf der inneren Hälfte der Fhmken durch Gabehmg oder 
P^inschaltunj;- vermehren. An der äusseren Grenze der Flanken tragen 
sänimtliche Hippen je einen leichten Knoten, bis zu welchem die 
Involution reicht. 

Die Lobenlinie (siehe Fig. 2) ist sehr zierlich zersclilitzt, die 
Stämme der Sättel sehr schlank und tief eingeschnitten. Der Extern- 
lobus ist ein wenig kürzer als der erste Laterallobus. Der Extern- 
sattel ist symmetrisch getheilt, mit zwei hohen schmalen Aesten. Der 
p]xternlobus zeigt in seinem Grunde einen Medianhöcker. Der erste 
Lateralsattel reicht um ein Geringes weiter nach vorne als der 
Externsattel, er wird vom zweiten Lateralsattel durch einen schief 
eingreifenden Lobus getrennt. Auch der erste Auxiliarlobus, der von 
der Naht durch einen kleinen Sattel geschieden wird, zeigt dieselbe 
Erscheinung — man hat es also mit einem wohlentwickelten Suspensiv- 
lobus zu thun, 

Li allen angeführten jMerkmalen stimmt das beschriebene und 
abgebildete P^xemplar mit dem in den Sammlungen der k. k. geo- 
logischen Reiclisanstalt aufbewahrten Original des von Redten- 
b ach er („Die Cephaloitodenfauna der Gosauschichten in den nordöstl. 
Alpen". Abhandl. d. k. k. geolog. Keichsanst., V. Band, 1871 — 7o, 
Taf. XXIV, Fig. 2n — r, pag. 107) aufgestellten und von Grossouvre 
(1. c. pag. 88 ff., PI. IX, Fig. 1, PL XII, Fig 2—3) in mehreren 
ausgezeichneten Stücken abgebildeten Ammonites hajiiraricus überein, 
welcher von dem letzteren Autor in die Gruppe des Ammonites Margae 
(= Gauthiericeras Grossouvre) gestellt wird (man vergleiche besonders 
die photographische Darstellung des grossen Exemplares, PI. IX, Fig. 1 
bei Grossouvre, welche die Details der Lobenstructur, sowie auch 
die Stellung der einzelnen Lobenelemente zu den Knoten an mehreren 
Partieen der Windungen sehr gut zum Ausdruck bringt). 

Es ist möglich, dass auch das von Fritsch in den „Cephalo- 
poden der böhmischen Kreideformation", Taf. X, Fig. 2 aus den 
Chlomeker (Grossskaler) Schichten von Falkenau abgel)ildete pAem- 
plar zu der beschriebenen Art und nicht zu Ammonites {I'eroniceras 
Grossour>re — 1. c. pag. 1^3, 1)4) suhtricarinatus d'Orh., mit welchem 
es von Fritsch vereinigt wurde, gehört. (Vergleiche die Fritsch'sche 
Beschreibung dieses Falkenauer pAemplares in den „Cephalopoden 
der böhmischen Kreideformation", pag 26, sub h.) 

Acantitoceras dentatocari n atum Fritsch (non F. Ilömer). 
Ueber diese Form habe ich in meinem erwähnten Referate gesagt: 
„keines von den zwei von Fritsch abgebildeten Exemplaren stimmt 
mit dem echten Ae. dentafocorinatnm überein". Nach (Grossouvre 
(1. c. pag. 51) ist nun Ar. dentatocarinatimi FritscJi (non F. Römer) 
mit Barroisiceras Naherfell neri v. Hauer sp. identisch, welche Form 
in der Gosauformation und in dem französischen Untersenon (im 
Coniacien inferieur) auftritt. 

Die von Grossouvre abgebildeten französischen p]xemplare 
von Barroisiceras HaherfeUnerl (1. c. PI. I , Fig. 1^ — 5; PI. 11 , Fig. 1 — 8) 
stimmen in der That vollständig mit denjenigen, die mir von 
Priesen vorliegen, überein und diese letzteren sind wieder vollständig 
identisch mit einem Exemplare von Barroisiceras Haberfellneri aus 



[5] Einige Beitrilgo zur Kciintniss der böhmischen Kreideformation. 129 

der Gosauforniation, welches in den Saminlimgen des geologischen 
Institutes der k. k. Universität in Wien aufbewahrt ist. 

Es unterliegt also keinem Zweifel, dasB AcanthocerasdeMafo- 
carinafiim Frif^eh künftighin als Barrohiceras BaherfeUncn v. 
Hauer sp. zu benennen i s t. 

Es sei an dieser Stelle auch des mit der vorigen Eorm ver- 
wandten Acanthoceras Nepfuni bei F ritsch gedacht. Diese 
Form wird in den „Friesener Schichten" von Fritsch gar nicht citirt, 
weil das von S c h 1 ö n b a c h als Ammonifei^ Nepfuni bestimmte Priesener 
Exemplar (Cephalopoden der böhmischen Kreideformation, Taf. 14, 
Fig. 3) bereits von Fritsch (Cephalopoden der böhmischen Kreide- 
formation, pag. 30) und auch von Geinitz (Elbthalgeb. IL, pag. 18(5) 
ganz richtig zum Acanflioceras dentatocarinntum Fritscli (non F. Ptömer) 
gestellt wurde und der echte Acanthoceras Nepfuni (lein. .'?/). in der 
Arbeit Fritsch's aus den Friesener Schichten gar nicht angeführt 
wird. In der That ist das in den „Cephalopoden der böhmischen 
Kreideformntion" Taf. 14, Fig. 3 abgebildete Priesener Exemplar 
blos eine flachere Varietät (nach Fritsch „ein verdrücktes Exemplar") 
von Barroisiceras Haherfellneri v. Hauer !^p., was auch Grossouvre 
zugibt (1. c. pag. 51);" es hat dieselbe Sculptur, die Theilung der 
Rippen beginnt weiter oben als bei dem echten Ac. Nepfuni Gein. sp., 
vor allem besitzt es aber dieselbe Stellung der Knoten wie Barr. 
Haherfellneri . 

Das auf Taf. 3, Fig. 4 desselben Werkes von Fritsch abge- 
bildete Exemplar aus den Malnitzer Schichten von Laun dagegen, 
sowie auch das aus dem Plänerkalke von Strehlen stammende Original 
von Geinitz sind eine eigene, von dem Barmisiceras Hai>erfe]lneri 
verschiedene Art, weil bei diesen Exemplaren die Knoten am Rande 
des Nabels stehen, die Rippen etwas stärker gebogen sind und ausser- 
dem noch eine weitere Knotenreihe vorhanden ist. 

Ich habe seiner Zeit in den Priesener Schichten bei Krchleb 
(westlich Pardubitz) gemeinschaftlich mit häufigen Exemplaren von 
Schloenhacliia Germari Beuss sp., ein P^xemplar von Ac. Nepfuni ge- 
funden, welches sich jetzt in den Sammlungen des böhmischen Landes- 
museums befindet. Merkwürdigerweise führt Fritsch in seinen 
„Priesener Schichten" unter den Fossilien von Krchleb (1. c. pag. 44) 
diesen Ammoniten nicht an. Ich besitze einen Gypsabguss desselben 
und dieser stimmt vollkommen mit dem echten, in Geinitz's „Elb- 
thalgebirge etc." IL Abthl., Taf. 30, Fig. 4 abgebildeten Ac. Nepfum 
Gein. .sy>. überein. 

Daraus resultirt, dass auch der echte Acanthoceras Neptum 
Gein. sp. in den Priesener Schichten vorkommt. 

„Cosmocera s" S c hloe n h a c h i F r i f s c h gehört höchstwahr- 
scheinlich zum Genus Acanflioceras, keineswegs aber zu der jurassischen 
Gattung Cosmoceras. Das von Fritsch in den „Priesener Schichten'S 
pag. 75, Fig. 52 (oder „Cephalop. der böhm. Kreideformation", Taf. Ib, 
Fig. 5) abgebildete Exemplar erinnert einigermassen an das von 
Schlüter in den „Cephalopoden der oberen deutschen Kreide 
(Palaeontographica XXI) Taf. IX, Fig. 4 abgebildete Exemplar von 
Acanthoceras Woolgari Mant.. sp. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Ueichsanstalt, 1895, 45. Band, 1. Heff. (J. J. Jahn.) 17 



130 J. J. Jahn. [6] 

Placentlcer as d'O rhi g nyanii m Gein. sp. Ueber diese 
Form sagt F ritsch in den „Priesener Schichten": „Die Exemplare 
aus den Priesener Schichten stimmen nicht in dem Grade mit d'Or- 
bigny's Abbildung überoin, wie diejenigen aus den Chlomeker 
Schichten" (1. c. pag. 75). 

Grossouvre dagegen wäre geneigt, das in den „Cephalopoden 
der böhmischen Kreideformation" auf Taf. 11, Fig. 2 von F ritsch 
unter dem Namen Aninionita^ (VOrhigttyanvfi Gein. abgebildete, aus den 
Chlomeker Schichten stammende Exemplar mit einer neuen Art aus 
Frankreich, die er Placenticeras FrifscJii nennt, zu identifiiciren (1. c. 
pag. 124^ Ob Grossouvre darin liecht hat, lässt sich, ohne die 
beiden Originale gesehen und verglichen zu haben, nicht entscheiden. 

Dafür nniss ich aber betonen, dass die mir vorliegenden Exemplare 
aus den Priesener Schichten, sowie aucli die von F ritsch abgebil- 
deten Priesener Exemplare („Priesener Schichten", pag. 75, Fig. 53 a — c; 
„Cephalopoden der böhmischen Kreideformation", Taf. 10, Fig. 4a— /; 



5 a — b) g a n z b e s t i m m t zu dem e c h t e n Pldcenficeran (V Orhignif- 
amim (rein. sp. gehören. 

Ämmon/fes ÄJexandrl Fr/fsrli („Cephalopoden der böh- 
mischen Kreideformation", Taf. D), Fig. (3 a— A) ist ein Glied 
der grossen obercretacischen Formengruppe des Lt/focerds Sacya 
Forhes aus der südindischen Kreide. Grossouvre, der in seiner 
citirten Arbeit mehrere Formen von dieser Gruppe abgebildet hat, 
bezeichnet diese Formengruppe als eine neue Gattung, die er (jaudry- 
ceras nennt (1. c. pag. 225). Uhlig hat in seiner Arbeit „Bemerkungen 
zur Gliederung kärpathischer Bildungen" (Jalui). d. k. k. geolog. 
Reichsanst,, 44. Bd., 1894, 2. Heft) ebenfalls eine ziemlich grosse 
Anzahl von Vertretern dieser grossen Gruppe aus der Oberkreide 
von Europa namhaft gemacht. (1, c. pag. 217 — 219.) 

Ein mir vorliegendes kleines Exemplar von der in Rede stehenden 
Form aus den Priesener Schichten von Srnojed (westlich Pardubitz) 
zeichnet sich durch eine Anzahl von ziemlich kräftigen, auf der 
Aussenseite nach vorwärts gebogenen Einschnürungen aus, wie sie 
überhaupt bei Gaudryccras auftreten. 

Die Abbildung eines von mir ebenfalls in den Priesener Schichten 
von Srnojed gefundenen Exemi»lares von Lyfoccras Alexamlri Frihch 
in Fritsch's „Priesener Schichten" pag. 76, Fig. 54 zeigt nicht 
genügend deutlich die Lobenlinie, es lässt sich aus derselben nicht 
entscheiden, ob der für Gaudryccras charakteristische herabhängende 
Nahtlobus auch bei diesem Exemplare vorhanden ist. Die Scuiptur, 
soweit sie nach dieser Abbildung wahrzunehmen ist, zeigt den Gaiidry- 
ccras-Charakter nicht so typiscli, wie die Abbildung Taf. 16, Fig. 6 a— 6 
des in den „Cephalopoden der böhmischen Kreideformation" ange- 
führten, von Priesen stammenden Exemplares. 

Ammonites Alexandri Fritscli ist also künftighin als Gaudry- 
ceras Alexandri Fritscli sp. zu bezeichne n. 

PhyUoeeras hizonatum Fritscli sp. ist ein echtes Phyllo- 
ceras aus der Gruppe des PhyUoeeras Velledae Mich. 

Was die von Fritsch als Ammonites pol yn psis Dnj. be- 
zeichnete („Priesener Schichten", pag. 76, Fig. 56; „Cephalopoden der 



[71 Einige Beiträge zur Kenntiiiss der böhmischen Kreideformation. 131 

böliruischen Kreideformation", Taf. 0, Fig. 3) Form anbelangt, so miiss 
ich auch lieute noch (hirauf bestehen, was ich iil)e)' dieses Kxemphir 
in meinem in Kede stehenden Referate angeführt habe: „Von dem 
senonen Pldcenticcras poIi/opKis DiiJ. hat Fritscli ein kleines Bruch- 
stück abgebihlet, weh'hes aber keine Aehnlichkeit mit dem echtem 
Flac. poh/ops/s hat und von dem der Autor selbst sagt, dass dasselbe 
,auf eine ähnliche (also nicht po]ijopsis\) Art hinweist'". 

Dasselbe gilt auch von meiner Aeusserung über das von Fritsch 
als Amnion lies cf. I afi do n^atus Midi, bezeichnete Exemplar. 

2. lieber die Scapliiten der Priesener Schicliten. 

Von Seaphites (ieinifzl (VOrh. treten in den Priesener Schichten 
sowohl die typische Form, als auch die sogenannte vor. hinodosiis 
Ä. Rom. (bei Fritsch) mit Knoten auf dem Nabelrande, auf. Es em- 
pfiehlt sich aber, die letztere Bezeichnung zu vermeiden, da dies 
sonst zu Verwechslungen mit dem völlig v e r s c h i e d e n e n Scapliih's 
hinodosiis A. Rom. i) aus dem deutschen Obersenon führt, wie ich 
hier zeigen will. 

In meiner Arbeit „Ein Beitrag zur Kenntniss der Fauna der 
Priesener Schichten der böhmischen Kreideformation" (Jahrb. der 
k. k. geol. Reichsanst. 1891, 41. Bd., 1. Heft) habe ich gelegentlich 
der Beschreibung der Rückenlippe bei einem Scaphiten die F r i t s c h'sche 
Bezeichnung Seaphites Geinitzi var. hinodosus A. Rom. gebraucht. Von 
Herrn Prof. C. Schlüter aufmerksam gemacht, dass man von einem 
Seaphites Geinitzi rar. hinodosus A. Rom. nicht reden könne, dass diese 
beiden Formen palaeontologisch und geologisch recht verschieden sind, 
habe ich später für dasselbe Exemplar die Bezeichnung Seaphites 
hinodosus A. Rom., angewendet. (Verhandl. d. k. k. geol. Reichsanst. 
1893, Nr. 15, pag. 346.) Auch dies war jedoch nicht richtig, wie ich 
mich S])äter überzeugt habe ; denn wir haben es in diesem Falle mit 
drei verschiedenen Formen zu thun : l. Der echte Seaphites Geinitzi 
d'Orh., 2. die Fritsc h'sche Form Seaphites Geinitzi var. hinodosus und 
3. Seaphites hinodosus A. Rom., welcher letztere in der böhmischen 
Kreide aber überhaupt nicht vorkommt 

Grossen vre, welcher die genannte Fritsch'sche Varietät 
auch in der französischen Kreide vorgefunden hat, brachte für die- 
selbe eine besondere Speciesbezeichnung — Seaphites Lamberti — in 
Vorschlag (1. c. pag. 240—241). 



') Fritsch sagt darüber: „Diese Form ist jedenfalls die, welche Römer 
unter dem Namen .SV;, hinodosus anführt." „Ob sie als eigene Art aufzuiassen ist; 
möchte ich bezweifeln". (Cephalopoden der böhmischen Kreideformation, pag. 44.) 
— Allein nach Beiziehung der Abbildung des Seaphites hinodosus J. Rom. bei 
Schlüter (Cephalopoden der oberen deutschen Kreide, Taf. 24, Fig. 4—6, pag. 79) 
sieht man, dass die A. Römer'sche Form von der von Fritsch als Sc. (icinitzi 
var. hinodosus bezeichneten ganz verschieden ist; denn der A, Römer'sche 
ScapJtitcs hinodosus besitzt eine eigenthümlich gekrümmte Wohukammer, die mit 
Spiral ausgezogenen Externknoten und abgeflachten .Rippen verziert ist. Es em- 
pfiehlt sicli also schon aus diesem Grunde, die Fritsch'sche Bezeichnung nicht 
zu gebrauchen, vielmehr aber den neuen von Cxrossouvre eingeführten Namen 
Lamherti (eventuell var. Lainherti), künftighin anzuwenden. 

17* 



132 J- J 'T'-^lii' [8] 

Ausser diesen zwei Arten, nämlich Sc. Geinitzl d'Orh. und Sc. 
Lamherti Grossoiivre, kommt in den Priesener Schichten noch eine 
dritte Form vor, es ist dies der Scapliites aiirifm /'/vYsc//. Da aber 
der Name aurifus i'iir eine ganz andere Scapliiten-Form auch von 
Schlüter in den „Cephalopoden der oberen deutschen Kreide", 
pag. 77, Taf. 23, Fig 5—11 (Palaeontographica XXI) angewendet 
worden ist und daher diese gleiche Bezeichnung von zwei ver- 
schiedenen Scnphitenformen zu Verwechslungen führen würde, 
hat Grosssouvre für den Fritsch'schen Scapliites auritus den 
Namen Scaphites Fritschi vorgeschlagen (1. c. pag. 243). 

Nach diesen neuen Bezeichnungen Grossouvre's kommen 
also in den Priesener Schichten folgende drei Scaphitenformen vor: 

1. Scapliites Lamberti Grossonore (= Scaph. Geinitzi var. binodosus 
bei F ritsch). 

2. Scaphites Geinitzi d'Orb. (^ Scaph. Geinitzi bei Fritsch). 

3. Scaphites Frifschi Grossoiivre (= Scaph. aurifus bei Fritsch). 



Im Gebiete der Priesener Schichten gibt es viele Fossilien- 
Fundorte, wo die Petrefacten aus dem Gestein auswittern, oder durch 
Regengüsse ausgeschwemmt werden, sodann auf dem Fundorte (gewöhn- 
lich sind es Böschungen, Abhänge oder Lehnen) lose herumliegen 
und einfach abgesammelt werden können. Nach längere Zeit an- 
dauerndem Regenwetter oder nach heftigen Güssen pflegt die Aus- 
beute an Fossilien auf solchen Stellen gewöhnlich sehr reich zu sein. 

Bei den Scaphiten der Priesener Schichten finden wir oft einen 
Erhaltungszustand der Art vor, dass die Luftkammern mit Schwefel- 
kies (Pyrit) oder Brauneisenstein (Limonit) ausgefällt sind, während 
die Wohnkammerschale hohl geblieben ist. Bei der oben erwähnten 
Procedur (Auswitterung oder Ilerausspülen durch Regenguss aus dem 
Gestein) wird freilich die schwache, feine, sehr dünne Schale der 
Wohnkammer zerstört, während die widerstandsfähigen, in Pyrit oder 
Limonit verwandelten Luftkammerwindungen sich erhalten. 

Und so kennt man einige Fundorte der Priesener Petrefacten 
(z. B. Klein-Kahn, Leneschitz. Srnojed), wo verkieste Luftkammer- 
Exemplare von Scaphiten massenhaft vorkommen, während Exemplare 
mit erhaltener Wohnkammer an denselben Stellen nur sehr selten, 
oder überhaupt noch gar nicht gefunden worden sind. 

Die Hauptunterscheidungsmerkmale zwischen den oben citirten 
drei Scaphitenformen bestehen in der verschiedenen Ausbildung der 
Wohnkammer; daher ist bei solchen verkiesten Scaphiten, wo die 
Wohnkammer gänzlich fehlt, die Trennung dieser drei Formen von 
einander sehr schwer durchführbar. 

Diese Trennung wird ausserdem noch durch den weiteren Um- 
stand erschwert, dass es — wie wir weiter ausführen — sowohl 
zwischen Scaphites Lamberti Grossouorc und Scapliites Geinitzi d'Orb., 
als auch zwischen diesen beiden und dem Scaphites Fritschi Grossoiivre 
zahlreiche, ganz allmälige Uebergänge gibt. 

Da aber solche verkieste Scaphiten auf einigen Fundorten im 
Gebiete der Priesener Schichten massenhaft vorkommen und bereits 
in den Sammlungen sehr verbreitet sind, ist es doch angezeigt, den 



[9] Einige Beiträge zur Kenntniss der höhniischen Kreideforraation 133 

Versucli anzustellen, auch bei solchen Luftkammer-Exeniplaren die 
drei erwähnten Formen zu unterscheiden. 

Ich fühle mich zu einem solchen Versuche nicht nur deshalb 
berechtigt, da mir solche verkieste Exemplare ohne erhaltene Wohn- 
kammer von verschiedenen Localitäten der Priesener Schichten in 
Unmassen vorliegen, sondern auch deshalb, da ich auch zahlreiche 
vollständige Gehäuse von diesen drei Scai)hitentormen aus den Prie- 
sener Schichten vor mir habe, die den Vergleich der letzteren mit 
den Exemplaren ohne Wohnkammer und demzufolge auch eine wenn 
auch nur approximative ('lassiticirung der verkiesten Scaphiten der 
Priesener Schichten ermöglichen. 

Ich unternehme nun diesen Versuch einer Classification der 
verkiesten Scaphiten ohne Wohnkammer und liefere in Folgendem 
die Beschreibungen und auf der beiliegenden Tafel die Abbildungen der 
drei Arten, sowie auch der dieselben verknüpfenden Uebergangsformen : 

1. Scaphites cf. Lamherti Grossoiwre. — Jugendwindungen weit- 
nabelig, spätere Windungen stärker involut, aber die ersteren bleiben 
gut sichtbar; die Windungen nehmen an Höhe gegen den Mundrand 
hin langsam und allmählig 7a\ ; Querschnitt beinahe quadratisch, auf 
der Siphonalseite fast gerade abgestutzt; die Schale mit wenigen, 
gleichen, starken, scharfkantigen, ziemlich weit von einander abste- 
henden Hippen, die von der Innenseite der Windungen bis zu der 
Aussenseite fast unverändert dick sind, von dem Nabel bis in die Nähe 
der Umbiegung zum Bauche ungetheilt bleiben und erst dort durch 
eine einfache Dichotomirung, bei den jüngeren Windungen ausserdem 
noch durch Einschaltung von 1 — 2 accessorischen Rippen sich ver- 
mehren ; dort, wo die Rippen sich zu theilen beginnen, sitzen deut- 
liche, längliche Knoten ; schon die innersten Windungen zeigen eine 
charakteristisch ausgeprägte Berippung; der zweite Laterallobus be- 
findet sich an der Grenze der Nabelwand. (Taf. VIII, Fig. 1 a — d.) 

U e b e r g a n g s f o r m zwischen Scaphites cf. Lamherti Grossoiivre 
und Scaphites Geinitzi d'Orb. — Schon Jugend Windungen stark involut, 
durch die älteren, noch mehr involuten, zum Theile verdeckt; die 
Windungen nehmen an Höhe gegen den Mund hin ein wenig rascher 
zu ; Querschnitt zwar noch immer beinahe gleich hoch wie breit, aber 
auf der Sii)honalseite abgerundet; Rippen zahlreicher, abgerundeter, 
mehr an einander gedrängt, im allgemeinen schwächer wie bei der 
vorigen Form ; auf den Flanken gegen die Innenseite der Windungen 
zu werden die Rippen flacher, undeutlicher, ihre Theilungsstellen 
befinden sich näher gegen den Nabel zu; die Vermehrung wie bei 
der vorigen Form, aber bei den jüngeren Windungen schalten sich 
zwischen die dichotomirenden Hauptrippen bis acht accessorische 
Rippen ein ; die Hauptrippen sind stärker als die accessorischen und 
schwellen auf der Theilungsstelle etwas an, ohne aber deutliche 
Knoten zu bekommen ; der zweite Laterallobus rückt mehr auf die 
Flanken hinauf. (Taf. VIII, Fig. 2 a-c.) 

2. Scaphites Geinitzi d'Orh. — Spätere Windungen sehr stark invo- 
lut, die inneren (Jugendwindungen) kaum sichtbar; sie nehmen an Höhe 
gegen den Mund hin noch rascher wie bei der vorigen Form zu ; Quer- 
schnitt viel höher als breit, auf der Siphonalseite gewölbt ; Rippen 



134 J. J- Jahn. . [lOJ 

sehr zahlreich, fein, abgerundet, stark gedrängt; nur die dicksten 
von ihnen ziehen sich bis zum Nabel, die übrigen werden gegen die 
Innenseite der Windungen hin undeutlicher, ihre Theilungsstellen befinden 
sich noch näher gegen den Nabel zu ; zwischen den gröberen Rippen be- 
finden sich feinere Zwischenrippen, die sich in eine grosse Anzahl noch 
feinerer Rii)pen zertheilen (etwa in der halben H()he der Flanken), ohne 
irgend welche bedeutendere Anschwellung zu bilden; der zweite Lateral- 
lobus ist auf die Flanken hinaufgerückt. (Taf. VIII, Fig. oa — iL) 

U e b e r g a n g s f o r m zwischen ScapJiifes Geiyiltzi d' Orh. und Sca- 
phifcs Fritschi Grosi^onrre. — Windungen ziemlich weitnabelig, die 
inneren sichtbar ; sie nehmen an Höhe gegen den Mund hin langsam 
und allmälig zu; Querschnitt niedriger wie bei der vorigen Form, 
aber auf der Siphonalseite noch immer gewölbt; Rippen sehr zahl- 
reich, fein, abgerundet, gedrängt ; nur hie und da reicht eine stärkere 
Rippe bis zum Nabel, die übrigen werden gegen die Innenseite der 
Windungen zu undeutlicher, die Nabelgegend ist etwa bis zum Drittel 
der Höhe der Flanken fast ganz glatt; die Theilung der Rippen kaum 
wahrnehmbar, von irgend einer Anschwellung derselben keine Spur. 
(Taf. VHI, Fig. 4 a— c.) 

3. Scaphltcs Fr/tscJii Grossourre. — Windungen sehr weitnabelig, 
sämmtliche innere Windungen deutlich sichtbar; sie nehmen an Höhe 
gegen den Mund hin sehr langsam und allmälig zu; Querschnitt fast 
quadratisch, auf der Siphonalseite abgerundet; die innnersten Win- 
dungen glatt, die sjjäteren tragen wenige, einfache, schwache, sehr weit 
von einander entfernte Rippen, welche sowohl gegen die Innenseite als 
auch gegen die Siphonalseite der Windungen hin undeutlicher werden; 
die Siphonalseite der Windungen ganz glatt ; auf der aufgerollten, bei 
unserem Stück zum Theile erhaltenen Wohnkammer unverzweigte, ge- 
drängte, untereinander fast gleiche, auf der Aussenseite gegen den 
Mundrand zu geneigte Rippen. (Taf. VIII, Fig. ba—d.) 

Ausserdem ist auf unserer Taf. VIII, Fig. H ab noch ein Scaphiten- 
exemplar abgebildet, welches sich durch seine bei den verkiesten 
Scaphiten ohne erhaltene Wohnkanimer ungewöhnliche (Grösse aus- 
zeichnet. Das Stück gehört zu der oben geschilderten Uebergangs- 
form zwischen Scapliitcs cf. Lambeiü GrosAouvre und Scaphdcs Geinitzi 
d'Orb.. es nähert sich aber mehr der ersteren Form durch den Um- 
stand, dass an der Stelle, wo die Rippen sich zu theilen beginnen, 
kräftige Knoten sitzen. Das Stück ist leider ein wenig verdrückt, 
auch sonst noch beschädigt. 

In dem Vorangehenden habe ich es versucht, die verkiesten 
Scaphiten ohne erhaltene Wohnkammer zu klassificiren. Ich betrachte 
durch diesen Versuch diese Frage keineswegs für endgiltig entschieden, 
weil — wie schon gesagt — die Ilauptunterscheidungsmerkmale unter 
den drei citirten Scai)hitenformen in (ler verschiedenen Ausbildung der 
in unseren Fällen fehlenden Wohnkanimer bestehen. 

Die Form ^V. Lamberti Grossoucre scheint unter den sub 1. 
beschriebenen grobberippten Exemplaren mit fast quadratischem 
Querschnitte vorzuliegen. Da aber nirgends die innere Knotenreihe 
wegen des Fehlens der Wohnkammer beobachtet werden konnte, lässt 
sich diese P'rage nicht definitiv entscheiden. Allerdings muss ich her- 



[11] Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Kreideformation. 135 

Vorlieben, dass diese grobberippten Exemplare mit fast quadratischem 
Querschnitte mit den Luftkammern der mir zahlreich vorliegenden 
typischen, vollständigen Exemplare von *SV. Lamherü aus den Sphaero- 
sideritknollen von Triesen in allen Merkmalen völlig übereinstimmen. 

Mit mehr Bestimmtheit kann man schon behaupten, dass die 
sub 2. beschriebenen fein beripi)ten Exemplare mit ovalem Quer- 
schnitt mit der Form Sc. Geinifzi (l'OrJ). identisch sind. Sie entsprechen 
ebenfalls vollkommen den Luttkammern der zahlreichen typischen, 
vollständigen Exemplare von Sc. Geinifzi, die mir von verschiedenen 
Fundorten der Priesener Fossilien vorliegen. 

Die Unterschiede zwischen Sc. Geinitzi und Sc. Lamherti sind in 
Wirklichkeit eigentlich nicht besonders gross, sie werden nun ausser- 
dem noch durch den Umstand abgeschwächt, dass es so zahlreiche Ueber- 
gangsformen zwischen beiden gibt, worauf auch Fritsch hinweist (Prie- 
sener Schichten, pag. 77) ; die Bezeichnung Scapliifes Geinifzi rar. Lamherfi 
Grossouvre wäre also meiner Ansicht nach die am besten zutreffende. 

Zwischen Sc. Geinifzi und .SV. Frifsclii'^) {anrifui^ bei Fritsch) 
gibt es zwar auch Uel)ergangsformen betrefits der Berippung und der 
Involution der Schale, allein Sc. Frifsclri muss doch für eine selbst- 
ständige, eigene Art angesehen werden, weil er — ausser anderen 
Unterscheidungsmerkmalen — am Mundrande zwei mächtige, lötfel- 
förmige Ohren aufweist, die bei Sc. Geinifzi nie vorkommen. 

Während bei den erwachsenen Luftkammer-Exemplaren sich 
die in Rede stehenden drei Scaphiteuformen nach den obigen Diagnosen 
ziemlich leicht unterscheiden lassen, stossen bei solchen Exem- 
plaren, bei denen blos die J ugen d wind un gen erhalten 
sind, derartige Versuche auf viele Schwierigkeiten. 

Die Jugendwindungen von Scaphites Geinifzi wachsen ausser- 
ordentlich langsam an (erst später werden sie von den mehr involuten 
älteren W'indungen zum Theile verhüllt), sind daher mitunter fast ebenso 
weitnabelig, wie die Jut^endwindungen des Scapliifes Frifscki, und es 
lässt sich in vielen Fällen überhaupt nicht entscheiden, ob die Jugend- 
windungen von Sc. Geinifzi oder die Luftkammern von Sc. Frif>chi 
vorliegen. Form des Querschnittes, Sculptur (bei den Jugendwindungen 
von beiden Formen fast fehlend) und Lobenlinie sind in dieser Hin- 
sicht nicht entscheidend, sie sind bei den Jugendwindiingen noch 
nicht charakteristisch genug ausgeprägt. 

Dagegen lässt sich die sub 1. beschriebene Form (>;/'. Lamherti) 
auch in den Jugendstadien ziemlich leicht wieder erkennen ; denn auch 
die innersten Windungen von dieser Form zeigen bereits den für die- 
selbe sehr charakteristischen, fast quadratischen Querschnitt (der aller- 
dings auch bei den Jugendwindungen von Sc. Frifschi bereits zu beob- 
achten ist), ausserdem aber noch insbesondere eine deutliche, 
charakteristisch ausgeprägte Berippung (siehe Taf. VIII, 
Fig. 1 a), welche man bei den Jugendwindungen sowohl von Sc. Geinitzi 
als auch von Sc. Frifschi nie vorfindet. 



') Fritsch spricht die Vermuthiing aus, sein Sc. aiiritns (= Sc. Fritschi 
Grossouvrej sei vielleicht das Männchen (warum nicht Weibchen?) zu dem volumi- 
nöseren Weibchen Sc. Geinitzi. d'Orb. („Priesener Schichten", pag. 77 ; „Cephalop. 
d. böhm. Ki'eideform.", pag. 44). 



136 -T. J- Jaliii- [12] 

Wenn ich nun zum Schlüsse meiner Betrachtungen über die 
Scaphiten die Frit s ch'schen Abbiklungen der verldesten Exemplare 
in seinen „Cephalopoden der böhmischen Kreideformation" mit meinen 
obigen Diagnosen vergleiche, so muss ich vor allem hervorheben, 
dass die auf Taf. 13, Fig. 9 und Fig. 11 abgebildeten zwei verldesten 
Exemplare keineswegs zu Sc. Fritschi (Sc. aurlfm bei Fritsch) 
gerechnet werden können, wie dies Fritsch thut. Sagt ja doch 
Fritsch selbst in seiner Diagnose von *sV. auritm Frifsch, dass die 
Windungen bei dieser Form „in der Jugend ganz glatt sind" und 
später „die Nahtgegend bis über die Hälfte der Seite bleibt entweder 
ganz glatt oder zeigt höchstens sehr schwache Querrunzeln". (Cepha- 
lopoden der böhmischen Kreideformation, pag. 44.) Damit stimmt 
zwar das von mir (Taf. VIII, Fig. ba—d) abgebildete, verkieste 
Exemplar vollkommen überein, aber die zwei Fr i ts ch'schen Exem- 
plare ganz und gar nicht; denn bei den letzteren zeigen die Ab- 
bildungen schon auf den Jugendwindungen eine deutliche Berippung, 
die auf den späteren Windungen sehr dicht wird und über die 
ganze Fläche der Flanken von der Siphonalseite bis zu der Innenseite 
der Windungen sich zieht. — Das auf Taf. 1 o, Fig. 8 abgebildete Exem- 
plar von Böhm.-Kamnitz wird in den Tafelerklärungen als Sc. auritiis 
Fritsch, im Texte (pag. 42) als Sc. (reinifzi cFOrh. bezeichnet. 

3. Ueber die Baculiten der Prieseiier Schichten. 

Von Klein-Kahn liegt ein besonders hübsches, verkiestes Exem- 
plar von BdcuUfes Fcmjassi var. hohemica Fritsch vor. Dieses Exemplar 
ist ungewöhnlich gross, sehr schön erhalten und zeigt besonders deutlich 
die Lobenlinie (von der noch weiter unten die Bede sein wird), 
ausserdem einige p]inschnürungen, wie sie bei den Priesener Baculiten 
öfters vorkommen. 

Da dieses Exemplar so besonders gut erhalten, ausserdem auf- 
fallend gross ist, und da es die für die oben bezeichnete Fritsch'sche 
Varietät charakteristischen Merkmale besonders gut zeigt, habe ich 
mich bewogen gefühlt, dieses Exemplar auf Taf. VIII, Fig. la — d 
abzubilden. 

Unter den Klein-Kahner Baculiten liegt ferner ein kleineres 
Exemplar vor, welches viel gleichmässiger und feiner gerippt ist als 
die übrigen mir bisher bekannt gewordenen Priesener Baculiten. 
Dieses kleine Stück zeigt aber ausserdem noch in der Lobenlinie 
der oben bezeichneten Form gegenüber einige Piigenthümlichkeiten: 
Der erste und zweite Laterallobus sind l)reit, keulenförmig gerundet, 
der erste Lateralsattel ist in seiner Mitte schmal und ebenso wie 
der breite Externsattel durch einen tiefen, ganzrandigen, im Grunde 
gerundeten P>inschnitt getheilt. Bei Baculifcs Faujrissi var. holtemica 
Frit8c]i (bisher die einzige aus den Priesener Schichten bekannte 
Baculitenform) dagegen sind die Loben schmäler und die Sättel plumper. 

Es scheint so ziemlich ausgemacht zu sein, dass hier eine 
neue Form vorliegt; weil aber blos dieses einzige kleine und noch 
dazu ein wenig verdrückte Exemplar zur Hand ist, so empfiehlt es 
sich, vorläufig von einer besonderen Benennung desselben abzusehen. 



[13] Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Kreideformation. 137 

Dieses in Rede stehende Exemplar ist auf Tat". VIII, Fig. 8 a — e 
abgebildet. 

4. Geologische Benierkiiiigeii über die Cephalopodoii der 
Prieseiier Scliichteii. 

In meinem erwälmten Referate über die „Priesener Schicliten" 
von Fritsch habe ich die Cephalopodenfauna der Priesener Stufe 
mit der der analogen Stufen in der deutschen Kreideformation ver- 
glichen und bin dabei zu dem Schlüsse gelangt, „dass die Priesener 
Schichten in Wirklichkeit keine reine Senonfauna enthalten". 
Dagegen sagt Fritsch: „Dass die Priesener Schichten zum unteren 
Senon gehören, wurde kaum je bezweifelt". 

Das seit der Zeit erschienene Werk Grossouvre's bietet nun 
Gelegenheit, die Cephalopodenfauna der Priesener Stufe auch noch 
mit der des französischen Senons zu vergleichen und dadurch meine 
damaligen Vergleichsversuche betreffs der Altersfrage der Priesener 
Schichten zu vervollständigen. 

Prüfen wir nun die Cephalopoden der Priesener Schichten in 
dieser Richtung, wobei wir die oben aufgestellte Reihenfolge der 
Formen beibehalten wollen. 

Dabei müssen selbstverständlich — wie ich dies auch in meinem 
citirten Referate über die Fritsch'sche Monographie der Priesener 
Schichten gethan habe (siehe Verhandl. 1893, pag. 419) — alle blos 
generisch bestimmte Cephalopoden, sowie auch die von Fritsch 
u. a. Autoren aus der böhmischen Kreide aufgestellten und aus anderen 
Kreidegebieten bisher nicht bekannten Arten unberücksichtigt bleiben. 

Nauühis suhlaepif/afus d'Orh. -- kommt auch in den älteren 
turonen Stufen der böhmischen Kreide vor und ist eine Turonform. 

Nautilus rugatus Fritsch — ist zwar eine bisher nur aus der 
böhmischen Kreide bekannte Form, fällt aber in unserer Frage inso- 
fern ins Gewicht, weil sie auch in allen älteren, turonen Stufen 
der böhmischen Kreide vorkommt. 

Schloenharhia (Peroniceras G rossouvre) snhtricarinata d'Orh. sp. — 
kommt auch in den turonen Teplitzer Schichten vor ; Grossouvre 
führt Peroniceras suhtricarinatum aus dem unteren und mittleren Unter- 
senon (Coniacien inferieur et moyen) an, auch in der böhmischen 
Kreide geht diese Form bis in die Chlomeker Schichten (unzweifel- 
haftes Untersenon) hinauf. 

ScJiJoenhachia [Gauthiericeras Grossonvre) hajuimrica Bedtenh. sp. — 
ist eine senon e Form; Grossouvre führt sie aus dem mittleren 
Untersenon (Coniacien moyen) an. 

ScJiJoenhacliia Texana Rom. sp. — ist zwar eine senone Form, 
aber das betreffende von Fritsch abgebildete Bruchstück gehört 
entschieden nicht zu dieser Form, sondern scheint eher ein Fragment 
von Barroisiceras HaherfeUneri v. Haner sp. vorzustellen. 

Barroisiceras HaherfeUneri v. Hauer sp. — ist eine senone 
Form; Grossouvre führt sie aus dem unteren Untersenon (Conia- 
cien inferieur) an. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1896, 45. Band, l. Heft. (J. J. Jahn.) 13 



138 J- J- Jabn. [14] 

ÄcanfJioceras Neptuni Gein. sj). — kommt auch in den turonen 
Malnitzer und Teplitzer (Strehlener) Schichten vor und ist eine 
T uro n form. 

Placenficeras (V OrJngnyamim Gein. sp. — ist eine senone Form, 
aus der französischen Kreide wird sie von Grossouvre nicht an- 
geführt, sie tibergeht aber in der böhmischen Kreide auch in die 
senonen Chlomeker Schichten. 

Placenticeras pohjopsis Du} sp. — ist zwar eine senone Form, 
aber das betreifende von F ritsch abgebildete Bruchstück gehört 
entschieden nicht zu dieser Form. 

Pachydiscus peramplus Mant. sp. — ist eine für das T u r o n 
charakteristische Form, die auch in den älteren turonen Stufen der 
böhmischen Kreide vorkommt. 

Ammonifes cf. latidorsafus Midi, ist eine aus dem Gault be- 
kannte Form, aber diese Fritsch'sche Bestimmung ist nicht in Be- 
tracht zu ziehen, wie ich bereits in meinem citirten Referate über 
die „Priesener Schichten" Fritsch's gezeigt habe. 

Scaphifes Geiniizi var. Lambert i Grossouvre — ist eine senone 
Form; Grossouvre führt sie aus dem unteren und mittleren Unter- 
senon (Coniacien inferieur et moyen) an, in der böhmischen Kreide 
übergeht sie auch in die senonen Chlomeker Schichten. 

Scophites Geinitzi d'Orb. — eines der bezeichnendsten und 
häufigsten Fossilien der Priesener Schichten, ist eine für das Turon 
, charakteristische Form, die auch in den älteren turonen Stufen der 
böhmischen Kreide vorkommt. 

Hamites Geinitzi d'Orh. ■ — ist eine nach Geinitz (Elbthalgeb. 
IL, pag. 191 — 192) auch im Turon sehr häufig vorkommende Form, 
die auch aus den turonen Teplitzer Schichten von Teplitz angeführt wird. 

Hamites consobrinus d'Orh. — bezeichnet Fritsch selbst als 
„eine fragliche Art". 

Helicoceras Reussianum Gein. — eine in den Priesener Schichten 
sehr häufig vorkommende Form, ist nach Schlüter „einer der 
charakteristischesten organischen Reste des Scaphiten-Pläner", also 
eine typisch turon e Form, die auch in den älteren turonen Stufen 
der böhmischen Kreide vorkommt. 

Baculites Faujassi var. hohemica Fritsch — ist eine im Turon 
(auch in den älteren turonen Stufen der böhmischen Kreide) häufig 
vorkommende Art 

Wenn wir nun die oben bezeichneten fraglichen Arten : Schloen- 
bachia Texana Rom. sp.^ Placenticeras poh/opsis Duj. sp., Ammonites 
cf. latidorsatus Mich, und Hamites consobrinus d'Orb. ausser Acht 
lassen, so bleiben im Ganzen 13 Priesener Cephalopodenformen übrig, 
die in der Frage, ob die Priesener Schichten dem französischen Senon 
entsprechen, entscheidend sind. 

Von diesen 13 Formen sind nun blos 4 (Schloenbachia 
hajuvarica Redtenb. sp., Barroisiceras HaberfeÜneri v. Hauer sp., Placenti- 
ceras d' Orbignyanum Gein. sp. und Scaphites Geinitzi var. Lamherti 
Grossouvre) für das Senon bezeichnend. 



[151 Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Kreideformation, 139 

An diese vier Formen schliesst sich noch Peroniceras nubtricarinatum 
an. In meinem erwähnten Referate habe ich gesagt, diese Form sei 
„eine melir für das Oberturon als für das Senon bezeichnende Art". 
Da sie aber nach Grosso u vre in der französischen Kreide für das 
Untersenon (Coniacien inferieur et moyen) charakteristisch ist und in 
der böhmischen Kreide ebenfalls in die untersenonen Chlomeker 
Schichten hinaufsteigt (obzwar sie auch in den turonen Teplitzer 
Schichten vorfindlich ist), schliesse ich mich der Ansicht Grossouvre's 
an und rechne Peroniceras subfn'carinatum zu den senonen Formen. 

Die übrigen 8 Formen aus den Priesener Schichten 
kommen auch im Turon (auch in den älteren turonen Stufen 
der böhmischen Kreide) vor, drei von ihnen (Padujdiscus 
peramplus Mant. sp., Scaphites Geinitzi d'Orh. und Helicoceras Reussianum 
Gehl.) zählt man sogar zu den charakteristischesten 
Leitfossilien des Turon s, und was noch weiter in's Gewicht 
fällt, zwei von diesen turonen Leitfossilien (nämlich Scaphites Geinitzi 
und Helicoceras Reussianum) gehören zu den häufigsten Fos- 
silien d e r P r i e s e n e r Schichten, während von den vier senonen 
Formen nur Placenticeras d' Orbignijanum und Scaphites Geinitzi var. 
Lamherti in den Priesener Schichten häufiger vorkommen, Barroisiceras 
Haherfellneri und Peroniceras subfricarinatum dagegen schon seltener, 
Schloenbachia bajuvarica bisher sogar nur ein einzigesmal gefunden 
worden ist. 

Daraus geht naturgemäss hervor, dass die Angehörigkeit des 
ganzen Complexes der Priesener Schichten zum Senon gar nicht so 
über alle Zweifel erhaben ist, wie es F ritsch in seiner Monographie 
der Priesener Schichten proclamirt, ja dass vielmehr die senonen 
Formen in den Priesener Schichten den turonen Formen gegenüber 
nur in sehr untergeordneter Weise auftreten. 

Der Umstand, dass in den Priesener Schichten sowohl turone, 
als auch senone Formen vorfindlich sind, führte mich zu dem Ge- 
danken, den ich bereits im Jahre 1891 ausgesprochen habe, nämlich, 
„dass die obersten Horizonte der Priesener Schichten schon 
zum Senon gehören, während die Teplitzer Schichten unzweifelhaft 
und die untersten Lagen der Priesener Schichten höchstwahr- 
scheinlich noch zum böhmischen Analogon des Turons 
gezählt werden müssen" i). 

Von Interesse ist nun, dass sich in ähnlicher Weise seiner Zeit 
auch Fritsch ausgesprochen hat: die Teplitzer Schichten — sagt 
er — „gehen ganz allmälig in die Priesener Baculiten-Thone über, 
in denen die entschieden jüngeren senonen Arten auch 
erst in deren höheren Lagen auftreten". (Iserschichten, 
pag. 19) 

Die Grenze zwischen dem Turon und dem Senon ist in den 
böhmischen Kreideablagerungen überhaupt durch allmälige Ueber- 
gänge undeutlich gemacht. Wenn man aber schon von einer solchen 



') J, J. Jahn: „Ueber die in den nordböhmischen Pyropensanden vor- 
kommenden Versteineruogen der Teplitzer und Priesener Schichten". Annalen d. 
k. k. naturhistor. Hofmus. in Wien. 1891, Bd. VI, Heft 3 und 4, pag. 477, 

18* 



140 J- J- Jahn. [16] 

Grenze in der böhmischen Kreide reden wollte, so müsste man sie 
höchstwahrscheinlich mitten in dem Schichtencomplex der Priesener 
Stufe suchen. Die Richtigkeit dieser Worte beweist wieder die Cepha- 
lopodenfauna der Priesener Stufe. 

Fritsch hat bekanntlich die Priesener Schichten bei Priesen 
in folgende Horizonte von unten nach oben gegliedert: 

0. Nuculaschichte. 

1. Geodiaschichte. 

2. Radiolarienschichte. 

3. Gastropodenschichte — nach Fritsch die Mitte des ganzen 
Profiles der Priesener Schichten, 

4. Sphaerosideritschichte. 

5. Krabbenschichte. 

Von den fünf s e n o n e n Cephalopodenformen erscheinen vier 
erst in dem Horizonte Nr. 3 (Peronicerafi subfricarinatum ist 
allerdings bereits in den liegenden Teplitzer Schichten vorfindlich), 
drei von ihnen (Peroniceras suhtficarlHafiini, Barroisiceras HaberfeUneri 
und Scaphites Geinitzi var. Lamherti) steigen dann weiter hin- 
auf in den Horizont Nr. 4 und gehören zu den häufigsten 
Fossilien in diesem Horizonte^), Barroisiceras HaberfeUneri 
kommt noch in dem Horizont Nr. 5 vor, Peroniceras subfricarinatum, 
PJacenticeras d'Orbicini/aNuni und IScapliifes Geinitzi rar. Lamherti übe.r- 
gehen dann in die s e n o n e n C h 1 o m e k e r Schichten. 

Nur eine einzige von diesen senonen Formen — PJacenticeras 
d'Orbigni/anum — erscheint in den mit 0, 2, 3 und 4 bezeichneten 
Horizonten. 

Von den turonen Formen dagegen erscheinen zwei (Nautilus 
suhlaevigatus und der häuüge HeJicoceras Reussiannm) schon in dem 
Horizonte Nr. 2, sämmtliche übrigen sechs Formen sind 
bereits in dem Horizonte Nr. 3 vorfindlich, blos drei von 
ihnen (IScapIiites Geinitzi, Helicocer((s Peussiannni und Baculites Faujassi 
var. bohemica) übergehen noch in den Horizont Nr. 4, in dem Hori- 
zont Nr. 5 (in der Krabbenschichte) erscheint aber keine 
turone Form mehr, auch in die senonen Chlomeker 
Schichten übergeht keine einzige von diesen turonen 
Formen. 

Daraus ersehen wir, dass im Allgemeinen in dem Horizonte 
Nr. 3 (in d e r G a s t r o p o d e n s c h i c h t e) die s e n o n e n F o r m e n 
zum ersten male auftreten {PJacenticeras (VOrbignuannm ausge- 
nommen) und mit dem Horizonte Nr. 4 (in der Sphaero- 
sideritschichte) die turonen Formen aufhören. Diese 
zwei Horizonte enthalten also eine Mischfauna : sowohl in der Gastro- 



- ') Fritsch ch:irakterisirt die F;iuu:i diese.s Horizontes Nr. 4 mit folgenden 
Worten : „Von grösseren Petrefecteu ist hier a m häufigsten Ammoiiites subtricari- 
iHttus (= Peroniceras suhtricarmatnm) und dcHtatocarhiatus (= Barroisiceras 
llaberfelbnri). Sca})hiten treten in der als hiiiodosus (= Lamherti) ange- 
führten Varietät in kräftigen Exemplaren auf." („Priesener Schichten", 
pag. 17.) 



[17] Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Kreideformation. 141 

podeiiscbiclite als auch in der Sphaerosideritschichte treten neben 
turonen aiicli senone Formen auf. 

Die Priesener Schichten sind also zum Theile als Aequivalent 
des Oberturons (des westphälischen und subhercynischen Scapbiten- 
Pläners und Cuvieri-Pläners), zum Theile als Aequivalent des unteren 
und mittleren Untersenons (des Emscher Mergels bei Schlüter oder 
des Coniacien Interieur et moyen bei G r o ssou vre) anzusehen. Die 
untersten drei Horizonte (Nr. 0, 1, 2) scheinen noch zum Turon zu 
gehören, die folgenden zwei deuten die Grenze zwischen Turon und 
Senon (Mischfauna) an, der oberste Horizont (Nr. 5, die Krabben- 
schichte) dürfte schon als reines Untersenon gelten. 

Die untersten Horizonte der Priesener Schichten schliessen sich 
also in ihrem faunistischen Charakter noch an die liegenden Teplitzer 
Schichten an, mit denen sie auch petrographisch nahe verwandt sind. 
Damit im Zusammenhange ist auch der seiner Zeit von mir hervor- 
gehobene Umstand, dass „viele Teplitzer Formen in die Priesener 
Schichten übergehen" und dass „zwischen den Teplitzer und Priesener 
Schichten keine scharfe Grenze existirt" '). Ich will meine damaligen 
einschlägigen Auseinandersetzungen hier nicht wiederholen, ich ver- 
weise blos auf meine betreffende Arbeit und betone, dass die Rich- 
tigkeit dieser meiner stratigraphischen Bemerkungen durch die eben 
angestellte Analyse der Cephalopodenfauna der Priesener Schichten 
von Neuem bestätigt worden ist. 



II. Ueber die horizontale Verbreitung der 

Priesener Schichten. 

In meinem oberwähnten Referate habe ich bereits darauf hin- 
gewiesen, dass einige Gegenden, wo die Priesener Schichten sehr 
gut entwickelt, vielfach aufgeschlossen und reich an Petrefacten sind, 
in Fritsch's Monographie der Priesener Schichten nur ungenügend 
geschildert werden und dass dem Autor einige sehr interessante 
Fundorte im Gebiete der Priesener Schichten unbekannt geblieben 
oder von ihm nicht in Betracht gezogen worden sind (1 c. pag. 418). 

Im Nachstehenden will ich nun einige Nachträge und Berich- 
tigungen zu diesem Theile der Frit s ch'schen Monographie der 
Priesener Schichten geben. 

1. lieber die Priesener Schicliteii im nordwestlichen Böhmen. 

Obwohl die Verbreitung der Priesener Schichten im nordwest- 
lichen Böhmen in der in Rede stehenden Monographie dieser Schichten 
noch am vollständigsten geschildert wird, sind doch dem Autor einige 
bemerkenswerthe Vorkommnisse der Priesener Schichten in diesem 
Theile Böhmens entgangen. 



') J. J. Jjihn: „Ueber die in den nordböhmischen Pyrojieusatiden vorkom- 
menden Versteinernngeu der Tephtzer und Priesener Schichten". Annalen d. k. k. 
uaturhist. Hofmus. Band VI, Heft 3 u. 4, Wien 1391, pag. 475—477. 



142 J- J- Jahn. [18] 

Als (las erste einschlägige Beispiel führe ich das Vorkommen 
der Priesener Schichten nördlich von Aussig, speciell den Petrefacten- 
fundort bei Klein-Kahn an. 

Dieses Vorkommen der Priesener Schichten findet sich sowohl 
auf der A. E, Reuss'schen „Geognostischen Karte der Umgebungen 
von Bilin und Teplitz'' ') als auch auf der betretfenden Karte der k. k. 
geologischen Reichsanstalt (Zone 3, Col. X, Aussig und Leitmeritz) 
und ebenso auf der neuesten „Geologischen Karte von Böhmen Sect. IL" 
von Laube und Fritsch (Archiv f. naturvv. Landesdurchforsch. v. 
Böhmen) verzeichnet. A. E. Reuss erwähnt es auch im IL Bande 
seiner Schrift „Geognostische Skizzen aus Böhmen" 2) pag. 18, sub 
Nr. 14, (ferner pag. 20 oben u. a.), zählt dasselbe zu seiner Pläner- 
kalkstufe, allein er führt von dort keine Fossilien an. 

Der in Rede stehende Petrefactenfundort der Priesener Stufe 
befindet sich direct an der Bahnstrecke der Dux-Bodenbacher (jetzt 
k. k. Staats-) Bahn, nördlich von der Station Klein-Kahn (Chvojenec, 
Male Chvojno). 

Die Eisenbahn führt hier anfangs in SN-Richtung, macht bei 
Klein-Kahn i^NW vom Dorfe) einen Bogen und nimmt dann eine NW- 
SO-Richtung an. Nördlich von der Eisenbahnstation Klein-Kahn führt 
über die Bahn ein Viaduct der Strasse von Klein-Kahn nach Königs- 
wald. Von diesem Viaduct an ca. 300 — 400 Schritte weit gegen die 
Station Königswald (Libouch) zu (etwa bis zu dem nächsten Wächter- 
hause) sind die Kreideschichten in einem etwa 2—5 Meter tiefen Ein- 
schnitte zu beiden Seiten der Bahn aufgeschlossen. Gegen das erwähnte 
Wächterhaus zu werden die Böschungen des Einschnittes allmälig 
niedriger und verlieren sich bei demselben ganz (die östliche Böschung 
ein wenig früher als die westliche). Die auf diesen Böschungen an- 
stehenden Kreideschichten verwachsen immer mehr und mehr mit 
einer Rasendecke, in der namentlich die auf den Plänerschichten so 
häufig vorkommende Pflanze Tussilago Farfara vorherrscht. Die 
Schichtenfolge ist an diesen Stellen eine derartige, dass man — wenn 
man von der Station Klein-Kahn gegen das erwähnte Wächterhaus 
zu schreitet — zuerst plattenförmige Plänerkalke und Kalkmergel 3) 
(=^ Inoceramenpläner), später zerfallene Plänermergel und Baculiten- 
thone antritft. Die Schichten zeigen eine schwache (ca. 20—25^) Nei- 
gung nach S. — Was, um Raum für das Geleise zu gewinnen, abgegraben 
wurde, wurde zu beiden Seiten auf die Böschungen des Einschnittes 
abgelagert, wo dieses Material jetzt wallförmige Halden bildet*). Es 



*) Nach Kanonikus Kreibich, entworfen von Dr. Reuss, Leitmeritz und 
Teplitz, 1840. 

■'') „Die Kreidegebilde des westlichen Böhmens", Prag, 1844. 

^) Herr Prof. J. Wiesbaur erwähnt in seinem Artikel „Das Vorkommen 
von Pyropen um Krendorf bei Laun" (Verhandl. 1893, pag. 219) den Klein-Kahner 
Fundort, wobei er sagt, dass hier die dortigen Plänermergel und Baculitenthone 
der Priesener Stufe von den Teplitzer Schichten überlagert werden. 
Dies bezieht sich jedenfalls auf die oben erwähnten plattigen Inoceramenpläner, 
die aber auch der Priesener Stufe angehören, wie weiter unten gezeigt wird. 

*) Ein ähnliches Vorkommen habe ich in dem tiefen Eisenbahneinschnitte 
w. von der Station Chotzen (mein vorjähriges Aufnahrasterrain) kennen gelernt, 
wo ebenfalls der ausgegrabene Mergel der Priesener Stufe zu beiden Seiten der 



[19] Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Kreideformation. 143 

entfallen also von der oben angegebenen Höhe der Böschung blos 
etwas über 2 Meter auf das anstehende Gestein, das übrige nehmen 
die Ausgrabungen ein. 

Die hier gelieferte Beschreibung der in Rede stehenden Loca- 
lität ist nach den brieflichen Mittheilungen des Herrn Prof. P. Job. 
Wiesbau r in Maria-Schein zustande gekommen. 

Der genannte Herr, der schon seit Jahren seine Aufmerksamkeit 
den geologischen Verhältnissen der Umgebung seines Wohnortes 
widmet, hat über mein Ansuchen durch einige Jahre bei Klein-Kahn 
mühevolle und anstrengende Aufsammlungen vorgenommen und dadurch 
ein grosses, werthvolles Material zusammengebracht. Dieses aufgesam- 
melte Material hat Herr Prof, P, Wiesbaur den Sammlungen des 
k, k. naturhistorischen Hofmuseums in Wien gewidmet, welches ihm 
schon für so manche werthvolle Bereicherung seiner Sammlungen 
zu Dank verpflichtet ist. 

Ich erfülle eine angenehme Pflicht, indem ich an dieser Stelle 
Herrn Prof. P. Wiesbaur für seine verdienstlichen geologischen 
Studien und Aufsammlungen bei Klein-Kahn den verbindlichsten Dank 
ausspreche. 

Die in der folgenden Liste citirten Fossilien von Klein-Kahn 
stammen insgesammt aus den tieferen Schichten, nämlich aus dem 
Plänermergel und Baculitenthon des oben erwähnten Eisenbahndurch- 
stiches. Man kann sie an der Oberfläche der genannten Böschungen 
absammeln, wo sie ausgewittert und von Regengüssen ausgespült auf- 
liegen. Sie weisen dreierlei Erhaltungszustand auf: entweder, und zwar 
selten, hat sich die kalkige Schale erhalten („k." in der unteren Liste), 
oder sind sie in Schwefelkies oder in Brauneisenstein (beides „eis." 
in der unteren Liste bezeichnet) verwandelt. Die Pyritfossilien sind 
gewöhnlich oxydirt und dadurch mehr oder weniger beschädigt, ja 
öfters ganz verunstaltet. Sie zersetzen sich auch in der Sammlung 
weiter und zerfallen dabei endlich in ein weisses Salzpulver, wobei 
die bei diesem Processe sich auscheidende Schwefelsäure das Papier 
ganz zerfrisst. Namentlich die Gasteropoden (auch Bivalven, Korallen) 
nehmen durch diesen Zersetzungsprocess ganz eigenthümliche Gestalten 
an, indem oft einige Windungen sich in der ursprünglichen Form 
erhalten, während die übrigen stark anschwellen und verunstaltet 
werden. 

Ich schreite nun zur Mittheilung der Fossilienliste aus den 
Priesener Schichten von Klein-Kahn und bemerke, dass ich einen 
Theil davon selbst bestimmt habe, für die Bestimmung anderer Theile 
den Herren Dr. Fr. Kossmat in Wien und J. ZeHzko aus Wodnan 
zu Dank verpflichtet bin. 

I Cephalopoda. 

1. Nautilus Reussi Fr. — eis., selten, aber sehr gut erhalten. 

2. Scaphites cf. Geinitzi var. Lamberfi Gross. — eis,, sehr häufig, 
gut erhalten (lauter Exemplare ohne W^ohnkammer). 



Eisenbahn auf die Böschungen des Einschnittes in Form von waLlförmigen Halden 
abgelagert worden ist. 



144 J- J- Jahn. [20] 

3. Scaphifes Geinitzi d'Orh. — eis., sehr häufig, gut erhalten (lauter 
Exemplare ohne Wohnkammer). 

4. Scaphites cf. Fritschi Gross. — eis., häufig, gut erhalten (lauter 
Exemplare ohne Wohnkammer) ; nebstdem zahlreiche Uebergangs- 
formen zwischen diesen drei Arten, darunter auch das auf Taf. 
VIII, Fig. C) abgebildete, ungewöhnlich grossse Exemplar. 

5. Hamites rerus Fr. — eis., häufig. 

G. Helicoceras Reussianum Gein, (und Jugendexemplare von derselben 
Form, die früher Hei. armafum d'Orh. genannt worden sind) — 
eis., rechts und links gewundene Exemplare, nicht selten. 

7. Baculifes Fmijassi Lamk. var. hohem/ca Fr. — eis , sehr häufig, 
darunter das grosse, wunderschön erhaltene Exemplar, welches 
auf unserer Taf. VIII, Fig. la — d abgebildet ist. 

8. Baculifes n. sp. — eis., dieses einzige vorliegende Exemplar ist 
auf unserer Taf. VIII, Fig. 8 a — e abgebildet. 

Gasti'opoda. 

9. Turritella muUistriata Tiss. — selten. 

10. Turritella sp. ind. — selten. 

11. Scala decoraia Gein. — häufig. 

12. Natica Genfii Soir. — sehr häufig. 

13. Natica vulgaris L'ss. — häufig. 

14. Turho decenicosfatus liss. — häufig. 

15. Trochus amatus d'Orh. — häufig. 

16. Trochus cf. Engelhardti Gein. — selten. 

17. Trochus sp. ind. ~ ein nicht näher bestimmbares Exemplar. 

18. Rissoa Beussi Gein. — sehr häufig (die häufigste Form unter 
den Gastropoden). 

19. Pleurotomaria suhlaeris Gein. — sehr häufig. 

20. Valuta Ixoemeri Gein. — sehr häufig, mitunter sehr grosse Exem- 
plare. 

21. Mitra Boemeri d'Orh. — sehr häufig, mitunter sehr grosse Exem- 
plare. 

22. CeritJiium cf. reticulatiim Soir. — selten. 

23. Cerithium psendoclathratum d'Orh. — häufig. 

24. Cerithium sp. ind. — ein Exemplar, welches eine sichere Be- 
stimmung nicht zulässt. 

25. Cerithium sp. ind. — sehr häufige Steinkerne. 

26. Acteon cf. elongatum Soir. r' — ein Exemplar. 

27. Dentalium cf. medium »S'ö/r. — ein Exemplar. 

28. Pcdella sp. — ein Exemplar. 

Ausserdem viele unbestimmbare Steinkerne und verunstaltete 
Gastropoden. Sämmtliche Gastropoden (die kalkige P(della ausge- 
nommen) sind in Schwefelkies oder Brauneisenstein umgewandelt. 

Pelecypoda. 

29. Eriphyla lenticidaris Goldf. sp. — eis., selten. 

30. Nucula pectinata Sow. — eis., häufig. 



[21] Einige Beiträgo zur Konntniss der böhmisclien Kreideformation 14r) 

31. Nucula semilunaris v. Buch. — eis., häufig. 

32. Nucula striata Mam. — eis., nicht selten. 

33. Nucula concentrica Gern. — eis., ein Exemplar. 

34. Nucula sp. ind. — eis., sehr häufige Steinkerne. 

35. Area sp. ind. — eis!, ein p]xeniplar. 

36. Modiola sp. ind. — eis., sehr selten, sehr grosse Exemplare. 

37. Mufiella Jiingmerensis Mant. sp. — eis., nicht selten. 

38. Inoceranius sp. ind. — k., eis., Schalenbruchstücke, häufig. 

39. Spondi/lus spinosus Goldf. — eis., Schalenbruchstücke, häufig. 

40. Plicatula nodosa Du}. — k., eis., selten. 

41. Plicatula inflata Soir. — eis., sehr selten. 

42. Exogi/ra lateralis Rss. — eis., ein Exemplar. 

43. Ostrea sp. ind. — k , selten. 

Nebstdem zahlreiche verunstaltete Steinkerne und Schal enbruch- 
stücke, k. oder eis. 

Brachiopoda. 

44. Ehynchonella plicatilis Soir. — k., eis., häufig. 

45. Terehrattdina gracilis Scldofli. — eis., sehr häufig: 

46. Terehrattdina stricdula Mant. — eis., selten. 

47. Terehratid /na cliri/salis Srldotli. — k., eis., selten. 

48. Terebratula semiglobosa Soir. — k., eis., mehrere sehr gut erhaltene 
Exemplare. 

Echinodermata. 

49. Micraster .sp. ind. — k., eis., häufig (ein grosses Fragment des 
Gehäuses, viele Ambulacralplatten). 

50. Micraster sp. — ein grosses , ganzes Gehäuse, in Schwefelkies 
verwandelt. 

51. Antedon Fischeri Gein. — eis , ein Stielgiied. 

Coelenterata. 

52. Porosphaera glohularis PhU. sp. — eis., sehr häufig. 

53. Parasmilia centralis Mant. sp. — eis., häufig. 

54. Micrahatia coronula Goldf. — k., ein Exemplar. 

55. Trochocgathus conulus Phd. sp. — eis., selten. 

56. Trochocijatlms Hariceyanus M. Ediv. et H. — eis., selten. 

57. CargophijlUa cf. cglindracea Ess. sp. — eis., ein Exemplar. 

Viele sehr verunstaltete Korallensteinkerne, unbestimmbar, eis. 

Sehr häufige verunstaltete Spongien, unbestimmbar, eis., k. 

Ausserdem zahlreiche Schwefelkies- und Brauneisenstein - Con- 
cretionen, die für das Vorkommen sehr charakteristisch sind. 

Im Allgemeinen stimmt die Fauna der Priesener Schichten von 
Klein-Kahn mit der typischen Fauna dieser Stufe Uberein, nur einzelne 
Typen sind dadurch bemerkensvverth, dass sie von Fritsch für 
charakteristische Leitfossilien der tieferen Teplitzer Schichten erklärt 
werden. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1895, 45. Band, l. Heft. (J. J. Jahn.) 19 



146 J- J- Ja'»"- [22] 

Ich habe diesen Umstand bereits anderenorts besprochen^) und 
werde auch in der vorliegenden Arbeit darauf noch einmal zu spre- 
chen kommen. 

Das Bisherige wäre ein Nachtrag zu dem ersten Abschnitte der 
Arbeit Fritsch's „Umgebung von Teplitz und Bilin". 

Im zweiten und dritten Capitel werden die Priesener Schichten 
in der Umgebung von Postelberg und Laun, linkes Egerufer, in der 
Gegend von Leneschitz, Wrschowitz und Wunitz geschildert. 

Es wäre dazu nachzutragen, dass vor allem Reuss und Za- 
h ä 1 k a in ihren diesbezüglichen Arbeiten die Priesener Schichten 
in dem soeben genannten Gebiete wiederholt erwähnen und daraus 
Petrefactenfunde verzeichnen. Der Vollständigkeit halber wäre es 
gewiss angezeigt gewesen, diese Angaben in die in Rede stehende 
Monographie der Priesener Schichten einzubeziehen. 

In dieses Gebiet fällt auch das Terrain der nordböhmischen 
Pyropensande, welche Fritsch mit folgenden Worten erwähnt: „Die 
auf secundärem Lager in den Pyropenconglomeraten vorkommenden 
Arten, die wahrscheinlich meist den Priesener Schichten entstammen, 
lasse ich unberiicksichtigt, da in neuerer Zeit zu deren selbständiger 
Verarbeitung ein kühner Anlauf') von jüngeren Kräften unter- 
nommen wurde" (1. c. pag. 3). 

Allein die Petrefacten der Priesener Schichten kommen in dieser 
Gegend nicht nur in den Pyropensanden auf secundärem Lager vor, 
sondern die Priesener Schichten selbst bilden an zahlreichen Stellen 
das Liegende dieser Sande (Schotter) und sind daselbst an vielen 
Stellen sehr gut aufgeschlossen und petrefactenreich. 

In meiner schon citirten Arbeit über die Pyropensande habe ich 
bereits die Fundorte S c h ö p p e n t h a 1 (Sepetely ) und N e u g r ü n d e 1 
(Doly) bei Triblitz citirt (1. c.-pag. 47G). Ausser der schon damals an- 
geführten Terebratnlina gradlis SrhlofJi., fand ich an dem erstge- 
nannten Fundorte noch TrocJiu^ Kngelhardti dein., Trorhvi^ amutu^ 
d'Orb., Ceritliiuni trinionile Eeusi^, einige unbestimmbare Bivalven, einige 
Echinidenreste, Sequoia Reich enhac.lii Gehi. und noch andere unbe- 
stimmbare Pflanzenreste. Ich bemerke, dass ich diese Fossilien schon 
nach ganz kurzer Suche fand. Wenn man an diesem Fundorte länger 
suchen würde, würde man gewiss viel mehr finden. 

Von Neugründel (Doly) so. von Tfiblitz habe ich in einer in 
den Sammlungen des k. k. naturhist. Hofmuseum in Wien befindlichen, 
aus älterer Zeit stammenden Suite und unter dem von diesem Fund- 
orte stammenden Materiale des Herrn Med. Dr. W. Pafi'k in Treb- 
nitz folgende Formen bestimmt: 

Scalaria sj). 

Trochus Biineli (.VArch, 
Trocltiis EnyeJhaydiJ Gein. 
Trochus amatus d'Ovh. 



*) Jar. J. Jahn: Ueber die iu den uordböhmischen Pyropeusauden vor- 
koinmenden Versteinerungen der Teplitzer und Priesener öchichteu. (Annalen d. 
k. k. naturhist. Hofmus. Wien 1891, Band VI., Heft 3. u. 4., pag. 475-476, Be- 
merkung -')). 



[28] Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Kreideformation. 147 

Turbo Buchi Goldf. sp. 

Turbo Naumanni Gein. 

Turbo decemcostatus Bss. 

CeriHiium trimonile B.<s. 

Ceritlriiim fernatum Bss. 

Dentalium Cidaris Gein. 

Dental i tun sp. 

Unbestimmbare Gastropoden-Steinkerne. 

JS/ucida pecünala Soir. 

Nucula semilunaris Bss 

Nucula sp. 

Spondijlus spinosus Goldf. 

Spondylus cf. latus Soir. sp. (negative Schalenabdrücke 

auf Spongien). 
Spondiilus sp. (Sclialenbruchstücke). 
Schalenbriiclistücke von verschiedenen unbestimmbaren 

Bivalven, 
Magas Geinitzll Seid. 
Terebratulina gracilis Schi. 

Cidaris vesieulosa Goldf. (Stadiel und Schalenbruchstücke). 
Stellaster Ottoi Gein. (Randtäfelchen). 
Parasmilia centralis Mant. sp. 
Trochoci/athus conuhis Phil. sp. 
Trochoci/athus n. sp. (ein sehr schön erhaltenes, grosses 

Stück). 
Viele Trochocyathen, theils n. sp., theils unbestimmbar. 
Unbestimmbare Korallensteinkerne. 
Craticnlaria sp. pl. (Bruchstücke). 
Bhizopoterion cervicorne Goldf. sj). 
SipjJionia Geinitzii Zitt. 
Cf. Elasmostoma sp. 
Spongites saxonicus Gein. 
Unbestimmbare Spongien. 

Sämmtliche Fossilien von diesem Fundorte sind in Schwefelkies 
(selten Brauneisenstein) umgewandelt (blos einige p]xemplare von 
Terebratulina gracilis und einige Cidarisstachel sind kalkig), sehr 
hübsch gelb und meistens gut erhalten. 

Ich fand Priesener Fossilien ausserdem noch an anderen Steilen 
dieses Gebietes, auch Herr Prof. P. J. Wiesbaur sammelte an einigen 
Orten derselben Gegend Petrefacten der Priesener Stufe und sendete 
sie mir zur Bestimmung ein. Ich überliess sämmtliche diese Funde, 
sowie auch die seit meiner letzten Publication über die Pyropensande 
aus diesen letzteren Ablagerungen bestimmten Fossilien dem Herrn 
Prof. C. Z a h ä 1 k a in liaudnitz zur Veröffentlichung, der die be- 
treffenden Fossilienlisten in seiner demnächst erscheinenden grösseren 
Arbeit über die pyropenführenden Ablagerungen in Nordböhmen pub- 
liciren wird, worauf ich hinweise. 

Es ist bekannt und ich habe diesen Umstand in meiner citirten 
Arbeit über die Pyropensande wiederholt besprochen, dass die granat- 

19^ 



148 J- J- Jahn. ^ [24] 

führenden Ablagerungen am südlichen Fusse des böhmischen Mittel- 
gebirges durch Zerstörung und Abtragung der benachbarten Sedimente 
entstanden sind. Ich habe schon damals darauf hingewiesen, dass dabei 
unter Anderem auch die Priesener Schichten mit erodirt worden sind, 
wodurch man sich das ungemein häutige Vorkommen der Priesener 
Fossilien in den Pyropensanden zu erklären hat. Um zu ermitteln, 
welche Niveaus der Priesener Stufe (und von welchen Stellen etwa) 
von dem fliessenden Wasser, das die Entstehung der Pyropenschotter 
bewirkte, zerstört und abgeschwemmt wurden, ist es wichtig, die 
Vorkommen der Priesener Fossilien auf primärer Lagerstätte in dieser 
Gegend zu untersuchen und mit der bereits bekannten Priesener 
P'auna der Pyropensande zu vergleichen. Und eben dadurch sind die 
oben citirten Vorkommen der Priesener Fossilien aus dem Gebiete 
der pyropführenden Schotter besonders interessant und wichtig. Sie 
enthalten fast durchgehends die se 1 be n Formen in demselben 
Erhal tun gszu stände, wie sie auch in dem pyropenführenden 
Schotter vorgefunden werden. 

Die Fauna der Priesener Schichten von Neugründel, Schöppen- 
thal etc., gleicht wie jene von Klein- Kahn der bekannten typischen 
Fauna der Priesener Stufe, bis auf einige Ausnahmen, die aber sehr 
bezeichnend sind. Viele Formen nämlich, die als charakteristisch für 
die tieferen Teplitzer Schichten angesehen werden (namentlich einige 
Gastropoden, Brachiopoden, Spondi/Ius sjjinosus, Flicatula nodosa, Poro- 
sphaera gJobularis, einige Echiniden u a. m.), finden sich auf den oben 
verzeichneten Localitäten auch in den Priesener Schichten vor '). In 
meiner Arbeit über die Pyropensande habe ich diese Erscheinung sehr 
ausführlich besprochen (1. c. pag. 475 — 477), worauf ich hinweise. 

Ich bin damals zu dem Schlüsse gelangt, dass die Teplitzer 
und Priesener Schichten in ihrem petrographischen -') und palaeonto- 



') Ein analoges Vorkommen von verkiesten Versteinerungen der Priesener 
Schichten befindet sich in der Nahe von Leneschitz (am Fusse des Kanai-Berges) 
Fritsch führt in seiner Monographie der Priesener Schichten (pag. 26) ein Ver- 
zeichniss von auf dieser Stelle gefundenen Petrefacten an (in den Sammlungen 
unserer Anstalt befinden sich von dieser Localität ausser den von Fritsch nam- 
haft gemachten Formen noch FlcKrofoniaria sublaecia Gehi., Turbo siibiiiflatiis Bas., 
Cerithium Luscliitziamini (iehi., ]'e)ius pejitagona liss., Area loidiilata Esi^. und 
Trochocifathns conidus Phil. sp.). Hiebei sagt Fritsch: „Ausser diesen sicher aus 
den Priesener Schichten eingesammelten Arten fanden sich in dem eingesammelten 
Materiale auch Arten, die den tiefer liegenden Teplitzer Schichten angehören : 
Ostrea senrij/Iaiia, Terebratxlhla riglda, Magas Gehiitzi, Jiht/)icho)H'lla Caoieri^ 
(1. c. pag. 27). Diese vier von Fritsch citirten Formen gehören zwar zu den 
sogenannten Teplitzer Leitfossilien, sie können aber ebenso gut auch in den 
Priesener Schichten gesammelt worden sein (wie es z. B. bei meinen obigen 
analogen Teplitzer Formen von Klein-Kahn, Neugründel etc. ganz sicher der 
Fall ist), worauf man aus der Aeusserung Fritsch's („den Teplitzer Schichten 
angeh()ren") eventuell auch schliessen könnte. 

-) Jul. Stoklasa, der die Gesteine sowohl der Priesener als auch der 
Teplitzer Schichten chemischen Analysen unterworfen hat, bemerkt in seiner 
Arbeit „Chemickä badani v ceskem Stfedohofi" (= „Chemische Untersuchungen 
im böhmischen Mittelgebirge''. Chemicke listy, Prag 1880, pag. 136 ft".), dass die 
Teplitzer und Priesener Plänermergel einander mitunter so ausserordeutlich ähnlich 
sind, dass man keinerlei Unterschiede in ihrer chemischen und physikalischen 
Beschaffenheit aufzufinden vermag. 



[25] Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Kreidetormation. 149 

logischen Charakter einander verwandt sind, dass „viele Teplitzer 
Formen in die Triesener Scliichten übergehen" ^), und dass demzufolge 
„zwischen den Tei)litzer und Priesener Schichten keine scharfe 
Grenze existirt" '■'), womit aber keineswegs gemeint war, dass sich 
diese zwei Stufen überhaupt nicht unterscheiden lassen, 
sondern blos, dass die Grenze zwischen ihnen durch allmälige 
Uebergänge undeutlich gemacht und nicht so scharf ist, wie z. B. 
zwischen den Korytzaner und Weissenberger Schichten^). 

Und auf diesen Ansichten beharre ich noch heute. Ich habe 
seitdem in dieser Hinsicht viele Beobachtungen angestellt und mich 
doch immer wieder von der Richtigkeit des oben ausgesprochenen 
Satzes überzeugt. Auch meine vorliegende Arbeit liefert in dieser 
Hinsicht mehrere wichtige und überzeugende Belege. (Man vergleiche 
namentlich die geologischen Bemerkungen über die Cephalopoden der 
Priesener Schichten, wie auch die Besprechung der vorgeblichen Tep- 
litzer Schichten in dem Gebiete östl. von der Janowicek— Luzer Terrain- 
terrasse in Ostböhmen u. a.) 

Meine damaligen stratigraphischen Bemerkungen sind jedoch 
in der seitdem erschienenen Literatur auf Wiederstand gestossen 
Namentlich hat sich gegen dieselben A. Slavlk in seiner Arbeit 
„Die Kreideformation in Böhmen und den benachbarten Ländern" '*) 
mit besonderer Schärfe ausgesprochen. 

Diese Arbeit Slavik's ist eine, wie der Autor sagt „wohlwollende (!) 
Kritik" meiner obgenannten Studie. Slavik wendet sich in breit- 
spuriger Weise auf fast 10 Seiten gegen meine wenigen, soeben 
besprochenen stratigrai)hischen Bemerkungen betreffs der Teplitzer 
und Priesener Schichten, behauptet wiederholt, dass ich diese strati- 
graphischen Schlüsse blos auf Grund der auf secundärer 
Lagerstätte (nämlich in den Pyropensanden) vorkommenden 
Petrefacten gezogen habe, und benützt diese Insinuation als Haupt- 
einwand gegen meine Arbeit. 



') Aus Fritsch's Mouograijhie der Priesener Schichten, sowie aus meinen 
vorliegenden Schilderungen ist es deutlich ersichtlich, dass die Art der Ausbildung 
der Priesener Schichten im nordwestl. Böhmen eine abweichende ist von der im 
östl. Böhmen. Es ist ferner bekannt, dass auch die Teplitzer Schichten in üstböhmen 
in stratigraphisclier Beziehung nicht vollkommen identisch sind mit den gleich- 
altrigen Ablagerimgen im nordwestl. Böhmen, was noch in dem letzten Abschnitte 
dieser meiner vorliegenden Arbeit zu weiterer Erörterung gelangt. Mit dieser 
verschiedeneu Ausbilduugsweise dieser zwei Stufen der böhm. Kreideformation 
dürfte der Umstand im Zusammenhange stehen, dass im nordwestl. Theile 
dei böhm. Kreide Teplitzer Formen in grösserer Zahl in die 
Priesener Schichten übergehen als in dem östl. Theile, und dass 
zugleich diese Teplitzer Formen dort in den Priesener Schichten 
auch was die Individuenzahl anbelangt häufiger erscheinen als 
hier. Diese Eigenthümlichkeit wird wohl jedem auffallen, der meine in der 
vorliegenden Arbeit publicirteu Fossilienverzeiehnisse aus den Priesener Schichten 
des nordwestl. Böhmens mit jenen des östlichen Böhmens vergleicht. 

-) Auch Fritsch betont wiederholt diesen allmäligen Uebergang der 
Teplitzer in die Priesener Schichten imd die Verwandtschaft dieser beiden Stufen. 
(Iserschichten, pag. 19; Teplitzer Schichten, pag. 12, pag. 42 ; Priesener Schichten, 
pag. 6, pag. 32.) 

=>) Vergleiche Verhandl. 1895, Nr. G, pag. 169. 

*) Sitznngsber. d. köuigl. böhm. Gesellsch. d. VVissensch. in Prag. 1892, pag. 157 ff, 



150 J- J- Jahn. [26J 

Ich habe aber in meiner Arbeit ausdrücklich hervorgehoben : 
„Zu diesen Ansichten bin ich theils auf Grund der Resultate der 
vorliegenden Arbeit, theils gelegentlich des Studiums der 
einschlägigen Literatur, des reichlichen, in den hiesigen 
Sammlungen d e p o n i r t e n M a t e r i a 1 e s ii n d der von m i r i m 
Terrain gemachten st r atigraphischen Beobachtungen 
gelangt" (1. c. pag. 475) und widme fast die ganze folgende Seite 
meiner Arbeit der Anführung und Besprechung des von mir gemeinten 
Materiales von der primären Lagerstätte. Diesen „ wissen- 
schaftlichen" Modus procedendi Slavik's, der diese Stelle meiner 
Arbeit ignorirt, um mich „wohlwollend kritisiren" zu können, will ich 
nicht näher qualificiren. 

S 1 a V f k sagt ausdrücklich, dass ihn meine stratigraphischen 
Bemerkungen zu dieser „Kritik" meiner Arbeit bewogen haben, indem 
er meint, glauben zu „müssen", dass meine Deductionen gegen seinen 
Artikel „Die Schichten des hercynischen Procaen- oder Kreidege- 
bietes etc." ') gerichtet seien. Ich habe Slavik in meiner ganzen 
Arbeit nirgends genannt und auch nicht die Absicht gehabt, mit 
seiner Abhandlung zu polemisiren, da er für seine sowohl, in dieser 
als auch in der schon im Jahre 1881 veröffentlichten, auch nur die- 
selben Dinge behandelnden Arbeit^) vorgebrachten Beliauptungen, bis 
heute die Beweise (Profile und Verzeichnisse der von ihm auf den 
besprochenen Localitäten gesammelten Petrefacten, auf deren Fund 
hin er das Alter dieser oder jener Schichte bestimmt hat) schuldig 
geblieben ist. In Ermangelung solcher Belege können jedoch die von 
ihm zweimal nach längerer Pause veröffentlichten Ansichten über die 
Gliederung der böhmischen Kreide nur als rein theoretische 
Erörterungen angesehen werden, die man, wenn man auf dem- 
selben Gebiete praktisch beschäftigt ist, keineswegs gezwungen ist, 
in Discussion zu ziehen. 

Auf das Feld der eigentlichen „kritischen" Bemerkungen mag 
ich Herrn Slavik nicht folgen, so verlockend dies auch für mich 
sein könnte. 

2. lieber die Prieseiier Scliichteii in der Umgegend von 

Pardubitz. 

Im siebenten Abschnitte der in Ptede stehenden Schrift Fritsch's 
werden die Priesener Schichten in den Umgebungen von Jungbunzlau, 
Podebrad, Chlumetz und Pardubitz geschildert. 

Seit meiner frühesten Jugend habe ich mich mit Vorliebe mit 
den in der Umgegend meines Geburtsortes vorkommenden Kreide- 
fossilien beschäftigt. Durch jahrelange Begehungen und Aufsammlungen 
bin ich mit den geologischen Verhältnissen der Umgegend von 
Pardubitz vollständig vertraut geworden. Gestützt auf die Resultate 
dieser Studien, sowie auch auf die im vorjährigen Sommer angefangenen 
Aufnahmen in der Umgegend von Pardubitz will ich im Folgenden 
ein kurzes Bild der geologischen Verhältnisse dieser Gegend und 



') Sitzuugsber. d.königl. böhm. Gesellsch. d. Wissensch.inPrag 1891, pag. 199 flf. 
^) Ibid. 1881, pag. 345 ff. 



[27] Einige Beiträge zur Kenntiiiss der bölunischen Kreideforination. lf)l 

dabei namentlich der dortigen Verbreitung und Ausbildung der Priesener 
Schichten entwerfen. 

Die Stadt Pardubitz liegt mitten in der ausgedehnten Eibthal- 
ebene. Der ElbeÜuss, der vom liiesengebirge bis Pardubitz in NS- 
Richtung fliesst, vollbringt in unmittelbarer Nähe der Stadt eine 
Wendung um i>0", um von da in OW-IUchtiing gegen Klbeteinitz, 
Kolin etc. weiter zu tiiessen. In der Pardul)itzer Ebene nimmt er 
ausser einigen Bächen zwei wasserreiche Flüsse — Chrudimka und 
Loucnä — auf. 

Im Süden ist die Pardubitzer Elbthalebene durch das aus Kreide- 
bildungen bestehende Hügelland am nördl Fusse des Eisengebirges 
begrenzt. Die archaischen und altpalaeozoischen Schichten des Eisen- 
gebirges fallen am nö. Fusse dieses Gebirgszuges nach NO unter 
die Kreidedecke des F^lbthales ein, die Schichten dieser Decke zeigen 
im Allgemeinen ebenfalls dasselbe N()-P]infallen. 

Die Lagerungsverhältnisse im Gebiete dieses grossen Senkungs- 
feldes der Kreideformation in der ostbölimisclien Elbthalebene sind 
insofern sehr regelmässig, als man am i»ö. Fusse des P^isengebirges 
überall die ältesten davon, nämlich die cenomanen Perutzer und 
Korytzaner Schichten vorfindet, und je weiter man nach N eventuell 
NO schreitet, um so jüngere Stufen der Kreideformation ganz regel- 
mässig der Reihe nach zum Vorschein kommen — eine Erscheinung, 
die eben durch das allgemeine n. oder nö. Einfallen dieser Schichten 
erklärlich ist. 

Dass nicht nur die archaische und palaeozoische Unterlage der 
Kreideformation in Ostböhmen, sondern auch die einzelnen Stufen 
dieser letzteren Formation selbst, je weiter nach N zu desto tiefer 
einfallen, haben die in den letzten Jahren in dieser Gegend vorge- 
nommenen zahlreichen Brunnenbohrungen gezeigt, anlässlich deren 
man z. B. die wasserführenden Perutzer Schiebten bei Chrudim 
schon in der Tiefe zwischen .'30—40 Meter, in Holitz aber erst bei 
280 Meter erreicht hat. Allein diese Dinge habe ich bereits andern- 
orts besprochen^), auch F ritsch bringt sie in seiner Monographie 
der Priesener Schichten zur Sprache (pag. 52 tf). 

Nur zum geringen Theile treten die Kreideschichten in der 
Pardubitzer Umgegend direct zu Tage, sie sind meistens von quater- 
nären Bildungen (Schotter, Lehm, Flugsand etc.) bedeckt, unter denen 
namentlich die Alluvionen der Elbeniederung weitaus vorwaltend sind. 
Diese letztere Erscheinung ist mit dem oben erwähnten Reichthum an 
fliessenden Wässern in der Pardubitzer Gegend im Zusammenhange. 
Die wasserreichen Flüsse (F^lbe und ihre Nebenflüsse Chrudimka und 
Loucna) und Bäche pflegen fast alljährlich sehr anzuschwellen und 
überfluten den grösseren Theil dieser Elbthalebene, die dann einem 
ausgedehnten See gleicht. Die alluvialen Sedimente der seinerzeit in 
der Pardubitzer Gegend sehr zahlreichen Teiche schliesen sich in 
dieser Hinsicht an die Anschwemmungen der fliessenden Gewässer 
an. Echter diluvialer Schotter erscheint in dieser Gegend nur in 
untergeordneter Weise, auch der diluviale Lehm (Löss) erfreut sich 



•) Jahrb. d. k. k. geolog. Keichsanst. 1892, Bd. 42, Heft 3, pag. 461-462. 



152 J. J- Jahn. [28] 

keiner besonders grossen Verbreitung. Dafür erscheinen aber neben 
den srlion erwähnten alluvialen Bildungen am häufigsten feine Flug- 
sande (Dünensande?), deren Ablagerungen mitunter eine enorme Mäch- 
tigkeit erreichen. 

Die Kreidedecke in der Umgegend von Pardubitz wird an 
einigen Stellen durch Eruptivgesteine durchbrochen. Es sind dies 
vor Allem der aus einem tephritartigen Gestein bestehende Kunetitzer 
Berg, eine isolirte Kuppe mit einer malerischen, weit und breit sicht- 
baren Burgruine am Gipfel. Ferner gehören hierher der von meinem 
Vater Egyd V. Jahn seiner Zeit ausführlicli beschriebene, dem Kune- 
titzer Berg naheliegende Basaltgang von Hurka - SpqjiP) und zwei 
weiter abgelegene , bisher nicht bekannte Basaltvorkommnisse : „na 
Vinici" (s. Pardubitz) und cöte 228 nw. Semtin (nw. Pardubitz). In der 
Erklärungsschrift zu dem von mir soeben aufgenommenen Pardu- 
bitzer Blatte werde ich dieser Vorkommnisse von Eruptivgesteinen in 
der Pardubitzer Umgegend näher gedenken, worauf ich hinweise. 

Die bisher geschilderten geologischen Verhältnisse der Umgegend 
von Pardubitz lassen sich am besten an einem durch diese Gegend 
geführten Profile illustriren. Dies hat schon F ritsch in seiner 
Monographie der Priesener Schichten versucht, allein sein Profil 
(1. c. pag. 46, Fig. 2(>) entspricht nicht den Verhältnissen in der Natur, 
wie ich schon in meinem erwähnten Referate über diese Schrift 
hervorgehoben habe. 

Ich bringe in Folgendem ein analoges Profil durch die Pardubitzer 
Kreidegegend zur Kenntniss, welches ich im vorigen Jahre bei meinen 
Aufnahmstouren in dieser Gegend zusammengestellt habe (siehe die 
gegenüberstehende Figur 3). 

Dieses Profil ist entsprechend dem Streichen und Fallen der 
Kreideschichten in dieser Gegend in SSW-NNO-Richtung geführt. Es 
fängt im Süden mit dem für das Verständniss der Lagerungsverhält- 
nisse der Kreideschichten in dieser Gegend sehr wichtigen Hügel 
cöte 274 an, der auch in das analoge Profil von Fritsch mit ein- 
bezogen ist. 

Dieser Hügel trägt die in der ganzen Umgegend sichtbare 
Mikulowitzer St. Wenzels-Kirche und bildet einen der wenigen Aus- 
sichtspunkte in diesem fiachen Tlieile des östl. Böhmens. Die Kreide- 
schichten sind auf diesem Hügel von einer bis über 10 Meter mächtigen 
Lössdecke. überlagert. Am (ilipfel des Hügels befindet sich ausserdem 
noch diluvialer Schotter. Der Löss wird in zwei am nördl. Abhänge 
dieses Hügels angebrachten Ziegeleien ausgebeutet. Durch diese Ab- 
grabungen wurden auch die unter dieser Lössdecke befindlichen 
Priesener Schichten, durch einige zum Ansammeln des Wassers an- 
gelegte, kraterförmige Gruben (wie sich Fritsch sehr zutretfeud 
äussert), in denselben Ziegeleien ausserdem noch die Teplitzer 
Schichten entblösst. Weiter nach S. (die Anhöhen gegen Chrudim zu) 



-) Siehe Verhaudl. 1861 - (12, XII. Bd., pag. 155 ff.; ferner natiirwissensch. 
Zeitschr. „'Ziva'', Jahrg. 1859, 4. Heft, pag. 197 ff., Prag; auch ibid., Jahrg. 1860, 
4. Heft, pag. 233 ff.; ferner Archiv f. naturw. Laudesdurchforsch. v. Böhmen, II. Bd., 
I. Abth., II. Theil (Boficky: Petrographische Studien an den Basaltgesteineu 
Böhmens) u. a. 



[29] Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmisclien Kreideformation. 153 



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Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1895, 45. Band, 1. Heft. (J. J. Jahn.) 



20 



154 



J. J. Jahn. 



[30] 



treten auch die unter den letzteren folgenden Weissenberger Schichten 
zu Tage. 

Die Teplitzer Schichten in den Mikulowitzer Ziegeleien zeigen 
zwei durch zahlreiche Fossilien wohl charakterisirte Horizonte : unten 
der Horizont der Lima elongata (fester, plattenförmiger, dunkelgrauer 
Plänerkalk), oben der Horizont der Rhynchonellen (weicher, leicht 
zerfallbarer, lichter Mergel). 

Darauf liegen die Priesener Schichten mit den schon von Fritsch 
beschriebenen, für den tiefsten Horizont dieser Stufe in der Pardu- 
bitzer Gegend charakteristischen, grossen, festen, lichten, kalkigen Con- 
cretionen, die allerdings in Wirklichkeit anders aussehen, als sie die 
Fig. 24 in der in Rede stehenden Arbeit Fritsch's darstellt. Ich 
bemerke nebenbei, dass ich dieselben Concretionen gleichfalls im 
unmittelbaren Hangenden der Teplitzer Schichten, also wiederum in 
dem tiefsten Horizonte der Priesener Schichten, auch bei Pumberecky 
(ö. von Chrudim) vorfand. 

Fritsch bezeichnet diese stammförmigen Bildungen als „merk- 
würdige, grosse, feste Concretionen, die senkrecht die Lagerung der 
Schichten durchsetzen, oder sich wellenförmig biegen, eine breite 
Basis und zuweilen die Seiten dachförmig abfallend haben. Im 

aus einer sehr festen, weissen, sandig-kalkigen 
Versteinerungen. Der Dünnschliff zeigte viel 
etwas Glauconit und einzelne Foraminiferen 
pag. 44). 

Herr Collega C. F. P^ichleiter analysirte auf mein Ansuchen 
Proben von diesen stammförmigen Bildungen von Lahn ob Gruben 
(Läny na Dülku), Mikulowitz und Pumberecky. Die Analysen ergaben 
folgende chemische Zusammensetzung: 



Inneren bestehen sie 
Masse und enthalten 
kleine Quarzkörner, 
(„Priesener Schichten". 



Probe VOM 
Mikulowitz 



l'rolie von 
LaliiKil) (irtilieii 



Probe von 
Piimljerecky 



Der .scliiel'rige 
Pläner, dem 

diese Concre- 
tionen ent- 
stammen 



In HCl unlöslicher 

Rückstand (thonige Be- 

standtheile) 



Kalk 



Magnesia 



Eisenoxyd und Thou- 
erde 

(ilühverlust ( Wasser, 

namentlich aber 

Kohlensäure) 



Summe 



(Kohlensaurer Kalk 



(Kohlensaure Magnesia 



10-Ö2 



49-25 



0-36 



0-80 



39-52 



100-45 



87-94 



0-75 



12-85 



47-19 



0-50 



1-09 



38-25 



99-88 



84-26 



1-50 



13-65 



46-70 



0-16 



1-25 



38-22 



99-98 



83-39 



0-33 



27-25 



25-21 



13-24 



34-20 



99-90 



45-01) 



[31] Elinige Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Kreideformation. 155 



letzten Rubrik der 
läners von Krchleb mit 



obigen 



der 



Dieser chemischen Zusammensetzung nach bestehen die Con- 
cretionen aus einem nicht viel thonige Bestandtheile enthaltenden 
Kalkstein. Die Fritsch'sche Bezeichnung „sandig -kalkige" Con- 
cretionen ist also nicht zutreffend, richtiger wäre es, diese Bildungen 
als kalkige Concretionen mit geringem Thongehalt zu bezeichnen. 

Die Probe von Mikulowitz enthält am meisten kohlensauren 
Kalk, sie besteht auch aus einem dichten, sehr harten und festen 
Gestein mit muscheligem Bruch. Die Proben von Lahn ob Gruben und 
Pumberecky zeigen viele grüne Flecken (die von der Veränderung 
des ursprünglich vorhandenen Ferrocarbonates herrühren, das in den 
obigen Analysen als Eisenoxyd angeführt erscheint), die Probe von 
Pumberecky ist am wenigsten hart und fest, die Analyse hat bei ihr 
auch in der That den geringsten Kalk- und den grössten Thongehalt 
nachgewiesen. 

Zum Vergleich theile ich in der 
Tabelle die Analyse des schiefrigen P 
diese Concretionen führt. Diese Analyse wurde von meinem Vater 
seiner Zeit durchgeführt und publicirt (Zeitschr. „Ziva", VII. Jahrg., 
Prag 1859, pag. 203). 

Ein Blick auf die obige Tabelle lehrt, dass sich das Gestein 
der Concretionen von dem Gestein des dieselben führenden Pläners 
namentlich durch den bei dem ersteren viel grösseren Gehalt an 
kohlensauren Kalk unterscheidet, während das Plänergestein durch 
den Mehrgehalt an thonigen und eisenhaltigen Bestandtheilen (die 
erste und die vierte Rubrik in der obigen Tabelle) charakteristisch ist. 

Fast unwillkürlich erinnert man sich dabei an die Lösskindel 
(siehe z. B. weiter unten die Beschreibung des Srnojeder Fundortes), 
die offenbar durch Auslaugung aus weniger kalkhaltigem Materiale 
entstanden sind und fast nur aus kohlensaurem Kalk bestehen ')• 

In der lichten Gesteinsmasse der in Rede stehenden stamm- 
förmigen Bildungen sieht man immer dünklere, fucoidenähnliche 
Bänder ; zuweilen enthalten diese Concretionen Hohlräume, in denen 
Drusen von (mitunter sehr schönen und grossen) Calcit-Krystallen 
vorkommen. 

Frits ch vermuthet, „dass diese Concretionen durch am Meeres- 
grunde aufsteigende kleine Ströme von Quellwasser entstanden sind" 
(„Priesener Schichten", pag. 44) 



') Egyd V.Jahn („Chemicke listy", Prag, 1880) und Jul. Ötoklasa (ibid.) 
haben die Aualysea solcher Lössmännchen oder Lösskindel vorgenommen, deren 
Kesultalte hier folgen : 





Nach E. V. Jahn 
(Lösskindel von Srnojed): 


Nach Stoklasa: 


In HCl löslich 


87-689 


84-032 


In HCl unlöslich .... 


10-678 


12-151 


Glühverlust 


1-439—1-633 


3-012 


Kohlensäuregehalt .... 


34-527—37-532 


35-000 



20* 



156 J- J- Jabn [32] 

Die Priesener Schichten in den Mikulowitzer Ziegeleien sind 
nur wenig mächtig. Dies gestattet jedoch keineswegs den Schluss, 
dass sich die Priesener Schichten gegen S zu bei Mikulowitz aus- 
keilen und nach N immer mächtiger werden, wie es F ritsch in 
seinem Profile Fig. 28 zeichnet, sondern berechtigt blos zu der Ver- 
muthung, dass die über diesem Horizonte mit stammförmigen Con- 
cretionen folgenden Horizonte der Priesener Schichten bei Mikulowitz 
abgeschwemmt worden sind, während sie sich an anderen Orten (z. B. 
Lahn ob Gruben, Krchleb) auf diesem untersten Horizonte ruhend 
bis auf unsere Zeit erhalten haben. Findet man ja doch weiter nach 
Osten noch näher dem ehemaligen Ufer des Kreidemeeres auch die 
höheren Horizonte der Priesener Schichten, die bei Mikulowitz zu- 
fällig fehlen. 

Sowohl die Teplitzer als auch die Priesener Schichten zeigen 
in den Mikulowitzer Ziegeleien ein nördliches (eigentlich nnö.) Fallen, 
welches bei den Kreideschichten in Ostböhmen überhaupt vorherr- 
schend ist. Wie steil dieses Fallen ist, geht aus dem Umstände her- 
vor, dass in den Mikulowitzer Ziegeleien der unterste Horizont der 
Priesener Schichten mit den stammförmigen Concretionen etwa in der 
Seehöhe von 260 Meter sich befindet, während er schon bei Lahn 
ob Gruben (also nicht weit nach N von Mikulowitz) nur mehr in der 
Seehöhe von ca. 209 Meter liegt, wie es bereits F ritsch constatirt 
hat (1. c. pag. 45). 

Nördlich von dem Mikulowitzer Hügel verschwinden die Kreide- 
schichten unter mächtigen Saud- und Schotterablagerungen, die zum 
Theile gemischt, zum Theile wechsellagernd sind. Es sind dies die 
Hügel cöten 237 und 236 ') ö. Drazkowitz, die aus diesen diluvialen 
Bildungen bestehen. Die letzteren sind am s. Fusse des Hügels Cote 
237 in zwei Gruben aufgeschlossen, wo sie eine Mächtigkeit von bis 
ca. 7 Meter haben. 

Weiter nach N folgt die sanft wellige Fläche ö. Jesnitschanek 
(cöten 221 und 218), auf welcher der neue Pardubitzer Friedhof 
steht. Diese Fläche besteht zumeist aus feinem Flugsande, dem nur 
stellenweise ein wenig von alluvialem Lehm oder Flussgeschieben 
(Anschwemmungen des naheliegenden Chrudimkafiusses) beigemengt 
ist. Diese Fläche senkt sich allmälig nach N bis zum Flussbette der 
Chrudimka. 

Am rechten Ufer dieses Flusses stossen wir im weiteren Ver- 
laufe des Profiles auf eine hohe, steile Uferlehne — es ist dies der 
südliche Abhang des Hügels „na Vinici" (cöten 23(5 und 233). Diese 
Lehne zieht sich dann weiter über Pardubicky, Drozditz gegen Mötitz 
zu. Die später erwähnte „Nemoschitzer Lehne" liegt in der so, Fort- 
setzung dieses steilen Uferabsturzes „na Vinici". 

Der Hügel „na Vinici" besteht aus den Priesener Schichten, die 
in der erwähnten, sehr steilen, beinahe 20 Meter hohen Uferlehne 
sehr gut aufgeschlossen sind. Die Priesener Schichten sind hier von 
diluvialem Schotter überlagert. Am nördlichen Abhänge des Hügels 



') Ich bemerke, dass ich bei deu Angaben der Höheucöten immer die 
Kartenblätter 1 : 25.000 vor Augen habe. 



[33] Einige Beiträge zur Kennfniss der böhmischen Kreideformation. 157 

(n. von dem Buchstaben „v" der Bezeichnung „na vinici" auf der 
Karte 1 : 25.000) tritt zu beiden Seiten der Strasse Pardubitz — Pardu- 
bicky Basalt zum Vorschein. 

Am nördlichen Fusse des Hügels „na Vinici" fangen die Allu- 
vionen der Pardubitzer Eibthalebene an. Die Stadt selbst steht zu- 
meist auf alluvialem Sande und Schotter, dem sich stellenweise Lehm 
beimengt. Bei Studänka^(im weiteren Verlaufe des Profiles nach N) 
treten dazu Torf- und „Cernava"- (Schwarzerde-) Bildungen (ehema- 
lige Teichgründe). 

Weiter nacli N stossen wir auf den schon erwähnten Spojiler 
Basaltgang. Derselbe kommt zum erstenmale im Flussbette und an 
beiden Ufern der Elbe an dem Orte, „v Uzkem" genannt, zum Vor- 
schein. Es ist dies die Stelle, wo der höher gelegene Maldacanal, 
welcher das Wasser der Loucnä den Pardubitzer Mühlen zuführt, 
nur einige wenige Meter von der Elbe entfernt tliesst (n. von Hürka, 
ö. 218). Der Basalt bildet hier am rechten Elbeufer eine förmliche, 
aus Säulen bestehende Mauer und in der ganzen Breite des Fluss- 
bettes eine Art Wehr, über die das schäumende Wasser stürzt. Am 
s. Fusse des Hügels n. Hürka verschwindet der Basaltgang unter den 
AUuvionen der Elbe und wurde s. Hurka beim Bau der Pardubitz- 
Sezemitzer Strasse wiederum entblösst. An dieser Stelle wurde er 
noch unlängst in dem Steinbruche „na Babce" gewonnen, aber sehr 
bald erschöpft. Der Basalt ist hier von Priesener Schichten umhüllt, 
die deutlich gehoben sind und deren Gestein durch Wärme und den 
Druck des Eruptivgesteins vielfache Veränderungen erlitt. Von 
dieser Stelle „na Babce" zieht sich der Spojiler Basaltgang in Form 
eines über 10 Meter hohen Rückens nach SSO über die cote 229 
(w. Spojil, wo er wiederum aufgeschlossen ist), ö. Studänka, durch die 
die Wälder von Studänka (in denen man gleichfalls die versuchte 
Gewinnung desselben seiner geringen Mächtigkeit halber bald auf- 
geben musste, wie die zahlreichen, damals entstandenen, zum Theile 
mit Wasser angefüllten Gruben zeigen), w. 221, und verschwindet 
südlich von der Staatsbahn (s. von der cote 229, nw. Cernä bei Bor) 
unter den Alluvialbildungen. 

Wenn wir im weiteren Verlaufe des Profiles nach N die Elbe 
an der Stelle „v Uzkem" überschreiten, gelangen wir am rechten 
Ufer des Flusses in die AUuvionen der Elbe „Polabiuy" (=- Elbeauen) 
genannt. Der Boden steigt nach N allmälig an (218 bei der Elbe, 
220 bei Raab), es folgen bei Raab und Sanddorf (Hradistö na plsku) 
mächtige Ablagerungen von Flugsand, die sich bis zum südl. (und 
westl.) Fusse des Kunetitzer Berges ziehen. Die Unterlage bilden 
überall die Priesener Schichten, die aber nur an den Elbeufern 
weiter nach bei den Ortschaften Podcäply und Kunötitz (schon 
ausserhalb unserer Profillinie) aufgeschlossen sind. 

Der Kunetitzer Berg (305) ist der höchste, weit und breit sicht- 
bare Orientirungspunkt in der Pardubitzer Elbethalebene. Er besteht 
aus einem tephritartigen Eruptivgestein, auf dem riesige Schollen von 
zumeist stark veränderten, mitunter porzellanjaspisartigen Priesener 
Schichten sich erhalten haben. In der Erklärungsschrift zum Pardu- 



158 J- J- Jahn. [34] 

bitzer Kartenblatte werde ich dieses interessante Object ausführlich 
beschreiben, worauf ich hinweise. 

Hiermit endet unser Protil im NNO. 



In dem siebenten Abschnitte der „Priesener Schichten" von 
Fritsch werden die Fundorte von Priesener Fossilien in der Um- 
gegend von Pardubitz geschiklert. In meinem oberwähnten Referate 
über diese Monographie der Priesener Schichten habe ich bereits 
einige Ergänzungen und Bericlitigungen zu diesem Abschnitte ge- 
liefert. Unter anderem sage ich 1. c. : „Die Petrefactenverzeichnisse 
aus der Umgebung von Pardubitz sind insofern unvollständig, als der 
Autor die ältere Literatur über die Priesener Schichten bei Pardubitz 
unberücksichtigt gelassen hat." 

In dieser Hinsicht wären besonders zwei von Egyd V. Jahn 
herrührende einschlägige Arbeiten zu erwähnen: 1, Kunetickä Hora 
(= Kunetitzer Berg); in der naturw. Zeitschr „Ziva", Prag, 1859, 
Jahrg., VII., pag. 197 tf. (vergl. auch Yerhandh XII. Jahrg., 18G1 bis 
1862, pag. 155 ti'.). 2. Opuka ve vychodnlch Cechäch ( - Pläner im 
östlichen Böhmen); ibid. Prag, 1860, Jahrg. VIII., pag. 227 ff. — In 
diesen beiden Arbeiten werden Petrefactenfundorte der Priesener 
Schichten aus der Umgegend von Pardubitz beschrieben und Ver- 
zeichnisse von durch Prof. Aug. Em. Reuss bestimmten Fossilien 
angeführt. 

Auf denselben Fundorten habe ich ausserdem in den letzten 
Jahren wiederholt Petrefacten gesammelt und will nun die betrettenden 
Verzeichnisse F r i t s c h's vervollständigen. 

Die in den weiter unten folgenden Fossilienlisten mit F bezeich- 
neten Arten werden in den „Priesener Schichten" von Fritsch 
angeführt, die mit R bezeichneten sind in den obgenannten zwei 
Arbeiten meines Vaters citirt und die mit J bezeichneten habe ich 
in den letzten Jahren an den betrett'enden Fundorten gefunden. 

Die Petrefactenfundorte werden im Folgenden in derselben 
Reihenfolge angeführt, in der sie in der Fritsch'schen Arbeit 
beschrieben werden. 

Fundort Srnojed w. Pardubitz. 

Dieser Fundort liegt zwischen den Ortschaften Srnojed und 
Rositz (zwischen den cöten 2\o und 212) am linken Elbeufer. 

Der von der Switkower Eisenbahnhaltestelle nach Srnojed füh- 
rende Fahrweg geht anfangs in SSO -NNW- Richtung, bei der Elbe 
wendet er sich und führt von da in NOO-SWW- Richtung nach 
Srnojed. Die Stelle, wo diese Wendung stattfindet, ist eben der 
Srnojeder Fundort. 

Die Elbe schneidet sich an dieser Stelle in das linke, ziemlich 
hohe Ufer sehr tief ein, so dass unter diesem knapp am Ufer füh- 
renden Fahrwege eine sehr steile Lehne entstanden ist. Durch die 
in dieser Flussbiegung starke Strömung schreitet die Unterwaschung 
des Ufers sehr rasch fort. Zu Ende der Fünfziger Jahre, wo mein 
Vater diesen Fundort entdeckt hat (aber nicht „gelegentlich beim 



[351 Einige Beiträge zur Konntniss der böhmischen Kreideformation. 159 

Baden", wie Fritsch meint, sondern bei systematisclier Abgehnng 
des Elbeiifers), betrug die Entblössung des Ufers und der Aufschluss 
der Priesener Schichten kaum eine Quadratklafter, heutzutage findet 
man dort eine sehr hohe, lange und steile Lehne, die nur bei niedrigem 
Wasserstande begangen werden kann. 

Auf der besprochenen steilen Lehne sind die Priesener Schichten 
sehr gut sichtbar. Der Ausschluss lässt folgende Schichtenfolge 
wahrnehmen: Unten (nur bei sehr niedrigem Wasserstande zugäng- 
lich) ein dünnplattiger, fast schiefriger, dunkelgrauer, harter Pläner. 
Darüber ein gelblichgrauer, weicher, sehr bröckliger Mergel, der an 
der Luft in dünne Schuppen zerfällt und an der Zerstörung des 
Ufers am meisten Schuld trägt. Dieser Mergel führt zahlreiche ver- 
kieste, schön gelbe , goldglänzende , sehr gut erhaltene Baculiten, 
Scaphiten (Luftkammer-Exemplare), Hamiten etc., die aus dem ver- 
witterten und zerfallenen Mergel herausfallen und an der Oberfläche 
der Lehne einfach abgesammelt werden können. In diesem Mergel 
finden sich ferner zahlreiche Ferrihydroxydconcretioneu, in denen 
stellenweise Gypskrystalle vorkommen, sowie auch ganz unregel- 
mässige Pyritconcretionen, die ihren Ursprung verunstalteten Spongien- 
resten verdanken dürften. Die mittlere Lage dieses Mergels zeichnet 
sich durch häufiges Vorkommen von Knochenresten eines riesigen 
Sauriers (cf. Iquanodon nach Fritsch) aus. Nur bei wenigen solchen 
Resten kann man noch die Knochenstructur wahrnehmen, die meisten 
sind total zersetzt und in ein Gemenge von Gypskrystallen und Ferri- 
hydroxydpulver verwandelt. Die oberste Lage dieses Mergels enthält 
ausser den Scaphiten und Baculiten besonders viele Gastropoden 
(ebenfalls verkiest) und dürfte der Gastropodenschichte des Priesener 
Profils (Nr. 3 bei Fritsch, l. c. pag. 16) entsprechen. Dieser Mergel 
wird von einer wenig mächtigen Lössschichte (mit zahlreichen Löss- 
kindeln, dort „cicväry" genannt) überlagert. Das Hangende bildet ein 
Schotter- und Sandlager, dessen Geschiebe auf der ganzen Lehne zer- 
streut sind. 

Fossilien: 

Iguanodon? Älbinu8 Fritsch (siehe „Priesener Schichten", pag. 65 

u. 66). - F., J. (häufig). 
CoproUfJien von cf. Oxi/rliina Manfelli Ag. — F., J. (häufig). 
Osmeroides Leiresiensis Äg. — R. 

Placenticeras d' Orbignynnum Gein. sp. — F., J. (nicht selten). 
Gaiidrffceraa Alexandri Fritsch sp, — F., J. (sehr selten). 
Schlönhachid Germari Bss. sp. — R. (sehr selten). 
Ammonites cf. laticlorsatua Mich. — F. (sehr selten). 
Scaphites cf. Geinitzi var. Lamberti Gross. — J. (sehr häufig). 
Scaphifes Geinitzi d'Orb. — F., R., J. (sehr häufig^ 
Scaphites Fritschi Gross. — F., J. (sehr häufig). 
Uebergangsformen zwischen diesen drei Arten — J. (sehr häufig). 
Scaphifes var. pinguis. — F. 
Hamites bohemicus Fr. — F., J. (sehr häufig). 
Hamites verus Fr. — J. (häufig). 
Hamites. — F. 



160 J- J- Jahn. [36] 

Helicoceras Beussiamim Gein. (incl. HeJic. armatum d'Orh.) — 

F., J. (sehr häufig). 
Baciilifes Fcmjassi rar. holtemicn Fr. ^) — J. (das häufigste Fossil). 
iSlatica vulgaris Bss. — F., J. (selten). 
Bissoa sp. — J. (selten). 
Bosfellaria sp. ind. — R. 
Tritonium sp. — F., J. (selten). 
Cerith'mm fasciatum Bss. — F. (selten), 
Cerithmm pseudociathratum d'Orh. — J, (selten). 
Denf(dium medium Soir. — J. (häufig). 

Viele unbestimmbare, verkieste Gastropodensteinkerue (sp.])!.) — J. 
Cardita tenuicosta d'Orh. — F. 
Astarte nana Bss. — R. 
Nuctda pectinata Soir. — F., J. (häufig). 
Nucida seniihinaris v. Buch. — R., J. (häufig). 
Area undidata Rss. — R. 
Inoceramus Ctmeri Sow. — J. (häufig). 
Inoceramus planus i\ Münsf. — R. 
Inoceramus — F. 
Beeten Nilssoni Gold f. — R. 
Ostrea frons Park. — F. 

Mehrere unbestimmbare, verkieste Bivalvensteinkerne {sp.pl.) — J. 
Argiope? — F. 

Terehratidina gracilis Schi. — R. 
Pollicipes conicus Bss. — R. 
Parasmilia cerdralis Bss. — J. (nicht selten). 
Mehrere unbestimmbare, verkieste Einzel-Korallen — J. 
Mehrere unbestimmbare, verkieste Spongien — J. 
Cristellaria rotidata d'Orh. — R. 
Frondicullaria augusta Nilss. — R 

Fundort Lahn ob Gruben (Läny na Düiku) w. Pardubitz. 

Dieser Fundort besteht, wie der weiter nach liegende von 
Srnojed, in einer hohen, steilen, sehr langen Lehne, welche durch 
Abwaschung des linken P^lbeufers unterhalb des Dorfes Lahn ob Gruben 
(n. cote 229) entstanden ist. Auch dieser Fundort ist nur bei niedrigem 
Wasserstande zugänglich. 

Die Priesener Schichten zeigen auf dieser Lehne folgende 
Schichtenfolge : llnten derselbe diinni)lattige, fast schiefrige, dunkel- 
graue, feste Pläner, wie wir ihn bei Srnojed kennen gelernt haben. 
Die tiefste Lage dieses Pläners zeichnet sich durch solche stamm- 
förmige Concretionen aus, welche weiter oben gelegentlich der Be- 
schreibung des Pardubitzer Profils von Mikulowitz erwähnt wurden. Die 
darüber folgende Mergellage mit verkiesten Scaphiten und Baculiten 



') Ausserdem noch eine Form, welche an Bac. baciilonJes d'Orh. erinnert. 
Fritsch führt in seinem Verzeichnisse blos „Baculifeii" an. In der Arbeit meines 
Vaters (1. c. pag. 230) werden von Srnojed nach den Bestimmungen Keuss' zwei 
Formen citirt: Bociih'fes anceps^ Land-, und Bar. rotioidatus Ess. Nach Fritsch 
(Cephalop. d. böhm. Kreideform, pag. 49 und 50) gehören diese beiden Formen 
bei Reuss zum Bacidites FaujasH rar. hohemica Fritsch. 



[37] Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Kreideformation. IGl 

ist nur an dem östl. Knde der Lehne zu<;än!j;lich und i'ossilienfiihrend. 
Ich habe daselbst dieselben Formen wie bei Srnojed gefunden, aller- 
dings viel seltener. Das Hangende bildet ein fester, klingender, licht- 
grauer Plattenpläner über dem Schotter liegt. 

Fossilien: 

F ritsch erwähnt von diesem Fundorte blos PoUieipes (jlaher 
Rom. (pag. 109), ScalpcUwn quadrafmn Danii. (ibid.) und Se(p(oia 
Beiclienhadn Gein. sp. (pag. 129), ferner aus den stammförmigen Con- 
cretionen von daselbst (sowie auch von Krchleb) TurrifcUd-, Cardita, 
Astarfe, Nucula, Maga^. 

Ich habe vor Jahren diesen Fundort ausgebeutet und sämmt- 
liche dabei gefundene Fossilien dem böhmischen Landesmuseum ge- 
widmet. Allein Fritsch führt sie nicht an und ich habe mir keine 
Aufzeichnungen gemacht, welche Formen darunter waren. Im vorigen 
Jahre, gelegentlich einer Aufnahmstour, fand ich hier blos Aptijchus 
cretaceus Mimst, und einige ganz gemeine Priesener Fossilien. 

Fundort Krchleb w. Pardubitz. 

Nicht weit (nach SO) von dem zuletzt besprochenen Fundorte, 
und zwar gerade an der Stelle, wo sich die Staatseisenbahn mit dem 
Bache Podolka kreuzt (s. Krchleb), befindet sich ein weiterer Fund- 
ort Priesener Fossilien. Der Bach schneidet sich hier in den ö. Ab- 
hang desselben Hügels, der bei Lahn ob Gruben aufgeschlossen ist, 
ein, demzufolge sind auch die Priesener Schichten des Krchleber 
Fundortes vollkommen identisch mit jenen des Lahner Fundortes. 

Sie sind hier zum Theile in den steilen, ziemlich hohen Bach- 
ufern (die Mergellage), zum Theile im Bachbette selbst (die schiefrige 
Lage mit den stammförmigen Concretionen) aufgeschlossen. Die tieferen 
Lagen sind bei normalem Wasserstande unter Wasser, folglich ganz 
unzugänglich. Sie bestehen aus einem sehr festen, plattigen, körnigen, 
hellgrauen Pläner, der sehr viele Petrefacten enthält und von den 
weiter oben erwähnten stammförmigen Concretionen durchsetzt wird 

Fossilien: 

Fritsch führt von diesem Fundorte (ausser den gemeinschaft- 
lich mit jenen von Lahn ob Gruben erwähnten) keine Fossilien an, 
obzwar sich in den Sammlungen des böhm. Landesmuseums in Prag 
von mir herrührende Priesener Versteinerungen von Krchleb befinden. 

Ich lasse nun eine Liste derjenigen Fossilien folgen, die von 
diesem Orte mein Vater in seiner erwähnten Arbeit citirt (pag. 2ol), 
sowie auch derjenigen, die ich hier selbst in den letzten Jahren 
gefunden habe. 

Osmeroides Lewesiensis Ag. — R. 
Acanfhocera?. Neplnni Gein. sp. — J. 
Schloenhachia Germari i?.ss. sp. — R., J. 
Scaphites Geinitzi d'Orh. — J. 
Hamites sp. — J. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1895, 45. Band. i. Heft. (J. J. Jahn.) 21 



162 J. J. Jahn. [38] 

Baculites Faujassi var. bohemica Frifsch. — R., J. 

Tnrrifella muWstrkita Bss. — J. 

Natica vulgaris Bss. — R. 

Aporrhais Benssi Gein. sp. — R. 

Dentalium sfriatum Bss. — R. 

Astarte nana Bss. — R. 

Astarte porrecta Sow. — R. 

Astarte acuta Bss. — J. 

Nticula semilunaris v. Buch. — R , J, 

Nucula pectinata Sou\ — J. 

Pectunculus sp. — J. 

Af'ca undulata Bss. — R., J. 

Venus sp. — R. 

Lima elongata Sow. — R. 

Pecten Nilssoni Goldf. — R. 

Pecten laevis Nilss. — J. 

Ostrea Proteus Bss. — R. 

Cijtherella complayiata Bss. — R, 

Bairdia suhdeltoidea Münst. — R. 

Scapelhim quadratum Danr. — J. 

Frondicularia angusta Nilss. — R., J. 

Nodosaria lorgneiana d'Orh. — R. 

Cristellaria rotulata d'Orh. — R. 

Fundort Kunetitzer Berg nnö. Pardubitz. 

Die Fossilien finden sich liier in einer gehobenen Scholle der 
Priesener Schichten auf dem südl. Abhänge des Berges. Der Pläner 
der Priesener Schichten ist hier durch die Einwirkung des heissen 
Eruptivmagmas in ein porzellanjaspisartiges, sehr hartes Gestein ver- 
ändert '), die Fossilien sind aber trotzdem meist gut erhalten, 

Oxijrrhina angustidens Bss. — R., J. (Zähne). 

Lamna sp. — J. (Zähne). 

Corax sp. ind. — R. (Zähne). 

Osmeroides Lewesiensis Ag. — R., J. (Schuppen). 

Beryx ornatus Ag. — R. (Schuppen). 

Cladocyclus Strehlensis Gein, — F. 

Unbestimmbare Fischknochen (Lepidenteron). — J. 

Coprolithen. — R. 

Hamites bohemicus? Fr. — F. 

Baculites sp. ind. — F., J. 

Aptyclius cretaceus Münst. — R. 

JNatica vulgaris Bss. — R., J. 



') Siehe die citirten Arbeiten raeiues Vaters in der Zeitschrift „2iva", sowie 
auch einen in den Verhandl. 1861 — 1862, XII. Jahrg., pag. 155 ff. über dieselben 
veröffentlichten Bericht von Lipoid (vergl. auch Boficky's „Petrographische 
Studien an den Basaltgesteinen Böhmens. Archiv für uaturw. Laude'sdurchforsch. 
V. Böhmen, II. Bd., I. Abth., II. Theil) — wo überall die oben erwähnten, durch 
Wärme und den Druck des Eruptivgesteins erlittenen Veränderungen des Pläner- 
mergela eingehend beschrieben werden. 



[39] Einige Beiträge zur Kcnntniss der böhmischen Kreideformation. 163 

Trochus Emjelhardti Gein. — F., J. 

Pleurotomarki elongata''^ Rom. — R. 

AporrJiais meijalopteni Rss. sp. — F. 

AporrJiais Renssl Gein. sp. — F., R., J. 

Eostellaria coarctata Gein. — F., J. 

Cerithium Lmchitzianum Gein. — R., J. 

CeritJiimn. — F. 

Voluta elongata Hoir. sp. — F. 

Mitra Roemeri d'Orb. — F., J. 

Ävellana. — F. 

Äcmaea depressa Gein. — F. 

Patella (sp. pl.) — R. 

Dentalium medium Soir. — F., R., J. 

Dentalium glahrum Gein. — J. 

Venericardia sp. ind. — R. 

Astarte nana Rss. — R., J. 

Nucula semilunaris v. Buch. — F., R., J. 

Corbula caudata Nills. — J. 

Inoceramus latus Mant. — F. 

Inoceramus mijtiloides Mant. — R. 

Peden squamula Lamk. — F., R., J. 

Pecten Nilssoni Goldf. — J. 

Plicatula. — F. 

Terebratulina gracilis Schi. — R. 

Cijtherella complanata Rss. — R. 

Bairdia subdeltoidea Münst. — R. 

ScalpeUum maximum Souh var. — F. 

Holaster placenta? Ag. — R., J. 

Spongiennadeln. — F. 

Cristellaria rotulata d'Orb. — F., R., J, 

^odosaria Zippei Rss. — F., R., J. 

Nodosaria lorgneiana d'Orb. — R. 

Nodosaria oligostegia Rss. — R. 

Nodosaria annulata Rss. — R. 

Nodosaria aculeata d'Orb. — R. 

Marginulina ensis Rss. — R. 

Flabellina cordata Rss. — F., R. 

Frondicullaria angusta Nilss. — R. 

Frondicidlaria inversa Rss. — R. 

Frondicullaria apiculata Rss. — R. 

Frondicullaria Cordai Rss. — F., R. 

Globigerina. — F. 

Cf. Salix macrophijUa Rss. — R. 

Fundort Holitz noo. Pardubitz. 

In der Umgegend der Stadt Holitz sind die Priesener Schichten 
sehr mächtig entwickelt, wie aus folgenden Daten ersichtlich ist: In 
der Stadt selbst hat man die Priesener und Teplitzer Schichten bei 
der Bohrung eines artesischen Brunnens noch in der Tiefe von 
ca. 210 Meter angetroffen. Die Stadt hat 249 Meter Meereshöhe, 

21* 



164 J- J- Jabn- [40] 

die Priesener Schichten kommen aber auf dem nördlich von der Stadt 
gelegenen, bewaldeten liücken (Chwojnoer Wälder) noch in der 
Meereshühe von über 300 Meter vor. 

Die Priesener Schichten sind in der Umgegend von Holitz an 
zahlreichen Stellen aufgeschlossen, namentlich sind die sehr guten 
Aufschlüsse auf dem südvvestl. Abhänge des schon erwähnten Berg- 
rückens (Ob. Jeleni — Chwojno) erwähnenswerth. 

Von allen Petrefactenfundorten in der Holitzer Umgebung sind 
die bemerkenswerthesten jene, wo verkieste Versteinerungen vor- 
kommen. Man findet solche Fossilien (unter denen die Gasteropoden 
sowohl an Zahl der Arten als auch an Zahl der Individuen vorherr- 
schend sind) beim Holitzer Friedhofe, an den Bachufern in der Stadt 
selbst, vor allem aber auf zwei sehr ausgiebigen Fundorten n. Holitz. 

Der eine von diesen Fundorten besteht in einer abgeregneten 
Lehne w. Koudelka (n, von den Buchstaben „el" auf der Karte 
1 : 75.000), wo die Priesener Schichten auf einer sanft geneigten 
Fläche (sw. Abhang des erwähnten Chwojnoer Rückens) sehr gut auf- 
geschlossen sind. 

Der zweite Fundort war in der Ziegelei „na Kamenclch" 
(ö. Podlesi, w. A 326), mitten im Walde. Die Priesener Schichten waren 
hier auf einer grossen Fläche oberhalb und unterhalb des Ziegelofens 
künstlich aufgeschlossen. Der jVIergel wurde der Zersetzungswirkung 
der Luft und des Regens ausgesetzt, aus dem aufgelösten Mergel- 
thon wurden Ziegel fabricirt, in denen man nicht selten ausgebrannte 
Priesener Fossilien fand. Wenn diese schwach geneigte Mergelfläche 
längere Zeit hindurch dem Regen ausgesetzt gewesen war, fand man 
hier sodann die ausgefallenen Priesener Fossilien in grossen Massen. 
Weil dieser Mergelthon zur Ziegelfabrikation ein sehr schlechtes 
Material geliefert hat, wurde leider die dortige Ziegelei aufgelassen 
und die ganze ehedem entblösste Fläche beforstet. In kurzer Zeit 
wird dieser interessante Fundort mit Vegetation verdeckt und so voll- 
ständig verschwunden sein. 

Ich habe diese zwei Fundorte n. Holitz schon vor 15 Jahren 
entdeckt und seit der Zeit wiederholt ausgebeutet. Das böhmische 



^ö'- 



Landesmuseum in Prag erhielt von mir seinerzeit grosse Mengen von 
Holitzer Fossilien. 

Auch in den letzten drei Jahren besuchte ich diese Holitzer 
Fundorte, ausserdem bekam ich von meinem verehrten Freunde, 
Herrn Apotheker Josef Thuma in Holitz, einige Sendungen von 
Holitzer Fossilien, so dass ich im Stande bin, das betreffende Fritsch- 
sche Petrefactenverzeichniss (1. c. pag. 47) zu vervollständigen. 

Fossilien: 

Nur wenige von den Holitzer Fossilien sind vollständig ver- 
kiest (wie z. B. die von Srnojed, Leneschitz, Neugründel, Klein-Kahn etc.), 
bei den meisten ist der Steinkern kalkig und blos die Schale 
in Brauneisenstein verwandelt. Diese Schale wird leicht zerstört, so 
dass man dann in grossen Massen blos kalkige Steinkerne findet. 



[41] Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Kreideformation. 165 

Nicht selten ist auch die Schale bei den Holitzer Fossilien kalkig 
(einige ßivalven, Echinodermen, Sp.ongien). 

Schlönbachia Germari''- liss. .'ip, — F. (selten). 

Helicoceras Reussianum d'Orb. — F. (selten). 

Hamites. — F. (selten). 

BacuUtes sp. indl — F., J. (selten). 

Turritella acicularis Rss. — F. (selten). 

Scala decorata Gein. — F. (selten). 

Natica Genta Soiv. — J. (selten). 

Natica vidgaris Rss. — J. (häufig). 

Turbo decemcostatns v. Buch. — F., J. (sehr häufig). 

Turbo subinßatus Rss. — J, (häufig). 

Turbo Partschi? — F. (selten). 

Trochus Engelhardti Gein. — F., J. (sehr häufig). 

Trochus amatus d'Orb. — F., J. (sehr häufig). 

Trochus sp. — J. (häufig, unbestimmbare Steinkerne). 

Bissoa Reussi Gein. ' — F., J. (das häufigste Fossil). 

Bissoa sp. — J. (sehr häufig, unbestimmbare Steinkerne). 

Äporrhais megalopfera Rss. sp. — F., J. (selten). 

Tritonium sp. — J. (sehr häufig). 

CeritJiium fasciatum Rss. — F., J. 

Cerithium Luschitzianum Gein. — F., J. 

CeritJiium hinodosum Rom. — J. (selten). 

Cerithium pseudociathratum d'Orb. — J. (häufig). 

Voluta Roemeri Gein. — J. (häufig). 

Mitra Roemeri d'Orb. — F., J. (sehr häufig). 

Mitra clathrata Rss. — J, (häufig). 

Äcteon Ovum Duj. — J. (häufig). 

Dentalium medium Soh\ — F., J. (häufig). 

Zahlreiche unbestimmbare Gastropodensteinkerne. 

Cardita tenuicosfa d'Orb. — F., J. (häufig). 

Nucula pectinata Sow. — F., J. (sejir häufig). 

Nucula semilunaris o. Buch. — F., J. (sehr häufig). 

Inoceramus. — F., J. (sehr häufig, Schalenbruchstücke). 

Spondijlus sp. — J. (häufig, Schalenbruchstücke). 

Plicatida nodosa Duj. — J. (selten). 

Exogyra lateralis Rss. — J. (selten). 

Ostrea sp. — J. (sehr häufig, Schalenbruchstücke). 

Schalenbruchstücke und Steinkerne von unbestimmbaren Bivalven. 

Terehratidina sp. — J. (selten, unbestimmbare Steinkerne). 

Scalpellum, maximum oar. hohem. Kafka. — F. (einmal gefunden). 

Cidaris sceptrifera Mant, — F., J. (häufig, Stachel). 

Cidaris vesicidosa Goldf. — J. (häufig, Stachel, Schalenbruch- 
stücke). 

Cafopggus sp. — J. (ein kleines, ganzes Exemplar, schlecht 
erhalten). 

Holaster sp. — J. (ein kleines, ganzes Gehäuse). 

Sechs Formen näher nicht bestimmbarer Einzelkorallen. — F., 
J. (häufig). 



166 J. J. Jahn. [42] 

Craticularia sp. ind. — J. (häufig, Bruchstücke). 
VentricnVäes odontostoma Bss. — F. (selten). 
Bhizopoterion veroicorne Goldf. — J. (sehr häufig). 
Cf. Pleurostoma hohemicum Zittel — J. (häufig). 
Viele unbestimmbare Spougien. 

Fundort Pardubicky s. Pardubitz. 

Dieser Fundort besteht in der hohen, in die Länge sehr aus- 
gedehnten, beinahe senkrechten Uferlehne, die wir schon anlässlich 
der Beschreibung unseres Profils durch die Pardubitzer Gegend 
erwähnt haben. 

Dieser Fundort wurde bereits von meinem Vater eingehend be- 
schrieben (1. c. pag. 22\)). P'ritsch erwähnt ihn mit folgenden Worten: 
„S. von Pardubitz sind die Priesener Schichten am steilen Ufer des 
Chrudimkafiusses von dem Orte na Vinici über Pardubicky bis Nemo- 
schitz in einer Mächtigkeit von 10 — 15 Meter entblösst. Bei Pardubicky 
sind sie nicht zugänglich und nur eine der höchsten Lagen lieferte 
ungewöhnlich viele plattgedrückte Exemplare von Hamites hohemicus'' 
(1. c. pag. 47). 

Das mergelige Gestein der Priesener Schichten ist an dieser 
Stelle durch stets durchsickerndes Wasser sehr zersetzt, bröcklig, so 
dass die zahlreich hier vorkommenden Fossilien nur selten ganz er- 
halten sind. Sehr häufig kommen hier schwache Flötzchen von Lignit- 
kohle vor, die jener von Skutitschko (Cenoman) vollkommen gleicht. 

Fossilien: 

Osmeroides Lewesiensis Ag. — R., J. (Schuppen). 

Berijx ornatus Äg. — R. (Schuppen). 

Oxijrrhina angustidens Bss. — R., J. (Zähne). 

Fischknochenreste als Lepidenteron, — J. 

Scaphites Gehiitzi d'0rl>. — R., J. 

Hamites hohemicus F ritsch. — ■ F , J. 

Baculites Faujassi var. hohemica Frifsch. — R., J. 

Natica vulgaris Bss. — R., J. 

Pleurotomaria haculitarum Gein. — J. 

Äporrhais Beussi Gein. sp, — R., J. 

Cerlthium Luschitzianum Gein. — R. 

Mitra Boemeri d'Orb. — J. 

Dmtalium medium How. — R,, J. 

Dentalium striatum Bss. — R. 

Leda siJiqiia Bss. — J. 

Nucula semilunaris v. Buch. — R., J. 

Nucula pectinata Soiv. — J. 

Pedunculus sp. ind. — R. 

Area undulata Bss. — R., J. 

Modiola sp. — J. 

Inoceramus Cuvieri Soiv. — J. 

Inoceramus Brongniarti Park. — J. 

Inoceramus striatus Mant. — R. 



[43] Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Kreideformation. 1G7 

2?ioceramus latufi Mant. — J. 
Lima elom/ata Sow. — R. 
Pecfen divaricatus Rsa. — J. 
Pecfen Nilssoni Goldf. — R,, J. 
Ositrea Proteus Pss. — R. 
Holaster cf. placenta Ag. — R., J, 
Bairdia suhdeltoidea Münst. — R. 
Cytlierina complanata Rss. — R. 
Ci/therina parallela Rss. — R. 
Cristellaria rotulata d'Orb. — R. 
Nodosaria lorgnelana d'Orb. — R. 
FlahelUna cordata Rss. — R. 
Froyidicularia angusta Nilss. — R. 
Frondicularia inversa Rss. — R. 
Algen. — J. - 

Fundort „Nemosickä strän'' (Nemoschitzer Lehne) so. Pardubitz. 

Dieser Fundort ist eigentlich die Fortsetzung des vorigen weiter 
nach SO. Am rechten Ufer des Chrudimkaflusses befindet sich eine be- 
waldete Berglehne (zwischen Pardubicky und Drozditz) nö. Nemoschitz, 
in der die Priesener Schichten an zahlreichen Stellen aufgeschlossen 
sind. Der grösste Aufschluss (zugleich der ausgiebigste Petrefacten- 
fundort) ist ein s. 235 ( 1 : 75.000) in der Lehne durch Absturz ent- 
standener förmlicher Steinbruch. 

In demselben lassen sich in den Priesener Schichten folgende 
Niveaus unterscheiden: unten ein sehr dickbankiger Pläner; darüber 
eine mächtige Lage von grossen, unregelmässig kugelförmigen Pläner- 
stücken; sodann eine schwächere Lage von plattigem, klingendem 
Inoceramenpläner; hierauf eine mächtigere Lage von kleinen, un- 
regelmässigen Plänerbrocken mit weicheren Mergelzwischenlagen ; das 
Hangende bildet ein fetter, weicher Thon. Die mergeligen Zwischen- 
lagen in dem vierten Niveau ausgenommen, sind sämmtliche Pläner- 
schichten sehr hart und fest, das Gestein zerfällt schwer, die Schicht- 
flächen sind mit weisser Kalkhaut überzogen. 

Fossilien: 

Dipnolepis Jahni Fritsch. — F. (siehe „Priesener Schichten", 

pag. 66—67). 
Aspidolepis Steinkti Gein. — F., J. (häufig). 
Cladoci/clus Strehlensis Gein. — F., J. (häufig). 
Osmeroides Lewesiensis Ag. — J. (häufig). 
Lamna acuminata Rss. — J. (selten). 
Fischwirbel (über 2 Ctm. im Durchmesser). — J. (selten). 
Zahlreiche Fischknochenreste (ganze Flossen etc.), zum 

Theile als Lepidenferon (oder Darm einer Holothuria? 

nach Fritsch). — J. (sehr häufig). 
Scaphites Geinitzi d'Orb. — F., J. (häufig). 
Hamites bohemicus Fr. — F., J. (selten). 
Crioceras? — F. 



168 J- J- Jahn. [44] 

ApfißcJms cretaceus Münst. — F., J. (selten). 

Aptychus. — F. 

Aptyclms. — F. 

Aptychus. — F. 

Troclms? E?i(jelhardti Gein. — F. 

Aporrhais stenoptera Goldf. — F. 

Cerithium sp. ind. — J. (selten). 

Voluta {suhiralis ?). — F. 

Cylichna cylindracea Gein. — F. 

Dentalium glahrum Gein. — F. 

Dentalium medium Sow. — F., J. (sehr häufig). 

Cardifa tenuicosta Sotr. — F. 

Nucula semilunaris v. Buch. — F., J. (sehr häufig). 

Nucula pectinata Sow. — F., J. (häufig). 

Area truncata Rss. — J. (häufig). 

Area. — F. 

Inoceramus Cuvieri Sow. — F., J. (sehr häufig). 

Inoceramus latus Mant. — J. (selten). 

Inoceramus planus Münst. J. (selten). 

Inoceramus Brongniarti? Park. — J. (häufig). 

Pecten Nilssoni Goldf. — F., J. (häufig). 

Petiten sqiiamula Lamk. — F. 

Terebratulina sp. — J. (selten). 

Cytherella asperula Bss. — J. (häufig). 

Cytherella Münst eri Bss. — J. (selten). 

Cytheridea laevigata Bss. — J. (selten). 

Cytheridea perforata Böm. J. (häufig). 

Bairdia suhdeltoidea Münst. — J. (sehr häufig). 

Bairdia modesta Bss. — J. (häufig). 

Bairdia depressa Kafka. — J. (häufig). 

Scalpellum maximum Soir. — J. (selten). 

Antedon Fischeri Gein. — J. (selten). 

Antedon. — F. 

Cyphosoma radiatum Sorign. — J. (sehr häufig). 

Micraster de Lorioli Nov. — F., J. (sehr häufig). 

Holothuria? infest. — F., J. (sehr häufig). 

Unbestimmbare Einzelkoralle. — J. (selten). 

Trochammina irregularis P. and J. — F. 

Textularia comilus Bss. — F. 

Verneuillina Bronni Rss. — F. 

Bulimina Ovulum Rss. — F. 

Nodosaria filiformis d'Orh. — J. (sehr häufig). 

Nodosaria monile v. Hag. — J. (sehr häufig). 

Nodosaria Zippei Bss. — J. (selten). 

Nodosaria M lyeri Fritsch. — J. (selten). 

Nodosaria annidafa Bss. — J. (selten). 

Nodosaria sp. {n?) — J. (selten). 

Frondicularia apiculafa Bss. — F. 

Frondicularia angusta Bss. — F., J. (sehr häufig). 

Frondicularia Cordai Bss. — J. (häufig). 



[45] Kinige Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Kreideformation. 169 

Frondicuhtria hircrxa Ihff. — F., J. (sehr liiiufij^). 
AI<ir(//>nilln(i JxiciUnni Itss. — F. 
Criafellaria Jepidd Itss. — J. (luiufig). 
Crisfdiar/a rofulatn d'Orh. — F., J. (selir häufig). 
Flaheilind cUiptica NRs^. i^p. — J. häufig. 
FlaheJIind cordata A's.s. — J. (selten). 
GloJiigcrina crcfarea d'Orh. — F., ^. (sehr liäufig). 
Glohij/mna margimda Hss. — J. (selten). 
Discorhina Jenficula 7j*.s.^\ — J. (selten). 
Discorbhid ammono'ide?. 7?.s,s\ — J. (häufig). 
Discorhina poli/raphes Bss. — J. (selten). 
Sequoia EeirJienharlii Gein. — J. (selten). 
FreneJopi^is. hohemica Vel. — F. 
Älgae. — J. (häufig). 

Fundort Jestboritz sw. Pardubitz. 

Das Dorf Jestboritz steht auf einem Hügel (cote 267), dessen 
westliches Gehänge in das Thälchen des Podolkabaches steil abstürzt. 
Dieser Bach, der weiter im N. die Priesener Schichten bei Krchleb 
durchschneidet und blosslegt (siehe weiter oben), hat am rechten Ufer 
die den Jestboritzer Hügel zusammensetzenden Schichten derselben 
Altersstufe in einer langen, fast senkrechten, sehr hohen Lehne ent- 
blösst. Das Gestein ist von dem überall durchsickernden Wasser 
feucht, bröcklich, die Fossilien sehr zahlreich, aber zumeist schlecht 
erhalten. 

Fritsch erwähnt diesen Fundort in seiner Monographie der 
„Priesener Schichten" überhaupt nicht. 

Egyd V. Jahn führt von dort folgende Fossilien an (l. c. 
pag. 230-231): 

Osmeroides Lewesiensis Äg. (Schuppen). 

Bert/x ornafus Ag. (Schuppen). 

Coprolithen. 

Ämmonifes sp. ind. (undeutlich). 

ÄpfifcliH^ cretaceu?, Mi'im^t. 

EosteUaria sp. ind. (undeutlich). 

Nucula semUunaris n. Buch. 

Inoceramus striatus Mmd. 

Lima elongata Soir. 

Peden Nilssoni Gohlf. (sehr häufig und gross). 

Osfrea lateralis liss. 

Ostrea vesiciilaris Lamk. 

Terehratnlina grarilis HrJdofh. (sehr häufig). 

Terebratulina sfriafula Mant. 

CgtJierina complanata Bss. 

Ci/fherina parallel a 7?.s\<;, 

Ba/rdia snhdeltoidea Mitnst. 

Pollicipes (undeutlich). 

Antedon Fischeri Gein. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Beichsanstalt, 1895, 45. Band, l. Heft. (J. J. Jahn.) 22 



170 J- J- Jahn. [4ß] 

Stellaster quinqiieloha Goldf. sp. 
Holaster sj). ind. (ganz zerdrückt). 
Cristellaria- rotvJata. d'Orh. 
Nodosaria lorgneiana d'Orh. 
Frondicularia angiista Nilss. 
Frondicularia inversa L*ss. 
FJaheJUna cordata Bss. 



Im Allgemeinen zeigt sich in der Umgegend von Parbubitz in 
den Priesener Schichten folgende Schichtenfolge : 

Liegendes: Teplitzer Schichten (Mikulowitz). 

1. Schiefrige feste Lage, zu unterst mit stammförmigen Con- 
cretionen (Mikulowitz, Lahn ob Gruben, Krchleb). 

2. Mergellage : a) unten vorwiegend mit mitunter verkiesten 
Cei)haloi)oden (Srnojed, Krchleb, Lahn ob Gruben, z. Th. 
Pardubicky) ; h) darüber das Niveau des hjnanodon ? Albinns 
Frltsrli mit zahlreichen Schwefelkies- und p]isenbydroxyd- 
concretionen (bisher nur Srnojed); <■) Gastropodenschichte 
(Srnojed, Pardubicky, Kunetitzer Berg, Holitz). 

3. Fester, klingender Inoceramenpläner mit MUraster de LorioJl 
Nor. (Lahn ob Gruben etc.), in dem sich wiederum mebrere 
Niveaus (Nemosickä Strän) unterscheiden lassen. 

Hangendes: Quaternäre Bildungen. 

3. lieber die Priesener Scliichteii auf dem Blatte Hohenniauth- 
Leitomischl (Zone ö, CoL XIV). 

Zum Schlüsse des siebenten Abschnittes seiner in Rede stehenden 
Schrift erwähnt Fritsch kleine Aufschlüsse der Priesener Schichten 
bei Morawan und Zänirsk (mit den Worten „dieselben haben keine 
grosse Wichtigkeit für nnser Studium"; 1. c. pag. 48); im achten 
Abschnitte schildert er eingehend das Profil der Berglehne Ssutiny 
bei Chotzen ; im neunten Abschnitte werden die Priesener Schichten 
in den Umgebungen von Hohen mauth, Leitomischl (und Abtsdorf) 
beschrieben und im Nachtrage (pag. 54) das Vorkommen der Priesener 
Schichten bei Lhota Ufetickä (nö. Chrudim) erwähnt. 

Sämmtliche diese Vorkommnisse der Priesener Schichten fallen 
bereits in das Gebiet des Blattes Hohenmauth-Leitomischl, welches 
ich in den vorigen zwei Sommern aufgenommen habe. 

Die eingehende Beschreibung der Vorkommnisse der Priesener 
Schichten in diesem Gebiete behalte ich mir für die Erklärungsschrift 
zu diesem von mir kartirten Blatte vor. Heute will ich nur einen 
Ueberblick der Verbreitung der Priesener Schichten auf dem erwähnten 
Kartenblatte und dabei einige Ergänzungen zu den betreffenden Ab- 
schnitten der Fri tsch'schen Schrift liefern. 

Wie ich in meinem Aufnahmsberichte über dieses Blatt anderen- 
orts (Verh. 1895, Nr. 6) ausführlich geschildert habe, ist das Kreide- 



[47] Einige Beiträge zur Keiintiiiys der böhiiiisclien Kreideformation. 171 

teiTJiin in diesem Tlieile des öi>tl. Dölimens durch eine natürliche 
Scheidiin.nslinie, durcli die Janowicek-Lu/er Teirainterrasse, in zwei 
orograpiiisch und tektonisch ganz verschiedene Gebiete getrennt. 

In Kürze wiederholt, ist das Gebiet westlich von der 
erwähnten Trenn un gslinie im Allgemeinen eine ziemlich ein- 
heitliclie vom nö. Fusse des Kisengebirges nach N allmälig geneigte 
Fläche, welche nur ganz sanfte Wellen (Hügel) oder niedrige, zumeist 
ebene Stufen bildet. Die Lagerungsverhältnisse der Kreideschichten 
in diesem Gebiete sind, wie sie schon früher in der Umgegend von 
Pardubitz ( die westl. Fortsetzung dieses (lebietes) geschildert worden 
sind, derartig regelmässig, dass man vom nö. Fusse des Eisengebirges 
bis zur nördliciien Grenze des Blattes schreitend, immer jüngere 
Stufen der Kreideformation antrilft. 

Demzufolge ist auch das Auftreten der Priesener Schichten in 
diesem Gebiete sehr regelmässig begrenzt: sie erscheinen erst in 
der nördl. Hälfte .der NW-Section (1 : 25.000) dieses Blattes, und 
zwar wird ihr Vorkommen im Süden im Allgemeinen durch das Thal 
des Novohradkabaches begrenzt. Südl. von dieser Linie treten sie 
nur zwischen Topol, Pumberecky und Tunechod im engeren Gebiete 
des Chrudimka-Flusses (schon an der w^estl. Grenze des Blattes) auf 
und überlagern hier direct die typischen Teplitzer Schichten. Sehr 
gut aufgeschlossen ist diese Partie der Priesener Schichten in den 
zwei Hohlwegen SW und NW Topol, im Strasseneinschnitte zwischen 
Topol und Pumberecky (wo in ihren untersten Lagen die schon 
früher erwähnten stammförmigen Concretionen vorkommen), sowie 
auch ein langer Aufschluss am steilen rechten Ufer des Chrudimka- 
Flusses von der westl. Grenze des Blattes bis ö. Tunechod (hier in 
Form einer ziemlich hohen Berglehne) Erwähnung verdient. 

Am linken (südl.) Gehänge des Novohradka-Thales fand ich sehr 
gute Aufschlüsse der Priesener Schichten bei Hrochow-Teinitz (das 
steile linke Ufer des Baches vom so. Ende der Stadt Hrochow-Teinitz 
bis zu dem so. gelegenen Dorfe Skalitz) und im Dorfe Bliznowätz 
(ö. von dem letztgenannten Dorfe). 

Im rechten (nördl) Gehänge desselben Thaies wären im Osten 
blos einige Aufschlüsse zwischen Chroustowdtz und Cankowitz nennens- 
werth, im Westen dann der grosse Streifen der Priesener Schichten 
von Podbor an über Dwakacowitz, Lhota Ufetickä bis zu der nördl. 
Grenze des Blattes. Dieser letztgenannte Streifen kann als die so. 
Fortsetzung der früher besprochenen Nemoschitzer Lehne und der steilen 
llferlehne bei Pardubicky (beides in der Umgegend von Pardubitz) 
betrachtet werden. Die Priesener Schichten sind daselbst sehr mächtig 
und in dem ganzen Verlaufe dieses Streifens (eine hohe Berglehne) 
fast ununterbrochen sehr gut aufgeschlossen. Sie enthalten hier auch 
sehr viele Fossilien — die meisten bei Lhota TJi'etickä, von wo auch 
bereits F ritsch in seiner citirten Monographie eine Fossilienliste 
veröffentlicht hat ') (1. c. pag. 54). 



') Nach einer mündlieheu ]\Iittheiliiug von Herrn Dr. Heinrich Barvif 
findet sich in dem Plänermergel der Priesener Schichten bei Lhota Ufetickä ähnlich 
wie in den cenomanen iScliichten bei Skutitschko auch Bernstein vor. 

22* 



172 J- J- Jahn. [48] 

Nördlich von der Novohradka-Depression liebt sich das Terrain 
der Priesener Schichten ein wenig, bildet eine buckelförmige An- 
höhe, und senkt sich dann in das Thal des Loucnä-Flusses, um jenseits 
desselben (schon an der nördl. Grenze des Blattes) wieder allmälig 
aufzusteigen. 

Auf der Anhöhe zwischen dem Novohradka-Thal im S. und dem 
Loucnä-Thale im N. treten die Priesener Schichten fast nirgends 
direct zu Tage, sie werden hier von mitunter sehr mächtigen quater- 
nären Ablagerungen bedeckt. 

Erst wieder in den beiden Gehängen des Loucnä-Thales sind 
die Priesener Schichten an vielen Stellen sehr gut aufgeschlossen. 
Nennenswerth erscheinen mir die Aufschlüsse: südl. von der Eisen- 
bahnstation Uhersko, ein tiefer Strasseneinschnitt, und das linke 
(südl.) Gehänge des Loucnä-Thales von dieser Stelle bis ö. Opocno, 
wo die Priesener Schichten fast ununterbrochen in dem Abhänge aut- 
geschlossen sind, ferner im rechten (nördl.) Gehänge desselben Thaies 
eine Reihe von Aufschlüssen der Priesener Schichten von Sedlischtky 
an über Uhersko, Ceraditz bis zu der nördl. Grenze des Blattes. 

In diesem ganzen Gebiete enthalten die Priesener Schichten im 
Allgemeinen nicht so viel Fossilien wie weiter westl. (in der Umgegend 
von Pardubitz) und weiter östl. (Umgebungen von Hohenmauth). Die 
von Fritsch verötfentlichte, bereits erwähnte Fossilienliste von 
Lhota Ufetickä enthält auch sämmtliche in diesem ganzen Gebiete 
von mir bisher beobachtete Arten, denen sich nur noch das häutige 
Dentalium medium Soic, der überall gemeine Inoceramus Cuvieri Sotv.. 
ferner Micrasfer de Lorioll Noe. (Uhersko) und einige gemeine Fora- 
miniferen anschliessen würden. 

Das Gebiet östlich von d e r J a n o w i c e k - L u z e r T e r r a i n- 
terrasse zeigt eine andere Schichtenfolge der Kreideschichten, wie 
es schon in meinem citirten Aufnahmsberichte geschildert wurde. In 
Kürze wiederholt, hat dieses Gebiet die Form eines länglichen Beckens, 
dessen Axe (die Linie Leitomischl - Zämrsk) durch die SO — NW 
streichende Loucnä-Depression markirt wird. Zu beiden Seiten dieser 
Depression steigt das Terrain allmälig in zwei Hochflächen an (das 
Wratzlau-Lauterbacher Plateau im SW und das Autzmanitz-Sloupnitzer 
Plateau im NO), die durch steile Abstürze oder Terrainterrassen be- 
grenzt sind (das erstere Plateau durch die Janowicek-Luzer-Neuschloss- 
Polickaer Terrainterrasse, das letztere durch das romantische Thal 
des Adlerflusses). 

Die Schichtenfolge der Kreideablagerungen in diesem Gebiete 
ist eine derartige, dass, je näher man von den steilen Rändern der 
beiden Flügel des Beckens gegen die Axe desselben zu schreitet, 
im Allgemeinen um so jüngere Kreidestufen zum Vorschein kommen. 
Die Priesener Schichten, als das in dieser Gegend jüngste Glied der 
Kreideformation, gelangen demzufolge hauptsächlich erst in der Mitte 
des Beckens zum Vorschein, wo sie eine dem Streichen der Axe des 
Beckens entsprechend streichende Hügelreihe bilden. 

Dass diese Ilügelreihe in der Mitte des Hohenmauth-Leitomischler 
Beckens nur ein Rest der ehemals viel grösseren Verbreitung der 
Priesener Schichten in dieser Gegend ist, dass auch die jetzigen 



[49] Einige Beiträge zur Kenntiiiss der böii mischen Kreideformation. 173 

beiden, auf ihrer OberHilche aus Isersclüciiten bestellenden Flügel dieses 
Beckens seiner Zeit von Triesener Schichten bedeckt waren, beweist 
der Umstand, dass sich diese letzteren Schichten an einigen Orten auch 
heute noch auf diesen beiden Hochflächen unter den quaternären 
Ablagerungen verdeckt vorfinden. Diese in dem eigentlichen Gebiete 
der Iserschichten heutzutage vorkommenden isolirten Inseln von 
Priesener Schichten sind also als Reste einer ehemaligen Decke 
dieser Schichten anzusehen, die aber später abgeschwemmt worden 
ist und von der sich nur diese spärlichen Vorkommen bis auf unsere 
Zeit erhalten haben. 

Im Nachstehenden will ich zuerst das Vorkommen der Priesener 
Schichten in der Mitte des Hohenmauth-Leitomischler Beckens schil- 
dern, sodann den soeben besprochenen Inseln der Priesener Schichten 
im Gebiete der Iserschichten eingehende Aufmerksamkeit widmen. 

Die erwähnte, aus Priesener Schichten bestehende Hügelreihe 
in der Loucnäniederung endet im NW an der Stelle, wo sich der 
Loucnäfluss nach W wendet, also gerade an der nördl. Grenze des 
Hohenmauther Blattes. Die Priesener Schichten sind daselbst an 
mehreren Stellen aufgeschlossen : bei Tynisko (auch im Dorfe selbst), 
bei Janowicek (ebenfalls) und in einem Hügelabhange zwischen der 
cote 258. (ö. von der Eisenbahnstation Zämrsk) und dem Orte Neu- 
dorf (bei dem Dorfe Zämrsk). 

Oestl. davon befindet sich ein Hügelcoinplex zwischen den Ort- 
schaften Dobfikow. Slatina, Limberg und Srub. Dieser Complex wird 
im W und S durch den Fluss Loucnä, im durch die ausgedehnten 
Srub-Voklikover ebenen Wiesengründe natürlich begrenzt. Die Prie- 
sener Schichten, die diese Hügel bilden, treten an zahlreichen Stellen zu 
Tage : in Eisenbahneinschnitten (mit nur kleinen Unterbrechungen überall 
zwischen den Stationen Zämrsk und Chotzen), in Strasseneinschnitten 
(z. B. nö., ö. und so. von Slatina, zwischen Limberg und cote 279), 
in den Abhängen der Hügel (z. B. an einigen Stellen zwischen den 
Ortschaften Dobrikow, Slatina — hier sind die Priesener Schichten 
sehr gut aufgeschlossen — und Srub, in den Dörfern Srub, Slatina, 
Limberg, an den s. und ö. Abhängen des Hügels „na plesich", an 
allen Abhängen des Hügels Vinice bei Hohenmauth). 

Es sei hier besonders des interessanten Aufschlusses der Prie- 
sener Schichten an der Strasse am NW-Fusse des Vi ni c e- (Wein- 
berg-) Hügels (316) nö. Hohenmauth gedacht, den auch Fritsch 
in seiner Arbeit erwähnt (1. c. pag. 51) und der ausserdem noch von 
Jos. Prochäzka (Verhandl. 1894, Nr. 11, pag. 274 — 276) beschrieben 
wurde. 

Die Strasse, die von Chotzen nach Hohenmauth führt, macht 
in dem Sattel zwischen den Hügeln Vinice (316) und „na plesich" 
(315) in den Abhang des letztgenannten Hügels einen W-0 streichen- 
den Einschnitt (ein kleines Stück w. von der cote 279), durch welchen 
die Priesener Schichten sehr gut aufgeschlossen sind. (Siehe unsere 
Textfigur 4.) 

Zu Unterst liegt dort ein plattiger, fester Pläner mit zahl- 
reichen Inoceramen und spärlichem Micraster de LorioU ^oo. Darauf 
liegt ein weicherer, dickbankiger Pläner, der sich an der Luft in 



174 J- J- Jahn. [50] 

kugelige, unregelmassige Brocken absondert. Dieser wird von diinu- 
gescliichtetem, weichem, leicht zerfallbarem Mergel bedeckt, auf dem 
bereits die Ackerkrume mit Quarzgeschieben liegt. Diese Schichtenfolge 
zeigt sich in dieser Gegend in den Priesener Schichten fast überall, 
wo dieselben genügend aufgeschlossen sind. 

Fritsch führt in seiner Arbeit von diesem Aufschlüsse der 
Priesener Schichten Dentalinin medhun Soir., Cardita tennkosta ISoir., 
AhchI« ,'<i'jHllnHaris r. Buch und Corlnüa. cnudafa Nilss. an. 

Prochäzka sagt in seiner Arbeit „Ueber die vermeintlichen 
miocänen marinen Tegel zwischen Chotzen und Leitomischl in Böh- 
men", dass hier weiche Tegel dem Priesener Planer „aufgelagert" 
sind, dass „liier mehr als anderenorts deutlich zu beobachten war, 

Aufschluss an der Strasse Chotzen— HoIieiiiuäHth zwischen den Hügeln 
^ „na plesich" und Vinice. q 






Fig. 4. ^^^^ 

1. Plattiger, fester Planer mit Inocerainen und Micraster de Lorioli Nov. 

2. Dickbankiger Pläner, der sich in kugelige Brocken absondert. 

3. Dünngeschichteter, weicher Plänerniergel. 

4. Ackerkrume. 

ffl. Weicher, lichtgrauer, plastischer Thon. 

h. Duukelgraue, iasi schwarze Aschenschichte mit ISchottergeschieben, 

Gefässscherben aus neolitischer Zeit und Säugethierknochen. 
c. Lichtgrauer, weicher, meistens zerCallener Plänerniergel (= etwa 

Nr. 3 in dem westl. Theile des Aufschlusses). 

erstlich wie die unteren harten Priesener Schichten nach oben all- 
mälig in eine weiche Tegelbank übergehen und dann, weil es hier 
der Ort gewesen, von wo eine Fauna (nämlich des Tegels) zu be- 
kommen war, über deren Provenienz (d. i. vom Alter der Priesener 
Schichten) nicht ein 1 ei s est er Ein wand erhoben werden 
konnte." (Verb. 1894, pag. 274). 

In Wirklichkeit dagegen ist der von Prochäzka besprochene 
„Tegel" an dieser Stelle von einer ganz anderen Provenienz: 
beinahe schon am östl. Ende des Aufschlusses, an der Stelle, wo die 
Strasse sich in die Voklikover Ebene zu senken beginnt, beginnen die 
Schicliten der Priesener Stufe gegen Ü. hin undeutlich zu sein, sie 
hören endlich in ihrer ganzen Mächtigkeit (von oben nach unten) 



[51] Einige Beiträge zur Kenntniss der böhinischen Kroideformation. 175 

auf (siehe unsere Abbildung Fig. 4) und die ganze Mächtigkeit des 
Aufschlusses nimmt ein sonder b a r e s G e b i 1 d e ein, in dem man 
drei Schichten deutlich unterscheiden kann : unten ein weicher, homo- 
gener, i)lastischer, liclitgrauer, ein wenig gelblicher Thon, darüber 
eine dunkelgraue bis schwarze Schichte und ganz oben ein lichtgrauer, 
weicher, zerfallener, typischer Priesener riänermergel. 

Die mittlere Schichte nun keilt sich gegen W (gegen den anste- 
henden riäner zu) aus, gegen O wird sie anfangs mächtiger, dann 
wieder schwächer und wieder mächtiger etc. — sowie dies unsere 
Abbildung zeigt. 

Sie enthält ausser Quarz-, Granit-, Porphyr- und a. Geschieben, 
zahlreiche Scherben von Gefässen aus neolitischer Zeit 
und s e h r V i e 1 e K n o c h e n b r u c h s t ü c k e, unter denen Herr Prof. 
Dr. Job. N. Woldi'ich eine Tibia von Siis nirojmeiis Pallas (von 
einem sehr starken Wildschweine) und eine IJlna eines Wiederkäuers 
mittlerer Grösse freundlichst bestimmt hat. Diese härteren Dinge 
stecken in einer eigenthümlichen, dunkelgrauen, stellenweise fast 
schwarzen, nach Prof. W o 1 d r i c h a s c h e n h a 1 1 i g e n Erde. Die 
liegende und die hangende Schichte dieser dunklen Lage machen schon 
auf den ersten Blick den Eindruck von hierher künstlich ange- 
schütteten Ausgrabungen, also nicht von anstehendem Gestein. 

Es anterliegt keinem Zweifel, dass wir es hier mit einem prä- 
historischen Fundorte aus Menschenzeit zu thun haben, 
dessen Alter aber nach Herrn Prof. Wo hU'i ch nicht sicher bestimm- 
bar ist. Dadurch wäre auch das senkrechte Aufhören der anstehenden 
Priesener Schichten nach und das Erscheinen dieser angeschütteten 
Gebilde an ihrer Stelle erklärt : Das Ganze ist als eine mit 
dieser Cul tu r schichte nach und nach ausgefüllte, 
künstliche Grube anzusehen. 

Die thonige, event. mergelige Masse in allen drei Schichten 
dieser Grube ist ohne Zweifel durch verschieden fortgeschrittene 
Verwitterung und Zersetzung der Priesener Schichten in der Umge- 
bung der Grube entstanden : die Schlemmproben von dieser Masse 
enthalten Foraminiferen u. a. Fossilien der Priesener Stufe (auf diese 
Details werde ich in der Erklärungsschrift zu dem Hohenmauther 
Blatte näher eingehen, wo ich auch auf diesen Fundort zu sprechen 
kommen werde). 

Allein davon — wie Prochäzka ausdrücklich hervorhebt — 
dass diese Thone den Priesener Schichten direct aufgelagert 
werden, dass die harten Priesener Schichtennach oben all mal ig 
in eine weiche Tegelbank übergehen, ist, wie aus dem Ge- 
schilderten hervorgeht, keine Rede. Ich glaube recht gern, dass 
P r c h ä z k a in diesen Thonen keine marinen miocänen Fossilien 
gefunden hat, ich habe auch in meiner diesbezüglichen Arbeit (Ver- 
handl. 1893, pag. 275) solche „Tegel" nicht vor Augen gehabt! 



N a c h t r a g. Als der Druck dieser Arbeit bereits fort- 
geschritten war, erhielt unsere Bibliothek die Sitzungsberichte der 
königl. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. in Prag für das Jahr 1894. 
In denselben fand ich eine Arbeit von Jos. Prochäzka, die 



176 J- J- Jahn. [52] 

wiederum dasselbe Thema auf dieselbe Weise wie seine frühere, 
oben bereits citirte Arbeit in unseren \'erhandlungen 1894, Nr. 11. 
pag. 274 fi. behandelt. Diese Arbeit Prochäzka's führt den Titel 
„0 tizenii tak zv. morskych jilü miocaennich mezi Chocnf a Lito- 
mysll" (=^ „Ueber das Gebiet der sogenannten mioraenen Marine- 
tegel zwischen Chotzen und Leitoniischl". Böhmisch mit einem 
deutschen Resume, dazu zwei Holzschnitte; 1. c. Nr. XXXI, pag. 1 — 32\ 

Die Veranlassung zu der früheren, oben besprochenen, und 
auch zu der vorliegenden, neuen, eingehenden (32 Druckseiten !) 
kritischen Besprechung T roch ;'iz k a's gab lediglich eine kurze, 
vorläufige Notiz, die in meinem, im T e r r a i n g e s c h r i e b e n e n 
Aufnahmsberichte (Verhandl, 1893, Nr. 12) enthalten war (vergl. 
Verhandl. 1895, Nr. 0, pag. 1()9 -171) und die weitere, eingehendere 
Behandlung des Gegenstandes zu gelegener Zeit selbstverständlich 
voraussetzte. 

In dieser neuen Arbeit bespricht Pro chäzka abermals den 
von mir oben geschilderten Aufschluss an der Chotzen — Hohenmauther 
Strasse, den er aber unrichtig „Yinohrady" statt „Vinice" nennt. Er 
behauptet wiederum, dass die weichen Tegel (-= die drei Schichten 
der künstlichen Grube) über den dortigen typischen Priesener 
Schichten liegen. 

„Von diesen Tegeln" — sagt Pro chäzka weiter — „wird 
nirgends Erwähnung gethan. Sonderbar, nicht einmal Dr. J. J. Jahn 
führt dieselben an. Und doch legen alle ihre Eigenschaften lautes 
Zeugnis dafür ab, dass sie aequivalent (!) mit den weichen Tegeln 
der Voklikover Niederung sind und congruent (!) mit den Tegeln 
von sämmtlichen hier angeführten Fundorten (d. i. mit den von mir 
gemeinten wirlichen Tegeln). Dass im vorliegenden Falle etwa die 
dünne Schichte schwarzen Tegels (= die Aschenschichte mit ^-'nochen 
und Gefässscherben !) irgendwie abstossend (!) und vielleicht warnend 
(ich glaube schon !) wirken sollte, muss ich sehr in Zweifel ziehen. 
Diese keilartige Tegel (?) einlagerung unterscheidet sich ja ausser 
der Farbe durch gar nichts von der übrigen weichen Tegelmasse 
(die Asche, Geschiebe, Säugethierknochen. Gefässscherben sind also 
„gar nichts"?). Und der Farbe kann doch kein Gewicht beigelegt 
werden! (sehr naiv!). Daher rülirt mein Staunen, dass dieser Tegel 
keine Berücksichtigung fand" (1. c. pag. 15). 

Ich hotfe nun, dass nach den oben von mir angeführten Facten Herr 
Pro chäzka sich nicht mehr so sehr wundern wird, dass ich diesen 
seinen „Tegel" in meinem betreifenden Aufnahmsberichte nicht er- 
wähnt habe, sowie er es nun auch begreiflich finden dürfte, dass er 
in demselben keine „marinen miocaenen Fossilien" gefunden hat. 

Auf die Details dieses Abschnittes der neuen Arbeit Prochäzka's 
kann ich heute wegen des fortgeschrittenen Druckes meiner vor- 
liegenden Arbeit nicht eingehen. 

Ich bemerke nur noch, dass auch Pro chäzka in dieser 
Arbeit (pag. 15) eine Abbildung des in Bede stehenden Vinicer 
Aufschlusses bringt, auf der er die drei Schichten der von mir oben 
geschilderten künstlichen Grul)e in der That unrichtig in concordanter 
Ueberlagerung auf dem nach seiner Zeichnung dickplattigen Priesener 



[53] Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Kreideformation. 177 

Pläner darstellt ; die duiikelgraue bis schwarze Aschenschichte zeichnet 
er jedoch ganz richtig als eine Einkeilung zwischen den übrigen 
zwei Schichten der erwähnten Grube. 

Diese Arbeit Prochäzka's enthält noch viele andere Un- 
richtigkeiten sowie auch unbegründete Behauptungen, die mich und 
meine wissenschaftliche Arbeitsweise in ein schiefes Licht zu stellen 
bemüht sind — allein diese Dinge gehören nicht hieher, ich werde 
sie anderenorts auf das richtige Maass zurückführen. 



Wie gesagt, ist der bisher besprochene Hügelcomplex der Prie- 
sener Schichten im durch die Srub-Voklikover Wiesengründe be- 
grenzt. Dieselben Wiesengründe begrenzen im W einen weiter nach 
O gelegenen aus Priesener Schichten bestehenden Hügelcomplex, der 
im N durch das Thal des Adlerflusses bei Chotzen, im durch Teich- 
und Wiesengründe (die Linie Kosoiln, Kocanda, Zälesch), im S durch 
den Bethlehembach begrenzt wird. 

Die Priesener Schichten dieses Complexes sind an vielen Orten 
aufgeschlossen. Vor allen gehört hierher der im achten Abschnitte 
der Fritsch'schen Arbeit beschriebene Aufschluss der Berglehne 
„Ssutiny" w. Chotzen am linken Adlerufer entlang der Chotzen-Halb- 
stätter Bahn. 

Diesen interessanten Aufschluss habe ich anlässlich meiner Auf- 
nahmen in dieser Gegend an Ort und Stelle untersucht und bemerke, 
dass er von Fritsch (1. c. pag. 48 — T^O, Fig. 27) bis auf die sonder- 
baren Benennungen der einzelnen Niveaus der dortigen Priesener 
Schichten ganz trefflich geschildert wird. Nur in einer Sache kann 
ich mit der Auffassung Fritsch's nicht übereinstimmen: Fritsch 
meint nämlich, dass der die Priesener Schichten an dieser Stelle über- 
lagernde Schotter (Schichte Nr. 10 in seinem Profile, Fig. 27) „aus 
zerfallenen Chlomeker Schichten entstanden" sei, während wir es in 
Wirklichkeit an dieser Stelle meiner Ansicht nach mit einem echten, 
typischen Diluvialschotter (Anschwemmungen) zu thun haben. 

Von den weiteren Aufschlüssen der Priesener Schichten seien 
ausser den bereits von Fritsch genannten (s. vom Chotzener Bahn- 
hofe, bei Chlum — 1. c. pag. öü) noch die bei Dworisko, Netusil- 
-Podraschek, Bor, zwischen Dörflik und „na bastö" und bei Nofin 
genannt. 

Aus der näheren Umgegend v o n H o h e n m a u t h nennt die 
Fritsch'sche Arbeit blos die Aufschlüsse am Weinberge (Vinice — 
von uns bereits weiter oben besprochen) und bei Orlov und sagt, dass 
sich die Priesener Schichten von da bis in die Umgebung von Leitomischl 
„als die Thalrichtung begleitende längere Züge" verfolgen lassen. 
„Sie sind meist durch Vegetation verdeckt und wo sie etwas aufge- 
schlossen sind, dort liefern sie nur spärliche Petrefacten, die denen 
der tiefsten Lage des Chotzener Profils (sogen, „Adlerschichte") ent- 
sprechen". 

Im westlichen Theile der Umgebung von Hohenmauth finden sich 
sehr gute Aufschlüsse der Priesener Schichten zwischen Dzbänov und 
Knifow (auch n. und nw. von dem letztgenannten Dorfe) und die Lehne 
„Peklovce" w. Hohenmauth, cote 304 vor, wo man dieselbe Schich- 

Jahrbiich d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1895, 45. Band, 1. Ueft. (J. J. Jahn.) 23 



178 J- J- Jabn. [54] 

tenfolge in den Priesener Schiebten walirnelimen kann, wie wir sie 
am Weinberge (Vinice) kennen gelernt liaben. 

Auf dem im W. durrb den Neissbacb, im O und N durcb den 
Loucnäfluss ])egTenzten Drnbvbügel — zwiscben Hobenmautli und Hru- 
scbau — sind die Priesener Scbicbten an zablreicben Orten sebr gut auf- 
gescblossen. In meiner Erklärungssolirift zu dem Ilolienmautlier Blatte 
werde icb diese Aufschlüsse aufzählen, worauf ich beute vorläufig 
hinweise. 

In dem südöstl. Theile der Umgebung von Hobenmautli be- 
finden sich Aufschlüsse der Priesener Schichten bei Bzundov-W. H., 
ö. Walcba-Müble, ö. Si)älenec-Müble, bei Peklo, die Zahoianer Lehne 
oberhalb Cerekwitz '), s. Horka, bei Netfeby, Hefmanitz, s. Choteschin, 
rings um den Ort Orlov, bei Tisau (Tisovä), Pekärek, Dörflik u. a. m. 

Von denselben ist erstens der Aufschluss s. Choteschin inte- 
ressant. Die Priesener Schichten sind daselbst ö. von der cöte ol6, w. 
von der Besitzung SpUchars in einem Steinbruche aufgeschlossen. Der 
zerfallene Plänermergel wird — wie in Ostböhmen überhaupt sehr oft — 
zur Verbesserung der Aecker verwendet. Die Schichtenfolge ist hier 
wiederum dieselbe wie am Weinberge bei Hobenmautli : unten fester, 
klingender Plattenpläner (Inoceramenpläner), darüber dickbankiger, 
weicher Pläner, der an der Luft in kugelige, unregelmässige Stücke 
zerfällt, oben weicher Mergel, der auf der Oberfiäche in einen fetten, 
breiigen Thon übergeht. In dem untersten Inoceramenpläner habe ich 
folgende Fossilien gesammelt: Scaphites Geinitzi cTOrh. (ein ganzes 
Exemplar), Inoceramus Cuoieri Sou\ (sehr häufig), Inoceramus Bron- 
gniarti Park, (zahlreiche, colossale, bis l'/a Fuss lange Stücke), Mirraster 
de Lorioli Nov. (sehr häufig und sehr gut erhalten), Holothuria? 
(Darm mit zahlreichen Foraminiferen und Fischresten gefüllt — vergl. 
F ritsch „Priesener Schichten", pag. 113, Fig. 150), Osmeroides 
Lewesknsis Ag. (zahlreiche, schön erhaltene Schuppen), Cladoctjclua 
Strehlcnsis Gem. (ebenfalls) und viele winzige Fischknochen. 

Sehr interessant ist ferner der Aufschluss der Priesener Schichten 
am rechten Thalgehänge des Sväbenice-Baches, so. von cöte 347, s. 
von Horka (w. Bohhowitz). Diesen Aufschluss erwähnt [auch Fritsch 
in den „Priesener Schichten" und sagt, dass hier „ungemein viel 
zarte Fischreste vorkommen, die demnächst bearbeitet werden sollen" 
(1. c. pag. 51). Ausser solchen Fischresten habe ich an dieser Stelle 
noch folgende Fossilien gesammelt: Inoceramus Brogn/arti Geh. (sehr 
häufig), Inocer. Cvrieri Soir. (ebenfalls), Tnoc. cf. lahiafiis SrJil. sp., 
Fecten Nilssoni Gohlf. (häufig), Mlcr(<sfer de Lorioli Nor. (häufig), 
Ci/phosoma radiafuin Hclil. (viele Stachel), Holothuria? {= Lepid enter on, 
Darm mit zahlreichen Foraminiferen und Fischresten). 

Hiermit sind wir bereits in die näher'e Umgegend von 
Leitomischl gelangt, wo die Priesener Schichten sich ebenfalls 
einer grossen Verbreitung erfreuen. 

Die Monographie Fritsch's führt aus der ganzen Umgegend 
von Leitomischl blos die Lehne oberhalb Nedoschin an. 



•) Siehe Jahrb. d. k. k. geolog. Reichsanst. 1863, XIII. Bd., 3. Heft, pag. 457 
und die beigeschlossene Textfigur. 



[55] Einige Beiträge zur Kenntniss der böhniisclion Kreideformation. 179 

Unser Correspondent, der f2,rüiidliclio Forscher und Petrefacten- 
sanimler, Herr Prof. Vau. PTirta in Iveitonüsclil, beschreibt die Vor- 
koninien der Priesener Schichten aus dieser Gegend in seiner vor- 
tretilichen Schrift: „Geognostiscli-geologische Peschreibung des Leito- 
niischler Bezirkes" i) und fülirt von den von iiiin genannten Fundorten 
viele P'ossilien an. Es ist zu bedauern, dass Fritscli in seiner Mono- 
graphie der Priesener Schicliten diese Publication des gewissenhaften 
Localforschers Herrn Prof. Bärta vollständig ignorirt liat. 

Nördl. von Leitomischl befindet sich eine aus Priesener Schichten 
bestehende Anhöhe, die im durch die östl. Grenze meines Blattes, 
im S durch den Fluss Loucnä, im W durch den Sväbenice-Bach und 
im N durch Koncinsky-Bach sehr scharf begrenzt wird. Die Priesener 
Schichten dieser Anhöhe sind an vielen Stellen sehr gut aufgeschlossen. 
Nennenswert!! erscheinen mir die Aufschlüsse bei Bohounovvitz (oder 
Bohnowitz) zwischen Cerekwitz und Ritky, n. Trzek, bei Gross-Sedlischt, 
n. Nedoscliin, bei Kornitz, am Hlavilov (s. A 386), bei Zährad', bei 
M. H. Zavadilka, „Kalouschka" bei Nemcitz und zwischen Konciny und 
Bohouiiowitz. 

Wie gesagt, erwähnt Fritsch in seiner Arbeit blos den Auf- 
schluss ober Nedoschin und zwar mit folgenden Worten : „Auf den 
petrefactenreichen Iserschichten folgen graue Letten mit Verehmhila 
semujlohoi^a (Prof. Bärta), die dann nach oben allniälig in die plattigen 
Priesener Schichten übergehen, welche durch Micraster Lorioll, Holaster 
planus f Troclms Engelhaniti und Schuppen von Cladocydus charakterisirt 
sind" (1 c. pag. 51). 

Bei meinen Aufnahmstouren habe ich denselben Aufschluss be- 
sucht, von den „grauen Letten mit Terehmfula scmiglobosa^^ kann ich 
aber aus eigener Anschauung nicht berichten. Dafür habe ich in den 
Priesener Schichten (nie hier 0-W streichen und unter 10^ nach S 
einfallen) wiederum dieselben Horizonte, wie früher schon am Wein- 
berge bei Hohenmauth constatirt. Herr Prof. Bärta hat unserem 
Museum von diesem Fundorte Anomia suhtruncata d'Orh. und Aptt/chus 
crefaceiis Milnsf. geschenkt. 

Der interessanteste Fundort von Priesener Fossilien in diesem 
Theile der Umgebung von Leitomischl ist die Lehne „Kalouschka" bei 
Nemcitz, wo die Priesener Schichten sehr gut aufgeschlossen sind. 
Herr Prof. Bärta erwähnt diesen Fundort in seiner oben citirten 
Arbeit und führt von dort folgende Fossilien an: 

Otodus appendiculatus Ag. (Zähne). 

Oiyrhina angustidens Rss. (Zähne). 

Lannia raphiodon Ag. (Zähne). 

Osmeroides Leiresiensis Ag. (Schuppen). 

Berg.r ornafus Ag. (ein Theil der Wirbelsäule und Schuppen). 

Fischwirbel. 

Unbestimmbare Fischreste. 

Follicipes conicus Jiss. 



') Programm der städtischen Oberrealschule iu Leitomischl für das Jahr 1878 
(böhmisch). 

23* 



180 J- J Jab"- [56] 

Hamües sp. 

Aptychus er ef accus Mund. 
Aptiiclnis coinplanafus Gein. 
Einige unbestimmbare Ammonitenabdrücke. 
ScaJa sp. 

Einige muleutliclie Gastropodenabdrücke. 
Inoceramns striafiis Munt. 

InoceraiHiny Bi-on<jni<uii Soir. (von dem uns Herr Prof. Bärta 
ein riesiges, über 1 Fuss langes Exemplar geschickt hat). 
Inocermnus Guoieri Soir, 
NucuJa producta Nilss. 
PecfcH cf. mcmbranaceiis Nilss. 
Pecten cf. Nilssoni Goldf. 

Ananchijtes ovata (-= llolaster cf. placenta Äg.). 
BourgetocririHS eUipticus Bronn. ('= Anttdon Fischer} Gein.). 
Eine Anzahl von Foraminiferen. 
Sequoia Reich enbachi Heer. 
Fucoiden. 

Herr Prof. Em. Bärta hat dem Museum der k. k. geologischen 
Reichsanstalt eine reichhaltige Fossilien-Suite von diesem Fundorte 
geschenkt. Unter denselben befinden sich ausser den bereits von Prof. 
Bärta angeführten noch folgende Arten: 

Cladocifclns Streldcnsis Gein. (Schuppen). 

Aspidolepis Steinlai Gein. (Schuppen), 

Scapliifes Geinitzi d'Orb. 

Hainites renis Fritsch. 

Nucula pectinata Sotv. 

Pinna nodtdosa Pss. 

Avicida pectinoides Pss. 

Inoceramns cf. latus Mant. 

Inoceramus planus Münst. 

Lima elongata Sow. 

Pecten squamuki Lamk. 

Exoggra lateralis Rss. 

Ostrea sp. 

Ostrea sp. 

Anomia suhtruncata Gein. 

Terehratidina gracilis Seid. 

Terehratulina chrijsalis Schi. 

Pollicipes glaher Rom. 

Serpula sp. 

Micraster de Lorioli Nov. 

Ilolotliuria? (mit zahlreichen Foraminiferen 

und Fischresten). 
Frenelopsis sp. 
Eine Alge. 

Von Hlavfiov citirt Herr Prof. Bart a Osmeroides Leu^esiensis Ag., 
Ammonites sp. ind,, Pleurotomaria linearis Mant. und pcrspectiva Mant., 



[57] Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Kreidef'ormation. 181 

Inocei-ainufi stn'afus Maut, und Idhiatus Schi, Ifolnster cf. plarenta Ag. 
und Micraster de Lovioli Non. ( hei Bäita M. cor angiiineum). 

Bei Kornitz hat dersolhe Autor gefunden: Osineroides Leiresiensia 
Äg., Pecten cf. Nil>-soni Gold f., FhoUtx >^clero/ites Gein.^ Tel 1/ na concen- 
trica Bas., viele Foraminiferen und Chondriles sp. 

Von Gross-Sedlischt ( Volke Sedliste) erwälmt Prof. Bärta Osme- 
roides Lewesiensis Ag. (ich fand daselhst mehrere Inoceranienarten und 
Dental Ulm tnediwn), von Trzek Inocenunus Brongniartl Soiv. 

Südlich von Leitoniischl besteht die im N. und 0. durcli 
den Fluss Loucnä, im Westen durch den Desna-Bach bej^reiizte An- 
höhe aus Priesener Schicliten. Die letzteren sind an dem NÖ-Bande 
der Anhöhe von Leitomischl sowie auch zwischen dem Gross-Kosff- 
Teiche und Trzek, ferner an dem ganzen SVV -Bande dieser An- 
höhe (besonders sw. vom Gestütthof und im Strasseneinschnitte ö. 
von Nazareth) und in dem von so. Nazareth gegen Lauterbach zu 
streichenden Thälchen an vielen Orten gut aufgeschlossen. Schichten- 
folge und Fossilien sind dieselben wie an den früher erwähnten Orten. 

Noch weiter nach SO. sind die Aufschlüsse der Priesener Schichten 
im Dorfe Morcany (= Neusiedl), um Klein-Sedlischt, im Dorfe Mora- 
schitz (und in den Hohlwegen ö. von dem Dorfe), bei Visnar (mit 
zahlreichen Inoceramen) und in dem von Visnar nach SO. streichenden 
Thälchen (gegen die cöte 348 zu — hier fand ich HolofJniria'^ mit 
vielen Foraminiferen, viele Fischreste. Terebnitullna gracilis Schi, und 
zahlreiche Inoceramen), ferner in Hohlwegen nö. und ö. von der cote 
350 und bei Nazareth (mit zahlreichen Inoceramen und Aplychiis 
cretaceus Mihisf.) zu verzeichnen 

Hiermit wäre die Betrachtung der die Hügelreihe in der Mitte 
des Hohenmauth-Leitomischler Beckens bildenden Priesener Schichten 
abgeschlossen. Die übrigen Vorkommen der Priesener Schichten 
in dem östlichen Theile der Umgebung von Leitomischl fallen bereits 
in das Gebiet des Blattes Mährisch Trübau-Landskron, welches Herr 
Oberbergrath T i e t z e durchforscht und kartirt hat. In der Erklärungs- 
schrift zu dem Plohenmauther Kartenblatte werde ich allerdings noch 
viel Näheres über die bisher besprochenen Vorkommnisse der Priese- 
ner Schichten zu sagen haben. 

Wenden wir nun unsere Aufmerksamkeit den vereinzelt erhal- 
tenen Inseln der Priesener Schichten in dem eigentlichen 
Gebiete der Iserschichten, auf den beiden Flügeln des Hohen- 
mauth-Leitomischler Beckens zu. 

Auf dem NÖ-Flügel (auf dem Autzmanitz-Sloupnitzer Plateau) ist 
das reichste Vorkommen von Priesener Fossilien im Gebiete der Iser- 
schichten auf der cöte 356, zwischen Kosofi'n und Chotzen, im 
Walde nö. von der Strasse. Die Priesener Schichten sind hier in 
einer ausgedehnten Grube aufgeschlossen (direct an der cöte 356), 
wo man folgende Schichtenfolge wahrnehmen kann : Zu unterst fester, 
klingender Plattenpläner (Inoceramenpläner) ; darüber folgt ein dunkel- 
grauer, lichtgelblich gefleckter, weicher, dünngeschichteter, leicht zer- 
fallbarer Plänermergel, in dem zahlreiche sehr gut erhaltene Fossilien 
vorkommen. Unter Anderem habe ich hier in ganz kurzer Zeit ge- 
funden: Scaphites Geinitzl d'Ofh., Hamites oenis, Fr'dsch, Dentalium 



182 J- J- J^hn. [58] 

medium Soir., Nncula semilimaris o. Buch., Nucula pectinata Sow., Leda 
sp. (n.'c'), sehr gross und schön erhalten, [nocenimus mehrere qyec., 
Fecten Nihsoni Gohlf., zalilreiche Schalenbruchstücke von Ostreen etc. 
Darüber folgt eine dunkelgraue Schichte von stark thonigem, aus 
dünnen Schüi>pchen bestehendem Mergel. Auf diesem liegt eine etwas 
lichtere, bläuliche Schichte von weichem, i)lastischem, fettem Thon, 
der von einer gelben, lehmigen, stellenweise tegelartigen, stellenweise 
sandigen Schichte überlagert wird, in der viele grosse Schotterge- 
schiebe vorkommen. Das Hangende bildet feiner, eisenschüssiger, 
gelblicher bis brauner Sand, der stellenweise in compacten Sand- 
stein übergeht. 

Das zweite analoge Vorkommen befindet sich am SW-Ende des 
Dorfes St. Georg, wo die Priesener Schichten ebenfalls mitten im 
Gebiete der Iserschichten am Waldrande in mehreren Gruben auf- 
geschlossen sind. Die Schichtenfolge ist dieselbe wie bei dem vorigen 
Vorkommen, nur fehlt hier die lehmige Schichte — die obere Thon- 
schichte wird von Schotter und Sand überlagert. Die Priesener 
Schichten ruhen hier auf dem weichen, bryozoenhaltigen Pläner (Mehl- 
stein) der Iserstufe. 

p]in weiteres analoges Vorkommen von Priesener Schichten be- 
findet sich nördlich Choteschin (ö. Wracowitz, nördlich Woderad), 
wo die Priesener Schichten ebenfalls direct auf dem Pläner der Iser- 
stufe liegen und von Schotter und Sand überlagert werden. 

Das letzte mir bisher bekannte analoge Vorkommen auf dem 
Autzmanitz-Sloupnitzer Plateau liegt zwischen Sloupnitz und Konciny 
— W. H. (zwischen den coten 389 und 398). Es sind dies die soge- 
nannten Gruben Zahälka's, deren bereits Herr Prof. Bärta in 
seiner oberwähnten Arbeit (1. c. pag. 15 und 20) gedenkt. 

Die Priesener Schichten sind hier in drei Gruben aufgeschlossen, 
von denen die grösste und tiefste folgende Schichtenfolge zeigt: unten 
auf den Iserschichten etwa 7 Meter mächtiger, dunkelgrauer Pläner- 
mergel, im frischen Zustande in festen Schichten (nur ganz unten 
bei dem in der Grube angesammelten Wasser weich, schmierig), zer- 
fällt aber sehr leicht an der Luft in dünne Schuppen. Dieser Mergel, 
volksüblich „lupek" {-^ Letten) genannt, wird gegraben und zur Ver- 
besserung des Ackerbodens benützt. Er soll namentlich für sandigen 
Boden (für Klee) ein ausgezeichnetes Düngemittel sein (1 Cubikmeter 
kostet 5— G fl. !). Dieser Plänermergel ist mit Pyrit stark imi)rägnirt, 
dessen sehr hübsche Krystalle man in den Schlämmproben häufig 
vorfindet. Audi bis faustgrosse Concretionen von Schwofelkies kommen 
in dieser Schichte vor. In diesem Mergel habe ich in kurzer Zeit 
zahlreiche Fossilien gefunden : sehr viele Coprolithen von cf. 
Oxiirrhina Mantelli und einen Fischwirbel von mehr als 5 Centimeter 
im Durchmesser, zahlreiche Schalen und Schalenbruchstücke (mit- 
unter sehr gross) von Osfrea liippopod'ntin Nilss , ein Exem|)lar von 
Nucula semilunarls ü. Buch und Bruchstücke von einem Scaphiten. Das 
ungemein h ä u f i g e Vorkommen von Coprolithen und Ostreen- 
schalen in diesem Mergel gibt diesem Vorkommen der Priesener 
Schichten einen besonderen, von dem der sämmtlichen mir bisher in 



[59] Einige Beiträge zur Kenntniss der bölimischeii Kreideformation. 183 

Ostbölimeii bekannt gewordenen analogen Vorkommen ganz abweichenden 
Charakter ! 

Auf diesem Mergel ruht eine ca. V2 Meter mächtige Schichte 
von licht graublauem Tegel, ober welcher das Wasser aussickert. 
Darauf folgt eine ca. V2 Meter maclitigo Schotterschicjite (meistens 
Geschiebe des Iserpläners), die von einer ca. 2 Meter mächtigen 
Schichte von feinkörnigem, eisenschüssigem Sande überlagert wird. 
Das Hangende bildet der diluviale Löss („cervenice"), der in unteren 
Schichten dunkelgrau, oben bräunlichgelb gefärbt ist. 

A u f d e m W r a t z 1 a u - L a u t e r b a c h e r Plateau finden sicli 
ebenfalls mehrere isolirt erhaltene Vorkommen der Priesener Schichten 
mitten in dem eigentlichen Gebiete der Iserschichten. Drei solche 
Stellen habe ich nw. von Hohenmauth (auf der cote 290, sw. von 
der cote 310 und n. von der cote 32G an der Strasse von Hohen- 
mauth nach Wratzlau) gefunden. Ein viertes analoges Vorkommen der 
Priesener Schichten befindet sich auf der cote 33S, n. Servazienhof 
fsw. Hohenmauth). Auf sämmtlichen diesen Stellen sind die Priesener 
Schichten nur ungenügend aufgeschlossen, so dass ich daselbst keine 
Fossilien gefunden habe. Sie ruhen hier überall direct auf den Iser- 
schichten und werden vom Löss überlagert. 

Als die letzten zwei mir bekannten Vorkommen der Priesener 
Schichten auf diesem Plateau mitten im Gebiete der Iserschichten 
führe ich das s. Moraschitz (n. von der cote 371) und das bei Rikowitz 
(beides w. Leitomischl au), wo auf beiden diesen Stellen die Priesener 
Schichten sehr gut aufgeschlossen sind. Allein diese zwei Vorkommen 
Averde ich erst in dem nächsten Abschnitte der vorliegenden Arbeit 
besprechen, weil sie für die Frage der Existenz der Teplitzer Schichten 
in Ostböhmen von gewisser Wichtigkeit sind. 



III. Ueber die Teplitzer- und Iserschichten in Ostböhmen. 

In meinem citirten Pieferate über die „Priesener Schichten" 
von F ritsch mache ich folgende Bemerkung: „Als das Liegende 
der Priesener Schichten werden vom Autor die Teplitzer Schichten 
angegeben. Allein dies letztere gilt nur für einige Gegenden; in 
s t b ö h m e n ruhen die Priesener P 1 ä n e r m e r g e 1 an vielen 
Orten direct auf den C a 1 1 i a n a s s e n s c h i c h t e n (sog. I s e r- 
schi eilten), denn hier, wo diese letzteren mächtig aus- 
gebildet sind, fehlen die Teplitzer Schichten ganz." 

Ich will nun im Folgenden diese meine Behauptung näher be- 
gründen. 

1. Historische Einleitun«::. 

Die Frage, ob die sogen. Iserschichten wirklich ein besonderes, 
selbstständiges Glied der böhm. Kreideformation seien, ist heutzu- 
tage noch immer nicht endgiltig entschieden. Seit der Zeit, wo die 
Iserschichten von den Geologen des Prager Landesdurchforschungs- 
Comites zum erstenmale als eine selbstständige Altersstufe der böhm. 
Kreideformation aufgestellt worden sind, also seit dem Jahre 1867, 



184 J- ^ Jahn [60] 

sind von verschiedenen, zum Theile sehr massgebenden Autoren so 
verschiedene, mitunter sich total widersi»rechende Ansichten über 
die stratigraphische Bedeutung der Iserschichten geäussert worden, 
so dass heutzutage in dieser trage eine unleugbare Ungewissheit und 
Verwirrung obwaltet. 

Die ersten ernsten Versuche einer Gliederung der böhm. Kreide- 
formation sind von Seite der sächsischen Aufnahmsgeologen, Cotta, 
Naumann, v. Gutbier, vor allem aber H. B. Geinitz angestellt 
worden. 

1839 — 1840. Geinitz hat die Gliederung der sächsisch- 
böhmischen Kreide in seiner Arbeit „Charakteristik der Schichten 
und Petrefacten des sächsisch-böhmischen Kreidegebirges" vorge- 
schlagen ^). Unsere heutigen Iserschichten (u n d Chlomeker Schichten) 
entsprechen dem damaligen „Oberquader" Geinitz's (siehe Archiv 
für naturw. Landesdurchforsch. von Böhmen I. Bd., pag. 173). 

Hierauf folgen die wichtigen Arbeiten A. E. Reuss' über die 
böhmische Kreideformation. 

1845— 1840. Unter den von Reuss in seinem werthvollen 
Werke „Die Versteinerungen der böhmischen Kreideformation" 
(II. Abth., pag. 115 — 125) aufgestellten Stufen der böhm. Kreide 
lässt sich ein mit den später so benannten Iserschichten aequivalentes 
Glied nicht bezeichnen, weil sich die diesbezüglichen Studien Reuss' 
nicht auf Gebiete bezogen haben, wo die Iserschichten typisch ent- 
wickelt sind. Nach Krejci (Archiv für naturw. Landesdurchforsch. 
von Böhmen, I. Bd., pag. 173) rechnet Reuss (wie Geinitz) die 
Iserschichten (und Chlomeker Schichten) zu seinem „Oberen Quader". 

1854. In der Schrift „Kurze Uebersicht der geognostischen 
Verhältnisse Böhmens" erwähnt Reuss einen Theil der heutigen 
Iserschichten: „Zu der mittleren Abtheilung der böhmischen 
Kreide und zwar zu den höheren Schichten rechnet man endlich 
noch die meist sandsteinartigen Gebilde, welche im östlichen Böhmen 
bei Trübau, Triebitz, Schirmdorf und im angrenzenden Mähren in 
der Umgebung von Zwittau in beinahe horizontaler Schichtung den 
Plänersandstein (= heutige Weissenberger Schichten) überlagern." 
„Obwohl sie von Geinitz den Schichten von Kieslingswalde in der 
Grafschaft Glatz gleichgestellt und dem oberen Quadermergel (nach 
Krejci heutige Priesener Schichten) untergeordnet werden, so 
ist ihre Stellung doch noch keineswegs vollkommen sicher gestellt" 
(pag. 7()). 

1853 — 1808 folgen die Arbeiten der Aufnahmsgeologen der k. k. 
geologischen Reichsanstalt über die geologischen Kartirungen in Böhmen. 
Unter den diesbezüglichen Publicationen in den Verhandlungen und 
im Jahrbuch befinden sich auch manche, die sich mit der Gliederung 
der böhm. Kreide beschäftigen. Allein diese Arbeiten bis incl. 1867 
fallen in unserer Frage nicht ins Gewicht 2). 



') Verg]. auch Geiuitz: „Das Quadersandsteingebirge oder Kreidegebirge 
in Deutschland" (Freiberg, 1849—50), wo die Calliauassenschicbten zu seinem 
oberen Quadermergel (=^ Priesener Schiebten) gerechnet werden (1. c. pag. 62). 

') Bios die Arbeit „Die geologischen Verhältnisse des nördlichen Chrudimer 
und südhchen Königgrätzer Kreises im östlichen Böhmen" (Jahrb. d. k. k. geol. 



[Gl] Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmisclion Kreidefonnation. ISf) 

18G7 haben die Geologen des böhm. Landesdurchforschungs- 
comites, Krejcf und Fritscli, eine Neueintheilung der bölim. 
Kreidel'orination vorgeschlagen (II. Jahresbericht über die Wirksam- 
keit der beiden Comites für die naturwissenschaftliche Durchforschung 
Böhmens und Archiv für naturw. Landesdurchforschung von Böhmen 
I. Bd., Sect. IL, pag. 45 If.). In d i e s e r N e u e i n t h e i 1 u n g w e r d e n 
die Is erschi eilten zum erstenmale genannt und als ein 
selbstständiges, zwischen den Malnitzer und den Tep- 
litzer Schichten gelegenes^) Glied der böhm. Kreide- 
formation a u f g e f a s s t. K r e j c i begründet in dem citirten I . Ban de 
des Archives (pag. 48 — 41)j diese Auffassung vom geologischen und 
orographischen ^) Standpunkte, die palaeontologische Begründung hat 
sich F ritsch für später vorbehalten. 

1867. Schon Gümbel bezweifelt in seiner Arbeit „Skizze der 
Gliederung der oberen Schichten derKreideformation (Pläner) in Böhmen" 
(Neues Jahrb. f. Min., Jahrg. 18G7, pag. 795 ft'.) die Selbstständig- 
keit der Iserschichten. Er erklärt die „mächtige reine Sandstein- 
bildung im Thale des Wrutitzer Baches zwischen Elbe und Iser", 
die von den Prager Geologen zu dem sogen, Isersandstein gerechnet 
wird, für „nur eine rein sandige Facies der Libocher Schichten". 
„Man könnte sie" — sagt Gümbel — „als Sandsteinfacies der Libocher 
Schichten noch insbesondere durch die Bezeichnung Kranzecker 
Sandstein hervorheben" (1. c, pag. 801). Auf einer anderen Stelle 
derselben Arbeit (pag. 805— 8()G) bespricht Gümbel die Callianassen- 
Schichten der heutigen Iserstufe bei Wehlowitz, sowie auch die Iser- 
schichten in dem eigentlichen Isergebiete bei Turnau und Jung-Bunzlau, 
nennt einen Theil der Iserschichten (das hauptsächlichste petrefacten- 
führende Niveau) „glauconitische Gesteinsbank", die „als eine obere 
Abtheilung des Ilundorfer Schichtencomplexes (^ heutige Teplitzer 
Schichten) aufzufassen" ist, v/elchem „sich auch die bekannten ver- 
steinerungsreichen Kreibitzer Schichten unmittelbar anschliessen" •'^). 

1868. In seiner weiteren Arbeit „Beiträge zur Kenntnis der 
Procaen- oder Kreide-Formation im nordwestlichen Böhmen etc." 
(Abb. d. mathem.-physik. Classe d. kön. bayer. Akad. d. Wissensch., 
X. Bd., IL Abth., pag. 503 tf, München 1868) theilt Gümbel die Iser- 
stufe der böhm. Geologen in zwei Abtheilungen, von denen er die 
untere (Sandsteine) als Facies der Libocher Schichten, die obere 
(kalkig-sandige) als Facies der vereinigten Malnitzer, Teplitzer und 
Callianassen-Schichten erklärt (pag. 538). 



Reichsanst. 18G3, XIII. Bd., 3. Heft, pag 451 ff.) vou C. M. Paul wäre zu er- 
wähnen. Die Iserschiehten in Ostböhmen werden daselbst sehr eingehend be 
sprechen, von dem oberen Quadermergel Geinitz's abgetrennt und ins Liegende 
der Plänermergel versetzt (1. c. pag. 454 — 456, auch pag. 458). 

') Im I. Bande des Archives. In dem früher erschienenen Jahresberichte 
dagegen waren dieselben (ieologen noch der Ansicht, dass die Teplitzer Öchichten 
älter sind als die Iserschichten (vergl. Jahrl). d. k. k. geol. Keichsanst. 1S68, 
XVIII. Bd., pag. 147). 

-) „Was aber die Ausscheidung der Iserschichten unter einem besonderen 
Namen besonder.^ rechtfertigt, ist ihre orographische Bedeutung etc." (1. c. pag. 49). 

») Vergl. auch Jahrb. d. k. k. geol. Keichsanst 1868, XVIII. Bd., pag. 147. 
Jahrbuch d. k. k. geol. Ueichsanstalt, 1895, 45. Band, 1. Heft. (J. J. Jahn.) 24 



186 3. J. Jahn. [G2] 

1868 folgen die wiolitigen Arbeiten Schlo enbacli's im Jahrb. 
und in den Verhandl. d. k. k. geol. Reichsanst. über die Gliederung 
der bölini. Kreide, in denen die Altersfrage der Iserscliicliten wieder- 
holt besprochen wird. 

Ich erachte besonders zwei von diesen Aeusserungen Seh loen- 
bach's für wichtig. Die eine befindet sich in seiner bekannten 
Arbeit „Die Brachiopoden der böhmischen Kreide" (Jahrb. 1868, 
pag. 139 tf.). Schloenbach hält nach dieser Aeusserung die 
Iserschichten nun für „eine veränderte Facies der Zone des Scaphifcs 
Geinitzi ( Tejjlitzer Schichten) und l)etont, „auch dürfte es etwas 
unwahrscheinlich sein, dass Tlänerkalk (- Teplitzer Schichten) und 
Isersandstein, wenn sie wirklich zwei, dem Alter nach verschiedene 
Formationsglieder darstellen, bei ihrer grossen Verbreitung nicht 
irgendwo in directer Ueberlagerung übereinander zu beobachten sein 
sollten" (pag. 147). 

Die zweite wichtige Aeusserung Schloenbach's in dieser 
Hinsicht finde ich in seiner Arbeit „Die Kreideformation im Iser- 
gebiete in Böhmen" (Verhandl. 18G8, pag. 250 ff.). Nachdem er 
sich überzeugt hat, dass das Hangende der Iserschichten in dem 
von ihm besprochenen Gebiete die Teplitzer Schichten (näml. Thoue 
mit Osfrea siiJcata) sind, sagt er, „so würde sich aus obigem in Betreff 
der Frage nach dem Alter der Isersandsteine als sehr wahrscheinlich 
das Resultat ergeben, dass dieselben älter sind, als die Hundorfer 
Scaphiten-Schichten ( Teplitzer Schichten) und wahrscheinlich der 
oberen Abtheilung des Pläner-Bausandsteines, dem P]xogyren-Sandstein 
und Grünsandstein der (Jegend im Norden der Eger, d. h. also der 
Zone des hiocenntms BrotKjturn-fi ( Malnitzer Schichten) entsprechen" 
(pag. 255 - 25r)). 

Dieselbe Ansicht ül)er die stratigraphische Deutung der Iser- 
schichten äussert Schloenbach auch in seiner späteren Arbeit „Die 
Kreideformation im nördlichen Isergebiete und in der Umgebung von 
Böhmisch-Leii)a, Böhmisch-Kamnitz und Kreibitz". (Verhandl, 18G8, 
pag. 291, oben.) 

In einer späteren Arbeit „Die Kreidebildungen der Umgebungen 
von Teplitz und Lnun im nördl. Böhmen" (Verb. ISIW, pag. 352) be- 
trachtet S chloen b ach den „Obeniuader der sächsisch-böhmischen 
Schweiz" für ein Aequivalent der oberen Abtheilungen der Iser- 
schichten und sagt, dass dieser Oberquader von Scaphiten- und Bacu- 
liten-Schichten (^ Teplitzer und Triesener Schichten) überlagert wird, 
während er als die 15asis desselben Oberquaders „mergelig-kalkige, 
oft sehr glauconitische Schichten" angibt, die er zur Zone des hio- 
reramiis Hroyujniartl und Ämmonifes ]Vool(/ari (^ Malnitzer Schichten) 
rechnet. 

In einer noch sjjätcr i)ublicirten Arbeit desselben Autors „Vor- 
lage der nach den Aufnahmsarbeiten der IV. Section im Sommer 
18G8 revidirten Detailkarte des böhmischen Kreidegebietes" (Verhandl. 
18G9, Nr. 7, pag. 143) finden wir schliesslich folgende Aeusserung 
Schloenbach's über die Iserschichten: „Mittel-Quader und Mittel- 
Pläner umfasst die Reihe der sandig-kalkigen Schichten des Weissen 
Berges bei Prag (= Weissenberger Schichten), die Pläner-, Exogyren- 



» 



[03] Einige Beiträge zur Kenntniss der hölimischen Kreideformation. 187 

und Griinsandsteine (-- Malnitzer Schiclitoii) und die kalkig-sandigen 
Iserscliichtcii, welche letzteren der Vortragende als eine namentlich 
im mittleren Theile des Gebietes zu ausserordentlicher P]ntwickelung 
gelungene Ausbildungsform der oberen SchichtengTui)pe dieses im 
Westen weniger mächtig auftretenden Complexes betrachtet" (1. c, 
pag. 143—144). 

1876. Auch Schlüter äussert sich über die Altersfrage der 
Iserschichten in seiner Arbeit „Verbreitung der Cephalopoden in der 
oberen Kreide Norddeutschlands" (v^eitschr. d. deutsch, geolog. Ge- 
sellsch., XXVIII. Bd., 187(1). Er citirt die Aeusserung S c h 1 o e n b a c h's, 
die Iserschichten entsprächen den Malnitzer Schichten, und sagt: 
„Wenn man nun erwägt, dass die hauptsächlichsten aus den Iser- 
schichten angeführten Arten folgende sind: CaUianassa antiqua, Ser- 
pula filiformis, Lima canalifeva, Peden quadricosfafus, Plioladomi/a 
caudata, Tric/onia cf. Unihata, Panopaea (jurf/ifis, E.vogijra hifendis, Exo- 
gyra coJumba, Ostrea sidcata, Cassididns lapis cancri, d. h. Formen, 
welche in Norddeutschland mit Ausnahme zweier Austern nicht in 
turonen, sondern nur in senonen Schichten bekannt sind, so kann 
man sich eines Zweifels gegen die Richtigkeit dieser Altersbestim- 
mung (nämlich S c h 1 o e n b a c h's) nicht erwehren und muss es be- 
dauern, dass der Autor diese Beziehungen zu den ihm wohlbekannten 
norddeutschen Verhältnissen nicht mehr mit in den Kreis der Erör- 
terung hat ziehen können" (1. c. pag. 492 — 493, Bemerkung). 

1877. Krejci in seiner „Geologie" (Prag, 1877, böhmisch) hält 
die Iserschichten für eine selbstständige, über den Malnitzer und unter 
den Teplitzer Schichten liegende Stufe der böhm. Kreideformation 
und zählt sie zum Turon. Er sagt: „Die Selbstständigkeit der Iser- 
schichten in stratigrapliischer Hinsicht ist namentlich an den Rändern 
dieser Stufe bei Liboch und auf dem Schneeberge nächst Tetschen, 
sowie auch in der sächsischen Schweiz sehr deutlich, da der Unter- 
schied zwischen den unteren Plänerschichten und dem mächtigen 
Isersandsteine sehr autfallend ist. In palaeontologischer Hinsicht ist 
diese Selbstständigkeit weniger ausgesprochen, da sich hier zum grös- 
seren Theile dieselben Versteinerungen wie in der VVeissenberger und 
JMalnitzer Stufe vorfinden ; allein das Verschwinden zweier für jene 
Stufen bezeichnenden Fossilien, nändich Ammonites Woolgari und 
Lima eJorifjafa, dann das häufige Erscheinen der Trigonien und der 
knotigen Pholadomyen und von Krebsen der Gattung CaUianassa deutet 
doch schon den besonderen palaeontologischen Charakter dieser Stufe 
an" (1. c. pag. 750). 

1878. Fritsch sagt in der deutschen Ausgabe der „Weissen- 
berger und INIalnitzer Schichten" : „Ob die Iserschichten nicht ein 
Aequivalent der tieferen Lage der Teplitzer Schichten sind, welche 
durch die riesigen Ammonites peramplns bezeichnet sind, das sollen 
erst künftige Untersuchungen feststellen; dass aber die Malnitzer 
Schiebten in vielen Fällen von den Quadersandsteinen der Iserschichten 
überdeckt werden, ist sichergestellt" (pag. 23). 

1880. In der zwei Jahre später erschienenen böhmischen Aus- 
gabe derselben Schrift sagt aber Fritsch: „Bei Verfassung der 
deutschen Ausgabe dieser Arbeit war ich noch im Zweifel, ob vielleicht 

24* 



188 J- J- Jahn. [64J 

die Iserschiditeii iiiclit irgend einem unteren Tbeile der Teplitzer 
Schichten entsprechen. Allein seit der Zeit setzte ich meine Forschungen 
fort und überzeugte mich, dass die Iserschichten ein ganz selbst- 
ständiges, bezüglich der Fossilien genau begrenztes Glied der böhm. 
Kreideformation bilden" (pag. 2o). Ferner sagt F ritsch betreffs des 
Verhältnisses der Iserschichten zu den Malnitzer Schichten: „Wenn 
wir die Art der Lagerung der Malnitzer Schichten nochmals in Er- 
wägung ziehen, so linden wir, dass an vielen Localitäten (wo die 
Iserschichten nicht entwickelt sind), auf sie direct die Teplitzer 
Schichten folgen, woraus sich schliessen Hesse, dass vielleicht die 
Malnitzer Schichten blos ein Aequivalent der Iserschichten sind. 
Allein von der Unrichtigkeit dieser Vermuthung überzeugen wir uns 
an den Orten, wo die Iserschichten mächtig entwickelt sind ; denn 
dort scheiden sie ganz deutlich die Malnitzer Schichten von den 
echten Teplitzer Schichten mit Terebratiila snhrotunda und mit den 
Seeigeln der Gattungen Änanclujtes und Mlcrdster^^ (P'T^g- ^^ der böhm. 
Ausgabe). 

1880. K r e j c i spricht in den gemeinsam mit H e 1 m h a c k e r 
publicirten „Erläuterungen zur geologischen Karte der Umgebungen 
von Prag" (Archiv f. Landesdurchf. IV. Bd., Nr. 2, geolog. Abth.) 
die Iserschichten als ein selbstständiges Glied der böhm. Kreide an 
(pag. 135) und rechnet sie zum Oberturon. „Der Uebergang der 
Pläner der Malnitzer Stufe in die Isersandsteine ist ein allmäliger. 
Die Mächtigkeit dieser zwischen der Malnitzer und Teplitzer Stufe 
entwickelten Sandsteinbänke beträgt bis etwas über 80 Meter" (1. c. 
pag. 150). 

1881. Slavik beschäftigt sich in seiner Arbeit „Ueber die 
Gliederung der Kreideformation in der böhmisch-sächsischen Sclnveiz 
(Sitzungsber. d. königl. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. in Prag, 1881, 
pag. 345) ebenfalls mit der Altersfrage der Iserschichten. Er bespricht 
den „Ober(iuader" Sachsens in dem Gebiete der böhmisch-sächsischen 
Schweiz. Bekanntlich wurde dieser „Oberquader" von Krejei und 
Fritsch für identisch mit dem Isersandsteine angesehen, was auch 
Slavfk bestätigt (1. c. pag. 347). Slavi'k constatirte, dass „beider- 
seits mächtige Schichten von Quadersandstein (in Sachsen der „Ober- 
quader", in Böhmen der „Isersandstein") von Baculitenmergeln bedeckt 
werden" (1. c. pag. 34(3). „Es blieb aber fortwährend noch der Wider- 
spruch zu lösen, nach welchem die Isersandsteine in Böhmen einen 
Horizont unter den Teplitzer Schichten einnehmen sollten, während 
der „Obercjuader" in Sachsen über dem Plänerkalke von Strehlen, 
mithin über den Teplitzer Schichten lagern sollte." Für Slavik 
blieb es „über jeden Zweifel erhaben, dass der „Oberquader" in 
Sachsen und auch die höhere Terrasse am hohen Schneeberge in 
Böhmen über Plänerkalk (Teplitzer Schichten) liegen" (1. c. pag. 347). 
Weiter unten sagt Slavik: „Es liegt also die Ansicht sehr nahe, 
dass der sächsische „Ober(iuader" und der „Isersandstein" in Nord- 
böhmen nur eine sandige Facies der Strehlener (Teplitzer) Schichten 
darstellen" (l. c. pag. 348). 

Slavik hat leider zur Unterstützung seiner Erörterungen weder 
Protile noch Petrefactenverzeichnisse beigebracht, aus denen man 



[65] Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmischon Kreideformation. 189 

sich überzeugen küiuite, dass die bczügliclien Teplitzer, Iser- und 
Priesenei' Scliichten von ihm rielitig gedeutet worden sind. 

1882. Krejcf in den genieinsoiuiitlich mit Helm hack er 
publicirten „Kriäuterungen zur geologisclieii Karte des Eisengebirges" 
(Archiv f. Landesdurclif. v. I)ühmen, V. Bd., Nr. l, geol. Abth ) liält 
die Iserschichten für eine selbstständige Stufe der böhm. Kreide- 
formation. Er bezeichnet sie hier als Mittelturon (pag. 7(), 82 ff.), 
wahrend er die hangenden Teplitzer Schichten zum Oberturon rechnet. 

1883 ist die Eritsch'sche Monographie der Iserschichten 
erschienen (Archiv f. liandesdurchf* v. Böhmen, V. Bd., Nr. 2, geol. 
Abth.). E ritsch wiederholt zuerst die Krejci'sche orographische 
Begründung der Selbstständigkeit der Iserschichten, erwähnt kurz die 
„veralteten, hier und da gemachten Aeusserungen über die Iser- 
schichten", nennt sie Behaui)tungen, „an deren Vertheidigung wohl 
heutzutage niemand denken wird" und sagt ferner: „Die palaeonto- 
logische Begründung der Selbstständigkeit der Iserschichten blieb mir 
vorbehalten und icli wurde in der Lösung der Aufgabe sehr ausgiebig 
durch die Bearbeitung der Echinodermen von Dr. Ottom. Noväk 
unterstützt, deren Ergebnisse die Selbstständigkeit der Iserschichten 
glänzend bestätigen." Diese Selbstständigkeit wird von Eritsch mit 
folgenden Worten begründet: „Die Iserschichten sind kalkige und 
sandige Ablagerungen, welche den Malnitzer Schichten mit 
A m m n i t e s Wo olg a r i a u f g e 1 a g e r t s i n d " und durch eine 
Reihe von Eossilien charakterisirt sind, die Eritsch anführt. Sie 
„werden von den Teplitzer Schichten mit Terehvatula 
subrotunda (= semigJ ohosa) und Mi c rast er breviporus 
'überlagert." „Ihnen fehlt Amnionites W'oolgari und sie besitzen noch 
nicht den Amman. (l'Orb/fjnyarnis und Cardium Ottonls.^'- „Zu den 
Eigenthümlichkeiten der Iserschichten gehört auch das Fehlen der 
Exogi/ra colnmba'^ (l. c. pag. 23). Dies wären die hauptsächlichsten 
von den palaeontologischen Gründen für die Selbstständigkeit der 
Iserschichten, wie sie Eritsch anführt. 

1887. Laube und Bruder geben in ihrer Arbeit „Ammoniten 
der böhmischen Kreide" (Palaeontographica XX\III. Bd., Stuttgart 
1887) eine Tabelle der Gliederung der böhmischen Kreide. Die Iser- 
schichten werden darin als ein selbstständiges Glied der böhmischen 
Kreide aufgefasst, „senoner Quader" genannt und als dem „Turoner 
Grünsand" (== Malnitzer Schichten) aufgelagert und vom „senonen 
Planer" (= Teplitzer Schichten) überlagert angeführt" (1. c. pag. 219). 

1889, Krejcl hat in seinen aus dem von mir anderenorts bereits 
besprochenen') Manuscrii)te einer Geologie von Böhmen, Mähren und 
Schlesien gehaltenen Vorträgen an der böhm. Universität in Prag 
Ansichten über die Iserschichten geäussert, die er meines Wissens 
nirgends publicirt hat (und nach seinem Tode ist dieses Manuscript 
spurlos verschwunden), die aber wohl verdienen, dass ich sie hier 
anführe. 



') Jahrbuch 1892, Bd. 42., Heft 3., pag. 410; Verband]. 1893, Nr. 16, pag. 
374-375. 



190 J- J- Jahn. [66] 

Ich bemerke, dass die nachstehende rieprodiiction der Ansichten 
Krejcf's über die Iserschichten meiner Naclischrift jener Vorlesungen 
sowie auch den mir vorliegenden, von zwei meiner damaligen Collegen 
herriilirenden Nachschriften entnommen ist. 

Krejci bespricht zuerst die Teplitzer Schichten und erwähnt, 
dass dieselben eher zum Senon als zum Turon gehören, obzwar sie 
aucli turone Formen führen. Sie haben petrographisch den Habitus 
der AVeissenberger Schichten und man sollte sie eher Strehlener oder 
Königsteiner Schichten nennen. Einige Brachiopoden, einige Lima, 
ferner Ostrea sulcafa, ScapJiites 6rem/to' (sehr bezeichnend!) und einige 
Foraminiferen sind charakteristische Fossilien für diese Stufe. Das 
was man früher im Hangenden der Iserstufe „Teplitzer Scliichten" 
genannt hat, sind härtere und festere Pläner der Priesener Stufe. 
Nach der heutigen Auifassung des Vortragenden im Hinblicke auf die 
Lagerungs-Verhältnisse in der böhmisch-sächsischen Schweiz sind die 
Teplitzer Schichten älter als die Iserschichten. 

Krejci hat uns diese seine Anschauungen über das Verhältnis 
der Teplitzer Schichten zu den Iserschichten au einigen Beispielen 
auseinandergesetzt : Bei Teplitz sollen nach ihm zu unterst auf dem 
Porphyr die Korytzaner Schichten liegen, darüber folgen kaum erkenn- 
bare Weissenberger Schichten und zu oberst die Teplitzer Schichten. 
Bei Leitmeritz und Lobositz soll dieselbe Schichtenfolge in der Kreide- 
formation sein (z, B. bei Velemln am Granatenbache u. a. a. 0.). 
Ferner hat uns Krejcf das Profil durch die beiden Elbeufer bei 
Liboch (Libechov) gezeichnet: unten Korytzaner Sandstein, darüber 
Weissenberger Pläner, Malnitzer Plan er, Teplitzer Pläner und oben 
Isersandstein. Weiter das Profil vom Erzgebirge über den hohen 
Schneeberg und Königstein nach Strehlen: Zu unterst aiif dem Gneisse 
des Erzgebirges Korytzaner Schichten, dann Weissenberger und Mal- 
nitzer Schichten, worauf die „unzweifelhaften" Teplitzer Schichten 
folgen, auf denen sich die aus Iserschichten bestehenden zwei Berge 
Schneeberg und Königstein emporheben (vergl. die analogen Profile 
in der „Geologie" von Krejci, pag. 782, Fig. 658 und Archiv f. Lan- 
desdurchf. I. Bd., pag. 1)8, Fig. 30). Das dritte Profil, welches uns 
Krejci zur Illustration' seiner Anschauungen über das Verhältnis der 
Teplitzer Schichten zu den Iserschichten gezeichnet hat, ist von Prag 
über Prosi'k bis zur Elbe in der Melniker Gegend geführt (Azoisches, 
Silur, Perutzer, Korytzaner, Weissenberger Schichten, oben (juater- 
näre Bildungen). Von der Elbe geht das Profil über das Bunzlauer 
Plateau. Iserthal, Liebenau (Hodkovice) nach N bis zum südl. Abhänge 
des Jeschkenberges — also dasselbe Profil, welches in seiner Geologie 
auf pag. 783, Fig. ü59 dargestelt ist. Allein in seinen Vorlesungen 
hat Krejcf sowohl im Bunzlauer Plateau als auch jenseits des Iser- 
fiusses bis zum südl. Fusse des Jeschkenberges überall unter den 
Iserschichten und über den Weissenberger Schichten („o" in seinem 
betrefi'enden Profile in der „Geologie") die „unzweifelhaften" 
Teplitzer Schichten eingezeichnet und erklärt, die grauen Pläner im 
Hangenden der Iserstufe, die früheren „Teplitzer Pläner" („t" an drei 
Stellen in seinem betrefi'enden Profile in der „Geologie") seien Prie- 
sener Schichten (festere, härtere Lagen dieser Stufe). 



[671 Einige Beitriigo znv Kenntiiiss der böhmischen Kroidoformation. 191 

Erst nach den Teplitzer Scliicliteii n.'ilini Krejcl die Besprechung' 
der Iserschicliten vor, die er aucli damals für eine se Ibs tstäii d i ge 
Stufe der böhm. Kreideforniation hielt und mit dem sächsischen „()l)er- 
quader" identiticirte. Die Iserschichten werden direct von den 
Priesener Schichten überlagert, die Teplitzer Schichten existiren im 
Hangenden der Iserstufe nicht. 

Krejcf hat uns dann bei der Besprechung der Iserschichten, 
der Priesener und Chlomeker Schichten, sowie auch der Tektonik 
der böhm. Kreide viele Protile gezeichnet (zumeist dieselben, die 
er bereits früher in seinen verschiedenen Arbeiten i)ublicirt hat), in 
denen er überall consequent die Teplitzer Schichten unter den 
Iserschichten situirt hat (u. a. auch bei Leitomischl und Böhm.- 
Trübau). 

1889. F ritsch führt auch in seiner Monographie der Teplitzer 
Schichten (Archiv f. Landesdurchf. v. Böhmen, VII. Bd., Nr. '2) die 
Iserschichten, das Liegende der Teplitzer Schichten, als ein selbst- 
ständiges Glied der böhm. Kreideformation an und hebt besonders 
den fauuistischen Unterschied zwischen diesen beiden Schichtenstufen 
hervor (z. B. pag. 6 — 7 u. a.) 

1891. Auch in den Erläuterungen zu der VI. Section der geo- 
logischen Karte von Böhmen (Archiv f. Landesdurchf. v. Böhmen, 
VII. Bd., Nr. 6) bezeichnet Fritsch die Iserschichten als ein selbst- 
ständiges Glied der böhm. Kreide, welches aber — wie er betont — 
in den benachbarten Ländern unbekannt ist (pag. 7). 

1891. Die Altersfrage der Iserschichten bespricht ferner Slav ik 
in seiner Arbeit „Die Schichten des hercynischen Procaen- oder Kreide- 
gebietes, ihre Deutung und Vergleichung mit anderen Kreidegebieten" 
(Sitzungsber. d. kön. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. in Prag, 1891, 
pag. 199 ff.). 

Slavfk erwähnt zuerst die verschiedenen bisher ausgespro- 
chenen Ansichten über die Stellung der Iserschichten. Er kritisirt 
ferner einige Profile in der Fri tsch'scheu Monographie der Iser- 
schichten (die er aber selbst — wie aus seinen Worten hervorgeht 
— an Ort und Stelle nicht gesehen hat!) und meint, dass Fritsch 
„zu einem Beweise von solcher Tragweite, wie es die Ueberlagerung 
der Iserschichten von den Teplitzer Schichten ist, sicher begrün- 
dete Thatsachen beizubringen schuldig ist" (pag. 222). Slavik betont 
nämlich mit Recht, dass „von den angeführten drei Petrefacten 
(durch deren Funde in Ostböhmen nach F r i t s c h daselbst die 
Existenz der Teplitzer Schichten nachgewiesen sein soll) sind 
JlaploplD-oginmm irrcj/nlare und (hfrea ^pmi)>lana (^= ÖAlrea, i^iilcata bei 
Schloenbach) ebenfalls häufig in den Priesener Schichten und 
können daher nicht als Leitfossilien für die Teplitzer Schichten ange- 
sehen werden. Tcrchrafula fieini(jloho>ia ist wohl ein Petrefact, das bis- 
her nur in den Schichten der Teplitzer Stufe gefunden wurde, ob 
sich das aber auf die Dauer bestätigen wird, ist noch eine offene 
Frage." Slavik citirt die Aeusserung Sc h lo e n b ach's über das 
Vorkommen der Tcirhratnhi. in den Priesener Schichten und gelangt 
zum Schlüsse : „Es ist daher noch lange nicht beAviesen, dass die 



192 J- J Jal'"- [08] 

Art (nämlich Terebratula semiglohosa) nur auf die Teplitzer Schichten 
beschränkt ist" (i)ag. 222). 

Slavlk versuchtes ferner nachzuweisen, dass die Iserschichten 
nicht als ein Aequivalent der Malnitzer Stufe angesehen werden 
dürfen (S c h 1 o e n b a c h). Durch den Vergleich der böhmischen 
Kreideschichten mit den analogen Schichten in Sachsen, namentlich 
aber in Baiern, kommt Slavik zum Schlüsse, dass die Trigonia- 
und Bryozoenschichten (die obersten zwei Horizonte der Iserstufe) 
entschieden jünger sind als die Teplitzer Schichten. „Ob man 
aber deswegen die Iserschichten als eine selbstständige, über den 
Teplitzer und unter den Priesener Schichten gelagerte Stufe auf- 
fassen soll, ist eine andere Frage". „Die unteren Lagen der Iser- 
schichten, namentlich die Bischitzer Uebergangsschichten, die beiden 
Kokoi'iner Quader und ihre Zwischenpläner müssen aus stratigraphi- 
schen wie i»alaeontologischen Gründen als eine sandige Facies der 
Teplitzer Schichten erklärt werden" (pag 221). „Dass in den Iser- 
sandsteinen viele der gewöhnlichen Petrefacten des Hundorfer Kalkes 
fehlen, lässt sich leicht durch die verschiedene petrographische Facies 
erklären, da es ja bekannt ist, wie enorm eine Fauna unter verän- 
derten Ablagerungsverhältnissen modificirt werden kann" (pag. 228). 

Allerdings muss hervorgehoben werden, dass Slavi'k keine 
eigenen T e r r a i n b e o b a c h t u n g e n in dieser Richtung anführt, 
durch welche seine Erörterungen unterstützt wären. Seine Deductionen 
geschehen blos compilatorisch auf Grund von verschiedenen in der 
Literatur verzeichneten Daten, vor Allem durch Vergleich der be- 
treffenden Angaben in den Frits c h'schen „Studien im Gebiete der 
böhmischen Kreideformation" mit den analogen Angaben in den 
Arbeiten über die sächsische und baierische Kreide, wobei es Slavik 
aber unterlassen hat, sich aus Autopsie im Terrain zu überzeugen, 
ob alle diese Beobachtungen' Frits ch's wirklich den Verhältnissen 
in der Natur entsprechen und ob die Fossilienbestimmungen Frits ch's, 
die Slavik zu seinen Deductionen in grossem Maasse benützt, wirk- 
lich richtig sind. 

189L Holzapfel schliesst sein Referat über die Fritsch'sche 
Monograidiie der Teplitzer Schichten im Neuen Jahrbuch f. Miner. etc. 
(Jahrg. 1891, 1. Bd ) mit folgenden Worten: „Nach den Vorstellungen von 
Fritsch erscheint es fast, als ob die Teplitzer Schichten, wenigstens 
theilweise, ein als Pläner ausgebildetes Ae(iuivalent (Tiefseefacies) 
der vorwiegend sandigen Iserschichten seien (cf. das oben über die 
verschiedene Entwickelung im westlichen und östlichen Böhmen Ge- 
sagte) (pag. 803). 

1892. K atz er bespricht in seiner „Geologie von Böhmen" 
ebenfalls die in Rede stehende Frage. Er erwähnt einige von den 
bisher ausgesi»rochenen verschiedenen Ansichten über die stratigra- 
phische Stellung der Iserschichten und fügt hinzu: „Hieraus ergibt 
sich, wie mir scheinen will, die Lösung der ganzen Streitfrage. Sie 
lautet : D i e S t e 1 1 u n g d e r I s e r s c h i c h t e n ü 1) e r h a u p t i s t d e r- 
zeit noch unbestimmt und wird erst auf Grund neuerlicher 
genauer Untersuchungen festgestellt werden müssen" (pag. 1242). 
K atz er weiss aber schon im Vorhinein, dass nach diesen neuer- 



r()9] Einige Reitiügo zur Konntniss der böliniisclicii Kreideformation. 1*),'5 

liehen genauen Untersucliuiigeii sich lierausstellcn wird, dass „der 
eine Theil derselben (=- der Iserschichfen) in Ostbcihmen in das 
Liegende der Tei)litzer Schichten zum Tnron, der andere mächtigere 
Theil aber entschieden in das Hangende derselben versetzt werden 
nuiss, wenn anders es wirklich durchaus nicht zulässig ist, beide 
Stufen als verschiedene Facies derselben Ablagerung zu betrachten. 
Diese Nothwendigkeit (nämlich der obigen Zweitheilung der Iser- 
schichten) würde allerdings entfallen, wenn sich ergeben würde, dass 
die fraglichen Mei'gelschichten mit 'I'crchrafula i^nn'Kjhhom (d. i, bei 
Leitomischl und Abtsdorf) nicht unbedingt mit den Teplitzer Schichten 
Westböhmens parallelisirt werden müssen, sondern den Priesener 
Schichten angehören können (S 1 av fk). Auch diese liösung der Streit- 
frage ist vielleicht nicht völlig ausgeschlossen" (1. c. i)ag. l.'»2()). 

Katzer zertheilt^ also die Iserschichteu in drei verschiedene 
Theile: 1. Ein Theil derselben überlagert die Tei)litzer Schichten 
— diesen Theil der Iserschichteu sieht K atz er „als selbst- 
ständige Stufe" an. 2. Ein zweiter Theil der Iserschichteu, „be- 
ziehungsweise vertritt" (pag. 1242) die Tei)litzer Schichten — „ver- 
scliiedene Facies derselben Ablagerung", während 3. ein dritter Theil 
der Iserschichteu „in der That die Teplitzer Schichten unter teuft" 
(pag. 1242). 

Welche Horizonte der Iserschichteu aber unter diesen 
verschiedenen drei „Theilen" gemeint werden und was dann mit 
jenem Antheile der Iserschichteu, der „in der That die Teplitzer 
Schichten unterteuit" zu geschehen hat, ob auch dieser Theil „als 
selbstständige Stufe" angesehen werden muss, darüber sagt K atz er 
gar nichts. 

Katzer -hat diese zukünftige, „erst auf Grund neuerlicher 
genauer Untersuchungen" festzustellende Eintheilung der Iserschichteu 
in der Tabelle pag. 1243 als „seine" bereits fertige Neueintheilung 
der böhm. Kreide durchgeführt und den bisherigen Eintheilungen 
anderer Autoren gegenübergestellt. 

1895. Zahälka beschäftigt sich in seinen zahlreichen Arbeiten 
über die Kreideformation in der Umgebung vom Georgsberge (liip) 
bei Raudnitz wiederholt mit der Altersfrage der Iserschichteu. Am 
wichtigsten erscheint mir in dieser Beziehung seine Arbeit „Die 
stratigraphische Bedeutung der Bischitzer Uebergangsschichten" 
(Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst. 1H95, 45. Bd., 1. Heft), wo die 
Schlussresultate seiner jahrelangen, detaillirten Arbeiten in der oben 
genannten Gegend in zwei Uebersichtstabellen (pag. 91, pag. 93) 
dargestellt sind ')• 

Nach diesen Tabellen entsprechen die Fri ts ch'schen Iser- 
schichteu in den Umgebungen von Melnik und Kokorfn den 
Zahälka'schen Zonen VIII und IX in der Umgebung von Raudnitz 
und diese letzteren sind wieder mit den Malnitzer Schichten Fritsch's 



') Durch das Eutgegenkommen meines Freundes, Herrn Prof. Zahälka, 
war ich in der Lage, in sein Manuscnpt von dieser Arbeit Einsicht zu nehmen 
und somit seine im Drucke befindliche Publication für diese meine Arbeit bereits 
benützen zu können. 

Jahrbuch der k. k. geol. Reichsanstalt, 1895, 45. Band, l. Ilelt. (.1. J. Juhn.) 25 



194 J- J- Jahn. [70] 

in den Umgebungen von Laun und Malnitz identisch, oder wenn wir 
in's Detail gehen: 

1. Die Bischitzer Uebergangsschichten sollen nach F ritsch den 
untersten Horizont der Iserstufe vorstellen. Dagegen zeigte Zahalka, 
dass die Frits ch'schen Bischitzer Uebergangsschichten bei Bischitz 
eigentlich zu den Dfinower Knollen ( Weissenberger Schichten) ge- 
hören und dass ferner sämmtliche übrige Bischitzer Uebergangs- 
schichten Frits ch's, die aber nach den Beobachtungen Zahälka's 
mit jenen von Bischitz nicht äquivalent sind, in Wirklichkeit 
verschiedenen anderen Horizonten der böhm. Kreide angehören, dass 
also dieser unterste Horizont der Iserstufe in Wirklichkeit gar nicht 
e X i s t i r t. 

2. Der I. Kokori'ner Quader (der nach F ritsch auf die Bi- 
schitzer Uebergangsschichten folgt) ist in Wirklichkeit äquivalent 
mit den Launer Knollen (der mittlere Horizont der Malnitzer Stufe 
Frits ch's) oder mit Zahälka's Zone VHI. 

3. Der Zwischen])läner (das Hangende des I. Kokoii'ner Quaders) 
und die übrigen darauf noch folgenden Frits ch'schen Horizonte der 
Iserschichten (IL Kokoiüier Quader, Trigonia- und Bryozoenschichten) 
sind in Wirklichkeit äquivalent mit den Avellanenschichten (der oberste 
Horizont der Malnitzer Stufe Frits ch's) oder mit Zahälka's 
Zone IX. 

Zum Schlüsse will ich noch der neueren Arbeiten der s ä c h- 
s i s c h e n A u f n a h m s g e o 1 o g e n („ Erläuterungen zur geologischen 
Specialkarte des Königreiches Sachsen, bearbeitet unter der Leitung 
von H. Credner") gedenken, in denen die Iserschichten und ihre 
sächsischen Aequivalente ebenfalls zur Sprache kommen (namentlich 
die Erläuterungen zu den Sectionen Rosenthal— -Hoher Schneeberg, 
Blatt 103, von F. Schalch, Leipzig 1889; Berggiesshübel, Blatt 1(J2, 
von R. Beck, 1889; Pirna, Blatt 83, von R. Beck, 1892; Kreischa- 
Hänichen, Blatt 82, von R. Beck, 1892; Königstein-Hohnstein, Blatt 
84. von R. Beck, 1893; Dresden, Blatt GO, von R. Beck und J. 
Hazard, 1893 u. a.\ 

Als Analogen der Iserschichten wird der Bron gniarti- Qua- 
d e r (Quader mit Inoceramus Brotigniarf/, Lima cdnalifcra., Vola qiia- 
drico&tata) bezeichnet. Dieser Quader wird von der Stufe der Sca- 
phiten (Mergel, Thone mit Scaphifes Geinitzi und Inoceranins latus 
= ein Theil unserer Tejjlitzer Schichten) überlagert. Das Liegende 
dieses Quaders bildet nach der Anschauung der sächsischen Geologen 
ein anderer Theil unserer Teplitzer Schichten, nämlich der sogen. 
Spi nosuspl an er (Mergel und Pläner mit Spotuh/lns sp/nosus). 

In den Erläuterungen zum Blatte 103 (Section Rosenthal — Hoher 
Schueeberg) werden die sächsischen Kreidestufen in einer Tabelle 
mit den analogen böhmischen Kreidestufen direct verglichen (pag. 
10). Das Mittelturon (Stufe des Inoceramus Brongn/arfi) wird im 
östlichen Sectionsgebiete in zwei Horizonte getheilt: oben 1. Quader 
mit Inoceramus Brongniarfl als entsprechend dem oberen Theile der 
Teplitzer Schichten und den Iserschichten ; unten 2. glaukonitische 
Sandsteine mit IhjnchoneUa hohanica als entsprechend den Malnitzer 
Schichten und dem unteren Theile der Teplitzer Schichten. Im west- 



[711 Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Kreideformation. 195 

liehen Sectioiis^ebiete wird das Mittelturoii in drei Stufen gegliedert: 
unten glaukonitische Sandsteine mit Iiln/nchondla holieinica Malnitzer 
Schichten, darüber glaukonitische Mergel und Plilner mit Spondylus 
splnosus ^-- Teplitzer Schichten, darüber Quader mit friocerainns Bron- 
gnlartl = Isersandstein. Das Hangende von diesem letzteren Quader 
bildet — wie schon gesagt wurde — in anderen Sectionsgebieten der 
Scaphitenpläner =^ Teplitzer Schichten. 

Sonach sind bisher folgende wichtigere Ansichten über die 
stratigraphische Deutung der Iserschichten ausgesprochen worden: 

1867. K r e j c i und F r i t s c h im Jahresberichte : Iserschichten 
selbstständig, über den Teplitzer, unter den Priesener Schichten. 

1807. Krejci und Fritsch im I. Bde. des Archivs: Iserschichten 
selbstständig, über den Malnitzer, unter den Teplitzer Schichten. 

1867. Gümbel: Iserschichten nicht selbstständig, im Wrutitzer 
Thale sind sie Facies der Libocher Schichten, bei Wehlowitz und im 
Isergebiete gehören sie in die obere Abtheilung der Hundorfer 
(= Teplitzer) Schichten. 

1868. Gümbel: Iserschichten nicht selbstständig, bestehen aus 
zwei Abtheilungen : die untere -^ Sandsteinfacies der Libocher Schich- 
ten, die obere (kalkig-sandige) = Facies der Malnitzer, Teplitzer und 
Callianassenschichten. 

1868. Schloenbach: Iserschichten nicht selbstständig, sind 
Facies der Teplitzer Schichten. 

1868. Schloenbach: Iserschichten nicht selbstständig, sind 
Facies der Malnitzer Schichten. 

1877. Krejci: Iserschichten selbstständig, über den Malnitzer, 
unter den Teplitzer Schichten. 

1878. Fritsch: Iserschichten vielleicht Aequivalent der Tep- 
litzer Schichten, liegen aber sicher auf den Malnitzer Schichten. 

1880. Fritsch: Iserschichten selbstständig, über den Malnitzer 
und unter den Teplitzer Schichten, können nicht Aecjuivalent der 
Malnitzer Schichten sein. 

1880. Krejci: Wie vorigesmal. 

1881. Slavik: Iserschichten nicht selbstständig, sind Facies der 
Strehlener (^ Teplitzer) Schichten, liegen über den Teplitzer, unter 
den Priesener Schichten. 

1882. Krejci: Wie vorigesmal. 

1883. Fritsch (und Noväk) in der Monographie der 
Iserschichten: Die Iserschichten selbstständig, über den Malnitzer, 
unter den Teplitzer Schichten. 

1887. Laube und Bruder: Iserschichten selbstständig, über 
den Malnitzer, unter den Teplitzer Schichten. 

1887. Krejci: Iserschichten selbstständig, über den Teplitzer, 
unter den Priesener Schichten. 

1889. Fritsch: Wie vorigesmal. 

1891 . F r i ts c h : Wie vorigesmal. 

1891. Slavik: Bischitzer Uebergangsschichten, beide Kokoriner 
Quader und Zwischenpläner sind Facies der Teplitzer Schichten, 

25* 



196 J- J- J'ili»- [72] 

Trigonia- und IJryüzoenscliicliteu liegen über den Teplitzer Schichten, 
unbestimmt ob als eine selbstständige Stufe. 

1S91. Holzapfel: Teplitzer Schichten (wenigstens theilweise) 
eine Tiefseefacies der vorwiegend sandigen Iserschichten, diese letz- 
teren also nicht selbstständig. 

1892. K atz er: Ein Theil der Iserschichten unter den Teplitzer 
Schichten, ein anderer Theil Facies der Teplitzer Schichten, ein dritter 
Theil über den Teplitzer Schichten als selbstständige Stufe. 

1889 — 1893. S ä c h s i s c li e A u f n a h m s g e o 1 o g e n : Iserschich- 
ten gleichen dem Brongniartiquader, der sowohl im Liegenden als 
auch im Hangenden Aeciuivalente von unseren Teplitzer Schichten hat. 

1895. Zahälka: Iserschichten nicht selbstständig : 1 Bischitzer 
IJebergangsschichten gehören zu verschiedenen anderen Horizonten 
der böhm. Kreide; 2. I. Kokoriner Quader = Launer Knollen (Mal- 
nitzer Schichten) ; 3. Zwischenpläner, II. Kokoi'iner Quader. Trigonia- 
und Bryozoenschichten = Avellanenschichten (Malnitzer Schichten). 

Die im vorangehenden vorgeführten Proben von einigen der 
bisher ausgesprochenen Ansichten über die Altersfrage der sogen. 
Iserschichten zeigen gewiss deutlich genug, dass diese Frage auch 
nach der palaeontologischen Begründung der Selbstständigkeit der 
Iserschichten von F ritsch durchaus nicht als definitiv gelöst be- 
trachtet wird. Dabei muss ich bemerken, dass ich in dem Voran- 
gehenden gar nicht sämm fliehe bisher ausgesprochene Ansichten 
über die stratigraphische Deutung der Iserschichten verzeichnet habe, 
sondern nur diejenigen, die mir in Bezug auf meine weiter folgenden 
Erörterungen interessanter oder wichtiger erschienen. 

Wenn wir diese bisher geäusserten Ansichten über die Alters- 
frage der Iserschichten überblicken, so können wir wahrnehmen, dass 
besonders die urprünglich von Gümbel angedeutete, von Schi oen- 
b a c h sodann präcis ausgesprochene Vermuthung, die Iserschichten 
seien blos eine Facies der Teplitzer Schichten, wieder- 
holt aufgegriffen und vertheidigt wurde. 

Selbst Fritsch neigte sich noch in der deutschen xVusgaben der 
„Weissenberger und Malnitzer Schichten" zu dieser Ansicht „Da die Tep- 
litzer Schichten nicht überall gut entwickelt anzutreffen sind und wo sie 
gut entwickelt sind, wieder die Iserschichten nicht typisch auftreten, 
so kamen wir auf den Gedanken, dass sich beide vertreten 
u n d n u r verschiedene Facies einer Abi a g e r u n g r e p r ä- 
sentiren, zu welcher Auffassung man auch von anderen Seiten 
zeitweise geneigt war. Diese Gedanken mussten aber fallen, sobald 
das grosse Material an Fetrefacten gesichtet war und genaue Profile 
an neuen günstigen Aufschlüssen aufgenommen wurden" ') (Iser- 
schichten, pag. o). 



') Andereuorts sagt Fritsch darüber: „Wo die Teplitzer Schichten gut 
entwickelt sind, dort sind gcwöhidich wieder die Iserschichten schwer nachzu- 
weisen. Dies führte natürlich auf den Gedanken, ob die Iserschichten nicht ein 
Ae(]nivalent der Teplitzer Schichten sind und nur als locale Facies von xVblage- 
rungen einer Periode aufzufassen seien. Solche Vermuthnngen konnten aber nur 
damals aufgestellt werden, wo man vom palaeontologischen Charakter der Iser- 



[731 Einige Beiträge zur Kenntiiiss der böhmiachen Kreideformation. 197 

Als uineu der schlagendsten Beweise für die lJnzuliissip;keit 
dieser Annahme und für die Selbstständigkeit der Iserschichten führt 
Fritsch den Umstand an, dass es ihm gelungen sei, an einigen 
Stellen in Ostböhmen i m Hangen d e n d e r 1 s e r s c h i c h t e n die 
T e p 1 i t z e r Schichten zu c o n s t a t i r e n. 

In den letzten zwei Jahren war ich mit den geologischen Auf- 
nahmen des Kreideterrains in Ostböhmen beschäftigt. Mir wurde 
speciell das Blatt Ilohenmauth — Leitomischl zur Kartirung zugewiesen, 
dessen Aufnahme ich im vorigen Jahre bereits beendigt habe. Um 
aber einen Ueberblick auch der ausserhalb der Grenzen meines 
Blattes gelegenen ostböhm. Kreide zu erlangen, unternahm ich über- 
dies im Jahre 1893 zum Theile allein, zum Theile mit dem Chef 
unserer Section, Herrn Oberbergrath Dr. E. Tietze, wiederholt 
Touren in die Umgebungen von Wildenschwert, Böhm.-Trübau, Lands- 
kron und Abtsdorf, wo ich mir die diesbezüglichen Frits ch'schen 
Profile in der Natur angesehen habe. 

Da nun eben das von mir begangene und aufgenommene Terrain 
zu Gegenden gehört, von denen Fritsch sagt: „Wo die Teplitzer 
Schichten gut entwickelt sind, dort sind gewöhnlich wieder die Iser- 
schichten schwer nachzuweisen" und umgekehrt, da ferner gerade in 
dasselbe Terrain die Stellen fallen, wo Fritsch im Hangenden der 
Iserschichten die Teplitzer Schichten nachgewiesen zu haben glaubt, 
erachte ich es für angezeigt, die in dieser Hinsicht von mir im Terrain 
gemachten Erfahrungen im Folgenden mitzutheilen und dadurch einiger- 
massen zur Lösung der schwierigen Altersfrage der Iserschichten 
beizutragen. 

In meinem Aufnahmsterrain muss man in Betreff der Iser- und 
der Teplitzer Schichten zwei ganz scharf getrennte Gebiete unter- 
scheiden. Als natürliche Trennungslinie zwischen diesen zwei Gebieten 
erweist sich die hohe, scharf ausgeprägte, in ganz Ostböhmen weit 
sichtbare Terrainterrasse, welche das VVratzlau— Lauterbacher Plateau 
(siehe meinen Reisebericht, Verhandl. 1893, Nr. 12) nach W und 
SW begrenzt. Diese Terrasse zieht sich von Janowicek bei Zamrsk 
nach Süden oberhalb der Dörfer Stradouii, Winar, Mravin, Schtenetz, 
Srbetz, Domanitz etc. und weiter nach SO über Neuschloss gegen 
Policka zu. 

2. Die Verbreitung der Iserschichten in Ostböhmen. 

<i) In dem Gebiete östlich von dieser Terrasse sind 
die Iserschichten sehr gut und verhältnismässig sehr mächtig und 
charakteristisch entwickelt. 

Es ist dies das sogen. „Adlergebiet" der Iserschichten bei 
Fritsch; „nördlich reicht es bis Koldin, westlich ist es durch die 
Linie Wratzlau, Neuschloss, Desna begrenzt, südlich reicht es über 
Leitomischl bis Lesnik und östlich bei Triebitz nach Mähren hin" 
(Iserschichten, pag. 48). 



schichten noch nichts wusste. (^egeuwilrtig h;it man hinreichende Gründe, ans der 
Fauna auf die Selbstständigkeit der Iserschichten zu schliessen" (Iserschichten, 
pag. 18). 



198 J- J- Jahn. [74] 

Die Isersthichten in diesem Gebiete bestellen entweder aus 
festein, bUiuliclien Kalke, oder aus festem Baupläner, oder aus (zu- 
weilen glauconitischem) Plänersandsteine (nach Krejci's Bezeichnung 
„sandiger Kalkstein") oder stellenweise aus gelbem, weichem sog. 
Mehlstein, oder aus gemeinem Pläner, seltener auch aus bliiulich- 
grauen Mergeln, die an der Luft leicht zerfallen. Quadersandsteine, 
durch welche sich die Iserschichteu weiter nach Westen auszeichnen, 
fehlen in Ostböhmen ganz. 

Zumeist führen diese Schichten viele Fossilien — die Scheeren 
der Callianassa anfiqua sind das weitaus häufigste davon , dar- 
nach werden die Iserschichteu in diesem Adlergebiete schon seit 
Geinitz's und R e u s s' Zeiten gewöhnlich als Cal li anasse n- 
Schichten bezeichnet. Ausser diesem Leitfossil sind die häufigsten 
Versteinerungen in diesen Schichten Lima midtico^fafa Gein., Vola 
quinquecostata IStol., grosse Exogijya (cf. conica IStoL), einige Bryozoen, 
Serpiüa socialis Gold/., Micrasfer Michelhd Ag. und IJemiaster pleheius 
Not\ zuweilen auch liäufige Fucoiden. 

Betreifs der Verbreitung und der Art des Auftretens der Iser- 
schichteu in diesem Adlergebiete verweise ich im übrigen auf die 
Monograjdiie Pyrits ch's, wo die Vorkommen dieser Schichten in 
Ostböhmen eingehend geschildert werden (1. c. itag. 48 — 63, pag. 68 — 75), 
sowie auch auf meinen diesbezüglichen Aufnahmsbericht (Verhandl. 
Nr. 6, 181)5, pag. 165 tf.). 

b) In dem Gebiete westlich von der e r w ä h n t e n 
Terrasse bis in die Umgebungen von Chrudim und Pardiibitz habe 
ich keine Spur der Iserschichteu gefunden. Die diesbezüglichen Ge- 
steine in diesem Gebiete, die sich von den oberwähnten Gesteinen 
der Iserschichteu kaum unterscheiden lassen, gehören insgesammt 
den Weissenberger (und Malnitzer?) Schichten an. Cadianassa anfiqua 
sowie auch die übrigen charakteristischen Fossilien der Iserstufe 
kommen in den Plänerschichten dieses Gebietes nicht vor. Auf die 
unzweifelhafte „untere Plänerstufe" (siehe meinen citirten Aufnahms- 
bericht), die hier sehr gut und sehr mächtig entwickelt ist, folgen 
in diesem Gebiete überall direct die Teplitzer Schichten. 

Ich bemerke, dass auf diese eigenthümliche Verbreitung der 
Iserschichteu in Ostböhmen bereits von Krejcl hingewiesen wurde. 

Schon in seiner Arbeit „Allgemeine und orographische Verhält- 
nisse, sowie Gliederung der böhm. Kreideformation" (Archiv f. Landes- 
durchforschung v. Böhmen, I. Bd., IL Sect. Prag, 1868) erwähnt 
Krejei, dass „in den) weiten flachhügeligen Plänergebiete von Jic(n 
über Bydzow, Königgrätz bis Adler-Kosteletz, Chotzen und Chroustowitz 
so wie in den Thalbuchten von Miletin und Königinhof" die typischen 
Iserschichteu fehlen ') „und erst östlich von Chotzen und Chroustowitz, 
wo das Plänergebiet höher anzusteigen beginnt, trifft man wieder un- 
zweifelhafte Iserschichteu mit ihrem sandig-kalkigen Habitus an, die 



') Krejßi meint, dass in diesen Gegendeu „die Lserschichten durch sandige 
Mergel mit festeren Kalkconcretionen vertreten sind, deren nähere Verhältnisse 
noch genauer untersucht werden müssen" (1. c. pag. 147). Diese sandigen Mergel 
haben sich aber später nach den Arbeiten Fritsch's nicht jUs Vertreter der lser- 
schichten erwiesen. 



[75] Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Kreideformation. 199 

sich dann zu beiden Seiten der stillen Adler über Brandeis, Wilden- 
schwert und Bühni.-Trttbau, sowie zu beiden Seiten des Loucnabaches 
über Hohenniauth, Leitomischl bis Kothenittlil und Greifendorf in 
Mähren (südlich von Zwittau) ausdehnen" (1. c. pag. 147 — 148). 

Aehnlich äussert sich Krejci über diese Verbreitung der Iser- 
schichten in Ostböhmen in seiner gemeinsam mit Helmhacker 
publicirten Arbeit „Erläuterungen zur geologischen Karte des Eisen- 
gebirges und der angrenzenden Gegenden im östlichen Böhmen" 
(Archiv f. Landesdurchf. v. Böhmen, V. Bd., Nr. 1, geol. Abth.). „Den 
Kamm des niedrigen Flachlandes zwischen Chrudim und Luze nimmt 
nur das Unterturon (= Weissenberger Schichten) und theilweise das 
untere Mittelturon (= Malnitzer Schichten) ein; das Mittelturon 
(= Iserschichten) und zum Theil auch das Oberturon (= Teplitzer 
Schichten) bildet aber die Hochfläche von Hohenniauth— Leitomischl, 
die durch ihre steilen Ränder so deutlich und weithin sichtbar sich 
über das angrenzende Flachland hervorhebt" (1. c. pag. 81). 

Wir sehen also, dass die genannte Terrainterrasse in der Strati- 
graphie der ostböhmischen Kreide eine hervorragende Bolle spielt, 
indem sie das ostböhmische Kreideterrain in zwei natürlich und ganz 
scharf begrenzte Gebiete trennt, von denen das ö stl ich ge lege ne 
die sogenannten Iserschichten in mächtiger und typi- 
scher Ausbildung aufweist, während das westlich gele- 
gene keine Spur von diesen Schichten zeigt. 

Aber auch betreffs der T e p 1 i t z e r Schichten erwies sich 
diese Terrainterrasse als eine natürliche Trennungslinie. 

3. Die Verbreitung der Teplitzer Schicliteii in Ostböhnien. 

«) I m Gebiete östlich von d e r J a n o w i c e k — L u z e r 
Terrainterrasse. 

In diesem Gebiete werden die Teplitzer Schichten vor allem 
von Fritsch bei Leitomischl und Abtsdorf angegeben. (Siehe Iser- 
schichten, pag. 3, 18, C)3 und 75; Teplitzer Schichten, pag. 12, 13, 
46 und 51 — 52 ; Erklärungen zu der VI. Section der geologischen 
Karte von Böhmen im Archive f. naturw. Landesdurchf. v. Böhmen, 
VII. Bd., Nr. 6, pag. 7; Priesener Schichten, pag. 6 und 51.) 

Diese Angaben sind für die Frage der Selbstständigkeit der 
Iserschichten insofern von grosser Wichtigkeit, als an diesen Stellen 
die Teplitzer Schichten, falls sie es wirklich wären, sich in directer 
Ueb erlag er ung der Iserschichten beflnden würden, durch 
welchen Umstand die Selbstständigkeit der Iserschichten schon 
einigermassen begründet wäre. 

Um dieser Wichtigkeit Rechnung zu tragen, wollen wir diese 
Fritsch'schen Angaben der Teplitzer Schichten in dem Gebiete 
östl. von der Janowicek-Luzer Terrasse näher in Betracht ziehen. 

Diese Angaben von Teplitzer Schichten beruhen 
einzig und allein auf der T h a t s a c h e, d a s s P r o f . E. B ä r t a 
an einigen Stellen in d e r U m g e g e n d von Leitomischl und 
Dechant V. Bier bei Abtsdorf in einer im unmittelbaren 



200 .T. .T. Jahn. '[70] 

Hangenden der Iserstiife befindlichen schwaclien 
Schichte Ter ehr af ul <i ^cmi (jJ ohosa gefunden haben. 

Diese „schwache Mergelschichte mit sehr seltener Tcrchrdfiiht 
scm'Kjlohom''^ soll also nachFritsch der Vertreter der Teplitzer Stufe 
in dieser Gegend sein — ausser diesem einzigen P'ossiP) werden 
von F ritsch für diese Ansicht sonst gar keine Beweisgründe an- 
geführt. 

Um die Frage zn entscheiden, ob wir es in diesen Fällen wirk- 
lich mit echten Teplitzer Schichten zu thun haben, müssen wir vor 
allem }»rüfen, ob das Vorhandensein von Terchriiinhi i^emifflohom an 
und für sich zur Constatirung der Tei)litzer Schichten hinreicht. 
F ritsch bezeichnet zwar Trrchratnla i^oii'Kjh'ixmi als eine bei uns 
für den Teplitzer Horizont sehr bezeichnende Art (Iserschichten, 
pag. 75), anderenorts als „das typischeste Leitfossil der Teplitzer 
Schichten" (Tejditzer Schichten, pag. 4;')). Dagegen muss ich aber 
hervorheben, dass ich bereits anderenorts -) bewiesen habe, dass 
dieser Brachioi»ode auch in den Priesen er Schichten vor- 
k m m t. Daraus geht hervor, dass IWelyratuJa snniglohosd als kein 
ausschliesslich für die Teplitzer Stufe bezeichnendes Fossil gelten 
kann und dass die blos auf dem Auffinden dieses Brachiopoden beru- 
hende Bestimmung des Vorhandenseins der Teplitzer Schichten sehr 
zweifelhaft ist 

Bei meinen Aufnahmstouren in den vorhergehenden zwei Jahren 
in dieser Gegend habe ich sämmtliche von F ritsch angegebene 
Stellen, wo Tert'hraiuJn seniif/lohosa gefunden worden ist, zumeist in 
freundlicher Begleitung von Herrn Prof. E. Bärta besucht, um mich 
aus eigener Erfahrung von der Existenz der Teplitzer Schichten an 
diesen Stellen zu überzeiigen. Ich habe zwar an keiner einzigen von 
den von Fritsch namhaft gemachten Stellen den genannten Bra- 
chiopoden gefunden (obwohl ich an dessen Vorkommen in der erwähnten 
Schichte nicht zweifle), trotzdem ich an den bezeichneten Fundorten 
ziemlich geraume Zeit auf der Suche war, es gelang mir aber in d er 
in Rede stehenden Schichte (insbesondere bei Nemoitz) Fos- 
silien anzutrerten, die für die Priesener Schichten bezeichnend sind. 

Dagegen habe ich aber in der in Rede stehenden Gegend Tere- 
hrafiild iicnt/j/lohoi^ii au zwei Stellen gefunden, die Fritsch nicht angibt 
und die für die Frage der Existenz der Teplitzer Schichten in dieser 
Gegend sehr wichtig sind. Es sind dies die schon früher erwähnten 
zwei isolirten Vorkommen von Priesener Schichten mitten im eigent- 
lichen Gebiete der Iserschichten: 1. s. Moraschitz bei der cote 371 



') In den „Teplitzer Schiebten", pag. 12 und 13 citirt Fritsch aus dieser 
Morgelschichte in der Meluiker Gegend (siehe auch Prie.sener Schichten 
pug. G) noch Ilaplophragviiini in-egiilnre, welches er aber a. a. O. nicht erwähnt. 
Ich brauche nicht ausl'iiln-iicher zai begründen, duss diese einzige Foraniinifere, 
die ausserdem auch in den Priesener Schichten häufig gefunden wurde, zur Con- 
statirung des Vorhandenseins eines bestimmten Schichtenconiplexes nicht hin- 
reicht. 

^) Annalen d. k. k. natnrh. Hofmus. 1801, Bd. VI., Heft 3 u. 4, pag. 47G, wo ich 
TerehrafiiJn seuiiglnhom aus den Priesener Schichten von Klein -Kahn (siehe auch 
die diesbezügliche Angabe in der vorliegenden Arbeit) und vom Rohatetzer Plateau 
(nach Zahälka) anführe. 



[77] Einige Beiträge zur Keiintniss der bölmiischen Ivreideformation. 201 

(sw. Lnzaii — sww. lieitomischl) und 2. ii. llikowitz (n. 344 — eben- 
falls sww. Leitoniischl). 

Am erstgenannten Orte sind die Priesener Schichten in einer 
Grube (nicht weit im NW von der cöte 371, s. Moraschitz) sehr gut 
aufgeschlossen. Zu unterst sieht man feste Bänke von Pläner, darüber 
folgt eine Mergelschichte, das Hangende bilden wiederum feste Pläner- 
bänke. In der mittleren Schichte (Mergel) fand ich folgende Fossilien: 
Scaphites Frifi^clii Gross., Nucula sctnilunaris p. Buch., Inoceriiynns 
Brongniarti Pari-, und /»Imms v. Münst., Östren Iiippopodium Nilss., 
Terehratula s e m i f/l ohosa Schi., llolasf e r cf. p 1 a c enta Ag. 
— dies alles in einer einzigen Schichte. Hier befindet sich 
also die Terehratnla semigJohosa wie bei Nömcitz, Klein-Kahn bei 
Aussig, am Rohatetzer Plateau bei Raudnitz u. a. 0. in unzweifel- 
haften Priesener Schichten, und zwar in unmittelbarer Nähe 
von denjenigen Stellen, wo sie Fritsch angibt und wo er aus 
ihrem Vorkommen auf das Vorhandensein der Teplitzer Schichten 
schliesst. 

Ich rechne also naturgemäss die Mergelschichte, in welcher in 
der Umgegend von L e i t o m i s c h 1 Terehratula semiglobosa vor- 
kommt, bereits zu der Priesener Stufe. 

Die Funde bei Nemcitz und Moraschitz haben uns die angeblichen 
Teplitzer Schichten in der Umgegend von Leitomischl ins rechte 
Licht gestellt, der Fund von Terehratula semiglohosa bei fokowitz wird 
uns wieder die Fritsch'schen Teplitzer Schichten bei Abtsdorf ver- 
ständlich machen. 

Wenn wir von fokowitz nach N gegen Visnar zu schreiten, so 
finden wir zur rechten Seite der Strasse (am westlichen Abhänge des 
hiesigen Thälchens) einen sehr belehrenden Aufschluss: Im Dorfe 
selbst sind die Iserschichten an mehreren Stellen durch Steinbrüche 
aufgeschlossen, daselbst sehr reich an Fossilien. Hinter den letzten 
Häusern (am n. Ende des Dorfes) werden die Iserschichten von jün- 
geren Bildungen überlagert: zuerst liegt auf den mächtigen Bänken 
des Isersandsteines eine schwache Schichte von grünem, weichem 
Thon (Tegel), in dem sich zahlreiche unregelmässige, eckige Brocken 
und Stücke von dem liegenden Gestein der Iserstufe (Plänersandstein, 
Callianassen-Sandstein — zum Theile fest, zum Theile sehr weich, 
pulverig, leicht zerfallbar) befinden (= der „knotigen, rostgelben 
Schichte" Fritsch's bei Abtsdorf). 

Darüber folgt eine 3 — 5 Fuss mächtige Schichte, deren Binde- 
mittel ein unten mehr bläulich- oder grünlichgrauer, dunkler, oben 
mehr gelblich bis schmutziggrauer, weicher, breiiger, plastischer, fetter 
Thon (Tegel) bildet. In diesem Bindemittel befinden sich zahlreiche 
Brocken, aber auch abgerundete Geschiebe vom Pläner der Iserstufe, 
z. Th. sehr weich, zerfallend in ein weisses, mehlartiges Pulver, 
z. Th. hart, auf der Oberfläche grün (Glauconit), innerlich grau bis 
bräunlich. In diesen Geschieben findet man noch Fossilien der Iser- 
stufe. Ferner findet man in diesem thonigen Bindemittel zahlreiche 
abgerundete Brauneisenstein-Concretionen, weisse bis braune Quarz- 
geschiebe und aus archaischen Gesteinen bestehende (mitunter sehr 
grosse) Geschiebe, viel Sand und zahlreiche Fossilien: un- 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reich saustalt, 1895, 45. Band, l. Heft. (J. J. Jahn.) 26 



202 J- J- Jahn- ^ [78] 

Zählige, lose, in dem thonigeii Bindemittel eingeknetete CaUianassa 
nnliqua - Scheeren, Lima p^endorard'nim Bss., Cytherea poli/niorplia 
Ztffel, zahlreiche Bniclistiicke grosser Inoceramenschalen, zalilreiche 
olivenbraiine bis ganz weisse, glatte Gastropodensteinkerne und Tere- 
b reif lila senn;/! ohosa! Allein weder die leicht zerbrechlichen, 
dünnschaligen Callianassa-Scheeren, noch die übrigen Fossilien aus 
dieser Schichte zeigen irgend eine Spur von überstandenem Wasser- 
transporte, auf den die in derselben Schichte vorkommenden zahl- 
reichen Planer-, Quarz- u. a. Schottergeschiebe hindeuten würden. 
In den obersten Lagen dieser Schichte enthält der weiclie breiige 
Thon Stückchen von festerem Thone. 

Darüber folgt eine ziemlich mächtige Schiclite von blauem Te- 
gel (in dem keine fremdartigen Gegenstände mehr vorkommen, nur 
Stückchen von festerem Thone, resp. Mergel ', der nach oben zu in 
einen gelben thonigen Mergel ganz allmälig übergeht, welcher letztere 
von dem echten Plänermergel der Priesener Stufe überlagert wird. 
Zu Oberst folgt der typisdie Inoceramenpläner der Priesener Stufe 
in klingenden Platten. Das Ganze wird von mächtigen Lössschichten 
überlagert. 

Es nnterliegt keinem Zweifel, dass die oben geschilderten, zwi- 
schen der Iser- und der Priesener Stufe gelagerten Schichten dieses 
Rikowitzer Aufschlusses der sog. „glauconitischen Coutact- 
schichte" Fritsch's entsprechen und mit den analogen Tere- 
hratnla semiglohom führenden Schichten bei Abtsdorf identisch sind. 

Das Abtsdorfer Vorkommen wird von F r i t s c h in den Iser- 
schichten, pag. 03, in den Teplitzer Schichten, pag. 51 — 52 und in 
den Priesener Schichten, pag. 51 sehr eingehend geschildert. F ritsch 
gibt daselbst folgende Schichtenfolge an: auf den mächtigen Bänken 
der Callianassen-Schichten (Iserstufe) folgt „eine knotige, rostgelbe 
Schichte" (Teplitzer Schichten, pag. 51; in den Iserschichten, pag. 63, 
wird diese Schichte als „dünnplattige Bryozoenkalke" bezeichnet — 
siehe auch bei ßikowitz), darüber „eine glauconitische Contactschichte 
mit olivenbraunen, glatten Steinkernen von Petrefacten", meistens 
Gastropoden (wie bei Rikowitz), darauf folgt „eine 0-5 Meter starke, 
graue, mergelige Schichte" (wie bei Eikowitz), welche in ihrer 
unteren Lage nahe der Contactschichte (darauf wird auch in den 
Erklärungen zum beistehenden Profil Gewicht gelegt) die Trrebrafiila 
semiglohom „als Seltenheit führt". Die letzte Schichte sind hier 
dünnplattige, weisse, klingende Inoceramenpläner der Priesener Stufe 
(also wiederum wie bei Rikowitz). 

Wir sehen also, dass das Abtsdorfer Vorkommen dieselbe Schich- 
tenfolge zeigt, wie das früher geschilderte von Rikowitz. Nach den 
Schilderungen Fritsch's würde es sich von dem letztgenannten durch 
das Fehlen der Schottergeschiebe unterscheiden, welche wir in den 
analogen Lagen des Rikowitzer Aufschlusses verzeichnet haben. Nun 
muss ich aber bemerken, dass auch bei Abtsdorf solche Geschiebe 
vorhanden sind. 

Schon Prof. Bärta erwähnt sie wiederholt in seiner bereits 
citirten Arbeit : „ A u f d i e s e m Sandsteine (C a 1 1 i a n a s s e n - S a n d- 
steine) liegt (bei Absdorf) eine Schichte von Saud und ab- 



[79J Einige Beiträg:e zur Kf>niitniss der bölimischen Kreideformation. 20.3 

gerundetem 8 c li o 1 1 e r, in der der hochwürdigc^ Herr Pfarrer von 
Scliirindorf (P. V. Bier, z. Z. Dechant in Abtsdort) viele hübsche 
Versteinerungen gefunden hat, wie Fleurotomaria secans, Pleuvotomaria 
cf. linearis und Geinifzi, Turrifclla, Trochusi u. a." (1. c. pag. 12 — 
es sind dies die oben von Fritsch erwähnten, von mir in der ana- 
logen Scliichte auch bei Rikowitz gefundenen „olivenbraunen, glatten 
Steinkerne "\ 

Weiter unten sagt B ä r t a : „Auf anderen Stellen gleich ü b e r 
dem C a 1 1 i an a s s e n-S a n d s t e i n e n erscheint eine mehr oder weniger 
mächtige Sandschichte mit Kieselgeschieben oder abgerundeten sandig- 
kalkigen Brocken (= Pläuersandstein der Iserstufe), oder auch eine 
Schichte von lauter quarzigem Sande, der mit lehmigen Gemengtheilen 
gemischt ist (= „Sande der Kreide" ') des Herrn Oberbergrath Tietze. 
Sehr hübsch sehen wir die Lagerung dieser sandigen Schichte, die 
einem diluvialen, mit Sand gemischten Schotter ähnelt, in Abtsdorf in 
dem Steinbruche bei „Vidlicäk" (= der Abtsdorfer Teich), wo über 
den glauconitischen Callianassen-Sandsteinen eine über 1 Meter starke 
Sandschichte mit Geschieben liegt und diese von einer höheren 
Schichte, von Baculitenschiefer (= dünnplattiger Inoceramenpläner 
der Priesener Stufe) bedeckt ist. In dieser Sandschichte wurden die 
schon früher angeführten Versteinerungen Pleurotomayia secans, Natica 
canaliculata, TurriteUa cf. nerinea u. a. gefunden" (1. c. pag. 13 — 14, 
vergl. auch pag. 15) 

Im Jahre 1893 habe ich mit dem Chef unserer Section, Herrn 
Oberbergrath Tietze, die Abtsdorfer Vorkommen besucht und dabei 
vor Allem diesen, den Uebergang zwischen den Iser- und den 
Priesener Schichten bildenden „Contactschichten" meine Aufmerksam- 
keit zugewendet. Die eigentliche Beschreibung des Abtsdorfer Vor- 
kommens wird später Herr Oberbergrath Tietze in einer eigenen 
Arbeit über das Blatt Landskron— Mährisch-Trübau liefern. Ich be- 
s^chränke mich heute blos darauf, einige zum Vergleich mit dem 
Rikowitzer Vorkommen wichtigere Beobachtungen bei Abtsdorf mit- 
zutheilen. 

Da kann ich nun aus eigener Anschauung berichten, dass diese 
„Contactschichten" bei Abtsdorf mit den analogen 
Schichten im Hangenden der Iserstufe bei Rikowitz 
vollkommen identisch sind. Auch bei Abtsdorf haben wir mit 
Herrn Oberbergrath Tietze in dieser Contactschichte lose CaUia- 
nassa an t i qua-^cheer gi\ gefunden.^ Die kleinen, glatten Gastro- 
poden-Steinkerne, die hier wie bei Rikowitz gemeinsam mit den 



') Von den Sauden der Kreide hat zwar bereits Prof. E. Bärta in seiner 
oben citirten Arbeit wiederholt Erwähnung gethan (siehe den betreffenden Passus 
in meinem Aui'nahnisberiehte, Verhandl. 13'J5, pag. lt)5) und es ist ihm auch nicht 
entgangen, dass sie über den Iserschichten und unter den Priesener Schichten 
liegen. Einige von diesen Vorkommnissen loser Sande (z. B. die Sande an der 
westl. Seite des Stockteiches und im Walde bei Alt-Waldek, links von der Strasse 
nach K<)rber) hat Prof. Barta jedoch zum Tertiär gerechnet. Erst Herr Oberberg- 
rath Tietze hat in seinem Aufnahmsberichte (Verh. 1893, Nr. 11, pag. 264) die 
geologische Stellung dieser Sande genau präcisirt. 

26* 



204 J. J. Jahn. [80] 

Callianassa-^dieei'en so häufig vorkommen, erinnern lebhaft an 
die Gastropoden-Steinkerne aus den echten Priesener 
Schichten von Holitz (siehe weiter oben). Sie sind specifisch 
kaum bestimmbar, ich könnte unter den Rikowitzer Steinkernen die 
Gattungen Trochus, Turbo, TtirrifeUa und Plenrötomayia constatiren 
(vergleiche mit den obigen Angaben von Prof. Bärta von Abts- 
dorf). Bei Rikowitz fand ich Terehratula semiylohosa direct in 
dieser Schichte mit Callianassa-Scheeren und den soeben bespro- 
chenen Gastropoden - Steinkernen — bei Abtsdorf soll sie nach 
F ritsch erst in der darüber folgenden Mergelschichte gefunden 
worden sein. Allein Fritsch selbst betont sowohl im Texte (Tep- 
litzer Schichten, pag. 51), als auch in den Erklärungen zu dem 
Abtsdorfer Profile (1. c. pag. 52), dass sich diese Funde von Tere- 
hratula semigJohosa auf die unterste Lage dieser Mergel- 
schichte, nahe der Contactschichte beschränken. 

JVVenn wir dies nun mit den Funden von Terehratula semiglohosa 
bei Rikowitz , Nemcitz , Moraschitz , Klein - Kahn , vom Rohatetzer 
Plateau ') etc. vergleichen, so zeigt sich, dass die Terebratala semi- 
glohosa zum erstenmale in der Contactschichte erscheint (Rikowitz), 
von da in die untersten mergeligen Lagen der Priesener Stufe (Abts- 
dorf — nach Fritsch's Angabe) und weiter nach oben zu in die 
echten, unzweifelhaften Priesener Schichten (Moraschitz, Nemcitz, 
Klein-Kahn) hinaufsteigt und hier in dem sogen, „klingenden Lio- 
ceramenpläuer" sehr verbreitet ist (siehe die Arbeiten Zahälka's). 

Ich habe schon anfangs dieser Betrachtungen gezeigt und hervor- 
gehoben, dass die Fritsch'schen Angaben von Teplitzer Schichten 
in dem Gebiete östl. von der Janowicek-Luzer Terrasse einzig und 
allein auf den Funden von Terehratula semiglohosa bei Leitomischl 
und Abtsdorf beruhen. Aus dem, was ich soeben über diese Vor- 
kommen gesagt habe, geht aber deutlich hervor, dass wir es in Wirk- 
lichkeit in diesen Fällen mit keinen echten Teplitzer Schichten zu 
thun haben, 

1. weil 'Terehratula semiglohosa als kein ausschliesslich für die 
Teplitzer Schichten charakteristisches Leitfossil gelten kann, nachdem 
sie andernorts auch in den echten Priesener Schichten vorkömmt: 

2. weil an den betreffenden Stellen in der Umgebung von Leito- 
mischl (z. B. IVIoraschitz , Nemcitz) in derselben Schichte, in der 
Terehratula semiglohosa gefimdeu worden ist, auch echte Priesener 
Fossilien vorkommen ; 



') Fi-itsch siigt über die Terehratula semiglohosa führenden Schichten der 
Kohatetzer Anhcihe : „In den höchs ten Lagen (nämlich der Teplitzer Schichten) 
kommen bei Rubatetz nach Prof. Zahalka .schöne Spongien der Gattungen 
Thecosiplioiüa vor und werden diese Lagen von ihm als zu den Priesener 
Schichten gehörig angeführt; da aber unter den in die.ser Spou- 
gienschicht vorkommenden Arten die Terehratula 6<'w/V//o&osrt aufgezählt wird, welche 
das typischste Leitfossil der Teplitzer Schichten ist, das noch nie iu den echten 
Priesener Schichten vorgefunden wurde, so ist zu ersehen, dass die Spongien- 
schichte von Kohatetz noch zu den Teplitzer Schichten zu rechnen ist" (Teplitzer 
Schichten, pag. 43). 



[81] Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Kreideformation. 205 

3 weil bei Rikovvitz und hödistwahrscheinlich auch bei Abtsdorf ') 
die Terebratnl((. seniif/lohosd in der sogen. „Contactsclnchte" auftritt, 
in der gemeinsam mit ilir einerseits zahlreiclie, für die Iserstufe 
charakteristisclie Fossilien (Ccdllanassa-^dmeYen etc.), andererseits 
solche ,, glatte Gastropoden-Steinkerne" vorkommen, wie sie auch in 
den echten Priesener Schichten (z. B. bei Holitz) vorfindlich sind 
(u. zw. dieselben Gattungen). 

Die F r i t s c h ' s c h e n Angaben von den T e p 1 i t z e r 
S c h i c h t e n in d i r e c t e r U e b e r 1 a g e r u n g der I s e r s c h i c h t e n 
in der Umgegend von Leitomischl erweisen sich also 
in Wirklichkeit als Terehratula sem'Kjlohosa führende 
Priesener Schichten. 

Die F r i t s c h ' s c h e n Angaben von den T e p 1 i t z e r 
Schichten in d i r e c t e r U e b e r 1 a g e r u n g der I s e r- 
schiehten bei Abtsdorf, sowie auch das analoge Vor- 
kommen bei Rikowitz, beziehen sich wiederum auf die 
sogenannte „Contactschichte", die aber in Wirklich- 
keit das U e b e r g a n g s n i V e a u zwischen der I s e r- und der 
Priesener Stufe vorstellt. Der darüber folgende 
Mergel gehört schon der Priesener Stufe an. 

Halten wir nun Umschau in der einschlägigen Literatur, welches 
Alter bisher dieser „Contactschichte" zugesprochen wurde. 

In seinen vortrefflichen Arbeiten über die Zoneneintheilung 
der Kreideformation in den Umgebungen des Georgsberges bei Raud- 
nitz, über die ich in unseren Verhandlungen wiederholt referirt habe, 
gliedert Prof. C. Zahälka^) die Teplitzer Schichten, die er als seine 
Zone X bezeichnet, in folgende Horizonte von unten nach oben : 

X(/. Glauconitischer, kalkiger Mergel, weich, Otters auf der Ober- 
fläche tegelartig, weiss, grau oder grünlich, mit zahlreichem Glauconit und 
vielen Limonitconcretionen, Gypsausscheidungen, sowie auch isolirten 
Sandkörnern. Fauna : Vorwiegend Spongien, Bivalven nur als Stein- 
keine erhalten, die aus demselben Mergel bestehen, wie das Mutter- 
gestein ; anstatt der Kalkschale haben diese Fossilien eine Limonit- 
kruste. Ostreen, Spondi/len, Terehratula, Inoceramus-JiestG und See- 
igel-Bruchstücke pflegen aus Kalkstein zusammengesetzt zu sein. Die 
meisten Fossilien sind blos als Steinkerne erhalten, deren Oberfläche 
hübsch glänzt (namentlich bei den Gastropoden); das Gestein dieser 
Steinkerne ist viel härter als das Muttergestein. 

X6. Mergel und Mergelkalk, im frischen Zustande als feste, 
harte, klingende Platten bis mächtige Bänke. — Terehratula, Tere- 



') Weiter oben, gelegenUich der Besprechung des ßikowitzer Aufschlusses, 
habe ich betont, dass die thonige (tegelige) Contactschichte in die darauf liegende 
Mergelschichte ganz all mal ig übergeht, so dass es absolut unmöglich 
ist, die Grenze zwischen der Contactscliichtc und der Mergelschichte präcis zu 
ziehen. Es ist also ganz leicht möglich, dass auch die Fritsch'sche „unterste 
Lage der Mergelschichte nahe der Contactschichte" eigentlich noch zu der letzteren 
gehört. 

^) Sitzungsber. der kön. böhm. Gesellsch. der Wissensch. in Prag, 1894 
Nr. XXV., pag. 1—3. Vergl. auch ibid. 1891, pag. 394 ff. 



206 J- J. Jahn. [82] 

bratHlitia und Khynchonellen sind in den weicheren Schichten dieses 
Horizontes häutig, in den festeren Schichten kommt keine Tcre- 
hrafida vor. 

Xf. Kalkmergel, auf der Oberfläche weich, tiefer fest. Bezeich- 
nend für diesen Horizont sind verschiedene Spongienformen in zahl- 
reichen Exemplaren, stellenweise massenhaft vorkommend. 

\d. Feste Kalkmergel und Mergelkalke in Bänken, die schüssei- 
förmig in dünne, klingende Platten zerfallen. Fossilien im Allgemeinen 
seltener als in den vorigen Horizonten: sehr häufig verdrückte 
Inoceramen , grosse Thecosiphonien und Verruculinen , zahlreiche 
Plianzenreste. 

Dieser Horizont entspricht dem „klingenden Ino- 
c er amen pläner" der Pries euer Stufe bei Fritsch, von 
dem weiter unten noch die Rede sein wird. Nach 
Zahälka kommt Terehratula semi(jlohosa auch in diesem 
Horizonte vor und zeichnet sich daselbst durch 
grössere Dimensionen aus, als in den tieferen Hori- 
zonten. 

Der unterste Horizont der Zone X Zahälka's, nämlich die 
Schichte Xa. ist mit der sogen, „glauconitischen Contactschichte" 
Fritsch's bei Abtsdorf identisch. Die Zahälka'sche Beschreibung 
der petrographischen ^Eigenschaften dieser Schichte stimmt mit denen 
der analogen Schichten bei Rikowitz und Abtsdorf vollkommen überein. 
Terehratula semiglohosa ist in dieser Schichte sehr selten (wie auch 
bei Leitomischl und Abtsdorf), nach NO und wird sie nach den 
freundlichen brieflichen Mittheilungen Prof. Zahälka's immer sel- 
tener (auch in den Schichten X/>. c, (/, wo sie nach Z a h ä 1 k a 
weiter nach NO und O überhaupt verschwindet). 

Prof. Zahälka rechnet diese „Contactschichte" \a. bereits zu 
der Teplitzer Stufe, weil er in derselben einige, seiner Ansicht nach 
für die Teplitzer Stufe bezeichnende Fossilien gefunden hat. Dies 
mag für die Verhältnisse in der Umgebung vom Georgsberge Geltung 
haben. Allein in Ostböhmen enthällt die Schichte überall, wo sie auf- 
geschlossen ist (Umgebungen von Chotzen, Hohenmauth, Leitomischl, 
Abtsdorf I, kein einziges, ausschliesslich für die Teplitzer Stufe charak- 
teristisches FossiP), dafür aber bezeichnende Leitfossilien der Iser- 
stufe (Callianassa-Scheeren u. a.), Steinkerne von denselben Gastro- 
podengattungen und in demselben Erhaltungszustande, wie sie auch in 
der Priesener Stufe vorzukommen pflegen. 

Während also Zahälka in allen seinen Arbeiten consequent 
diese Schichte zu der Teplitzer Stufe — zu seiner Zone X — rechnet, 
weiss Fritsch oflenbar nicht, wo er dieselbe hinthuu soll. 

Fritsch nennt diese Schichte einmal „scharfe Schichte", ein 
anderesmal „glauconitische Contactschichte". Einmal bezeichnet er 
sie direct als das Liegende der Teplitzer Schichten (Teplitzer Schichten, 
pag. 8, 33), rechnet sie noch zu der Iserstufe (auch 1. c pag. 47: 



'"l Prof. Z.ihalkn hat mir auf meine Anfrage freundlichst mitgetheilt, dass 
er bei Chotzen und Hohenmauth, wo er diese Oontactscliichte studiert hat, in der- 
selben ebenfalls keine für die Teplitzer Stufe bezeichnende Fossilien gefunden hat. 



[831 Einige Beitrüge zur Kenntniss der böhmischen Kreideformation. 207 

„unter den Teplitzer Srhicliten die glauronitische Contuctschichte 
mit den I s e r s c li i c ht e n") und sagt, dass erst die über dieser 
Schi eilte liegenden lettigen Mergel „im ganzen östlichen 
Böhmen das Aequivalent der Teplitzer Schichten" darstellen (1. c. 
pag. 46); ein anderesmal sagt er in ders e Ibe n A rb ei t wiederum, 
dass diese Contactschichte „n och zu den Teplitzer S c h i c h t e n 
zu rechnen ist" (1. c. pag, 43), und in der That stellt er sie in dem 
„Schema B" (1. c. pag. 13) zu dem I. Horizonte der Teplitzer 
Schichten im Egergebiete, ein anderesmal wieder in derselben 
Arbeit äussert er sich nur unbestimmt, dass dieses Niveau „an dem 
Contacte der Iser- und Teplitzer Schichten liegt" (1. c. pag. 41, 48) 
und dass eine Mischung von Petrefacten dieser beiden Stufen in 
dieser Contactschichte stattfindet (pag. 48). 

In Anbetracht dessen, dass in dieser Contactschichte in Ost- 
böhmen sowohl Leitfossilien der Iserstufe, als auch anderenorts aus 
den Priesener Schichten bekannte Fossilien vorkommen, bin ich ge- 
neigt, difese Contactschichte in Ostböhmen für ein Uebergangs- 
n i v e a u zwischen der Iserstufe und der hier auf sie 
direct folgenden Priesener Stufe zu betrachten. 

Da einerseits gezeigt wurde, dass Terebratula semiglobosa auch 
in den Priesener Schichten vorfindlich ist, und da andererseits in der 
glauconitischen Contactschichte östlich von der Janovvicek-Luzer Ter- 
rasse bisher kein einziges ausschliesslich für die Teplitzer Schichten 
charakteristisches Fossil gefunden wurde, finde ich es nicht be- 
rechtigt, diese schwache Contactschichte für den ost- 
böhmischen Vertreter des sehr m ä c h t i g e n C o m p 1 e x e s 
der t y p i s c li e n Teplitzer Schichten im nordwestlichen 
Böhmen zu betrachten und möchte dieselbe eher — der ur- 
sprünglichen Ansicht P'ritsch's gemäss — als ein Uebergangs- 
niveau in die darauf folgende Priesener Stufe noch zu der Iser- 
stufe rechnen. 

Weil schliesslich die Fritsch'schen Angaben der Teplitzer 
Schichten in der Umgebung von Leitomischl und bei Abtsdorf einzig 
und allein auf die Funde der Terebratula seiu/f/loho^a in diesen Schichten 
gestützt waren, weil aber dieses „typischeste Leitfossil der Teplitzer 
Schichten" einerseits (in den „Contactschichten") in Gesellschaft von 
Leitfossilien der Iserstufe, andererseits in den echten Priesener 
Schichten (in dem Inoceramenpläner sogar an vielen Stellen) vor- 
kömmt , kann den obigen Fritsch'schen A n g a b e n de r 
Teplitzer Schichten in dem ( 1 e b i e t e östlich von der 
J a n w i ü e k - li u z e r Terrasse weiterhin keine Geltung 
mehr zuerkannt werde n. 

Andere Nachrichten über Teplitzer Schichten in diesem Gebiete 
rühren von Krejci her. 

In seiner Arbeit „Allgemeine und orographische Verhältnisse, 
sowie Gliederung der böhm. Kreideformation" (Archiv für natur- 
wissensch. Landesdurchforsch. v. Böhmen, I. Bd.) sagt Krejci in 
dem IV. Abschnitte „Die Kreideformation östlich vom Iserflusse bis 
nach Mähren", dass zu der Teplitzer Stufe „der von Diluvialschotter 
und Lehm bedeckte Plänermergel" „bis in das Thal zwischen Chotzen, 



208 J- J- Jahn. [84] 

Hohenmaiith und Leitomisclil" gehört (pag. 151). Aber schon zwei 
Seiten weiter (pag. 153) sagt Krejcf: „Die Mergelhügel am linken 
Ufer der stillen Ader zwischen Adler-Kosteletz und Chotzen gehören 
aber schon durchgehends der Priesener Stufe an, die sich unmittel- 
bar auf die Isersandsteine lagert. Diese Auflagerung kann man dann 
an den flachen Hügeln des Thaies zwischen Hohenmauth und Leito- 
miscld noch an vielen Punkten sehen, ohne die Tei)litzer Schichten 
nachweisen zu können". Auch pag. 15(5 — 157 bezeichnet Krejcl 
diese „von Diluvialschutt bedeckten Mergel" bei Chotzen und „in der 
Thalbucht über Hohenmauth bis Leitomischl" als zur Priesener Stufe 
gehörend. 

Allein in den „Erläuterungen zur geologischen Karte des Eisen- 
gebirges und der angrenzenden Gegenden im östlichen Böhmen" (ibid., 
V. Bd., Nr. 1) bezeichnet Krejci sämmtliche von uns weiter oben 
beschriebene Vorkommen der Priesener Schichten auf dem Blatte 
Hohenmauth - Leitomischl „in dem Gebiete der Loucnä - Niederung" 
als T e p 1 i t z e r Schichten und sagt, „höhere Stufen des 
K r e i d e s y s t e m s kommen in diesem Gebiete nicht vor" 
(pag. 84). Krejci führt aber keine Gründe au, die ihn dazu bewogen 
haben möchten, diese unzweifelhaften, echten Priesener Schichten als 
Teplitzer Schichten anzusprechen. Er hebt nur die petrographischen 
Unterschiede dieser „oberturonen Pläner" — wie er sie nennt — 
den liegenden Schichten des oberen Mittelturons (= Iserstufe) gegen- 
über hervor, und führt aus diesen seinen „Teplitzer" Schichten blos 
„häufige Reste von Inoceramns Brongniarti^^ an. 

Unter Hinweis auf meine obige ausführliche Beschreibung dieser 
Schichten in dem Gebiete der Loucnä-Depression (die Linie Leito- 
mischl-Hohenmauth-Zämrsk) bemerke ich blos, dass wir es in allen 
diesen Fällen mit typischen Priesener Schichten zu thun 
haben und dass die obige Auffassung Krejcfs auf Missverständniss 
beruht. Inoceramns Bvoytgnlarfi kommt in der That in diesen Schichten 
der Loucnä-Depression sehr häufig und mitunter in riesigen Exem- 
plaren vor, allein neben dieser Versteinerung (die auch andernorts 
aus typischen Priesener Schichten bekannt ist) finden sich in den- 
selben Schichten viele für die Priesener Stufe bezeichnende Formen 
(siehe die betreft'enden Angaben in meiner Beschreibung der Priesener 
Schichten in dem Gebiete östl. von der Janowicek-Luzer Terrain- 
terrasse). 

Es würde nur noch eine Angabe von Teplitzer Schichten in 
dem Gebiete östl. von der Janowicek-Luzer Terrasse zu besprechen 
sein. Diese Angabe besteht darin, dass der in diesem Gebiete sehr 
verbreitete, sogen, „klingende In oceramenpläner" einmal zu 
der Priesener, ein anderesmal zu der Teplitzer Stufe gerechnet wird. 

Ich will im Folgenden einige Proben dieser verschiedenen strati- 
graphischen Deutung „des klingenden Inoceramenpläners" vorführen. 

Fritsch rechnet diesen Inoceramenpläner einmal ausdrücklich 
zu der Priesener Stufe, bezeichnet ihn als „die tiefsten Lagen" 
dieser Stufe und als das H an gen d e der Teplitzer Schichten (Teplitzer 
Schichten, pag. 12, 13, 21, 4G, 47, 48, 52; Priesener Schichten, 
pag. 5, 6, 11, 32, 41, 51) und sagt: „Dass ich diese weissen Inoceramen- 



[85] Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Kreideformation. 209 

planer nicht mehr zu den Toi)litzer Schichten rechne, hat palacon- 
tologisclie Gründe, weil ich bei Chotzen in denselben Ammonifcs 
(VOrhifini/anvs nachwies und auch im Uebrigen ihr mikroskopischer 
Charakter ganz anders ist, als derjenige der Teplitzer Scliichten" 
(Teplitzer Schichten, pag 12). 

Allein ein anderesmal in derselben Schrift bezeichnet 
F r i t s c h diese klingenden Inoceramenpläner „als Liegendes der Prie- 
sener Schichten" (Teplitzer Schichten, pag. 25, 44), pag. 4i} derselben 
Arbeit sagt er unbestimmt „sie mögen der Basis der Priesener 
Schichten angehören", pag. 43 derselben Arbeit rechnet er aber 
einen Theil von diesem Pläner ausdrücklich zu den Teplitzer 
Schichten, weil er Terehratuhi semif/lohosa führt und sagt, „dass in 
dieser Gegend nur die höchsten klingenden Inoceramenpläner zu den 
Priesener Schichten gehören." 

Zahälka bemerkt in seiner neuesten Arbeit ganz trefflich: 
„Fritsch rechnet einmal den Inoceramenpläner zu den Teplitzer 
Schichten (Rohatetzer Anhöhe), weil ich aus demselben Terehratuhi 
semiglohosa anführe, ein anderesmal zu den Priesener Schichten (z. B. 
am Sowitzberg), obwohl sich dort auch Terehrahüd sem/glohoi^a vor- 
findet" (Jahrb. d. k. k geol. Reichsanst. 1895, 45. Bd., 1. Heft, pag. 
91, Bemerkung Nr. 1). 

Zahälka hat früher diesen Inoceramenpläner ebenfalls zu der 
Priesener Stufe gerechnet (Sitzungsber. d. kön. böhm. Ges. d. Wissensch. 
1885, pag. 353 tf ). Später aber stellt er ihn in allen seinen Arbeiten 
consequent zu den Teplitzer Schichten, bezeichnet ihn als den 
obersten Horizont seiner X. (Teplitzer) Zone der Kreideformation in 
der Umgegend vom Georgsberge bei Raudnitz (ibid. 1894, Nr. XXV, 
pag. 5— G) und erwähnt, dass er durch grössere Mengen von zer- 
drückten Inoceramen, durch schöne und grosse Thecosiphonien und 
Verruculinen und durch eine grosse Anzahl von interessanten Pflanzen- 
resten charakterisirt ist. Terehrafula semiglohosa ist zwar selten, aber 
dafür besitzt sie grössere Dimensionen als in den tiefer 
liegenden, echten Teplitzer Schichten. (Siehe im Uebrigen 
die von uns weiter oben reproducirte Gliederung der Zone X. Za- 
hälka's). 

Fritsch bemerkt (Teplitzer Schichten, pag 43), dass sämmt- 
liche Fossilien dieser Inoceramenpläner, resp. der Spongienschichte 
von Rohatetz (mit Ausnahme von Terehrafula semiglohosa nach seiner 
Ansicht), sowohl in der Teplitzer als auch in der Priesener Stufe vor- 
kommen. 

Wenn wir also diese verschiedenen Ansichten über das Alter 
des klingenden Inoceramenpläners überblicken, so ergibt sich daraus 
im Allgemeinen, dass die Inoceramenpläner einmal zu der Teplitzer 
Stufe gerechnet werden, weil sie Terehrafula semiglohosa enthalten 
(Fritsch: Rohatetzer Spongienschicht, Zahälka: die Inoceramen- 
pläner in der Umgegend vom Georgsberge), ein anderesmal dagegen 
werden diese Pläner zu der Priesener Stufe gezählt, weil in ihnen 
Plmenticeras (VOrbigugamim nachgewiesen worden ist. 

Weil aber im Allgemeinen den Cephalopoden bei den Alters- 
bestimmungen der Kreideschichten eine grössere Wichtigkeit zuge- 

Jahrbuch d. k. k. geol. Beichsanstalt, 1896, 45. Band, i. Heft. (J. J. Jahn.) 27 



210 J. J. Jahn. • [8G] 

sprochen wird als den Brachiopoden (oder Spongiön), weil ferner 
Tctrbrnhila si"tn>(jU)})o^(i auch in den typischen, unzweifelhaften Priesener 
Schichten vorkommt, während Flacenticcras (rOrhi</Hi/anum ein für 
die Priesener Stufe charakteristisches Fossil ist, welches in den 
echten Tei)litzer Schicliten noch nie gefunden wurde, kann wohl 
kein Zweifel darüher aufkommen, dass die sogen, weissen, klingenden 
Inoceramenpläner überall, also auch dort, wo sie Terchrafnla semiglo- 
bosa führen, so lange zu d e n P r i e s e n e r Schichten zu stellen 
sind, bis man in denselben andere, ausschliesslich für die Teplitzer 
Stufe charakteristische Fossilien findet. 

Für diese Altersbestimmung der Inoceramenpläner sprechen auch 
die Seeigel Micrader de LorioJi Nov. und Holader cf. lüacenta Ag., die 
in Ostböhmen in dem Inoceramenpläner so häufig vorkommen, in 
den echten Teplitzer Schichten dagegen bisher kein einzigesmal an- 
getroffen worden sind. Der Umstand, dass diese Inocerameni)läner 
in Ostböhmen keine Terehratula semi(/loI>of!a enthalten, wurde schon 
weiter oben durch die Beobachtungen Zahälka's erklärt, dass 
nämlich dieses Fossil in dem Inoceramenpläner in der Richtung nach 
NO und O zu immer seltener wird (z. B. bereits bei Kokorin und 
Repln ist es Herrn Prof. Z ah älka nicht mehr gelungen, Terehratula 
sem'ujlohosd in diesem Horizonte zu finden). 

Auch diese auf dem verschieden gedeuteten Alter des Inoceramen- 
pläners beruhenden Angaben von Teplitzer Schichten in dem Gebiete 
östlich von der Janowicek-Luzer Terrainterrasse haben sich also als 
unhaltbar erwiesen. 

Als S c h 1 u s s r e s u 1 1 a t dieser Betracht u n g e n ergibt 
sich sonach das Factum: man hat bis heute keinen einzigen 
sicheren Anhaltspunkt für die Existenz der Teplitzer Schichten in 
diesem Gebiete der ostböhmischen Kreide. 



h) Im Gebiete westlich von der J a n o w i c e k' - L u z e r 
Terrainterrasse. 

In diesem Gebiete werden die Teplitzer Schichten vor Allem 
von Krejcf angegeben: „Die höchste graue Mergelschichte auf den 
Plateaus der Weissenberger Pläner nördlich von Skutsch über Chrast 
bis Chrudim (mit häufiger TerebratuUna rkjida und Haifischzähnen) 
ist der Teplitzer Stufe zuzuzählen ; sie wird unmittelbar von Diluvial- 
schotter und Lehm bedeckt, da die Priesener Mergel hier fehlen 
(Archiv f. naturw. Landesdurchforschung v. Böhmen, I. Bd., Section 
IL, pag. 153). 

Dagegen muss ich bemerken, dass diese grauen Mergel, die 
sich allerdings in der von Krejcf angegebenen Gegend sehr häufig 
vorfinden und die ich bei meinen Aufnahmstouren wiederholt ange- 
troffen habe, keine Teplitzer Schichten sind, sondern den- 
jenigen „grauen Mergeln mit TerebratuUna r'KjUla und zahlreichen 
Foraminiferen" gleichen, die F ritsch z. B. in dem Profile von 
Schirmdorf gegen Leitomischl (Iserschichten, Fig. 38), sowie auch 
an der Stelle „na Varte" bei Winar (ibid., Fig. 40) im Liegenden 



[87] Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Kreideformation. 211 

der Iserschichten angibt und zu der Weissenberger Stufe 
rechnet. 

Ich bemerke schon jetzt, dass die eigentlichen Teplitzer Schichten 
in diesem Gebiete weiter nach N vortreten, dass sich also auf diese 
letzteren jene Angabe Krejcf's nicht beziehen kann. Dies geht auch 
schon daraus hervor, dass die echten Teplitzer Schichten in dieser Gegend 
überall in Gesellschaft von Priesener Schichten (entweder direct von 
den letzteren überlagert, oder nahe bei ihnen) anzutretfen sind, Wcäh- 
rend dort, wo diese K'rej cf'schen vorgeblichen Teplitzer Schichten 
verbreitet sind (nördl. Skutsch, über Chrast bis Chrudim), wie Krejcf 
selbst sagt, die Priesener Schichten fehlen. Dass überdies Terehmtulina 
gracilis {^ rigida) kein ausschliesslich für die Teplitzer Schichten 
charakteristisches Leitfossil ist, sondern dass sie auch in den älteren 
und jüngeren Stufen der böhmischen Kreide vorkommt, ist ja bekannt. 

Eine zweite Angabe von Teplitzer Schichten in dem Gebiete 
westlich von der Janowicek-Luzer Terrasse betindet sich in derselben 
Arbeit Krejci's pag. 151. Es sind dies die bereits weiter oben bespro- 
chenen Plänermergel in der Loucnä-Depression, die nach Krejcf 
auch flache Terrassen zwischen Chroustowitz, Chrudim, Pardubitz und 
Pfelouc bilden sollen. Ich habe schon weiter oben gezeigt, dass sich 
diese Angabe Krejci's in Wirklichkeit auf echte Priesener Schichten 
bezieht. 

Die letzte mir bekannte Angabe von Teplitzer Schichten in dem 
in Rede stehenden Gebiete rührt von Schloenbach her und ist in 
seiner Arbeit „Die Kreideformation im Gebiete der Umgebungen von 
Chrudim und Kuttenberg, Neu-Bydzow und Königgrätz, und Jicin 
und Hohenelbe" (Verhandl. 1868, pag. 294 ff) enthalten. 

S c h 1 e n b a c h spricht nämlich in dieser Abhandlung von ge- 
wissen Mergeln, die in der Gegend von Chrudim sehr verbreitet sind 
und welche als Vertreter der Zone des Scaphites Geinitzl (= Teplitzer 
Schichten) „zu betrachten sein dürften" (l. c. pag. 295). 
Ferner erwähnt Schloenbach dieselben „Mergel der Zone des 
Scaphites Geinitzl und Spondijlus spinosus'-'' . „welche die Hügelzüge 
zusammensetzen, die sich aus der von dem älteren Gebirge be- 
grenzten Ebene um Chrudim erheben und auf denen auch die Stadt 
Chrudim zum grössten Theile selbst steht," auch weiter unten in der- 
selben Arbeit (pag. 296). 

Dieselben „Mergel der Zone des Scaphites Geinitzi und Spon- 
dijhis spinosHS in den Umgebungen von Chrudim, Skutsch etc." citirt 
Schloenbach auch in seiner Arbeit „Die Kreideformation in den 
Umgebungen von Josefstadt und Königinhof im östlichen Böhmen" 
(Verhandl. 1868, pag. 826). 

Es lässt sich nicht mit voller Sicherheit entscheiden, ob 
Schloenbach unter diesen Mergeln Avirklich diejenigen Teplitzer 
Schichten gemeint hat, die ich weiter unten beschreibe. Denn er 
betont blos die petrographische Uebereinstimmung dieser Mergel 
mit den echten Teplitzer Schichten im nordwestlichen Böhmen 
und sagt, dass es in diesen Mergeln nicht an Petrefacten fehlt, die 
die Zugehörigkeit derselben zu der Teplitzer Stufe bestätigen, und 
dass Herr Pal lau seh seinerzeit auch über die palaeontologische 



212 J- J- Jahn. [88] 

Uebereinstimniuiig dieser Bildungen von Chrudim mit den echten 
Teplitzer Schichten im Egergebiete ncähere Mittheilungen machen 
wird (1. c. pag. 206). Allein eine solche Arbeit Pallausch's ist mir 
nicht bekannt. 

Wenn wir nun dagegen die Thatsachen in Betracht ziehen, dass 
die Stadt Chrudim, wie auch bereits aus den Fritsch'schen Arbeiten 
bekannt ist, keineswegs auf den Teplitzer, sondern auf den Weissen- 
berger Schichten steht, dass es ferner in der Umgebung von Skutsch 
absolut keine Teplitzer Schichten gibt und dass Schloenbach den 
Brachiopoden TerchmluVma rigkla (gracilis) für eni Leitfossil der Teplitzer 
Schichten hielt, so scheint es, dass Schloenbach mit seinen als 
Teplitzer Schichten angesprochenen „Mergeln in den Umgebungen von 
Chrudim, Skutsch etc." dieselbe „höchste, graue Mergelschichte auf den 
Plateaus der Weissenberger Pläner nördlich von Skutsch über Chrast 
bis Chrudim mit häufiger Terehmtulma rir/lda und Haifischzähnen" ge- 
meint hat, die, wie weiter oben gezeigt wurde, Kr ej cl ebenfalls für 
die Teplitzer Schichten hielt, die aber nach Fritsch wie bei Winar 
und Schirmdorf, so auch hier noch zu der Weissenberger Stufe gehört. 

Wir finden also in der bisherigen Literatur keine 
einzige sichere Angabe von den Teplitzer Schichten 
in meinem Aufnahmste rrain, in dem Gebiete westlich 
von der Janowicek-Luzer Terrainterrasse. 

Dies hat auch Fritsch einigermassen zu der Aeusserung be- 
rechtigt: „Von der senkrechten (besser meridionalen), über die Stadt 
Melnik von Nord nach Süd gezogenen Linie beginnend, finden wir im 
östlichen Böhmen die Teplitzer Schichten schon niemals in der Art 
entwickelt, me wir es bei Teplitz und an der Eger von Laun ab- 
wärts fanden" (Tepitzer Schichten, pag. 12). 

Und doch sind die Teplitzer S c h i c h t e n in d e m i n 
Rede stehenden Gebiete vielfach vorfindlich und nach 
dem Typus der Ausbildung dieser Stufe im nordwest- 
lichen B ö h m e n e n t w i c k e 1 1, wie ich bereits in meinem Auf- 
nahmsberichte mitgetheilt habe (Verhandl. 1805, pag. 1(57). 

Vor Allem gehört hierher das von Fritsch entdeckte Vor- 
kommen der Teplitzer Schichten in den Mikulowitzer Ziegeleien. 
Dieses Vorkommen liegt bereits in dem in Rede stehenden Gebiete 
westl. von der Janowicek-Luzer Terrasse, wo die Iserschichten gänz- 
lich fehlen, allein schon ausserhalb der westl. Grenze des Hohen- 
mauther Blattes. Wir haben dasselbe weiter oben gelegentlich der 
Beschreibung des Profiles durch die Pardubitzer Umgegend bereits 
besprochen und Fritsch beschreibt es gleichfalls in seiner Monographie 
der Priesener Schichten (pag. 44 — 45). Ich wiederhole nur, dass sich 
in den Teplitzer Schichten bei Mikulowitz zwei Horizonte deutlich 
unterscheiden lassen : unten eine festere Lage mit Lima elomjata^ oben 
eine mergelige leicht zerfallende Lage mit Rhynehonellen. Fritsch 
theilt 1. c. auch ein Verzeichniss der in diesen Teplitzer Schichten bei 
Mikulowitz gefundenen Petrefacten mit, worauf ich hier hinweise. 

Südl. von Tunechod übertreten diese Teplitzer Schichten auf 
das Hohenmauther Blatt, wo sie sich dann bis zu der Janowicek- 
Luzer Terrasse ausbreiten. 



["891 Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Kreideformation. 213 

Bei meinen vorjährigen Aufnahmstouren in diesem Gebiete 
habe ich diese St'hicliten an folgenden Stellen constatirt: zwischen 
Topol und Pumberecky (in einem tiefen Strasseneiuschnitte, wo sie 
von den Priesener Schichten überlagert werden), w. Topol (in einem 
Hohlwege), nw. 284 (w. Kocl), zwischen 284 und 205 (sw. Kocl, wo 
beide Mikulowitzer Horizonte entblösst sind), zwischen Worel und 
Drei Trommeln (in einem tiefen Hohlwege in directer Ueberlagerung 
auf unzweifelhaften Weissenberger Schichten ^) — hier kann man das 
absolute Fehlen der Iserschichten zwischen den Teplitzer und den 
Weissenberger Schichten direct constatiren), zwischen Drei Trommeln 
und Koci (viele Aufschlüsse, die Teplitzer Schichten werden hier von 
den Priesener überlagert), die Lehne am östl. Ende des Dorfes Kocl 
(besonders in dem Strasseneiuschnitte am nö. Ende des Dorfes), 
ferner ein langer Streifen von Teplitzer Schichten zwischen 299 (s. Liba- 
nitz), Kamenec (A 298 — hier sind diese Schichten sehr gut auf- 
geschlossen und reich an Fossilien), w. Honwitz (od. Hombitz), ö. Nabocan 
nach n. bis zu der Chrudim-Hrochow-Teinitzer Strasse, bei Lhota 
Chroustovickä (im Hohlwege am n. Ende des Dorfes gegen den Novo- 
hradka-Bach zu und von da am linken Ufer des Baches bis zu der 
Mahlmühle Mosty und Ziegelei Posivalka (hier ebenfalls in einem Hohl- 
wege aufgeschlossen), ferner bei Podecel, südlich und nördlich vom 
Dorfe und in dem Thi'ilchen zwischen Podecel und Mentour und 
schliesslich am Waldrande östlich Mentour, so. 289, wo die Teplitzer 
Schichten auf einer abgeregneten Fläche gut aufgeschlossen und sehr 
reich an Petrefacten sind. 

An allen diesen Stellen habe ich die Existenz der Teplitzer 
Schichten durch Petrefactenfunde nachgewiesen. Die meisten Petre- 
facten haben die Aufschlüsse bei Kocl, am Kamenecberge bei Libanitz, 
ferner bei Lhota Chrouovickä (Lhota bei Chroustowitz) und bei 
Mentour geliefert. 

Nur bei Koci (sw. vom Dorfe) vermochte ich auch die tiefere, 
festere Lage der Teplitzer Schichten mit Lima elongala zu consta- 
tiren ; auf sämmtlichen übrigen oben angegebenen Vorkommen der 
Teplitzer Schichten beobachtete ich blos den oberen mergeligen 
Horizont mit folgenden Fossilien : 



&^ 



Fischzähne {sp. pl.) — selten. 

Fischwirbel — sehr selten. 

Inoceramus Brongniarti Park. — sehr häufig (Bruchstücke grosser 

Schalen). 
Inoceramus sp. pl. — häufig (Schalenbruchstücke). 
Plkatula nodosa Diij. — selten. 

Exogijra lateralis Pss. — sehr häutig (am häufigsten bei Mentour). 
Ostrea proteus Pss. — selten. 
Ostrea semiplana Soiv. — sehr häufig (überall). 
Ostrea hippopodium Nilss. — sehr häufig (überall). 



') Die MaJnitzer Schichten sind in beiden Gebieten, sowohl östlich als 
auch westlich von der Jauowicek-Luzer Terrasse gar nicht oder so ungenügend 
entwickelt, dass man sie von den Weissenberger Schichten nicht zu unterscheiden 
vermag. (Siehe meinen Aufnahmsbericht in Verhandl. 1895, Nr. 6, pag. 163—164.) 



214 J- J Jahn. [90] 

Ostrea frons Park. — selten (bei Koct), 

Terehrafulina gracilis Schloth. — selir häufig (überall). 

TerehratuiiHa striatida Maut. — häufig (fast überall). 

TerebrafnliHa cliri/salis Sdilofh. — häufig (aber nur am Kamenec- 
berge). 

Rhifnchonella pJicaMis Soir. — sehr häufig (in mehreren Va- 
rietäten, am häufigsten ear. octoplicMa). 

Bryozoen (sp. pl.) — häufig. 

FoUicipes glaber Rom. — häufig (Topol, Kamenec, Lhota Chrou- 
stovickä, Mentour). 

ScalpeUuni sp. — sehr selten (bei Lhota Chroustovickä). 

Serpula gordialis SchJoth. — sehr häufig (am häufigsten bei Mentour). 

Cidaris vesiculosa Gohif. — sehr häufig (Stachel und Ambula- 
cralfelder). 

Cidaris Reussi Gein. — sehr häufig (Stachel und Ambulacral- 
f eider). 

Phymosoma radiatum Sorign. — selten (Stachel). 

SteUasfer quinqueJoba Gohlf. sp. — häufig (bei Mentour). 

Korallenbruchstücke — häufig (bei Mentour). 

Venfricidifes peduncidatns Rss. sp. — häufig. 

Rluzopoterion cervicorne Gohlf. sp. — häufig. 

Spongien {sp. pl) — sehr häufig (Bruchstücke, näher nicht be- 
stimmbar, zumeist in Schwefelkies verwandelt). 

Schwefelkies-Concretionen — sehr liäufig (fast überall). 

Lösskindelartige Concretionen — sehr häufig (fast überall). 

Terebratula semiglobosa \st in den T e p 1 i t z e r S c h i c h- 
t e n dieses westlichen Gebietes bisher auch nicht ein 
einzigesmal gefunden worden! Auch die weiter oben geschil- 
derte sogenannte „Contactschichte" fehlt in diesem Gebiete ganz. 

Insofern man nach den soeben citirten, in diesen Teplitzer 
Schichten vorgefundenen Fossilien zu schliessen berechtigt ist, ist in 
denselben der Horizont der Lima elongata, jener der Terebratulinen 
(Horizont der Koschtitzer Phitten bei Fritsch), sowie jener der 
Rhynchonellen (der höchste Horizont der Teplitzer Schichten nach 
(F r i t s c h) vertreten. 

4. Schlussfolgeruiiften. 

Wenn wir nun einen Blick auf die Resultate unserer bis- 
herigen Auseinandersetzungen betreffs der Verbreitung der Iser- 
schichteu und der Teplitzer Schichten in Ostböhmen werfen, so gelangen 
wir zu folgenden Schlussfolgerungen: 

I. Betreffs der Is er schichten: 

1. In dem Gebiete östlich von der Janowicek-Luzer Terrain- 
terrasse sind die Iserschichten sehi' mächtig und typisch entwickelt, 
zumeist als sogenannte Callianassenschichten. 

2. In dem Gebiete westlich von der genannten Terrainterrasse 
fehlen die Iserschichten ganz, sie sind in diesem Gebiete bisher auch 



[911 Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Kroideformation 215 

nicht ein einzigesmal und von niemandem beobachtet und beschrieben 
worden. 

II. Betreffs der Tep litzer Schichten: 

1. In dem Gebiete östlich von derselben Terrainterrasse fehlen 
die typischen Teplitzer Schichten ganz ; die bisherigen Angaben von 
Teplitzer Schichten in diesem Gebiete beziehen sich zum Theile auf echte 
Priesener Schichten (die Teplitzer Schichten in der Loucnä-Niederung 
bei Krejcf, die Teplitzer Schichten in der Umgebung von Leito- 
mischl bei Fritsch und der Inocerameni)läner), zum Theile auf die 
sogenannte „glauconitische Contactschichte" Fritsch's, die aber den 
Uebergang zwischen den Iserschichten (die in derselben enthaltenen 
Callianassen - Scheeren und andere Fossilien) und den Priesener 
Schichten (die in derselben vorkommenden Terebmhila semiglohosa und 
Gastropodensteinkerne) vorstellt und nach Fritsch's ursprünglicher 
Auffassung noch zu der Iserstufe zu rechnen ist. Terebmtula semiglo- 
hosa erwies sich als kein ausschliesslich für die Teplitzer Schichten 
charakteristisches Leitfossil, da sie auch in den echten Priesener 
Schichten vorkommt (Nömcitz, Moraschitz, Klein-Kahn, sowie audi an 
vielen Stellen im Inoceramenpläner, der ausser diesem Brachiopoden 
auch Flacenficeras (rOrbir/nijanum^ HoJaster cf. placenfa und Micraster 
de LorioU führt). 

2. In dem Gebiete westlich von der genannten Terrainterrasse 
sind die Teplitzer Schichten sehr verbreitet, nach dem Typus der 
Ausbildung dieser Stufe im nordwestlichen Böhmen entwickelt und 
zeigen drei durch Fossilien charakterisirte Horizonte: 1. Horizont der 
Lima eJotn/afa-^ 2. Horizont der Terebratulinen (= Koschtitzer Platten) 
und 3. Horizont der Rhynchonellen. In diesem Gebiete fehlt dagegen 
die sogenannte „glauconitische Contactschichte", Tcrehrntuln semiglo- 
bosa wurde daselbst bisher nie gefunden. 

Das gegenseitige Verhältniss der Iserschichten und der Teplitzer 
Schichten in Ostböhmen lässt sich also in folgendes Schema zusam- 
menfassen : 





Im Gebiete östlich von 

der Janowißek-Luier Terraiii- 

terrasse 


Im Gebiete westlich von 
der JanowiCek-LiiÄer Terrain- 
terrasse 


Iserschichten .... 


fehlen 


typisch entwickelt 


Teplitzer Schichten . . 


typisch entwickelt 


fehlen 



Wo in Ostböhmen die Teplitzer Schichten typisch 
entwickelt sind, fehlen die Iserschichten und umge- 
kehrt. 

Daraus ergibt sich naturgemäss der Schluss, dass die sogen. 
Iserschichten in Ostböhmen blos eine Faciesbildung der 



216 / J- J. "Jahn, [92] 

Teplitzer Stufe, speciell von deren drei oben aufge- 
zählten Horizonten vorstellen. Die genannte Terrainterrasse 
ist die natürliche Trennungslinie dieser zwei verschiedenen Facies 
derselben Altersstufe. 

Während wir es in den Teplitzer Schichten mit einer Fauna 
zu thun haben, deren Existenzbedingungen nur in einer ruhigen, 
tiefen (und zwar mitteltiefen) See vorhanden sind^), deutet die 
Fauna der Iserschichten ^) (zahlreiche dickschalige Seeigel, grosse dick- 
schalige Bivalven und Gastropoden etc — dagegen keine Einzel- 
korallen, keine Tiefseecrinoiden und Tiefseespongien, überhaupt keine 
ausgesprochene Tiefseefauna) darauf hin, dass dieselben in seichten, 
zumeist 1 i 1 1 o r a 1 e n Regionen des Meeres zur Ablagerung gelangt sind. 
Auch die Natur der Gesteine der Teplitzer Schichten und der Iser- 
schichten spricht im ersteren Falle durchwegs für Tiefseebildungen, 
im letzteren zumeist für Seichtwasser- und Littoralbildungen. 

Es wird nun angezeigt sein, sich die bereits weiter oben citirte, 
analoge Aeusserung Holzapfel's ins Gedächtniss zurufen; „Nach den 
Vorstellungen von Fritsch erscheint es fast, als ob die Teplitzer 
Schichten, wenigstens theilweise, ein als Pläner ausgebildetes Aequi- 
valent (Tiefseefacies) der vorwiegend sandigen Iserschichten seien 
(cf. das oben über die verschiedene Entwicklung im westlichen und 
im östlichen Böhmen Gesagte)", (Neues Jahrb. 1891, I., pag. 303.) 

Nun ist, glaube ich, durch meine gegenwärtigen Auseinander- 
setzungen die Richtigkeit dieser Vermuthung Holzapfel's bestätigt 
worden — allerdings blos in Ostböhmen. Denn in anderen 
Theilen Böhmens scheinen die Iserschichten wieder eine ganz andere 
stratigraphische Bedeutung zu haben. Nach den letzten Auseinander- 
setzungen Zahälka's z. B. sind die sogen. Iserschichten in den 
Umgebungen von Melnik, Kosoiin und Raudnitz wiederum ein Aequi- 
valent der Mallnitzer Schichten, während sie in der böhmisch-sächsischen 
Schweiz, wo sie aller Wahrscheinlichkeit nach über den Teplitzer 
Schichten (über dem Plänerkalke von Strehlen) liegen, wieder eine 
andere stratigraphische Bedeutung zu besitzen scheinen (vergl. die 
einchlägigen Arbeiten der sächsischen Aufnahmsgeologen). 

Dies alles spricht aber entschieden gegen die Annahme der 
Geologen des böhmischen Landesdurchforschungs-Comites, die Iser- 
schichten seien eine selbstständ ige Stufe der böhmischen Kreide- 
formation. 

Wie ich weiter oben bereits erwähnt habe, hat namentlich 
Fritsch diese Selbstständigkeit der Iserschichten seinerzeit ausfiihrlich 
begründet und gegen die abweichenden, von anderen Autoren aus- 
gesprochenen Ansichten vertheidigt (Iserschichten, pag. 2 — 3, 18 — 19). 
Die hauptsächlichsten Beweisgründe Fritsch's für diese von ihm 
vertheidigte Ansicht bestehen darin, dass 1. an einigen Stellen die 
Iserschichten durch angeblich unzweifelhafte Teplitzer Schichten direct 
überlagert werden und 2. dass in den Iserschichten einige Fossilien 



') Vergleiche meine diesbezüglichen Anseinandersetzungeu in Annalen d. 
k. k. naturh. Hofmus. Bd. VI., Heft 3 und 4, pag. 472 473. 
^) Vergleiche Fritsch's „Iserschichten", pag. 138. 



[93] Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Kreideformation. 217 

vorkomtneii, die in den Teplitzer Schichten bisher nicht gefunden 
worden sind 

Einer dieser schlagendsten Beweise Fritsch's für die angeb- 
liche Selbstständigkeit der Iserschichten ist durch meine in dieser 
Abhandlung mitgetheilten Beobachtungen hinfällig geworden, näm- 
lich die von F ritsch so oft ins Feld geführte, directe Ueber- 
lagerung der typischen Iserschichten durch angeblich unzweifelhafte 
Teplitzer Schichten. Nachdem diese angeblichen Teplitzer Schichten 
in Ostböhmen sich jetzt zum Theile als Priesener Schichten, zum 
Theile als ein unbedeutendes Uebergangsniveau zwischen den Iser- 
und den Priesener Schichten entpuppt haben, vermag F ritsch keine 
einzige Stelle in der böhmischen Kreideformation zu nennen, wo 
typische Iserschichten von typischen Teplitzer Schichten überlagert 
wären. Und dies ist ein Umstand, der in der Frage der Selbstständig- 
keit der Iserschichten eine bedeutende Rolle spielt und den seiner- 
zeit schon Schloenbach mit Recht mit folgenden Worten hervor- 
gehoben hat: „Auch dürfte es etwas unwahrscheinlich sein, dass 
Plänerkalk (= Teplitzer Schichten) und Isersandstein, wenn sie wirk- 
lich zwei dem Alter nach verschiedene Formationsglieder darstellen, 
bei ihrer grossen Verbreitung nicht irgendwo in directer Ueber- 
lagerung übereinander zu beobachten sein sollten" (Jahrb. d. k. k. 
geolog. Reichsanst. 1868, pag. 147). 

Was ferner den zweiten schlagendsten Beweisgrund Fritsch's 
für die Selbstständigkeit der Iserschichten anbelangt, nämlich die pa- 
laeontologischen Unterschiede zwischen den Iserschichten einerseits 
und den übrigen Stufen der böhmischen Kreideformation andererseits, 
so ist dies in dem von mir besprochenen Falle gewiss nicht stich- 
hältig: denn es ist bekannt, dass mit der Veränderung der Facies 
auch die Fauna einer gleichalterigen Ablagerung eine verschiedene 
geworden sein kann, somit kann auch die Fauna der ostböh- 
mischen Iserschichten (Littoral- und Seichtwasser-Bildungen) von jener 
der dortigen Teplitzer Schichten (Tiefseefacies) abweichen (vergl. die 
obige analoge Aeusserung Slavlk's). 

Auf eine Schwierigkeit möchte ich aufmerksam machen, die sich 
bei der Lösung der in Rede stehenden Streitfrage immer wieder 
geltend macht: 

Nach der uns aus der betreffenden Monographie von F ritsch 
bekannten Fauna der Iserschichten weiss man jetzt sicher, dass innerhalb 
dieser Stufe einige senone Formen auftreten (vergl. z. B. das obige 
Citat aus Schlüter), während ich Eingangs dieser Arbeit gezeigt habe, 
dass die untersten Lagen der auf die Iserstufe folgenden 
Priesener Schichten noch entschieden zum Turon gehören. Des- 
gleichen sind auch die Teplitzer Schichten, die unzweifelhaft dasselbe 
Alter wie die Iserschichten in Ostböhmen besitzen, eine reine 
Turonbildung, aus der wir bisher keine einzige senone Form 
kennen (vergl. das citirte Referat Holzapfel's über die „Teplitzer 
Schichten" von F ritsch). 

Die Erklärung dieser eigenthümlichen Verhältnisse muss vor- 
läufig der Zukunft überlassen werden. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Rcichsanstalt, 1895. 45. Band, l. Heft. (J. J. Jahn.) 28 



218 J. J. Jahn. [94] 

Allein eines ist schon heute sieher: Durch die Beobach- 
tungen Z a h i\ 1 k a's im mittleren B ö h m e n, durch die R e s u 1- 
tate der sächsischen Aufnahmen im nordwestlichen 
Böhmen, sowie auch durch meine soeben mitgeth eilten 
Untersuchungen im östlichen Böhmen muss der Glaube 
an die Selbstständigkeit der Iserschichten in jedem 
objectiven, unvoreingenommenen Forscher eine sehr 
starke Erschütterung erlitten haben. 



Inhalt. 



Seite 

Vorwort 125 

I. Ueber die Cephalopoden der Prieseiier Schichten 126 

EinleituDg 126 

1. Ueber die Ammoniteu der Priesener Schichten 126 

2. Ueber die Scaphiten der Priesener Schichten 131 

3. Ueber die Baciditen der Priesener Schichten 136 

4. Geologische Bemerkungen über die Cephalopoden der Priesener 

Schichten 137 

II. Ueber die horizontale Verbreitung- der Priesener Schichten . . . 141 

1. Ueber die Priesener Schichten im nordwestlichen Böhmen . . . 141 

2. Ueber die Priesener Schichten in der Umgegend von Pardubitz . 150 

3. Ueber die Priesener Schichten auf dem Blatte Hohenmauth-Leito- 

mischl (Zone 6, Col. XIV) 170 

III. Ueber die Teplitzer und Iserschichten in Ostböhmen 183 

1. Historische Einleitung 183 

2. Die Verbreitung der Iserschichten in Ostböhmen 197 

3. Die Verbreitung der Teplitzer Schichten in Ostböhmen .... 199 

a) Im Gebiete östlich von der Janowicek-Luzer Terrainterrasse . . 199 

b) Im Gebiete westüch von der Janowiöek-Luzer Terrainterrasse . 210 

4. Schlussfolgerungeu 214 



GcseUschafts-Buchdruckerei Brüder Hollhiek, Wien, III., Erdbergstr. 3. 



Tafel I. 

Kreidepflanzen von Lesina. 



Jalirbiicli d. k. k. geol. Reichsaiistalt. 189r>. 45. Band. 1. llefl. 



Erklärung zu Tafel 1. 

Fig. 1—5. Sphciwpteris Lesi)iensis. 



F. V. Kerner: Kreidepflanzen von Lesina. 



Taf. I. 




Nach NcKativen des Autors. 



Liclitdrucli von Max Jaffc, Wien. 



Jahrbuch der k. k. Geologischen Reichsanstalt, Band XLV., 1895. 



Verla? der k. k. Geologischen Reichsanstalt, Wien, III., Rasumoffskygasse 23. 



Tafel II. 

Kreidepflanzen von Lesina. 



Erklärung zu Tafel II. 

Fig. 1. Pachypferis (htlmafica. 



F. V. Kerner: Kreidepflanzen von Lesina. 



Taf. II. 




Nach Negativen des Autors. 



Lichtdruck von Max JalTe, Wien. 



Jahrbuch der k. k. Geologischen Reichsanstalt, Band XLV., 1895. 



Verlag der k. k. Geologischen Reichsanstalt, Wien, III., Rasumoffskygasse 23. 



Tafel III. 

Kreidepflaiizen von Lesina. 



Erklärung zu Tafel III. 

Fig. 1, 4. f'(iclii/pfei-i.s duhnatica. 
Fig. 2. l'di'luipteriii dliHorpha. 

Fig. 3. Fachi/pteris dalinatica var. dcntafa. 



F. V. Kerner: Kreidepflanzen von Lesina. 



Taf. III. 




Nach Negativen des Autors. 



Lichtdruck von Max Jaffe, Wien. 



Jahrbuch der k. k. Geologischen Reichsanstalt, Band XLV., 1895. 



Verlag der k. k. Geologischen Reichsanstalt, Wien, IIL, Rasumoffskygasse 23. 



Tafel IV. 
Kreidepilaiizen von Lcsiiui. 



Erklärung zu Tafel IV. 



Fig. 1. PagiophijJhitn araucnrhuim Sap. 

Fig. 2. Sphenolepidimti Karrimititii Heer. 

Fig. 3. rafiiophifllum rk/iflitiu Sap. 

Fig. 4. Cuiiithighamia elegans Corda. 

Fig. 5. l'iuchopitifs sp. '^ 

Fig. ß. Diooiiites cfr. sa.ronicus Ett. 



F. V. Kerner: Kreidepflanzen von Lesina. 



Tat. IV. 







Nach Negativen des Autors. 



Lichtdruck von Max Jaffe, Wien. 



Jahrbuch der k. k. Geologischen Reichsanstalt, Band XLV., 1895. 

Verlag der k. k. Geologischen Reichsanstalt, Wien, III., Rasumoffskygasse 23. 



Tafel V. 
Kreidepflaiizen von Lesina. 



Fig. 


1. 


Fig. 


2. 


Fig. 


3. 


Fig. 


4. 


Fig. 


5. 


Fig. 


6. 


Fig. 


7. 


Fig. 


S. 


Fig. 


9. 


Fig. 


10. 



Erklärung' zu Tafel V. 

Proteoides cfr. daphnogenoides Heer. 

Proteoidef! cfr. grevilliaefortnis Heer. 

Daphnifes Goepperti Ett. 

Phaseolites formus Lesqu. 

Vaccinium sp. ? 

Pachypteris ovata. Copie nach Bronguiart (Hist. d Veget. foss. PI. 45, 

Fig. 2 a. 
Tkiniifeldia incisa. Copie nach Saporta (Plant. Jurassiques Tom. IV 

PI. LV, Fig. 1.). 
Pachypteris dimorpha. 
Sphenopteris Lesinensis, vergrössert. 
Pachypteris dalmatica. 



F. V. Kerner: Kreidepflanzen von Lesina. 



Taf. V. 




Aut. del. 



Druck v.Th.Bannwarth. 



Jahrbuch der k. k. Geologischen Reichsanstalt, Band XLV., 1895. 

Verlag der k. k. Geologischen Reichsanstalt, Wien, HI., Rasumoffskygasse 23. 



Felix Karrer : Geologische Studien in den lerHären und jüngeren Bildungen des Wiener Beckens 



Geologisches Längsprofil den Krol-hen ba ch Ein\ 



I.Theils^^ecke; Döblinger Not-hspil-al - Irren 




CondsoMen - Fundrement 



600 



Malsstäte. 



lern.— lOtn. 



lern. = 2m. l 



2* 



10 -12 M '6 18 



J^cnUur-DiiaJU vmA ywUgi.^chx.AufruO,mt von. Herrn Jngmiau- S.War,,^. 



Jahrbuch der k. k. Geologischen Reichsanstalt, B 

Vetlap der k. k. Geologiscben Reichsanetalt. Wien, lll., Rasumoffa— 



olbung inn XIX.Bez 



hausgar he n. 



Taf.VI. 




1: 1000 fürdie Längen. 
1 : 200 fürdie Höhen. 



1150 



and XLV., 1895. 

kygasse 23. 



noo P.9. 

TerrMhöheir,M.20202- ' Terrainhokeii,M.19073- 
CanalsoWencoten.M. 18702- Canal.oMencoteH.M,18673'" 



Ilth. vTh BiiiinvAi eil..,;-!! 



Tafel VIII. 

Einige Beiträge zur Kenntiiiss der böhmischen Kreide- 
formation. 



Erklärung-eii zu Taf. VIII. 

Fi^. 1. Scaphifes cf. Geinitzi var. L amb ert i Grossouvre — aus den 

Priesener Schichten von Srnojed bei Pardubitz. 
Fig. Iffl. Seitenansicht des Exemplares, "/.^mal vergrössert. 
Fig. Ib. Ansicht desselben Exemplares von der Ausseuaeite, Naturgrösse. 
Fig. Ic. Ansicht desselben Exemplares von der Innenseite, Naturgrösse. 
Fig. Id. Lobeulinie desselben Exemplares, vergrössert. 

Fig. 2. Uebergangsform zwischen Scaphites cf. Geinitzi var. Lamberti Gros- 
souvre und Scaphites Geinitzi d'Orb. — aus den Priesener Schichten von 
Srnojed bei Pardubitz. 

Fig. a — c. Dieselben Ansichten wie bei der vorigen Figur mit denselben Ver- 
grösserungen, 

Fig. 3. Sca2)Jiites Geinitzi d'Orb. — aus den Priesener Schichten von 

Srnojed bei Pardubitz. 
Fig. 3a — d. Dieselben Ansichten wie bei der Fig. 1 mit denselben Vergrösserungen. 

Fig. 4. Uebergangsform zwischen Scaphites Geinitzi cV Orb. und Scaphites 
Fritschi Grossouvre — aus den Priesener Schichten von Srnojed bei 
Pardubitz. 

Fig. 4a— c. DieseH)en Ansichten wie bei der Fig. 1 mit denselben Vergrösserungen '). 

Fig. 5. Scaphites Fritschi Grossouvre — aus den Priesener Schichten 
von Srnojed bei Pardubitz. 

Fig. ba—d. Dieselben Ansichten wie bei der Fig. 1, aber Fig. 5« zweimal ver- 
grössert. 

Fig. 6. Uebergangsform zwischen Scaphites cf. Geinitzi var. Lamberti Gros- 
souvre und Scaphites Geinitzi d'Orb. — ans den Priesener Schichten von 
Klein-Kahn bei Aussig. 

^ Seitenansicht des Exemplares, Naturgrösse. 

Lobenlinie desselben Exemplares, vergrössert. 

B aculit es Fauja ssi var. b ohemica Fritsch — aus den Priesener 

Schichten von Klein-Kahn bei Aussig. 

Ansicht des Exemjslares von der Siphonal-Seite, Naturgrösse. 

Seitenansicht desselben Exemplares, Naturgrösse. 
Fig. 7c. Querschnitt desselben Exemplares, Naturgrösse. 
Fig. Id. Lobenlinie desselben Exemplares, vergrössert. 

Fig. 8. Baculites n. sj). — aus den Priesener Schichten von Klein-Kahn bei 

Aussig. 

Fig. 8«. Ansicht des Exemplares von der Siphonal-Seite, zweimal vergrössert. 

Fig. 8b. Seitenansicht desselben Exemplares, zweimal vergrössert. 

Fig. 8c. Länge desselben Exemplares in Naturgrösse. 

Fig. Sd. Querschnitt desselben Exemplares, zweimal vergrössert. 

Fig. 8''. Lobenlinie desselben Exemplares, stark vergrössert. 

Sämmtliche Originale befinden sich in den Sammlungen des k. k. natur- 
historischen Hofmuseums in Wien. 



Fig. 
Fig. 


6fl, 
6b. 


Fig. 


7. 


Fig. 
Fig. 


7«. 

7b. 



*) Bei der Fig. Aa ist die Berippung namentlich rechts unten in der Durch- 
führung stärker gehalten, als es der Wirklichkeit entspricht. 



J.J.JaLhn: Beiträge zur Kermtniss der böhiTi . Kreide. 



TaEVllL, 





üd. 





6h. 




od 



'^^ 



5-b. 

1^ 



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A S-w-oTioda ad.JTat 2e>''U.lüt\, 



LifliAnatv.Th.BaTuiwarft-.'WLea. 



Jahrbuch der k.k. Geologischen Reichsanstalt. Band XLV. 1895. 

Verlag der kk.Geoiogischen Reichsanstalt .Wien.III.Rasumoffskygasse 23. 






Vk«»%'A •,._>. 



Inhalt. 



Heft 1. 

Seite 

Arbeiten aus dem chemischen Laboratorium der k. k. geologischen 
Keichsanstalt,' ausgeführt in den Jahren 1892-1894, Von C. v. 
John und C. F. Eichleiter 1 

Mineralführung der Erzgänge von Stfebsko bei Pfibram. Von A. Hof»- 

mann. Mit einer Zinkotypie im Text 29 

Kreidepflanzen von Lesina. Von Dr. Fritz v. Kern er. Mit vier Licht- 
druck- und einer lithographirten Tafel. (Nr. I— V) .. 37 

Geologische Studien in den tertiären und jüngeren Bildungen des 
Wiener Beckens. Von Felix Karr er. Mit zwei geologischen 
Profiltafeln (Nr. VI und VII) nach- den Original-Aufnahmen des 
Herrn 8tadt-Iugenieur G. B. Wärmer und einer Zinkotypie im 
Text " . . . 59 

Die Erderschütterung in der Gegend von Neulengbach am 28. Jänner 

1895. Von Dr. Franz E. Suess. Mit eiuer Zinkotypie im Text . 77 

Die stratigraphische Bedeutung der Bischitzer üebergangsschichten. Von 

Ö. Zahälka. Mit ein^ Zinkotypie im Text 85 

Die Erzvorkommen im Plattach und auf der Assam-Alm bei Greifen- 
burg in Kärnten und die sie begleitenden Porphyrgesteine. Von 
Dr. Kichard Cana'val. Mit einer Zinkotypie im Text. . . . . 103 

Einige Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Kreideformation. Von 
Jaroslav J. Jahn. Mit einer lithographirten Tafel (Nr. VIII) und 
vier Ziukolypien im Text ■ 125 



-»»- 



NB. Die Antoreii allein sind lür den Inhalt und die Form 
ihrer Aufsätze verantwortlich. 



Ge.sellsc)iafts-Bnchdrnckerei Biüder HoUinek, Wien, TIT.. Rrdberg:strasse 8. 



rti .1),'" ' , ^,,V'' 



Aa8g-e^«b«ii am 15. Mai 18()6. 



JAHRBUCH 



DEK 



KAISERLICH-KÖNIGLICHEN 




l 





JAHRGANG 1895. XLV. BAND. 
2. und 3. Heft. 

Mit Tafel IX -XVII. 






Wien, 1896. 
Verlag der k. k. Geologischen Reichsanstalt. 

In Commissi OD bei R. Lechner (Wilh. Müller), k. u, k. Hofbuchhandlung, 

' I., Graben 3i. 



Ein Ptychoduszahn (Ptychodus granulosus n. sp.) 
im Wiener Sandstein von HUtteldorf. 

Von Dr. K. A. Redlich. 

Mit einer Zinkotypie im Text. 

Von Jahr zu Jahr mehren sich die Funde im Wiener Sandstein 
und so ist es zu erhoffen, dass erweiterte Kenntniss der Fossilien bald 
die richtige stratigraphische Stellung dieser Schichtserie zur Folge 
haben wird. Es ist nicht allzu lange her, dass Toula^) durch Auf- 
findung des Äcanthoceran MantelU Sokk dem Complexe zwischen Kl o- 
sterneuburg und Nussdorf eine bestimmte Stellung gegeben 
hat. Aber auch vorher kannte man von einzelnen Stellen Fossilien, 
sowohl tertiären als auch cretacischen Alters. Da für uns gegenwärtig 
nur die letzteren von Interesse sind und diese von Toula in seiner 
Abhandlung genau registrirt sind, so enthebt mich der dort gegebene 
historische Ueberblick der Aufgabe, noch einmal die einzelnen Funde 
kritisch zu betrachten. 

Diesen bisher beschriebenen organischen Resten reiht sich nun 
ein neuer an in Form unseres Pti/chodus-ZahneB. 

Das in Frage stehende Fossil wurde seinerzeit von Dr. Starkl 
zugleich mit den von ihm beschriebenen Kohlen- und Copalinvorkomm- 
nissen in Hütteldorf gesammelt-). Ich entnehme daher dieser 
Arbeit die Fundortangabe : 30 Minuten vom H ü 1 1 e 1 d o r f e r 
Bahnhof im Rosenthal am Südabhange des Satz- 
berges. 

Durch Herrn Starkl gelangte unser Fossil in die geologische 
Sammlung der Wiener Universität und wurde mir von Herrn Professor 
S u e s s zur Beschreibung übergeben, wofür ich ihm meinen wärmsten 
Dank ausspreche. 



') Franz Toula: Ein Ammonitenfund (Acanfhoceras MantelU Soir.) im 
Wiener Sandstein des Kahlengebirges bei Wien. — Neues Jahrbuch für Minera- 
logie etc. 1893, Bd. II., pag. 80. 

^) Gottfried Starkl: Ueber neue Mineralvorkommnisse in Oesterreich. 
— Jahrbuch der geolog Keichsanstalt. Wien 1883, pag. 035. 

.Tahrbucli cl. k. k. geolog. Reichsanstalt, 1895, 45. Band, 2. lieft. (Dr. K. A. Redlich.) 29 



220 Dr. K. A. Redlich. [2] 

Neben Starkl erwähnt auch Dr. Krasser') von demselben 
Fundort Snccinif, dessen Stammpflanze nach seinen erst zu publicirenden 
Untersuchungen eine Äbietinee sein soll. 

Abgesehen von diesen Copalin- und Kohlenvorkommnissen kannte 
man im Flysch von Hütteldorf, wenn auch von einer anderen Fund- 
stelle, schon seit dem Jahre 186() Foraminiferen, auf Grund deren 
Karr er-) in seiner Hauptarbeit vermuthet, dass die betretfenden 
Schichten der Kreide angehören. Später jedoch neigte sich Herr 
Karr er mehr der Ansicht zu, jene Foraminiferen seien tertiären 
Alters und spricht auch diese Meinung in einem Brief an Gries- 
bach aus 3). 

Dies dürften alle bis jetzt im Hiitteldorfer Flysch gemachten 
Funde sein, wenn ich von den zahlreichen Fucoiden und Hiero- 
glyphen absehe, die sich allenthalben hier finden, und welche in 
jüngster Zeit von Th. Fuchs*) einer eingehenden Betrachtung unter- 
worfen wurden. 



Ptychodus granulosus n. sp. 

h 






a) Ausicht von obeu., 
h) Vorderansicht. 
c) Rückansicht. 

Bevor ich auf Grund dieser Anhaltspunkte einerseits und des 
Ptychoduszahnes andererseits weitere stratigraphische Schlüsse ziehe, 
scheint mir die genaue Beschreibung des letzteren am Platze zu sein. 



') Dr. Fr. Krasser: Entstehung des Bernsteines. — Verhandlungen der 
k. k. zool.-bot. CTesellschaft in Wien. Jahrgang 1891, XLT. Bd., I. Quartal, pag. 16. 

'■*) Felix Karr er: Ueber das Auftreten von Foraminiferen in den ältesten 
Schichten der Wiener Handsteine. — Sitzungsberichte der raath.-nat. Classe der 
k. Akademie LH. Bd., T. Abth,, Jahrgang 1865, pag. 492, Wien 1866. 

^) Felix Karr er: Berichtigende Bemerkungen über das Alter der Fora- 
miniferen-Faima der Zwischenlageu des Wiener Saudsteines bei Hütteldorf. (Aus 
einem Schreiben an Herrn C. L. Cxriesbach — Jänner 1869.) Verhandlungen der 
geol. Reichsanstalt 1869, pag. 295. 

*) Th. Fuchs: Studien über Hieroglyphen und Fucoiden. Denkschriften 
der k. Akademie der Wissensch. (math.-nat. Classe) 1895. Bd. LXH. 



[3] Ein Ptychoduszahn im Wiener Sandstein von Flütteldorf. 221 

Der uns vorliegende Zalin ist um ein Geringes breiter als lang, 
sehr tiach und zeigt auf der breiten Kautiäche 18 scharfe Rippen, 
welche durch ebenso beschaffene Querfurcheu getrennt sind. Die 
Wurzel fehlt vollständig. Die hinteren Rippen verlaufen mit wenigen 
Ausnahmen bis an den Rand des Zahnes und biegen erst an diesem 
gegen vorne um. In ihrer IMitte sind sie etwas gegen die Stirnseite 
gezogen, eine Erscheinung, welche jedoch nur an den letzten Rippen 
wahrzunehmen ist, während sie schon bei der ftinften (von rückwärts 
gezählt) verschwindet. Die vorderen Ripi)en dagegen, von der zehnten 
an, ebenso wie vorher gezählt, zeigen das Bestreben, sich von der 
Mitte aus immer mehr aufzulösen und eine grobkörnige Granulation 
zu bilden, welche sich theilweise an den Verlauf der Rippen hält, 
um schliesslich in einen äusserst feinen, circa 1 — 2 mm messenden 
Vorderrand auszuliächen. Die vorderen Rippen zeigen ferner das 
Bestreben, sich gegen den Rand hin schwach nach rückwärts zu biegen, 
so dass die beiden Biegungsrichtungen allmählig ineinander übergehen. 

Auch gegen den Hinterrand sehen wir ein Feldchen, das ein 
gleichschenkliges Dreieck von 2 mm Höhe darstellt, welches mit groben 
Tuberkeln besetzt ist. Gegen die beiden Seiten hin fehlt eine Area 
vollständig und die Rippen gehen bis an den äussersten Rand. 

Die Dimensionen betragen: Breite 38 mm, Länge 31 mm. 

Unterschiede: Vergleichen wir unsere Form mit Fttjchodus 
polygiirns Äg., so sehen wir, dass sie mit demselben äusserst nahe 
verwandt ist. Vor allem stimmt die Breite der Rippen, ferner die 
Richtung ihrer Umbiegung in der Nähe der seitlichen Ränder überein. 
Auch die Grösse des Zahnes steht im guten Einklang zu dem ver- 
glichenen Stücke. Die wesentlichsten Unterschiede gegenüber Pt. pohj- 
gijnis sind das vollständige Fehlen eines iVrealrandes zu beiden Seiten 
und das ausserordentliche Zurücktreten desselben gegen vorne und 
hinten. Dass ein Arealrand hier wirklich fehlt und die Krone ihr 
Ende findet, ist an dem Originale deutlich sichtbar, da eine feine 
Schraffirung nach abwärts den Zahn rings umgibt und die regel- 
mässige Rundung des Randes wohl den besten Beweis liefert, dass 
an den Seiten nichts weggebrochen sei. Ferner sehen wir der Mitte 
des Vorderrandes gegenüber eine Zerreissung der Rippen bis fast 
gegen das Uentrum herantreten, die wir bei keinem Ptychoduszahn 
in so ausserordentlicher Weise bis jetzt ausgebildet gesehen haben. 
Die grösste Aehnlichkeit zeigt unsere Species im allgemeinen Aufbau 
mit dem von A. S. Wo od ward in seinem Catalogue of fossil 
fishes pl. \., Fig. 7 abgebildeten Exemplare der verglichenen Art. 
Die Rippen sind zwar stärker, doch ist hier die Zerreissung derselben 
sehr gut angedeutet, was sonst bei Ptijchodm poh/gi/rus nicht der Fall 
ist. Noch näher liegt ein Vergleich mit Zähnen, die derselbe Verfasser 
in der Arbeit, On two Groups of Teeth of the Cretaceous Selachian 
Fish Ptychodus; Ann. Rep. Yorksh. Phil. Soc, 1889, abgebildet hat, 
doch sind auch hier gravirende Unterschiede zu bemerken. Vor allem 
sehen wir wiederum einen breiten Arealrand, ferner einen vollkommen 
verschiedenen Querschnitt. Dort die Krone erhöht und flach, plötz- 
lich nach beiden Seiten gegen den Arealrand abfallend, hier regel- 



gerundet einer Calotte gleichend. 



29 



* 



222 Dl'- K. A. Redlich. [4] 

Alle bis jetzt gemachten Ptydiodusfunde gehören der oberen 
Kreide an und speciell Pfi/cliodns poli/f/i/rus Ä<i., welcher der Art aus 
dem Flysch am nächsten steht, findet sich allenthalben im Senon und 
Turon. Man ist in Folge dessen wohl berechtigt, diesen Theil des 
Wiener Sandsteines der oberen Kreide zuzuzählen und somit er- 
scheint auch die Einreihung dieser Partie in den Complex der ober- 
cretacischen Inoceramenschichte, wie sie Stur auf seiner Special- 
karte ') vornahm, vollständig gerechtfertigt. 

Ob dies auch von dem Fundorte der Foraminiferen, einem ver- 
lassenen Steinbruch an der Mariabrunner Strasse ^), gilt, der ebenfalls 
auf der Stur'schen Karte als obere Kreide ausgeschieden ist, wage 
ich nicht zu sagen. 

Das Gestein besteht aus Mergelkalken mit weicheren Zwischen- 
lagen. Die Schichten streichen N 80" E und fallen unter einen 
Winkel von 30'^ gegen S 10" E. Bei dem Steinbruche im Rosenthal 
dagegen sehen wir eine Streichungsrichtung von N IS*^ E und ein 
Fallen von 60—65'' gegen S 72<^ E. Es wechseln hier Sandstein- 
schichten mit dazwischenliegenden feinschuppigen glimmerreichen 
Schiefer- und Mergellagen. Der Sandstein ist von blaugrauer Farbe, 
in manchen Partien sehr grobkörnig und auf den Kluftflächen von 
einer gelblich braunen Verwitterungsrinde umgeben. Die Sandstein- 
schichten erreichen eine Mächtigkeit von 0*5 m bis 6 m, während 
die dazwischenliegenden sandigen Schiefer und thonigen Mergellagen 
im Maximum 0-2 m dick sind. Der Sandstein ist ziemlich reich an 
Glimmer und manchmal von feinen Calcitadern durchsetzt. Die zwischen 
den Sandsteinbänken sich vorfindenden thonigen Mergelschichten sind 
theils fest, von blaugrauer, blauschwarzer oder grüner Farbe, weich, 
leicht zerreiblich und von Pyritknollen durchsetzt 3). In den sehr 
feinkörnigen Sandsteinschiefern mit Copalinvorkommnissen finden sich 
zahlreiche Pflanzenreste und aus ihnen stammt nach brieflichen An- 
gaben Starkl's der Ptychoduszahn, der auf seiner Unterseite noch 
einige anhaftende Spuren der glimmerreichen blaugrauen Matrix 
zeigt. Aus dieser Beschreibung ersehen wir, dass der petrographische 
Charakter der Schichten, als auch ihr Streichen sehr verschieden 
sind, und da auch aus den Begleitworten der geolog. Karte der Um- 
gebung von Wien nicht zu ersehen ist, warum Stur diesen Complex 
ebenso weit ausgedehnt hat, so wage ich es nicht, die dort anste- 
henden Schichten für gleichalterig mit denen vom SE Abhänge des 
Satzberges*) zu erklären. 

Ich möchte noch auf eine andere Localität aufmerksam machen, 
die durch ihre Copalin- und Kohlenvorkommnisse sowohl, als auch 



') Stur: Geol. Specialkarte der Umgebung von Wien 1894. Verlag der 
k. k. geol. Reiclisanstalt. 

'^) Karr er: Das Auftreten von Foraminiferen etc. 1. c. 

^) Gottfried Starkl: Neue Mineralvorkommnisse etc. 1. c. Die Beschrei- 
bung ist zum grössten Theil dieser Arbeit entnommen, wenn auch einzelne unter- 
geordnete Angaben verändert erscheinen. 

■*) Bestimmtere Angaben über die Umgebung des Satzberges dürfte die Ar- 
beit des Herrn Bergrath C. M. Paul bringen, die, in der Sitzung der geol. Keicha- 
anstalt vom 9. April 1895 angekündigt, demnächst im Jahrbuch erscheinen wird. 



[5] l'^i" l'tycUoiluszaiiu im Wiener Samlsteiii von Ilütteldorf. 223 

(liiiTli ihren ähiilichon petrognipliisclieii (Charakter mit den Kreide- 
vorkonimiiissen des Roseiitliales in Zusanimenluiiig zu stehen sciieint. 
Es ist der Pallerstein bei Gablitz, welchen wir auf der Umgebungs- 
karte von Stur als Eocäen verzeichnet finden. Die sicli hier finden- 
den Copalin- und Kohlenvorkomnmisse sind nach Krasser's Unter- 
suchungen Aequivalente der Funde im Rosenthal, und da wir nun 
durch unseren Ptiichodus einen sicheren Anhalt für das Alter des 
Hütteldorfer Vorkommen besitzen, so Hesse sich vielleicht der Paller- 
stein 1) als gleichalterig ausscheiden. 

Aber auch direct bestimmbare Holzreste finden sich an beiden 
Fundorten und es ist wohl nicht uninteressant, die Mittheilung, die 
mir Dr. Krasser, der binnen Kurzem eine grössere Arbeit über 
die fossilen Flyschhölzer publiciren wird, diesbezüglich in seiner 
gewohnten Liebenswürdigkeit machte, hier wiederzugeben. Die anato- 
mische Untersuchung der mit dem Succinit in Gablitz und in Hüttel- 
dorf in unmittelbarem Zusammenhang vorkommenden Holzreste ergaben 
deren Zusammengehörigkeit zur K r a u s'schen Gattung Cedroxi/lon, 
des weiteren deren völlige Uebereinstimmung in den histologischen 
Details. Die Untersuchung dieser Hölzer ist mit grosser Schwierig- 
keit verknüpft, da der Erhaltungszustand derselben ein so schlechter 
ist, dass selbst Dünnschliffe Details nur mit Mühe erkennen lassen. 
Es mussten daher andere Untersuchungsmethoden ausfindig gemacht 
werden , welche hier anzuführen nicht am Platze sind. Nach dem 
Erhaltungszustand sind die Hölzer schon im verrotteten Zustand ein- 
geschwemmt worden. 

Succinite wurden in jüngster Zeit zugleich mit Inoceramus Crlpsl 
auch in Klosterneuburg gefunden, und wenn sie auch die kurze 
Fundortsangabe „Klosterneuburg" führen, so ist es doch sehr wahr- 
scheinlich, dass sie denselben Schichten entstammen, aus denen 
Toula seinen Äcanthoceras MantelU her hat. So sehen wir schon an 
zwei Stellen an das obercretacische Vorkommen des Flysches Copaline 
gebunden, wodurch unsere Altersbestimm.ung der Schichten des Paller- 
stein immer mehr an Wahrscheinlichkeit gewinnt. 

Auf diese Weise sind uns bereits für einen grösseren FLächen- 
raum wichtige Anhaltspunkte über die stratigraphische Stellung der 
Schichten geschaffen. Äcanthoceras Mmifelll weist auf das Vorhanden- 
sein von Schichten cenomanen, Inoceramus Cripsi auf dasjenige senouen 



') Die Steinbrüche von Gablitz finden überdies Erwähnung in einer Arbeit 
von Herrn Dr. Fritz Berwerth (Altkrystallinische Gesteine im Wiener Saud- 
steine; Aunaien des k. k. naturhist. Hofmiiseums, Bd. V, Heft 3), der nahe den- 
selben im Wiener Sandstein exotische Blöcke von altkrystallinen Gesteinen nach- 
gewiesen hat. Er beschreibt von hier einen Block von Tö m Breite und 0'5 /» 
Dicke, deren Zusammensetzung und Ausbildung einem Biotitgneiss entspricht. Die 
Heimat dieser altkrystallinischeu Gesteine wäre die böhmische Masse, von wo 
aus die Einschwemmung dieser Gesteinsblöcke stattgefunden hätte. Diese Ansicht 
ist um so wahrscheinliclier, als diese Findlinge bis jetzt in der Nähe der böhmischen 
Masse vorkamen. Ueberdies habe auch ich vor nicht allzu lauger Zeit ebensolche 
Einschwemmungsproducte im Flysch von Mähren entdeckt. Der Flyschzug, der 
sich an die Polauer Berge legt, ist reich an solchen Gesteinseinschlüssen, besonders 
die Umgebung von Pritlach nördlich von Seitz. 



224 Dr- K. A. Redlich [6] 

Alters in der Umgebung von Klosterneuburg hin, während Pfi/chodtis 
(p-ariulosus n. i^p. die südliche Partie von Hütteldorf ebenfalls in eine 
der höheren Niveaus der oberen Kreide verweist. jMit letzterer dürften 
wiederum in Folge der äquivalenten Copalinvorkommnisse die Schichten 
östlich von Gablitz identisch sein. 

Das Original zu unserem Ptijchodns liegt im geologischen Museum 
der Universität Wien, ebenso zahlreiche Copalinstücke, sowohl von 
Gablitz als auch von Hütteldorf. Die Hölzer und Kohlen von beiden 
Fundorten gehören theils der geologisch-palaeontologischeu Abthei- 
lung des naturhistorischen Hofmuseunis, thjils dem nihieralogischen 
Institut der Universität Wien, 



Bowmanites Römeri, 
eine neue Sphenophylieen-Fructification. 

Von H. Grafen zu Solms-Laubach. 

Mit zwei phototypischen Doppeltafeln (Nr. IX und X). 

Im Jahre 1865 hatte Ferdinand Römer auf der Halde des 
Kohlenwerkes Niedzielisko bei Jaworzno im Krakauischen ein paar 
Stücke feinkörnigen Thones aufgenommen, in welchen ich, als er mir 
sie vorwies , Spuren erhaltener Structur an den eingeschlossenen 
Pflanzenresten bemerkte. Auf meine Bitte überliess er mir dieselben 
mit gewohnter Liberalität zu genauerer Untersuchung. Sie waren 
stellenweise von lichter weisslicher Farbe, weich, und dann leicht mit 
dem Messer zu schneiden, an anderen Orten hart und infolge reich- 
lichen Kohlengehaltes dunkelgrau bis schwarz gefärbt, vielfach von 
kleinen Schwefelkieskrystallen durchsetzt. Dass sie einer localen Ein- 
lagerung im Kohlenflötz entstammten, lehrt ihre aus unreiner Kohle 
gebildete Umrindung. Derartige Einlagerungen kommen ja verschie- 
dentlich vor, sind, wie Stur^) berichtet, namentlich bei Rakonitz sehr 
häufig zu fiinden. Desgleichen sind es ähnliche Massen, die, den Kohlen- 
sandsteinbrüchen zu Chomle und Svinnä bei Radnitz in Böhmen ent- 
stammend, die Materialien zu den berühmten anatomischen Dar- 
stellungen bei S t e r n b e r g -) und C o r d a ^) geliefert haben. Bei 
Cor da freilich findet man das Material als Sandstein bezeichnet, ich 
habe mich aber an den im böhmischen Nationaimuseum aufbewahrten 
Belegstücken desselben, sowie an einem im Strassburger Museum ver- 
wahrten Stücke des sogenannten Cijcadites inoolutus Sfernberg über- 
zeugt, dass es, wenn schon etwas härter und fester, doch in dieselbe 
Kategorie mit dem hier behandelten gehört. Wie ich schon in meiner 
Einleitung in die Paläophytologie pag 20 und 27 kurz dargelegt habe, 
fanden sich in den von Römer erhaltenen Fragmenten Farnblatt- 



') D. Stur. Ueber die in den Flötzen reiner Steinkohle enthaltenen Stein- 
rundmassen und Torfsphaerosiderite. Jahrb. d. k. k. geol. ßeichsanstalt zu Wien 
V. 35 (1885) pag. 647. 

■-) Graf von Sternberg. Versuch einer geognostisch-botanischen Darstellung 
der Flora der Vorwelt. Leipzig, 1821 — 1838. 

^) A. J. Corda. Beiträge zur Flora der Vorwelt. Prag, 1845. 

Jahrb. d. k. k. geol. Reiclisanst., 1895, 45. Band, 2. Heft. (Graf zu Solms-Laubach.) 



226 H. Graf zu Solms-Lauhach. [2] 

stiele, Lepidodentlronblätter, Spheiiophyllumstämmchen, sowie ein Stück 
eines Fruchtstandes vor, den ich damals als Calamarien-Fructification 
bezeichnen zu sollen glaubte. Alle diese Dinge waren vorzüglich er- 
halten, ihre Zellumina vollständig von der weisslichen Thonmasse 
erfüllt, die Membranen in schwarze Kohle verwandelt. Auf mit dem 
Messer glatt geschnittenen Flächen oder auf Dünnschliffen sieht man 
daher die gesammte anatomische Structur auf den weisslichen Grund 
wie mit zarten Bleistiftlinien gezeichnet. Aber nicht alle einge- 
schlossenen Fossilien zeigen die gleiche Erhaltungsweise. Man findet 
darin z. B. die Testa eines Gymnospermensamens, die in eine com- 
pakte Schicht unregelmässig brechender glänzender Kohle verwandelt 
ist, und ebenso verschiedentlich, zumal in den dunkleren Partieen 
Holzstücke, die, zusammengesunken und einfach rings umsclilossen, zu 
homogener Kohle geworden sind. Und ganz ähnlich verhält es sich 
auch mit den Radnitzer Thonen sowie mit denen von Rakonitz, die 
nur etwas härter und reicher an freier Kieselsäure sein dürften. Von 
letzterem Orte habe ich durch Prof. Kusta verschiedene Psaronien 
erhalten, in denen die ganzen Gefässbündelplatten zusammengedrückt 
und in homogene Kohle verwandelt, wie Bleistiftstriche auf der grauen 
thonigen Gesteinsmasse hervortreten. Weitere Beispiele der Erhaltung 
in diesem Material finden sich bei C o r d a 1. c. für Lomatoflojos 
crassicaule t. I — V, Sagenaria fusiformis t. VI, Leptoxylon geminum 
t. XV, Heterangium paradoxum t. XVI, Flabellaria borassifolia t. XXV, 
Zippea disticha t. XXVI, Psaronius carbonifer und arenaceus t. XXVIII, 
Psaronius jmlcher t. XXIX, Ps. Radnicensis t. XXXI. Der gleiche 
Erhaltungszustand liegt auch aus Zwickau in dem Psaronius Freies- 
lehenl vor, der zuerst von A. von Gutbier beschrieben wurde (cf. 
Corda 1. c. pag. 96). In allen diesen Fällen sind es die Steinkerne 
ganzer Stämme, die von der feinkörnigen Thonmasse gebildet werden. 
Und die kleineren Bruchstücke, die das Radnitzer Material bietet, 
scheinen gleichfalls ins Innere solcher Stammsteiukerne eingeschwemmt 
erhalten zu sein. 

Ein weiterer ähnliclier, wenn schon, wie es scheint, für die ana- 
tomischen Studien minder günstiger Erhaltungsbefund ist der des 
Plauen'schen Grundes, in welchem die beiden berühmten von Geinitz 
und Weiss beschriebenen und als Calamostacliys mira und superha 
bezeichneten Fruchtähren vorliegen. Das weisse Gestein bildet eine 
Bank von geringer Mächtigkeit, die jetzt nicht mehr zugänglich, seiner- 
zeit zumal im Freiherrlich von Burgk'schen Augustusschacht aufge- 
schlossen war. Es ist indessen durch ungleich stärkeren Gehalt an 
freier Kieselsäure so hart, dass es Glas ritzt und kann als ein mit 
Pflanzenresten durchsetzter Porzellanjaspis bezeichnet werden. Soviel 
ich sehe, sind die Objecto meist zusammengedrückt und in Form von 
lockerer Kohle erhalten, doch treten vielfach die feineren Oberflächen- 
structuren aufs schönste hervor. In wie weit darin Reste vorkommen, 
die die Feststellung des inneren Baues gestatten, muss die weitere 
Untersuchung lehren, die ich an einer Anzahl von Stücken vorzu- 
nehmen gedenke, die mir Geinitz aus den Gesteinssuitenvorräthen 
des Dresdener Museums freundlichst zu diesem Zweck überlassen hat. 



[3] Bowmanites Römeri, eine neue Sphenopliylleen-Fructification. 227 

Wenn ich 1887 *) pag. 27 andeutete, dass ich die Fossilien des 
Thones von Niedzielisko zum Gegenstand einer eingehenderen Unter- 
sucliung machen wolle, so hatte ich dabei vorzüglicli den dort bereits 
erwähnten Fructificationsrest im Auge, denn die übrigen Objecte 
boten nichts besonderes, was nicht bekannt gewesen wäre. Eine Durch- 
schneidung des betreffenden Thonfragmentes, durch welche ich eine 
transversale SchnittÜäche des Zapfens zu erlangen hoffte, ergab aber 
dann zu meinem grössten Bedauern, dass das erhaltene Bruchstück 
eine ausserordentlich geringe Länge aufwies, dass der grösste Theil 
des Objectes in einem andern von Römer nicht aufgenommenen 
Bruchstück auf der Halde verblieben und also verloren war. Der 
Materialschonung wegen war es nun nicht möglich, die paar Dünn- 
schliffe, die abgenommen wurden, in genauer Orientirung zu fertigen. 
Sie zeigten wundervoll erhaltene Structur, aber so grosse Abwei- 
chungen von dem für Calamarien und Lepidodendron bekannten, dass 
es mir, zumal die Axe nicht erhalten, nicht möglich erschien, aus 
ihnen allein eine klare Einsicht in die Organisation des Strobilus zu 
erlangen. Desswegen beschloss ich, den sehr kleinen Rest des Ob- 
jectes zunächst nicht weiter zu berühren und sandte denselben samnit 
den erzielten Schliffen an Römer zurück, in der Hoffnung, dass 
neue Anhaltspunkte gewonnen werden möchten, um später eine frucht- 
barere Untersuchung des Gegenstandes zu ermöglichen. Viel früher 
als ich erwartete, sollte ich in die Lage kommen, auf diese ver- 
schobene Studie zurückzugreifen. 

Im Jahre 1893 nämlich erschien die schöne Arbeit Zeiller's -) 
über die Fructification von t^phenoplußlum, bei deren Leetüre mir so- 
fort mein Zapfenrest von Niedzielisko wieder vor Augen stand. Ich 
schrieb nach Breslau und erhielt nach einiger Zeit das von mir an 
Römer gesandte Paket, dessen Inhalt dieser, der inzwischen ver- 
storben war, noch nicht wieder an seine Stelle in der Sammlung 
gebracht hatte, zurück. Prof. Frech war freundlich genug, mir auch 
seinerseits die Objecte behufs genauerer Untersuchung zur freien 
Disposition zu stellen. Gleich die erste Vergleichung der früher her- 
gestellten Präparate ergab nun eine so weitgehende Uebereinstimmung 
mit den Resultaten Zeiller's, dass an der Bestimmung des Restes 
als Sphenophyllostachi/s gar kein Zweifel mehr obwalten konnte. Da 
sich indess auch grosse Verschiedenheiten zeigten, da in Folge der 
guten Erhaltung manche Punkte mit grösserer Sicherheit klargelegt 
werden konnten, als Zeiller's Material sie bot, so beschloss ich 
nun , der Besprechung des Restes eine eigene Abhandlung zu 
widmen. 

Zur Zeit der Herausgabe meiner Einleitung in die Palaeophy- 
tologie lag die Kenntniss der Sphenoj)htjllHm-¥nu'tiüi'iitionen noch sehr 
im Argen; ich musste mich, da mir eigene Beobachtungen oder zu 
solchen geeignetes Material nicht zu Gebote standen, an die neueste 



') Solms. Einleitung in die PaJaeophytologie vom botanischen Standpunkt 
aus. Leipzig, 1887. 

^) R. Zeiller. :iätudes snr , la Constitution de l'appareil fructificateur des 
Sphenophyllum. Mein, de la soc. geol. de France n. 11 (Paleont) 1893. 

Jahrb d. k. k. geol. Reicbsanst., 1895, 45. Band, 2. Ilelt. ((Jiaf zu Solms-LauLacli.) 30 



228 H- Graf zu Solms-Laubach. [4] 

von Schenk gelieferte Darstellung des Thatbestandes halten. Ob 
die in detaillirterer Weise beschriebene Volhnannia Dawsoni Will. '^) ^) 
hieher gehöre, war damals nicht mit Sicherheit festzustellen, wenn- 
schon der Bau ihrer Zapfenaxe dafür zu sprechen schien. Jetzt ist 
durch ZeiUer's Untersuchung die Sachlage mit einem Schlage ver- 
ändert, da dieser die Zugehörigkeit des W i 1 1 i a m s o n'schen Restes 
zu Sphenophi/lhDn dadurch erwiesen hat, dass er an Abdrucksexem- 
plaren von Spli. nineifoJiwn aus den nordfranzösischen und belgischen 
Kohlenfeldern dessen charakteristische Eigenthümlichkeiten fast sammt 
und sonders feststellen konnte. Die Angaben der älteren Autoren, 
die sämmtlich auf sehr unvollkommene Erhaltungszustände sich be- 
ziehen, müssen deswegen, soweit sie nicht mit William so n's und 
Zeiller's Befunden in Uebereinstimmung gebracht werden können, 
in den Hintergrund treten und als revisionsbedürftig angesehen 
werden. 

Diese Angaben der älteren Literatur sind von Schenk') und 
von Zeil 1er zusammengestellt und eingehend discutirt worden, so 
dass es nicht nöthig erscheint, hier nochmals auf dieselben zurück- 
zukommen. Wir können uns also darauf beschränken, das Gesammt- 
bild der Structur der Aehren von SphenopJn/lhim kurz zu recapituliren, 
wie es sich aus den in allen Punkten übereinstimmenden Beobachtungen 
Willi am so n's und Zeiller's ergibt. Die von einem dreieckigen, 
an den Ecken etwas abgestumpften Primärbündel durchzogene Axe 
trägt in Abständen von 1, 5 — 2, 5 Millimeter gleichbeschaffene Blatt- 
wirtel. Diese bestehen aus einer Anzahl lineallanzettlicher Zipfel von 
6 bis 8 Millimeter Länge, welche unterwärts mit einander zu einer 
Scheide in Form eines ziemlich weit geöffneten Trichters verbunden 
sind. An der inneren oberen Seite dieses trichterförmigen Sclieideu- 
theils sitzen die Sporangien in grösserer Zahl an, zwei oder drei, 
vielleicht gelegentlich sogar vier concentrische in verschiedener Höhe 
inserirte Kreise bildend und demgemäss auf dem Längsbruch zwischen 
je zwei Blattwirteln in Richtung der Radien zu mehreren, zwei bis 
drei oder vier, voreinander liegend. Befestigt sind diese Sporangien 
an dünnen Stielen, die auf dem Scheidentheil des Blattwirtels ent- 
springen und an ihrer hakenartig axenwärts umgebogenen Spitze je 
ein solches in hängender Stellung derart tragen, dass der zugehörige 
Stiel wie die Raphe am anatropen Ovulum der nach aussen gewandten 
Fläche desselben angedrückt ist. An der Umkrümmungsstelle, wo 
der Stiel in die Basis des Sporangii übergeht, ist eine aus solidem 
Gewebe bestehende helmartige Anschwellung zu bemerken, die sich 
durch grosse dickwandige Epidermiszellen auszeichnet. Z e i 1 1 e r 
sieht in diesen das Analogon eines Annulus und glaubt sich an seinen 
Abdrucksexemplaren davon überzeugt zu haben, dass das Sporangium 



') A. Schenk. Ueber die Fruchtstiiiide fossiler Equiaetineen. Bot. Ztg. 
Bd. 34 (1876), pag. C25 seq. 

') Willi ums QU. On the Organisation of Volkmannia Dawsoni. Memoirs 
of the literary and philosophical soc. of Manchester ser. 3, vol. 5 (1871), pag. 27 seq. 

") Willianison. On the Organisation of the fossil plants of the coal 
measures pt. V. Philos. Transact. 1874, pag. 41 seq.; pt. XVIII. Philos. Trausact. 
189Ü, pag. 255 seq. 



[5] Bowmanites Römcri, eine neue Sphenophy}]een-Fructification. 229 

mit einer longitudinalen, von dieseiii Annuliis bis zur organischen 
Spitze verlaufenden, an der dem Sporangialstiel gegenüber liegenden 
Seite befindlichen Spalte eröffnet wird. Auch die freien Sporen mit 
netzartig gezeichneter Membran hat Zeil 1er, in ähnlicher Weise wie 
Williamson sie beschreibt, erkennen können. Der von Renault') 
seinerzeit auf die Untersuchung unvollkommener Exemplare hin ver- 
mutheten Heterosporie gegenüber verhält er sich ablehnend. 

Am Schluss seiner Darstellung des Sph. mneifolium stellt dann 
Z e i 1 1 e r noch die Punkte zusammen, die seiner Meinung nach 
dringend weiterer Aufklärung bedürftig sind. Es sind das die folgenden : 
1. Das Verhalten des Sporangialstieles im unteren Theil seines Verlaufs. 
Auf den Durchschnitten des Wirteis in der Höhe, in der er in seine 
einzelnen Zipfel auseinandergeht, sieht man in einer der William- 
son'schen Figuren (1. c. V. Taf. III, Fig. 6, 1. c. ; F. C. pag. 8 bei 
Zeil 1er) vor jedem dieser Zipfel zwei Stielquerschnitte und diese 
stimmen mit Zahl und Lage der zunächst folgenden Sporangien gar 
nicht überein. Es scheint also, dass diese zu verschiedenen Wirtein 
gehören, dass demgemäss die Stiele der äussersten Sporangien viel 
länger als die der weiter gegen innen gelegenen sind. Zeiller fragt 
sich deswegen, ob diese Stiele in einem oder in mehreren Insertions- 
kreisen abgehen, ob sie sich vielleicht gegen die Insertion gruppen- 
weis büschlig vereinigen, so dass mehrere Sporenbehälter an der 
Spitze eines Stielbüschels entspringen. 2. Den Bau des Gefässbündels 
in den Sporangialstielen und in den Strahlen des Blattwirtels, in 
welch' letzteren Williamson überhaupt keine Bündel gesehen hat. 
Er betont mit Recht die Unwahrscheinlichkeit eines solchen Ver- 
haltens. 3. Genauere Feststellung der Ausdehnung und der Structur 
der grossen dickwandigen von ihm als Annulus angesprochenen Zellen 
der Sporangiumbasis. 

Die Zahl der Sporangialkreise, die von einem Blattwirtel ent- 
springen, scheint nach ZeiUer's Angaben Schwankungen zu unter- 
liegen, wenn man verschiedene Species der Gattung in Betracht zieht, 
doch konnte nur für Sphenoph. angustifolmm mit einiger Sicherheit 
festgestellt werden, dass nur ein solcher Sporangialwirtel an Stelle 
der zwei oder drei concentrischen des SpJienoph. euneifolium vorhanden 
ist. Auch bei Sphenoph. tenerrimtim könnte es sich möglicherweise 
ähnlich verhalten, doch war es Zeiller nicht möglich, aus den ihm 
allein zugänglichen H e 1 m h a c k e r'schen Zeichnungen ^) über diesen 
Punkt zu einer sicheren Ansicht zu gelangen. 

Sehr wichtig ist endlich Ze ill er's Ansicht über die specitische 
Zugehörigkeit der bekannten Boirmanites- Avteu. Dass er Bowmanites 
(Volkmannia) Dairsoni Will, mit Sphenoph i/llum ciinelfoUum identificirt, 
haben wir bereits gesehen, er geht aber auf pag. 23 seiner Ab- 
handlung weiter und sagt: „J'ajoute en terminant qu'en outre de 



') B. Eenault. Nouvelles reeherches sur la structure des Sphenophyllum et 
sur Icurs affinites botauiques. Ann. des sc. nat. ser. 6 v. 4 (1877), pag. 277 seq. 

-) Helmhacker. Einige Beiträge zur Kenntniss der Flora des Südrandes 
des oberschlesisch-polnischen Steinkohlenbeckens. Berg- und Hüttenmännisches 
Jahrbuch, XXH, pag. 50 - 53, T. III. 

30* 



230 H. Graf zu Solms-Laubach. [6j 

l'identite pour inoi noii douteuse du Bowm. Dawsoni avec le Sph, 
cimeifolium, il me paratt plus que probable qu'il faut egalenieut iden- 
tifier a ce deruier le Bowm. germanicus Weiss et peut'etre aussi 
le Bowm. cambreusis Binne}'. Pour le Bowm. germanicus les dimensions 
de toutes les parties concordent exactement avec ce qu'ou observe 
sur les epis du Sph. cuneifolium; les pedicelles des sporanges ne 
sollt il est vrai pas disceniables, mais oii a vu qu'ils ne l'etaient que 
rarement sur les empreintes et seulement lorsque , par suite de 
deplacements accidentels, les sporanges exterieurs se trouvaient rejetes 
en dehors du coutour de l'epi. II n'y a douc pas de raison pour ne 
pas rapporter cet epi au Sph. cuneifolium, les couches dans les- 
quelles il a ete trouve appartenant d'ailleurs au houiller moyen, ou 
Westphalieu, dans la llore duquel ce Sph, constitue l'une des especes 
les plus aboudantes." 

Durch Zeiller's Untersuchungen angeregt, haben nun ganz 
neuerdings W i 1 1 i a m s o n und Scott') die in des ersteren Sammlung 
verwahrten Präparate des Boicmamtes Dairsoni erneuerter Untersuchung 
unterzogen, Sie schliessen sich in den Hauptzügen an Zeiller's 
Darstellung an, ziehen aber vor, die Frage nach der Identität dieser 
Beste mit Boinnauitcs camhrensis und SphenoplujUum cuneifolium zu- 
nächst in suspenso zu lassen. Deswegen bezeichnen sie ihre Objecte 
als Splu'HopliylluiH Dawsoni. Nur in einem Punkte weichen die 
englischen Autoren von der Interpretation des Thatbestandes ab, 
wie sie von Zeiller gegeben wurde. Sie nehmen nämlich nicht 
wie dieser zwei oder drei concentrische Wirtel von Sporangien für 
jeden Blattciuirl an, und meinen vielmehr pag. 935: „The exteut to 
which the pedicels adliere to the surface of the disc varies greatly ; 
in some cases tliey become free at once; in others they do not 
become wholly free uutil the point is reached where the bracts 
themselves begin to separate from one another. It does not appear 
however that there was ever more than a Single verticil of sporan- 
giophores belonging to each verticil of bracts; appearances to the 
contrary seem to be due to the varying degree of adhesion between 
the two Organs. 

A transverse section of the strobilus may show one or two 
circles of sporangia between two whorls of bracts ; sometimes even 
a part of a third circle is present, The same variations are obser- 
vable in tangential sections, Tliese differences can only be explained 
by the fact that the sporangiophores overlap each other so as to 
bring their sporangia to diftereut levels. Where additioual sporangia 
appear withiu the same internode, their position is both exterior 
and superior to those of the first circle. Hence the longer pedicels 
must have passed to the outside of the sporangia borne on the shorter 
ones as is often well shown both in transverse and tangential sections. 
The longer sporangiophores considerably exceed an internode in 
length for we find sporangia belonging to two successive verticils of 
bracts appearing in the same transverse section. 



') Williamsou aud Scott, Further observatious on the orgauisation of 
the fossil plauts of the coal measures Part. I. Philos. Transact. 1894, pag. 863 seq. 



[7] Bowmauites Kömeri, eine neue Sphenophytleen-Fructification. 231 

Da Zeiller's Untersuchungen nur französische und helgische, 
die W i 1 1 i a ni s n's und S c o t t's ausscliliesslich englisclie Materialien 
betreffen, so musste mir natürlich daran gelegen sein, zu sehen, ob 
nicht auch in deutschen Sammlungen Stücke von ähnlicli gutem Er- 
haltungszustand zu finden seien. Ich besichtigte deswegen im Herbst 
1894 aufs genaueste die Originale Germar's in Halle a. S. und 
die von Geinitz in Dresden, ohne indess zu einer ganz bestimmten 
Ansicht über die Organisation der in diesen Stücken vorliegenden 
Aehren gelangen zu können Anders aber verliielt es sich mit dem 
Originalexemplar des Bonmanites gennanictis Weiss'^), welches mir 
von der Direction der kgl. geol. Landesanstalt zu Berlin bereitwilligst 
zur Untersuchung übersandt wurde, sowie mit einem Stück vom 
Deutschlandschacht bei Lugau in Sachsen, welches ich in der Dresdener 
Sammlung fand und dessen Darleihung ich Geinitz' Freundlichkeit 
verdanke. In beiden Fällen gelang es mir nämlich, Punkt für Punkt 
Zeiller's Angaben zu bestätigen. 

Um endlich über die William so n-Sc ott'schen Originale eine 
bestimmte auf Autopsie der Objecte begründete Meinung äussern 
zu können, bin ich im Frühling 1895 in London gewesen und habe 
die betreffenden Präparate aus William son's Sammlung zu wieder- 
holtenmalen aufs genaueste durchmustert, wobei ich mich durchweg 
von der Exactheit der Angaben beider Autoren überzeugen konnte, 
wie sich aus dem Folgenden ergeben wird. 

Von Boinnanites gennmiicus hat Weiss') Taf. XXI, Fig. 12 
ein Habitusbild des Exemplars sowie ein paar ganz schematisch ge- 
haltene Detailabbildungen gegeben ; die Sporangien erscheinen hier 
zwischen zwei Wirtein, jederseits auf dem Radius zu drei hinter 
einander gelegen, als kugelige, mit einer feinen Punktirung versehene 
Körper ohne irgendwelche Befestigung an einem Blattwirtel. An den 
meisten Stellen des Exemplars , überall da , wo seine Substanz in 
Form einer ziemlich dicken Kohlenrinde erhalten ist, war auch kaum 
mehr zu erkennen. Es sind indessen an der Spitze und in der Mitte 
des Stückes einige Stellen vorhanden, deren Kohle zum Theil mit 
der Gegenplatte entfernt ist, die deswegen den radialen oder doch 
nahezu radialen Durchbruch darbieten. Eine solche habe ich nicht 
ohne grosse Mühe und Sorgfalt durch den mit der Behandlung 
solcher Obj ecte vertrauten Herrn S c h a r f e n b e r g e r unter be- 
ständiger Controle meinerseits neu abbilden lassen. Man sieht bei 
Betrachtung der Figur (Taf. IX, Fig. 7), dass die einander genäherten 
flach trichterförmigen Wirtelscheiden ganz nahe über der Axe durch- 
gebrochen sind, so dass in Folge dessen die einzelnen Internodien 
deutlich hervortreten. Zwischen je zwei solchen Wirtein sieht man, 
wie Weiss richtig angab, zwei oder drei Sporangien hintereinander, 
die eiförmig sind und an der nach Aussen gewandten Seite ganz 
zweifellos den Stiel und dessen hakenförmige Umkrümmuug zur Spo- 
rangialbasis aufweisen. Die Zahl der im Radius aufeinander folgenden 
Sporangien habe ich allerdings mit absoluter Sicherheit nicht fest- 



') Weiss. Beiträge zur fossilen Flora, III. Steinkohlen - Calamarien, IL 
Abhandlungen zur geol. Specialkarte von Preussen etc. vol. V, Heft 2. (Berlin, 1884.) 



232 n. Graf zu Solms-Laubach. [g] 

stellen können, doch sind sicher mehr wie ein und weniger als vier 
Kreise vorhanden. Die starke Zusaniniendrückunj; des übjectes und 
das Durchscheinen der Sporangien der Unterseite, die öfters sogar 
durch die Axe hindurch sich benierklich machen, lassen allzu be- 
stimmte Angaben in dieser Beziehung misslich erscheinen. Immerhin 
wird der hier geführte Nachweis der Sporangienträger, die an dem 
Exemi)lar bisher nicht gesehen waren, das Gewicht der von Z eil l er 
für seine Identification angegebenen Gründe nur verstärken. 

Vortrefflich erhalten sind die Details der Organisation an dem 
Lugauer Exemplar des Dresdener Museums, dessen Gesammtansicht 
die Fig. 5, Taf. IX wiedergibt. Die Aehre, deren Spitze leider durch 
eine locale Verdrück ung betroffen wird, ist sechs Centimeter lang 
und sitzt einem kurzen beblätterten Zweigstücke auf, dessen Ab- 
schluss bildend. Es gelang mir durch die Wegsprengung eines kleinen 
deckenden Gesteinstückes, den vorderen Rand zweier Blätter freizu- 
legen, worauf ich mich von der Zugehörigkeit des Restes zu Splien. 
emargimifum überzeugte. 

In der Aehre stehen die aufeinander folgenden Wirtel etwa 
drei Älillimeter auseinander, sie sind flach, tellerförmig ausgebreitet, 
ihre linealen Spitzen stehen nur wenig schräg aufgerichtet ab, sind 
übrigens nur selten in der Flächenansicht, meist nur im Durchbruch 
erhalten, lieber die Sporangien ragen sie soweit erkennbar, etwa um 
fünf Millimeter hervor. Die fast horizontale Ausbreitung des Blatt- 
wirtels hängt otfenbar mit dem Reifezustand des ganzen Frucht- 
standes zusammen. Die auf ihm befestigten Sporangien sind von der 
Axe liinweggerückt und bei der Einschliessung mehr oder weniger 
nach rückwärts, gegen den Wirtel hin, niedergedrückt worden. Da 
nun durch den Aufbruch des Stückes der Wirtelrand entfernt worden 
ist, so sieht man in allen Scheiden auf die Scheitel und auf die 
durch deren Zurückbiegung freigelegten inneren Seiten der Sporangien. 
Da kann denn nun zunächst darüber, dass sie in mehr als einer 
concentrischen Reihe stehen, gar kein Zweifel obwalten; zwei Kreise 
sind ganz sicher, das Vorhandensein eines dritten innersten, an der 
Zurückbiegung nicht oder doch nur in viel geringerem Grade be- 
theiligten, nuiss wenigstens als möglich bezeichnet werden. Die einzelnen 
Sporangien, soweit sie in normaler Lage befindlich, vom Scheitel her 
zusammengedrückt, erscheinen als flach kegelförmige Höckerchen, an 
deren Kohlenrinde ganz deutlich die longitudinalen Grenzen der 
Epidermiszellen als zarte wellige Längsstreifung wahrgenommen werden 
können; ihren Scheitel nimmt ein kleiner unscharf begrenzter, durch 
den Glanz seiner Kohle deutlich hervortretender knopfartiger Buckel 
ein, den ich nicht anstehe als die Anschwellung zu deuten, die an 
der Uebergangsstelle des Stieles bei S})]). cuneifolium bekannt ge- 
worden ist. Eine allerdings äusserst zarte, nur angedeutete Furche, 
die von diesem Höcker an der axensichtigen Seite hinabläuft, könnte 
der Lage der von Zeil 1er angegebenen Eröflnungsspalte entsprechen. 
Von den Sporangialstielen ist an diesem Exemplar eben wegen der 
nach rückwärts umgebogenen Lage der Sporangien im Allgemeinen 
nicht viel zu sehen, nur an der Basis der Aehre, wo einzelne Sporen- 
kapseln, aus ihrer Lage gebracht, in Seitenansicht erscheinen, kann 



[9] Bowmanites Römeri, eine neue Sphenophylleen-Fructification, 233 

man sich von deren Vorliandensein überzeugen. Und der Lagen- 
veränderung bei der Einbettung dürfte es zuzuschreiben sein, wenn 
diese Stiele nun mitunter anstatt an der äusseren an der axen- 
wendigen Seite des Sporangii zur Beobachtung kommen. Soweit icli 
an den in Seitenlage erhaltenen Sporangien Messungen anstellen 
konnte, scheinen sie, wie dies auch Zeiller für Spli. cmarr/indfion 
angibt, kleiner als bei tSpJi. cuneifoVmm zu sein und in der Längsdirection 
eben nur 15 Millimeter, in der Breite 0-75 Millimeter zu erreichen. 
Man vergleiche zu dem Gesagten Taf. IX, Fig. 6. 

Wenden wir uns nun zu der Betrachtung des Zapfenrestes von 
Niedzielisko. Nach vorheriger Abnahme zweier Dünnschliffe stellte der- 
selbe noch ein Plättchen von vier Millimeter Dicke dar, in welchem 
die grösste, auf dem Radius der etwas schrägen Querschliffsfiäche 
gemessene Dimension des Objectes etwa neun Millimeter ergab. Diese 
Länge war aber noch nicht der ganze Radius des Zapfenquerschnittes, 
denn nähere Untersuchung ergab, dass die Schnitttiäche zwar vier 
successive Blattwirtel, deren innere mit den zugehörigen Sporangien 
getroffen hatte, die Axe selbst aber nicht mehr enthielt, neben 
welcher der Längsbruch unmittelbar vorbeigegangen sein musste. 
Läge uns der ganze Querschnitt vor, so würde derselbe unter An- 
nahme von zwei Millimeter Durchmesser für die fehlende Spindel 
etwa zehn Millimeter Radius ergeben haben. Und da das Object 
senkrecht zu der Richtung, in der diese Messung genommen wurde, 
ziemlich stark zusammengedrückt ist, so würde hier ein viel ge- 
ringerer Durchmesser erhalten worden sein, von dessen Bestimmung 
aber der geringen Deutlichkeit der äusseren Begrenzung halber ab- 
gesehen wurde. Von den vier auf der Durchschnittsfläche sicher er- 
kennbaren Blattwirteln ist nur der innerste einheitlich und ringsum 
zusammenhängend, der Schnitt hat eben seinen basalen Scheidentheil 
getroffen ; in Folge der Zusammendrückung des Ganzen stellt er 
eine ziemlich spitzwinkelige Falte dar. Die übrigen bestehen aus 
lauter einzelnen Blattzipfelquerschnitten, die sieb, obschon vielfach 
durch Druck deformirt, doch überall mit den Seitenrändern berühren 
und etwas übereinandergreifen Es geht aus diesen Befunden mit 
Bestimmtheit hervor, dass die Wirtel bis nahe an die Basis einge- 
schnitten, steil aufgerichtet, trichterförmig gestaltet, und durch kurze 
Internodien von einander getrennt sind. Die Blattzipfel müssen dabei 
einander dachziegelig decken, sie müssen eine ziemlich beträchtliche 
Länge erreichen. 

Soweit er überhaupt solche trifft, passirt der Schnitt zwischen 
je zwei Blattwirteln durch einen Kreis dichtgedrängter, einander seit- 
lich unmittelbar berührender Sporangien. Sie haben ziemlich regel- 
mässige länglich ovale Form und halten der Regel nach paarweise 
zusammen. An der äusseren Seite greifen die in der Mediane etwas 
gekielten Spitzen des nächstäusseren Blattwirtels ein wenig zwischen 
je zwei Paare ein. Vor jedem Paar, zwischen dessen auswärts ge- 
rundete Sporangien eingepasst, ist der stumpf rhombische oder 
rundliche Querschnitt eines stielähnlichen Gebildes gelegen , der 
demgemäss mit den Zipfeln des von aussen angrenzenden Blattwirtels 
alternirt. So regelmässig wie sie geschildert, sind die Sporangien 



234 H. Graf zu Solms-Laubach. [10] 

freilich nur innerhalb des innersten Blattwirteis zu finden, weiter 
nach Aussen wii'd die Gestalt derselben viel unregelmässiger, woran 
theils Zusammensinken und Druckverschiebung, theils auch die stets 
etwas schräge Schnittrichtung die Schuld tragen dürfte. Doch findet 
man auch hier vor jedem Paar einen Stieldurchschnitt, sehr häufig 
in schräger Richtung getroft'en, vor. Mitunter entspricht freilich einem 
solchen nur ein Sporangium, dann stets zur Seite desselben gelegen, 
so dass solche Bilder leicht auf Verkümmerung oder Collaps des 
anderen entsprechenden zurückgeführt werden können. 

Bei Berücksichtigung des dargelegten Thatbestandes, für welchen 
man die Fig. 1, 2, Taf. IX, Fig. (5, 7, Taf. X vergleichen möge, ge- 
winnt man die Ueberzeugung, dass diese Sporangien paarweise von 
einem gemeinsamen stielförmigen Träger rechts und links herab- 
hängen, der über ihre Aussenseite heraufläuft. 

Versuchsweise hatte ich gleich Anfangs an einem Rand des 
Objectes einen tangentialen Längsschnitt abnehmen lassen, der sich 
indessen, wenn schon für Detailstudien nicht vverthlos, für die all- 
gemeine Orientirung nicht nutzbringend erwies. Ich war nun in 
grosser Verlegenheit. Einen radialen Durchschnitt, der doch erforder- 
lich wurde, herzustellen wagte ich nicht, einmal des damit ver- 
bundenen Materialverlustes halber, und dann weil die Richtung, die 
er einhalten musste, in dem kleinen fragilen und ungleichmässig zu- 
sammengedrückten Object kaum mit der nötliigen Sicherheit festge- 
stellt werden konnte. Da kam mir glückliclier Weise ein unglück- 
licher Zufall zu Hilfe. 

Ich hatte das Object, behufs genauerer Beobachtung der Schnitt- 
fläche, an eine Stütze gelehnt auf die schmale Kante gestellt. Infolge 
eines Stosses gegen den Tisch rutschte es, fiel um und brach dabei 
in zwei Stücke, auf den Bruchfiächen die gewünschte Radialschnitt- 
ansicht ergebend. An einer seiner Ecken löste sich gleichzeitig ein 
einzelnes Sporangium los, noch von seiner dünnen Kohlenhülle um- 
geben. So konnte denn über dessen Grösse und Gestalt kein Zweifel 
mehr obM^alten. Es war eiförmig, von den Seiten her zusammenge- 
drückt, und ohne das unterste durch den Schnitt hinweg genommene 
Ende zwei Millimeter lang. Docli fehlte nur wenig von demselben 
und konnte es im unverletzten Zustande blos eine Kleinigkeit länger 
gewesen sein, lieber seine nach aussen gewandte Schmalseite läuft 
wulstartig eine Kohlenleiste hin, am einen Pol des Körperchens in 
hakenförmiger ümbiegung endend, nicht unähnlich der sogenannten 
Raupe des früheren bayerischen Helms. 

Die ganze Längsbruchfläche ist in der Fig. 4, Taf. IX darge- 
stellt. Die innere gegen die Axe gerichtete Seite ist die linke. Wir 
sehen hier dem innersten erhaltenen Sporangialkreis des Querschnittes 
entsprechend ein einziges, noch nicht einmal vollständiges Sporangium 
(2), dem das untere Ende fehlt. Die wulstartige, seiner Aussenseite 
angeschmiegte Kohlenleiste, die vorher beschrieben wurde, ist voll- 
kommen deutlich, ihr Ansatz an den benachbarten Blattlängsschnitt 
jedoch nicht mit Bestimmtheit zu erkennen. So viel aber lässt sich 
aus dem Bilde entnehmen, dass von einem freien, weit herablaufenden, 
in diese Leiste ausgehenden Sporangienstiel nicht die Rede sein kann. 



[11] Bowmanites Römeri, eine neue Sphenophylleen-Fructification. 235 

lieber diesem Sporangium sieht man nun aber weiter die abge- 
schnittene Spitze eines zweiten solchen (o), den Winkel ausfüllend, 
der zwischen der rückenseitigen Leiste des erstbesprochenen und dem 
Bruchrand des nächst äusseren Blattzahns gelegen ist. Dieses zweite 
Sporangium muss also einem anderen, höher gelegenen Sporangial- 
kranz angehört haben. Im nächstcäusseren Wirtelinterstitium (B) ist 
wiederum ein Sporangium zu sehen, dessen oberstes und unterstes 
Ende durcli die Schnitt- und Bruchflächen entfernt wurde; unter 
demselben findet sich an der auswärts gerichteten Seite gerade noch 
die äusserste Spitze eines nächstunteren, mit ihrem Kohlenwulst er- 
halten. Dem dritten ganz rechts gelegenen Blattwirtel endlich ent- 
spricht, zwischen ihm und dem zweiten gelegen ein Sporangium, dem 
etwa das untere Drittel durch die Bruchfläche weggenommen ist. Aber 
auch hier ist von einem tiefer gelegenen gerade noch eine Spur in 
Form seines äussersten Spitzchens (1) erhalten. 

So lehrt uns also unser Längsbruch des Zapfenrestes mit Be- 
stimmtheit, dass wir es in jedem Interstitium zwischen zwei Scheiden- 
wirteln nicht mit einem, sondern mit mehreren und zwar zum 
mindesten mit drei übereinander folgenden Sporangienkreisen zu 
thun haben, was aus dem Querschnitt allein nicht gefolgert werden 
durfte, weil auch einkreisig gestellte Sporangien, wenn sie nur die 
nöthige Länge besassen, in den Interstitien aufeinanderfolgender 
Wirtel, freilich in verschiedener Höhe, getroffen sein konnten. Die 
Aehnlichkeit der über die Aussenkante jedes Sporangii verlaufenden 
Kohlenleiste mit dem von Z e i 1 1 e r für Sj)]!-. cuneifolium ausführ- 
lich beschriebenen, einwärts umgekrümmten, in eine annulusartige, 
den Behälter tragende Kappe auslaufenden Stiel ist auf der anderen 
Seite so in die Augen springend, dass wir beide ohne irgend welches 
Bedenken mit einander vergleichen dürfen. Dann ist es aber auch 
klar, dass hier wie bei Sph. cuneifolium die Sporangienstiele an der 
oberen Seite der Blattwirtel entspringen, und dass sie eine geringe 
Länge besitzen; dass die Sporangien beinahe sitzend gewesen sein 
müssen. Denn man kann den Stiel nirgends über das untere Ende 
des Sporenbehälters hinaus verfolgen, und auf dem Querschnitt sind 
stets die Sporangienpaare und die ihnen zugehörigen Stieldurchschnitte 
genau in gleicher Anzahl vorhanden, was anderenfalls nicht möglich 
sein würde. 

Wenn die vorstehenden Erörterungen zutreffend sind, so muss 
man nothwendiger Weise unter Umständen bei etwas schräger Füh- 
rung des Querschnittes innerhalb eines und desselben Wlrtel- 
interstitiums, zwei hintereinander gelegene Kreise von Sporangien- 
paaren nebst zugehörigen Stieldurchschnitten antreffen. Und in der 
That habe ich diesen Fall bei einem der mir vorliegenden Schütte 
für das innerste, der Längsbruchfläche benachbarte, Wirtelinterstitium 
nachweisen können, vgl. Fig. 1, Taf. IX, Fig. G, Taf. X. Die Schnitt- 
führung ist hier gegen die fortgebrochene Axe geneigt, so dass sie 
nur die Sporangien der beiden innersten Blattwirtel, die des zweiten 
sogar nur an der äussersten Ecke des Präparates trifft. Die weiter 
aussen gelegenen, nicht mehr gezeichneten Wirtel werden nur noch 
in ihren sterilen Blattspitzen, die dann unmittelbar aufeinander liegen, 

Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst., 1895, 45. Band, 2. Heff. (Graf zu Solm.s-Laubach.) 31 



236 H. Graf zu Solms-Laubach. [12] 

diirclisclmitteii. Aber innerhalb des innersten erhaltenen Wirteis 
werden zwei successive Reihen von Sporangien und Sporangiophoren, 
natürlicher Weise in verschiedener Durchschnittshöhe, getroffen. Es 
ist der vielen Deformationen halber schwierig, die gegenseitige 
Stellung der Sporangienträger beider Kreise zu bestimmen ; wenn 
man indess die Stellen regelmässigster Lagerung in Betracht zieht, 
so scheinen sie miteinander abzuwechseln, so zwar, dass die .äusseren 
wie früher geschildert mit den Wirtelgliedern alterniren, die inneren 
aber diesen superponirt stehen. Auch diese Regelmässigkeit der An- 
ordnung würde, falls sie sich bestätigen sollte, sehr dafür sprechen, 
dass wir es bei unserem Reste, so wie Zeil 1er für Sph. cnnelfolium 
angibt, mit mehreren consecutiven Kreisen kurzgestielter Sporangien 
in der Art wie oben auseinandergesetzt, zu thun haben. Bei Willi am- 
son's Pflanze freilich liegt die Sache anders, hier dürften in der 
That wie Willi am son und Scott angeben, alle Sporangienträger an 
der Wirtelbasis entspringen. Ich habe mich von der Genauigkeit der 
bezüglichen Angaben beider Autoren durch Untersuchung ihrer Originale 
selbst überzeugt und muss deswegen ihren Zweifeln an der Identität 
des <S))^. cuneifolinm Zeiller's und des Boirmanites Dawsoni bei- 
treten. Es wird sich weiterhin Gelegenheit ergeben, auf die Organi- 
sation dieser letzteren PHanze nochmals zurück zu kommen. 

Betrachten wir nun, bevor wir weitergehen, die Structur der 
bislang geschilderten Theile, soweit sie auf den vorliegenden Durch- 
schnitten erkannt werden kann. 

Was zunächst die Wirtelblätter betrifft, so bestehen diese aus 
einem gleichmässigen, in der Mediane von einem Gefässbüudel durch- 
zogenen, ziemlich derbwandigen Parenchym, dessen Wandungen in 
Folge des Zusammensinkens vielfach hin und her gebogen, wie zer- 
knittert erscheinen. Die Epidermis dagegen setzt sich aus dickwandigen, 
an der Aussenseite papillenartig vorspringenden Elementen zusammen, 
die vielfach dunkle Inhaltsmassen umschliessen (vgl. Taf. X, Fig. 10 a). 
Stellenweise wird sie von einer oder zwei Schichten unterlagernden 
derbAvandigen Parenchyms begleitet. An ein paar Stellen, avo der Schnitt 
in Folge zufälliger Falten der Blattfläche kleine Stückchen der 
Oberflächenansicht darbot, erwiesen sich diese Epidermalelemente 
von annähernd rechteckigem Gesammtumriss und mit starken welligen 
Verzahnungsvorsprüngen versehen, also etwa denen der Grasblätter 
vergleichbar (vgl. Taf. X, Fig. 8). Stomata konnten an den Resten 
von Niedzielisko nicht nachgewiesen werden, wohl aber fand ich eine 
gut erhaltene Spaltöffnung in einem der Präparate von Boirmanites 
JJdirsoni in Williamson's Sammlung (Nr. 1898 g). Dieselbe ist in 
Taf. X, Fig. 9 nach einer rohen im Jodrell Laboratory zu Kew in 
Eile gefertigten Skizze dargestellt, sie zeigt zwei schmale längliche, 
die klaffende Spalte begrenzende Schliesszellen, die ihrerseits zwischen 
zwei ähnlich gestaltete und gleichgerichtete Nebenzellen eingesetzt 
erscheinen. Dass die angrenzenden Epidermiszellen welliggebuchteteu 
Umriss wie bei unserer Pflanze zeigen, ist sicher, wennschon nur 
ganz kleine Stücke von denselben zur Beobachtung kamen, weil im 
Allgemeinen ihre Erhaltung nicht genügend deutlich war. 



[13] Bowmanites Römeri, eine neue Sphenophylleen-Pructification. 237 

Das Gefässbündel, wie erwähnt, ^eiiau in der Mitte des Blatt- 
querschiiittes gelegen, weist eine traclieale rjirupi)e vonselir wecliselnder, 
wohl nicht in allen Fällen der ursprünglichen Unirissform, auf. Mit- 
unter ist es compact, mitunter in der Ivichtung der Fläche des Blatt- 
zahnes verlängert und wie zu einer schmalen Platte ausgebreitet. Der 
Basttheil ist zu wenig deutlich, als dass ich irgendwelche Angabe über 
seine Lage riskiren könnte. Wo bei schräger Schnittführung die Sculptur 
dieser Trachealelemente deutlich wird, da erweisen sich dieselben 
als durchweg gleichartige zartwandige Netz- und Treppentracheiden 
von verschiedenartigem, aber immer scharfeckig-polygonalem Quer- 
schnitt. In Folge seiner zarten Beschaffenheit ist das Bündel nicht 
selten derart zusammengedrückt, dass man seine Spuren erst bei 
genauestem Zusehen nachweisen kann. Daher wird es kommen, dass 
WiUiamson diese Bündel früherhin übersehen hat (|vgl. W. I.e. XVIII 
pag. 257). Neuerdings haben Scott und er bereits deren Vorhan- 
densein auch an den englischen Materialien festgestellt. 

Die Structur des Sporangienstieles stellt Fig. 10, Taf. X bei h dar. 
Sie ist der der Blattzähne ähnlich, das im Centrum gelegene Gefässbündel 
zumal zeigt genau die gleiche Beschaffenheit. In der Epidermis tritt 
aber hier eine deutliche Bilateralstructur hervor. Ihre Zellen weisen 
nämlicb nur an der nach aussen gegen den Blattwirtel gerichteten 
Seite die vorher beschriebene Beschatfenheit auf, sind an der anderen 
inneren klein und niedrig. Doch werden sie hier öfters von einer 
unregelmässigen Reihe von Elementen unterlagert, die nach ihrem 
Aussehen den Verdacht sclerenchynratischer Beschaffenheit erwecken. 

Die Wand der Sporangien ist im Allgemeinen dünn und viel- 
fach so stark collabirt, dass sie im Durchschnitt als einfacher schwarzer. 
Streifen erscheint. Das tritt besonders dort ein, wo zwei Sporangien 
einander, sich gegenseitig abplattend, berühren. An solchen Stellen 
ist man versucht zu meinen, sie bestehe aus einer einzigen Zelllage. 
Allein wo sie besser erhalten, erkennt man ganz zweifellos, dass sie 
sich aus mehreren etwa drei bis vier übereinander lagernden Schichten 
von kleinen Zellen zusammensetzt, die in Richtung der Fläche nieder- 
gedrückt erscheinen (vgl. Taf. X, Fig. 10 c). Nur die Zartheit ihrer 
Wandungen bewirkt, dass sie so leicht unkenntlich werden. Local auf- 
tretender Verstärkungen der Sporangienwand wird weiterhin noch 
gedacht werden müssen. 

Die Flächenansicht der Sporangialepidermis zu studieren, boten 
meine Schnitte nirgends Gelegenheit. Besser erhalten fand ich sie 
in den Präparaten von Williamson's Bowm. Dawsoni. Sie gleichen, 
wie eine in Eile gefertigte Skizze zeigte, den Waudungszellen von 
Calmnostachijs, für die man die Abbildungen, die Weiss') für Cala- 
mostachys Ludivigii Taf. 24 gegeben, vergleichen möge. Nur sind die 
von der Seite ins Lumen vorspringenden Falten viel weniger zahlreich 
und lockerer gestellt als dort. 

Alle Sporangien sind überall mit gleichartigen Sporen völlig er- 
füllt. Diese sind von nicht unbeträchtlicher Grösse, durchschnittlich 



') Weiss, Beiträge zur fossilen Flora, III. Steinkohlen -Calamarleu, II. 
Abhandlungen zur geol. Specialkarte von Preusscn etc. vol, V, Heft 2, (Berlin, 1884.) 

31* 



238 H- Graf zu Solras- Laubach, [14] 

0-10 Millimeter Durchmesser und von ursprünglicher Kugelgestalt, wenn- 
schon vielfach gefaltet und deformirt. Ihr Inhalt ist gänzlich ver- 
schwunden, der sehr eigenthümliche und complicirte Membranbau da- 
gegen in ausgezeichneter Weise erhalten. In dieser jMembran sind zwei 
differente Lamellen oder besser Häute zu unterscheiden, eine äussere 
derbe, die die eigenthümlichen Flügelfortsätze trägt und eine innere 
etwas zartere, welche nur da deutlich erkannt wird, wo sie sich, sei es 
ganz, sei es nur local, von der anderen losgelöst und in unregelmässige 
Falten gelegt hat. An der äusseren Sculptur der Spore hat diese innere 
Hautlamelle gar keinen Antheil. Die ganze Sporenoberfläche ist mit 
breiten, plattenförmigen, senkrecht abstehenden Flügelleisten besetzt, 
die, untereinander verbunden, ein wenig regelmässiges Netzwerk 
bilden. Es ist schwierig, über dessen Form im Einzelnen zur Klar- 
heit zu kommen, da man nur Sporendurchschnitte und Oberflächen- 
calotten. letztere in allzu beschränkter Ausdehnung, zu Gesicht be- 
kommt. Immerhin scheinen seine Maschen langgestreckte polygonale 
Form zu besitzen, die Yereinigungsstellen vornehmlich in der Gegend 
der Pole der kugeligen Spore gelegen zu sein. An ihrem Rande sind 
die Flügel in eine Reihe scharfzugespitzter Zähne mit concaver Be- 
grenzungslinie ausgezogen, zu welchen beiderseits aus der Flügel- 
fläche vorspringende, leistenartige Rippen, hie und da gegabelt und 
verzweigt, im allgemeinen geradlinig wie die Nerven in einen Blatt- 
rand verlaufen. Ebensolche Rippenleisten ziehen auch, von Flügel zu 
Flügel querdurchlaufend, über die Flächen des Exospors, mit ihnen 
stehen die Flügelrippen in directem Zusammenhange. Auch hier sind 
Anastomosen der verschiedensten Art häutig zu tinden. Man vergleiche 
zu dem Gesagten die Fig. 1, 2, 3, Taf. X. Mit diesen Befunden an 
ßoirmanifes Bömeri stimmen Williamson's Angaben und Abbildungen 
(1. c. XVIII, Taf. 25, Fig 17, 18) der Sporen seiner Pflanze nicht 
schlecht überein, wennschon ihm die feinere Sculptur der Membran 
entgangen ist, und er nur die Flügelleisten abbildet. Ich konnte mich 
bei der Untersuchung seiner Originalschlifte davon überzeugen, dass 
nur der schlechte Erhaltungszustand daran die Schuld trägt. Zumal 
im Präparat n. 1898 war bei manchen Sporen der gezähnte Flügel- 
rand, sowie die Rippung der Flügelleisten, die letztere freilich nur an- 
deutungsweise zu erkennen, und dürften sonach die Sporen beider 
Formen einander wesentlich ähnlich beschafi"en gewesen sein. 

Wenn wir im früheren aus der Lage der Sporangialstiele je vor 
einem Sporangienpaar mit Bestimmtheit den Schluss ziehen konnten, 
dass bei Boirmanitcs Bömeri ein jeder solche Stiel nicht eines, son- 
dern zwei Sporangien getragen habe, so ergibt sich nun die weitere 
Frage, in welcher Weise denn diese an ihrem Träger befestigt ge- 
wesen sein mögen. Auch diesbezüglich gibt eines meiner Quersclmitts- 
präparate (Taf. IX, Fig. 2, Taf. X, Fig. 7) einigen Aufschluss, weil 
die Schnittebene in seinem von innen her gerechneten zweiten Wirtel- 
interstitium die Machbarschaft eben dieser Befestigungsstelle passirte. 
Und zwar liegt dieselbe, wie sich bei sorgfältigem Studium ergibt, 
für die verschiedenen Sporangienpaare in etwas verschiedener Höhe, 
so zw'ar, dass sie bei dem einen derselben (Taf. X, Fig. 7«), dem 
mittleren, unterhalb, bei den beiden andern (Taf. X, Fig. 7 b), an den 



[15J Bovvmanites Uömeri, eine neue Spheiiophyllocn-Fructification 239 

Fhichseiteu des ziisammengesuiikeiien Zapfens gelegenen, oberhalb 
der Insertion an dem gemeinsamen Träger hindurchläiift. 

Im ersteren Falle haben wir nun ein dem im bisherigen ge- 
Sfhilderten wesentlich ähnliches Bild, nur sind die Sporangiendurch- 
schnitte von viel geringerer Grösse als dort, und ist ihr Träger nicht 
mehr genau quer, sondern mehr oder weniger schräg durchschnitten. 
Mehr als es dort der Fall, greift derselbe zwischen die beiden zuge- 
hörigen Sporangien ein. Auch an seiner, gegen die Sporangien gewen- 
deten Innenseite vergrössern und verlängern sich die Epidermiszellen. 
Gleichzeitig zeigt sich eine Veränderung in der Wandung der Sporen- 
behälter, die an den gegen benachbarte Paare gerichteten Flanken 
ihres Innencontours an Dicke und Zahl der die Wandung constituiren- 
den Zellenlagen beträchtlich zunimmt, so dass ein förmlicher Vor- 
sprung, eine wulstartige Erhebung entsteht (Taf. X, Fig. 7 bei «). 
An einem der in Frage stehenden Sporangien war ausserdem an 
besagtem Vorsprung eine locale Vergrösseruug der Epidermiszellen 
zu constatiren, die an seiner äusseren Ecke in ziemlich unvermit- 
telter Weise so hochgradig wird, dass hier ein paar mächtige, annulus- 
artig vorspringende, radial verlängerte Zellen eingefügt erscheinen. 

In demselben Wirtelinterstitium zu beiden Seiten der oben be- 
schriebenen Sporangiengruppen finden sich nun ferner, die Stelle dieser 
einnehmend, Gebilde von querverbreiterter Form und eigenthümlich 
beschaftenem Querschnitt vor (Fig. 2, Taf. X bei a). Es sind, wie vor- 
her schon gesagt, die Querschnitte des beiden Sporangien eines 
Paares gemeinsamen Trägers oder Stieles in einem oberhalb der In- 
sertion der hängenden Sporangien gelegenen Niveau ; sie durchsetzen 
die helmartige Kappe, die wir im früheren über dem Sporangium an 
der Stelle des Stielansatzes wahrgenommen haben. In Fig. 4, Taf. X 
ist eines der in Frage stehenden Querschnittsbilder mit allen Details 
wiedergegeben. Wir haben ein breites, schuppenartiges Gebilde, 
dessen tiügelähnlich beschaft'ener Rand einerseits gerade vorgestreckt, 
andererseits bogenförmig nach aussen zurückgeschlagen erscheint. In 
seiner Mediane, genau die Mitte zwischen Ober- und Unterseite hal- 
tend, finden wir den Querschnitt des einzigen längsverlaufenden 
Bündelstranges, von welchem weiterhin gleichstarke Bündelzweige 
rechts und links in horizontaler, oder doch nur wenig ansteigender 
Richtung gegen die Flügelkanten hin verlaufen. Ringsum besteht die 
Epidermis aus grossen langstreckigen, prismatischen Zellen, denen 
ähnlich, die wir an der Aussenseite der freien Sporangialstiele, an 
den seitlichen Wandverstärkungen der in der Nähe ihrer Basis ge- 
troffenen Sporangien vorgefunden haben, und noch viel mächtiger ent- 
wickelt als dort. In den medianen Partieen des Schuppenquerschnittes 
finden sich ferner mehrere die Epidermis unterlagernde Schichten 
weitlumiger Zellen, die mit einem schwarzen Inhaltsklumpen erfüllt 
zu sein pflegen und die ich nicht anstehe, als mechanisch wirksame 
Verstärkungen des Epidermalsystems zu betrachten. Die beiden seit- 
lich divergirenden Gefässbündelzweige aber dürften diejenigen sein, 
die an die Basis der Sporangien herantreten, über welche der Träger 
in eine quer verbreiterte, höckerartige Endigung ausläuft. Von beiden 
Flanken dieser Trägerspitze hängen die Sporangien zu den Seiten des 



240 H. Graf zu Solms-Laubach. [16] 

Stiels in ähnlicher Weise herunter, wie dies die Ovula von Zamia 
und EncepliaJarfos an ihrem Fruchtblatt thun. Soviel lässt sich bereits 
aus der genauen Betrachtung der Querschnitte mit einiger Sicherheit 
entnehmen. Und auch die, freilich dürftigen Längsschnitte, die mir 
vorliegen, ergaben lediglich weitere Bestätigung dieser Autfassungsweise. 

Solcher Ltängsschnitte finde ich in meinen Präparaten drei. Aber 
leider liegen bei keinem derselben die Dinge so, dass ein absolut 
deutliches und ohne eingehende Interpretation verständliches Bild der 
Schnittführung zu gewinnen wäre. Die mannigfaltigen kleinen Störun- 
gen und Deformirungen des Fossilrestes machen sich eben hier in 
besonders unliebsamer Weise geltend. 

In Fig. 5, Taf. X ist einer der erwähnten Längsschnitte dar- 
gestellt. Die Höhlung des Sporangiums ist leicht an den zierlichen, 
sie erfüllenden Sporendurchschnitten kenntlich. Sie wird überragt 
von einem ausgedehnten helmartigen Höcker, dem Längsschnitt der 
Spitze des Si)orangienträgers. Man sieht die hier ziemlich mächtige, 
aus zartwandigem und vielfach schlecht erhaltenen Gewebe gebildete 
Sporangienwand durch ein verhältnissmässig schmales, stielartiges Ver- 
bindungsstück sich an die Unterseite des Trägerfortsatzes ansetzen ; 
seitlich hat keine Verschmelzung, sondern nur ein enges Aneinander- 
liegen der Epidermen des Sporangium und des Rapheähnlich an 
diesem herablaufenden Trägers stattgefunden. Dieser letztere zeigt 
durchweg massiges, grosszelliges, mit schwarzen Inhaltsklumpen er- 
fülltes Gewebe, seine Epidermiszellen sind radial verlängert und 
nehmen gegen den stumpfen, gewölbten Scheitel hin an Grösse zu. 
Nur in dem den Ausatz des Sporangium bewirkenden Verbindungsstück 
ist das Gewebe sehr zartwandig und vielerorts zerstört, seine, zumal 
im basalen Theil langstreckige Beschalfenheit lässt vermuthen, dass 
der Schnitt ganz nahe neben einem herablaufenden Gefässbündel vor- 
beigeht, dessen Trachealelemente aber leider nirgends getroffen werden. 
Hieraus ergibt sich aber bei Vergleichung mit dem Querschnitte der 
Trägerspitze (Fig. 4, Taf. X) unmittelbar, dass das in Rede stehende 
Präparat den äusseren Rand eines der Sporangien getrotfen haben 
muss. Denn andernfalls hätte man eines der beiden dort sichtbaren, 
nach rechts und links laufenden Bündel, in querer oder schräger 
Richtung durchschnitten, nothwendig antreffen müssen. Die Gewebs- 
erhaltung nämlich, wenn schon nicht glänzend, schliesst doch jede 
Möglichkeit aus, dass ein solcher Bündelquerschnitt hätte übersehen 
werden können. 

In dem zweiten Präparat (vgl. Fig. 3, Taf. IX bei a) sehen wir 
wiederum das Sporangium mit seiner mehrschichtigen Wandung, sowie 
den an dessen einer Seite herauflaufenden und es heim- oder kappen- 
artig übergreifenden Träger. Aber beide stehen hier miteinander nicht 
in directem Zusammenhang. Der Träger seinerseits ist wiederum durch 
die schon öfters besprochenen Epidermal- und Subepidermalelemente 
seiner Aussenseite ausgezeichnet, die in gleicher Weise gegen die 
Spitze an Länge zunehmen. Aber inmitten seiner übergewölbten End- 
kappe ist zartwandiges Parenchym gelegen , in dem der schräge 
Durchschnitt eines Gefässbündels hervortritt. Autfallend ist aber die 
im Vergleich zum vorherbesprochenen Präparat viel geringere Höhe 



[17] Bowmanites Römeri, eine neue Sphenophylleen-Fructification. 241 

dieser Sclieitelkappe. Vergleicht man dieses Bild mit der Qiiersdinitts- 
ansicht der Trägerspitze, so zeigt sich, dass es uiclit medianer 
Schnittführung entsi)rechen kann, da diese das Sporangium höchstens 
streifen, nicht in solcher Länge durchsetzen könnte, dass aber dieses 
letztere an seiner inneren, gegen das Schwestersporangium desselben 
Trägers gewandten Seite getroffen sein muss, da man eines der ho- 
rizontalen Bündel im Querschnitt vor sich hat, die in der Träger- 
spitze zum Sporaugialansatz verlaufen. Daraus geht aber, weil von 
der Insertionsstelle des Sporangii noch nichts zu entdecken, weiter 
hervor, dass diese weit nach aussen am unteren Rande der verbrei- 
terten Trägerspitze gelegen sein muss. 

Was deren voriier erwähnte geringe Höhe betrifft, so sind dafür 
zweierlei Erklärungen möglich. Einmal könnte die Endschuppe des 
Sporangiophors in der That eine mediane Depression zeigen, es könnte 
aber auch das Bild des vorher betrachteten Präparates eine durch 
schräge Schnittführung hervorgebrachte Täuschung sein, wo dann hier 
die wirkliche Höhe der Endkappe vorliegen würde. 

In dem dritten Längsschnitt ist wiederum, wie im ersten, ein 
Sporangium derart getroffen, dass die Verbindung zwischen ihm und 
der zugehörigen Trägerspitze deutlich wird. Und da ist denn auch 
ein Fragment des longitudinalen Durchschnitts des Tracheaistrangs 
zu sehen. Man erkennt, dass er bis nahe an die Basis des Sporan- 
gium herantritt. Lii Uebrigen wage ich jedoch in diesem Fall über 
die Schnittführung keine bestimmte Meinung zu äussern, nur der her- 
vorgehobene, die Anheftung des Sporangiums betreffende Punkt, ist 
unzweifelhaft. Ein Bild, welches das gleiche Verhalten beweist, hat 
übrigens Williamson (1. c. XVHI, Taf. 27, Fig. 16) für Bowmanites 
Dairsoni geliefert. Es ist dem Präparat n 1049 B seiner Sammlung 
entnommen. 

Nachdem im Bisherigen der Thatbestand geschildert worden ist, 
wie ihn die vorliegenden Fossilreste des Boivmanifes Bömeri bieten, 
erübrigt noch die Besprechung zweier nicht unwichtiger Punkte, die 
bislang, um die Darstellung nicht zu unterbrechen, nicht berührt 
worden sind. Einmal nämlich wissen wir, dass bei den Sphenophylleen 
die Blattwirtel der vegetativen Piegion einander superponirt sind und 
dass es bei dem Verhalten des Centralstranges und der an diesen 
ansetzenden Blattspuren gar nicht anders sein kann. Da aber dieser 
Centralstrang, bei B. Dmvsoni wenigstens, nachweislich in gleicher 
Beschaffenheit auch die Axe des Fruchtstandes durchzieht, so muss 
man offenbar a priori auch für diesen dasselbe Verhalten, also Super- 
position der consecutiven Sporangien tragenden Blattwirtel postuliren, 
ein Alterniren derselben würde anatomisch ganz unverständlich sein. 

Merkwürdigerweise sind nun sowohl Zeiller') als William- 
son und Scott^) bei Besprechung ihrer Reste über diesen so be- 
deutsamen Punkt einigermassen hinweggeschlüpft, sie neigen in gleicher 



') Williamson and Scott. Further obaervations on the Organisation of 
the fossil plants of the coal measures Part. I. Philos. Transaet. 1894, pag. 863 seq. 

'■*) K. Zeil 1er. fitudes sur la Constitution de l'appareil fructificateur des 
Sphenophyllum. Mem. de la soc. g^ol. de France u. 11 (Paleont) 1893. 



242 H. Graf zu Solms-Laubach. [18] 

Weise zur Annahme regelmässiger Alternation, ohne sich incless mit 
aller Bestimmtheit darüber auszusprechen. Bei Zeiller heisst es 
diesbezüglich für Sph. cuneifolhim pag. 14 nur: „en partie masques 
par les bractees, lesquelles paraissent alterner regulierement d'un 
internoeud ä l'autre"; und weiterhin pag. 25 für iSph. gmeile: „on 
ne distingue le plus souvent ä leur surface que les bractees, dis- 
posees en verticilles qui paraissent alterner regulierement d'un inter- 
noeud ä l'autre, comme cela a lieu sur les epis du Sph. cuneifolium.^ 
Diese Fassung ist freilich vorsichtig. Und von dem supponirten That- 
bestand habe ich mich an den Abbildungen trotz genauer Besichtigung 
durchaus nicht zu überzeugen vermocht. Willi amson und Scott 
ihrerseits meinen pag. 934: „From the position of the overlapping 
tips it ai)pears that the bracts of successive whorls alternated with 
one another. This is somewhat surprising, for the leaves in the vege- 
tative verticils of Sphenophyllum were superposed. This is however 
no argument against the Identification of our specimens with Spheno- 
phyllum, for in M Zeiller's strobili, borne on the stems of typical 
Sph. cuneifolhim the alternation of the bracts is still more evident." 

Da nun an der Zugehörigkeit all' dieser Aehren zu Sphenophyl- 
lum kein Zweifel aufkommen kann, so war ich aus den oben ange- 
gebenen Gründen von vornherein der Ueberzeugung, dass diese Angaben 
auf Irrthum beruhen müssen. Ich habe deshalb sowohl meine Prä- 
parate als die der Willi amson'schen Sammlung daraufhin zu wie- 
derholtenmalen aufs Genaueste durchmustert. Da habe ich nun aller- 
dings für Williamson's Boinnanites Dawsoni zu keiner ganz festen 
Ansicht gelangen können. Anders aber bei meinem Fossil. In den 
beiden mir vorliegenden Querschliifen (Taf. X, Fig. 6 u. 7) ergab 
sich, wie ich erwartete, eine ziemlich genaue Superposition der suc- 
cessiven Wirtelspitzen, zumal bei Berücksichtigung der weniger durch 
Verdrückung gestörten mittleren Partie des Objectes. Mit ihnen alter- 
nirend liegen in den Interstitien die Sporangienpaare, nebst zugehö- 
rigem Träger durchschnitten. Man vergleiche hierzu die Figuren, in 
denen die unzweifelhaft einander superponirten Wirtelglieder deutlich 
hervortreten. 

Der andere Fragepunkt, der schliesslich noch berührt werden 
muss, ist von Z e i 1 1 e r ^) in folgender Weise forraulirt worden (pag. 
'22): „D'un autre cote il pourrait etre interessant de rechercher ce 
que deviennent vers la base les differents pedicelles correspondant 
ä une mem.e bractee : il ressort tant de l'examen des coupes du Bowm. 
Dawsoni que des observations faites sur les empreintes, que ces 
pedicelles une fois libres, demeurent simples sur toute leur longueur ; 
mais on peut se demander si, dans leur portion inferieure unie ä la 
lame continue, formee par la soudure des bractees, ils restent encore 
independants, oü s'ils se reunissent en un tronc commun. La dispo- 
sition que j'ai figuree plus haut pour les pedicelles qui vicnnent con- 
verger deux ä deux aux memes points semble en faveur de cette 
derniöre hypothese ; on peut remarquer egalement sur la figure E 



') K. Zeiller. Etiides sur la Constitution de l'apparail fructificateur des 
Spenophyllum. Mem. de la .soc. geol. de France n. 11 (Palaeont) 1893. 



[19] Bowmanitcs Röineri, eine neue Sphenophylleen-Fructification. 243 

que quelques uiies des pedicelles qui fönt saillie sur la face interne 
de la bände ne paraissent pas loin de se confondre ; mais il est im- 
l>ossible de se prononcer positivement dans un sens öu dans l'autre. 
11 seraJt en outre ä desirer que le faisceau vasculaire de ces pedi- 
celles put etre suivi jusqu' a son origine, en vue de determiner ses 
rapports avec le faisceau qui doit exister dans Faxe des bractees". 

Die erneute Untersuchung des B. Dairsoni durch Willi um fion 
und Scott'), deren liesultaten icli nach meinem Studium der Ori- 
ginale in allen Punkten beitreten kann, hat auch in dieser Richtung 
mancherlei Aufklärung gegeben. Sie hat gezeigt, dass die Sporangial- 
stiele dieser Pflanze, von sehr ungleicher Länge, alle am Grunde des 
AVirtels auf dessen scheidenartiger Basis nahe bei einander inserirt 
sind, wodurch die Pflanze ganz sicher von Bowm. Römerl und sehr 
wahrscheinlich von Zeiller's SphenophiiUum cuneifolhmi sich unter- 
scheidet. Von den regelmässigen, übereinander folgenden Sporangial- 
kränzen der beiden letzteren Formen kann bei ihr deswegen keine 
Rede sein, wie denn auch Willi amson und Scott pag. 935 aus- 
drücklich sagen: „It does not appear, however, that there was ever 
more than a simple verticil of sporangiophores, belonging to each ver- 
ticil of bracts". Ich habe mich an den Originalpräparaten überzeugt, 
dass überall neben und zwischen den vom Schnitt getroffenen Sporan- 
gien noch überzählige Stieldurchschnitte sich finden. Und im Präparat 
1898 C der William son'schen Sammlung ist ein Querschnitt der 
Basis eines Scheidenwirtels erhalten, der die Basaltheile der hier inse- 
rirten und zum Theil noch mit der Scheide zusammenhängenden Sporan- 
giophoren trifft. Es sind deren gewiss mehr als 20, etwa 24 — 28, eine 
genaue Zählung ist wegen der unsicheren Beschaffenheit einzelner der 
hier in Frage kommenden Gebilde nicht wohl möglich. Sporangien 
selbst sind in diesem Wirtel nicht getroffen. 

Es haben Willi am son und Scott des weiteren gefunden 
(pag. 937), dass jedes für einen Blattzipfel bestimmte Bündel bei 
Bowm. Dawsoni noch innerhalb der Scheide eine Dreitheilung erfährt, 
worauf sich die beiden seitlichen Zweige sofort aufwärts wenden, 
während der mittlere in die Blattspitze verläuft. Sie sehen in diesen 
seitlichen Bündeln die für die Sporangiophoren bestimmten, worin 
sie meiner Ansicht nach Recht haben dürften. Auf dieser Annahme fusst 
dann aber die auf pag. 934 ausgesprochene Behauptung „the pedicels 
arc twice as numerous as the bracts", die nämlich, da eine sichere 
Abzahlung besagter Organe nirgends möglich, nur auf diesem Wege 
gewonnen sein kann. Die Hauptpräparate, von denen die Fig. 55 und 56 
Taf. 85 bei William son und Scott entnommen sind (vgl. auch W. 
1. c. XVIII, Taf. 27, Fig. 9), tragen in des ersteren Sammlung die Num- 
mern 1049 .1 und B; die Gruppen von drei Bündeln sind an ihnen mehr- 
fach und immer in gleicher Weise zu beobachten. Und es stimmt damit 
vollkommen der schon von Zeiller für seine Darlegungen benutzte 
Befund am Präparat 1047 (Abbildungen bei Will. 1. c. V, Taf. V, Fig. 28, 
Zeiller Fig. D bei d), in dem ein Blattwirtel gerade in der Ablösungsstelle 



') Willi amson and Scott. Further observations on the Organisation of the 
fossil plants of the coal measui-es Part. I. Philos. Transact. 1894, pag. 863 seq. 
Jahrb. d. k.k. geol. Reichsanst., 1895, 45. Band, 2 Fleft. (Graf zu Solms-Laubach.) 32 



244 H. Graf zu Solms-Laubach. [20] 

derSporangiophoren getroÖen ist. Seine Sclieide, noch zusammenhängend, 
lässt bereits die Abschnitte erkennen, die sich etwas weiter oben als Blatt- 
zähne individualisiren. Auf der Grenze je zweier dieser Abschnitte sieht 
man, dem geschilderten Bündelverhalten entsprechend, zwei Sporangio- 
phoren unmittelbar nebeneinander den Ursprung nehmen. Für Bowmanites 
Eöineri hat der Zustand des Untersuchungsmaterials bedauerlicher Weise 
dergleichen Festlegung des Gefässbündelverlaufes nicht zugelassen. 

Fassen wir nun schliesslich nochmals das Gesammtbild ins Auge, 
wie es aus dem bisher Gesagten sich ergibt, und vergleichen wir es 
mit dem für iSphenophißlum cune/fol/nm und für Bowmanites Dairsonl 
festgestellten, so zeigt sich zwar eine grosse Aehnlichkeit des Baues 
der Fruchtähre für alle diese Formen, aber jede derselben zeichnet 
sich doch wieder durch ihre eigenen Besonderheiten aus. Wir haben 
in allen Fällen eine mit gleichartigen Blattwirteln in geringen Ab- 
ständen besetzte Axe, deren Wirtel auf der oberen Seite gestielte 
und von der verbreiterten und einwärts umbogenen Stielspitze herab- 
hängende Sporangien tragen. Aber schon in Bezug auf die Ein- 
schneidung des Wirtelrandes scheinen Differenzen zu bestehen, 
indem diese bei Boirm. Bönieri tiefer als bei der William- 
son'schen PHanze sich erstrecken dürfte. Dazu kommt, dass die 
Scheidenzähne bei letzterer viel schmäler sind als bei der anderen, 
bei der sie sich, wennschon nur wenig, mit den Rändern decken. 
Für tiphenophijUnm cnneifolimn bleibt dieser Punkt zweifelhaft. Bei 
Boian. Dairsonl entspringen ferner die Sporangialstiele auf den 
basalen Scheidenplatten, sie sind von ungleichmässiger Länge und 
scheinen paarweise in die Interstitien zweier Scheidenzähne zu fallen, 
so dass also nur ein einziger Kreis von Sporangien vorhanden ist. 
Bei Bowm. Bömerl dagegen sind sicher mehrere, wahrscheinlich drei 
solche Kreise vorhanden, die Sporangienstiele müssen in verschiedener 
Höhe am Blattwirtel und zwar an dessen Zipfeln entspringen, sie scheinen 
von gleicher Länge und zwar recht kurz zu sein. Ganz ähnlich verhält 
sich nach seiner Beschreibung die Z e il 1 e r'sche Pflanze. Ein jeder Träger 
des Boinn. Dawsonl trägt nur ein von seiner helmartig umgebrochenen 
Spitze herabhängendes Sporangium, an dessen Basis der Bündelstrang 
des Stieles herantritt. Bei Boinn. Bömerl dagegen hängen von der 
verbreiteten Trägerspitze zwei Sporangien herab, rechts und links 
gelegen, zu jedem derselben tritt ein seitlicher Zweig des Hauptge- 
fässbündels heran. Sph. cunelfollimi schliesst sich Zeiller's Angaben 
nach in dieser Hinsicht mehr an die englischen Reste an, ebenso 
Bonnn. germanlcus, soweit ich darüber urtheilen kann. Die eigen- 
thümliche Vergrösserung der Epidermiszellen auf dem Rücken und 
an der Spitze des Trägers ist Boirm. Dairsonl und Bömerl gemeinsam 
und wird gewiss auch der Z eill er'schen Pflanze nicht fehlen; sie 
beginnt bei den englischen Resten schon tief unten am Stiel in Form 
blasenförmiger Hervorwölbung einzelner zu beiden Seiten gelegener 
Zellen, wie zumal das Präparat n. 1898 in Williams on's Sammlung 
zeigt. Leider ist in der bei Williamson und Scott^) gegebenen 



') Williamson and Scott. P\irther observatious ou the Organisation ofthe 
fossil plants of the coal measures Part. I. Philos. Transact. 1894, pag. 863 seq. 



[21] Bowmanites Römeri, eine neue Sijhenophylleen-Fnictification. ^45 

pliotographischen Abbildung dieses Schliffes (Tab. 7(5, Fig. 25) die be- 
trettende Stelle nicht mehr mit aufgenommen. Man vergleiche übrigens 
das dort pag. 938 Gesagte. Bei Bowm. Ixömeri sehen wir diese Structur- 
eigenthümlichkeit, die sehr an eine Annulusbildung erinnert, an der 
äusseren Seite des Sporangiums vorsprungsartig weit herablaufen. In 
den Zeichnungen und Prcäparaten des Boinn. Dawsoni finde ich davon 
nichts, bemerke übrigens, dass hier die Sporangienwand in der Regel 
schlecht erhalten ist, weswegen sie in den Beschreibungen als ein- 
schichtig bezeichnet wird. Dass sie in Wirklichkeit in ähnlicher Weise 
mehrschichtig ist wie bei Botnn. Bömeri, davon habe ich mich an einigen 
Stellen von Williams on's Originalen überzeugt. Besonders der 
Schliff n. 1898 kommt diesbezüglich in Betracht. Form und Bau der 
Sporen dürfte bei meinem und WMlliamson's Rest vollkommen 
übereinstimmen, auch in der Grösse sind sie beide gleich. Und wenn 
die Membransculptur von Williamson soviel einfacher gezeichnet 
wurde, so liegt das nur an der schlechteren Erhaltung seiner Exem- 
plare, die indessen an einzelnen Stellen des Präparates n. 1898 coli. 
WM 11 den gezähnten Rand und die Rippung der Flügelleisten erkennen 
lässt, dann wenigstens, wenn man beide zuvor in besserer Erhaltung 
kennen gelernt hatte. 

Es ist nun, wie schon öfters hervorgehoben, unzweifelhaft, dass 
alle drei in diesen Blättern besprochenen Reste der Gruppe der 
Sphenophylleen angehören. Und es zeigt sich also, dass auch in dieser 
Reihe in analoger Weise wie bei den Calamarien verschiedene Fructi- 
ficationstypen auftreten, die man wohl als Repräsentanten ebeusovieler 
difterenter Gattungen wird ansprechen dürfen. Indessen wäre eine 
nähere Begründung dieser Genera heute, wo wir weder die Structuren 
der zugehörigen Axenstränge der Stämme, noch auch die Beschaffen- 
heit der entsprechenden vegetativen Blätter zu ermitteln im Stande 
sind, zweifelsohne verfrüht. Da wir aber doch zweckmässiger Weise 
eine kurze allgemeine Benennung für die Fructificationen der Sphe- 
nophylleen in genere haben müssen, die Wortbildung „Sphefwphi/IIo- 
sfnchi/s", die nahe läge, viel zu unbequem ist, so würde ich es für 
zweckmässig halten, den bestehenden Namen Bowmanites dafür ein- 
treten zu lassen und alle hierhergehörigen Strobili so zu bezeichnen. 
Umdesswillen habe ich für den Titel dieser Arbeit den Namen Boir- 
manites Bömeri gewählt. 

Wennschon nun , wie mir scheint , durch die Untersuchung 
unseres BoirmnnUes Rimeri immerhin ein kleiner Fortschritt unserer 
Kenntniss der Sphenophylleen erzielt sein dürfte, so bleiben wir doch 
auch jetzt noch bezüglich mancher wichtigen Fragepunkte völlig im 
Ungewissen. Das gilt vor Allem bezüglich der Details der Anheftung 
der Sporangien an die zugehörigen Blattwirtel, über die unser Fossil- 
rest nur sehr dürftige Aufschlüsse ergeben hat. Es wäre ja viel- 
leicht noch etwas mehr zu gewinnen gewesen, wenn ich mich hätte 
entschliessen können, die kleinen erübrigenden Stückchen des Objectes 
in radiale Längsschnitte zu verwandeln. Da aber deren so überaus 
geringe Länge doch keine nach jeder Richtung genügenden Resultate 
in Aussicht stellte, habe ich es vorgezogen, das werthvoUe Material 
lieber intact zu lassen, damit es in späterer Zeit zur Entscheidung 

32* 



240 H. Graf zu Solms-Laiibach. [22J 

eines oder des anderen sich eventuell ergebenden Fragepunktes Ver- 
wendung finden könne. Hätte mir an Stelle dieses minimalen 
Trummes ein längeres Stück des Zapfenrestes vorgelegen, so würde 
bei seinem trefflichen Erhaltungszustand ohne Zweifel alles das, was 
heute wünschenswerth, erledigt worden sein. Hoffen wir also, dass es in 
nicht allzuferner Zeit gelingen möge, ein weiteres ähnlich gutes 
Exemplar zur Untersuchung zu bringen. 

Am Schlüsse seiner Abhandlung discutirt nun Z e i 1 1 e r auf 
Grund der neuen Beobachtungen die möglichen Verwandtschafts- 
beziehungen der Sphenophylleengruppe, die ja bekanntlich bei den 
verschiedensten Familien der Pteridinenreihe gesucht worden sind. 
Er entscheidet sich dahin, die Gruppe als eine eigene Classe der 
Filicinen zu betrachten, die er aber nicht wie früher, zwischen 
Equiseteen und Lycopodinen einreihen, sondern vielmehr in näheren 
Anschluss an die Farne bringen möchte, wie er pag. 39 sagt: „en 
raison des affinites marquees qu'ils offrent avec quelques unes des 
plantes de cette classe, ä savoir avec les Marsiliacees et avec les 
Ophioglossees par le mode de Constitution de leur appareil fructifica- 
teur". Diese „aft'inites marquees" findet er zunächst in der Verglei- 
chung des gestielten Sphenopliyllumsporangiums mit dem fertilen 
Blattabschnitt von Maisilia und (yphiocjlossum. Ich vermag dem hoch- 
geschätzten Autor auf diesem Wege so wenig zu folgen, wie W i 1- 
liamson und Scott (cf. 1. c. pag. 943). Denn, was derselbe auch 
dafür anführen möge, die Parallelisirung des einfachen gestielten 
Sporangiums, mit der coniplicirt gebauten, oft, aber keineswegs immer 
gestielten Kapsel von Mars'üia ist eine gezwungene, die ihr zu Grunde 
liegenden Vergleichsmomente sind so äusserlicher Natur, dass der 
botanische Systematiker ihnen von vornherein kühl ablehnend gegen- 
übersteht. 

Dass wir es in Splienoph ißluni mit einer eu-, nicht wie in May- 
iiHia mit einer leptosporangiaten Form zu thun haben, dürfte sich aus 
dem in dieser Abhandlung dargelegten Thatbestande ergeben. Dem 
Vergleiche mit Opliiogloamm würde das freilich nicht hinderlich sein. 
Auch die Isosporie von Sphenoplii/Uwn würde sich wohl mit Ophio- 
ghssum, nicht aber mit Marsilia zusammenreimen lassen. Sie ist ja 
nach dem Gesagten und nach Williamson und Scott's Angaben 
zum mindesten sehr wahrscheinlich, wennschon man sich in dieser 
Hinsicht, nach den bei den Calamarien gemachten Erfahrungen, recht 
vorsichtig verhalten muss. 

Anatomisch aber sind die Sphenophylleae mit den Ophioglosseae 
überhaupt nicht vergleichbar. Denn einmal ist das von Z e i 1 1 e r 
herangezogene Secundärwachsthum des Holzes bei den letzteren meines 
Erachtens noch immer nicht über allen Zweifel erhaben, und würde 
es selbst dann, wenn es ganz unzweifelhaft wäre, heute zu solchem 
Zweck kaum benützt werden dürfen, naclulem wir wissen, dass dieser 
Charakter in ganz verschiedenen Stammlinien des Gewächsreichs zu 
verschiedenenmalen selbstständig aufgetreten sein muss. Das haben 
auch Williamson und Scott pag. 945 Z e i 1 1 e r gegenüber mit 
Recht aufs Schärfste betont. 



[23] Bowmanites Römeri, eine neue Sphcnophylleen-Kiiictification. 247 

Ich habe früher i) pag. 364, auf mancherlei Umstände mich 
stützend, hervorgelioben, wie weit SphenopJnjllum durch seinen Stamm- 
bau, sowohl den primären als auch den secundären, von allen anderen 
bekannten Gewächsen abweicht. Einer von diesen Gründen, die Ano- 
malie der Markstrahlen betreifend, ist jetzt allerdings durch den von 
Williamson und Scott^) pag. 926 seq. geführten Nachweis hin- 
fällig geworden, dass das mit normalen Markstrahlen versehene Sph. 
ins/gne aus dem Culm in der That hierher gehört. Auch mir liegen 
jetzt aus dem Culm von Saalfeld Exemplare vor, die durchaus mit 
denen der englischen Autoren übereinstimmen. Ich gedenke bei einer 
anderen Gelegenheit auf die Besprechung derselben zurückzukommen. 
Meine früher') pag. 359 geäusserten Zweifel an der Sphenophyllum- 
natur dieser Reste sind also gegenstandslos geworden. Nichtsdesto- 
weniger muss ich doch auch heute noch bei meiner alten Ansicht 
verbleiben, zumal gegenüber dem erneuten Versuch Potonie's^), 
die von ihm vertheidigten *) angeblichen Beziehungen zu Salvinia 
zu begründen. 

Wenn nun Williamson und Scott pag. 946 am Schlüsse 
ihrer Abhandlung sagen: „We must be content for the present to 
leave this remarkable genus in its isolated position, in the hope that 
the extensive knowledge of his Organisation, which we now possess, 
may in the future afford an adequate basis for comparison, when 
additional forms of palaeozoic Cryptogams shall have been brought 
to light", so stellen sie sich damit in mir erfreulicher Weise genau 
auf den eben erwähnten, von mir früherhin vertretenen und auch 
jetzt noch festgehaltenen Standpunkt. 



') Solms. Einleitung in die Palaeophytologie vom botanischen Standpunkt 
aus. Leipzig, 1887. 

''') Williamson and Scott. Further observations on the Organisation of the 
fossil plants of the coal measures Part. I. Philos. Transact. 1894, pag. 8GS seq. 

ä) Potonie. Ueber die Stellung der Sphenophyllaceen im System, ßer. d. 
deutschen bot. Ges. Bd. XII (1894), pag. 97. 

^) Potonie. Naturw. Wochenschr. VII, pag. 219. 



248 H. Graf zn Solms-I.aiibach. [24] 



Literatur. 



1. Graf von Sternberg. Versuch einer geognostisch-botauisehen Darstellung 
der Flora der Vorwelt. Leipzig, 1821 — 1838. 

2. A. J. Cor da. Beiträge zur Flora der Vorwelt. Prag, 1845. 

3. Williamson. On the Organisation of Volkmannia Dawsoni. Memoirs of the 
literary and jjhilosophical soc. of Manchester ser. 3. vol. 5 (1871), pag. 27 seq. 

4. Potonie. Naturw. Wochenschr. VII, pag. 219. (1873.) 

5. Potonie. lieber die Stellung der Spheuophyllaceen im System. Ber. d. 
deutschen bot. Ges. Bd. XII (1894), pag. 97. 

6. Helmhacker. Einige Beiträge zur Kenntniss der Flora des Südrandes des 
oberschlesisch- polnischen Steinkohlenbeckens. Berg- und Hüttenmännisches 
Jahrbuch, XXH, pag. 50—53, T. IH. 1874. 

7. Williamson. ün the Organisation of the fossil plants of the coal measures 
pt. V. Philos. Transact. 1874, pag. 41 seq. 

8. A. Schenk. Ueber die Fruchtstände fossiler Equisetineen. Bot. Ztg. Bd. 34 
(187G), pag. 625 seq. 

9. B. Kenault. Nouvelles recherches sur la structure des Spheuophyllum et sur 
leurs aff'inites botaniques. Ann. des sc. uat. ser. 6 v. 4 (1877), pag, 277 seq. 

10. Weiss. Beiträge zur fossilen Flora, HI. Steinkohlen-Calamarieu, H. Abhand- 
lungen zur geol. Specialkarte von Preussen etc. vol. V, Heft 2. (Berlin, 1884.) 

11. D. Stur. Ueber die in den Flötzen reiner Steinkohle enthaltenen Steinrund- 
massen und Torfsphaerosiderite. Jahrb. d. k. k. geol. Keichsanstalt zu Wien 
V. 35 (1885), pag. 647. 

12. Solms. Einleitung in die Palaeophytologie vom botanischen Standpunkt aus. 
Leipzig, 1887. 

13. Williamson. On the Organisation of the fossil plants of the coal measures 
pt. XVIIL Philos. Transact. 1890, pag. 255 seq. 

14. K. Zeiller. ßtudes sur la Constitution de l'appareil fructificateur des Spheno- 
phyllum. Mem. de la soc. geol. de France n. 11 (Paleont.), 1893. 

15. Williamson and Scott. Further observations on the Organisation of the 
fossil plants of the coal measures Pari. I. Philos. Transact. 1894, pag. 863 seq. 



Neue Brachiopoden und eine neue Halobia der 
Trias von Balia in Kleinasien. 

Von A. Bittner. 

Mit eiuer lithogr. Tafel (Nr. XI). 

Im Frühsommer des heurigen Jahres traf eine neue grosse 
Sendung von Petrefacten aus der Umgebung von Balia-Maaden in 
Kleinasien ein, welche von unserem unermüdlichen Freunde und 
Correspondenten, Herrn Bergwerksdirector Nikolaus M a n z a v i n o s 
im Laufe der letzten Jahre zusammengebracht und der Sammlung 
der k. k. geol. Reichsanstalt zum Geschenke gemacht worden ist. 

Leider erhielten wir bald darauf die betrübende Nachricht vom 
Tode des Herrn Man za vi nos, welcher bereits leidend im Frühjahre 
nach Smyrna übersiedelt war und die Absicht gehabt hatte, behufs 
seiner Wiederherstellung nach Wien oder Heidelberg zu kommen, 
was er offenbar nicht mehr auszuführen im Stande gewesen sein mag. 
In ihm verliert unsere Anstalt einen überaus eifrigen und selbstlosen 
Gönner, dem die Sammlung derselben eine ganz besonders grosse 
Anzahl der interessantesten und werthvollsten Bereicherungen zu ver- 
danken hat. 

Die letzte Sendung des Herrn M a n z a v i n o s besteht zum grössten 
Theile aus carbonischen Petrefacten, welche vornehmlich von zwei Fund- 
orten stammen, dem schon bekannten Orhanlar, und von einer neuen, 
sehr reichen Localität : Hadji Veli Ogiou, welche nach G. v. B u- 
kowski's Kärtchen (Sitzgsber. Akad. Bd. CI, 1892) südlich von Balia 
Maaden liegt. Diese Vorkommnisse werden hoffentlich in absehbarer 
Zeit von anderer Seite bearbeitet und beschrieben werden. 

Aus der Trias von Balia ^) liegen in der letzten Sendung nur 
wenige Stücke, grösstentheils Mergelknollen mit der grossen Ferga- 
midia Eumenea m.-) und mit ? Fosidonotnija pergmnena m.^). Ausser 



') Meine beiden früheren Mittheiludgen über Triaspetrefacten von Balia 
wurden im Jahrb. d. k. k. geol. K.-A. 1891, S. 97 und 1892, S. 77 veröffentlicht. 

'■*) Es sei bei dieser Gelegenheit auf die merkwürdige Aehnlichkeit hinge- 
wiesen, welche diese Art mit der kleinen devonischen Posidonomya hians Wald- 
schm. f!p. (man vergl. z. B. Fr. Frech: Devon. Aviculiden Tab. XIV, Fig. 13) 
besitzt. 

'^) Diese letztgenannte Art ist keineswegs, wie HerrDouville in Ann. geol. 
univ. 1892, S. 811 vermuthet, eine Jugendform von Ha/obia. Schon ihre Grösse 
steht dieser Annahme im Wege. 

Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst., 1896, 45. Band, 2. lieft. (A. Bittner.) 



250 A. Bittner. [2] 

diesen fanden sich nur zwei kleine Stücke eines Thoneisensteines 
und eines liellgrauen mergeligen Kalkes, die anscheinend eine identische 
Fauna führen und aus welchen neben besseren Exemplaren der schon 
im Jahrb. 1892, S. 88 erwähnten, für Balia neuen Halobia eine kleine 
Anzahl von Brachiopoden gewonnen werden konnte, die ein beson- 
deres Interesse dadurch bieten, dass sie im Gegensatze zu der bis- 
her bekannten Brachiopodenfauna von Balia (aus den unreinen Kalken 
des Kyzyl-Tepe), die einen entschieden rhätischen (Kössener) 
Habitus aufweist (man vergl. hier insbes. Jahrb. 1892, S. 83), 
ebenso bestimmt den Typus der Hallstätter Brachiopoden- 
fauna repräsentiren. Es seien diese neuen Brachiopoden deshalb 
im Nachstehenden als ein Nachhang zu der bisher bekannten Trias- 
fauna von Balia aufgezählt und beschrieben. Dabei bezieht sich die 
Fundortsangabe „Kyzyl-Tepe" auf den grauen Kalk, die Fundorts- 
angabe „Memisch-Üglou" auf den Thoneisenstein. 

Waldheimia (Zeil/ er ia) af. austriaca Zagm. 

Wie bereits im Jahrb. d. geol. R.-A. 1892, S. 79, 89 bemerkt 
wurde, kommen in den Thoneisensteinen mit Ferganüdia Eumenea und 
? Fosidonomya peryamena iii. auch vereinzelte verdrückte Waldheimien 
(Zeillerien) des oben genannten Typus (mit sehr langen Zahnstützen 
im Schnabel) vor, auf welche der Vollständigkeit wegen hier hin- 
gewiesen sei. 

R/njnchonella Coulanti nov. spec. 

(Tab. XI, Fig. 1, 2.) 

Eine gerundete, massig aufgeblähte, mit stark winkelig vortre- 
tender Stirn versehene Art, von welcher mir zwei Exemplare vor- 
liegen. Sie steht gewissen Hallstätter Rhynchonellen unstreitig am 
nächsten, vor allem der Rln/nchonella angulifrons m. (Trias-Brach. 
S. 214, Tab. VIII, Fig. 23 — 26), welche auch in einzelnen grösseren 
Exemplaren eine schwache Berippung der Stirn anzunehmen pflegt. 
In der Gesammtgestalt, den Umrissen, den Wölbungsverhältuissen, 
sowie in der Contiguration der Stirnzunge gleicht das eine der beiden 
Stücke von Balia (vom Kyzyl-Tepe) ausserordentlich der P'orni Tab. 
VIII, Fig. 25, welche bereits eine leichte Spur beginnender Be- 
rippung an der Stirn zeigt, und ebenso ähneln beide Exemplare sehr 
dem gefalteten Hallstätter Stücke Fig. 2Q. Aber die Falten sind bei 
der kleinasiatischen Art zahlreicher, länger und kräftiger. Sie er- 
reichen bei beiden Exemplaren von Balia die Zahl 7 auf dem Wulste 
der kleinen Klappe, daher 6 im Sinus der grossen Klappe. Bei dem 
flacheren der beiden Stücke besitzt die mittelste der sieben Rippen 
noch eine schwache Medianfurche, so dass sie verdoppelt wird, 
welcher Bildung eine schwache Mittelrippe im Sinus der grossen 
Klappe entspricht. Die mediane Berippung beider Stücke ist ganz 
symmetrisch ; an der grossen Klappe beginnen sich die Rippen ein 
wenig näher dem Schnabel einzustellen als an der kleinen. Die grosse 
Klappe besitzt auch eine seitliche Berippung, welche der kleinen 



[;jj Neue Jiracliiopotleu der Trias von Balia in Kleiuasieii. 251 

Klappo nahezu ganz fehlt oder liöchstens gegen innen durch eine 
oder zwei schwache, gebogene Ripijen angedeutet wird. In entspre- 
chender Weise tritt die Seitencommissur vor der Stirnaufbiegung in 
zackiger Linie gegen die grosse Klappe zurück. 

Würde diese BlnjnchoneUa aus den Hallstätter Kalken der Ali)en 
bekannt sein, so wäre sie wohl am besten noch als gerii)pte Abart 
zu RhijnchoneUa anfjulifron^ m. zu stellen. Der Name für dieselbe 
wurde einem Wunsche des verstorbenen Entdeckers derselben ent- 
sprechend gewählt. 

Fundorte: Grauer, mergeliger Kalk vom Kyzyl-Tepe und 
Thoneisenstein von Memiscli-Oglou bei Balia-Maaden. 



BhynchoneUa Ballana nov. spec. 
(Tab. XI, Fig. 4.) 

Eine breitdreieckige, dickstirnige, an der Stirn wenig ausgerandete 
Form mit breit abgeflachten, steilabschüssigen Seiten. Kippenanzahl 
ungefähr 14, davon die mittelsten drei der grossen Klappe in einem 
nahe dem Schnabel beginnenden, breiten, aber flachen Sinus gelegen, 
dem auf der kleinen Klappe kein ausgeprägter Wulst entspricht, so dass 
die mittelsten vier Rippen dieser in einer Ebene mit den zunächst 
anschliessenden beiden seitlichen Rippen liegen. Die Oberseite der 
kleinen Klai)pe erscheint somit achtrippig, da die weiter nach aussen 
folgenden Seitenrippen schon in die seitlichen Depressionen fallen. 
Die Stirncommissur ist scharf und tief gezackt, der Uebergang der 
Seitencommissuren in die Stirncommissur nicht besonders auffallend, 
die Rippen sind hoch und laufen völlig durch. Die Erhaltung des 
einzigen Exemplars ist keine sehr gute, doch ist die Art bestimmt 
von allen mir bekannten Rhynchonellen der alpinen Trias verschieden. 
Sie schliesst sich vielleicht der Deci(rtata-Gn\m)e der alpinen Trias 
am nächsten an. 

Auch die zu Balia - Maaden häufige kleine RhijnchoneUa lepan- 
fina m. ist nicht identisch, sie besitzt insbesondere nicht die steil- 
abfallenden ebenen Seiten der hier beschriebenen Art, was bei einem 
Vergleiche speciell der Stirnansichten auffallend hervortritt. 

Fundort: Thoneisenstein von Memisch-Oglou. 

R}iyncho)>eUa spec. indet. 

Die Schnabelhälfte einer anscheinend glatten Form von geringer 
Breite, die wohl gewissen Hallstätter Arten, wie Bh/fnchonella halo- 
n'ca in , hdophila m., juoavica m. äusserst nahe stehen oder gar mit 
einer derselben identisch sein dürfte. 

Fundort: Grauer Kalk vom Kyzyl-Tepe. 

RhyncJionella (an Halorella?) sp. Indet. 

Ausser den bereits angeführten liegt noch eine kleine Einzel- 
klappe einer mit durchlaufenden starken, einfachen Rippen versehenen 

Jahrbuch d. k. k. geol. Ueichsanstalt, 1895, 45. Band, 2. Heft. (A. Bittner.) 33 



252 -^- Bittner. [4j 

Art vor, die ebensowohl auf eine llalordhi, uls auf eine h'lii/ncJioneüa 
zu beziehen sein könnte. 

F u n dort : Grauer Kalk vom Kyzyl-Tepe. 

Spirigera ex äff. JJeslottgcJiampsu Siiesd. 

(Tab. XI, Fig. 3.) 

Ein gut erhaltenes Exemplar einer kleinen glatten Spiriyenf 
gleicht zum Verwechseln der vertical und horizontal in alpinen Trias- 
bildungen weitverbreiteten Spir/yera {Dlplo.<tp/i-e]Ia) W/ssmanni Miinsf. 
spcc, lässt insbesondere auch die für glatte Spi rigera- Ai'ten so charak- 
teristische mediane Naht der Faserschale deutlich wahrnehmen. Ein 
fragmentarisch erhaltenes zweites, identisches Stück liess indessen 
nur eine einfache Spira erkennen, als es durchschliffen wurde, wes- 
halb man es hier wohl mit einer verwandten oder einer Jugendform 
der grossen Hallstätter Spirigera DedonijclicuHpsii Suess zu thun hat, 
die, wie einige nahestehende Arten der Hallstätter Kalke (Spirig. 
Ausseana., Sp. Vhligii in.) nicht zu den Diplospirellen. sondern zu den 
echten Spirigeren zu gehören scheint. Jugendexemplare dieser grös- 
seren Hallstätter Arten sind, wie ich gezeigt habe, von Diplospirella 
Wissinanni Mund. spec. äusserlich kaum sicher zu unterscheiden. 

Fundort: Grauer Kalk vom Kyzyl-Tepe. 

Koninckina spec. 

(Tab. XI, Fig. 5.) 

Eine kleine Koninckina, die erste aussereuropäische Art dieser 
Gattung meines Wissens, die Jugendexemplaren von K eUgantula 
Zngm. der norischen Hallstätter Kalke recht ähnlich sieht, möglicher- 
weise aber weder mit ihr, noch mit einer anderen der bisher be- 
kannten Arten identisch ist, da nach einzelnen Bruchstücken zu 
schliessen die Schale ein medianes Septum besitzt. Leider ist die 
Erhaltung dieser Form für einen eingehenden ^'ergleich nicht aus- 
reichend und ich muss mich daher darauf beschränken, das Vor- 
kommen derselben hier anzuführen. 

Fundort: Grauer Kalk vom Kyzyl-Tepe. 

ÄmphiclinodotUa Manzavmii nov. sp. 

(Tab. XI, Fig. 7.) 

Unter dem voranstehenden Namen sei die weitaus interessan- 
teste Art der kleinen Fauna eingeführt, von welcher leider nur ein 
Exemplar, das aber sehr schön erhalten ist, vorliegt. P^s ist eine Ainphi- 
cJinodonfa von echtem Hallstätter Typus, wie solche bisher nur aus 
den norischen Hallstätter Kalken der nordöstlichen Kalkalpen bekannt 
waren '). Die Hallstätter Amphiclinodonten gehören , wie ich bei 



') Eine Art von Ainplildiinxlonfd, die einem andereu Formenkreise ange- 
hört, brachte Herr (1. v. Bnkowski vor Kurzem aus »Süddahnatien mit {Aniphi- 
dinodonta rostram m. — Verliaudl. geol. K.-A. 1894, 8. 123). 



[5] Neue Brachiopodcii der 'J'rias von Halia in Kloinasien. 253 

früherer Gelegenheit {luseiiiaiidersetzen konnte, dreierlei ziemlich 
verst'liiedenen Typen an, als deren Rei)räsentanten man die drei 
Arten Am,p]t/rJinodonta Zu(/mai/eri. m., ÄmphicUnndonta amphitoma Zur/m. 
und Ämphirlinodonfd. crafi^ula Zuf/m. betrachten kann. Die kleinasia- 
tische Art nun schliesst sich am nächsten der letztgenannten Art, 
A. crassula, an, weicht aber in specifischen Merkmalen bedeutend 
von derselben ab. Es ist eine im Umrisse fast ovale, betrachtlich 
hochgewölbte, sehr dünne Form, mit sich der grossen Klappe enge 
anschmiegender, daher ansehnlich concaver kleiner Klappe. Das 
Schnäbelchen ist klein und stumpf, der Schlossrand deutlich geöhrt, 
die Schale, wie bei allen Koninckiniden, grobfaserig, wo dieselbe 
näher dem Stirnrande abgeblättert ist, zeigt der Steinkern flache 
grubige Vertiefungen. 

Der Schnabel ist an der Spitze durchbohrt, die Oetfnung greift 
ein wenig gegen die Aussenseite über und wird dadurch schief und 
länglich. Die Area ist verhältnissmässig gross, ihre beiden Seiten sind 
flach und glatt, das deltidiale Mittelstück konnte nicht blossgelegt 
werden. Der Wirbel der kleinen Klappe tritt kaum hervor, die Klappe 
selbst ist mit Ausnahme der beiden flachen Oehrchen zu Seiten des 
Wirbels ziemlich tief concav. Im durchfallenden Lichte erkennt man 
die Spiralbänder, während der breite lichte Randsaum insbesondere 
an der Stirnseite eine zellige Structur zeigt. Die Verschlussvorrich- 
tung der Seitenränder erscheint nicht wie bei Amphid'modonfa Zncj- 
mnyeri als eine Reihe kurzer dunkler Linien, sondern als eine Anzahl 
ziemlich gedrängt stehender langer, wimpernartiger, gegen den Rand 
verlaufender, paralleler Striche, ähnlich wie bei Amph. crassula, der 
sie auch in den Umrissen und Wölbungsverhältnissen so sehr gleicht, 
dass man, wenn man sie von der grossen Klappe sieht, fast an eine 
Identität beider denken könnte. Nur die breitere Area und der 
weniger spitze Schnabel lassen sie, wenn sie dem Gesteine ansitzt, 
von Amph. crassiiJa unterscheiden. Die kleine Klappe beider Arten 
ist freilich w^eit verschieden, sie ist bei rrasfiiila nicht concav in ihrer 
ganzen Erstreckung, sondern nur median flach eingedrückt, seitlich 
aber über die Commissur vorragend, so dass diese Form eine für 
Koninckiniden ungew^öhnliche Dicke besitzt und in ihrer Gestalt an 
gewisse Rhynchonellen der Gruppe Norelhi m. erinnert. Von Awplii- 
clifiodonta Zugmai/eri m. unterscheidet sich die kleinasiatische Art 
durch ihre weniger dreieckige, mehr ovale, nach oben breitere Ge- 
stalt und ihre weit grössere, besonders breitere Area recht auffallend, 
selbst wenn man von der ganz ditterenten Anordnung der inneren 
Seitenverschlussvonichtung absieht \). Der dritte Typus norischer 
Hallstätter Arten, Amphidinodonta amplilfoma, entfernt sich noch weiter 
von der Form von ßalia, die ohne Zweifel, wie schon oben hervor- 
gehoben wurde, als nächstverwandt der AmplncVniodoydd rra^^i^ida an- 
gesehen werden darf. 

Fundort: Grauer Kalk vom Kyzyl-Tepe. 



') Es wurden zum besseren Vergleiche wohlerhaltene Exemplare der beiden 
norischen Hallstätter Arten neben der kleinasiatischeu Art abgebildet. (Fig. 8, 9.) 

33* 



254 A. Bittner. [6] 

Refzia äff. prefiom Biffii. 

(Tal). XT, Fig. (j.) 

p]iii einziges kleines Exemplar, das der Hallstätter Form dieses 
Namens bis auf die etwas verschiedenen Umrisse sehr nahe steht, 
insbesondere dieselbe Kerippung besitzt. 

Fundort: Grauer Kalk vom Kvzyl-Tepe. 

Syiriferina ex off. Suessh'. 

Eine kleine Klai)pe einer Sj>ir//ertn(t. welche der von Balia (aus 
den unreinen Kalken des Kyzyl-Tepe) bereits bekannten rhätischen 
Art zum mindesten nahe verwandt ist. 

Fundort: Grauer Kalk vom Kyzyl-Tepe. 

Lingula spec. 

Ein Fragment einer sehr kleinen L'nupihi von inditVerentem 
Habitus. 

Fundort: Grauer Kalk vom Kyzyl-Tepe. 



Ausser den voranstehend aufgezählten Brarhioi)oden kommt in 
beiden Gesteinen mit jenen vergesellschaftet eine von Ualohia Neii- 
111(1 i/ri verschiedene, aber derselben Formcngrui)pe angehörende 
Halohia (Tab. XI, Fig. 10, 11) vor, welche sich von H. Neumai/ri 
hauptsächlich durch die beträchtlich breiteren Iiippen und vielleicht 
durch geringere Schiefe der Schale unterscheidet. An einzelnen 
Exemplaren ist das Ohr sehr wohl erhalten und besteht an beiden 
Klappen aus einem oberen flachen und einem unteren stark gewölbten 
Kadialabschnitte, von welchen der letztere nach eniwärts gekehrte 
Anwachsstreifung besitzt und offenbar als Byssusdurchgang diente. 
Auch ein wenig abgesetztes hinteres Ohr ist wie bei JI. Neumaijri m., 
vorhanden. Bei grösseren Exemplaren stellt sich eine unregelmässige 
Biegung der Berippung ein und gegen den Unterrand beginnt die 
gesammte Berippung undeutlich zu werden und zu verlöschen, wie 
bei mehreren anderen Arten der RHfjosa-Gv\\\)\)Q. Die neue, hier an- 
geführte Art von Balia steht wohl am nächsten der neuseeländischen 
Halohia Hochstetteri E. v. Mojs., ohne aber, wie es scheint, mit der- 
selben identisch zu sein. Doch genügen die von beiden Formen vor- 
liegenden Stücke nicht, um einen exacten Vergleich durchführen zu 
können. 

Fundort: Grauer Kalk vom Kyzyl-Tepe und Tiioneisenstein 
von Memisch-( )'i;lou. 



Ueber ein Ganggestein aus dem Biliner Braun- 
kohlenreviere und die durch dasselbe hervor- 
gerufenen Contacterscheinungen. 

Von A. Pelikan. 

Mit einer lithogr. Tafel (Nr. XII.) 

Im Biliner Reviere der Briixer Kolilenbergbau-Gesellschaft zeigt 
sich die Kohle stellenweise verändert. Sie ist schwarz, bröckelig, 
zuweilen ziemlich stark abfärbend und besitzt auf den Bruchflächen 
meist einen schwachen, stellenweise aber einen stärkeren, anthracit- 
artigen Glanz. Die Bergleute gebrauchen für die so bescliafl'enen 
Kohlen die Bezeichnungen: Cokeskohle und Glanzkohle. 

Die chemische Untersuchung ergibt, dass auch in Bezug auf 
die Zusammensetzung bedeutende Unterschiede zwischen der nor- 
malen Braunkohle und deii eben angeführten Kohlensorten vorhanden 
sind, wie aus der auf umstehender Seite befindlichen Tabelle ersicht- 
lich ist, welche ich durcli gütige Vermittlung des Herrn Professor 
Suess von der eingangs erwähnten Gesellschaft erhalten habe. 

Aus dieser Zusammenstellung geht hervor, dass die „Cokes- 
kohle" den höchsten Kohlenstoftgehalt aufweist, dass sie die reich- 
lichste Ausbeute an Leuchtgas und die grösste Wärmemenge beim 
Verbrennen liefert. Der Aschengehalt ist hoch, ebenso der Gehalt 
an Schwefel; die Zahl für den Wasserstoff zeigt keinen auffallenden 
Unterschied gegenüber der unveränderten Braunkohle. Die „Glanz- 
kohle" nimmt im Allgemeinen eine Mittelstellung ein. 

Forscht man nun nach der Ursache dieser Umwandlung, so 
ergibt sich sehr bald eine auffallende Abhängigkeit des Bereiches 
der veränderten Kohle von gewissen gangartigen Gebilden, welche 
mit einem weissen, zerreiblichen Material erfüllt sind, welches die 
Bergleute „weissen Letten" nennen, das aber augenscheinlich ein im 
höchsten Grade zersetztes Eruptivgestein ist. Es liegt daher die 
Vermuthung nahe, dass wir es hier mit einer Umänderung der Kohle 
in Folge der Contactwirkung eines Eruptivgesteins zu thun haben. 
Inwieweit eine solche Annahme durch die beobachteten Thatsachen 
gestützt wird, soll in den folgenden Zeilen näher untersucht werden. 
Vorerst will ich eine Schilderung der geologischen Verhältnisse folgen 
lassen, welche mir Herr Professor E. Suess mit grosser Liebens- 
würdigkeit zur Verfügung gestellt hat und wofür icli ihm hier meinen 
besten Dank abstatte. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1895, 45. Band, 2. Heft. (A. Pelikan.) 



256 



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[3] Ueber ein Guiiggesteiii aus dorn Biliner Braunkoliloureviere. 257 

„Auf der Enieranzeche des Biliner Revieres derBrüxer Kohlen- 
bergbau-Gesellscliaft und auf der Zeclie Pluto zeigt das mächtige 
Braunkohlentiötz auf ansehnliche Strecken Vercoksung. Ich habe 
Bhneran unter der gütigen Führung des Herin Centraldirectors B i h 1 
im Jahre 1894 befahren und auf den damals gesammelten Notizen, 
so wie auf den seither mitgetheilten Planen beruhen die folgenden 
Angaben : 

Die Schichtfolge im Emeranschacht ist: 

Meter 

Ueberlagerung 55*7 

Kohle mit Letten .... 1-20 

Kohle 3-25 

Kohle mit Letten .... PDö 

Kohle 5-0 

Letten (sog. Schlitzlage) . . 0-9 

Kohle 10-9 

Letten mit Kohle .... 1-20 

Letten 0*4 

Kohle 1-7 

Schiefer 08 

Liegendes. 

Gegen Nordost ragt eine Phonolithkuppe hervor, welche iilter 
'ist als die Kohle und umgeben von den Ausbissen der leicht gegen 
den Phonolith sich erhebenden Flötze. Nahe vor dieser Kuppe, süd- 
westlich von derselben, liegt noch eine grosse Hötzleere Partie, gleich- 
falls umgeben von den Ausbissen der Flötze, ein vorliegender Buckel 
der Phonolithmasse. (Siehe Taf. XIL) 

Ln Gebiete der Flötze selbst sieht man Gänge eines weissen 
Letten, welcher durch seine Farbe, wie durch sein gangförmiges 
Auftreten sich völlig von dem geschichteten Kohlenletten der oben 
erwähnten Schichtfolge unterscheidet. Zudem Hess schon die 
Grubenlampe in der weissen , zwischen den Fingern plastischen 
Masse die schwachen Umrisse grosser zersetzter Feldspathkrystalle 
erkennen. 

Der erste dieser Lettengänge streicht aus NW vom Amalien- 
schachte, mit äusserst wechselnder, zwischen 5 und 40 Meter schwan- 
kender ^Mächtigkeit bis hart an die flötzleere Partie. Die veränderten 
Theile der benachbarten Kohle wechseln auch ausserordentlich an 
Breite und bald ist diese Veränderung an der rechten Seite bedeu- 
tender, bald an der linken. Dieser Gang scheint den Phonolithbuckel 
zu durchsetzen und in demselben sich zu zertrümmern, wenigstens 
erscheinen genau jenseits der flötzleeren Partie drei lange, gerade, 
etwas divergirende und von Verwerfungen begleitete Gänge von je 
einigen Meter Mächtigkeit, 

Etwa 350 bis 400 Meter südwestlich von dem westlichsten 
dieser drei Gänge liegt ein weit mächtigerer und eigenthümlicher 
Gang desselben Lettens. Seine östliche Wand ist ziemlich gradlinig 



258 A. Pelikan. [4] 

und hat (las jijleiche Streichen gegen NW. Die westliclie Wand ist 
eine Strecke weit gleichfalls ziemlich gradlinig und der östlichen 
l)arallel ; in dieser Strecke mag die ganze Mächtigkeit des (langes 
70 — 80 Meter erreichen ; dann nähert sich die westliche Wand mit 
einer steilen Beugung der Ostwand, der (lang keilt rasch aus, aber 
die Ostwand setzt gradlinig noch eine gute Strecke weit als ein 
Sprung fort. Nahe der Stelle der Auskeil ung umschliesst dieser Gang 
ein grosses Trumm vercokster Kohle. 

Etwa in der Mitte zwischen den drei Gängen und diesem mäch- 
tigen Gange ist noch ein stockförmiger Pfeiler von weissem Letten 
von 30—40 Meter im Geviert sichtbar. 

An der Westseite des mächtigen Ganges ist nur eine massige 
Zone der Vercoksung vorlianden, aber der ganze einige Hundert 
Metei' breite Kaum zwischen diesem mächtigen Gange und dem ent- 
ferntesten der drei Gänge zeigt die Spuren intensiver Veränderung. 
Dabei ist die Vercoksung ohne Zweifel von oben nach abwärts 
vor sich gegangen und nur einzelne der liegenden Tneile des mäch- 
tigen Haupttiötzes sind, namentlich in etwas grösserer Entfernung 
von den Gängen, der Veränderung entgangen. Es ist wahrscheinlich 
ein örtlicher deckenförmiü;er Erguss über diese Flötze erfolgt," 



'»^ 



Das Material der „Letteiigäiige". 

Das, was die Bergleute „weissen Letten" nennen, ist eine graue 
Masse, welche im frischen Zustande, d. h. kurz nach der Entnahme 
aus dem Gebirge, leicht zerdrückbar und dabei etwas plastisch ist. 
Nach dem Entweichen der reichlich vorhandenen Feuchtigkeit ist die 
Masse zwar bedeutend fester, kann aber immer noch mit der 
Hand zerdrückt werden. Was sofort auffällt, sind die grossen Pseiido- 
morphosen von Kaolin nach Orthoklas, auf welche man fast unfehlbar 
sicher stets kommt, wenn man einen Klumpen des „weissen Letten" 
vorsichtig zerkleinert. Ihrer Form und Grösse nacli erinnern sie an 
die bekannten Sanidine im Drachenfels-Trachyte. 

Trotz ihrer Einbettung in eine verhältnissmässig weiche Masse, 
ist die P'eldspathform dieser Pseudomorphosen eine auffallend scharfe. 
Im Innern dieser Scheinkrystalle findet man häufig noch einen Rest 
unzersetzten Feldspaths, welcher sowohl durch sein optisches Ver- 
halten, als auch durch eine mikrochemische Analyse als ein normaler 
Orthoklas erkannt wurde. Man erhält bei der Flusssäureprobe grosse 
Mengen von KieselHuorkalium neben unbedeutenden Mengen des 
Kieselfluornatriums. Die mikroskopische Prüfung zeigte auch, dass alle 
Feldspathstücke bereits stark kaolinisirt seien, wodurch die ursprüng- 
lich wahrscheinlich vorhanden gewesene Sanidinnatur verloren gegangen 
sein muss. 

Ferner umschliesst der „weisse Letten" Stücke von Kohle, welche 
alle stark anthracitähnlichen Glanz aufweisen. In der übrigen Masse 
sieht man dann noch grosse Mengen kleiner weisser Schüppchen, 
welche durch die mikroskopische Untersuchung als Muscovit erkannt 
wurden. Sie besitzen geringe Lichtbrechung, aber starke Doi)pel- 
l)rechung. Der Austritt einer negativen Mittellinie auf der Ebene 



[5] Ueber ein (ianggestein ans dem Bilinor Braunkohlenreviere. 259 

vollkommener Sitaltharkeit, sowie die Grösse des Axenwinkels ent- 
sprechen dem iMuscovit, ebenso die gerinj^e Angi-eilbarkeit durch 
Flusssäure und die Eigenschaft, sich nach der Aetzung reichlich mit 
Farbstoff zu imbibiren. 

Ferner ist Quarz vorhanden. Er bildet meist unregelmilssige 
Körner, in deren Vertiefungen Muscovit- oder Kaolinschüppchen fest- 
gewachsen sind. Die Quarzkörner gleichen in ihrem Aussehen am 
meisten jenen, welche in dem Grus verwitterter Granite zu sehen sind. 

In dem mit Wasser aufgekochten, von den Feldspathresten, 
Quarzkörnern und Kohlenstiickchen befreiten „Letten" sieht man 
unter dem Mikroskope neben zahlreichen Muscovitschuppen weisse, 
krümliche Massen, welche von Salzsäure nicht merklich angegritt'eu 
werden und die, mit Kobaltsolution behandelt, blaue Farbe annehmen. 
Wird der Brei zuerst mit Schwefelsäure behandelt, so erhält man 
die Kobaltreaction nicht mehr. Es ist zweifellos, dass Kaolin vor- 
liegt, was übrigens aus dem Ansehen der Pseudomorphosen schon 
ziemlich sicher erschlossen werden konnte. 

Schliesslich mag noch erwähnt werden, dass vereinzelte Körnchen 
von Epidot und Titanit gefunden wurden. 

I)ie von dem mit destillirtem Wasser aufgekochten Schlamme 
abtiltrirte Flüssigkeit reagirt ziemlich stark sauer, gibt mit Chlor- 
barvum einen deutlichen Niederschlag von schwefelsaurem Baryum 
und lässt mit Kalilauge Thonerdereaction erkennen. 

Wie man aus den vorstehenden Mittheilungen ersieht, stellt der 
weisse Letten eine Masse dar, über deren primären Mineralbestand 
wir nur dürftige Aufschlüsse erhalten können ; da ferner auch, was 
bei so weitgehender Zersetzung eigentlich selbstverständlich ist, 
Keinerlei charakteristische Structur erhalten ist, so können wir 
eigentlich nur aus dem Vorhandensein der Feldspathpseudomorphosen 
schliessen, dass der „weisse Letten" von einem Eruptivgesteine ab- 
stammt; ohne diese Pseudomorphosen könnte das Ganze ebensogut 
einem von oben her eingeschwemmten Detritus seine Entstehung 
verdanken. 

Wenn es also wahrscheinlich ist, dass wir es mit einem in 
Zersetzung begriüfenen Ganggesteine zu thun haben, so wäre noch 
die Frage zu beantworten, welchem Verwandtschaftskreise das be- 
sagte Gestein wohl angehört haben mag. Dasselbe ist jünger als die 
Braunkohle und wahrscheinlich auch jünger als der Phonolith; es 
muss ferner ein ziemlich saures Gestein gewesen sein, wie die be- 
deutende Menge Quarz beweist; dass der Feldspath Orthoklas ist, 
wurde bereits mehrfach erwähnt. 

Wir dürfen demnach vermuthen, dass das ursprüngliche Gestein 
ein Quarztrachyt gewiesen sei. Freilich muss dabei erwähnt werden, 
dass, von alten, daher nicht mehr beweiskräftigen Angaben ^) abgesehen, 
aus dem in Rede stehenden Gebiete keine Trachyte bekannt sind. 

Vielleicht liegt die Sache hier so wie in den Kohlenbergwerken 
Englands, wo man in der Tiefe zahlreiche Diabasgänge anfuhr, von 
deren Existenz man an der Oberfläche nichts wahrnahm. 

') Keu8s, Teplitz und Bilin. pag. 112; 23G et passim. 
Jalirbucli d. k. k. geolog. ßeiclisaiistalr, 1895, 45. Band, 2. Heft. (A. Pelikan.) 34 



260 



A. Pelikan. 



[6] 



Die veränderte Braunkohle. 

Nun wollen wir die veriuulerte Braunkohle etwas eingehender 
betrachten, um aus der Art der Veränderung einen Schluss auf die 
wirkende Ursache ziehen zu können. 

Der am griindlichsten studirte Fall der Einwirkung eines 
Ph'uptivgesteines auf Braunkohle ist das Vorkommen am Meissner in 
Hessen. Nach Lasaul x und jMoesta') wird daselbst die Braunkohle 
durch eine dünne, ganz verhärtete, verworren säulige und mit an- 
thracitischen Kohlenstückchen untermischte, hie und da Eisenkies 
führende Lettenschicht von dem überlagernden Basalte getrennt 

Die der Lettenschicht zunächst anliegende Kohle ist anthracit- 
ähnlich, metallglänzend und von muscheligem Bruche (Analyse I) ; 
dann folgt stängelig abgesonderte, weniger glänzende, sogenannte 
Stangenkohle (II) (die Stangen messen bis zu 3 Centimeter im Durch- 
messer), welche nach unten in Glanzkohle (III) und Pechkohle, und 
endlich in unveränderte Braunkohle (IV) übergeht. Die Axen der 
Stangenkohle stehen senkrecht zur Basaltdecke. 



II 



III 



IV 



c 

H 

0, N, S-^) 

Bitumen 

Asche 



80'40 
3-30 
5-67 
0-73 
9-90 



78-14 
3-73 
4-03 
0-83 

13-27 



62-20 
5-28 

22-75 
1-50) 
9-77 



59-92 ! 79-21 

5-66 I 3-13 

26-12 3-44 

nicht bestimmt 

8-30 ; 14-22 



Spec. Gew. 1-412 



1-397 



1-286 



1-201 



1-363 



Als man dichte Braunkohle (IV) der Einwirkung flüssiger Hoch- 
ofenschlacke aussetzte, entstand Stangenkohle (V); wenn man zwischen 
Hochofenschlacke und Braunkohle eine Thonlage einschaltete, wurde 
diese in gleicher Weise umgewandelt wie die natürliche Zwischen- 
schichte zwischen Braunkohle und Basalt. 

Eine Betrachtung der Analysenergebnisse lehrt, dass bei der 
Einwirkung der Schlacke neben der grössten Menge des Sauerstoffs, 
Stickstoffs und Schwefels auch Wasserstoff" und Kohlenstoff entfernt 
werden; ferner, dass die Zusammensetzung und das specifische Gewicht 
des natürlichen (II) und des künstlichen Productes (V) recht gut 
übereinstimmen. Unter der Annahme, dass die Asche von IV keine 
Veränderung erfährt, müssen, um aus IV die Zusammensetzung von 
V herzustellen, entfernt werden: 13-74 Perc. Kohlenstoff', 3-84 Perc. 
Wasserstoff und 24-12 Perc. Sauerstoff", Stickstoff, Schwefel, im Ganzen 
41-70 Perc. 



') A. V. Lasjiulx, Pogg. Ann. 141, 145, 1870. Moesta, Geolog. Schilde- 
rung der Gegend zwischen Meissner und Hirschberg. Marburg 1867. 
^) Aus dem Verlust bestimmt. 



[7] üe^ier ein Ganggesteiii ans dem Rilinor Braiinkohlonroviere. 261 

Am Hirschberg, westlicli vom Meissner, im Habichts wald, in der 
Eisenerzzeche Louise bei Horhaiisen (Ueg.-Jiez, Coblenz) 'j im Wester- 
wald-), in Böhmen (bei Binnowe und Troboscht) 3), in Uthweiler, 
Siegen *) zeigen Basalte ganz ähnliche Wirkungen auf die Braun- 
kohle, lieber das uns hier zunächst interessirende Vorkommen von 
Binnowe und Proboscht heisst es bei Reuss (loc. cit.): Auch die 
Kohlenflötze von Binnowe und Proboscht dürften nicht mehr auf 
ilirer ursprünglichen Lagerstätte, sondern durch basaltische Massen 
in die Höhe gehobene, eingehüllte und mannigfach veränderte Partien 
unserer Braunkolile sein. Die begleitenden thonigen Gesteine mögen 
zum Theil verändertem, plastischem Thone ihre Entstehung verdanken, 
wobei jedoch die gleichzeitigen Wasserfluthen besonders thätig ge- 
wesen zu sein scheinen. Später w u r d e n s i e n o c h d u r c h neue r- 
dings emporsteigende Gänge plutonischer Gesteine 
durchbrochen, zerstückt und verworfen. Aus dieser Quelle ist dann 
auch die theilweise Umwandlung der Braunkohle in Pechkohle herzu- 
leiten, ähnlich der am Meissner durch den Dolerit hervorgebrachten. 

Ueber einen Contact zwischen Braunkohle und Basalt berichtet 
auch Boficky in seinen „Petrographischen Studien an den Basalt- 
gesteinen Böhmens" (H. Theil, pag. 22G) (Arbeiten der geologischen 
Abtheilung der Landesdurchforschung von Böhmen. Archiv der natur- 
wissenschaftlichen Landesdurchforschung von Böhmen, H. Band, 
1. Abth.): „Die säulenförmige Absonderungsform wurde auch an der 
mit Basaltadern im unmittelbaren Contacte befindlichen Braunkohle 
auf der Gottessegenzeche von Salesl beobachtet (Reuss, Lotos 
1852). Das etwa 30 — 50 Centimeter mächtige, auf einem Basaltgange 
ruhende Kohlenflötz — das den Contouren der Oberfläche des Basalt- 
ganges folgt und stellenweise tiefe Ausläufer zwischen die Basalt- 
blöcke sendet — ist an den Contactstellen in 1"5 — 4 Centimeter 
dicke und 6—8 Centimeter hohe polyedrische Säulchen zerspalten, 
die stets auf der Berührungsfläche, mag sie welche Biegungen immer 
machen, senkrecht stehen und nach oben in die unveränderte Kohle 
allmälig verfliessen. Natürlicherweise sind die Kohlensäulchen, die in 
allen ihren Verhältnissen mit der Stangenkohle vom Meissner in 
Hessen übereinstimmen, ihres Bitumens verlustig geworden." 

An der Ostküste von Island, nicht weit von Skeggiastadir, 
zwischen Raufarhavn und Vapnafjord sah Sartorius v. Walters- 
hausen Braunkohle durch Basalt in schön glänzende anthracitische 
Kohle verwandelt. (Physisch-geogr. Skizze von Island 1847, 75.) 

Lasaulx (Sitzungsberichte der niederrhein. Gesellschaft in 
Bonn 1869, 6) untersuchte einen Braunkohleneinschluss in der Leu- 
citophyr-Lava des Roderbergs bei Mehlem und fand; 



') He US 1er, der dieses Vorkommen untersucht hat (Zeitschr. d. deutschen 
geol. Ges. XXXI, pag. 653), beschreibt die veränderte Braunkohle als lignitartig, 
stenglig abgesondert, auf den Quertlächen dicht und anscheinend coksartig um- 
geändert. 

^) C. V. Leonhard, Basaltgebilde TI, 295. 1832; Erb reich in Karsten, 
Archiv VIII, 45. 1835. 

") Reuss, Teplitz und Bilin 1840, 112. 

*) Nöggerath in Karsten, Archiv V, 145. 1832. 

34* 



2f)2 A. Pelikan. [8] 

Fercent 

Kohlenstoff . , 80-20 

Wasserstoff 5-21 

Sauerstoff, Stickstoff". Schwefel U-98 

Bitumen (mit Aether extrahirt) ()"24 

Wasser (in der bei 100" getrockneten Substanz) . 1"0() 

Asche (im Sauerstoff'strom bestimmt) 12*27 

Summe . . 100-— 

Die schwach abfärbende Glanzkohle hat braunen Strich, schmilzt 
leicht, aber nach Entfernung des Bitumens nicht mehr und färbt 
Kalilauge nicht einmal gelb. Gegenüber den pag. 260 [G] angeführten 
Analysen ist der Gehalt an Sauerstoff. Stickstoff' und Schwefel auf- 
fallend niedrig. 

Auch A. Koch erwähnt, dass durch Trachyt „bei Gran eine 
oligocäne Braunkohle sogar in Koks verwandelt wurde" (Zeitschr. d. 
deutsch, geol. Gesellsch. Bd. XXVII F, pag. 307). 

Damit wären die zu meiner Kenntniss gelangten Fälle von Ein- 
wirkungen von p]ruptivgesteinen auf Braunkohle erschöpft. 

Aus den vorstehenden Angaben ist unschwer zu entnehmen, 
dass es hauptsächlich zwei Merkmale sind, durch welche sich die 
veränderte Braunkohle der unveränderten gegenüber auszeichnet : 
1. Relative Zunahme des Kohlenstoff'gehaltes. 2. Veränderung der 
Structur der Flötze (L^ildung von „Stangenkohle"). Das letztgenannte 
dieser beiden Merkmale ist nun allerdings an unserer Kohle nicht 
oder doch nicht deutlich wahrzunehmen, was ich daraus erschliesse, 
dass in den Mittheilungen der Bergverwaltung nichts davon erwähnt 
wird und es ist demnach fraglich, ob aus der Veränderung der che- 
mischen Zusammensetzung allein auf Contactmetamorphose geschlossen 
werden darf. Vor Allem ist hier zu betonen, dass die Abhängigkeit 
der Umwandlung von den „Lettengängen" eine auffallende ist. Man 
betrachte die beiden Querschnitte auf Taf XII. Dort, wo die Gänge 
i(r, (/) und die Kohlenllötze {Kf) sich berühren, ist die Umwandlung 
der Kohle am intensivsten (durch dichtere Punktirung angezeigt). 
Ebenso ist in den Figuren angedeutet, dass die hangenden Partien 
der Flötze verändert, die liegenden normal sind, woraus Professor 
S u e s s schliesst, dass einst ein Erguss von Gesteinsmagma über die 
Oberfläche hin stattgefunden habe. Es ist aber klar, dass sich das- 
selbe Bild der Umwandlung ergeben würde, wenn die Atmosphärilien 
als die Ursache dieser Veränderung betrachtet werden dürften ; das 
von oben her eindringende Wasser würde die hangenden Theile der 
Flötze verändern, das auf den Spalten einsickernde oder entlang den 
Spalten aufsteigende Wasser würde die unmittelbar benachbarten 
Kohlenpartien umwandeln. Wir müssen uns daher die Frage vorlegen : 
„Wie verhält sich die Braunkohle gegen die Einwirkung von Luft 
und Feuchtigkeit?" Hierüber gibt das P)uch von F. Muck:, „Die 
Chemie der Steinkohle, Leipzig ISIM" wichtige Aufschlüsse. Es heisst 
daselbst (pag. 112 u. f.): 



[*,)] Ucbor ein (iiiii<rKcst('iii aus dcni Hiliiier Kraiirikohleiiroviere. 2f>.^ 

„Ist Steinkohle mit Luft und Feuchtigkeit in Berührung, so 
nimmt sie Sauerstott" auf, weh'lier theils in die Zusammensetzung der 
Kohle eintritt, theils zur J>ildung von Kohlensäure und Wasser ver- 
wendet wird. Braunkohle ahsorbirt Sauerstoff ohne iujui- 
V a 1 e n t e K o h 1 e n s ä u r e b i 1 d u n g. " 

Nun ist sofort klar, dass die solchermassen veränderte Kohle 
relativ ärmer an Kohlenstott" werden muss, als sie ursprünglich 
war. Die Analysen solcher Kohlen mussten demnach ein Steigen der 
Sauerstoifi»ercente und ein Sinken der Kohlenstott"zahlen aufweisen; 
letzteres ist aber bei unserer Kohle nicht der Fall ; es steigt im 
Gegentheile die Zahl der Kohlenstott"percente. 

Ist Eisenkies vorhanden, so geht der Process der Sauerstoff- 
aufnahme rascher vor sich. 

„Das Vorhandensein von Eisenkies, der in Braunkohlen wohl 
niemals fehlt, begünstigt die Sauerstott'aufnahme, da die unter Mit- 
wirkung von Feuchtigkeit erfolgende Oxydation des Eisenkieses von 
Wärmeentwicklung, also von Temperaturerhöhung begleitet ist, welche 
erwiesenermassen die Sauerstoftaufnahme steigert ')• 

Durch die auf einer aufgerissenen Spalte eindringenden Atmo- 
sphärilien kann somit die nachgewiesene Verschiedenheit der Braun- 
kohlen in der Nähe der Gänge und entfernt davon nicht herbeigeführt 
worden sein und es bleibt sonach kaum eine andere Annahme übrig. 



*) Obwohl mit dem Gegenstände dieser Arbeit nicht direct zusammenhängend, 
mag hier erwähnt werden, dass die Selhstentzündang der Kohle durchaus nicht 
einzig und allein vom Vorhandensein des Eisenkieses abhängt, sondern, dass die 
oben erwähnte Eigenschaft der Kohle, Sauerstoff zu absorbiren, weit wichtiger ist; 
es geht dies aus den von Muck augeführten Thatsachen mit zweifelloser Sicher- 
heit hervor. Ich will hier nur einige Stellen aus dem lehrreichen Buche anführen. 
Pag. 131 : „Dass aber der Einfluss der Schwefelkiesoxydation auf die freiwillige 
Entzündung der Kohle in den allermeisten Fällen von nur ganz geringer Bedeu- 
tung sein kann, geht nicht nur daraus hervor, dass die am meisten zur Selbst- 
entzündung neigenden Kohlen durchaus nicht immer die schwefelkiesreichsten sind, 
sondern auch daraus, dass die Schwefelkiesmenge meist viel zu gering ist, als 
dass selbst unter den denkbar günstigsten Voraussetzungen eine Entzündung auf 
die Oxydationswärme zurückgeführt werden könnte. K i c h t e r berechnet (D i n gl e r's 
polytechu. Journ., 195, pag. 541) für einen Gehalt von 1 Perceut Schwefelkies bei 
plötzlicher Oxydation und Ausschluss von Wärmeverlusten eine Erwärmung 
der Kohle um 72", eine Temjjeraturerhöhuug, welche aber wegen des Fehlens der 
angegebeneu Bedingungen niemals eintreten kann. Die in der ersten Phase der 
Sauerstoffaufnahme stattfindende Absorption, welche anfänglich rasch erfolgt, wird 
eben deshalb eine viel bedeutendere Erwärmung bewirken, als die langsam ver- 
laufende Oxydation des Schwefelkieses zu thun vermag." 

„Wenn auch eine genaue Bestimmung der bei der Absorption entwickelten 
Wärmemenge nicht möglich ist, so lässt sich doch aus dem Verhalten der fein- 
gepulverteu Holzkohle, welche nach Saussure mehr als das Neunfache ihres 
Volumens an Sauerstoff absorbirt, und daher bis zur Selbstentzündung (400— GOO'^) 
sich erhitzt, schliessen, dass auch Steinkohle, welche nach Kichter's Versuchen 
binnen 3 Tagen das Dreifache ihres Volumens an Sauerstoff absorbirt, bei Aus- 
schluss grösserer Wärmeverluste auf nahezu lOü" sich wird erwärmen können. In 
der lebhaften lieaction aber, welche, wie früher gezeigt, zwischen der verbrenn- 
lichen Kohlensubstanz und dem absorbirten Sauerstoff eintritt und mit der stei- 
genden Temperatur an Intensität zunimmt, ist eine neue (iuelle der Wärme- 
entwicklung gegeben, welche, den übrigen sich zuaddirend, eine Entzündung be- 
wirken wird." 



264 A. Pelikan. [10] 

als die, dass eine P^rhitzung unter Luftabschluss die Veränderung her- 
vorgebracht habe. 

Wir sind am Ende unseres Wahrscheinlichkeitsbeweises ange- 
langt. Wir haben aus der Natur des „weissen Letten" auf seine 
Abstammung von einem Eruptivgestein geschlossen und wir haben 
aus der Natur der Veränderung der Kohle erkannt, dass die Um- 
wandlung auf nassem Wege nicht erfolgt sein kann. 

Vereinigt man die beiden unabhängig von einander erhaltenen 
Ergebnisse zu dem Schlüsse, dass ein auf den Gangspalten empor- 
dringendes Eruptivmagnia die Veränderung der Braunkohle durch 
Contactwirkung zu Stande gebracht hat, so gelangt man damit zu 
einer den lieobachteten Thatsachen durchaus entsprechenden Er- 
klärung. 

Mineralog.-petrograph. Univ. -Inst, zu Wien, October 1895. 



Beiuerkungeii zur Tafel XII. 

Die erste Figur gibt einen in der Tiefe geführten Horizontalschnitt wieder. 
Man sieht die Phonolithm.assen, welche Herr Prof. Suess erwiihnt, die „Letten- 
gänge" ^'i f/i [/,, (/:; iukI den stockförmigen Pfeiler (pag. 4). Die pnnktirten Partien 
mnschliessen den Bereich der veränderten Kohle. i)ie beiden (inerschnitte sind 
nach den in der ersten Figur angedeuteten Kichtiuigen geführt. 

Kf bezeichnet die Kohlenflötze, die übrigen Bezeichnungen entsprechen 
jenen der ersten Figur. 

Alle Figuren sind n.ach der ,.(Trubenübersichtskarte der Bergverwaltung 
Bilin", welche mir freundlichst zur Verfügung gestellt wurde, entworfen. 

Der Verfasser. 



Ueber die krystallinischen Schiefer- und Massen- 
gesteine, sowie über die sedimentären Ablage- 
rungen nördlich von Brunn. 

(Geologische Beschreibung des Kartenblattes Boskowitz und Bhiusko. Z. 8, C. XV.) 

Von Dr. L. v. Taiiscli. 



Einleitung. 

Im Jahre 1890 erhielt ich den Auftrag, das Blatt Prossnitz 
und Wischau, dessen geologische Aufnahme ich im Jahre 1889 be- 
gonnen hatte, fertig zu stellen und die geologische Aufnahme des 
Blattes Boskowitz und Blansko in Angriff zu nehmen. Im Jahre 1891 
wurde diese fortgesetzt, desgleichen im Jahre 1892 die mir nach 
Cartirung von zwei Fünfteln des Blattes Austerlitz noch verbliebene 
Zeit zur Weiterftihrung dieser Arbeit verwendet; endlich hatte ich 
in diesem Jahre die noch nicht untersuchten Gebiete des Blattes 
zu begehen und die Karte druckfähig abzuliefern, wofür mir eine 
Aufnahmszeit von nicht ganz zwei Monaten zur Verfügung stand. 

Das Blatt Boskowitz und Blansko grenzt an folgende Blätter: 
im Korden an Brüsau und Gewitsch (Zone 7, Col. XV), im Osten an 
Prossnitz und Wischau (Zone 8, Col. XVI), im Süden an Brunn (Zone 9, 
Col. XV), im Westen an Gr.-Meseritsch (Zone 8, Col. XIV), von 
welchen die beiden ersteren und zwar Brüsau und Gewitsch durch die 
Herren E TietzeundA. Rosiwal, und Prossnitz und Wischau von 
mir gleichfalls bereits fertig gestellt wurden. 

Bezüglich der oro- und hydrographis(dien Verhältnisse im auf- 
genommenen Gebiete sei in Kürze erwähnt, dass im Osten und Westen 
die Plateaulandschaft die herrschende ist, während die Mitte des 
Blattes ein Hügelland einnimmt, wobei der nicht seltene Fall vor- 
kommt, dass sich, ganz unvermittelt, isolirte Hügel aus der Thalsohle 
erheben, welche, wie z B. die Chlumberge, nur aus den Ablagerungen 
einer Formation (hier der Kreide) oder, wie z. B. die Czebinka 
aus mehreren ganz verschiedenen Gebilden (Brünner Eruptivmasse, 
Unter- und Mitteldevon, Ilothliegend) bestehen können. 

Jahrb. d. k. k. geol. Reiclisanstalt, 1895, 45. Band, 2. Heft. (Dr. L. v. Tausch.) 



266 Dr- L- V. Tausch. [2] 

Sehr bekannt und viel besucht ist jene (le^^iend, welche mährische 
Schweiz benannt wird. Verwitterungserscheinungen in der Brünner 
Eruptivmasse und Erosion im devonischen Kalk haben diesem Gebiet 
den "Namen gegeben. Bilowitz, Adamsthal und Blansko, Sloup und üclioz 
bezeichnen ungefähr die Grenzen dieses (Gebietes. Das enge Thal 
zwischen Klepatschow und Blansko, welches sich die Zwittawa bei 
ihrem Durchbruche durch die Brünner Eruptivmasse geschaffen hat, 
das „öde" und das „dürre" Thal, beide ziemlich tief in das Plateau 
der Devonkalke eingeschnittene Erosionsthäler, bieten dem Besucher 
durch pittoreske Gestaltung der Felsen mancherlei Abwechslung. 
Ueberdies ist der Devonkalk von altersher schon durch seine Höhlen 
(Slouperhöhlen, Schoschuwkahöhle, Ochozerhöhlen, Wiepustekhöhle, 
Bejciskala u. s. w.), welche ein reiches Material von Knochen ]dilu- 
vialer Säugethiere geliefert haben, und durch seine Dolinen (die 
bedeutendste ist „Mazocha" benannt und hat ungefähr eine Tiefe 
von 137 Meter) berühmt. 

Die Schwarzawa und Zwittawa mit ihren Seitenbächen durcli- 
fliessen unser Gebiet, theils in alten (vorcretacischen) Thälern, theils 
haben sie sich ihren Lauf erst in jüngster Zeit (Diluvium bis Gegenwart) 
gebildet. 

So fliesst beispielsweise die Schwarzawa ungefähr von Doubrawnik 
bis Brzesina in einem Thale, welches schon zur Tertiärzeit bestand ^) 
und die Terrassenbildungen bei Eichhorn-Bitischka Aveisen auf das 
diluviale Alter dieses Theiles des Flusslaufes hin. 

Die Zwittawa Hiesst von der nördlichen Kartengrenze bis Alt- 
Blausko in einem Thale, das schon zur Kreidezeit bestand, und 
Lösspartien im Durchbruch des Flusses durch die Brünner Eruptiv- 
masse von Alt -Blansko bis an die südliche Kartengrenze scheinen 
zu beweisen, dass dieser theilweise schon zur Diluvialzeit vorhanden 
war, aber wahrscheinlich nicht viel älter ist, weil tertiäre Sedimente, 
die sich selbst in der Höhe von Laschanek bei Iluditz als miocäne 
Tegel erhalten haben, hier absolut fehlen. 

Bemerkenswerth sind noch zwei ZuHüsse der Zwittawa, der 
Punkwa- und Kiriteinerbach, dadurch, dass sie theilweise einen unter- 
irdischen Lauf haben. 

Nähere Angaben über die oro- und hydrographischen Verhält- 
nisse im aufgenommenen Gebiete finden sich in der Erläuterung zur 
geologischen Karte der Umgebung von Brunn. (A. Makowsky und 
A. Rzehak 1. c. Nr. 55, S. 129.)-) 

Was mm die geologischen Verhältnisse des cartirten Ge- 
bietes betrifft, so nehmen an dem geologischen Aufbau desselben 
Antheil : 



') DaKs Thalbilduugeu zu verschiedener Zeit statttaudeu, alte Thäler wieder 
ausgefüllt und dann neuerdings gebildet wurden, kann hier vielfach beobachtet 
werden, und ist diese Thatsache auch aus dem benachbarten (xebiete schon von 
Tietze in seiner Olmützer Arbeit eingehend beschrieben worden. 

-) Die Nummer nach dem Antornamen verweist hier, wie im Folgenden, 
auf das beigeg(.>bene Litteraturverzeichniss. 



[■]] UeT.or dio kryst. Schiofor- „. Massengostoine oM: nönlliol. von Briinn. 207 

l. Von Kriiptiv^esteinen. 

(f) Das JJrünner Eruptivgestein. 

Dieses ist in der Litteratur als „Brünner Syenit" oder Granit- 
Syenit" bekannt. " " 

l>) Olivin Diabas. 

2. Gneiss und Glimmerschiefer. 

3. Gesteine der Phyllitgruppe. (Phyllite. archäische Conglomerate 
IHil Quarzite, Amphibolgesteine . krystallinische Kalke, Graphit-' 

Kiesel- und Kalkschiefer, gneissartige Gesteine.) 

4. Devon (Unter-, mittel- und oberdevonische Ablagerungen). 

5. Untere, nicht productive Abtheilung der Steinkohlenformation 
(Culm). 

6. Rothliegend-Formation. 

7. Jura (oberster Dogger, älteres und jüngeres Oxfordien). 
8 Kreide (Unterer Quader und Pläner). 

0. Tertiär (Marines, mediterranes Miocän). 
10, Diluvium, 
n. Alluvium. 

Zur besseren Uebersicht wird jedes dieser Gebilde für sich 
besprochen werden; nur habe ich dabei folgende Bemerkungen zu 
machen. 

Es ist eine stattliche Reihe derselben, welche auf der Karte 
zum Ausdruck gelangen muss. Dabei sind zwei Momente zu berück- 
sichtigen: 1. Zeigt die Mehrzahl dieser Gebilde einen derartig raschen 
Wechsel in der verschiedensten Art ihrer Ausbildung, dass die Fixirung 
aller Einzelheiten der Vorkommnisse ganz unverhältnissmässig mehr 
Zeit in Anspruch nehmen würde, als dem Aufnahmsgeologen zur Ver- 
fügung gestellt werden kann. 

2. Reicht die Mehrzahl der angeführten Formationen nur in ihren 
äußsersten Ausläufern in das Blatt Boskowitz und Blansko. Deshalb 
dürfte die Folgerung nicht unrichtig sein, dass in vielen Fällen — 
wie dies auch schon Makowsky und Rzehak bemerken — nicht 
dem Aufnahmsgeologen die Aufgabe zufallen kann, diese kleinen 
Partien zu Ausgangspunkten hypothetischer und kritischer Aus- 
einandersetzungen zu machen, sondern dass dies jenen vorbehalten 
bleiben muss, welche sich einem eingehenden Studium des Gesammt- 
vorkommens widmen können. Es möge genügen, w^enn das, was in 
kurzer Zeit geschaffen wurde , zum Ausdruck gebracht , dadurch 
praktischen Bedürfnissen Rechnung getragen und dem künftigen 
Forscher brauchbare Handhaben zu weiterer Detailarbeit geliefert 
worden sind. 

Vielfach erleichtert, aber auch theilweise erschwert wurde die 
Aufnahme durch die verhältnissmässig beträchtliche Litteratur, welche 
bereits über das aufgenommene Gebiet vorliegt. Besonders mögen 
aber aus derselben, die ich im Folgenden, wie ich hoffe, so ziemlich 
erschöpfend, angeben werde, vier Arbeiten erwähnt werden. 

1. Reich enbach's geologische Mittheilungen aus Mähren, die 
Umgegend von Blansko betreffend. 

Jahrbuch der k. k. geol. Reichsanstalt, 1895, 45. Band, 2. Ilclt. (Dr. L. v. Tausch.) 35 



2()8 r)i"- I'- ■^■- Tausch. [4] 

Reic'heiibach war ein ganz ausgezeichneter Beobachter. Er 
liat die Grenzen einzehier Formationen so genau angegeben, diese 
selbst auch so vortrettlich beschrieben, dass es die PHicht eines 
Nachfolgers ist, seine Angaben oft wörtlich zu wiederholen, um dem 
trettlichen Beobachter die Priorität zu bewahren. Er war es. der 
schon im .lahre lS3i? erkannt liat, dass unterdevonische Ablagerungen 
unter den devonischen Kalken auftreten — eine Thatsache, die, ob- 
wohl von Makowsky und Kzehak acceptirt und wieder publicirt, 
doch selbst in der jüngsten Zeit noch nicht allgemein anerkannt wurde 
— und er war es, der auch die richtige Stellung der Kalke angab, 
indem er als ihr Hangendes die Grauwacke, die er zur Hauptstein- 
kohlenformation rechnete, bezeichnete. 

Dass er das Unterdevon — nach ihm - OJd red sandsfone — 
Lathon, dass er den mitteldevonischen Kalk nionntain limestone nannte, 
dass er theilweise Culm mit Rothliegend, endlich den Jura von 
Olomutschan mit Kreide verwechselte, thut seinem Verdienste ■ — sein 
Buch ist im Jahre 1834 erschienen — nicht den geringsten Abbruch, 
und ganz unbegreiflich ist es, dass ein sonst so vortrefflicher Forscher, 
wie Reuss (1. c. Nr. 71, S. 6G1), ein so abfälliges Urtheil über 
Reichenbach gefällt hat. Die Folge hat gelehrt, dass gerade 
Reuss bezüglich des Unterdevons und der Grauwacken mit seiner 
Aulfassung Unrecht behielt. 

2, Die „Beiträge zur geognostischen Keuntniss Mährens" von 
A. E. Reuss, dessen Auseinandersetzungen auf den geologischen 
Untersuchungen fussen, die er, im Auftrage und mit Unterstützung 
des Werner-Vereines in Brunn, in Mähren und speciell auch in dem 
von mir cartirten Blatt durchgeführt hat. 

Mit besonderem Dank und Hochachtung sei hier der Männer ge- 
dacht, die den Werner-Verein gegründet (1851) und erhalten haben, 
einen Verein, der sich die Aufgabe gestellt hatte, die Kronländer 
Mähren und Schlesien geologisch zu durchforschen. In den Verhand- 
lungen desselben sind die Berichte und Arbeiten — so die oben citirte 
Arbeit von Reuss, die aber auch im Jahrbuch der k. k. geologischen 
Reichsanstalt erschienen ist — jener Forscher enthalten, die sich dem 
Verein für oder ohne Entgelt zur Verfügung stellten, und als Schluss- 
resultat seines Wirkens erschien im Jahre 18GG die von ihm heraus- 
gegebene hypsometrische und geologische Karte von Mähren und 
Schlesien. 

Um auf die Reuss 'sehe Publication zurückzukommen, so sei 
erwähnt, dass dieselbe im Jahre 1854 zu einer Zeit erschien, wo in 
diesem Gebiete noch zahlreiche Bergwerke bestanden, die heute 
längst aufgelassen sind, und ihm somit vielfach Gelegenheit zu Be- 
obachtungen geboten wurde, die gegenwärtig gänzlich fehlt. Reuss 
schildert nur die Rothliegend-, Jura- und Kreideformation und das 
Miocän, aber diese nicht nur in dem von mir cartirten, sondern auch 
im nördlichen Gebiete. Ich werde vielfach Gelegenheit haben, auf 
seine meist zutreffenden Angaben zurückkommen zu müssen. 

3. V. Uhlig's Jurabildungen in der Umgebung von Brunn. Diese 
Arbeit enthält u. a. auch eine erschöpfende Schilderung dei- Jura- 
vorkommnisse von Olomutschan und Ruditz. 



[5] Ueber die kryst. Schiol'cr- u. MasscngestPiiic etc. nördlicli von Brunn, 2ß9 

4. Die ^eologisclie Karte der Umgebung von Briinii und ihre 
p]rläuteriing von A. Makowsky und A. Rzeliak. Ein Grosstheil 
des Blattes lioskowitz und Blansko fallt in das von den beiden Autoren 
beschriebene und cartirte Gebiet. Ihnen gebührt das Verdienst, auch 
auf der Karte das Unterdevon zum Ausdruck gebracht zu haben. 

Die Dilferenzen zu erklären, die sich bei einem Vergleich der 
von den beiden Autoren herausgegebenen mit der von mir colorirten 
Karte ergeben, dürfte keinem Bedürfnisse entsprechen. 

Endlich erlaube ich mir zu bemerken, class ich mich vielfach 
für verpflichtet hielt, die alten Angaben, soweit ich sie als richtig 
erachtete, wörtlich wiederzugeben; denn keinesfalls will ich es mir 
zu Schulden kommen lassen, das Thatsächliche, was Andere schon vor 
mir veröffentlicht haben, mit meinen Worten wiederzugeben, sondern 
ich will die Priorität unserer alten Vorarbeiter wahren. Wenn es 
manchem Leser scheinen dürfte, dass ich zu viel citirt habe, so möge 
es zur Aufklärung dienen, dass die betreffenden Citate in Büchern 
enthalten sind, die heute nicht jedermann leicht zugänglich sind, und 
dass bei der geologischen Beschreibung des aufgenommenen Gebietes 
nicht nur das Neue, was ich gefunden, sondei-n all das Gute, was die 
älteren Forscher geschaffen, berücksichtigt werden musste. 

Zum Schlüsse sei allen Herren, die meine geologischen Arbeiten 
im Felde gefördert haben, hier mein wärmster Dank gebracht. 



Litteratur. 

Nr. 

1. Auinger M. Tabellarisches Verzeichniss der bisher aus den 
Tertiärbildungen von Mähren bekannt gewordenen Fossilien. Ver- 
handlungen des naturforschenden Vereines in Brunn, IX. Band, 
Jahrgang 1870, S. 1, Brunn 1871. 

2. Beyrich E. Ueber die Entwicklung des Flötzgebirges in 
Schlesien. Archiv für Mineralogie , Geognosie , Bergbau und 
Hüttenkunde. Herausgegeben von Dr. C. J. B. Karsten und 
Dr. H. V. Decken. 18. Band, S. 1, Berlin 1844. 

3. B u e Ami. Memoire geologique sur FAllemagne. (Extrait du 
Journal de Physique.) Paris, Mai 1822, S. 294. 

4. — Geognostisches Gemälde von Deutschland, Frankfurt 1829. 

5. Braun F., Pdtt. v. Pteferat des Directors des Werner- A'^ereines 
über einen bituminösen Brandschiefer vom Punkwa-Ausfluss, den 
Braun mit einem Berichte über das Vorkommen desselben ein- 
gesendet hatte. 4. Jahresbericht über die Wirksamkeit des Werner- 
V^ereines zur geologischen Durchforschung von Mähren und Schlesien 
für das Jahr 1854, S. 37, Wien 1855. 

('}. Bruder G. Die Fauna der Juraablagerungen von Hohnstein in 
Sachsen. Denkschriften der k. Akademie der Wissenschaften, 
50. Band, S. 1, Wien 1885. 

35* 



270 I^i'- I^- V- Tausch [6] 

Nr. 

7. Bruder G. Neue Beiträge zur Keiintniss der Juraablagenmgeu 
im nördlichen Böhmen, Sitzungsberichte der math.-naturw. Chxsse 
der k. Akademie der Wissenschaften, 98. Band, S. 193, Wien 1886. 

8. — Ueber die Juraablagerungen an der Granit- und Quadersand- 
steingrenze in Böhmen und Mähren. Lotos. oö. Band, S. 75, 
Prag 1887. 

9. Game rl an der G., Freiherr v. Angaben H. W olfs über Devon 
westlich vom Brünner Syenitzug. Verhandl. der k. k. geol. Reichs- 
anstalt 1883, S. 87, Wien. 

10. — Geologische Mittheilungen aus Gentral-Mähren. Jahrb. der 
k. k. geol. Reichsanstalt 1H84, S. 407, Wien. 

11. — Bemerkungen zu den geologischen Verhältnissen der Umge- 
gend von Brunn. Verhandl. der k. k. geol. Reichsanstalt 1885, 
S. 46, Wien. 

12. Fiala. Vorlage einer Galcedon-Mandel von Ruditz in Mähren 
mit Flüssigkeitseinschluss. Verhandlungen dts naturforschenden 
Vereines in Brunn. XXIII. Band, 1. Heft 1884, S. 34, Brunn 
1885. 

13. Foetterle F. Resultate der geologischen Aufnahmen in Mähren. 
Jahrb. der k. k. geol. Reichsanstalt l'S55, S. 413, Wien. 

14. — Bericht über geologische Aufnahmen im Jahre 1854. 5. Jahres- 
bericht über die Wirksamkeit des Werner-Vereines zur geolo- 
gischen Durchforschung von Mähren und Schlesien im Vereins- 
jahre 1855, S. 43, Brunn 185(). 

15. — Allgemeiner Bericht über die im Jahre 1*855 ausgeführte 
geologische Aufnalime der Gegend nordwestlich von Brunn. 
5. Jahresbericht über die Wirksamkeit des Werner-Vereines zur 
geologischen Durchforschung von Mähren und Schlesien im Vereins- 
jahre 1855, S. 65, Brunn 1856. 

16. — Resultate der geologischen Aufnahmen in Mähren. Jahrb. der 
k, k. geol. Reichsanstalt 1856, S. 1^53, Wien. 

17. — Mittheilung über die Ausdehnung des Rothliegenden im west- 
lichen Mähren. Jahrb der k. k. geol. Reichsanstalt 1856, S. 840, 
Wien. 

18. — Bericht über die von L. Schütz eingeschickten Ammoniten 
von Olomutschan. Verhandl. der k. k. geol. Reichsanstalt 1865, 
S. 135, Wien. 

19. Fritsch A. Fauna der Gaskohle und der Kalksteine der Perm- 
formation Böhmens. Band 1, Heft 1, S. 82, Prag 1879. 

20. — Fauna der Gaskohle und des Kalksteins der Permformation 
Böhmens. Band 1, Heft 2, S. 104, Prag 1880. 

21. Geinitz H. Dyas oder die Zechsteinformation und das Roth- 
liegende. Leipzig 1861. 

22. Glocker E. F. Ueber die neuentdeckten Braunkohlenlager in 
der Gegend von Lettowitz. Jalirb. der k. k. geol. Reichsanstalt 
1853, I., S. 68, Wien. 

23. ■ — ^lineralogische Beobachtungen aus Mähren. Jahrb. der k. k. 
geol. Reichsanstalt 1855, S. 95, Wien. 



17] lieber die kryst. Sclücfer- u. Masseiigesteinc ett:. nördlich von Brunn. 271 

Nr. 

24. Goeppert 11. U. Brief an H. Wolf. -lalirb. der k. k. geol. 
Reidisanstalt für 1861 und 1862. Verli. S. 69, Wien 1862. 

25. Grand p]ury F. C. Memoire siir la Höre carbonifere au depar- 
tement de la Loire et du ceutre de la France. Mem. pres. par 
div. savants ä l'Acad. des sc. de l'Institut de la France. Tom. 24, 
Paris 1877. 

26. Haidinger W. Bericht vom 30. Juni 1861. Jahrb. der k. k. 
geol. Reidisanstalt, 12. Band, 1861 und 1862, Verhandl. S. 73, 
Wien 1862. 

27. Hanofsky K. Chemische Analyse eines unter dem Höhlenlehm 
in der Slouperhöhle gefundenen Kalksteinfragmentes. Verhand- 
lungen des naturforschenden Vereines in Brunn. XXII. Band, 
Jahrgang 1882, S. 235, Brimn 1883. 

28. Hauer F, Ritt. v. Schilderung der Slouperhöhle. Jahrb. der 
k. k. geol. Reichsanstalt 1851, S. 136, 146, Wien. 

21). — Geologische Uebersichtskarte der österreichischen Monarchie, 
Jahrb. der k. k. geol. Reichsanstalt 1869, S. 1, Wien. 

30. He Im hack er W. Uebersicht der geognostischen Verhältnisse 
der Rossitz - Oslawaner Steinkohlenformation. Jalirb. der k. k. 
geol. Reichsanstalt 1866, S. 447, Wien. 

31. Hingenau 0., Freih. v Bericht über die Thätigkeit des Werner- 
Vereines. Jahrb. der k. k. geol. Reichsanstalt 1851, IV., S. 151, 
Wien. 

32. — Uebersicht der geologischen Verhältnisse von Mähren und 
Oesterreichisch-Schlesien. Wien 1852. 

33. Hochs tett er F. v. Ergebnisse der Höhlenforschung im Jahre 
1879. Zweiter Bericht der präliistorischen Commission d. math.- 
naturw. Classe d. k. Akad. d. Wissenschaften. Die Höhle Vypu- 
stek bei Kiritein in Mähren. Sitzb. der math.-naturw. Classe der 
k. Akad. der Wissenschaften. LXXX. Band, I. Abtheilung, Jahr- 
gang 1879, S. 526, Wien 1880. 

34. — Vierter Bericht der prähistorischen Commission der math.- 
naturw. Classe der k. Akad. der A¥issenschaften über die Arbeiten 
im Jahre 1880. Sitzb. der math.-naturw. Classe der k. Akad. der 
Wissenschaften, LXXXII. Band. 1. Abtheilung, Jahrgang 1860, 
S. 401, Wien 1881. 

35. Horlivy E. Das Vorkommen der Brauneisensteine und feuer- 
festen Thone bei Ruditz. Zeitschrift des Berg- u. Hütt. Vereines 
f. Steiermark u. Kärnten. S. 277, Klagenfurt 1880. 

36. Karr er F. lieber das Auftreten der Foraminiferen in dem 
marinen Tegel des Wiener Beckens. Sitzb. der math.-naturw. Classe 
d. k. Akad. d. Wissenschaften. XLIV. Band, S. 427. Wien 1861. 

37. Kittl E. Die Miocänablagerungen des Ostrau-Karwiner Stein- 
kohlenrevieres und deren Faunen. Annalen des k. k. natur- 
historischen Hofmuseums in Wien, II. Band, 1887, S. 217, 

38. Kfiz M. Der Lauf der unterirdischen Gewässer in den devo- 
nischen Kalken Mährens. Ein Beitrag zur Hydrographie und 



272 Dl"- L. V. Tausch. [8] 

Nr. 

Hypsometrie Mährens. Jahrb. der k. k. geol. Reichsanstalt 1883, 
S. 25o, Wien. 

39. Kriz M. Führer in das mährische Hölilengebiet. 1. Abtheihmg 
1 8.^4. 

40. — Die Fauna der bei Kiritein in Mähren gelegenen Vypiistek- 
höhle mit osteologischen Bemerkungen Verhandl. des naturf. 
Vereines in Brunn. XXXII. Band. 1893, S. 90, Brunn 1894. 

41. — Ueber die Gleichzeitigkeit des Menschen mit dem Mammuthe 
in Mähren. .Mittheil, der Anthropol. Gesellschalt in Wien. S. 129, 
AVien 1894. 

42. — Die Höhlen in den mährischen Devonkalken und ihre Vorzeit 
Jahrb. der k. k. geol. Reichsanstalt 1891, S. 443 und 1892, 
S. 463, Wien. 

43. Liebe K. Th. Die fossile Fauna der Höhle Vypustek in Mähren 
nebst Bemerkungen betreffs einiger Knochenreste aus der Kreuz- 
berghöhle in Krain. Sitzungsb. der niath.-naturw. Classe der k. 
Akad. der Wissenschaften in Wien. LXXIX. Band. 1. Abth., 
S. 472, Wien 1879. 

44. Lipoid M. V. Geologische Arbeiten im nordwestlichen Mähren. 
Jahrb. der k. k. geol. Reichsanstalt 1859, S. 219, Wien. 

45. — 10. Jahresbericht über die Wirksamkeit des Werner- Vereines 
zur geologischen Durchforschung von Mähren und Schlesien im 
Vereinsjahre 1860, S. 16, Brunn 1861. 

46. — Vorlage der von Herrn Biefel eingesandten Fossilien aus 
Mähren. Jahrb. der k. k. geol. Reichsanstalt 1861 — 1862, V., 
S. 3, Wien. 

47. Makowsky A. Steinwerkzeuge aus der Bejciskala. Verhand- 
lungen des naturforschenden A'ereines in Brunn, Jahrgang 1872, 
XI. Band. S. 2('). Brunn 1873. 

48. — Mittheilung über Ptianzen von Klein-Lhotta. Verhandlungen' 
des naturforschenden Vereines in Brunn, Jahrgang 1872, XL Band, 
S. 33, Brunn 1873. 

49. — Ueber den Petrefacten führenden Schieferthon von Petrowitz 
bei Raitz. Verhandlungen des naturforschenden Vereines in Brunn, 
Jahrgang 1872, XL Band, S. 107, Brunn 1873. 

50. — Bericht über Ausgrabungen in der Bejciskala. Verhandlungen 
des naturforschenden Vereines in Brunn, Jahrgang 1873, XII. 
Band, Brunn 1874. 

51. — Ueber einen neuen Labyrinthodonten : .^Ärdiegomurus austriacus 
nor. spec/^ Sitzungsberichte der math -naturw. Classe der k. Aka- 
demie der Wissenschaften. 73. Band. 1. Abtheilung. S. 155, 
Wien 1876. 

ö^. — Geologischer Führer für die Umgegend von Brunn. Führer 

zu den Excursionen der Deutschen geologischen Gesellschaft. 

S. 17. W^ien 1877. 
53. — Koprolithen von lli/ama f^pelaea aus der Slouperhöiile. A'erhand- 

lungen des naturforsclienden Vereines in Brunn, Jahrgang 1878, 

XVII. Band, S. 27, Brunn 1879. 



[9] (fol)or die krvst. Schiefer- (i. Massengesteine etc. nördlich von Brunn. ^7P, 

Nr. 

54. Makowsky A. Geologische Mittheiluiigeii. Verlumdlungen des 
luiturforsclienden Vereines in I>rünn. .liilirgatig 1HS7, XXVI P)and 
8. 3i>, Brunn 1888. 

55. Makowsky A. und Rzeliak A. Die geologischen Verhältnisse 
der Umgebung von Brunn als Erläuterung zu der geologischen 
Karte. Verhandlungen des naturforschenden Vereines in Brunn, 
Jahrgang 1883, XXII. Band, S. 127, Brunn 1884. 

56. Maska .1. Die diluviale Fauna und Spuren des Menschen Inder 
Schoschuwker Höhle in Mähren. Jahrb. der k. k. geol. Reichs- 
anstalt 1891, S. 415, Wien. 

57. Mellon V. J. Die Hörn- und Feuersteingebilde der nächsten 
Umgebung von Brünu. Jahrb. der k. k. geol. lieichsanstalt 1851, 
m. Heft. S. 1. Wien. 

58. — Bericht über das Vorkommen fossiler, tertiärer Mollusken bei 
Littentschitz, Lomniczka und Rossitz. Jahrb. der k. k geol. 
Reichsanstalt 1853, S. 703, Wien. 

59. Neumayr M. lieber klimatische Zonen während der Jura- 
und Kreidezeit. Denkschriften der k. Akademie der Wissen- 
schaften. 47. Band. S. 277, W'ien 1883. 

00. — Die geographische Verbreitung der Juraformation. Denkschriften 
der k. Akademie der Wissenschaften. 50. Band, S. 57, Wien 1885. 

61. Oeynhausen C. v. Versuch einer geognostischen Beschreibung 
von Oberschlesien und den nächst angrenzenden Gegenden von 
Polen, Galizien und Oesterreichisch-Schlesien. Essen 1822. 

()2. Oppel A. und Waagen W. Ueber die Zone des Ämmom'tes 
transmrsarius. B e n e c k e's geognostisch - i)alaeontologische Bei- 
träge ; herausgegeben unter Mitwirkung von U. Schloenbach 
und W. Waagen. I. Band, S. 207, München 1868-1876. 

63. Bartsch P. Erläuternde Bemerkungen zur geognostischen Karte 
des Beckens von Wien und der Gebirge, die dasselbe umgeben. 
Wien 1844. 

64. — Geognostische Skizze der österreichischen Monarchie mit 
Rücksicht auf Steinkohlen führende Formationen. Jahrb. der k. k. 
geol. Reichsanstalt 1851, III. Heft, S. 95, Wien. 

65. Pluskai J. Vorlage der Direction des Werner-Vereines einer 
geologischen Karte der Umgegend von Tischnowitz von Pluskai. 
I. Jahresbericht über die Wirksamke.it des Werner-Vereines zur 
geologischen Durchforschung von Mähren und Schlesien , im 
Vereinsjahre für 1851—1852. S. 11, Wien 1852. 

66. — in Melion. Bericht über das Miocän bei Lomnitschka. Jahrb. 
der k k. geol. Reichsanstalt 1853, S. 705, Wien. 

67. P r c h a z k a V. J. Ueber das Auffinden von Blnnoceros fi/cJiorhinus- 
Resten im diluvialen Lehm der Umgebung von Herotitz nächst 
Tischnowitz in Mähren. Verhandl. der k. k. geol. Reichsanstalt 
1890, S. 107, Wien. 

68. — Pfedbeznä spräva o stratigrafickych a faunistick;^ch pomerech 
nejzafsf cästi miocaenu zäpadnl Moravy. (Vorläufiger Bericht über 



274 r)r. L. V. Tausch. MO] 

Nr. 

die stratigraphisclien und faiinistisclien Verhältnisse des west- 
lichen Miocängebietes von Mähren.) Sitzungsbericht der königl. 
böhm. Gesellschaft der Wissenschaften. S. 326. (Tschechisch mit 
kurzer deutscher Inhaltsangabe.) Prag 1892. 
(59. Reiclienbach C. Freiherr v. Briefliche Mittheilung über die 
geologischen A'erhältnisse bei Blansko. Neues Jahrb. für Mine- 
ralogie, Geol. u. Pal.. III. Jahrgang. S. 284, Heidelberg 1832. 

70. — Geologische Mittheilungen aus Mähren. Geognostische Dar- 
stellung der Umgebung von Blansko. Wien 1834. 

71. Reu SS A. E. Beiträge zur geognostischen Kenntniss Mährens. 
Jahrb. derk.k. geol. Ileichsanstalt. V. Jalirgang. S. ()r)9. Wien 1854. 

72 — Bericht über die geol. Untersuchungen in Mähren im Jahre 1854. 

5. Jahresbericht über die Wirksamkeit des Werner- Vereines zur 

geol. Durchforschung von Mähren und Schlesien im Vereinsjahre 

für 1S55, S. 41, Brunn 185(). 
7r>. — Cacholong von Olomutschan. Sitzungsbericht der math.-naturw. 

Classe der k. Akademie der Wissenschaften. X. Band, S. 02, 

Wien, 1860. 

74. Pioth J. Erläuterungen zu der geognostischen Karte vom nieder- 
schlesischen Gebirge und der umliegenden Gegenden. Berlin 1867. 

75. Rzehak A. Die Fauna des mährischen Rothliegenden. Verhand- 
lungen der k. k, geol. Reichsanstalt 1881, S. 78, Wien. 

76. — Beiträge zur Kenntniss der Tertiärformation im ausseralpinen 
Wiener Becken. Verhandlungen des naturforschenden Vereines 
in Brunn. Jahrgang 1882. XXI. Band. S. 31, Brunn 1883. 

77. — Die südlichsten Ausläufer der hercynischen Kreideformation 
in Mähren. Verhandlungen der k. k. geol. Reichsanstalt 1883, 
S. 265. Wien. 

78. — Die Kreidefossilien von Ält-Blansko. Verhandlungen der k. k. 
geol. Reichsanstalt 1884, S. 78, WMen. 

79. — Die geognostischen Verhältnisse Mährens in ihrer Beziehung zur 
Waldvegetation, Sonder-Abdruck aus dem Hefte III. Jahrgang 1885, 
der Verhandlungen der Forstwirthe von Mähren und Schlesien, 
Brunn 1885. 

80. — Die pleistocäne Conchylienfauna Mährens. Verhandlungen des 
naturforschenden Vereines in Brunn. Jahrgang 1887, XXV. Band, 
S. 73, Brunn 1888. 

81. — Geologische P^rgebnisse einiger in Mähren durchgeführter 
Brunnenbohrungen. Sonderabdruck aus den Mittheilungen der k. k. 
mährisch-schlesischen Gesellschaft für Ackerbau-, Natur- und 
Landeskunde Brunn 1889. 

82. S an db erger F. Briefliche Mittheihmg über Cacholong nach 
Quarz in Olomutschan. Neues Jahrb. für Min., Geol. und 
Palaeontol. von G. L e o n h a r d und G e i n i t z . Jahrgang 1867, 
S. 833. Stuttgart. 
83. — Briefliche Mittheilung über amorphe Kieselsäure in Olomut- 
schan. Neues Jahrb. für Min., Geol. und Palaeontol. von Leon- 
hard und Geinitz, Jahrgang 1870. S. 588. Stuttgart. 



[11] Ueher die kryst. Schiefer- ii. Massengesteine etc. nördlidi von Briinn. 27.') 

Nr. 

84. Schmidt C. J. lieber das \'orkoiiiin('ii des Caclioloii^s, insbe- 
sondere jenes dieser Mineralsperies in den bohlen Quarzkujieln 
von liuditz in Mähren, h. Jaliresbericht über die Wirksamkeit 
des Werner-Vereines zur ^eol. Durchforschung von Mähren und 
Schlesien im Vereinsjahre für 1855, Brunn 185(5. 

85. Schubert St. lieber einen bituminösen Schiefer von Klein-Lhotta. 
Verhandlungen des naturforschenden \'ereines in I^rünn. Jahr- 
gang 1876, XV. Band, S. in. Brunn 1877. 

8(). Schwippe! C. Ueber die geognostischen Verhältnisse der Um- 
gegend von Brunn. Verhandl. des naturforschenden Vereines in 
Brunn. Jahrgang 1862, 1. Band, S. 2>6, Brunn 1863. 

87. — Ueber die neu entdeckten Höhlen bei Niemtschitz. Verhandl. 
des naturforschenden Vereines in Brunn. Jahrgang 1862. I. Band, 
S. 68, Brunn 1863. 

88. — Forschungen auf geologischem Gebiete. Verhandl. des natur- 
forschenden Vereines in Brunn. Jahrgang 1865. 4, Band, S. 60. 
Brunn 1866. 

89. — Rothliegend bei Eichhorn. Verhandl. des naturforschenden 
Vereines in Brunn. Jahrgang 1872, XL Band. S. 33, Briinn 1873. 

90. — Uebersicht der geologischen Verhältnisse der Umgegend von 
Brunn. Programm des I. Deutschen k. k. Gymnasiums im Berichte 
für das Schuljahr 1882, Brunn. 

91. Simettinger M. Beiträge zur Kenntniss der Kohlenablagerungen 
bei Mährisch-Trübau. Jahrb. der k. k. geol. Reichsanstalt 1864. 
S. 367, W^ien. 

92. Slavik A. Die Kreideformation in Böhmen und den benachbarten 
Ländern. Sitzungsberichte der kgl. böhmischen Gesellschaft der 
Wissenschaft 1892. S. 157, Prag. 

93. Stur D. Hugo Rittler's Skizzen über das Rothliegeiid in der 
Umgegend von Rossitz. Verhandl. der k. k. geol. Reichsanstalt 
1873. S. 31, W^ien. 

94. Suess E. Vorlage eines fossilen Reptils. Sitzungsberichte der 
math. - naturw. Classe der k. Akademie der Wissenschaften. 
65. Band, 1. Abth., S. 274, Wien 1872. 

95. — Die Entstehung der Alpen. Wien 1875. 

96. — Das Antlitz der Erde. Prag und Leipzig 1885. 

97. Szombathy J. Ueber Ausgrabungen in den mährischen Höhlen 
im Jahre 1880. Die Vypustekhöhle bei Kiritein. Im Bericht 
von F. Hochstetter, Sitzb. der math. -naturw. Classe der k. 
Akad. der Wissenschaften. LXXXIL Band, 1. Abth., Jahrgang 
1880, S. 410, Wien 1881. 

98. Tausch L. v. Vorlage des Blattes Prossnitz und Wischau (Zone 
8, Col. XVI). Verhandl. der k. k. geol. Reichsanstalt 1891. 
S. 183, Wien. 

99. — Reisebericht von Tischnowitz. Verhandl. der k. k. geol. 
Reichsanstalt 1891, S. 248, Wien. 

Jahrbiicli d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1895, 45. Band, 2. Heft. (Dr. L. v. Tausch.) 36 



2H\ I^. V. Tausch. |]2] 

Nr. 

100. Tauscli L. V. (Jeologische MittlieiUnigen aus der weiteren 
rnigegeiul von Tisclinowitz. Verhandl. der k. k. genl. Keichs- 
anstalt 18'.)1. 8. 2.S9. Wien. 

101. — Geologische Aufnahme der Umgegend von Tischnovvitz. Ver- 
handl. der k. k. geol. Ileiclisanstalt 1S92. S. oUö, Wien. 

102. — IJesultate der geologischen Aufnahme des nördlichen Theiles 
des Blattes Austerlitz nebst Bemerkungen über angebliche 
Kohlenvorkonimnisse im untersuchten Culmgebiete. Jahrb. der 
k. k. geol. Ileiclisanstalt 189r^ 43. Band, S. 257, Wien 1894. 

10?). — Die Phyllitgruppe im Blatte Boskowitz und Blansko. Olivin- 
Diabas von Czenwir. ^'erhandl. der k. k. geol. Reichsanstalt 
1894. S. r»21, Wien. 

104. — Schluss der geologischen Aufnahme im Blatte Boskowitz und 
Blansko. Verhandl. der k. k. geol. Reichsanstalt 189[j, S. 291, 
Wien. 

lOf). Tietze E. Die Gengend zwischen Mährisch-Trübau und Bosko- 
witz. Verhandl. der k. k. geol. Reichsanstalt 1890, S 225, Wien. 

100. — Zur Geologie der Gegend von Ostrau. Jahrb. der k. k. geol. 
Reichsanstalt. \3. Band, 1893, S. 29, Wien 1894. 

107. — Die geognostischen Verhältnisse der Gegend von Olmütz, 
Jahrb. der k. k. geol. Reichsanstalt, 43. Band, 1893, S. 399. 
Wien 1894. 

108. Trampler R. Die Loukasteine. Jahrb. der k. k. geol. Reichs- 
anstalt 1892, S. 325, Wien. 

109. — Die Eröffnung zweier Dolinen, Mittheilungen der k. k. geo- 
graphischen Gesellschaft in Wien. 3ß. Band (der neuen Folge 26), 
S. 241. Wien 1893. 

110. — Die ältesten Grabungen im Brünner Höhlengebiet. Mitthei- 
lungen der prähistorischen Commission der k. Akademie der 
Wissenschaften. Band 1, Wien 1893. 

111. — Die mährischen Höhlen, insbesondere die Tropfsteingrotte 
von Schoschuwka. Gaea. 

112. Uhlig V. lieber die Juraablagerungen in der Umgegend von 
Brunn. Verhandl. der k. k. geol. Reichsanstalt 1880, S. 67, 
Wien. 

113. — Die Jurabildungen in der Umgegend von Brunn. Beiträge 
zur Paläontologie Oesterreich- Ungarns und des Orients. Heraus- 
gegeben von E. V. M j s i s V i c s und M. N e u m a y r, 1 • Band, 
S. 111, Wien 1882. 

114. Vivenot F. v. Mikroskopische Untersuchung des Syenites von 
Blansko in Mähren. Verhandl. der k. k. geol. Reichsanstalt 1870, 
S. 336, Wien. 

115. Vyrazi4 J. Mikroskopische Untersuchung des Granitsyenites 
der Umgebung von Brunn. Verhandl, des naturforschenden 
Vereines in Brunn. Jahrgang 1888, 27. Band, S. 171, Brunn 1889. 

116. Wankel H. Ueber die Höhlen der Grauwackenkalke in der 
Nähe von Blansko, Lotos. 2. Jahrgang, S. 28, Prag 1852. 



[13] Ueber die kryst. Schiefer- ii. Massengesteine etc. nördlich von Brunn. 277 

Nr. 

117. Wankel H. lieber die unterirdischen Jiöiilen bei Holstein in 
Mähren, Lotos, 10. Jahrgang, S. 73, Prag 1860. 

118. — Ueber die Abgründe der Hugohöhlen bei Jedownitz in 
Mähren, Lotos, 10. Jahrgang, S. 1(39, Prag ISHO. 

119. — Die Slouperhöhle. Denkschriften der k. Akademie der Wissen- 
schaften. 2S. Band, 2. Abtheilung, S. 95, Wien 1868. 

120. — Schreiben an Herrn Hofrath Prof. J. Hyrtl (die Bejcis- 
kala betreffend). Sitzungsberichte der math.-naturw. Classe der 
k. Akademie der Wissenschaften. LVIII. Band, 1. Abth., S. 7. 
Wien 1868. 

121. — Der Mensch der postpliocänen Periode und die Pariser 
Ausstellung, Lotos, 18. Jahrgang, S. 18, Prag 1868. 

122. Woldfich J. Beiträge zur diluvialen Fauna Mährens. Verhandl. 

der k. k. geol. Reichsanstalt 1880, S. 284, Wien. 

123. — Paläoutologische Beiträge. Verhandl. der k. k. geol. Reichs- 
anstalt 1886, S. 179, Wien. 

124. Wolf H. Bericht über die geologische Aufnahme der Gegend 
zwischen Brunn, Boskowitz und Olmütz. Jahrb. der k. k. geol. 
Reichsanstalt für 1861 u. 1862, Verh. S. 20, Wien 1862. 

125. Die Tertiär- und Diluvialschichten zwischen Olmütz und Brunn. 
Jahrb. der k. k. geol. Reichsanstalt für 1861 u. 1862, S. 51, 
Wien 1862. 

126. — Mittheilungen über einen Brief Rö nie r's über den Kramenzl 
von Kiritein. Jahrb. der k. k. geol. Reichsanstalt für 1861 und 
1862, S. 69, Wien 1862. 

127. — Mittheilungen über Tertiär- und Devonfossilien. Jahrb. der 
k. k. geol. Reichsanstalt für 1861 und 1862, S. 73, Wien 1862. 

128. — Die Stadt und Umgebung von Olmütz. VAne geologische 
Skizze zur Erläuterung der Verhältnisse ihrer W^asserquellen. 
Jahrb. der k. k. geol. Reichsanstalt 1863, S. 574. Wien 

129. — Ueber das Eisensteinvorkommen im südwestlichen Mähren 
zwischen Brunn, Iglau und Znaim. Verhandl. der k. k. geol. 
Reichsanstalt 1869, S. 106, Wien 

130. Wolfs krön M. Ritt. v. Die Goldvorkommnisse Mährens. Berg- 
und hüttenmännisches Jahrb. 1889, S. 229, Wien. 



36* 



278 I>i'- ■' V Tausch. [14J 



Schilderung der im Blatte Boskowitz und Blansko vorkom- 
menden Formationen. 

I. Die Brünner Eruptivmasse ^}. 

(8yei)it der älteren Aixtureu; Grauit-Syeuit, dioritische Schiefer uud Massengesteine 
nach A. Makowsky uud A. Rzehak.) 

I. Verbreitung. 

Die östliche Grenze der Brünner Eruptivmasse ist. wenn man 
dieselbe von der siidliclien bis zur nördlichen Kartengrenze verfolgt, 
im aufgenommenen Gebiete folgende : 

Südöstlich von Ochos , unweit der Ochoser Höhlen, tritt die 
Brünner Eruptivmasse aus dem Brünner in das Blatt Boskowitz und 
Blansko. Ihre Grenze verläuft von hier fast nord, nordvvestlich bis 
Ochos, welche Ortschaft, sowie Ubetz, noch in der Brünner Eruptiv- 
masse liegen, dann bis etwa 1 Kilometer südlich von Babitz nord- 
westlich, weiterhin fast genau nördlich, mitten durch den Ort Babitz, 
hierauf wieder nordwestlich bis zu den Höhen östlich des Bahnhofes 
von Adamsthal, um in nordöstlicher Richtung, etwas westlich der 
Restauration, das Josefsthal zu erreichen. 

Am rechten Thalgehänge setzt sie sich, beim alten Hochofen 
beginnend, fast nördlich fort, verläuft auf den westlichen Höhen 
parallel mit dem südlichen Theil der Ortschaft Olomutschan, einige- 
male lappenförmig sich östlich bis in die Olomutschaner Schlucht 
erstreckend, überschreitet diese' im unteren Theile des Dorfes in 
östlicher Richtung, - eine schmale Zunge des (xesteins setzt sieh nach 
Süden fort — und erreicht in leichtem Bogen, erst nördlich, dann öst- 
lich, schliesslich wieder nördlich sich wendend, die Laschaneker Strasse, 
unweit (westlich) des Ortes Laschanek. Sie setzt sich in einem convexen 
Bogen bis an das linke runkwa-Ufer fort, verläuft nach Westen eine 
Strecke am linken Ufer dieses Baches, überschreitet denselben bei 
der Sägemühle, macht am rechten Ufer einen kurzen convexen Bogen, 
kommt wieder auf das linke Ufer herüber, um in einer concaven 
Linie in geringer Entfernung wieder auf das rechte Ufer überzutreten, 
welches es nicht mehr verlässt. Unregelmässig verlaufend, wendet sie 
sich erst nord, dann nordost. von 1 ^2 Kilometer ost-südost von 
Tiechow aber wieder nordwest bis zum Berge Podvrsi, von hier in 
concavem Bogen südlich von Wesselitz nach Ost, endlich nach Nord 
durch das Dorf Wawrzinetz, um nach einem concaven Bogen in west- 
licher Richtung Petrowitz zu erreichen. Von diesem Orte verläuft die 
Grenze in einer Erstreckung von ungefähr einem Kilometer in nord- 
westlicher, dann östlicher Richtung bis Zdjar, um endlich in einer 
unregelmässigen, nach Norden verlaufenden Linie, ungefähr 1 Kilo- 



') Aus ( iriiudeii, die in dcir \v(;itereii Foleo c^rcirtcrt werden, \vnrd(i statt der 
älteren Namen diese Bezeichnuna; angewendet. 



ri5| lieber die kryst. Scliiet'er- ii. Masseiigesteine etc. nördlich von Brunn. 279 

meter westlich von Walcliow, bei den Halden des alten Alaunwerkes 
an der Strasse von Boskowitz nacli Walchow zu enden. 

Hier verschwindet die Briinner Eruptivmasse unter Kreideablage- 
rungen und es erscheint erst weiter nördlich nochmals eine kleinere, 
von dem Hauptvorkommen oberflächlich getrennte Partie, welche sich 
in das nördliche Blatt (Brüsau und Gewitsch) fortsetzt. 

Die Grenze dieses Gebietes verlauft im Osten, südlich des Dorfes 
Wratikow beginnend, in einem concaven Bogen nach Norden,, wo sie 
in diesem Dorfe selbst die Kartengrenze erreicht, welche von hier 
bis zu den Steilgehängen des östlichen Abfalles der Doubrawa die 
Nordgrenze der Brünner Eruptivmasse im aufgenommenen Gebiete 
bildet; im Westen von der nördlichen Kartengrenze in südwestlicher 
Linie am Zweihof vorbei bis zum Graben, der westlich des Höhen- 
punktes 369 Meter der Generalstabskarte (1 : 25000) am rechten Bach- 
ufer sich befindet; im Süden von dem erwähnten Graben in fast hori- 
zontaler Linie durch die Ortschaft Hradkow bis zum Höhenpunkte 
430 Meter der Generalstabskarte, um, sich dann nordost wendend, in 
die westliche Grenze überzugehen. 

Kehren wir zum Hauptvorkommen der Brünner Eruptivmasse 
zurück, so verläuft ihre nördliche Grenze von den erwähnten Halden 
in nordwestlicher Richtung, immer ein wenig südlich der Boskowitzer 
Strasse, bis sie bei den östlichst gelegenen Häusern der Boskowitzer 
.,Oberen Vorstadt" den Bielabach erreicht, dann dem linken Bachufer 
entlang bis zum Ostabhange des Boskowitzer Schlossberges, an diesem, 
nachdem der Bach überschritten, bis etwas nördlich des gräflich 
Mennsdorf sehen Schlosses reichend. 

Wenn wir von hier aus die Westgrenze der Brünner Eruptiv- 
masse verfolgen, so seilen wir, dass sie vom Schloss aus bis an die 
Raitz - Boskowitzer Strasse, wo am linken Ufer der Zwittawa sich eine 
Schlucht befindet und gegenüber am rechten Ufer das Rothliegende von 
Obora hart an den Fluss herantritt, in südwestlicher Linie verläuft. Die 
Brünner Eruptivmasse ist bei den (iärten der Säge im Bielathale vom 
rechten Ufer dieses Baches auf das linke übergetreten und die 
höchsten Erhebungen westlich des Dorfes Aujezd, südlich von Bosko- 
witz, bestehen aus diesem Gesteine. Von dieser Schlucht an fällt die 
Grenze so ziemlich mit der Strasse zusammen, welche über Doubra- 
witz, Raitz, Rajeczka, Blansko nach Ober-Klepatschow führt. Nördlich 
von Raitz macht sie aber nach Ost einen kleinen concaven Bogen, 
weil hier Kreide und Miocänablagerungen über der Rjrünner Eruptiv- 
masse liegen. Beim Bahidiof Blansko überschreitet sie die Zwittawa, 
verläuft dann — indem jüngere Bihlungen den Eruptivgesteinen aut- 
gelagert sind — südlich bis zum Hochofen Clamhütte, hierauf einige 
Meter westlich, um dann zunäclist, Alt-Blansko östlich lassend, bis 
zum Wächterhaus 275 (Generalstabskarte 1:25000) einen nördlichen 
und von hier, etwa 1 Kilometer westlich der Orte Unter -Lhotta. 
Speschau, Jestrzeby, einen nordwestlichen Verlauf zu nehmen. \ on 
dem nördlichsten Punkte dieser liinie wendet sie sich westlich, bis 
etwa 1 Kilometer südlich von Czernahora. und verläuft dann in süd- 
westlicher Linie bis zur südlichen Kartengrenze, wo sich die Forma- 
tionsgrenze zwischen Rothliegend und Brünner Eruptivmasse beim 



280 I^i-- 1^- V. Tausch. [16] 

Maierhof Neuliof der Herrschaft Eichhorn befindet. Diese Grenzlinie 
wird in Bezug auf bessere Orientirung nach Ortschaften durch die 
Angabe im Detail gekennzeichnet, dass sich die Orte Klein -Lhotta, 
Aujezd, Norzizow, Malostowitz, Czebin (ein verschwindend kleiner 
Tlieil der Czebinka besteht auch aus Eruptivgestein) und Chud- 
schitz in verliältnissmässig geringer Entfernung westlich von dieser 
Orenzlinie befinden. Vom Höhenpunkte 252 Meter der Specialkarte 
1:75000, östlich von Chudschitz, verlauft die Grenze in unregel- 
massiger Linie fast südlich durch ein waldiges Hüggelland bis zum 
Schlosse Eichhorn, um dann in südwestlicher Richtung, wie erwähnt, 
beim Maierhof Neuhof auf diesem Kartenblatte ihr Ende zu erreichen. 



2. Petrographische Beschaffenheit, Schichtung und Alter. 

Makowsky und Rzehak 1. c. Nr 55, haben sowold in der 
von iluien herausgegebenen geologischen Karte der Umgebung von 
Brunn in der Brünner Eruptivmasse zwei Ausscheidungen vorgenommen, 
und zwar: I. Granit-Syenit, II. Dioritische Schiefer und Massengesteine, 
als auch in der P^rläuterung der Karte eine detaillirte Schilderung 
der unterschiedenen Gebilde gegeben. 

I. Granit- Syenit. Nach ihnen ist der „Granit - Syenit" ein 
heterogenes Gestein, dessen Bestandtheile ebenso mannigfaltig als 
wechselnd sind. Dieselben können in wesentliche und unwesentliche, 
makro- und mikroskojjische Geniengtheile unterschieden werden. Als 
wesentlich und mit freiem Auge erkennbar erscheinen : Orthoklas, 
riagioklas, (^uarz. Ainphibol und Magnesia-Glimmer: als unwesentlich 
und makroskopiscli : Epidot und Titanit, die beide charakteristisch 
sind, ferner Kaliglimmer, Pyrit und Calcit (in Gangen); als mikros- 
kopische Gemengtheile Magnetit und Apatit Die Verfasser beschreiben 
die einzelnen Gemengtheile und setzen auseinander, dass diese durch 
verschiedene Combinirung und Grösse ein sehr verschiedenes habi- 
tuelles Verhalten des Syenites und eine Reihe von Varietäten bedingen, 
die allmählich in einander übergehen. Die Textur ist bald grob, bald 
feinkörnig, granitisch, selten porphyrartig, selbst flaserig durch parallel 
gelagerte Glimmerblättchen. Tyi)ischer Syenit (Ami)hibol und Ortho- 
klas) hat nur eine sehr beschränkte Verbreitung und geht leicht in 
dioritischen Syenit (Amphibol und Plagioklas) über (Olomutschan). Die 
häufigste Varietät enthält vorwiegend C)rthoklas. Quarz und Hornblende; 
untergeordnet Plagioklas und Biotit, mit accessorischem Titanit und 
Magnetit und rechtfertigt daher den Namen Granit-Syenit. Ein der- 
artiger Syenit begrenzt das Zwittawathal von Brunn und Blansko. 

Bezüglich der geotektonischen Verhältnisse sagen die beiden 
Autoren 1. c. Nr. 55, S. 144. dass der Syenit ein massiges Eruptiv- 
gestein sei, frei von jeder Schichtung. „Nirgends zeigt sich 
eine übergreifende Lagerung des Syenites oder Apophysen desselben 
in den angrenzenden Sedimentschichten, an welchen auch keine wie 
immer gearteten Contacterscheinungen. durch den Syenit etwa hervor- 
gerufen, zu beobachten sind. Im (Jegentheil findet eine überraschende 
Annäherung des Syenites in i)etrographischer Beziehung an die un- 
mittelbar aufiagerndcn Unterdcvongcbildc statt.'' 



[17] nol)or dio kryst. »Schiefer- ii Massengesteine etc. nördlich von Brunn, 281 

11. Diori tische Schiefer und M assen ge stein e. Vom 
Granit-Syenit wurden von Makowsky und Hzehak die dioritischen 
Schiefer- und Massengesteine getrennt gehalten. Xach diesen Autoren 
nähern sie sich in ihrer petrographischen Zusaniinensetxung inso- 
ferne dem Syenite, als sie wesentlich (iemenge von Aniphibol. 
Plagioklas und Quarz sind. „Indessen differiren sie. abgesehen 
von ihren tektonisclien ^'erhältnissen, in der Art und Weise ihrer 
Mengung so bedeutend vom Syenite, dass man sie unmöglich als 
Varietäten des Letzteren betrachten kann." „Durch Aufnahme von 
Orthoklas, seltener von Magnesiaglimmer in den körnigen Diorit, 
werden Uehergänge zum Syenit vermittelt." 

In Bezug auf petrographische Einzelheiten verweise ich auf die 
citirte Arbeit. 

Was die geotektonischen Verhältnisse dieser Gesteine betrifft, 
so sind nach den genannten Verfassern „die dioritischen Massen- 
gesteine zum Theile kleinere Einlagerungen im Syenite, die sich in 
ihren tektonisclien Verhältnissen nicht wesentlich von diesem unter- 
scheiden. Sie bilden aber auch mächtige Zonen innerhalb des Syenites, 
welche durch Uebergänge mit demselben verbunden sind , häufig 
auch lagerartige Gänge bis zu mehreren Metern Mächtigkeit, in an- 
sehnlicher nordsüdlicher Erstreckung zwischen dem Syenite." 

„Die schiefrigen Diorite hingegen zeigen stets eine mehr oder 
weniger deutliche Schichtung, oft wellig und bei geringer Mächtigkeit 
sehr feine Fältelungen." 

„Die dioritischen Schiefer übergehen in ihren Liegendschichten 
ohne scharfe Grenze allmälig in massigen Diorit und durch diesen 
in Syenit. In genetischer Beziehung unterliegt es wohl keinem Zweifel, 
dass die dioritischen Schiefer sedimentären Ursprunges sind. Nach 
ihrer Zusammensetzung, wie ihrer Lagerung ist es sehr wahrscheinlich, 
dass es tuffogene Sedimente im Sinne Reyer's sind, hervorgegangen 
aus der Metamorphose syenitischer, submarin gebildeter Tuffe, welche 
durch den körnigen Diorit mit dem Syenite verbunden erscheinen." 

Schon vor diesen Autoren hat K. Reichenbach 1. c. Nr. 70 eine 
vortreffliche Schilderung der Brünner Eruptivmasse und ihrer Be- 
grenzung gegeben. Bezüglich der von Reichenbach angegebenen 
Grenzen, die fast überall ganz genau den Thatsachen entsprechen, 
kann ich nur einen kleinen Irrthum naclnveisen, indem seine An- 
gabe, dass der Syenit sich „oberhalb des Marktfleckens Daubrawiz 
(recte Doubrawitz) auf das westliche Zwittawa-Ufer übersetze, unter- 
halb Klemov (Klemow) vorbeiziehe und in südlicher Richtung strei- 
chend, das rechte Ufer der Zwittawa bilde", sich als falsch erwies, 
da an diesen Orten nirgends das Brünner Eruptivgestein sondern 
jüngere Bildungen anstehen. 

Selbstverständlich bezieht sich das Lob der Hauptsache nach 
nur auf die ausserordentliche Genauigkeit von Reichenbach's 
Beobachtungen; seine absonderlichen philosophischen Betrachtungen 
müssen ausser Spiel gelassen werden. 

Thatsache ist es jedoch geworden, dass gar manche Ansichten 
dieses scharfsinnigen Beobachters, die lange Zeit unbeachtet gelassen, 
heute erst wieder zur vollständigen Geltung gelangen, und es gereicht 



282 r>i'- I^- V. Tausch. [18] 

mir zum besonderen Vergnügen, in der Folge nacliweisen zu können, 
dass dieser lange vergessene oder todtgescliwiegene Forsclier in vieler 
I)eziehung mit seinen Anschauungen IJeclit behalten und Thatsachen 
veröffentlicht hat, deren Erkenntniss niclit ihm sondern erst jüngeren 
Autoren als Verdienst angerechnet wurde. 

Auch die petrographische Beschreil)ung der Brünner P^uptiv- 
niasse ist eine für die damalige Zeit vortreffliche. In der weiteren 
Folge seiner Ausführungen kommt er nämlich zu dem Resultate, dass 
man im Syenit vier, respective fünf unterscheidbare Zonen von Ge- 
steinen beobacliten zu können scheine, und zwar: 

„Gemeinkörnigen Syenit mit viel Quarz, Glimmer und Titanit 
— die erste Zone — findet man in der Regel in der Mitte des 
ganzen (Jebirgszuges in der Streichungsaxe." (Klepatschow, Blansko, 
Ober-Tjhotta, Karolin.) 

„Zu beiden Seiten, im östlichen und westlichen Verflachen, 
wird der Titanit seltener und verschwindet ganz. Ausserhalb des 
Mittels gegen beiden Seiten hin, nimmt der Glimmer und der Quarz 
ab und die Hornblende mit Feldstein und Feldspathkrystallen werden 
vorherrschend. Das Gestein geht nun in Diorit über und dieser 
scheint eine Zone einzunehmen, die den Titanit-Syenit umschliesst." 

„Weiter hinaus vom Mittel ab, nehme ich auf beiden Seiten 
im Hangenden des Diorites einige Straten wahr, in welchen die 
Hornblende plötzlich ganz verschwindet und nichts bleibt, als Quarz 
und Feldspath in massiger Verbindung. Der Quarz ist farblos und 
durchsichtig, der Feldspath aber fleischroth, das ganze Gestein jedoch 
schon von Weitem durch sein blosses Roth auffallend. Es scheint 
dies eine zweite Zone zu sein, welche concentrisch die erste um- 
fängt." 

„Ein weiterer Fall der Art, eine dritte Zone, scheint ein hell- 
grünes Gestein abzugeben , das schon der äusseren Grenze des 
Syenits sich nähert. Eine Felsart, in welcher Epidot in sehr feinen 
Krystallen mit ebenso feinem Quarze sich aufs Innigste mengt, 
zeichnet sich durch ein schönes, helles Apfelgrün aus, das matt im 
Bruche ist. Es kömmt dasselbe unter verschiedenen Umständen im 
Syenite vor, hier aber habe ich nur sein Auftreten in der Nähe 
seiner Grenze in Frage stellen wollen." 

„Endlich macht sich noch eine vierte Zone durch einen ganz 
feinkörnigen Syenit bemerkbar, welcher noch weiter gegen die Syenit- 
grenze hinausgeschoben , eine seiner letzten Häute auszumachen 
scheint." 

Wenn nun auch diese fünf Gesteinsarten, die Reichenbach 
ohne Hilfe von Dünnschliffen unterschied, keineswegs, wie ich im Ver- 
laufe meiner Ausfülirungen nachweisen werde, in der Weise in Zonen 
geordnet sind, wie Reichenbach sich dies vorstellte, so kommen 
sie in der That in der Brünner Eruptivmasse vor. 

Auch die dioritischen Schiefer A. Makowsky's und Rzehak's 
hat Reichenbach keineswegs übersehen. Es werden diese Vor- 
kommnisse von ihm anlässlich der Frage, ob der Syenit geschichtet 
sei oder nicht, besprochen. Während nämlich Makowsky und 
Rzehak, wie bereits citirt. angeben, dass der Granit-Svenit, folge- 



[19] Ueber die kryst. Schiefer- u. Massengesteine etc. nördlich von Brunn. 283 

richtig auch der Diorit frei von jeder Schichtung sind, schreibt 
darüber Ueichenbach 1. c. Nr. 70, S. 41 Folgendes: „Schichtung 
im ganzen Grossen habe ich zwar mit völliger Ueberzeugung nicht zu 
erkennen vermocht; aber dessen ungeachtet bin ich nach alle dem, 
was icli vielfältig im Einzelnen beobachtet habe, sehr geneigt, sie ihm 
zuzusprechen" ^). 

Als Beweis für seine Anschauung beschreibt nun Reichenbach 
das Vorkommen der Schiefergebilde, welche Schilderung ich wieder 
wörtlich zu citiren genöthigt bin, da ich seine Darstellung, wie ich 
mich durch wiederholtes Begehen dieses Gebietes überzeugen konnte, 
nur vollinhaltlich bestätigen muss. 

Die betreuende Stelle lautet: „Es findet sich nämlich an vielen 
Stellen in Steinbrüchen mitten im reinsten Syenite plötzlich ein Gestein, 
das man für sich für Thonschiefer, an anderen Orten solches, welches 
man für Talkschiefer, endlich welches man für Grünsteinschiefer 
gemeinhin nehmen würde ; dieses aber bildet jedesmal regelmässige 
Straten und zwar parallel seiner eigenen Schichtung und zeigt ein 
weit über Berge und Thäler sich forterstreckendes Streichen und 
Fallen; darüber und darunter aber lagert wieder Syenit, der aller 
Merkmale einer Stratification absolut ermangelt. Einen Beweis hievon 
findet man in dem Thale, welches von Holleschin (Holeschin) herab 
am Bache fort nach Daubrawiz ( Doubrawitz) zieht. Dort befindet sich 
für den Herabgehenden rechts am Wege ein Bruch, in welchem jüngst 
behufs des hiesigen Strassenbaues eine grosse Menge Syenite gebroclien 
worden sind. — (Auch gegenwärtig bestehen hier noch Brüche im 
Syenit, Bern. d. Verf.) — Inmitten des Bruches schiessen die Straten 
ein, welche ein in der Art abgeänderter Syenit sind, dass er äusserst 
feinkörnig geworden und nun nur Schichten von Urthonschiefer (Chlorit- 
schiefer, Bem. d. Verf.) fürs Auge vorstellt. — Ueber eine ganz gleiche 
Schicht, und ich glaube über eine und dieselbe, begibt man sich, 
wenn man von Lhotta Rapotina nach B. Augezd (Aujezd bei Boskowitz) 
in der Jacobo-Thalschlucht hinauf und oben rechts im Waldwege nach 
B. Augezd fortgeht; quer über die Strasse setzt ein solches Lager 
einer Art Thonschiefer, im Liegenden und Hangenden von gemeinem 
Syenit begleitet. Diess ist etwa eine Stunde von dem Punkte im 
Holleschiner Thale entfernt, und zwar oben auf den Berghöhen, 
während jenes tief im Thalgrimde liegt; ich halte es aber gleichwohl 
für das Gegentrum dessen, was ich dort fand. — Auf dem Wege von 
Daubrawiz nach Boskowiz stehen an der Landstrasse am Zwittawa- 
ufer viele Syenitfelsen zu Tage. Mitten unter ihnen, unmittelbar am 
am Wege finden sich mitunter ganze Lager von einer Abänderung des- 
selben, wie Talkschiefer-), der ebenso im Hangenden und Liegenden 
gemeinen Syenit hat, der bloss massig erscheint. Ein weiterer hieher 

') Vorgreifend meinen weiteren Ausführungen möchte ich hier schon 
bemerken, dass ich durch meine Aufnahmen genau zu demselben Resultate gelangte. 

'-) Diese (lesteine, welche nach der mikroskopischeii Untersuchung durch 
Herrn C. v. J o h n als chloritschieferartige Gebilde gedeutet werden müssen, stehen 
nördlich von Doubrawitz, am linken Ufer der Zwittawa, ungefähr gegenüber dem 
Punkte, wo am rechten Ufer der Zwittawa das liothliegend bis an die Bahn 
reicht, an. 

Jahrbuch d. k. k. geol. UeichScaiistalt, 1895, 45. Band, i. Heft. (iJr. I.. v. Tausch.) 37 



2H4 Dr. L. V. Tausch. [20] 

gehöriger Fall tiudet östlich von Czernahora da statt, wo der Syenit 
gegen Norden abfällt und untergeht. x\uch hier nimmt der Syenit eine 
geschichtete Beschaffenheit an. Die Hornblende wird talkig. der Feld- 
spath verliert seine Krystallinität, wird feldsteinig, und es entsteht 
aus beiden ein geschichtetes, dioritisches Gestein von dünnflaseriger 
Art. Es breitet sich über eine halbe Meile weit sichtbar aus und ist 
eingelagert in massigem Syenit. Ebenso bei Raiz, unterhalb des 
Getreidespeichers, findet sich ein Steinbruch in schiefrigem Syenite 
(gegenwärtig nicht mehr sichtbar, Bern. d. Verf.) — Endlich zeigt das 
Dorf Sawiest (recte Zawist südlich von Czernahora, Bem. d. Verf.), ein 
schönes Profil in einem wilden Wasserrisse, der gleich beim Dorfe 
westlich beginnt und durch lauter grüne Schiefer aufwärts eine halbe 
Stunde weit fortläuft. Hier ist der Diorit in mancherlei Abänderungen 
schöner, als irgendwo geschichtet und lässt sich nicht selten in Schiefer 
zerblättern Sie scheinen auf der Streichungslinie derer von Czernahora 
zu liegen, sind aber ungleich bestimmter ausgesprochen und von einer 
dem Auge häufig verschwindenden Feinheit des Korns." 

Nachdem ich noch vorausschicke, dass der sogenannte Brünner 
Syenit wiederholt chemisch und mikroskopisch untersucht wurde, habe 
ich noch die Ergebnisse meiner eigenen Untersuehungen mitzu- 
theilen. 

Nur ein geringer Theil jener alten Eruptivmasse, welche sich 
südlich von Znaim bis nördlich von Boskowitz in wechselnder Breite 
erstreckt, fällt in das Blatt Boskowitz und Blansko. Es kann daher 
nicht meine Aufgabe seni, eine Monograi)liie des sogenannten mähri- 
schen Syenites zu schreiben ; diese kann, um Anspruch auf Glaub- 
würdigkeit zu haben, erst dann geliefert werden, wenn auch die süd- 
liche Fortsetzung dieser Eruptivmasse im Detail geologisch erforscht 
und petrographisch untersucht worden ist. 

Immerhin l)in ich aber doch in der Lage, einige positive Daten 
über den sogenannten mährischen Syenit im Blatte Boskowitz — Blansko 
zu geben. 

Die Gesteine des sogenannten mährischen Syenites, welche sich 
in dem aufgenommenen Gebiete finden, sind s y e n i t i s c h e , granit- 
ische, dioritische und schiefrige. Charakteristisch für jedes 
derselben ist es jedoch, dass keines derselben dem Typus des Ge- 
steines, dessen Namen es trägt, vollkommen entspricht. 

Um nur ein Beispiel anzuführen, sei erwähnt, dass der mäh- 
rische Syenit seinen Namen hauptsächlich von jenen Gesteinen er- 
halten hat, welche sich bei Blansko (sowohl südlich bis gegen Brunn, 
als nördlich bis Karolin) finden. Speciell aus diesem Gebiete habe ich 
nun vom anstehenden (iesteine Handstücke mitgebracht, wehdie, wie 
auch alle übrigen, von Herrn C. v. John petrographisch untersucht 
wurden. Es zeigte sich nun, dass auch dieses Gestein sich durch den 
hohen Gehalt von Plagioklas und Quarz von den tyi)ischen Syeniten 
unterscheidet, ohne aber auch zum typischen Granit zu werden. Es 
wurde deshalb aucli von A. Makowsky und A. I»z(!hak Granit- 
Syenit genannt. 

Die Granite im aufgenommenen Gebiete zeichnen sich hin- 
wiederum durch geringen Glimmergehalt, die D i o r i t e durch viel 



[21] fJebpi' die kiyst. Scliiefer- ii. Masserigesteine etc. nördlich von Brunn. 28,") 

Ortliüklas mit etwas Quarz aus; endlicli muss 1)0/C(ij^licli der Scliict'er 
erwälmt worden, dass sie ('lilorit- und Talkscliiefern sehr äliiilich 
werden, aber keineswegs mit ihnen verwechselt werden können. 

Alle diese Gesteinsarten — und es werden sich bei genauerer 
petrograithischer Tintersuchung noch viel mehr als die erwähnten 
unterscheiden lassen — hängen innig miteinander zusammen und bilden 
eine geologische Einheit, welche sich südlich von Znaim bis nördlich 
von Boskowitz erstreckt, für die aber einen entsprechenden Namen zu 
finden, sehr sclnvierig ist. Da aber in demselben typischer Syenit 
höchstens nur in sehr beschränkten (Jebieten vorkommt, so erlaube 
icli mir für das Gesammtvorkommen statt des Namens „mährischer 
oder Brünner Syenit" die schon beim Titel dieses Abschnittes gewählte 
Bezeichnung „Brünner Eruptivmasse" vorzuschlagen, innerhalb 
dessen selbstverständlich gewisse Tlieile als Syenit, Syenit - Granit, 
Granit, Diorit u. s. w, unterschieden werden müssen. 

Was nun die V e r b r e i t u n g der e i n z e 1 n e n B e s t a n d t h e i 1 e 
der Brünner Eruptivmasse betrifft, so kann von einer zonenartigen 
Eintheilung derselben, wie sie Reich enbach angibt, nicht gesprochen 
werden. Er selbst hat auch diese Ansicht nicht als sicher, sondern 
nur als wahrscheinlich hingestellt: immerhin ist aber dieser Irrthum 
bei einem sonst so zuverlässigen Beobachter befremdlich, und mag 
zum Theil darauf beruhen, dass er seine Ansicht auf Lesestücke der 
Gesteine stützte, die, wie sich im Folgenden zeigen wird, Beweiskraft 
nicht besitzen. 

Meine Beobachtungen haben nämlicli gezeigt, dass die von mir 
erwähnten Gesteinsarten ganz willkürlich miteinander gemengt sind, 
so dass man,, wie z. B. in den Steinbrüchen bei Lelekowitz, granit-, 
Syenit-, dioritartige Gesteine mit schiefrigen Zwischenlagen wechsel- 
lagern sieht; andrerseits, wo derartige gute Aufschlüsse fehlen, in 
den Steinhaufen auf den Feldern, wo die Bauern die Steine aus den 
Feldern zusammentragen, gemeiniglich zahlreiche Stücke jeder dieser 
Gesteinsarten vorhanden sind. 

Im Allgemeinen aber besteht die Hauptmasse der Brünner 
Eruptivmasse, soweit sie in das Blatt Boskowitz— Blansko hineinreicht, 
aus einem granitähnlichen Syenit, den man füglich mit Makow^sky 
und Rzeliak Granit-Syenit nennen kann. Dieser Granit-Syenit tritt 
aber sowohl im Osten als auch im Westen hart an der Formations- 
grenze gegen das Unterdevon auf, wo, wie man sich bei Ochos, 
Babitz, Olomutschan, Laschanek, AVesselitz, Petrowitz, Zdjar auf der 
Ostseite, und auf der Westseite an der Czebinka — wo das Gestein 
ganz wie bei Bilowitz bei Brunn im Grus zerfallen ist — und nördlich 
und südlich des Schlosses Eichhorn, überzeugen kann, derselbe das 
Liegende des Unterdevons bildet. 

Eine zusammenhängende Dioritzone — ungefähr wie sie die 
Karte von A. Makowsky und A. Rzehak angibt — findet sich 
im Westen und bildet eine % — 1% Kilometer breite Zone, welche 
sich südlich von Czernahora über Swinoschitz bis südlich von Lele- 
kowitz erstreckt. 

Granite, die sich von typischen Graniten kaum — geringer 
Glimmergehalt — unterscheiden, finden sich u. a. am Cerveny vrch 

37^ 



28(5 I)r L. V. Tausch. [22] 

auch bei Giirein, Zlodicky. westlich von Gureiii (Generalstabskarte 
l-2r)()0()) bei Lipuwka, an der Strasse zwischen Czeniahora und Zavist 
bei Alt-Blansko, wo das Gestein fast i)orpliynscli wird. 

Das Vorkommen ausgedehnterer Schieferpartien wurde bereits 
durch das Citat Reiche n b a c h's bekannt gegeben ; nur muss 
erwcähnt werden, dass die einzehien Schieferpartien ein gemein- 
sames Streichen, u. zw. ein nordsüdliches haben, dass sie aber 
nicht eine zusammenhängende, nur theilweise durch härteres Gestein 
unterbrochene Zone bilden, sondern unregelmässige ^Einlagerungen in 
den härteren Gesteinen zu bilden scheinen. 

Was nun die Frage der Schichtung der Briinner 
Eruptivmasse betrifft, so muss im Ganzen und Grossen zuge- 
standen w'erden, dass im Blatte Boskovvitz — Blansko eine solche theil- 
weise vorhanden zu sein scheint; denn nicht nur fallen die Schiefer 
nördlich von Doubrawitz steil nach Ost, die Schiefer bei Zawist nach 
West, sondern selbst bei dem harten Granit-Syenit scheint bei Blansko. 
Boskowitz u. s. w. ein Einfallen nach West vorhanden, w^elches keines- 
^vegs auf Clivage zurückgeführt werden kann. 

Es scheinen die Kräfte, welche zu wiederholten Zeiten die jün- 
geren Bildungen in Falten legten, ihre Wirkung auch auf die Brünner 
Eruptivmasse ausgeübt zu haben, welche mit Ausnahme ihrer härtesten 
Partien, wie z. B. der Diorite bei Swinoschitz, Widerstand zu leisten 
nicht immer imstande war und mehr oder minder in ihrem Lagerungs- 
verhältnisse gestört wurde. 

W e n n w i r nun z u r F r a g e ü b e r d a s A 1 1 e r d e r B r ü n n e r 
Eruptivmasse übergehen, so finden wir, dass seit Alters her die 
Ansichten über dasselbe wesentlich differiren. 

Ein verhältnissmässig junges Alter sprach ihm Ami Boue (1. c. 
Nr. 4, S. 115) zu, indem er sich darüber folgendermassen äusserte: 
Die Syenite sind meist entschieden neuer, als ein grosser Theil des 
Uebergangsgebildes, wenigstens in mehreren Gegenden. Diese zuerst in 
Norwegen erkannte Thatsache wurde später in mehreren Ländern be- 
stätigt, namentlich durch die Lagerungsweise der grossen Masse grani- 
tischen Syenites von Meissen und Dresden bis Lauban und bis zum 
Riesengebirge sich erstreckend. In Freiberg nimmt man jetzt als ent- 
schieden an, dass diese krystallinische Ablagerung auf Thonschiefer und 
Grauwacke ruhe (Dolina), und dass sie vom letzteren Gesteine bedeckt 
werde (Lausiz), so, dass dieselbe gleichsam dem Uebergangsgebirge 
eingelagert erscheint. Der Syenit Mährens, w^elcher aus der Gegend 
von Blansko gegen Brunn, und alsdann nach Znaim sich ausbreitet, 
dürfte auf ähnliche Art vorkommen ; er scheint auf Uebergangs- 
Thonschiefer zu ruhen (NW vom Spielberg, unfern Brunn), und 
findet sich mit dem üebergangskalke in Berührung (Laschanek), oder 
er wird von diesem durch einige quarzige Talkschiefer getrennt 
(Serdazlo V). 

Auch Fötterle hält die Brünner Eruptivgesteine für jüngere 
Gebilde. Man vergl. Fötterle 1. c. Nr 15, S. 77. 

Er schreibt: „Eine gewiss sehr interessante Erscheinung bleibt 
es, dass dieses ganze krystallinische Schiefergebilde im Osten durch 
einen von Meissau in Oesterreich zu verfolgenden, beinahe stets bis 



[2,')] Ueber die kryst. Schiefer- ii Masscngestein(> etc. nördlich von Briinn. 2K7 

Knehnitz (recte Knilmitz) in Mäliren zu verfolgenden (Jranit- und 
Syenitzug begrenzt wird, der gewiss erst späterer Kntsteliung ist und 
die Ursaciie des an seiner westlichen Grenze von IJöhmen bis nacli 
Oesterreich zu verfolgenden Depressionsthaies sein mag." 

Diese Auffassung von dem jüngeren Alter des sogen, mährischen 
Syenites wurde von Prof. E. Suess getheilt, und ihr IHTö durch folgen- 
den Satz: „Die Ränder beider Schollen, der böhmischen wie der sude- 
tischen, neigen sich also unter die Ausfüllungsmasse der Fuge, und der 
Syenit ist jünger als beide " {K. S u e s s. Die Entstehung der 
Alpen S. 70) allgemeine Geltung verschafft. Die Gründe, welche E. S u e s s 
bewogen, dem Syenite ein nachdevonisches Alter zuzuschreiben, wurden 
grösstentheils schon von M a k o w s k y und R z e h a k widerlegt ; ich werde 
mir erlauben, in der Folge auf diesen Gegenstand zurückzukommen. 

Vorerst müssen aber die Ansichten R e i c h e n b a c h's reproducirt 
werden, weil auch dieser Forscher sich eingehend darüber geäussert 
hat. Nach Reichenbach 1. c. Nr. 70, S. 167 ist entweder der Syenit 
ein uraltes Gebilde — wie schon erwähnt, muss von seinen phanta- 
stischen Ansichten über die Entstehung der Ablagerungen, ihrem 
„Bildungstrieb" natürlich abgesehen werden, -- auf welchem „die 
westlichen und östlichen sich correspondirenden Ablagerungen dies- 
seits und jenseits des Syenites einst in ihren Fortsetzungen hergelegen 
seien und so zusammenhangen". Dafür finde sich ein Zeuge, nämlich 
das merkwürdige Stück Lathon auf der Biskupsky (bekannter unter dem 
Namen „Babylom" bei Brunn, Bem. d. Verf.), welches mitten im Syenite, 
hoch auf den äussersten Bergspitzen liege und auf seinen Rücken bei 
Lelekowitz noch ein gerettetes Stück kalkigen Hangendgesteines trage. 
Denn, wenn auch Meeresströmungen alles, was hervorragte, zerstörten, 
konnte doch ein tüchtig festes Stück der allgemeinen Zerrüttung bis 
auf einen gewissen Grad entgehen, „und die Katastroi>hen wie ein 
entronnener Bote überleben , der von einem mörderischen Kampfe 
wenigstens noch Kunde überbringt, wenn Alles übrige zu Grunde 
gegangen ist." 

Oder aber könne auch der Syenit ein Gestein sein, „welches durch 
unterirdische Gewalt gehoben wäre, dabei die sie deckenden Forma- 
tionen aufgebrochen, zu beiden Seiten getrieben und dabei einzelne 
Trümmerstücke in seiner Mitte behalten hätte, die nun abgerissen 
dalägen und durch ihre Festigkeit das darunter liegende Gestein vor 
Verwitterung schützten". 

Nach dem Sinne seiner Ausführung neigt sich jedoch Reichen- 
bach mehr der ersteren Ansicht zu. 

„Nirgends zeigt sich eine übergreifende liagerung des Syenites 
oder Apophysen desselben in den angrenzenden Sedimentschichten, 
an welchen auch keine wie immer gearteten Contacterscheinungen 
durch den Syenit etwa hervorgerufen, zu beobachten sind. Im Gegen- 
theile findet eine überraschende Annäherung des Syenites in petro- 
graphischer Beziehung an die unmittelbar auflagernden Unterdevon- 
gebilde statt. Aus diesen Gründen schon, zu welchen sich noch andere, 
später zu erwähnende — (leider in der betreffenden Arbeit nicht zu 
finden, Bem. d. Verf.) — gesellen, kann der Syenit nicht jünger, als 
die angrenzenden Sedimentgebilde sein, wie E. Suess vermuthet hat." 



2«R Dr. I;. V. Tausch. [24] 

Mit diesen Worten begründen A. Makowsky und A. Iizehak 
(1. c. Nr. Tk). S. 144) das iJrädevonische Alter der Hrünner Masse, 
welcher Ansicht ich mich vollinlialtlich anschliesse. 

Es möjie mir nun gestattet sein, im Folgenden mich nach den 
im Blatte Boskowitz — Blansko gemnchten Erfahrungen mit dieser Frage 
zu beschäftigen. 

Womit begründet ¥j. S u e s s das nachdevonische Alter der 
Brünner Eruptivmasse V Die betreffende Stelle lautet in der Ent- 
stehung der Ali)en, S. ()9, folgendermassen : „In der Fuge zwischen 
der böhmischen und der sudetischen Scholle ist ein langer Streifen 
voll Syenit heraufgestiegen, der gegen Süd. wie Foetterle gezeigt 
hat. ärmer an Hornblende wird und als ein Granitrücken sich bis 
nördlich von Znaim fortsetzt: auch die isolirte südlichere Reihe von 
Granitbergen bis Meissau ist eine Fortsetzung des Syenitzuges im 
Norden. Das Querprofil der Fuge von West nacli Ost ist aber nördlich 
von Brunn folgendes : 

Das Ivothliegende neigt sich in grosser INIächtigkeit als feld- 
spathführende Arkose, als rother Sandstein und Schiefer, dann als 
bräunlicher Schiefer mit Walchien, als rothes Conglomerat mit Por- 
phyrgeröllen, endlich als schwarzgrüne AVacke und Schiefer regel- 
mässig gegen Südost der Fuge zu. Die Neigung wird gegen die 
oberen Schichten allmälig steiler und es folgt eine Bank von hartem, 
blauschwarzen, zum Theile zelligen Kalkstein, in welchem ich ver- 
geblich nach Zechstein- Versteinerungen gesucht habe. Diese fällt 
etwa 500 go unter den Syenit, und ist bei dem Schlosse Eichhorn 
nur durch wenige Fuss zersetzten, sandigen Gesteins von demselben 
getrennt. Der harte Syenit enthält Lager von chloritischem Schiefer, 
welche möglicher Weise als ein verändertes Gestein anzusehen sind, 
und Beschläge von Malachit. Hat man den Syenit gekreuzt, so zeigt 
sich jenseits an der Schmelzhütte oberhalb Adamsthal die grosse Masse 
von devonischen Schichten, regelmässig nach Ost geneigt. Nur un- 
mittelbar an dem Syenit macht der mitteldevonische Kalkstein mit 
Meganferis Archiaci eine zweifache Faltung und neigt sich entgegen- 
gesetzt, unter dem Syenit. 

Die Ränder beider Schollen , der böhmischen wie der sude- 
tischen. neigen sich also unter die Ausfüllungsmasse der Fuge und 
der Syenit ist jünger als beide." 

Bezüglich des ersten Punktes, der Beschaffenheit des Roth- 
liegenden an und für sich, und dessen Verhältnisses zum Syenit, 
fehlt den citirten Angaben die nöthige Exactheit. Soll die ange- 
gebene Schichtfolge allgemein für das Rothliegende, .worauf die un- 
bestimmte Angabe „nördlich von Brunn" hinweisen würde, oder spe- 
ciell nur für die nächste Umgebung des Schlosses Eichhorn Geltung 
haben? In beiden Fällen entspricht sie nicht den Thatsachen. 

Sofern die Angaben auf das Rothliegende nördlich von Brunn 
im Allgemeinen Bezug haben sollten, werde ich sie im Capitel iiber 
das Rothliegende im Blatte Boskowitz — Blansko widerlegen; dass; 
die geologischen Verhältnisse bei Eichhorn unrichtig geschildert 
wurden, werde ich im Folgenden zeigen. Schloss Eichhorn steht auf 
Granit-Syenit. Begibt man sich am rechten L^fer der Schwarzawa 



[251 Uel)in- die kryst. Schiet'or- ii. MassiMigostoiiio etc. nördlich von Brunn. 289 

vom Sclilosse direct iiadi West, so hält der (iranit-Syenit noch 
einige 100 Meter an. Darauf folgt eine schmale Zone eines Ge- 
steines, welches mit Salzsäure behandelt, sicli als ein ungemein 
feiner grauer Quarzsand, durch Kalk verbunden, entpuppt, beson- 
ders am Steilabhang , der zur Schwarzawa hinabführt , gut aufge- 
schlossen ist, theilweise in der Nähe der Kalke in Quarzite und 
in der weiteren Fortsetzung, nach Südwest sich verbreiternd , in 
Old-Red Sandstone übergeht, von dem man die schönsten Haudstücke 
auf den Feldern nördlich des Maierhofes Neuhof auflesen kann. Jis 
ist also das Vorkommen von Unterdevon hier sichergestellt. Ein Ein- 
fallen ist nicht zu beobachten. Das Hangende bilden blockige, 
bunte, röthliche und weisse Kalke mit sehr undeutlichem Einfallen. 
Ich glaube im Gegensatze zu E. Suess ein westliches Einfallen 
beobachten zu können. Diese Kalke sind abgewaschen, zerklüftet und 
demselben sind nicht nur ßothliegend - Conglonierate aufgelagert, 
sondern dieselben finden sich auch in seinen Klüften. Dies habe 
ich bei wiederholten Besuchen dieser Localität beobachten können. 
Weiter nach Westen fortschreitend , findet man zwar nirgends 
Ixothliegend-Conglomerate anstehen, wohl aber auf den roth gefärbten 
Feldern rothen Schotter, wohl zu unterscheiden vom Old-Red Sand- 
stone, herumliegen. Dann folgen rothe Schiefer, die im Nordwesten 
an der Strasse nach Ritischka (beim Höhenpunkte 21)7 Meter der 
Generalstabskarte 1 : 25000) mit Südostfallen anstehen. Ueberschreitet 
man die Schwarzawa. so sieht man, dass der Kalk vom Schloss Eich- 
horn am linken Ufer derselben sich in einem ununterbrochenen von 
SSW nach NN(J gerichteten Zuge von ungefähr 6 Kilometer Länge und 
einer von 100 Meter bis zu einem 1 Kilometer wechselnden Breite 
fortsetzt, von einer schmalen, aus Quarziten und Old-Red Sandstone 
bestehenden Zone des Unterdevons unterteuft wird und regelmässig 
nach West von der Brünner Eruptivmasse abfällt, während die Roth- 
liegendbildungen, die hier aus rothen Conglomeraten bestehen, nach 
Ost widersinnig gegen den Kalk fallen. Wie sich dann des späteren 
zeigen wird, sind diese Kalke, die sich in kleineren, isolirten Partien 
nach Norden fortsetzen, devonisch, und die geologischen Verhältnisse 
beim Schloss Eichhorn können, wie ich nachgewiesen zu haben hoffe, 
keineswegs Beweiskraft für das nachdevonische Alter des sog. Syenites 
beanspruchen. 

Was nun den zweiten Punkt, die Schilderung der Verhältnisse 
des sog. Syenites zum Devon beim Hochofen im Josefsthal oberhalb 
Adamsthal betrifft, so habe ich der Darstellung von E. Suess Fol- 
gendes entgegenzuhalten. 

Wenn man .sich stricte nach Suess haltend, von West nach 
Ost schreitend vom Schlosse Eichhorn die Brünner Erui)tivmasse 
kreuzen würde, so würde man nicht in das Josefsthal, sondern nach 
Ochos, zu den Ochoser-Höhlen gelangen und hier würde man sehen, 
dass ganz regelrecht auf den sogenannten Syenit quarzitisches Unter- 
devon und auf dieses die dunklen Kalke des Mitteldevons, beide 
mit Einfallen nach Ost, folgen. Der aufgelassene Hochofen vom 
Josefsthal liegt aber ungefähr 5'/2 Kilometer nördlich von Ochos. 
Hier allerdings entsprechen die Verhältnisse den Angaben von 



290 I>r L- V. Tausch. [26] 

E. Suess, indem auf eine ganz kurze Strecke die Devonkalke unter 
den sogenannten Syenit fallen. Zwischen dem sogenannten Syenit und 
dem kalkigen Devon befindet sich aber eine ungemein schmale Zone 
von (juarzitischem ünterdevon, welches kein deutliches Einfallen zeigt 
und sowohl von E. Suess als auch von Y. Uhlig übersehen wurde, 
jedoch schon Reichenbach (1. c. Nr. 70, S. 16) bekannt war. In 
geringer Entfernung von diesem Punkte nördlich gegen Olomutschan, 
ebenso südlich gegen Babitz zu, ändert sich schon die Situation, und 
Unter- und Mitteldevon fallen von der Brünner P^ruptivmasse ab gegen 
Ost. Ich habe von Boskowitz im Norden bis Ochos im Süden die öst- 
liche Grenze der Brünner Eruptivmasse gegen das Devon Schritt für 
Schritt abgegangen und. mit Ausnahme des einziges Punktes beim 
Hochofen im Josefsthal, gefunden, dass überall die devonischen Abla- 
gerungen von der Brünner blasse abfallen. Das widersinnige Einfallen 
der Kalke beim Hochofen im Josefsthale ist eine locale Störung, deren 
Ursachen verschieden gedeutet werden können, und die Brünner 
Eruptivmasse ist älter als das Unter de von. 

Diese Angabe wird im Allgemeinen durch die Art des Auf- 
tretens des Devons im Westen der Brünner Eruptiv-Gesteine unter- 
stützt und überdies durch die Devoninseln, welche sich am Baby- 
lom, bei Lelekowitz, bei Wesselitz, Wawrzinetz und Babitz auf den- 
selben belinden, bestätigt. Besonders die schon von Keichenbach 
bei Wesselitz erwähnten sind dadurch ausgezeichnet, dass man an 
ihnen die kreisförmige Unterlage des quarzitischen Unterdevons unter 
den Kalk des Mitteldevons beobachten kann. 

Dass weder die Unterdevonschichten am Babylom, welche aus 
Quarzconglomeraten und Old-Red Sandstone bestehen und sehr steil 
nach W'est fallen, noch die mitteldevonischen Kalke bei Lelekowitz 
durch den Ausbruch eines Eruptiv-Gesteines in die Höhe gehoben, 
oder gewissermassen in dem Magma eingebettet, mitgehoben wurden, 
dafür spricht der gewichtige Umstand, dass sie weder metamorphische 
Veränderungen erlitten haben, noch Contakterscheinungen zeigen. Ob 
nachträgliche P^mjjorpressungen des untergeteuften sogenannten Syenit- 
stockes stattgefunden haben, wie A. Makowsky und A. Uze hak 
(1. c. Nr. 05, S. 1 TU) vermuthen, welche erst die Zerreissung, Zer- 
stückelung und theilweise Aufrichtung von Theilen der Decke im 
Gefolge gehabt haben sollen, ist für diese Frage irrelevant. 

Durch die angeführten Thatsachen dürfte es also zur Genüge 
erwiesen sein , dass der Brünner Eruptivmasse ein vordevonisches 
Alter zukomme. 

Man vergleiche diesbezüglich auch Tietze 1. c. Nr. 105, S. 226. 
dem ich seiner Zeit das Gebiet von Blansko nach erfolgter geolo- 
gischer Aufnahme zeigen konnte. „Der Syenit verhält sich vielmehr 
zwischen Boskowitz und Schebetau, wie die durch passive Hebung zu 
Tage gebrachte, älteste ]\Iittelzone einer Aufbruchsfalte, während in 
der Gegend von Blansko, sogar inmitten des Syenitgebietes Schollen 
devonischer (J esteine sich als Ueberreste einer alten Decke darstellen, 
welche das aus demselben Syenite bestehende Grundgebirge einst 
ganz oder theilweise überzotien hat." 



[27] Ueber dio kryst. Schiefer- u. MasboiigcstoiiU! etc nördlich von Briinn. 2iM 

Uebrigeiis sclieint auch sclioii Keuss an dieser .Sachlage nicht 
gezweifelt zu luiben ; denn in dem Berichte an den Werner- Verein 
über seine geologischen Aufnahmen in Mäliren in den Jahren 1858 
und 1.S54 sagt er (1. c, Nr. 72, S. 42) kurzweg: „Dem Syenit sind 
zunächst die devonischen Gebilde aufgelagert." 

Es erübrigt nunmehr, die Frage über das relative Mtev der 
Brünner Massengesteine gegenüber den anderen Gebirgsarten zu er- 
örtern. 

Bekanntlich soll die Brünner Eruptivmasse im Süden aus echten 
Graniten bestehen ; granitische Gesteine, die sich kaum mehr von 
echten Graniten unterscheiden, finden sich aber, wie nachgewiesen, 
an verschiedenen Punkten im Blatte Boskowitz— Blansko. Ist nun 
die Berechtigung des Gedankens vollständig ausgeschlossen, dass die 
Brünner Massengesteine, die allerdings im Allgemeinen einen gerin- 
geren Kieselsäuregehalt besitzen als die Massengesteine des böhmi- 
schen Massivs mit diesen in ursächlichem Zusammenhang stehen und 
ihre Fortsetzung in den vereinzelten Granitpartien im Olmützer und 
Prerauer Blatte finden? 

Das Vorkommen der Schiefer in der Brünner P^ruptivmasse 
würde keineswegs gegen diese Auffassung sprechen, da solche auch 
in echten Graniten nachgewiesen wurden und ihre mikroskopische 
Untersuchung gezeigt hat, dass in denselben noch zersetzte Frag- 
mente des Gesteines, aus welchem sie entstanden, enthalten sind, 
und sie demnach als nachträgliche Bildungen (vielleicht theilweise 
Reibungsbreccien) aufgefasst werden können. Reibungsbreccien von 
mehreren 100 Metern Mächtigkeit, die dann nachträglich noch über- 
dies verkieselt wurden, haben z. B. G. Klemm und Ch. Vogl in 
den Graniten des Blattes Babenhausen nachgewiesen. (Erläuterungen 
zur geologischen Karte des Grossherzogthums Hessen im Massstabe 
1 : 25000, IIL Lieferung, Blatt Babenhausen, S. 9. Darmstadt 1894.) 

Wenn nun durch die geologischen Untersuchungen der letzten 
15 Jahre der fast sichere Nachweis erbracht wurde, dass die soge- 
nannten „mährischen Syenite" oder der „Brünner Syenit-Granit" älter 
sind, als die devonischen Ablagerungen, so möge es den Forschungen 
der Zukunft überlassen werden, über die Berechtigung der Ansicht, 
in der Brünner Eruptivmasse ein Aequivalent der benachbarten, all- 
gemein als älter gedeuteten Massengesteine zu sehen, ein entschei- 
dendes Urtheil zu fällen. 



II. Die Gneisse, Glimmerschiefer, die Gesteine der 
Phyllitgruppe und die Diabase. 

Während die Brünner Eruptivmasse ungefähr die Mitte des 
Blattes Boskowitz und Blansko einnimmt, sind die genannten Gebilde 
ausschliesslich im W^esten desselben vertreten. 

Ihre Nord-, West- und Süd-Grenze fällt mit der Kartengrenze 
zusammen ; ihre Ostgrenze verläuft von Kunstadt im Norden ungefähr 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reiclisanstalt, 1895, 45. Band, 2. lieft. (Dr. L. v. Tausch.) 33 ^ 



292 ^^i"- ^'- V. Tausch. [28] 

über Braslawetz ^), Lissitz, Lang-Lhotta, Bukowitz, Roliozdetz, Zeleznv, 
(juer über den Berg Kliicaniiia, Hradschan, durcli den Sokoliwald und. 
die Schwarzawa überscbreitend, durcli den Doubrawawald, geht bei 
den Pulverniülden auf das rechte Ufer des Bilybaches über und erreicht 
ungefähr in der Mitte des Jawureker Revieres an der Kartengrenze 
ihr südliches Ende. 

Kurz aber prägnant hat schon Keichenbach (1. c, Nr. 70, 
S. 164) eine Charakteristik dieser Gebilde entworfen. 

„Anderseits zeigt der Gneiss auf seinen Abdachungen gegen den 
Syenit hin. besonders sichtbar bei Tischnowiz, Lissiz und Lettowiz, 
seine gewöhnlichen Bedeckungen mit Glimmerschiefer, Hornblende- 
schiefer, grauem und schwärzlichem Kalkschiefer, Grai)hitschiefer, 
Chloritschiefer, kieselige Schiefer, kalkige Schiefer, kurz die bekannten, 
dem Urgebirge folgenden, sogenannten Uebergangsschiefer, alles jedoch 
gedrängt und lange nicht so ausgebildet, wie im rheinischen Schiefer- 
gebirge und ähnlichen Uebergangsgebirgen und immer in schwachen, 
schnell aufeinander folgenden Straten. Das Uebergangsgebirge ist 
folglich wohl da. aber in einem etwas unterdrückten Zustande, nicht 
in Beziehung auf Mannigfaltigkeit der einschliessenden Schieferarten, 
wohl aber auf Mächtigkeit und Breite ihrer Entwicklung." 

Alle diese krystallinischen Schiefergesteine gehören wohl unbe- 
stritten dem böhmischen Massive an ; und dem Beispiel und der Be- 
gründung von A. Makowsky und A. Bzehak folgend, dass bei 
dem Umstände, als diese Felsarten nur eine verhältnissmässig geringe 
Verbreitung im Kartengebiete besitzen und nur in Verbindung mit 
dem übrigen Urgebirge des böhmisch-mährischen Massivs, der „böh- 
mischen Scholle" Suess ausführlicher betrachtet und richtig gedeutet 
werden können und deshalb eine flüchtigere Schilderung ihrer petro- 
graphischen wie tectonischen Verhältnisse genüge, werde ich mich über 
diese Gebilde umso eher kürzer fassen können, als nicht nur Foetterle 
(1. c, Nr. 15, S. 65) und speciell Camerl ander (1. c, Nr. 10, S. 407) 
ausführlicher über die krystallinischen Gesteine bei Tischnowitz be- 
richtet haben, sondern auch die Gneisse und die Gesteine der Phyllit- 
gruppe sich in die nördlichen und nordwestlichen Kartenblätter fort- 
setzen, über welche bereits von A. llosiwal in den Verhandlungen 
der k. k. geolog. Reichsanstalt gründliche petrographische Studien 
veröffentlicht wurden und, nach einer freundlichen Mittheilung des- 
selben, auch noch in Zukunft zu erwarten sind. 

Ich glaube in diesem verhältnissmässig kleinen Theile des böh- 
mischen Massives im Allgemeinen zwei Abtheilungen unterscheiden zu 
können. Die erste, tiefere, würde die alten Gneisse und Glimmer- 
schiefer, die zweite, höhere, die Gesteine der Phyllitgruppe -^ dem 
Uebergangsgebirge (mit Ausschluss der Glimmerschiefer) Reichenbachs, 
umfassen, wobei, wie ich hier schon vorausschicken will, Verhältnisse 
eintreten, bei welchen nicht nur eine Trennung dieser beiden Abthei- 
lungen, sondern auch die relative Altersbestimmung schwierig, zuweilen 
durch die örtlichen V'erhältnisse unmöglich wird. 

') Hier findet .sich auch noch am linken Ufer des Baches eine kleine 
Gneisspartie. 



[29] TJeber die kryst. Scliiofor- ii Massengestoino otc. nördlich von Brunn. 29l-> 

I. Gneisse und Glimmerschiefer. 

Ich habe in dem aufgenommenen Gebiete auf Grund der Lage- 
rungsverhältnisse angenommen, dass alle Gneisse als gleichalte Bildungen 
aufzufassen seien, und dass sich in ihnen eine (TÜederung nach geolo- 
gischen Gesichtspunkten nicht vornehmen lässt. Allerdings lassen 
sich innerhalb des ^'orkommens des Gneisses petrographische Ver- 
schiedenheiten derselben beobachten, welche in der Beschreibung auch 
erwähnt werden. Aber diese, wie ich voraussetze, hier nur localen 
Unterschiede in einer sonst gleichartigen Bildung, scheinen mir aus 
mancherlei Gründen (geringe Mächtigkeit, wiederholtes Wechsellagern, 
allmähliches Uebergehen einer Gneissart in die andere und dies auch 
im Streichen, Inanspruchnahme einer verhältnissmässig zu langen Zeit, 
um die ganz unregelmässig verlaufenden Grenzen des Vorkommens 
zu verfolgen) nicht die Nothwendigkeit zu bedingen, sie auf der geo- 
logischen Karte 1 : 75000 zur Ausscheidung bringen zu müssen. Dies 
mag einer folgenden, speciell petrographischen Detailuntersuchung vor- 
behalten bleiben. 

Die Verbreitung der Gneisse wird sich aus der in der weiteren 
Folge geschilderten Verbreitung der Gesteine der Phyllitgruppe ergeben. 

Ihre Beschaffenheit ist folgende : 

Im Allgemeinen herrschen glimmerarme, graue Gneisse vor, die 
durch den fettglänzenden Quarz, durch theilweise in Knoten ent- 
wickelte Feldspäthe und durch undeutliche Structur ein eigenthiim- 
liches Aussehen gewinnen. Man kann sie allenthalben im Gneissgebiete, 
u. zw. am Bilybach, am rechten Ufer der Schwarzawa nordwestlich von 
Eichhorn— Bitischka, bei Deblin, am Louczka-, Lomnitzer-, Chliwsky- 
bach u. s. w. beobachten. 

In ähnlicher Entwicklung aber mit vereinzelten Muscowitschüppchen 
findet sich ein Gneiss unweit der Zleber Mühle am Lomnitzer Bach, 
wie überhaupt wiederholt im nordwestlichen Theile des Blattes, be- 
sonders schön auch nordöstlich von Ober-Louczka und Strzemchowy. 

Körnigschuppiger Gneiss (gewöhnlicher Gneiss), mit meist roth 
gefärbtem Feldspath mit Muscowit- und Biotitschüppchen findet sich 
seltener; u. a. bei Zelezny, Stiepanowitz, Tischnowitzer Vorkloster, 
Branschkow. 

Schiefrige und stengelige Gneisse, mit weissem oder rothem 
Feldspath und fast ausschliesslich Biotit, konnten am Libohuwka- und 
Louczkabach, im Schwarzawathale, bei Hluboky und Zelezny beobachtet 
werden. 

Schöne Augengneisse stehen westlich von der Schiessstätte bei 
Lissitz an. 

Sericitische Gneisse fanden sich u. a. bei Brzesina, typische 
Sericitgneisse bei Peischkow: hier, wie in kleineren Partien bei 
Wohantschitz, Tischnowitz u. s. w. pflegen sie an der Grenze der 
alten Gneisse und der Gesteine der Phyllitgruppe vorzukommen. 

Granitartige Gneisse, die ich in zwei Fällen direct als Granite 
ansprechen möchte — das eine Vorkommen konnte nördlich von Ho- 
lasitz, einer kleinen Ortschaft bei Laschanko, westlich eines einzeln- 
stehenden Jlauses und westlich des Ilöhenpunktes 3oö Meter der 

38* 



294 I>r- L. V. Tausch. [30] 

Specialkarte an der Waldesecke, im Süden, das andere im Norden 
des Blattes, ungefähr in der Mitte des Weges, der von Skorotitz 
nach Czenwir führt, beobachtet werden — , die aber in den anderen 
Fällen (Vorkommen SW des ehemaligen Schmelzofens am Bilybach, 
SW von Herotitz, NO von Jamny, bei Zelezny, Höhenpunkt 3I>() 
der Karte 1 : 25000, nördlich von Raschau. im Thiergarten und bei 
Zaobora bei Lissitz) durch eine mehr oder minder ausgesprochene 
Zoneneintheilung des Glimmers, der in den meisten Fällen nur als 
Biotit auftritt, als Granitgneisse zu bezeichnen wären, könnten viel- 
leicht als Gang-Gesteine aufgefasst werden. Die vielfach ungünstigen 
localen Verhältnisse — entweder sieht man die fraglichen Gesteine 
in sehr geringer Ausdehnung ohne einer directen Verbindung mit 
anderen Gesteinen anstehen, oder man findet im Thyllitgebiete an 
irgendeiner Stelle zahlreiclie Stücke des granitischen Gneisses bei- 
sammen und in nächster Nähe Ami)hibolgesteine und krystallinische 
Kalke herumliegen — lassen hier umso weniger sichere Bestimmung 
zu, als aucli Contacterscheinungen nirgends beobachtet werden konnten ^). 

l'egmatit, von dem schon Game rl an der (1. c, Nr. 10, S. 414) 
angab, dass er Trümmer desselben in einem wenig gangbaren Hohl- 
wege fand, der von der Strasse nach Hajek gegen Ost zur Höhe hinan- 
führt, konnte ich nordöstlich von Zelezny in einer kleinen, nach Ost 
zum Stanowisko-Maierhofe führenden Seitenschlucht am linken Ufer des 
Bächleins, welches auf der Specialkarte fälschlich als Odrabach be- 
zeichnet ist und von der Bevölkerung Besenekbach genannt wird, 
anstehend beobachten. Ich halte ihn für einen Pegmatit im Sinne 
Cre dner's. 

Die Hornblendegueisse werden gelegentlich der Besprechung der 
Amphibolgesteine der rhyllitgrupi)e erwähnt werden. 

Die Granat-(Jlimmerschiefer reichen in einer schmalen Zone in 
nordsi'idlicher Ilichtung vom äussersten Nordwestende der Karte, also 
ungefähr von Stiei)anau bis ungefähr an den Louczkabach. westlich 
von Ober-Louczka bei Tischnowitz. Nördlich von Uitschow bei Ned- 
wieditz finden sie sich am linken Ufer der Schwarzawa, südlich dieses 
Ortes bei Kasan am rechten Ufer des Flusses. Nördlich von Nedwieditz 
treten sie nochmals am linken Ufer des Flusses auf; südlich von 
Nedwieditz bilden sie am rechten Ufer der Schwarzawa eine zusammen- 
hängende Zone, welche sich bis (Jber-Louczka erstreckt. Diese Zone ist 
bis Doubrawnik äusserst schmal, indem die Gneisse noch vom Westen in 
das Gebiet der Karte hineinragen, verbreitert sich aber etwas von Dou- 
brawnik an. Von Maniowa an fällt die Westgrenze der Glimmerschiefer 
bis Ober-Louczka mit der Kartengrenze zusammen, während die Ostgrenze 
durch die Angabe fixirt wird, dass die Ortschaft Kally und die Um- 
gebung von Boratsch bereits ausserhalb des Gebietes der Glimmer- 
schiefer liegen. Dabei muss bemerkt werden, dass die Granat-Glimmer- 
schiefer zwischen Nedwieditz und Czenwir in ein Gestein übergehen. 



') Derartige, als (langgesteine gedeutete Vorkommnisse mögen vielleicht 
noch iu grösserer Anzahl vorkommen ; kleinere Ungenauigkeiteii müssen aber wohl 
in einem so complicirten (lebiete bei der verhältnissmüssig kurzen Zeit, die dem 
Aufnaliiiisgeologon zur Vcrf'ej'ligung der Karte zur Verfügung gestellt werden kann, 
entschuld iöt w(M'<len. 



[31] Ueber dio kryst. Schiefer- u. Massengesteine etc. nördlich von Brunn. 295 

welches nach den Untersuchungen von Herrn C. von John petro- 
grapliisch als Augengneiss bestimmt werden inusste, geoh)giscli aber nur 
als integrirender Bestandtheil des Glimmerschiefers, hier eines jüngeren 
(Jebildes, wie die alten Gneisse, aufgefasst werden kann. Herr C. von 
John liatte die Güte, mir über das Gestein Folgendes mitzutheilon : 

„ Das Gestein bei C z e n w i r ist ein typischer Auge n g n e i s s. 
P^s besteht aus einer deutlich geschichteten Masse die gewissermassen 
einen echten Glimmerschiefer darstellt und aus Quarz und Biotit be- 
steht, zu denen sicli noch hie und da einige kleinere Granatkörner 
gesellen, in welcher Masse grössere Feldspathkörner eingelagert 
erscheinen. Der Feldspath ist fast immer in P'orm von Körnern vor- 
handen und zeigt nur liie und da Andeutungen von Krystalltiächen. 
Derselbe zeigt nie Zwillingsbildungen und ist wohl als Orthoklas an- 
zusehen." 

Ausserdem finden sich nocli Granat-Glimmerscliiefer isolirt bei 
den Promenade-Anlagen von Tischnowitz, beim Höheni)unkte 404 Meter 
der Karte 1 : 2r)()()0 nördlich von Strzemchowy, im westlichen Theile 
der Klucanina bei Tischnowitz und bei Zelezny. 

Die Beziehungen der alten Gneisse und Glimmerschiefer zu den 
Gesteinen der Phyllitgruppe werden im letzten Absätze dieses ('apitels 
bes])rochen werden. 

2. Die Gesteine der Phyllitgruppe. 

Sie bestehen aus Quarzphylliten, Quarziten, Conglomeraten, kry- 
stallinischen bis halbkrystallinischen Kalken, Talk-, Kiesel-, Kalk-, 
Graphitschiefern, Amphibolgesteinen mannigfachster Art, Serpentinen 
und gneissartigen Gebilden. Lager von Eisensteinen in grösserer oder 
geringerer Ausdehnung finden sich allenthalben in dem von diesen 
Gebilden eingenommenen Gebiete, und es erscheint in demselben auch 
ein Massengestein, der Diabas, welcher aber von den aus den benach- 
barten Gebieten bekannt gewordenen Diabasen verschieden ist. 

Eine Regel in der Aufeinanderfolge der einzelnen Bestandtheile 
der Phyllitgruppe konnte nicht beobachtet worden, sondern es scheint, 
dass sie ganz unregelmilssig mit einander wechsellagern; sie keilen aus, 
oder gehen im Streichen allmählich oder ganz unvermittelt ineinander 
über. Ebenso wechselnd ist ihre Mächtigkeit, die von einigen Centi- 
metern bis zu einigen hundert Metern betragen kann. 

Sehr lehrreich ist in dieser Beziehung ein Aufschluss nördlich 
von Zelezny bei Tischnowitz, welcher sich am linken Ufer jenes 
P)ächleins befindet, welches, wie bereits erwähnt, in der Specialkarte 
fälschlich als Odrabach bezeichnet, von der Bevölkerung Besenekbach 
genannt wird. Hier wechsellagern typische und glimmerschieferartige 
Phyllite, Amphibolgesteine, krystallinische Kalke, oft nur von wenigen 
Centimetf'rn Mächtigkeit, und unterteufen eine Kalkpartie, die viel 
weniger krystallinisdi ist, als die liegenden (wie erwähnt, gering 
mächtigen) Kalkbänke. 

Den Namen „Phyllitgruppe" habe ich für den Complex der 
erwähnten Gesteinsarten deshalb gewählt, weil die i)hyllitischen Ge- 
steine einerseits im Ganzen und (irossen den am mächtigsten ent- 



290 r)r. Ti V. Tausch. [32] 

wickelten Bestandtheil der Gruppe bilden, andererseits, weil sie bei 
dem Wechsel der Gesteine das constante Element sind, d. h., dass, 
wenn bei einer Verquerung eines Zuges der Phyllitgruppe auch eines 
oder mehrere ihrer sonstigen Glieder vermisst werden, phyllitische 
Gesteine niemals fehlen. 

Nachdem eine petrographische Detailbeschreibung aller Gesteine 
der Phyllitgruppe eine so langwierige Untersuchung derselben in An- 
spruch nehmen würde, dass die geologische Ph^läuterung des Blattes 
Boskowitz und Blansko auf Jahre verzögert würde, ich aber auch der 
Ansicht bin, dass eine solche Detailbeschreibung für die Skizzirung 
der geologischen Verhältnisse dieses Gebietes nicht so sehr wesent- 
lich sei, werde ich mich nur auf mehr allgemein gehaltene Bemer- 
kungen und specielle Angaben über das Vorkommen derselben be- 
schränken. 

Zu Beginn dieses Capitels wurden bereits die Grenzen des von 
den krystallinischen Schiefergesteinen im Allgemeinen eingenommenen 
Gebietes mitgetheilt ; durch die Angabe der Umgrenzung der ein- 
zelnen Partien der Phyllitgruppe wird zugleich auch noch die Grenze 
der alten Gneisse fixirt, so dass die genauere Anführung derselben 
entfallen konnte. 

Die Gesteine der Phyllitgruppe bilden keine zusammenhängende 
Zone, die sich etwa von Norden nach Süden des Kartenblattes er- 
strecken würde, sondern sie erscheinen hier am Ostrande der böh- 
mischen Masse nur in grösseren oder kleineren, von einander ge- 
trennten Partien. 

Wenn wir dieselben von Süd nach Nord verfolgen, so finden 
wir zunächst eine grössere, welche sich von der südlichen Karten- 
grenze bis ungefähr nach Tischnowitz erstreckt. 

Ihre Umgrenzung ist folgende : Die Nordgrenze verläuft ungefähr 
vom Höhenpunkte 264 Meter der Specialkarte (unweit, westlich vom 
Tischnowitzer Vorkloster) längs den Abhängen am rechten Ufer des 
Loutzkabaches bis Vorkloster; im Osten bilden die Gesteine der Phyllit- 
gTui»pe, theilweise mit angelagertem Löss, die Abhänge am rechten Ufer 
der Schwarzawa, sind aber durch eine mit Alluvien angefüllte Ebene 
von dem Flusse getrennt. Die Schwarzawa nähert sich westlich der auf 
der Karte 1:25000 „Mlenisko" genannten Felder und Wiesen dem 
Abhang, weicht ihm wieder in einem westlichen Bogen aus und tritt dann 
nördlich der Ortschaft Brzezina hart an denselben heran, die steil 
nach Südost fallenden Schichten der Phyllite unterwaschend. Hier ist 
nun eine Bucht in die Phyllitzone eingeschnitten, welche sich bis 
westlich von W'ohantschitz erstreckt und mit miocänen Ablagerungen 
und Löss angefüllt ist. Wiederum bilden Phyllite, von Brzezina südlich, 
die Abhänge am rechten Ufer der Schwarzawa, bis genau westlich 
der Ortschaft Herotitz die Gneisse vom linken Ufer der Schwarzawa 
auf das rechte Ufer übergreifend, hier eine sehr schmale Zone bis 
etwas nordöstlich der Einmündung eines kleines Bächleins in die 
Schwarzawa bilden. Nun treten die Phyllite auf das linke Ufer des 
Flusses über und setzen den Westvorsprung des Sokoliwaldes zu- 
sammen, der dadurch entsteht, dass die Schwarzawa hier ein Knie 
bildet Bevor noch die Schwarzawa wieder einen südlichen Verlauf 



[oH] Uelior die kryst. Schiofcr- ii. Massfiigestciiie etc. nördlich von Brunn. 21>7 

uinimt, erscheinen die Phyllite ;iberin;ils am rechten Ufer; von hier 
nimmt ihre Grenze über Laschanko einen südöstlichen Verhiuf (der 
Ilölienpunkt 440 Meter östlich dieses Ortes und die Horka v käme, 
Karte 1 : 25000, liegen ausserhalb derselben), erreicht westlich von 
dem Häusehen „Chalupky", Specialkarte 1:75000, den Bilybach, über- 
schreitet ihn aber erst einige 100 Meter westlich, um dieselbe Richtung 
beibehaltend, beim östlich von Jawurek gelegenen Jagdhause die 
südliche Kartengrenze zu erreichen. 

Die Südgrenze fällt mit der Kartengrenze zusammen. Die West- 
grenze muss bis zum Bilybach etwas willkürlich gezogen werden; 
während nämlich auf dem „Na banäch" und „Za humnama" bezeich- 
neten Territorium der Karte 1 : 25000 noch typische Phyllite vor- 
handen sind, stehen weiter nördlich Gesteine an, die wohl petro- 
graphisch als Gneisse zu bezeichnen sein werden, aber doch im 
Habitus von den alten Gneissen verschieden sind. Ich ziehe demnach 
die Grenze von der Südwestgrenze der Karte in nordöstlicher Rich- 
tung bis zur Marschower Mühle ; von hier verläuft sie Inder gleichen 
Richtung, Marschow westwärts lassend, bis zu „v Mocovci" (Karte 
1 : 25000), dann nördlich bis ungefähr zum Höhenpunkte 465 Meter 
(Tichanow der Specialkarte), ferner westlich bis zum Höhenpunkte 
475 Meter der Specialkarte, um dann in fast genau nördlicher Richtung, 
durch den Ort Peischkow und östlich von Nelepetsch sich erstreckend, 
am Louczkabache ihr nördliches Ende zu erreichen. 

Die Fortsetzung dieses Zuges, von demselben nur durch das 
Thal der Schwarzawa getrennt, bilden die unmittelbar nordwärts von 
Tischiiowitz gelegenen Hügel, von welchen insbesondere einer, Kwet- 
nica benannt, von altersher den Mineralogen durch seinen Reichthum 
an den verschiedensten Mineralien bekannt ist. Diese Vorkommnisse 
werden in der Folge in einem besonderen Absätze beschrieben werden. 

Grüne-grünlichgraue, seltener graue Quarzphyllite 
spielen in dem oben umgrenzten Gebiete die Hauptrolle ; sie bilden, 
bildlich gesprochen, gewissermassen die Grundmasse, in welcher die 
anderen Gebilde eingebettet erscheinen. 

Als solche sind in erster Linie die kry s tallinischen 
Kalke zu nennen. 

Der Kalk ist meist feinkörnig, grau gefärbt und zuweilen reich 
an Hornblende, Die Kalke treten sowohl in zusammenhängenden Zügen 
als auch linsenförmig in ganz kleinen Partien auf; sie werden von 
Phylliten unter- und überlagert, auch wechsellagern sie mit denselben ; 
die liegenden wie die hangenden Phyllite zeigen gleiche Beschaffen- 
heit, und es ist daher hier nicht möglich, über das Altersverhältniss 
zwischen diesen Gebilden schlüssig zu werden. 

Die beobachteten Kalkzüge sind folgende : 

Ein schmaler Kalkzug beginnt ungefähr bei dem Jagdhause öst- 
lich von Jawurek , verläuft in nordöstlicher Richtung anfangs in 
einem Graben, der zum Bilybach hinabführt, dann östlich desselben, 
erreicht bedeutend verschmälert, so dass er leicht übersehen werden 
kann, das rechte Bily - Ufer, überschreitet, verbreitert , westlich der 
Chalupky, den Bilybach und setzt sich in gleicher Richtung — nur 
den westlichsten Theil der Horka bei Laschanko bildend — bis nord- 



298 I>r- L. V Tausch. [34J 

westlicli voll Holasitz fort, wo er zu Beginn des Grabens, der von 
hier zur Sclnvarzawa liinabläuft, sein Ende ündet. Die Länge dieses 
Zuges beträgt in der Luftlinie etwas über 5 Kilometer. Die Kalke 
bilden das Liegende der weiter östlich auftretenden Gneisse, aber, 
wie es scheint, nicht deren unmittelbares ; denn, sowie man sie mit 
verhältnissinässig grösseren oder kleineren Lagen von Phylliten, die 
aber wegen der geringen Mächtigkeit auf der Karte nicht zur Aus- 
scheidung gebracht werden können, wechsellagern sieht, so kann man 
auch als ihr Hangendes gegenüber den Gneissen entweder eine Phyllit- 
zone von wechselnder Mächtigkeit (wenige Centimeter, einige Meter) 
beobachten, wie am Bilybach und bei Laschanko, oder, wo directe 
Aufschlüsse fehlen, im Walde und auf den Feldern wahrnehmen, dass 
an der Grenze zwischen den krystallinischen Kalken und den Gneissen 
allenthalben Phyllitgesteine herumliegen. 

Die übrigen Züge des lüilkcs, von derselben petrographischen 
Beschaffenheit, wie der eben erwähnte, zeigen ganz dasselbe Streichen, 
nämlich von SW nach NO und liegen mitten in phyllitischen Gesteinen. 
Der zweite beginnt in beträchtlicher Breite (ungefähr '/2 Kilometer) 
nordwestlich von Laschanko, reicht in gleicher Breite bis an den 
Marschower-Bach, so lange derselbe west-östlich verläuft; sowie der- 
selbe eine nordöstliche Richtung annimmt, verschmälert sich der 
Zug auf mehr als die Hälfte, verläuft bis zur abermaligen Wendung 
des Baches nach Südost in der halben Höhe des Gebirges, erscheint 
bei der Wendung des Baches — es ist eigentlich ein alter Bachlauf, 
in dem man nur selten Wasser sieht — wieder in der Tiefe — hier 
tritt eine grosse Quelle zu Tage — und erreicht in dem Berge Pri- 
mava südlich von Herotitz sein nördlichstes Ende. Die Länge dieses 
Kalkzuges beträgt ungefähr 4 Kilometer. Li demselben befinden sich 
die ausgedehnten Steinbrüche am Tabor bei Laschanko (sowohl auf 
der Karte 1 : 75000, wie auf der Specialkarte nur als „Kalksteinbruch" 
angegeben), die schon seit Jahrhunderten im Betriebe stehen. 

Der dritte Kalksteinzug erstreckt sich, in sehr wechselnder 
Breite und ungefähr drei Kilometer Länge östlich von Wohantschitz, 
nördlich der Strasse Wohantschitz — Brzezina, östlich des Plöhenpunktes 
Borkovec (425 Meter der Karte 1 : 25000, bis zum rechten Ufer der 
Schwarzawa. 

Der vierte Zug beginnt beim Höhenpunkte 410 Meter (Vohouska 
bukova der Karte 1 : 25000) und reicht in geringer Breite und unge- 
fähr 1^2 Kilometer Länge bis an das rechte Ufer der Schwarzawa, 
südwestlich der rothen Mühle in Tischnowitz. 

Kleinere Kalkpartien, aber stets mit demselben Streichen, wie 
die grösseren Kalkzüge — kleinere Einlagerungen imPliyllite bildend — 
finden sich nördlich von Laschanko zwischen den Kalkzügen 1 und 2 
beim Höhenpunkte 406 Meter (Karte 1 ; 25000), südlich von Herotitz 
am rechten Ufer des Baches an seiner Wendung nach Südost, am 
Knie, welches die Schwarzawa südlich von Herotitz bildet, südlich 
des auf der Karte 1:25000 „Za Zlibkama" genannten Gebietes, also 
südlich der Strasse Brzezina — Wohantschitz, nordwestlich derJarosch- 
Mühle von Brzezina am rechten Ufer der Schwarzawa, endlich an 
zwei Punkten am östlichen Abhänge des Schellenberges bei Tischnowitz ; 



[35] lieber die kryst. Schiefer- n. Massengesteine etc. nördlich von Brunn. 299 

das nördliche dieser beiden Vorkommen dürfte aber wohl eine Fort- 
setzung der Kwetnicakalke von Tischnowitz sein. 

Als ein zweiter oft recht markanter Bestandtheil der Phvllit- 
gruppe dieses Zuges müssen die Quarzite bezeichnet werden. 

Fast alle Phyllite weisen Einschlüsse von grösseren oder kleineren 
Quarzvorkommnissen auf; zuweilen überwiegt aber der Quarz in dem 
Maasse, dass die Phyllite neben ihm eine verschwindende Ilolle spielen. 

Quarzite von eigenthümlicher poröser Beschaffenheit, die wie zer- 
fressen aussehen, meist röthlich gefärbt sind und zahlreiche Drusen 
von Bergkrystall enthalten, bilden von der Marschower Mühle an, 
von dieser am linken Ufer des Bilybaches bis fast zur alten Schmelz- 
hütte reichend, — auch am rechten Ufer stehen noch Quarzitfelsen 
an — eine zusammenhängende Zone von wechselnder Breite und 
Südwest-nordöstlichem Streichen, bis ungefähr zum Berge Tabor, nord- 
westlich von Laschanko. Die pittoresken Felsen der Skalka südwestlich 
von Laschanko (Höhenpunkt 485 Meter der Specialkarte) bestehen 
aus grossen Blöcken dieser Quarzite. Aber allenthalben sieht man auch 
hier, wie überall im Gebiete der Phyllitgruppe, weiches Phyllitmaterial 
herumliegen, wenn man auch den Phyllit anstehend nicht beobachten 
konnte. Die Quarzite mit der vorausgesetzten Phyllithülle bilden hier 
das Hangende der im Westen auftretenden Gneisse und die liegendste 
Abtheilung der Gesteine der Phyllitgrui)pe. 

Weiter im Norden besteht der Hügel östlich des Tabors (Höhen- 
punkt 442 Meter der Karte 1 : 25000), und die Felsen, die, westlich 
des Fussweges von Laschanko nach Herotitz, zwischen dem Kalkzuge 2 
und der Kalklinse (Höhenpunkt 406 Meter der Karte 1 : 25000) an- 
stehen, aus Quarziten. Sie fehlen nicht nördlich des Tichanower Waldes, 
nicht auf der Jacova und der Strazna hora und erstrecken sich von 
Wohantschitz in nördlicher Piichtung in mannigfachen Abänderungen 
bis nach Tischnowitz. 

Grosse, lose Blöcke eines fast reinen, milchweissen Quarzes finden 
sich in grosser Menge östlich und nordöstlich von Wohantschitz. 

Die Kalke und Quarzite sind fast stets begleitet von Eisenerzvor- 
kommnissen (Braun- oder Rotheisensteinen und manganhältigen Kiesel- 
erzen); in grossen Massen, so dass sie fast nicht mehr als Begleiter 
der Kalke und Quarzite, sondern als ein selbständiger, etwa den 
Quarziten gleichwerthiger Bestandtheil der Phyllitgruppe angesehen 
werden können, kommen sie westlich und südwestlich von Laschanko 
vor, wo ein grosses Gebiet, von den Kalkvorkommnissen im Nordwesten 
Laschankos bis an den Bilybach im Süden, fast ausschliesslich aus 
mehr oder minder erzreichen Quarziten, theilweise aus reinen Erzen 
besteht, die wie die Kalke seit Jahrhunderten abgebaut, nunmehr bei 
den schlechten Communications-Verhältnissen selbst mit viel schlech- 
teren Erzen nicht concurriren können, so dass gegenwärtig kein Abbau 
mehr auf dieselben betrieben wird. 

Die hiesigen Erzvorkommnisse wurden u. a. auch von Wolf 
(1. c, Nr. 129, S. 106) eingehender besprochen. 

Ein weiteres Glied aus der Gruppe der die Phyllitzone zu- 
sammensetzenden Gesteine in diesem Gebiete sind die wiederholt 
schon beschriebenen, sogenannten archäischen Cong lomerat e. 

Jahrbuch der k. k. geol. lleichsaiistalt, 1895, 45. Band, 2. Heft. (Dr. L. v. Tausch.) 39 



300 I^r. L. V. Tausch. [3(1] 

Sie treten in grösserer Ausdehnung in dem von mir aufgenom- 
menen Gebiete nur in dieser Partie der PliyHitgruppe auf; ich habe 
diese Art von Conglomeraten auf der Karte ausgeschieden, die Grenzen 
sind aber willkürlich gezogen, weil die Conglomerate meist in andere 
Gesteine übergehen und dieser liebergang vielfach so allmählich ist, 
dass es sehr schwer wird, z. B. die Grenze zwischen Conglomeraten 
und Gesteinen zu ziehen, die ein Petrograph unbedingt als Gneiss 
bezeichnen würde, die aber kein Geolog als identisch mit den alten 
Gneissen bezeichnen kann. 

Die archäischen Conglomerate, welche sowie die Kalke und 
Quarzite ein südwest-nordöstliches Streichen verfolgen, beginnen südlich 
von Peischkow — ihr Liegendes bilden hier Sericitgneisse — reichen 
über Wohantschitz, Ziernuwka, die Zawist-Mühle, Nelepetsch (östlich), 
den Schellenberg bis zur Kwetnica nördlich von Tischnowitz und finden 
sich in vereinzelten S])uren bis Stiepanowitz. 

Schon Wolf und Foetterle sind diese Bildungen aufgefallen 
und vom letzteren folgendermassen beschrieben worden (1. c, Nr. 15, 
S. Tf)) : „In seinen höheren Schichten nimmt dieser ganze Schieferzug 
(von Czernuwka recte Ziernuwka) mehr Glimmer und körnigen Q)uni'z 
auf, so dass er mehr gneissartig wird, der Quarz ist darin jedoch 
nicht krystallinisch, sondern in lauter abgerollten zusammengedrükten, 
bis ei- und selbst faustgrossen Stücken enthalten und durch ver- 
witterten Feldspath zusammengebacken, so dass das Gestein nicht 
ein krystallinisches Gefüge, sondern das Ansehen von Sandstein 
und grobkörnigem Conglomerat besitzt. Am Kwietnica-Berg bei Tisch- 
nowitz, unmittelbar in Vorkloster und am Schelleberge (recte Schellen- 
berg) ist es deutlich wahrzunehmen und am Wege von Czernuwka 
gegen Wohantschütz (recte Wohantschitz) liegen grosse Blöcke auf 
den Feldern umher." 

Seh wipp el 1. c, Nr. iK), hat sie in dem seiner Arbeit beigege- 
benen geologischen Kärtchen besonders ausgeschieden. 

Makowsky und Rzehak (1. c, Nr. 55, S. 157) schilderten diese 
Gebilde „als entschieden geschichtete, grob- und feinkörnige Conglo- 
merat-Gesteine, mit ausgezeichneter Parallelstructur, die wesentlich 
aus C^uarz, Glimmer und etwas Orthoklas bestehen, ohne dass ein 
Bindemittel hervortreten würde. Die grobkörnigen zeigen bis hasel- 
nussgrosse, abgerundete, häufig plattgedrückte C^uarzkörner von röth- 
licher Farbe ; ferner rothe, hirsekorngrosse, eckige Orthoklaskörner 
und sehr kleine Kaliglimmerblättchen, welche schalige Umhüllungen 
um die ersteren Bestandtheile bilden. 

„Diese conglomeratartigen Gesteine finden sich auch als ab- 
gerissene, lose Blöcke in den Wasserrissen von Wohantschitz, Zier- 
nuwka, sowie am Südabhange des Kwietnica." 

„Diese Gesteine haben den Charakter eines Conglomerates, aller- 
dings einige Aenlichkeit mit dem des Unterdevons von Brunn, unter- 
scheiden sich indessen nebst den i)lattgedrückten, nach einer Ilichtung 
gestreckten (wie gefiossenen) Quarzkörnern und umschliessenden Kali- 
glimmer, durch den Mangel an Glaukonitkörnern." 

„Durch Kleinheit des Kornes gehen diese halbkrystallinischen 
Gesteine an der westlichen (Peischkow) und östlichen Grenze in 



[o7] Ueboi- diu kryst. Schiefur- u. Mabseiigesteiiie etc. nördlich von l^riiiiii. '}{)] 

^iieissartigeii (Jlimnierscliiefer, diircli Ausscheidung des Glimmers und 
Feldspathes jedoch in Quarzschiefer über." 

Noch genauere Daten über diese Gesteine gibt C a ni e r 1 a n d e r 
(1. c, Nr. 10, S. 411). Er sagt u. a. : „Das interessanteste Glied des 
Complexes ist aber ein Quarzconglomeratzug, auf welchen wir hier 
westlich vom Orte Zawist knapp vor den ersten Häusern von Czernuvka 
(rede Ziernuvka) stossen, wo die an dem Fusse des nördlichen Thal- 
hanges sichtbar werdenden Riesenplatten diesem Conglomerate an- 
gehören. Wir sehen hier die reichlichen, blassvioletten und rosarothen 
Quarzstücke, welche in verschiedenen Dimensionen von ganz unbedeu- 
tender bis zur Grösse von Taubeneiern und darüber auftreten, durch- 
wegs in einer der allgemeinen Schichtung entsprechenden Richtung 
parallel zu einander gelagert und an den Enden in die Länge gezogen, 
so dass spindelförmige Gestalten und solche, die einem Auge gleichen, 
resultiren. Und um diese so eigenthümlich geformten Quarzstücke 
schmiegt sich in Flasern das glimmerige Bindemittel regelmässig herum, 
es ist gelber Kaliglimmer, der nur selten die grünliche Farbe annimmt, 
welche in den als schiefrige Grauwacke bezeichneten Bildungen herrscht. 
Nicht selten tritt das Bindemittel weit zurück, wo dann die Quarz- 
stücke fast allein an einander gereiht sich finden. Reine Quarzblöcke 
bezeichnen auch hier das Gebiet. Andrerseits nimmt aber auch das 
Bindemittel in der Weise zu und die Zahl wie die Grösse der Quarz- 
brocken ab, dass daraus ein Glimmerschiefer hervorgeht, in welchem 
nur an den Bruchfiächen grössere oder kleinere Quarzkörner sichtbar 
werden." 

Camerlander bespricht des Weiteren das Vorkommen und 
fährt fort: 

„An manchen Stellen bezeichnet dieses Conglomerat wohl zugleich 
die westliche Grenze der in der vorliegenden Skizze hauptsächlich 
zu erwähnenden, nicht krystallinischen Bildungen. Sichtbar wird dies 
z. B. an den höheren, den zweiten unter den von Czernuwka zu den 
nördlichen Höhen führenden Wegen, wo in winzigen Aufschlüssen 
ein granitischer Gneiss (?) mit Häutchen von Hornblende über die 
Strasse zieht ; doch lässt sich aber , wie leider an den meisten 
Punkten, wegen der Geringfügigkeit des Aufschlusses nichts über die 
Art der Begrenzung zwischen den beiden Bildungen sagen. Höher 
hinauf sind Rhyllite das Nachbargestein des Conglomerates, über 
deren Stellung man sich unklar ist; gegen das Thal hinab aber 
weichen, wie dies schon Wolf kartirte, die deutlich krystallinischen 
Bildungen weiter nach West zurück. Innerhalb dieser (der Gneisse) 
herrscht NW-Fallen." 

Ich konnte in dem von den couglomeratischen Bildungen einge- 
nommenen (jlebiete folgende Hauptvarietäten derselben beobachten: 

1. Quarzgerölle von verschiedener Grösse sind zum Theile noch 
in ihrem ursprünglichen Zustande regellos in einer quarzitischen Masse 
eingebettet. (Kwetnica, Tischnowitzer- Vorkloster.) Indem die einzelnen 
Geröllstücke ihre ursprüngliche Gestalt verlieren, gewissermassen in 
dem quarzitischen Bindemittel verschwinden, kann diese Varietät in 
reinen Quarzitfels übergehen. 

39* 



302 r)r. L. V. Tausch. [38] 

2. Qiiarzgerölle, farblos, meist aber blass violett oder licht 
rosarotli. von ganz unbedeutender bis zur Grösse eines Hühnereies, 
„durchwegs in einer der allgemeinen Schichtung entsprechenden 
Ilichtung parallel zu einander gelagert und an den Enden in die 
Länge gezogen, stecken in einem sericitischen, idiyllitischen oder gneiss- 
artigen Bindemittel. Diese Streckung oder, um mich bildlich auszu- 
drücken, die Auswalzung der Quarzgerölle kann so weit vor sich 
gehen, dass die einzelnen Geröllstücke ihre ursprünglich gerundete 
Gestalt vollkommen verlieren, an ihren Enden in einander übergehen, 
gewissermassen in einander fiiessen. so dass das Gestein eine schief- 
rige Structur annimmt. In solchen Fällen folgt auch das Bindemittel 
dieser Anordnung. Ist das Bindemittel gneissartig mit deutlich in dem- 
selben entwickelten Feldspath- und Glimmerkrystallen (Muskowit, selten 
Biotit), so entstehen gneissartige, ist es sericitisch, wobei gewöhnlieh 
der Fall eintritt, dass das Bindemittel in die Quarzzone eingreift, 
Sericit-Schiefer ähnliche Bildungen , ist das Bindemittel phyllitisch. 
Phyllite mit Quarzlagen. 

Ueberdies können auch bei der zweiten Varietät durch Zurück- 
treten des Bindemittels Quarzite, bei der dritten durch Ueberhand- 
nehmen des phyllitischen reine Phyllite entstehen. 

Selbstverständlich sind die erwähnten Gesteinsvarietäten durch 
allmählige Uebergangsformen mit einander verbunden. 

Ferner bilden auch A m p h i b o 1 g e s t e i n e (Hornblende- 
schiefer und h ornbl ende gn eis sart ige Gebilde) einen 
Bestandtheil der Gesteine der Phyllitgruppe in diesem Gebiete. 

Sie erscheinen sowohl ost- und westwärts der Schmelzhütte 
am Bilybache als auch im Thale. welches, südlich der Jacowa, nord- 
westlich nach Peischkow führt. Hier fehlen auch Serpentine nicht 
und es ist speciell in diesem Gebiete, das vielfach der dichten Bewal- 
dung wegen ein Verfolgen gemachter geologischer Beobachtungen un- 
möglich macht, ein derartiger Wechsel der Gesteine vorhanden, dass 
ich die Detailuntersuchung dieses Gebietes bei günstigen Verhältnissen. 
z. B. einer theilweisen Abforstung, einem Localforscher nur aufs 
Wärmste empfehlen kann. 

Ueberdies ist aus der nunmehr so ausführlich beschriebenen 
Partie des Vorkommens der Gesteine der Phyllitgruppe noch zu er- 
wähnen, dass untergeordnet Kalk- und Kiesels c h i e f e r (nordöstlich 
von Wohautschitz), Talkschiefer (Tischnowitzer- Vorkloster) auftreten 
und auch eine kleine Graphitschieferpartie vorkommt, welche 
gleich beim Eingange in das Zawistthal am rechten Ufer des Baches, 
gegenüber dem Durchschlage, denQuarziten undPhylliten eingelagert ist. 

Schliesslich ist aus diesem Gebiete noch hervorzuheben, dass 
sowohl am Bilybach, unweit der westlichen Kartengrenze, südwestlich 
der alten Schmelzhütte, wo der Bilybach ein Knie bildet, ferner am 
Marschowerbach, parallel seinem nordöstlichen Verlauf, westlich des 
verschmälerten Kalkzuges Nr. 2, kleine Partien eigenartiger Gneisse 
von älterem Habitus anstehen, die vielleicht als Gangvorkommnisse, 
möglicherweise aber auch als alte Aufbrüche gedeutet werden können. 

Wie bereits erwähnt, bilden die unmittelbare Fortsetzung der 
soeben beschriebenen Partie der Gesteine der Phyllitgruppe die von 



r391 lieber die kryst. Schiefer- ii. Musseiigosteinc etc. nördlich von Briinn. 303 

(lieser nur durch die Alluvioneu der Schwarzawti getrennten Hügel 
nördlich von Tischnowitz. 

Die Abhänge südlich von Lomnitschka, am linken Ufer des 
Besenekbaches, östlich der Strasse und westlich der Gneisskuppe 
(Höhenpunkt 341 Meter der Karte l : 25000) bestehen aus Quarziten 
und Phylliten. 

Die Hügel im Nordwesten der Stadt Tischnowitz — die Kwetnica, 
die Kuppe und der Hügel mit den Höhenpunkten 278, beziehungs- 
weise 381 Meter am rechten Ufer des Besenekbaches — bestehen 
aus den mannigfaltigsten Gesteinen der Phyllitgruppe, welche durch 
die Alluvionen der Schwarzawa, aus welchen jedoch bei der Schwarzawa- 
brücke zwischen Tischnowitz und Tischnowitz — Vorkloster und bei der 
alten Kapelle, südlich von Tischnowitz — Vorkloster, das Grundgebirge 
eniportaucht, unterbrochen, sich in jenen südlichen Zug fortsetzen, 
dessen Umgrenzung ich im Vorausgehenden angegeben habe. 

Die isolirte kleine Kuppe mit dem Höhenpunkte 278 Meter 
(Karte 1:25000) westlich der Strasse Lomnitschka^ — Lomuitz besteht 
in ihrem südlichen Theil aus halbkrystallinischem grauen Kalk , in 
ihrem nördlichen aus grünlich - grauem Phyllit. Sie ist durch Löss 
von dem schon etwas bedeutenderen Hügel getrennt, welcher sich am 
linken Ufer der Schwarzawa und nördlich der Mündung des Besenek- 
baches befindet, und welcher gleichfalls der Hauptsache nach aus Quarz- 
phylliten, doch auch Amphibolschiefern besteht. Vom höchsten Punkte 
(381 Meter) desselben reicht ein halbkrystallinischer, weiss bis dunkel- 
grau gefärbter Kalk von 150—200 Meter Mächtigkeit bis herab ins 
Schwarzawathal. Das Fallen ist ost-südost. 

Der die Stadt Tischnowitz beherrschende Hügel — die Kwetnica 
— ist schon von altersher durch seinen Reichthum an Mineralien und 
die zahlreichen erfolglosen Schurfversuche auf Silber, Kupfer, Eisen- 
erze, Kohle und Schwerspath etc. allgemein bekannt. Aber auch für 
den Geologen bildeten die Mannigfaltigkeit und eigeuthttmliche Be- 
schaffenheit seiner Gesteine, deren Lagerungsverhältnisse und die 
Schwierigkeit ihrer Altersdeutung einen Anziehungspunkt für ein- 
gehende Studien. 

Wenn wir von den älteren Angaben von A. Heinrich in 
Wolny, u. A. absehen, so sei auf die schon etwas detaillirteren Be- 
richte von Foetterle (1. c, Nr. 15. S. 75), Camerlander (1. c, 
Nr. 9, S. 87, A. Makowsky und A. Rzehak (1, c, Nr. 55, S. 157, 
158, 160) hingewiesen. 

Eine ausführlichere Schilderung der Kwetnica nach den im April 
und October 1883 und April 1884 durchgeführten geologischen Unter- 
suchungen der Umgebung von Tischnowitz hat C a m e r 1 a n d e r in 
einer zweiten Arbeit (1. c, Nr. 10, S. 410) im Folgenden gegeben: 

„Der Nord- und Nordwestfuss. also die- an der Schwarzawa und 
dem Odra-(Besenek) Bache entblössten Gehänge, am deutlichsten die 
von der Schwarzawa direct bespülten, unter der hier etwas erhöhten 
Fahrstrasse liegenden Aufschlüsse bestehen aus Hornblendegneiss, der 
in festen und breiten Platten bricht. Hin und wieder erscheinen 
darin rothe Quarz-Feldspathadern, selten mit schwarzen Pünktchen 



304 I>r- L- V. Tausch. [40] 

von Maguesiaglimmer, bald linsenförmig und scharf absetzend von dem 
(ineiss, bald apopliisenartig mit diesem verquickt, nicht unähnlich in 
der ganzen Art des Auftretens den so häufigen Granitgängen im 
sächsischen Granulit; zumal eine solche grössere Linse lässt sich 
knapp vor dem Zuendegehen der P^ntblössungen, also knapp vor der Ein- 
mündung des Odrabaches auf einige Erstreckung das Ufergelände hinan 
verfolgen. Das Eiinfallen ist an der Schwarzawa und der Odra, wo 
der Gneiss hornblendeärmer und bei entschiedenerem Hervortreten 
der Gemengtheile noch deutlicher krystallinisch ist, constant nach SOS 
mit etwa 6;")" im Mittel. 

Eine wesentlich andere Zusammensetzung und wesentlich andere 
Lagerungsverhältnisse zeigt der übrige grössere Theil der Kvetnica. 
\'erschiedene Abänderungen von Quarzit und ein dichter Kalk be- 
theiligen sich an der Zusammensetzung dieses Theiles. Der Quarzit ist 
für das Gebiet des Nordostgipfels ein grauer, ziemlich feinkörniger, 
während gegen den südlichen, direct über Tischnowitz befindlichen 
Gipfel ein rother, stark eisenschüssiger Quarzit herrschend wird, dessen 
Quarzkörner zumeist etwas deutlicher hervortreten — zumal auf dem 
Rücken zwischen diesem Gii)fel und dem zuvor erwähnten nordöstlichen. 
Auf diesem Südgipfel selbst mit seinem interessanten Complexe ab- 
gestürzter Blöcke ist der Quarzit derart von Quarzadern und Drusen 
von Hergkrystall und Amethyst durchspickt, dass das Grundgestein 
fast ganz zurücktritt. Dieser, hier nur besonders gesteigerte Quarz- 
reichthum charakterisirt die Kvetnica. wie überhaupt das noch weiter 
zu besprechende nichtkrystallinische Terrain ; er macht sich bemerkbar 
in der Eorm von Riesenblöcken reinen Quarzes, die oft für sich allein 
auf beträchtliche Strecken den Waldboden bedecken, und zeigt sich 
weiters in der Eorm jener bekannten, zerfressenen, zelligen, oft sehr 
bizarren Bildungen, wie diese zumal an den Eelsen unterhalb des 
nordöstiiclien Gipfels markant sichtbar werden. Im Liegenden sowie 
im Hangenden des Quarzites tritt ferner Kalkstein auf. also am Süd- 
fusse, knapp id)er den Häusern von Tischnowitz und auf dem Haupt- 
gipfel. Der Kalk ist in beiden Eällen dicht, blaugrau, schiefrig, 
übrigens von keineswegs constantem Charakter. Die Schiefrigkeit ist 
zumal an der tieferen der beiden Kalkpartien wahrzunehmen, wo sie 
in ausserordentlicher, oft an Dachschiefer erinnernder Weise hervor- 
tritt : im Gipfelkalke hingegen treten wieder oft dünne Thonschiefer- 
lamellen auf, die bei der leichteren Verwitterung des Kalkes als 
schmale, rothbraune Leisten hervorstehen. Bei den bekannten west- 
phälischen und anderen Kramenzelkalken. denen ja auch Thonschiefer- 
lamellen ihr charakteristisches Gepräge verleihen, sind diese nicht 
wie hier in horizontaler Richtung, sondern netzförmig verschlungen 
im Kalke angeordnet. Der Gipfelkalk hat eine bedeutend grössere 
Erstreckung. als bisher auf unseren Kalken angegeben erscheint, und 
liegt vor Allem der Hauptgipfel — wie schon erwähnt — selbst noch 
in diesem Kalke, und ebenso sind die nicht unbedeutenden Eels- 
abstürze, welche an dem zum Odrabache führenden Hang anstehen, 
gleichfalls Kalk. Doch scheint uns hier keine ununterbrochene Kalk- 
partie vorzuliegen, wenigstens erscheint knapp hinter dem Gipfel auf 
dem Wege zum Odrabache auf etwa 30 Schritte wieder eine quarzit- 



[41] lieber die kryst. Scliiefer- ii. Massengosteino otr. nördlich von Brunn. ^Of) 

ähnliche Bildung, welche direct als Breccie angesprochen werden 
kann, und welche auch Bruchstücke von Kalk in sich enthält. In der 
Nähe dieses untergeordneten, aber vielleicht nicht unwichtigen Vor- 
kommens sind oberhalb der Windfahne Schurfgräben angelegt und 
lassen sich da in diesem obersten Quarzite oft auf beträchtliche Ent- 
fernung nicht unwichtige Adern des hier nicht seltenen Üeischrothen, 
derben Baryts verfolgen. Dieses Vorkommen ist vielleicht deshalb 
nicht unwichtig, weil es als der Lagerung nach jüngste Bildung viel- 
leicht einmal die Handhabe bieten wird, eine Trennung des ganzen 
Kvötnicacomplexes zu ermöglichen. Ganz nebenbei noch die Notiz, dass 
ich in der Nähe jener Sclmrfgruben ein Stück typischen Granites 
fand. Woher? — Das Fallen ist. wo es sich bei der oft mangelhaften Art 
der Aufschlüsse, der oft sehr störenden Absonderung und Schieferung 
bestimmen lässt, im Gebiete des Quarzites und Kalkes übereinstimmend 
nach W-WNW! (meist nicht steil, z.B. 3Ü<^). Der Quarzit und Kalk 
zeigt mithin ein Verflachen untereinander übereinstimmend, doch ab- 
weichend von dem des zuvor erwähnten Gneisses." 

Meine Beobachtungen ergaben einige von den Ausführungen 
Camerlander's nicht unwesentlich abweichende Resultate. Ich glaube, 
ein ziemlich anschauliches Bild von dem geologischen Aufbaue der 
Kwetnica entwerfen zu können, wenn ich die Beobachtungen mittheile, 
welche sich bei einem Durchschnitt von NW (nordwestliches Gehänge 
gegen den Besenekbach) nach SO (Südostfuss der Kwetnica) ergeben. 

An dem nordwestlichen Gehänge der Kwetnica gegen den Besenek- 
bach — kaum etwas höher als das Niveau des Baches, - — sowie am 
Gehänge bei der Mündung des Besenekbaches in die Schwarzawa 
stehen in der That Amphibolgesteine mit 0-SOfallen an. Nur scheint es 
mir, dass die rothen Quarz-Feldspathadern in denselben, die Game r- 
1 a n d e r mit den Granitgängen im sächsischen Granulit vergleicht, nicht 
so sehr mit Eruptiverscheinungen in Zusammenhang gebracht, als viel- 
mehr als nachträgliche Kluftausfüllungen, wie solche ja in jedem 
Schiefergestein vorkommen, aufgefasst werden sollen. 

Weiter nach Osten folgen, ohne scharf von den Amphibolschiefern 
abzugrenzen und theilweise mit ihnen wechsellagernd, Phyllite mit 
Quarziten, darauf eine Kalklinse, welche sich von der höchsten Kuppe 
der Kwetnica (4G9"() Meter Seehöhe) bis etwas westlich des Ilöhen- 
punktes 435 Meter der Karte 1 : 25000 erstreckt. Thyllite und 
Kalke fallen nach 0. Diese Kalklinse besteht eigentlich aus zwei 
Theilen, zwischen welchen sich eine schmale Zone von Quarziten mit 
wenig phyllitischen Gesteinen quer auf das Streichen einschiebt, welche 
selbst ein Einfallen nicht beobachten lässt, und in welcher sich die 
von Camerlander erwähnten alten Schurfgräben befinden, die zur 
Gewinnung des Barytes angelegt worden waren. AVenn man von diesen 
Kalkvorkommnissen in die Einsenkung hinabsteigt, welche sich zwischen 
dem höchsten Punkt der Kwetnica (469-G Meter) im Nordwesten und 
der südöstlichen Kuppe von 452 Meter Seehöhe befindet, so kann 
man bis etwas Avestlich vom Höhenpunkt 452 Meter einen mannig- 
fachen Wechsel von anstehenden Gesteinen beobachten. Echte Bhyl- 
lite, Kiesel- und Kalkschiefer, Sericitgneissähnliche Bildungen, Quarzite 
wechseliaoei'n miteinander und enthalten audi jene conglomeratischen 



306 r>r. L. V. Tausch. [42] 

A'orkommuisse, die bereits besprochen wurden. Die südöstliche Kuppe 
besteht aus rothen Quarziten. dann folgen wiederum bis zum Südostfuss 
des Berges Kalke, welche grauschwarz, meist aber lichtgrau, selbst 
röthlich gefärbt sind. Die erwähnten Gesteine zeigen eine Erscheinung, 
welche von Tietze a. a. 0. als Knickung im Streichen bezeichnet 
wurde, d. h. sie sind hohlziegelartig übereinander geschichtet, so 
dass. während das Hauptstreichen ein nordost - südwestliches bleibt, 
ein I^infallen nach Süd, Südost, Ost. Nordost, Xord. bis fast Nordwest 
beobachtet werden kann. 

Der Quarzit der Kwetnica hat so zahlreiche Hohlräume und 
Klüfte, welche von Krystallen ganz ausgefüllt sind, dass das Grund- 
gestein zuweilen beinahe ganz zurücktritt. 

Die wichtigsten Arten von Mineralien, die auf der Kwetnica ge- 
funden wurden, sind nach A. j\I a k o w s k y und A. R z e h a k folgende : 
Bergkrystall. Amethyst (einst ungemein häufig, gegenwärtig in schönen, 
grossen Exemplaren selten i, gemeiner Quarz. Fluorit. Baryt. Limonit, 
Lepidokrokit. Malachit und Azurit, gediegen Kupfer, Pyrolusit, Silber- 
blende (angeblich von Zgrebny beobachtet). Calcit und, von mir 
selbst gefunden. Buntkupfererz. 

Mit dem Phyllitgebiete nördlich von Tischnowitz, demnach dem 
Vorkommen auf der Kwetnica und den übrigen Hügeln, von diesem 
ebenfalls nur durch die Alluvionen der Schwarzawa getrennt, hängt 
eine Phyllitpartie zusammen, welche von der westlichen Kartengrenze, 
am rechten Ufer des Louczkabaches quer über die Milowa nach Süden 
sich erstreckend, am linken Ufer des Baches über Uuter-Louczka, 
Strzemchowy bis zur Strasse vom Tischnowitzer Vorkloster nach 
Stiepanowitz reicht und sich über den Taboryberg bis zu dieser Ort- 
schaft ausdehnt. Genauer angegeben verhält sich die Verbreitung 
dieser Partie der Gesteine der Phyllitgruppe folgendermassen : 

Von der westlichen Kartengrenze erstreckt sich eine schmale 
Phyllitzone am linken Ufer des Louczkabaches bis etwa 100 Meter 
östlich der Kirche von Ober-Louczka; von hier aus, theilweise von 
miocänen Ablagerungen und Löss bedeckt, verbreitert sie sich. Diese 
Phyllitzone findet ihre Fortsetzung im Süden am rechten Ufer des 
Louczkabaches. Die Westgrenze dieses kleinen Gebietes fällt mit der 
Kartengrenze zusammen; im Osten bildet der kleine Bach, welcher 
bei der Psalzower-lNIühle in den Libohuwkabach mündet, dann dieser 
selbst für eine kurze Strecke bis zur Kaworda-Mühle die Grenze, 
welche, von hier sich in einem concaven Bogen über die Mirova (den 
Höhepunkt b2iS Meter der Specialkarte Ost lassend) ziehend, den 
östlichsten Punkt der Nordgrenze unweit (westlich) der Mündung des 
Libohuwka- in den Louczkabach erreicht. Die Nordgrenze, abgesehen 
vom angelagerten Löss. bildet, von der Kartengrenze bis zu diesem 
soeben erwähnten Punkte, die Strasse von Aujezd (Blatt Gross-Mese- 
ritsch) nach Louczka. 

Die Fortsetzung dieser Zone nach Ost bildet das Terrain, welches 
— abgesehen vom ]\liocän und Löss — sich zwischen der Strasse Vor- 
kloster— Strzemchowy im Süden, der Strasse Vorkloster — Stiepanowitz 
(bis zu den nördlichst gelegenen Häusern dieses Ortes im Westen, 



[43] lieber die kryst. Schiefer- ii. Massengesteine etc. nördlich von Brunn. 307 

und einer Linie befindet, die von der Mündung der Schlucht am west- 
lichen Thalgehänge von Stiepanowitz in südwestlicher Richtung zur 
Kirche von Louczka gezogen wird. 

Es sind hauptsäclilich Quarzphyllite mit eingelagerten Kalkiinsen, 
welche hier beobachtet wurden; doch scheinen auch Hornblende- 
gesteine nicht gänzlich zu fehlen. 

Ferner treten nördlich von Stiepanowitz in Verbindung mit Sericit- 
gneissen Gesteine auf, welche sich von den archaeischen Conglo- 
meraten nur dadurch unterscheiden, dass die Quarze nicht Haselnuss- 
bis Eigrösse erreichen, sondern sehr klein sind, so dass ich dieses 
Gestein umsomehr als archaeischen Sandstein bezeiclmen möchte, als 
es in seiner petrographischen Ausbildung dieselbe wechselnde Be- 
schatfenheit zeigt, welche ich bereits bei der Schilderung der archaei- 
schen Conglomerate erwähnt habe. 

Der Quarz, der den Phylliten eingelagert ist, kann eine derartige 
Mächtigkeit erlangen, dass er felsbildend auftritt; solche Quarzitfelson 
finden sich auf dem „Mirova" benannten, von dem Louczka- und dem 
Libohuwkabache umgrenzten Gebiete, hart an der westlichen Karten- 
grenze. Ueberdies sind den Phylliten (südlich von Stiepanowitz), auch 
Bänke der archaeischen Conglomerate eingelagert. 

Kalklinsen von wechselnder Mächtigkeit sind südlich von Stiepa- 
nowitz, nördlich von Strzemchowy, bei Unter -Louczka und an der 
westlichen Kartengrenze südlich der Strasse Aujezd — Unter-Louczka 
vorhanden. Der Kalk ist wechselnd; krystallinisch, halbkrystallinisch 
bis dicht; besonders in den Kalkbrüchen südlich von Stiepanowitz er- 
scheinen dunkelgraue und röthlichbraune Kalkpartien, die sich in 
Handstücken selbst von mesozoischen Kalken kaum unterscheiden. 
Die Kalkpartie südlich von Stiepanowitz ist auch deshalb bemerken s- 
werth, weil sie orographisch eine ganz eigenthümliche hufeisenförmige 
Gestalt besitzt. 

Phyllite und Kalke fallen durchwegs West bis Nordwest unter 
die Gneisse und Glimmerschiefer. 

Es möge noch an dieser Stelle erwähnt werden, dass westwärts 
der Strasse vom Tischnowitzer Vorkloster nach Stiepanowitz, etwas 
nördlich von dem Kreuzungspunkte der Strasse vom Tischnowitzer 
Verklebter nach Strzemchowy, noch eine kleine nach West fallende 
Partie von Gneiss erscheint, welche die gleiche Beschaffenheit, wie 
die nordwärts von Stiepanowitz auftretenden Gneisse, aufweist. 

Im Anschlüsse an das eben besprochene Gebiet soll auch die 
kleine Partie von Gesteinen der Phyllitgruppe erörtert werden, die 
zwischen Ober- und Unter-Louczka nur durch einen schmalen Streifen 
von Gneiss von den Phylliten von Unter-Louczka getrennt ist. und 
sich von Ober-Louczka über die Navrsi mit fast genau südnördlichem 
Streichen bis nördlich von Kally erstreckt, wobei die Umgrenzung der 
Phyllite nördlich von Kally durcli die Angabe fixirt wird, dass die 
Höhenpunkte 501-2 Meter im Westen. 461 Meter im Norden und 
433 Meter im Osten von Kally (sämmtliche Höhenangaben nach der 
Karte 1 : 25000) schon ausserhalb der Phyllitzone liegen. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reicbsanstalt, 1895. 45. Band, 2. Heft. (Dr. L. v. Tauscli.) 40 



308 I^i"- L. Y. Tausch. . [44] 

Wenn man nämlich von der Kirche von Unter-Louczka nach 
Ober-Louczka, oder von einem der östlich der Kirche gelegenen 
Gräben in der Richtung nach Nordwest geht, so verquert man, 
nachdem man die Phyllite verlassen, zunächst eine schmale Zone 
alter rother Gneisse mit eingelagerten Glimmerschiefern, die nord- 
west fallen, und gelangt wieder in eine ringsum von alten Gneissen 
und Glimmerschiefern umgebene Scholle der Gesteine der Phyllit- 
grupi)e. Leider lassen die Aufschlüsse hier viel zu wünschen übrig, 
weil die ganze Gegend cultivirt ist und Getreidefelder eine genauere 
Untersuchung sehr behindern. Man ist bei der Beurtheilung des 
(Grundgebirges meist nur auf die auf den Feldern herumliegenden 
Gesteinsstücke angewiesen. 

Auch in diesem Gebiete spielen die Phyllite die Hauptrolle. 
Ihnen eingelagert sind drei Kalkzüge, welche ein verschiedenes oro- 
graphisches Streichen aufweisen, indem die beiden südlichen von 
Ost nach West, der nördliche aber von Nord nach Süd sich erstreckt. 
Die Kalke sind krystallinisch, weiss, zum Verwechseln jenen von 
Zelezny ähnlich, mit schönem Tremolit; oder sie enthalten einen 
bedeutenden Percentsatz von Thonerde und sind durch beigemengten 
Graphit durch und durch mattschwarz gefärbt : endlich kommen 
noch Kalke vor, welche mit grösseren und kleineren Klümpchen eines 
(iebildes durchspickt sind, welches, wie die petrographische Unter- 
suchung durch Herrn C. von John ergab, aus ungemein zersetzten 
Bestandtheilen eines Eruptivgesteines besteht. 

Auch finden sich Quarzite von der Art der Kwetnica-Quarzite 
mit Drusen mit schönen Quarzkrystallen, Eisenerze von verschiedener 
Art und Manganvorkommnisse. 

Nach der ähnlichen Beschaffenheit einiger hiesiger Gesteine mit 
jenen von Zelezny, die in der Folge ausführlich besclirieben werden, 
gewinnt man den Eindruck, das Vorhandensein eines Eruptivgesteines 
vermuthen zu können, dessen Anstehen zwar bisher nicht beobachtet 
werden konnte, dessen Zersetzungsproducte jedoch zur Bildung mancher 
in diesem Gebiete auftretender Gesteine beigetragen haben. 

Soweit ein Einfallen in diesem so schlecht aufgeschlossenen 
Gebiete beobachtet werden konnte, war es stets nach West gerichtet. 

Eine Fortsetzung in der Richtung nach Nordwest finden die 
Gesteine der Phyllitgruppe in den kleinen Vorkommnissen von Boratsch. 
Doubrawnik, Czenwir und Nedwieditz. 

Die Gesteine der Phyllitgruppe nehmen bei Boratsch nur einen 
Raum von ungefähr nicht ganz einem Quadrat-Kilometer ein und be- 
stehen aus Amphibolgesteinen, krystallinischen Kalken und Phylliten. 

Sie befinden sich westlich von Boratsch und bilden der Hauptsache 
nach die Anhöhe, welche sich zwischen den beiden Gräben befindet, 
die östlich von Husle in das Schwarzawathal hinablaufen. 

Hier, wie auch weiter nördlich bei Nedwieditz nimmt der Phyllit 
ein glimmerschieferartiges, der Glimmerschiefer ein phyllitisches Aus- 
sehen an, so dass die Grenze zwischen beiden Gesteinen nur nach 
subjectivem Ermessen gezogen werden kann. Südwestlich des Ziegel- 



[45] Ueber die kryst, 8chiofer- u. Massengesteiue etc. nördlich von Brüun. 309 



Ofens, der sich nordwestlich von Boratscli befindet, steht in der Schlucht 
ein harter Hornblendegneiss mit schönen Granatkrystallen an. 

Weiter nach Norden treten wieder alte Gneisse auf, welche 
nach West einfallend bis zu jenem Tunkte reichen, wo südlich von 
Doubrawnik der Fussweg von der Hauptstrasse abzweigt, welcher in 
das Thal des Hakowybaches führt. Der Hügel, welcher sich östlich 
dieses Fussweges befindet und dessen östliche Grenze die Strasse 
bildet, besteht in seinem südlichen, unbewaldeten Theil aus Glimmer- 
schiefern, in seinem nördlichen, bewaldeten, nebst phyllitischen 
Bildungen, hauptsächlich aus Quarzitfels. Auch im Westen des Fuss- 
weges ist eine schmale Zone von Glimmerschiefern zu beobachten, die 
nach Westen von Gneissen überlagert wird. Kurz bevor man das 
Hakowythal erreicht, kommt von Westen ein Bächlein herab; hier 
wendet sich der Glimmerschiefer etwas nach West und es erscheint 
eine Kalkpartie, welche die Grenze der Phyllitzone gegen den 
Glimmerschiefer bildet und bis zum Hakowybache reicht. In der 
nördlichen Fortsetzung, am linken Ufer des Hakowybaches, folgt Löss, 
dann wieder Kalk, der, genau wie manche Kalke von Ober-Louczka, 
einen bedeutenden Percentsatz von Thonerde enthält und durch bei- 
gemengten Graphit durch und durch mattschwarz gefärbt ist, und 
Quarzitfels. Diese Gesteine reichen nur bis zum Kreuze, welches sich 
unmittelbar bei den letzten Häusern von Doubrawnik befindet. Im 
Westen dieses Lappens von Phyllitgesteinen ist Glimmerschiefer, aber 
in einer sehr schmalen Zone, vorhanden. Nachdem nämlich seine 
Westgrenze am linken Ufer des Hakowybaches an der Waldgrenze 
— diese liegt hart an der westlichen Kartengrenze — das Thal 
erreicht, wendet sie sich nordöstlich und gelangt westlich des er- 
wähnten Kreuzes an die Mündung einer kleinen Schlucht. Von hier 
bis zum Höhenpunkte 317 Meter der Karte 1 : 25000 (dieser Punkt 
ist auch auf der Specialkarte durch die Angabe zweier Brücken ge- 
kennzeichnet) bildet der Glimmerschiefer am Gehänge, westlich der 
Strasse nur eine Zone von wenigen Metern Breite, welche sich aber 
nach Norden verbreitert und bis südlich von Nedwieditz reicht. West- 
lich der Glimmerschiefer befinden sich Gneisse. 

Alle die erwähnten Gesteinsarten fallen nach West. 

Bei der Brücke, welche südlich von Czenwir über die Schwarzawa 
führt, fand sich, (1891) schlecht aufgeschlossen, östlich der Strasse, 
steil nach West fallend, ein sehr zersetztes Gestein von kaum einem 
Meter Mächtigkeit, welches nach der petrographischen Untersuchung 
durch Herrn C. von John sich als ein Amphibolschiefer herausstellte. 

Heuer (1895) sah man von diesem Gesteine nichts mehr, da 
es wegen der Gewinnung des Kalkes, der hier als steiler Fels zur 
Schwarzawa abfällt, von der Strassenseite aus abgeräumt war. 

Nördlich dieses Vorkommens in dem Knie, welches die Schwarzawa 
hier bildet, befindet sich ein kleiner Hügel von verhältnissmässig wenigen 
Metern Umkreis, auf welchem die Kirche von Czenwir steht. Aber 
dieser Hügel ist ausserordentlich merkwürdig dadurch, weil ihn, in 
einen so kleinen Raum vereinigt, und ringsum von altkrystallinischen 
Gesteinen umgeben, die Gesteine der Phyllitgruppe, und zwar kry- 



stallinische Kalke, Phyllite, Augengneisse, als 



Fortsetzung 



jener 

40* 



auf 



310 Dl-- I- V. Tausch. [46] 

S. 297) beschriebenen und von mir zu den Glininierschiefern gerech- 
neten Gesteine . und an seinem nördlichsten Punkte ein Eruptiv- 
p;estein aufbauen, weh'.hes nach den Untersuchungen des Herrn C. v. 
Jühn nur als ein mehr zersetztes Aequivalent des Olivin-Diabases 
von Zelezny aufzufassen ist. 

Es möge hier nochmals erwähnt werden, dass östlich von Czen- 
wir, an der Strasse von Skorotitz nach Czenwir, hall)en Wegs, mitten 
im Gneissgebiete, ein Gestein ansteht, welches von mir (vergl. S. 294) 
als Granit gedeutet wurde. 

Das nordwestlichste Vorkommen der (iesteine der Phyllitgruppe 
ist jenes, welches sich von Nedwieditz im Süden bis an die nördliche 
Kartengrenze erstreckt. Es ist nur ein sciimaler Zug, der sich zwischen 
den Glimmerschiefern im Westen und den Gneissen im Osten nach 
Norden erstreckt. Er beginnt östlich von Nedwieditz am linken Ufer 
der Schwarzawa und erreicht mit Südwest- nordöstlichem Streichen 
Korzinov. Er erscheint dann mit südost-nordwestlichem Streichen am 
rechten Ufer der Schwarzawa bis etwa Uitschow, um dann in nördlicher 
Richtung am linken Ufer der Schwarzawa sich bis an die nördliche 
Kartengrenze fortzusetzen. 

Denselben setzen abermals Phyllite. Kalke (grau bis weiss ge- 
färbte Marmore), Hornblendegesteine und an einer Stelle, nördlich 
von Uitschow, in innigster Verbindung mit diesen, Serpentine zu- 
sammen. In der Regel ist hier die Aufeinanderfolge so gestaltet, dass 
auf Granatglimmerschiefer im Westen, denselben Amphibolgesteine, 
oder eine sehr schmale Zone von glimmerschieferartigen Phylliten 
und dann erst die Amphibolgesteine, hierauf die Kalke und endlich 
typische Quarzphyllite folgen, worauf dann im Osten die alten Gneisse 
auftreten. 

Endlich konnte ich im Complexe dieser Vorkommnisse auch ein 
Eruptivgestein nordöstlich von Nedwieditz am linken Ufer des Chliwsky- 
baches, gleich zu Beginn des von ihm gebildeten Thaies, beobachten, 
welches ich als im Zusammenhange mit dem Eru])tivgesteine von 
Czenwir betrachte, seinerzeit (1. c., Nr. 104, S.291) als Diorit angegeben 
habe, welches aber von Herrn C. v. John neuerdings untersucht 
und über welches mir von ihm folgende Daten zur Verfügung 
gestellt wurden : 

„Das Eruptivgestein von Nedwieditz, welches am Chliwskybach 
ansteht, ist ein ziemlich zersetzter Diabas. Es besteht fast nur aus 
Feldspath und in grösseren Massen zusammengehäufter strahliger 
Hornblende. Der Feldspath ist theilweise durch graue Körnchen 
getrübt und enthält zahlreiche Einschlüsse eines schwach grünlich 
erscheinenden Minerals, welches theils längliche Nädelchen bildet, 
theils in Form von Körnchen entwickelt erscheint. Der grösste Theil 
dieser Einschlüsse dürfte wohl Apatit sein, theilweise wohl auch Horn- 
blende, die sich vielleicht aus ursprünglich vorhandenem Augit gebildet 
hat. Der Feldspath zeigt deutlich polysynthetische Zwillingszusammen- 
setzung und erinnert in seinem Aussehen an die gewöhnliche Aus- 
bildung der Feldspäthe in Diabasen und Gabbros. 



|47| Uelicr diu kryst. Scliicfcr- ii. Ma.ss(!ii<,ni«tt'int' (itc. iiiM'dlicli von Briuui. IJll 

Die llüriibleiitle ist jedenfalls nicht primär, sondern hat sich ans 
nrsprünglich vorhandenem Angit gebildet. Sie bildet theils Körnchen, 
vornehmlich aber Sänlchenaggregate von grüner Farbe, ist also im 
Wesentlichen in Form von Strahlstein entwickelt. Hie und da sind 
Körnchen vorhanden, die ihrer Spaltbarkeit und ihrer mehr braunen 
Farbe nach wohl dem Augit zuzurechnen sind und noch unzersetzte 
Theile des ursprünglichen Augites darstellen. 

Um auch chemisch einen Anhaltspunkt zu haben, wurde eine 
Kieselsäurebestimmung vorgenommen, die 4o-8() Percent Kieselsäure 
ergab. Auch dieser geringe Kieselsäuregehalt weist auf das Vor- 
handensein eines sehr basischen Feldspathes hin, wie er in den 
Diabasen vorzukommen pflegt, so dass man dieses Gestein wohl mit 
Sicherheit zu den Diabasen stellen kann, mit der Annahme, dass der 
ursprünglich vorhanden gewesene Augit fast ganz in Hornblende ver- 
wandelt wurde." 

Sowie nach Nordwesten, finden die Gesteine der Phyllitgruppe, 
von Tischnowitz aus, auch in nordöstlicher Richtung ihre Fortsetzung. 
In Verfolgung dieser Linie soll zuerst das isolirte Vorkommen der- 
selben bei Zelezny, einer Ortschaft nordöstlich von Tischnowitz, be- 
sprochen werden. 

Genau südlich des Kreuzes (Höhenpunkt ol7 Meter der Karte 
1:25000), an der Strasse Lomnitschka — eTamny. nördlich der Ort- 
schaft Zelezny, hart am linken Ufer des Besenekbaches, befindet 
sich ein ziemlich isolirter Hügel, welcher aus den Gesteinen der 
Phyllitgruppe zusammengesetzt und durch das Vorkommen des Olivin- 
Diabases ausgezeichnet ist. Der Hügel fällt steil gegen den Besenek- 
bach ab, und dieser Abhang gewährt die besten Aufschlüsse. In dem 
westlichen Theile dieses Hügels am Abhänge gegen den Besenek- 
bach sieht man graue bis graugrüne typische Phyllite, ferner Thon- 
glimmerschiefer im Sinne N au man n's, also Uebergangsbildungen von 
Phylliten zu Glimmerschiefern, amphibolitische Gesteine, Quarzite mit 
halbkrystallinischen Kalken in Bänken von geringer Mächtigkeit 
wechsellagern, bis gegen die Spitze des Hügels letzterer dominirt und 
den ganzen südlichen Theil desselben bildet. Geht man einige Schritte 
den Bach nach Osten entlang, so findet man sowohl im Bachbette selbst, 
als in seinen AUuvioneu gänzlich abgerundete, ungemein harte Blöcke 



'©'■ 



des Olivin-Diabases, von Ei bis zu 1 — 2 Cubikmetergrösse. Noch etwa 
100 Meter ostwärts erscheinen am Abhänge des genannten Hügels 
die Gesteine der Phyllitgruppe mehr metamorphisirt, der Kalk ist in 
weissen, mittelkörnigen Marmor umgewandelt und enthält schön aus- 
gebildeten Tremolit. gneissartige Bildungen und Graphitschiefer treten 
auf, und inmitten derselben liegt eine Bank von Olivin-Diabas, welche 
einen Gang desselben in den Gesteinen der Phyllitgruppe darstellt, 
der bei nachträglicher Faltung mitgefaltet wurde. 

Dieser Olivin-Diabas war schon Foetterle bekannt, der ihn 
jedoch als Hornblendegestein beschrieb und sein Vorkommen unrichtig 
angab. Man vergleiche Foetterle (1. c, Nr. 15, S. 73). Er schreibt: 

„Hier muss auch jenes Hornblendegesteines nordwestlich bei 
Zelezny erwähnt werden, welches hier eruptivartig auftritt ; es hat den 



312 Dl'- I^- V. Tausch. [48] 

Gneiss in seiner Lagerung vielfach gestört und tritt auf einer Strecke 
von etwa ^0 — 2ö Klafter zu Tage. Es ist zum grossen Theil schon 
verwittert untl zerfällt zu Gruss ; mitten in dem verwitterten Gestein 
sind grosse, ganz abgerundete Stücke von der Eigrösse bis zu melireren 
Kubikfuss Grösse gleichsam eingebacken. Das Gestein zeigt keine 
andere Beimengung als Hornblende." 

Das Anstehen dieses P'.ruptivgesteines war übrigens auch Camer- 
1 an der, der das Vorkommen an Ort und Stelle untersucht hatte, 
entgangen, der darüber (1. c., Nr. 10, S. 414) Folgendes berichtete: 
„Koch aus der von Wolf stammenden Aufsammlung hatte Herr v. 
John dieses Vorkommen zum (iegenstande eingehender Unter- 
suchungen gemacht, aus denen hervorging, dass das rein körnig ent- 
wickelte Gestein absolut hornblendefrei ist und im Wesentlichen aus 
Plagioklas, Augit und Olivin besteht, zu welchen Bestandtheilen sich 
in geringerer Menge Biotit und Magnetit gesellen. Der Olivin tritt 
übrigens an den verwitterten Exemi)lareu deutlich makroskopisch 
hervor. Es ergab sich daraus die Bezeichnung: „Olivin-Diabas". 
C am er lau der schildert des Weiteren seine Beobachtungen, die er 
mit dem Satze schliesst: „Und trotzdem wir also ausser den herum- 
liegenden Blöcken eigentlich kein anstehendes Vorkommen warnahmen, 
müssen wir doch aus der Beschränkung auf eine räumlich so scharf 
markirte Erstreckung das Bestehen des Olivin-Diabas hier supponieren. 
Es bedeutet dieses Olivin-Diabasvorkommen das erste für Mähren ; 
die olivinfreien Diabase und Schalsteine im nordost-mährischen Devon 
sind mit diesem in keinerlei Parallele zu stellen." 

Im selben Jahre (1884). in welchem C am er lau der diese Be- 
merkungen verört'entliclite, erschien auch die Erläuterung zur ge- 
gologischen Karte der Umgebung von Brunn von A. Makowsky und 
A. Hz e hak, in welcher gleichfalls des Eruptivgesteines von Zelezny 
Erwähnung gethan wird. Die Irrthümer bezüglich des Fundortes des 
fraglichen Gesteines — Makowsky und Rzehak geben an, dass 
„an dem steilen Südabhange sowie an der Kuppe des Hügels, der 
sich von Zelezny bis an den Lubiebach erstreckt, kammartig mehrere 
Lagen, bis zu 50 Centimeter Mächtigkeit, eines dioritischen Gesteines 
aus dem Gneiss hervortreten, die von Süd nach Nord streichen und sehr 
steil gegen Ost einfallen, parallel den Gneiss-Schichten" — hat schon 
Camerlander (1. c. Nr. 11, S. 48) richtig gestellt und ich kann 
nur bestätigen, dass ein derartiges Vorkommen nicht existirt. 

Richtig ist nur die Angabe von Mako wsk y und Rzehak, dass 
das Eruptivgestein an der steilen östlichen Berglehne am linken Ufer 
eines Baches ansteht; dieser heisst aber nicht Lubiebach, sondern 
Besenekbach und das Eruptivgestein kommt nicht im Gneisse, sondern 
zwischen den Gesteinen der Phyllitgruppe vor. Makowsky und 
Rzehak nannten das Gestein Froterobus (GiimheV), nach einer, wie 
sie (1. c. Nr. 55, S. l(V2) angeben, von Dr. Schuster ausgeführten 
mikroskopischen Untersuchung eines Dünnschiitfes, „welche als vorwie- 
gende Bestandtheile : Plagioklas (Bytownit). Augit mit Viridit. einem aus 
der fortschreitenden Zersetzung des Augites sich ergebenden chloritischen 
Minerale, überzogen, nebst Bronzit und untergeordnet: Hornblende, Tita- 
nit, Biotit und Apatit und accessorich reichlich Pyrit ergab". 



[49] Ueber die kryst. Schiefer- u. Massengesteine etc. nördlich von Briinn. 313 

C a m e r 1 a n cl e r (1. c, Nr. 11 , S. 49) war nun in der Lage, den Irr- 
thum der beiden Autoren aucli in Bezug auf die Benennung dieses 
Gesteines nachzuweisen, indem sowohl eine neuerliche Untersuchung 
Herrn C. v. John's die volle Berechtigung der ursprünglichen Be- 
nennung des Gesteins als Olivin-Diabas ergab, als auch Camerlander 
folgende Mittheilung Dr. M. Schuster's veröffentlichen konnte : „Um 
einem Missverständniss vorzubeugen, sei es mir erlaubt, in Betreff des 
Gesteines von Zelezny anzuführen, dass der Name Proterohm^, mit 
welchem es in der hier besprochenen Arbeit bezeichnet erscheint, 
nicht von mir herrührt. Ich legte vielmehr in einer, auf Wunsch des 
Herrn Professor Makowsky ihm zugesendeten ausführlichen 
Detailbeschreibung von einem Dünnschliffe des genannten Gesteines, 
welche Detailbeschreibung in dem Buche leider mit keinem Worte 
erwähnt wird, das Hauptgewicht auf den jedenfalls interessanten Nach- 
weis von Bronzit neben Augit und der riagioklasmischuiig Bijtownit. 
Darum schlug ich den Namen „bronzitführender Diabas" vor. Olivin 
konnte ich in diesem, damals mir zur Verfügung stehenden Schliffe 
mit Sicherheit zwar nicht nachweisen ; doch hatte Herr v. Job n bei 
einer späteren Gelegenheit die Freundlichkeit, mir in die, seinen 
Untersuchungen zu Grunde liegenden Präparate Einsicht zu gewähren, 
wonach ich gleichfalls das Vorhandensein dieses Minerals, und zwar 
in Form eines wesentliclien Bestandtheiles, als ausser Zweifel stehend 
erkannte. " 

Eine von Herrn C. v. John abermals durchgeführte Untersuchung 
der von mir mitgebrachten Stücke ergab gleichfalls dasselbe Resultat, 
wie es schon vor Jahren gewonnen wurde. 

Die Schichten fallen Südost. 

In der Streichungsrichtung dieser Gesteine, durch eine schmale 
Lösszone getrennt, setzen sich nach Nordost Glimmerschiefer fort, 
die in Gneisse übergehen und gleichfalls Südost fallen. Nach 
Südost ist ein aus Glimmerschiefer und Gneiss gebildeter Hügel 
gleichfalls mit Südostfallen vorgelagert, der durch den ihn rings 
umgebenden Löss isolirt ist. Darauf folgen die Ablagerungen des 
Rothliegend mit Südostfallen. Im Nordwesten des isolirten Phyllit- 
hügels fallen die alten Gneisse gleichfalls Südost. 

Weiter nordöstlich von dem Vorkommen bei Zelezny begegnen 
wir den Gesteinen der Phyllitgruppe abermals u. zw. südlich von Jamny, 
von wo sie sieh mit südwest-nordöstlichem orographischen Streichen bis 
an das rechte Ufer des Bächleins erstrecken, welches den Drnowitzer 
Kirchenwald durchfliesst und in der Ortschaft Drnowitz in den gleich- 
namigen Bach mündet. Sie bilden einen ununterbrochenen Zug, dessen 
Zusammenhang nur sü! östlich von Bukowitz durch eine Decke von 
diluvialen und eluvialen Bildungen oberflächlich verschwindet. Denn 
es konnte auch liier in einem Hohlwege Phyllit anstehend beobachtet 
werden. Ihre Grenzen können wegen des unregelmässigen Verlaufes 
derselben hier, wie auch bei den im Folgenden noch zu schildernden 
Vorkommen nur annähernd angegeben werden, und muss bezüglich der 
Details auf die Einzeichnungen in der Karte hingewiesen werden. 



P,14 r>r. L. V. Tausch. [50] 

Die Gesteine der Phyllitgruppe dieses Zuge beginnen, wie erwähnt, 
südöstlich von Jamny und lassen sich mit wechselnder Breite, die aber 
einen Kilometer nicht überschreitet, in nordöstlicher Richtung zunächst 
am linken, dann an beiden Ufern eines Wasserlaufes verfolgen, der 
sich von Jamny im Süden bis zum Höhenpunkte 461 Meter der 
Karte 1 : 25000 südwestlich von Bukowitz, im Norden ertreckt. Weiter 
nördlich werden sie von diluvialen und eluvialen Bildungen überdeckt. 
Sie erscheinen wieder zwischen Zhorsch und Bukowitz und reichen in 
gleicher Verbreitung über Wranko und die Vysoka hora (Karte 1 : 25000) 
bis zum Bache, der von Lacznow nach Bejkowitz fliesst. Die Krajni 
hlava im Westen besteht bereits aus Gneiss und die Ortschaft 
Lang-Lhotta im Osten steht auf Rothliegendgesteinen. Von diesem Bache 
verbreitert sich gegen Norden das von den Gesteinen der Phyllitgruppe 
eingenommene Gebiet, die Westgrenze verläuft westlich der Orte Lacz- 
now und Sczechow nach Norden bis an den Lhotkerbach, wo aber von 
Westen eine schmale Zunge von Gneiss nach Ost bis an den Lissitzer 
Thiergarten reicht; am linken Ufer erscheinen aber in Kürze wieder 
die Phyllite, deren Grenze westlich von Zaobora und östlich von Lhotka — 
Lissitz in nordöstlicher Richtung bis zum Bächlein verläuft, welches, 
wie erwähnt, den Drnowitzer Kirchenwald durchfliesst. 

Die Grenze der Gneisse im Westen und der Phyllite im Osten 
befindet sich an diesem Bächlein ungefähr südwestlich des Höhen- 
punktes 481 Meter der Karte 1:25000. Dieser Höhenpunkt wie der 
Ilöhenpunkt 456 Meter der Karte 1 : 25000 besteht schon aus Gneiss, 
die südlich von ihnen gelegenen Abhänge auch am linken Ufer des 
Bächleins noch aus phyllitischen Gesteinen, denen etwas Rothliegend 
aufgelagert ist. 

Die östliche Grenze dieses PhylJitzuges .springt, nachdem sie im 
Süden genau über den Höhenpunkt 493 Meter der Specialkarte nördlich 
von Lang-Lhotta, und über die Landzunge zwischen dem Kutschinower- 
und dem Lacznowerbach verlaufen, nach Ost bis Lissitz vor, und ver- 
läuft westlich dieses Ortes bis zur Strasse von Lissitz nach Lhotka- 
Lissitz, um von hier aus in nordwestlicher Richtung ungefähr bei dem 
Ziegelofen von Drnowitz am linken Ufer des mehrfach erwähnten Bäch- 
leins ihr nördlichstes Ende zu erreichen. 

Hier verschwinden auf eine kurze Strecke die Gesteine der Phyllit- 
gruppe und die bewaldeten Hügel, westlich der Strasse nach Kunstadt, 
bestehen aus Gneiss. welcher bis zum rechten Ufer des Baches reicht, 
dessen Quellen südlich von „Kaminek" (Karte 1:25000) liegen und 
der, nach Ost fliessend, sich in den Hauptbach ergiesst, der von der 
nördlichen Kartengrenze über Braslawetz, Drnowitz nach Skalitz in die 
Schwarzawa fliesst ; die Bäche haben auf der Karte keinen Namen und 
machen deshalb eine so umständliche Beschreibung nöthig. 

Am linken Ufer dieses Bächleins erscheint aber wieder ein kleines 
Gebiet, welches ausschliesslich von Quarzphylliten eingenommen wird. 
Es wird umgrenzt im Westen durch eine Linie, die vom Höhenpunkt 408 
Meter der Karte 1 : 25000 östlich von Braslawetz, in direct südliclier Rich- 
tung bis zum erwähnten Bächlein gezogen wird, im Süden durch den Ver- 
lauf desselben, im Osten durch die Abhänge gegen den Kunstadt-Skalitzer 



( 



|T)1] Uobor die kryst, Schiefer- ii. Massengcbtoinc etc. nördlich von Briinn. 315 

Bach, im Norden durch eine Linie, die vom Höhenpunkte 37 i Meter 
zum Höhenpunkte 408 Meter der Karte 1:25000 gezogen wird. 

Hierauf folgen Gneisse, die von West bis an das von dem Hauptbach 
geschaii'ene Thal reichen ; sie sind am ganzen rechten Ufer des Bächleins 
aufgeschlossen, welches von Hluboky in östlicher Richtung in den Hauptbach 
Üiesst und ein kleines Stück erscheint auch noch am linken Ufer, kurz 
vor der Mündung, nordwestlich des Höhenpunktes 380 Meter der 
Karte 1 : 25000. 

Hier treten wieder die Gesteine der Phyllitgruppe auf, um mit 
Südost-nordwestlichem orographischen Streichen die nördliche Karten- 
grenze zu erreichen. Sie erreichen keine beträchtliche Ausdehnung, 
erscheinen an beiden Ufern des Hauptbaches (Kunstadt— Skalitz) und 
ihre Umgrenzung und Zusammensetzung wird in der weiteren Folge 
beschrieben werden. 

Die Gesteine, welche dieses, im Ganzen und Grossen soeben um- 
grenzte Gebiet zusammensetzen, sind mannigfacher Art. 

Von Süden und Norden ausgehend, bilden von Jamny im Süden 
bis Zhorz im Norden die Hauptmasse der Ablagerungen Phyllitgesteine. 
Denselben ist eine grössere Kalkpartie unmittelbar nordöstlich von 
Jamny und einige kleinere, nördlich des Ziegelofens in dem Wasserlaufe, 
östlich von Rohozdetz, eingelagert. Dabei steht unmittelbar bei den 
Kalken ein granitartiger Gneiss in sehr geringer Ausdehnung an, dessen 
Vorkommen man vielleicht als ein gangartiges bezeichnen könnte. 

Von Zliorz bis ungefähr zur Vysoka hora habe ich nur phyllitische 
Gesteine beobachten können. 

Das Gebiet von Laeznow, Sczechow, Zaobora und Lissitz ist ein 
äusserst complicirtes. Die zu den Phylliten zu zählenden Gesteine 
nehmen speciell bei Lacznow und auf der Vysoka hora, wo alte Berg- 
baue auf Eisenerze, nach der Tradition der Eingeborenen auch auf Silber 
bestanden, auf Schritt und Tritt ein so verändertes Ansehen an, dass 
hier für petrographische Detailuntersuchungen gewiss ein dankbares 
Gebiet vorhanden wäre. 

Südlich von Lacznow erscheinen in diesen vielgestalteten Phyllit- 
gesteinen Kalke nur in kleinen Partien, nördlich dieses Ortes aber in 
bedeutender Ausdehnung. 

Es ist dem Aufnahmsgeologen bei der beschränkten Aufnahmszeit 
nicht möglich, ein detaillirtes Bild über alle complicirten Verhältnisse 
zu liefern, ich will es aber versuchen, um den Lesern einen derartigen 
Fall vor Augen zu führen, die geologischen Verhältnisse bei Lissitz an- 
nähernd anscliaulich zu schildern. 

Orientirungslinien für die weiteren Angaben mögen folgende 
Strassen und Wege sein, die, alle von Lissitz ausgehend, die erste 
nach Sczechow, die zweite zur Schiesstätte von Lissitz, die dritte mitten 
durch den Lissitzer Thiergarten, die vierte nach Lhotka-Lissitz, die 
fünfte nach Drnowitz führt. 

Begeht man die Strasse von Lissitz nach Sczechow, so sieht man 
südlich derselben zunächst Rothliegend mit aufgelagerten kleinen 
Partien von miocaenen Sauden und Tegeln ; hierauf folgen Quarzphyllite 
mit Qiiarzeinlagerungen bis zu dem Punkte, wo die Strasse östlich 
von Sczechow eine südwestliche Richtung einschlägt ; hier erscheinen 

Jahrbuch d. k. k. ^aol. Keichsanstalt. 1895, 45. Band, 2. lieft. (Dr. [.. v. Tausch.) 41 



31() r>r. L. V. Tausch. [52] 

nördlich und südlich der Strasse Kalke. Diese stellen aber nur das 
nordwestlichste Ende einer Kalkpartie dar, welche sich von hier aus 
in südöstlicher Richtung bis ungefähr zur südlichen Wendung des Fuss- 
weges erstreckt, der von Lacznow nach Lissitz führt. Dann folgen 
wieder Phyllite, die westlich von Sczechow, ungefähr bis zum Fusswege 
anhalten, der zum Bedrzichauer - Bach führt, worauf dann die alten 
Gneisse folgen. 

Nördlich dieser Strasse, zwischen dieser und dem Wege zur 
Schiesstätte und dessen weiterer westlicher Fortsetzung sind die Ver- 
hältnisse complicirter gestaltet. Die Ablagerungen der Rothliegend- 
Formation sind auch hier, westlich der westlichst gelegenen Häuser des 
Marktes zu beobachten. Sie bestehen theils aus einer Breccie, welche 
aus eckigen Bruchstücken des benachbart anstehenden, krystallinischen 
Kalkes, verbunden durch rothen Cement, besteht, theils aus rothen 
Quarzconglomeraten und rothen Schiefern. Ihnen aufgelagert sind in 
einer Grube miocaene Sande. Das gesammte Vorkommen beträgt kaum 
einige hundert Quadratmeter. 

Sowie die Rothliegendablagerungen hängen auch die Quarzphyllite 
südlich der Strasse Lissitz — Sczechow, nur durch diluviale und eluviale 
Bildungen oberfläclilich getrennt, mit den nördlich der Strasse gelegenen 
zusammen. Sie trennen die südlich gelegene Kalkpartie von der nördlich 
gelegenen, die sich von Lissitz im Osten bis nordwestlich von Sczechow 
erstreckt. Diese Kalkpartie von mehr als 2 Kilometer Länge und wech- 
selnder Breite besteht der Hauptsache nach, wie fast alle Kalke dieses 
Gebietes, aus blaugrau gefärbten, durch thonige oder graphitische Bei- 
mengungen veruiu'einigten Marmoren. Bei Lissitz, westlich des Post- 
gebäudes, beim Teiche u. s. w. wechsellagern die Kalke mit dün' en 
Bänken von Quarzphyllit, von Graphitschiefern, und von einem Gesteine, 
das man als hornblendereichen Glimmerschiefer bezeichnen könnte, aus- 
serdem aber hier, wie auch in den benachbarten Gebieten mit Gesteinen, 
welche ich, nach einem der Palaeontologie entnommenen Beispiele, 
Sammeltypen nennen möchte und für welche den richtigen Namen zu 
finden, dem Geologen sehr schwer wird, 

Herr Rosiwal wird seinerzeit nach durchgeführter petrogra- 
phischer Llntersuchung über derartige Gesteine berichten. 

Bei Lissitz sieht man diese Vorkommen aufgescbjossen, weiter 
westlich verrathen die Fortsetzung dieser Verhältnisse die auf (\Qn 
Feldern beobachteten Lesestücke. 

Nach den angegebenen Orientirungslinien ist nunmehr der Weg 
von Lissitz zur Schiesstätte zu verfolgen : 

Nördlich desselben bestehen die Abhänge am linken Ufer des 
Lhotker-Baches von Lissitz bis zum Eingange in den Tliiergarten aus 
Kalken, welche das nordöstlichste Ende des von Lissitz bis Sczechow 
sich erstreckenden Kalkzuges bilden. Beim Eingange in den Tliiergarten 
stehen Phyllite an., welche mit eingelagerten Anipliibolgesteiiien lialben- 
wegs bis zum Ausgange aus dem Thiergarten anhalten. Hier beginnt 
wieder Kalk, der sich in südost-nordwestlicher Verbreitung bis nördlich 
des Ausganges — im Thale stehen hier Phyllite an — zur Schiesstätte 
erstreckt und in weissgefärbten Marmoren, westlicli der Einsenkung, in 
welcher sich die Schiesstätte befindet, seine Fortsetzung findet. Am 



r5o] Uc'bcr die krysf. Scliiefur- ii. Massengesteiiu; otq. ii()nlli(;li von Briiiiri. ;{I7 

rechten Ufer des Baclies kommen beim Eingange in den Thiergarten 
gleichfalls in geringer Verbreitung die Phyllite mit eingelagerten 
Amphibolgesteinen vor, desgleichen eine nur auf wenige Quadratmeter 
ausgedehnte Partie von Kalk als das südöstlichste Ende des erwähnten 
Kalkzuges, dann halten Phyllite, mit einer ganz kleinen Einlagerung 
von Kalk beim Ausgange aus dem Thier<?arten bis einige Meter west- 
lich des Ausganges an. Dann erscheinen Gneisse, die mit der westlichen 
Gneissmasse zusammenhängen und eine schmale Zone zwischen den im 
Süden und den am linken Ufer des Baches auftretenden Gesteinen der 
Phyllitgruppe bilden. 

Die Felsen, auf welchen sich die Ruine Richwald, die auf keiner 
Karte eingezeichnet ist, befindet, bestehen gegen Nord aus Gneiss, gegen 
Süden aus einem Wechsel von Gesteinen, die wie typischer Gneiss aus- 
sehen, und Phylliten. 

Am liid^en Ufer des Lhotkerbaches erscheinen Gneisse erst un- 
gefähr südlich des Höhenpunktes 480 Meter der Karte 1:25000. 

Zwischen dem Wege zur Schiesstätte und der dritten Orientirungs- 
linie, der Hauptallee durch den Thiergarten, finden sich fast aus- 
schliesslich nur Quarzphyllite, theilweise mit Quarziteinlagerungen. 
Phyllitgesteine stehen auch im Parke an, und ungefähr beim Lawn tennis- 
Platze kommen Graphitschiefer zum Vorschein. 

Gleich zu Beginn der Hauptallee steht südlich derselben eine 
Kalkpaitie an, die durch ein kleines Vorkommen von Gneiss von 
einer ausgedehnten Partie von Kalken getrennt ist, welche mit fast 
südnördlichem Streichen sich von der östlichen Grenze des Thier- 
gartens bis südlich des Höhenpunktes 414 der Karte 1:25000, zur 
Strasse von Lissitz nach Lhotka-Lissitz — der vierten Orientirungs- 
linie — erstreckt. Am westlichen Rande dieses Kalkzuges, östlich 
der Hauptallee, befindet sich eine zweite kleine Gneisspartie. Die 
Gneisse sind roth gefärbt und haben theils ein granitisches, theils aber 
auch ein grobfiaseriges Aussehen und könnten vielleicht auch als Gang- 
vorkommen angesehen werden. Der Kalk ist Phylliten eingelagert, auf 
welchen sich bei der Mündung der Schlucht, die, bei der nördlichen 
Grenze des Thiergartens beginnend, von der Strasse von Lissitz nach 
Lhotka-Lissitz nordöstlich verläuft, in nordwestlicher Verbreitung und 
westlich der Drnowitzer Ziegelei kleinere Partien von Rothliegend-Ab- 
lagerungen erhalten haben. 

Verfolgt man den Weg nach Lhotka — Lissitz weiter, so findet man 
einige Meter nordwestlich der erwähnten Schlucht Serpentin anstehen, 
der vielleicht mit den Amphibolgesteinen in Verbindung gebracht werden 
kann, welche am Bächlein des Drnowitzer Kirchenwaldes beobachtet 
wurden. Man findet nämlich auf den Feldern und im Walde kein an- 
stehendes Gestein, wohl aber Lesestücke, die auf einen derartigen 
Zusammenhang hinweisen. Südwestlich des Serpentins erscheint ein 
kleines Vorkommen von Graphitschiefern mit kleinen Knollen eines 
wasserhellen Quarzes. Weiter nach West halten die Phyllite noch bis 
zur Mitte des auf der Karte 1 : 25000 „Jelinek" benannten Gebietes an. 

Geht man aber von der Strasse, beim Höhenpunkte 489 Meter der 
Specialkarte, nach Süden, so sieht man östlich von Zaobora eine kleine 
Partie von Marmoren mit nördwest- südöstlichem Streichen anstehen. 

41* 



318 r)r. L. V. Tiuiscl). [54] 

Westlich, nur unmittelbar bei den Kalken, tindet man ausschliesslich 
eckige Lesestiicke von Amphibolgesteinen, ebenso südöstlich, unmittelbar 
bei denselben, Gneissbrocken; aber keine dieser Gesteinsarten konnte hier 
anstehend beobachtet werden. 

Auf dem Wege von Zaobora zur Schiessstätte kommen fast aus- 
schliesslich Phyllite mit eingelagerten Quarziten und einer geringen Ein- 
lagerung von Hornblendeschiefein vor; erst unweit der Schiessstätte 
steht noch eine kleine isolirte Kalkpartie an. Unmittelbar östlich von 
Lissitz bilden die Ablagerungen der Kreide (Quader und Planer) und 
des Miocaens die sichtbaren Gebilde. Somit dürfte die Umgegend von 
Lissitz genügend geologisch skizzirt sein. 

Jene Scholle von Quarzphylliten, welche südwestlich von Braslawetz 
zu beobachten ist und ausschliesslich aus Quarzphylliten besteht, wurde 
schon Seite 31 4 erwähnt. Ihr ist nördlich des Baches, der südlich des 
Kaminek entspringt und in den Kunstadt— Skalitzer Bach mündet, an 
der Strasse, nördlich der Brücke über diesen Bach, eine kleine Partie 
Piothliegendgesteine aufgelagert. 

Ferner ist noch zu erwähnen, dass ich im Jahre 1892, östlich des 
Fussweges von Braslawetz (unmittelbar südöstlich dieses Ortes) nach 
Drnowitz, noch eine ganz kleine Partie Gneiss anstehend fand ; heuer 
(1895) fand ich nur mehr eckige Lesestücke desselben. 

Der nördlichste der im Osten auftretenden Züge der Gesteine 
der Phyllitgruppe erstreckt sich vom linken Ufer des Hlubokyer-Baches 
bis an die nördliche Kartengrenze. Die Alluvien des Ivunstadt-Skalitzer 
Baches trennen den östlichen von dem westlichen Theil. Der östliche 
zerfällt wieder durch alluviale und diluviale Auflagerungen in getrennte 
Partien. Die südlichste befindet sich an der Kunstädter Strasse ( Höhen - 
punkt 303 Meter der Karte 1: 25000 \ gegenüber einem Gestüte süd- 
lich der Wiska- Mühle und besteht, so wie der nördlichste, ausschliesslich 
aus Quarzphyllit. 

Die mittlere, der Hügel westlich der Kunstädter Strasse, östlich 
der Mittelmühle mit dem Höhenpunkte 445 Meter (Karte 1:25 000), 
besteht gleichfalls der Hauptsache nach aus Quarzphylliten, denen nur 
im Norden ein kleines Kalkvorkommen, überdies aber auch Quarzit und 
Amphibolgesteine — aber in geringer Ausdehnung — eingelagert sind. 

Der westwärts des Kunstadt-Skalitzer Baches gelegene Theil dieses 
Phyllitzuges besteht in seiner südlichen Hälfte gleichfalls nur aus Quarz- 
l)hylliten — östlich, am linken Ufer des Hlubokyerbaches, ist noch 
eine kleine Partie Gneiss sichtbar — ; erst südlich vom Höhenpunkte 
406 Meter (Karte 1 : 25000), südlich der Mittelmühle, erscheinen krystal- 
linische Kalke und Amphibolgesteine, welche sich mit südost-nordwest- 
lichem Streichen bis an die nördliche Kartengrenze erstrecken. West- 
lich von der Mittelmühle verrathen alte, kaum mehr erkennbare Stollen 
und Halden einstmaligen bergmännischen Betrieb (nach der Tradition 
auf Silber und Gold). 

Westwärts dieser Vorkommnisse, durch Gneisse auf eine Erstreckung 
von etwa 300 Meter von denselben getrennt, erscheinen, hart an der 
nördlichen Kartengrenze, nochmals auf eine Erstreckung von wenigen 
Quadratmetern die Gesteine der Phyllitgruppe u. zw. Phyllite, Marmore 
und, wie Lesestücke es vermuthen lassen, auch Amphibolgesteine. 



[f)!')] Uebcr die kryst. Scliiel'cr- ii. MusseugeistüiiK! etc. nördlich von liriinii. ;;i<) 

Nachdem der leichteren Uebersicht halber zunächst die östlichsten 
und westlichsten Vorkommen der Gesteine der Phyllitgruppe im auf- 
genommenen Gebiete geschildert wurden, erübrigt es nunmehr, auf die 
Besprechung jener Partien derselben überzugehen, welche sich zwischen 
diesen isolirt inmitten des von Gneissen eingenommenen Terrains be- 
tinden. Da sich bei denselben die Verhältnisse wiederholen, die bei den 
Voikommnissen von Lissitz eingehend geschildert wurden, glaube ich, 
mich bei der Besprechung derselben umso mehr in Kürze fassen zu 
können, als die endgiltige Beurtheilung ihres Verhältnisses zu den 
alten Gneissen immerhin erst der zukünftigen Forschung überlassen 
werden muss. 

Bei allden noch zu besprechenden Vorkommnissen verlaufen ihre 
Grenzen derart unregelmässig, dass dieselben nur annähernd angegeben 
werden können. 

Die dem Lissitz — Kunstädter Zuge nächste Partie der Gesteine 
der Phyllitgruppe ist jene, welche sich vom Hluboky im Norden bis 
an den ZIeber-Bach im Süden erstreckt. 

Ihre Verbreitung ist folgende: Sie beginnt als ungefähr 3 — 400 
Meter breiter Zug an der nördlichen Kartengrenze, nordwestlich der 
Ortschaft Hluboky am rechten Ufer des Hlubokyer Bächleins, reicht, 
sich allmählich verschmälernd, mit nordwest-südöstlichem Streiciien ') 
bis Kunitz ; südöstlich von Kunitz verbreitert sich das von den Phyl- 
liten eingenommene Gebiet, eine schmale Zone — gewissermassen ein 
Arm zu nennen — zweigt sich ab, und erstreckt sich bis an den 
Berg Niwa (646 Meter ). dessen Gipfel aus Phyllitgesteinen gebildet 
wird, streicht von Nord nach Süd und reicht bis südlich der Strasse, 
die von Lhotka— Lissitz nach Lissitz führt. Hier, in dem auf der 
Karte 1 : 25000 „ Jelinek* genannten Gebiete trennt nur eine schmale 
Zone Gneiss die Phyllitgesteine von Lissitz von jenen dieser Partie. 
Von „Jelinek" streichen die Phyllite, südlich von Lhotka — Lissitz bis 
zum Lhotkerbache reichend, während im Osten die unmittelbaren Ge- 
hänge am linken Ufer des Baches noch aus Gneiss bestehen, von Ost 
nach West bis nördlich des Pfarrdorfes Bedrzichau, nachdem sie sich 
wieder auf ungefähr 3 — 400 Meter Breite verschmälert haben; von 
Bedrzichau erstrecken sie sich in nordost-südwestlicher Richtung unge- 
fähr in gleicher Breite bis an die Grenze der Brünner und Boskowitzer 
Bezirkshauptmannschatt am Zleberbach. Besser, als dies hier in Worten 
angegeben werden konnte, ist die eigenthümliche Umgrenzung dieser 
Partie von Phyllitgesteinen, sowie jener später zu besprechenden von 
Scherkowitz — Lomnitz — Sinalow — Strharsch, auf der Karte ersichtlich. 

Zu erwähnen ist noch ein nur wenige Quadratmeter im Umfange 
einnehmendes Vorkommen von Phylliten, das am Fusswege von Lhotka — 
Lissitz auf den Niwa in dem Gneissterrain von „Na sträzi", westlich 
des Höhenpunktes 588 Meter der Specialkarte, beobachtet werden konnte. 

In diesen soeben umschriebenen Gebiete des Vorkommens der 
Gesteine der Phyllitgruppe konnten nirgends krystallinische Kalke beob- 
achtet werden ; Quarzphyllite, die aber durch Hornblendereichthum, 

') Bei den (Trenzunguben verwende ich die Bezeichnung „Streichen-' im 
orographischen Sinne. 



820 f>i'- I^- V. Tausch. [56] 

wie /. H. nordöstlich von Bedrzichaii, ausgezeichnet sind und hier auf- 
fallende Felspartien bilden, sind ausschliesslich das vorkommende Ge- 
stein. Nur westlich des bereits erwähnten Gebietes „Jelinek' konnte 
auch eine kleine Partie Graphitschiefer beobachtet werden. 

■Südöstlich von Hluboky beim Höhenpunkte 671 Meter der Karte 
1:2-5000 kann man an der Formationsgrenze vom anstehenden Gestein 
Stücke schlagen, die auf der einen Seite typischen Quarzphylliten ent- 
sprechen, auf der anderen aber von Petrographen als echte Gneisse 
bezeichnet werden. 

Schliesslich ist noch zu erwähnen, dass im Hohlwege, der an der 
Kirche von Bedrzichau vorbei gegen Nordwest führt, eigenthümliche 
rothe Gneisse auftreten, die wiederholt an der Grenze der Phyllitgesteine 
und der alten Gneisse beobachtet werden konnten, wie z 13. am Lom- 
nitzer Bach, im Lissitzer Zug u. s. w., die aber eben wegen dieses 
Analogons hier von mir aber nicht als gangartige Vorkommen, wie 
etwa das Vorkommen im Lissitzer Thiergarten. sondern als die zu 
Tage tretende Unterlage der Phyllitjiesteine gedeutet wurden. 

Südwestlich des soeben beschriebenen Vorkommens befindet sich 
eine kleine Partie von Gesteinen der Phyllitgruppe bei den Orten Osik 
und Brumow. Ihre Umgrenzung ist folgende. 

Wenn man die Lomnitzer Strasse von ihrer Abzweigung von der 
Strasse Bedrzichau — Czernowitz in der Richtung nach Lomnitz begeht, 
sieht man, abgeselien von einer kleinen Decke von Berglehni an der 
Mündung des Bächleins, welches hier die Grenze zwischen den Bezirks- 
hau}>tniannschaften Brunn und Boskowitz bildet, in den Hauptbach bis 
nördlich der Ortschaft Zleb westlich und östlich der Strasse Gneisse 
anstehen. Erst gegenüber der nördlich von Zleb gelegenen Mühle, süd- 
lich des Weges nach Brumow, werden Phyllite westlich der Strasse 
sichtbar, welche aber in sehr geringer Eistreckung nur bis zur Mün- 
dung des Zleber Baches in den Hauptl)ach anhalten. Von hier verläuft 
die Grenze in nordwestlicher Richtung, nördlich des Höhenpunktes 610 
Meter (Za brusincem), mitten durch den Ort Osik, noch eine Strecke 
dem Osiker Bächlein entlang, bis ungefähr zur Waldesgrenze, wendet 
sich von hier erst nördlich, dann nordöstlich bis Brumow- — die nord- 
westlichsten Häuschen von Brumow stehen schon auf Gneiss — und 
erstreckt sich in nordöstlicher Richtung, noch etwas südlich von dem 
alten Fahrweg nach Czernowitz, bis zum bereits erwähnten Bächlein, 
welches die Grenze zwischen der Brünner und Boskowitzer Bezirksiiaupt- 
mannschaft bildet. Dieses Bächlein bildet bis wenige Meter vor seiner 
Mündung in den Hauptbach die weitere Grenze. 

Gneisse bilden westlich der Strasse, von hier bis zur Mündung des 
Brumowerbaches in den Lomnitzerbach, ferner am linken Ufer des 
Brumoverbaches bis unmittelbar südlich von Brumow nur einen kleinen 
Theil der unmittelbar an den Bach herantretenden Abhänge. Sowie man 
dieselben nur auf verhältnissniässig wenige Meter verquert. befindet man 
sich bereits in dem von den Phyllitgesteinen eingenommenen Gebiete. 
Auch südlich der Mündung des ßrumower Bächleins steht noch eine 
kleine Partie von Gneiss an, so dass, wenn man nur Beobachtungen 
im Thale des Lomnitzer Baches sammeln und auch zur Controlle den 



[57] üeber die kryst. Schiefer- ii. Massongpsteino otc. nordlicli von Brunn. ;i21 

Eingang in das Brumowerthal untersuchen würde, man umso leichter 
das Vorkommen der Phyllite übersehen könnte, als dieselben bei Zieh 
selbst nur auf eine sehr kurze Strecke und keineswegs in die Augen 
fallend aufgeschlossen sind. Es verläuft demnach die östliche Grenze 
in einer concaven Linie nach Süd bis ungetähr zur Mündung des 
Brumowerbaches, dann nordwest bis Brumow und von hier wieder Süd- 
ost bis ungefähr Zleb. 

Quarzphyllite sind hier fast ausschliesslich die vorwiegenden 
Gesteine; überdies konnten drei Kalkvorkommnisse — feinkörniger, 
unreiner, blaugrauer Marmor — beobachtet werden. Das nördlichste, 
kleinste befindet sich unmittelbar westlich des Höhenpunktes 602 Meter 
der Specialkarte, unweit der Grenze der Brünner und Boskowitzer 
Bezirkshauptmannschaft; das zweite erstreckt sich von den nordöstlich 
gelegenen Häusern von Brumow im Süden in geringer Breite auf un- 
gefähr einen halben Kilometer nach Nordost ; das südlichste ist un- 
mittelbar nördlich von Osik gelegen, ist das räumlich ausgedehnteste, 
und zeigt ein fast genau ost-westliches Streichen. Es ist vom Maier- 
liofe von Osik in Süd, an der Strasse von Osik nach Brumow, bis zur 
Anhöhe in Nord und östlich und westlich der Strasse noch auf einige 
hundert Meter zu verfolgen. 

Südlich von Osik nehmen die Gesteine der Phyllitgruppe ein aus- 
gedehnteres Gebiet ein. Wie schon erwähnt, kann dessen Umgrenzung 
nur annähernd nn.iegeben werden. Die südlichste Grenze ist bei Scher- 
kowitz Wenn man den Fussweg, der von Sclierkowitz nach Lomnitz 
durch den Lomnitzer Thiergarten führt, begeht, so sieht man kurz vor 
dem Eingang in den Thiergarten noch Gneisse anstehen. Betritt man 
aber den Thiergarten, so erscheinen sofort die Quarzphyllite. Ihre Ost- 
grenze verläuft fast genau nördlich über den Ziegelofen an der Strasse 
von Lomnitz nach Ilaschau voi'bei , bis zum Höheni)unkte 538 Meter 
der Karte 1:25000. Von hier verläuft die Grenze der Phyllitgesteine 
und der Gneisse südwestlich bis ungefähr zu dem Punkte, wo sich die 
Lomnitz— Raschauer und die Lomnitz— Zleber Strasse vereinigen, über- 
schreitet den Lomnitzer Bach, setzt sich in nord-nordwestlicher Richtung 
bis östlich von Sinalow fort, wendet sich östlich bis zum KozaroAver 
Bach, dessen Thal sie aber nicht erreicht, und vollbringt hier die 
Wendung von der östlichen in die nördliche, dann westliche Richtung. 
Ungefähr von dem Höhenpunkte 551 Meter, östlich vor Strharsch, ver- 
läuft sie nordwestlich, um nördlich von Strharsch und südlich der 
Häuser beim Höhenpunkt 453 Meter der Karte 1 : 25000 an der Strasse 
von Ziel) nacli Lomnitz vorbei, am Wege von Osik nach Sinalow, einige 
Meter entfernt vom Waldesrand (nördlich des Ilöhenpunktes 544 Meter 
der Karte l : 25000) den nördlichsten Punkt zu erreichen. Von hier 
verläuft die Grenze fast geradlinig nach Süd, westlich an Sinalow und 
Lomnitz vorbei, bis ungefähr zum Kreuze, nördlich des Ziegelofens an 
der Strasse von Lomnitz nach Tischnowitz. Die Strasse, die von hier 
zu einem Thor der Thiergarteimiauer führt, bildet einen Theil der 
ungefähren Südgrenze der Formationen. 

Soviel ich im Thiergarten von Lomnitz beobachtete — genauere 
Untersuchungen koiuite ich hier nicht anstellen — stehen ungefähr 



322 l^i-- r- V. Tausch. [58] 

bis zu den südlichsten Häusern von Lomnitz am linken Ufer des 
Baches Quarzphyllite, am recliten Gneisse an. Erst kurz vor dem 
Ausgang, resp. Eingang von Lomnitz aus, in den Thiergarten erscheinen 
die Phyllite, die sich dann nach Norden weiter erstrecken. Lomnitz 
selbst steht auf Quarzphyllit, aber südlicli und nördlich der Stadt sind 
demselben theilvveiöe miocaene und diluviale Bildungen aufgelagert, die 
hier vielfach an der Grenze der Gesteine der Phyllitgruppe und des 
Gneisses auftreten. 

Das herrschende Gestein in diesem Gebiete sind ausschliesslich Phyl- 
lite. Einlagerungen eines ähnlichen Marmors, wie bei Osik und Brumow, 
konnte ich nordwestlich von Strharsch mit Südost- und westlichem 
Streichen auf eine Erstreckung von ungefähr einem halben Kilometer 
beobachten, der überdies sowohl östlich als westlich dieses Ortes mit 
Quarziten (Höhenpunkt 551 Meter Ost und 540 Meter Nordwest) in 
Verbindung zu stehen sclieint. Uebeniies konnten Quarzitfelseu auch 
südlich von Sinalow beobachtet werden. Südlich von Lomnitz, östlich 
der Strasse von Tischnowitz nach Lomnitz, nördlich des bereits erwähnten 
Weges, der von dieser Strasse von West nach Ost zum Thiergarten 
führt, befindet sich ein kleines Wäldchen, und hier stehen inmitten 
der Phyllite Gneisse an. Ich kann aber bezüglich dieses Vorkommens in 
Folge schlechter Aufschlüsse kein Urtheil abgeben, ob diese Gneisse als 
Ganggesteine oder als liegendes Grundgebirge, welches in Folge tecto- 
nischer Störungen oder der Denudation hier zu Tage tritt, aufzu- 
fassen sind. 

Schliesslich ist noch das Vorkommen der Gesteine der Phyllit- 
gruppe bei Raschau (tschecliisch Raschow), einer Ortschaft an der 
Strasse von Lomnitz nach Czernahora, zu besprechen. Es ist nur ein 
verhältnissmässig kleines Gebiet, unmittelbar um Raschau herum, etwa 
entsprechend dem von Osik und Brumow, welches die Gesteine der 
Phyllitgruppe liier einnehmen. Von der Lomnitz— Sinalower Phyllitpartie 
ist dieses Vorkommen nur durch eine schmale Zone von Gneissen 
nördlich und südlich des Ziegelofens an der Lomnitz— Raschauer Strasse 
getrennt. 

Wie bei allen übrigen, herrschen auch in diesem kleinen Gebiete 
die Quarzphyllite vor; auf dem Fusswege jedoch, der von Raschau am 
Teich vorbei in südlicher Richtung nach Scherkowitz führt, konnte von 
Raschau bis ungefähr zum Kreuze, wo der Fussweg in westlicher 
Richtung nach Lomnitz abzweigt, ein ähnliches Wechsellagern von Mar- 
moren, Amphibolschiefern, glimmerschieferartigen, aber zugleich an 
Hornblende reichen Gesteinen, und Quarzphylliten, wie westlich von 
Lissitz, beobachtet werden. Unmittelbar südlich, westlich und östlich 
dieses Vorkommens stehen jedoch schon allenthalben wieder Gneisse 
an. Nordwestlich walten Quarzphyllite vor, die südlich der Strasse 
Raschau — Lomnitz gut aufgeschlossen sind. Nördlich der Strasse 
ändern sich die Verhältnisse abermals. Bei der Strassenkrümmung 
nordwestlich von Raschau finden sich im Thale, d. h. im Bachbette, 
eigenthümlich roth gefärbte, wie eine oberflächliche Untersuchung er- 
gab, sehr durch Quaiz und Thon verunreinigte Kalke, die aber von 
den im Westen auftietenden Gneissen durch eine schmale Zone von 



[r)9| Uober die kryst. Schiefen- u. Massengesteine etc. nördlich von Brunn. 323 

Phyllit getrennt sind, mit Qnarziten in Verbindung stehen und von 
Südwest nach Nordost streichen. Sie reichen nur ungefähr bis zum 
Fusswege, der von den westlichst gelegenen Häusern von Raschau in 
nordwestlicher Richtung in den Wald führt, sind hier nunmehr wieder 
graublau gefärbt und reiner, und wechsellagern mit anderen Ge- 
steinen in ähnlicher Weise wie .südlich von Raschau. Der Höhenpunkt 
575 Meter der Specialkarte im Norden und die „Stara-Rasova" im 
Westen bestehen bereits aus Gneiss. In diesem Phyllitgebiete sind auch 
zwei kleinere Gneisspartien zu erwähnen. Die eine bildet einen kleinen 
Hügel nördlich der Gärten von Raschau (Höhenpunkt 540 Meter der Karte 
1 : 25.000), der zweite bildet den südwestlichen Theil eines auf der 
Karte als „Nivky" bezeichneten Territoriums und befindet sich nördlich 
des einzelnen Häuschens an der erwähnten Strassenkrümmung, nord- 
westlich von Raschau. 

Somit wären ganz im Allgemeinen und in Kürze das Vorkommen 
und die Beschafi'enheit der Gneisse und der Gesteine der Phyllit- 
gruppe im aufgenommenen Terrain besprochen ; ich habe nachzu- 
tragen, dass auch inmitten der Gneisse, und zwar: 1. südöstlich von 
Bieltsch, ungefähr beim Höhenpunkte 438 Meter der Karte 1 : 25.000, 
im Bachbette eine nur wenige Centimeter mächtige und nur auf un- 
gefähr 2 Meter Länge aufgeschlossene Schichte von Amphibolschiefer 
als Zwischenlage der Gneisse, 2. auf dem Wege von Czenwir nach 
Skorotitz unmittelbar bei den granitartigen Gesteinen ein ähnliches, 
aber etwas ausgedehnteres Vorkommen von Amphibolgesteinen, deren 
Lagerungsverhältnisse aber nicht ersichtlich sind, beobachtet werden 
konnte. Ueberdies konnte nordwestlich von Scherkowitz, am linken 
Ufer des Rzepkabaches, unweit seiner Mündung, an der Waldesgrenze, 
ein serpentinartiges Vorkommen, anscheinend im Gneiss, festgestellt 
werden. 

3. Schlussbemerkungen. 

Es erübrigt nunmehr, meine Beobachtung über die Lagerungs- 
verhältnisse mitzutheilen und das Verhältniss der Gesteine der Phyllit- 
gruppe untereinander und zu den alten Gneissen zu erörtern. 

In Bezug auf den ersten Punkt glaube ich im Allgemeinen die 
Verhältnisse am besten mit der Angabe charakterisiren zu können, dass, 
abgesehen von vielen localen Unregelmässigkeiten, die Gneisse und die 
Gesteine der Phyllitgruppe im Osten einer theoretisch gedachten, un- 
regeimässig verlaufenden Linie, die sich von Marschow an der südwest- 
lichen Kartengrenze in nordwestlicher Richtung über die Jacowa, Wohant- 
schitz, die Klucanina, Zelezny, Scherkowitz, Jamny, Raschau, Lacznow 
und, mit einer Unterbrechung bei Lissitz, bis Braslawetz und Kunstadt 
an der nördlichen Kartengrenze erstreckt, nach S, SO — 0, im Westen 
derselben im Allgemeinen nach S, SW bis W fallen. Die Gesteine der 
Phyllitgruppe bei Lissitz. die ich ausführlich als „Lissitzer Vorkommen" 
beschrieben habe, fallen fast ausschliesslich SSW. 

Diese erwähnte, theoretisch gedachte Linie könnte vielleicht als 
die ungefähr wellig verlaufende Axe einer alten Anticlinale gedeutet 
werden, deren Flügel aber gegenwärtig nicht mehr gleichmässig auf 
beiden Seiten von der Axe abifallen, sondern die durch nachträgliche 

.Jahrbucli d. k. k. geol. Reichsaiistalt, 189'), 4.'). Band, 2. Helt. (L)r. L. v. Tausch.) 42 



324 T)r. L. V. Tausch. [60] 

Einwirkung der gebirgsbildenden Kraft gegen einander verschoben, 
verdrückt und demnach in eine von der ursprünglichen nicht un- 
wesentlich abweichende Lagerung gebracht wurden, wobei auch kleinere 
locale Störungen, wie Brüche und Uebeischiebungen, nicht zu fehlen 
scheinen. 

Im äussersten Nordwesten der Karte, bei Nedwieditz, scheinen 
sich die Verhältnisse zu ändern; dieses beschränkte Vorkommen kann 
jedoch nur im Anschluss an das unmittelbar benaclibarte, aber bereits 
ausserhalb der Karte gelegene Gebiet beurtheilt werden. 

Bezüglich des zweiten Punktes, des Verhältnisses der Gneisse zu 
den Gesteinen der Phyllitgrui)i)e und dieser zu einander habe ich 
meiner Ansicht wiederholt in den Verhandlungen der k.k. geol. Reichs- 
Anstalt Ausdruck gegeben. 

Ich halte an der daselbst zuletzt geäusserten Ansicht fest, dass 
die Gesteine der Phyllitgruppe jünger sind als die Gneisse und Granat- 
glimmerschiefer, obwohl es mir bisher nicht gelang, in der Art ihrer 
Lagerungsverhältnisse eine Stütze für diese Annahme zu finden. Denn 
fast überall, wo man die Lagerungsverhältnisse l)eobachten kann, sieht 
man — natürlich abgesehen von dem Falle, dass die Gesteine der 
Phyllitgruppe den äussersten, östlichen Rand des böhmischen Massives 
bilden — die Gesteine der Phyllitgruppe dergestalt in die Gneisse ein- 
gelagert, dass Gneisse sowohl das Hangende als auch das Liegende der- 
selben bilden, wobei meist ein auffallender i>etrograi)hischer Unter- 
schied zwischen Hangend- und Liegendgneissen nicht beobaclitet werden 
konnte. 

Dies sieht man u. A. recht deutlich, wenn man vom Marschow 
auf der Strasse bis Lasclianko geht und von diesem Orte in den östlich 
gelegenen Graben zum Bilybach absteigt, w^obei man zuerst Gneisse, 
dann die Gesteine der Phyllitgruppe, endlich wieder Gneisse verquert, 
die insgesammt gleiches Einfallen nach SO zeigen. 

Die Gründe, welche mich demnach bewogen, für die Gesteine der 
Phyllitgruppe ein jüngeres Alter als für die Gneisse und Granatglimmer- 
schiefer anzunehmen, beruhen auf ihrer petrographischen Beschaffenheit, 
auf dem eigenthümlichen, detaillirt beschriebenen Vorkommen als — ab- 
gesehen von den einzelnen Zügen — unregelmässig umgrenzte Schollen 
oder Lappen im Gneissgebiete, und auf dem Umstände, dass analoge 
Vorkommnisse in anderen Gebieten in ähnlicher Weise gedeutet werden. 

In Betreff der Gneisse und der Granatglimmerschiefer, welch' letztere 
nur im nordwestlichsten Theile des Blattes auftreten, habe ich nichts 
weiter zu bemerken, als dass die Granatglimmerschiefer meist gegen 
die Grenze der Phyllitgesteine ihren Granatgehalt verlieren und dann 
in ihrem äusseren Aussehen die Mitte zwischen Glimmerschiefern und 
Phylliten halten. 

Ausführlicher sind noch die Gesteine der Phyllitgruppe zu 
besprechen. 

Ich (1. c, Nr. 100, S. 290) habe seinerzeit für den ganzen Complex 
der nicht altkrystallinischen Gesteine — unter altkrystallinischen Ge- 
steinen verstand ich die Gneisse und Granatglimmerschiefer — den 
Namen „Kwetnica-Schichten" vorgeschlagen, denselben aber später (1. c, 
Nr. 103, S. 321) in Berücksichtigung analoger Vorkommnisse in anderen 



|(t1] lJ(;b(;i- die ki^st. Schiofcr- ii. Mast^ongcstcim; of.c. iiördlicli von Hriiiiii. 325 

Gebieten wieder eingezogen') und die Bezeiciinung „Gesteine der Phyllit- 
gruppe" gewählt. 

Wie bereits erwähnt, bestehen die von mir als zur Phyllitgruppe 
gehörig betrachteten Gesteine aus Quarzphylliten, Qiiarziten, archaeischen 
Conglomeraten und Sandsteinen und den aus denselben hervorgegangenen 
phyllitischen und gneissartigen Gesteinen, Amphibolgesteinen und mit 
diesen wahrscheinlich im genetischen Zusammenhang stehenden Serpen- 
tinen, krystallinischen Kalken — nur in der Umgebung von Tischnowitz 
kommen Kalke vor, die man noch als dicht bezeichnen könnte — 
Graphit-, Kalk- und Quarzschiefern. 

In den von den Gesteinen der Phyllitgruppe eingenommenen Ge- 
bieten wechsellagern ihre Bestandtheile — es möge nochmals betont 
werden, dass selbstverständlich nicht in jedem Vorkommen der Phyllit- 
gruppe auch alle soeben erwähnten Gesteinsarten auftreten — regellos, 
in wechselnder, oft sehr geringer Mächtigkeit, keilen aus oder gehen im 
Streichen in ein völlig verschiedenes Gestein über, und ihr Verhältniss 
zu einander ist noch gänzlich unaufgeklärt. Von älteren oder jüngeren 
Schichten zu sprechen, ist nach meinen bisherigen Erfahrungen un- 
zulässig. 

Bei der Untersuchung der einzelnen Schollen oder Züge der 
Gesteine der Phyllitgruppe konnte beobachtet werden, dass jedes ihrer 
Bestandtheile die unmittelbare Grenzbildung gegen die hangenden oder 
liegenden alten Gneisse und Granatglimmerschiefer vorstellen kann ; 
nur haben diese Grenzschichten oft eine so geringe Mächtigkeit (wenige 
Centimeter), dass man sie, wie z. B. die Quarzphyllite bei einem 
Theile der Kalke bei Laschanko oder die Amphibolgesteine bei Louczka 
oder Raschau, selbst auf der Karte 1 : 25000 nicht zum Ausdrucke 
bringen kann. 

Grenzt zufällig ein aus den archaeischen Quarzconglomeraten und 
Sandsteinen entstandenes gneissartiges Gestein an die häutigst vor- 
kommenden glimmerarmen alten Gneisse, oder treten an der Formations- 
grenze Sericitgneisse auf, oder grenzen Phyllitgesteine an die granatfreien 
Glimmerschiefer mit Phyllithabitus, so wird die Trennung der Gesteine 
der Phyllitgruppe von den älteren Gesteinen sehr schwierig und dem 
willkürlichen Ermessen des Beobachters überlassen. 

In den von den Gesteinen der Phyllitgruppe eingenommenen 
Gebieten treten an drei Localitäten in geringer Verbreitung Eruptiv- 
gesteine auf. Jedes derselben wurde bei der Besprechung der Local- 
vorkommnisse der Gesteine der Phyllitgruppe bereits eingehend erwähnt. 
Das Vorkommen von Zelezny wurde vom Herrn C. v. John als Olivin- 
Diabas bestimmt, jenes von Czenwir als ein dem Gestein von Zelezny 
sehr nahestehendes bezeichnet, endlich das vom Chliwskybach, nordöstlich 



') Es könnte vielleicht nützlich sein, für die iirchiieischeu Oonglonierate und 
8;indsteine, sowie für die Jius denselben hervorgegiingcnen, gneissähulichen (resteine 
einen Localnamen zu wählen, wobei jedoch der Name „Kwetnica" vermieden werden 
müsste, weil das Hauptvorkommen dieser Gebilde sich von Feischkow über Wohant- 
schitz bis Vorkloster erstreckt und nun nur mehr Spuren derselben aufderKwet- 
nitza, sowie auch noch weiter nördlich bei Stiepauowitz vorhanden sind; uothwendig 
scheint es mir nicht zu sein. 

42* 



326 Dr. T;. V. Tausch. [02] 

von Nedwieditz, als ein Gestein gekennzeichnet, welches man, obwohl 
nur sehr verwitterte Stücke desselben untersucht werden konnten, noch 
als einen Diabas benennen kömite, der mit den Vorkommen von Czenwir 
und Zelezny in einem genetischen Zusammenhange stehen dürfte. 

Es dürfte wohl vorauszusetzen sein, dass diese Diabase gleich - 
alterig oder nur um wenig jünger sind, als die Gesteine der Phyllit- 
gruppe, wie ich dies schon bei der Beschreibung des Vorkommens bei 
Zelezny auseinandergesetzt habe. 

Was nun die Frage nach dem geol. Alter der Gesteine der Phyllit- 
gruppe in Bezug auf allgemein als palaeozoisch anerkannte Ablagerungen 
betrifft, so lässt sich dieselbe keineswegs präcise beantworten. 

Nach den Mittheilungen Cam er lander's (1. c, Nr. 9, S. 87) soll 
II. V^olf, welcher im Jahre 1855 dieses Gebiet aufgenommen hatte, in 
seinen Original-Aufnahmskarten eine Reihe von, dem Devon zugezählten 
Zügen, etwa die conglomeratischen Bildungen und die ungefähr bis 
Tischnowitz auftretenden Kalke umfassend, ausgeschieden haben, welche 
^'orkommnisse dann später von Foetterle (1. c, Nr. 15, S. 74, 75) 
zur krystallinischen oder Urthonschiefer-Zone gezogen und demgemäss 
kartirt wurden. 

In einer ausserordentlich gründlichen und tieissigen Arbeit tritt 
Camerlander (1. c, Nr. 10, S. 407), sich den Ansicliten Wolfs 
anschliessend, für das devonische Alter der Phyllitzone mit aller 
Entschiedenheit ein. Es würde zu weit führen, auf alle Details seiner 
Arbeit einzugehen ; diesbezüglich sei auf die Leetüre seiner Publi- 
cation hingewiesen. Genügen möge es, dass Camerlander nach 
seinen an Ort und Stelle durchgeführten geologischen Aufnahmen mit 
Berücksichtigung der ihm analog erscheinenden Fälle — der aus ver- 
schiedenen krystallinischen Gebieten bekannt gewordenen archaeischen 
Congloraerate, der im Westen des sogenannten ßrünner Syenites, zwischen 
diesem und dem Rothliegenden befindlichen devonischen Bildungen, der 
Phyllite und Quarzite, welche das Liegende des Devons vom Rittberg und 
von Czellechowitz bilden — zu dem Resultate gelangte, „dass nach den 
petrographischen Analogien sowohl für das Gebiet bei Tischnowitz, wie 
für den Kalkzug westlich des Syenits nur an das Devon zu denken sei", 
zumal (I. c, Nr. 12, S. 47) er „in den allgemeinen Verhältnissen der 
Tektonik kein dagegen sprechendes Moment zu erblicken vermochte". 

A. Makowsky und A. Rzehak, welchen Autoren bei der Publi- 
cation ihrer „Geol. Verh. der Umgb. von Brunn" I. c, Nr. 5.') nur die 
erste Mittheilung Camerlan der's (1 c, Nr. 9, S. 87) vorlag, schlössen 
sich der Wo If- Camer 1 an d er'schen Ansicht nicht an. Sie haben so- 
gar in der von ihnen herausgegebenen geologischen Karte der Umge- 
bung von Brunn die Gneisse und Glimmerschiefer sammt den Gesteinen 
der Phyllitgruppe mit einer Farbe colorirt und in diesem Gebiete „der 
krystallinischen und halbkrystallinischen Schiefer" nur noch „Kalksteine 
im krystallinischen Schiefer" ausgeschieden. Doch werden in den „Er- 
läuterungen" (I. c, Nr. 55, S. 156—163) dem Thonglimmerschiefer 
Quarzschiefer, den halbkrystallinischen Quarzconglomeraten, dem Kalk 
sammt den Mineralvorkommnissen dieser Gesteine besondere Abschnitte 
gewidmet, und denselben, auf Grund des Unterschiedes in petrographischer 
wie tektonischer Beziehung, sowohl von den alten Gneissen und Glimmer- 



ili;)] TJ('l>er(lit; kry.st Hchit'tdi- ii. Mass(!iig(isti!iiiü vir,, iiardlicli von Bniuii. }}'21 

schiefern, als auch von den devonischen Gebilden, „nach welchem die 
Vermuthunjien Cam e rlan d er's demnach keine Bestätii^ung linden", ein 
altpalaeozoisches, jedenfalls vordevonisches Alter vermuthiingsweise zu- 
j>esprochen. Detaillirte iVusführungen fehlen, weshalb auch Camer- 
1 an der (1. c, Nr. 12, S. 47) in seinen Bemerkungen zu den geolo- 
gischen Verhältnissen der Umgebung von Brunn sich nicht bemüssigt zu 
finden erklärte, seine Ansicht über das Alter der fraglichen Gebilde zu 
ändern. 

Ich selbst habe nach meinen ersten geologischen Untersuchungen 
in der Umgegend von Tischnowitz die besprochenen Bildungen für devo- 
nisch erklärt (1. c, Nr. 99, S. 249, Nr. 100, S. 291), eine Auffassung, 
die auch Prochazka, der mich vielfach begleitete, acceptirte und in 
seiner Tischnowitzer Monographie (geologische Skizze von Tischnowitz, 
Tischnowitz 1893, mit tschechischem Titel und Text) zum Ausdrucke 
brachte, seither aber meine Ansicht gründlich geändert und davon auch 
in unseren Verhandlungen 1894 (1. c, Nr. 103, S. 322) Mittheilung 
gemacht. 

Camerlander hatte die Frage aufgeworfen: „Ist es zweck- 
mässiger und richtiger, die anerkanntermassen petrographisch und tek- 
tonisch vom Gneiss getrennten Bildungen auch thatsächlich von diesen 
abzutrennen und — bei dem Mangel an Fossilien — den Weg des Ana- 
logieschlusses betretend, lieber an die petrographisch verwandten Bil- 
dungen des nahen Devon bei Brunn etc. zu denken, als an ander- 
weitige, palaeozoische Ablagerungen, wie wir sie vielleicht in Böhmen, 
als dem nächsten Gebiete, antreffen mögen, oder abei dieselben Bil- 
dungen trotz aller zugegebenen Unterschiede doch mit dem Gneiss u. 
s. w. zu vereinen?" 

So sehr ich nun Camerlander zustimme, dass die Gesteine der 
Phyllitgruppe von den alten Gneissen und Glimmerschiefern getrennt 
werden müssen, so halte ich auch anderseits dafür, dass Camerlander 
die Analogie dieser Bildungen mit jenen des Devons von Brunn etc. 
viel zu sehr überschätzt hat. 

Ohne allen Zweifel bilden die Phyllitpartien im Blatte Boskowitz und 
Blansko nur einen Theil der Phyllitvolkommnisse im ganzen österr.- 
mähr. -böhmischen Massiv. Gilt für sie das devonische Alter, so muss es 
auch allen aequivalenten Phyllitvorkommnissen nicht nur in den un- 
mittelbar benachbarten Gegenden, sondern auch bei den anderen 
analogen Vorkommnissen zuerkannt werden, eine Annahme, für welche 
voraussichtlich selbst Camerlander nicht eingetreten wäre. Allerdings 
ist speciell das Phyllitgebiet bei Tischnowitz durch das Vorkommen 
von conglomeratischen Gesteinen und dichten Kalken ausgezeichnet, 
die bisher in ähnlicher Weise, wie ich glaube, im böhmischen Massiv 
nicht bekannt geworden sind. 

Immerhin ist es aber möglich, dass bei einer Neuaufnahme — die 
letzten geologischen Aufnahmen am Ostrande des Massivs waren Ueber- 
sichtsaufnahmen und wurden in den Vierziger und anfangs der Fünfziger 
Jahre vorgenommen — ähnliche Vorkommnisse auch anderwärts be- 
obachtet werden können ; vielleicht könnten auch jene Bildungen zum 
Vergleich herangezogen werden, welche von Part seh (1. c, Nr. 63, 
S. 14) als „unkrystallinische Schiefer" bezeichnet wurden, „welche sich 



328 r>i-. I>. V. Tausch. [64] 

an den A[)fall der mährischen Hochebene zwischen Znaim und Mähr.- 
Kromau anlehnen und die dem unteren oder cambrischen System der 
Grauwacken-Gruppe angehören dürften". Sollte dies aber auch nicht der 
Fall sein, so muss betont werden, dass weder gleichartige conglomerat- 
ische Bildungen, die vielfach in gneissartige Gebilde oder echte Phyl- 
lite übergehen, noch diesen ähnliche Gesteine im ganzen mährischen 
Unterdevon beobachtet werden konnten. 

Die Quarzite und Conglomerate des Unterdevons, die im Capitel 
„Devon" beschrieben sind, haben einen ganz anderen Gesammthabitus 
als die Quarzite und conglomeratischen Bildungen der Phyllitgruppe. 
wobei natürlich ebenso, wie bei den in der Folge zu besprechenden 
Devonkalken, allerdings der Fall vorkommen kann, dass Handstücke sich 
ausserordentlich ähnlich seilen können. 

^^'ie ich im Vorausgehenden bei der Beschreibung der conglo- 
meratischen Bildungen nachgewiesen zu haben hoffe, stehen diese im 
innigsten Zusammenhange mit den Phylliten. 

Camerlander vergleicht die Phyllite und Quarzite von Tisch- 
nowitz mit gleichartigen Bildungen vom Rittberg und von Czellecho- 
witz, welche das Liegende der Devonkalke bilden sollen, in der Auf- 
fassung, dass diese das Unterdevon repräsentiren. Die Phyllite bilden 
jedoch am Kittberg etc. das Liegende der typischen Unterdevonquarzite, 
die sich wesentlich von den Quarziten der Phyllitgruppe unterscheiden, 
auf welche erst die mitteldevonischen Kalke folgen ; sie sind somit 
älter als das Unterdevon 

Was nun den Vergleich der Kalke der Phyllitgruppe mit jenen 
des Devons auf der WestÜanke des Brünner Massivs betrifft, so muss 
hervorgehoben werden, dass der Gesammtcharakter der Kalke der Phyllit- 
gruppe ein durchaus krystallinischer ist; denn nur ganz ausnahms- 
weise kommt der Fall (zwischen Tischnowitz und Stiepanowitz) vor, dass 
iimiitten der krystallinischen Kalke kleine Partien dicht und so den 
devonischen Kalken ähnlich werden. Fossilien wurden aber in denselben 
niciit gefunden. 

Die Kalke auf der Westtlanke der Brünner Eruptivmasse hin- 
gegen sind durchwegs dicht; von iMchhorn — Bitischka wird aus denselben 
von A. Makowsky und A. Kzehak (1. c, Nr. 55, S, 186j Calamopora 
filifunnis Roein. erwähnt ; ich selbst habe in den Kalkfelsen zwischen 
Czebin und Malostowitz Korallen {CiiatlioplujUam ,spec.) gefunden. 

Ein Zusammenhang zwischen diesen Kalken besteht nicht ; die 
Kalke an der Westflanke der Brünner Eruptivmasse sind devonisch, 
die Kalke westwärts des Rothliegenden sind Bestandtheile der Phyllit- 
gruppe, deren Analoga bei Olmütz das Liegende des Unterdevons bilden. 

Zum Vergleich mit dem von den Gneissen, Granatglimmerschiefern 
und den Gesteinen der Phyllitgruppe im Blatte Boskowitz einge- 
nommenen Terrain möchte ich jenes Gebiet heranziehen, welches von 
M. Vacek (Ueber die krystallinische Umrandung des Grazer Beckens, 
Verhandl. der k. k. geol. Reichs-Anstalt, Wien 1890, S. 9) beschrieben 
worden ist. Hier kommen, wie es scheint, die alten Gneisse, Granat- 
Glimmerschiefer und die Quarzphyllite in grösserer Ausdehnung und 
normaler Lagerung vor. In der Vac ek'schen Quarzphyllitgruppe treten 
die von ihm (1, c. S. 18) „Rannach- Conglomerate" genannten Gebilde 



[()r)] lieber die kryst Schiefer ii. Massengesteine etc. nördlich von Briinn. .'529 

auf, die ich nach der Besichtigung der Vacek'schen Aufsammlung für 
aequivalent den archaeischen Conglomeraten und Sandsteinen von Peisch- 
kow, Wohantschitz und Vorkloster halten möchte. 

Auf Grund aller meiner Beobachtungen komme ich gleichfalls zu 
einer der Auffassung von A. Makowsky und A. Rzehak (1. c, Nr. 55, 
S. 163) ähnlichen Folgerung: dass man nämlich in den Gesteinen der 
Phyllitgruppe im Blatte Boskowitz und Blansko eine Reihenfolge alt- 
setlimentärer Bildungen vor sich habe, deren genaue Altersbestimmung 
bei dem gänzlichen Mangel an Fossilien und wegen der Undeutlichkeit 
der Lagerungsverhältnisse derzeit unmöglich erscheint. 



III. Die Devonformation. 

Die Devonformation ist die älteste Bildung der im Blatte Bos- 
kowitz und Blansko auftretenden, geologisch sicher bestimmbaren 
sedimentären Ablagerungen, 

Sie gliedert sich in drei Abtheilungen, in das aus verschiedenen, 
zumeist quarzreichen Gesteinen bestehende Unterdevon, in das 
kalkige Mi 1 1 e 1 d e v o n und in das in thonig-kalkiger Facies entwickelte 
Oberdevon. 

Die unter- und mitteldevonischen Ablagerungen erscheinen nicht 
blos an der Ost- und Westflanke der Brünner Eruptivmasse, sondern 
auch inmitten des von den Eruptivgesteinen eingenommenen Gebietes, 
das Oberdevon aber nur in sehr vereinzelten und gering mächtigen 
Vorkommnissen als Hangendes der im Osten der Brünner Eruptivmasse 
auftretenden mitteldevonischen Kalkmassen. 

Petrographische Beschaffenheit der devonischen Ablagerungen. 

1. Das Unter de von. 

Die unterdevonischen Ablagerungen sind äusserst mannigfach und 
es sind der Hauptsache nach folgende Bestandtheile, welclie sie 
zusammensetzen : 

Q ua rzcongl om erate. Diese bestehen aus bohnen- bis faust- 
grossen, wasserhellen, milchweiss, rosa- bis dunkelrotli gefärbten, ab- 
gerundeten Quaizstücken, die durch ein mehr oder minder festes 
Bindemittel verkittet in dem einen Falle ein äusserst hartes Ge.stoin 
darstellen, in dem andern aber leicht in Schotter zerfallen. 

Quarzite. Ihre Farbe ist in der Mehrzahl der Fälle rotb, sel- 
tener grau bis weiss. 

Sandstein. Die Sandsteine sind fast durchwegs roth gefärbt, ihre 
Bestandtheile von Hirse- bis Bohnengrosse, in ihrem Habitus — aller- 
dings nur für den geübteren Beobachter — sind sie von den Sand- 
steinen der Rothliegendforraation wesentlich verschieden, und mit Recht 
wurden sie schon von Reichenbach als ein Aequivalent des Old red 
sandstone der Engländer angesehen. 

Kalkige Sande. Es ist dies ein GJestein, welches man beim 
ersten Ani)lick für einen Quarzit halten würde. Behandelt man aber 



3,30 T)r. L V Tanscli. [66] 

ein Stückchen desselben mit Salzsäure, so braust es und es bleibt 
ein bedeutender Rückstand, welcher sich bei genauer Untersuchung 
als feiner Quarzsand erweist. 

Schiefergesteine. Da dieselben durchwegs eine relativ unbe- 
deutende Mächtigkeit besitzen, überdies meist in Folge ihrer Weichheit 
eine, gegenüber den Einflüssen der Denudation geringe Widerstandskraft 
besitzen, (ieshalb aucli anstehend selten zu beobachten sind und haupt- 
sächlicli nur durch ihre Verwitterungsproducte ihr Vorkommen ver- 
i-athen, wurden sie seinerzeit vielfach übersehen und zumeist nur dadurch 
bekannt, dass auf die in ihnen enthaltenen Eisensteine seinerzeit ein 
Bergbau betrieben wurde. Die ßergbaue sind seit Jahren aufgelassen, 
oberflächlich sind Felder und Wälder, und nur vereinzelte Lesestücke 
verrathen in der Regel an der Grenze zwisclien der Brünner Eruptiv- 
masse und dem kalkigen Mitteldevon heute das Vorkommen des schiefrig 
entwickelten ünterdevons. 

Die Beschreibung dieser Gesteine muss ich deshalb den Arbeiten 
von C. Reichen b ach sowie von A Makowsky und A. Rzehak 
entnelimen, die nocli zur Zeit des Bergbaues Gelegenheit hatten, die 
Gegend zu uniersuchen, werde sie aber erst in der weiteren Folge, 
bei der Erwähnung der Fossilien, die in den Schiefergesteinen gefunden 
wurden, citiren. 

Ich selbst habe anstehend nur bituminöse Kalkschiefer (Ernstthal, 
man vergl. auch Braun 1. c, Nr. 5, S. 37), quarzitische, eisenschüssige 
Scliiefer (Schlucht zwischen Olomutschan und Ruditz gegen Laschanek, 
Blanzecke) und ein kleines Vorkommen eines graphitschieferartigen 
Gebildes bei Wratikow beobachten können. 

Im Anschlüsse an die thonig-kalkigen oder quarzitisch-eisen- 
schüssigen Schiefer des Unterdevons muss noch ein eigenartiges Ge- 
bilde besprochen werden. 

Während man nämlich wiederholt beobachten kann, dass auf 
liarten Syenit-Granit die Quarzconglomerate oder die rothen Sand- 
steine des Unterdevons folgen, kann auch der Fall eintreten, dass nicht 
nur die Brünner Eruptivmasse an ihrer Formationsgrenze in der be- 
reits erwähnten schiefrigen Ausbildung, sondern auch das Unterdevon 
schiefrig entwickelt ist, so dass gewissermassen ein üebergang des 
Eruptivgesteines in die Schiefer des Unterdevons vorhanden zu sein 
scheint, und hier muss es wolil dem subjectiven Ermessen des Be- 
obachters überlassen werden, die Grenze zwischen den beiden Gebilden 
zu ziehen. 

Die unterdevonischen Alagerungen sind sowohl durch den fort- 
währenden Wechsel in der Mächtigkeit, die aber stets als eine relativ 
sehr gelinge bezeichnet werden muss, als auch dadurch gekennzeichnet, 
dass im Streichen ein fortwährender Wechsel in ihrer mineralogischen 
Zusammensetzung stattfindet. 

Zum Schlüsse der Schilderung der petrographischen Beschaft'enheit 
der unterdevonischen Ablagerungen möge es gestattet sein, die äusserst 
zutreflende Beschreibung derselben durch Reichen b ach (1. c, Nr. 70, 
S. 05) hier zu erwähnen. Sie lautet: 

„Die Formation besteht entlang ihres Streichens so wenig als 
ihres Fallens immer aus derselben Felsart, sondern wechselt in solchem 



[üT] Uebcr (He kryst. Schiel'cr- u. Mabsengestciiic; vtc. iiiirdlich von Biiiiin. rj;] l 

Masse, das auf nicht grosse Entfernungen, das heisst, auf die von 
wenigen Stadien nicht blos einzelne Gemengtheile verschwinden oder 
andere sich beigesellen, sondern das ganze Gestein so völlig ein anderes 
von Grund nus wird, dass von den früheren Gemengtheilen desselben 
auch nicht ein einziger mehr vorhanden scheint. Und doch erweist 
sich das Gebilde im ganzen Grossen als ein und dasselbe, als eine 
constante, selbstständige Formation ; denn die verschwindenden Be- 
standtheile kehren nach kurzen Intervallen wieder, und indem sie 
tausendfältig im Räume wechseln, stellen sie doch immer die Regel 
ihres Daseyns, Kommens und Gehens wieder her. 

Das äussere Ansehen hat deshalb wenig oder nichts Gemein- 
sames. Es herrscht ein beständiger Wechsel der Farben, Gestalten, 
Anhäufungen, denen es an aller Beständigkeit fehlt. Bald ist ein vor- 
waltender oder charakterisirender Bestandtheil da, bald keiner; bald 
ist es dieser, bald ein anderer, bald halten sich dieselben untereinan- 
der der Grösse nach das Gleichgewicht, bald präponderirt einer ausser 
allem Verhältnisse. Die Festigkeit ist auf gleiche Weise wankend, 
vom Zerreiblichen bis zum höchsten Schwerzersprenglichen. Die Härte 
vom weichen bis zum stärksten Feuergeben am Stahle u s. w." 

2. Das Mitteldevon. 

Das Mitteldevon ist durchaus nur in kalkiger Facies entwickelt. 
Die Kalke sind dicht, sehr selten halbkrystallinisch, lichtgrau, rosaroth, 
meist aber graublau, dunkelgrau bis schwarz gefärbt, vielfach bituminös' 
zuweilen reine Muschel- und Korallenkalke. 

Nach A. Makowsky und A, Rzehak ist die Hauptmasse der- 
selben (im Osten der Brünner Eruptivmasse) sehr thonreich und liefert 
als „Veiwitterungs- und Zersetzungsproduct einen eisenschüssigen Thon, 
eine terra rossa, welche sich in Klüften und Hohlräumen, in Höhlen 
und Dolinen ansammelt". 

Die östlich der Brünner Eruptivmasse auftretenden Devonkalke 
sind durch das Vorkommen zahlreicher grösserer und kleinerer Dolinen 
und Höhlen ausgezeichnet. Wenn man das ausgedehnte Kalkplateau 
begeht, in welches das dürre und das öde Thal eingefurcht sind, fühlt 
man sich unwillkürlich in eine Karstlandschaft Istriens versetzt. Hier 
wie dort eine kahle, vegetationslose Fläche und allenthalben Dolinen, 
die aber allerdings in der Regel die durchschnittliche Tiefe der Karst- 
dolinen nicht erreichen ! Auch hier rauss man die schonungslose Aus- 
rottung der Wälder bedauern, an deren ehemaligen Bestand vereinzelte 
mächtige Buchen und Eichen in den von der Devastirung noch ver- 
schonten Thälern erinnern. 

Manche dieser Dolinen sind noch gegenwärtig mit verschiedenem 
Material angefüllt und nur eine seichte, kreisförmige Einsenkung ver- 
räth ihr Dasein. Manche hinwiederum sind durch Menschenarbeit ihres 
Inhaltes entkleidet, und auf diese Weise in ihrer ursprünglichen Art 
wieder sichtbar gemacht. 

Die grösste unter den Dolinen, welche man zwar nicht als eine 
einfache Doline, sondern als Combination einer Doline mit einem durch 
Deckeneinstürze einer Höhle entstandenen Kessel auffassen muss, ist 

.Jahrbuch d. k. k. geol. Reicli.saustalt, 1895, 45. Band, 2. Heft. (Dr. L. v. Tausch.) 43 



332 I^i"- I- V. Tausch. [68] 

die bekannte „Mazocha"; nach A. Mak o wsky und A. Rzehak (^1. c, 
Nr. 55, S. 178) „ein tvichterförmiger Abgrund, begrenzt von fast senk- 
rechten Felswänden bis zur schwindelnden Tiefe von 137 Meter (130 
Meter nach der Specialkarte), während die Mündung eine Länge von 
rund 150 Meter, eine Breite von 70 Meter besitzt". Die Mazocha ist 
östlich des öden Thaies, der Ruine Blanzecke gegenüber, im Willi- 
mowitzer Gemeindegebiete gelegen. 

Von den zahlreichen Höhlen dieses Gebietes mögen als die be- 
deutendsten die Schoschuwka-, Slouper-, die Ostrow- Holsteinerhöhlen, 
die Bejciskala, die Vvpustekhöhle, die Hugohöhlen bei Jedownitz und 
die Ochoserhöhlen erwähnt werden. 

Während man aber bisher in den Höhlen als älteste Sedimente 
nur Bildungen mit zahlreich eingelagerten Knochen diluvialer Säuge- 
thiere gefunden hat, sind eine Anzahl von Dolinen theils mit jurassi- 
schen, theils cretacischen, selten mit miocänen Ablagerungen ausgefüllt. 
Es erhellt daraus sehr klar die Thatsache, dass die Bildung der Dolinen 
zu verschiedenen Zeiten stattgefunden hat. Man kann wohl als sehr 
wahrscheinlich annehmen, dass während der oberen Steinkohlen-, der 
Rothliegend-, der Trias-, der Lias-, der unteren Kreide- und der unteren 
Tertiäi'formation die Devonkalke nicht vom Meere bedeckt waren, und 
dass jeweilig in diese Epochen die Entstehung von Dolinen fällt, welche 
sich aber wieder vom Diluvium bis in die Gegenwart fortsetzt. Schon 
Reichenbach hat sich mit der Frage über das muthmassliche Alter 
der Dolinen befasst, und ich glaube seinen Ausführungen hier Raum 
geben zu dürfen, um nachzuweisen, wie geistreich und scharfsinnig 
R e i ch e n b a c h bei Behandlung derartiger Fragen vorging, wenn er auch 
wegen allzu grosser Speculation und wegen des damaligen Tiefstandes 
der geologischen Wissenschaft (1834!) nicht immer das Richtige traf. 

Reichen bach (1. c, Nr. 70, S. 188) schreibt: 

„Es ist doch wohl unwahrscheinlich, dass die Mutter Gäa, während 
sie in anderen benachbarten Ländern Meere wälzte und Formation 
auf Formation thürmte, nur gerade hier in Mähren stillgestanden und 
das bis zur Hauptsteinkohlenformation Gemachte gegen jede Umwälzung 
oder Auftragung geschützt haben sollte. Zu einer solchen paradoxen 
Annahme sind keine zureichenden Gründe vorhanden, und doch stösst 
man auf einen Umstand, der in Versuchung führt, nach kaum reim- 
baren Erklärungsmitteln zu greifen. Man sieht nämlich den Quader- 
sand nicht nur auf Syenit, Lathon und Kalk aufliegen, sondern man 
findet auch die durch eingestürzte Kalkhöhlen entstandenen einge- 
schlossenen Abgründe damit ausgefüllt. Die Auflagerung dieses jungen 
Gebildes auf die ältere Formation unmittelbar im offenen Felde ist 
nach unseren dermaligen Ansichten einfach klar, aber einen grossen 
Anstand finde ich hiebei in Hinsicht der Kalkgruben. Sind Auflagerungen 
verschiedener Gebirge einander gefolgt, die wieder weggerissen, weg- 
geschwemmt, vielleicht während der Entstehung schon an einer ruhigen 
Ablagerung verhindert worden sind, haben die Ursachen, welche die 
Entstehung der Formation bewirkten, über den ganzen Erdball ihre 
Macht verbreitet, wie kömmt es und wie ist es möglich, dass unsere 
Kalkgruben ebenso wie das flache Land nur von Bohnerzgebilden, 
d h. von Quadersand erfüllt sind, und zwar nicht nur überhaupt 



[69] Ueber die kryst. Schiefer- u. Massengesteine etc. nördlich von Brunn. 3p,;-i 

von nichts anderem, sondern auch keine einzige von etwas anderem? 
Der Einsturz der Kalkhöhlen muss ein zufälliges bald da, bald dort 
vorgekommenes Ereigniss gewesen seyn, wie er es sowohl in Mähren, 
als auf der schwäbischen Alb noch heutigen Tages ist; ihre Ausfüllung 
muss also, gleich der Ausfüllung der Gänge, immer Aufgabe desjenigen Ge- 
steins gewesen seyn, welches jedesmal gleichzeitig oder der Zeitfolge 
nach zunächst erzeugt wurde, auf den festen Grund sich niederlegte. 
Ein Wegwaschen oder Wegreissen aus Abgründen, wie die Mazocha 
und ähnliche Vertiefungen von oben weg, ist nicht zu denken. Warum 
also sind einzelne Gruben nicht mit Rothtodtem, nicht mit Zechstein, 
nicht mit Buntsand, Keuper, Lias u. s. w. ausgefüllt? ja noch mehr: 
Die Superposition dieser Formationen könnte man bezweifeln, weil sie 
in Wirklichkeit nicht da sind, und möglicher Weise die erzeugende 
Ursache aus unbekannten Gründen nicht bis hieher ihre Wirksamkeit 
ausgedehnt hätte; die jüngere sogenannte Grauwacke, d.h. der Kohlen- 
sandstein, aber mit ihren Sandsteinen ist doch thatsächlich da dem 
Kalke aufgelagert, und zwar nicht nur zunächst der Erzgruben, son- 
dern auch noch mit einem weit über den Kalk in die Höhe steigen- 
den Niveau ; warum nun ist keine einzige Kalkgrube auch nur mit 
der Grauwacke, den Sandsteinen oder Kohlenflötzen der Hauptkohlen- 
formation ausgefüllt? — Diese Fragen führen nothwendig auf die des 
Alters der Kalkgruben, welches ziemlich nahe gelegen ist dem der 
Kalkhöhlen selbst. Die Antwort fällt nothwendig dahin aus, dass die 
Höhlen und Abgründe nicht bald nach der Ablagerung des Kalkes 
entstanden sein können ; dass sie in keinem Falle während der Ab- 
lagerungsperiode der Hauptsteinkohlenformation sich ereigneten, dass 
sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht bewirkt wurden während den 
langen Zeiträumen der Bildung aller Glieder vom Rothtodten bis auf- 
wärts zum Quadersand ; dass sie allem Ansehen nach erst nahe bei 
der Zeitepoche zu werden begonnen haben, mit welcher der Quader- 
sand sein Dasein beginnt; dass während dieser ganzen langen Zeit 
Umstände obgewaltet haben, welche die Bildung von Höhlen im Kalke 
nicht zuliessen. Mögen nun diese bestehen, worin sie immer wollen, 
so schliessen sie in jedem Falle einen lebhaften Wasserdurchfluss 
durch den Kalk aus ; sie machen es wahrscheinlich, dass der Kalk 
ganz und gar unter Wasser gestanden habe, vielleicht unter dem- 
selben Wasser geborgen geblieben seyn möge, in welchem er laut Aus- 
weis seiner Muscheln gebildet wurde, weil unter Wasser dann kein 
Durchfluss desselben wahrscheinlich oder annehmbar ist ; sie geben 
der Möglichkeit Raum, dass wenn andere überlagerte Formationen über 
dem Kalke weggerissen worden seyn sollten, bis er wieder entblösst 
war, diese alle hinwegkamen, ehe eine Kal